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Wiener Morgenzeitung · 1919-09-02 · Heft 224 (2.9.1919) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 224 (2.9.1919)
Date
1919-09-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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HHMyEpurrr Krltrr Bits: Bit ftyfttibat tot» 0«:*: «MSttlch. . . , S 7.— »WtVilAM« . . .. «0.- Ästkiährig . ... 40.— Ekaniiil-rrig . , , „ 80»— lä«i‘Sc?r«;-f/wi: . MsasÄlch. . . .K 7.80 Ki<v»>tr-rV»ig . . ..' N«.— . . . M 44.- 88.— r. AdstMfts». rener GrryerötkemPrar, Vreks 2s Heiler Nsäturvrrvsttimck» preis« füp La« A»«tav>r Monattlch . . . L 8.H0 xr-vtsiiLtzkia. ... »8- ^alLiShrig . . . .. S0 - Ya,nsal>vrft..... '.»><— J. «. ALmr»M»- t.uw: Wr.r-.-r, I*. &<t)i aalte* ft* *U\ ' VLKsp>»r!rirff«»'Kaule A». i'»o.u;ia Nr. Wien, Dienstag, den 2. September 1819 1. Jahrgang Oesterreichs Schicksalstag. v W i e n, 2. September. .. Heute witb itt Saint-Germain der Entwurf des Friedensvertrages der österreichischen Delegation ohne jede Feierlichkeit eingehäitdigt. Es ist kein „Vertrag", der jüttner ein freiwilliges Ueberein kommen ist, sondern H[ mit stärkerem Sinn als irgendein Friede früherer ZÄÜen ein Utteilsspruch, der dMch dir Einsicht der «inen Partei, die allerdings diesmal aus vielen Köpfen bH-ht>- zustäudegekonnnen ist'ust^» 'der anderen Partei Mfach auferlegt wird. Die Unterschrift ist nur noch ZstftMalität, es ist kein Zweifel, daß wir unterschreiben müssen. '5' Obwohl diese vier schweren und langwierigen Moneche viel über alle möglichen Einzelfragen gesprochen Itipc, der Oberste Rat und die! Kommissionen sich gar nicht in dem ChaoS Zrrvech.tfinden-'7'ünuten, das ehemals L^sterreich'.-hieß und durch das? Zerschlagen des. alten NÄandcs nur noch größer geworden ist,'obwohl die Mschiedensten Interessen kleinef-. und großer Mächte gegeneinander wirkten ustd dem Altsgleich widerstrebten, tchxr doch die Frage der Behandlung des deutschen LMerreich. das' durch den 'Wilstn der Entente jetzt eistfecch ,L)esterresthische Republik" .heißt, zunächst eine prinzipielle: Die .Großmacht - Otzsterreich-Uugarn, die gegen die Entente Krieg geftthrt hat, besteht nicht mehr; die'einzelnen Sukzessionsstaaten .lehn-en cs ab, als Erben der Monarchie angesehen zu werden, „Dentsch-OesterteiH" allein bleibt übrig, ein 'schwächlicher Rest, um alle Lasten zu trägen. Demgegenüber hat sich unsere Regierung auf den Standpunkt gestellt, daß auch Deütschösterveich kein Rechtsnachfolger'" Oesterreichs' ist, sondern als ganz neue? politisches Gebilde, das ' niemals Krieg geführt hat, Anerkensttlng heischt. * ' Auf diese Konstriktion ein'zNg^hen war nur der Dos Konferenz aber hat diese 'Äusfassimg 'ä' priori abgelehnt. Wir aber uMem Mge'nI'.^st!die deutschöster-- rSichische Politik und das Verhalten der Exponenten der' .'öffentlichen Meinung ein? solches war,- das ihre Argumentation rechtfertigen konnte. In Wirklichkeit''ist dies nie der Fall gewesen. . Die.^Haltung ..der.'-fdsutsDn' Nationalisten hat nie einen Zivsifel darüber.gelassen, baß der alte Geist des nationalen Chauvinismus'nochlGL und daß das Haudegen-Hei^ nur darmn-nicht'gesucht wird^ weil der Degen zerbrochen, ist. Der Militarismus imd der Krieg werden verdammt, weit inan. besiegt ist, baß wir «uns durchaus.als die.besiegten Feinde her Entente fühlen, an diesem Eindruck konnte auch her -Umstand nichts ändern, daß wir dos Wohlwollen und Entgegenkommen der Sieger zu gewinnen suchten. In Wahrheit ist nirgends ein neuer Geist, nirgends eine Verwandlung zu merken; das Wesen der „Wiedergeburt liegt ja darin, daß man das Schlechte des früheren Lebens durchschaut und ein ganz neues Leben auf neuen geistigen Grundlagen zu beginnen .entschlossen ist. Wäre dies der Fall und wäre durch' die Revolution das deutsche Volk Oesterreichs wirklich' neu geboren worden, dann würde sich die Wirkung dieses Phänomens Nach außen ganz nebenbei einstellen und man hätte Acht nötig, fortwährend' zu' beweisendaß wir ein Neugeborener Staat siüd, eine Behauptung der Taktik, nicht erlebte Realität. Das sollten diejenigen einfehen, die HUL Leitung unserer'Republik berufen sind, und foMn darauf ausgehen,/durchs'Vertiefung des republi- .kanischen Gedankens, durch Erziehung zur Demokratie und zur Verantwortlichkeit, durch ernstes- Streben nach rbatzrer Kultur, den Bruch..mit der Vergangenheit, der Heute, nur ephemer ist, zu vollenden und einen nuen fruchtbaren Anfang zu schaffen. Die österreichische Iöeprrblik, die die 'Verbrechen der österreichischen Monarchie büßen mutz, wird einen schweren Existenzkampf zu bestehen haben. Politisch unmündig, territorial beschnitten,., wirtschaftlich aus> gepreßt und aus geblutet, wird es in den Friedenszustand Hinüberzehen. Das Ringen Dr. Renners mit den höheren Mächten, das eine erstaunliche dialektische 'Leistung war, hat doch einen gewissen kleinen' Etfolg gehabt. .Wenn-mau den Nachrichten glauben darf, die der Veröffentlichung -es neuen Vertrages vorausgeschickt .; wurden, wird in der Mantelnote ausdrücklich die Versicherung gegeben, Oesterreich lebensfähig zu erhalten. Die wirtschaftlichen Bestimmungen dürften eine etwas -dehnbare Formulierung,, bekommen, so daß die „Re- . paralionskom Mission", die alsBollzug§instauz.und wohl SitL als. ÜMLwz'W Ein englisches Blauhuch über die polnischen Pogrome. Berlin, 1. September. (Tel. der „Wiener Morgenztg/) Wie das Kopenhagener rzrorrkstische Bureau meldet, reift am 1. September eine britische Kommission, bestehend aus Sir Steward Samuel, Präsident des Board of Iewifh Deputiss, und Kapitänleutnant Philipp W r i g h t, zur Untersuchung der Pogrome nach Polen ab. Die britische Regiernng wird demnächst ein BLaubnch über die polnischen Pogrome heransgeben. Gin. Feldzug der BolscheWiken nach China. . Die SowieLregierNAg an das chinestsche Volk. Helfingfors, 31. August. (Korr.°Bur.) Wre ein Moskauer Fnnkfpruch meldet, yarnorr vor einigen Tagen eine große chinesische VersammLnnK ftaLSgefnnden, "in der der Chef der OftsLtettung des rnsftfchcn KonnnissarraLs für ausländische Ungelegenherten Hrkanntgab, daß die §owietregiermr§ Ende Juli ein Manifest'an d a s B'o.'l lr' n n d h i e R e»g r e r u n g Süd- und Nord chiuas gesandt hat mit der Mitteilung, daß die Note Sowietarmee ihren Marsch senseitc» des Aral gegen Len Ästen wieder.aufgenomwen hat, um den arbeitenden Klaffen Chinas Hilfe zu bringen sowie daß die SowietregLerung bereit fei, dem chinesischen Volke altes das wieder §«: geben, was die Negierrmg des Zaren ihm genommen habe. Kein rusftfcher Beamter, Priester oder sonstige Person soll sich künftig in die inneren Angelegenheiten Chinas mischen und im LntgegeuZeseHten Falle vor Gericht gestellt nrerden. Keine andere Macht und Lein - anderer Gerichtshof soll in China Geltung haben, als die chinesische. Die Sowietregiernng wisse wohl, daß die Gnäente Es Versuchen, wird, um zu verhüten, daß der Aufruf der russisch?n Arbeiter und Vaneru bis zum chüresischcu Volke gelange und daß es notwendig sein werde, zuerst den Plrmderern, die sich in der Mandschurei und in Sibirien festgesetzt haben, den Garaus zu machen -um dem chinesischen Volke das wicder zu geben, was sie ihm gc'-mmMeu hätten. Deshalb wende sich die Sowietregierung - zugleich mit diesem Manifest an ihre Rote Armee, um Sibirien von Len Banditen Koltschaks, Japans und Leu AMerten.zu öefreien.! Die ' deuLschEU WOhMMeferMgeK an die Entente^ Versailles, 1. Septenlbcr. Di^ seit Wochen hier geführten Verhandlimgen über die nach den FriedLNsbedingüngen an die Entente zu liefernden Kohlen sind zueinem gewissen Abschluß gelangt. - *• Von Anbeginn der Verhandlungenist. deutscher-' seits betont worden, daß bei der augenblicklichen Wirtfchafts- und Arbeitslage in Deutschland -eine Lieferung; in dem verabredeten Umfang von- 43 Millionen Tonnen im ersten Jahr zu den'verhängnisvollsten Folgen führen würde. Die ^Gegenseite hat sodann unter-der .Voraussetzung, daß mit den Kohlrulieferungen -sofort begannen wird, ihre Forderunger: zunächst -auf^ 20 Milüorieu Donnen jährlich ermäßigt. Die -deutschen Unterhändler haben hierbei immer wieder betont, daß Deutschland ein Mininnnn belassen tverden müsse. Diesen Standpunkt bei der Eilte nie zur Geltung zu bringen, ist bei den Verhandlungen lecher nicht gelungen. Die Entente hat vielmehr ihre Forderungen endgültig wie folgt formuliert: Deutschland hat in den nächsten sechs. Monaten Kohlenlieferungen zu leisten, die einer Jayreslieferung von 20 Millionen Tonnen entsprechen. Steigt die Gesamtfördrrung Deutschlands über den gegenwärtigen Stand von etwa 108 Millionen/Tonnen jährlich, so sind von der Mehrförderung&t3 zu 128! Millionen Donnen 60 Prozent, - darüberh hmails 50 Prozent 'zu ’ liefern, bis das Höchstmaß - der in den Friedensbedingungen vorgesehenen PflichLlieferung erreicht ist. Fallt die Gesamtförderung unter-,'108 Mjl-' 'lionen, Donnen, so wird die Entente die jeweilige Sachlage nach'. Anhörung' fDeutschlands prüfen' -und ihr Rechnung tragen. Diese Grundlage soll jedoch 'nur dann Geltung haben, wenn Deutschland mit den Kohlenlieferuugen sofort beginnt. - - Trotz der außerordentlich schweren Bedenken, die deutscherseits bestehen, hat sich die deutsche Regierung entschlossen, schon'jetzt mit den Lieferungen zu beginnen, im Vertrauen darauf, daß. die Entente nicht auf den Lieferullgen in der verlangten Höhe bestehen wird, wenn dadurch die Wirtschaftslage Deutschlands nachweislich erschüttert werden kann. wird, die Möglichkeit haben wird, in Einzelfr-agen zu mildern, was unerträglich wäre. Diese Reparatwnskommission wird zweifellos'in den nächsten Jahren und vie'lleicht.auf Jahrzehnte die eigentliche österreichische Regierung, die mächtigste Stelle im Lande sein. Mit Beruhigung wird man die Nachricht "begrüßen, daß für die Kohlenbelieftrung Deurschösterreichs. durch Verträge mit den Slckzessionsstaaten-vorgeforgt ist. lieber die Aufteilung der Kriegsschulden und Vorkriegsfchuldeil ist Genaues bisher nicht bestaunt; ha aber die Entente Oesterreich lebensfähig erhalten rmll, kamt sie in dieser wichtigsten Frage nicht eine Entscheidung treffen,-die den Bankerott bedeutet. Nach dem Abschluß des österreichischen Vertrages, der von Renner schon Freitag dem Hmlptansschuß und' Samstag der Nationalversammlung vyrgelegt werden wird, ist noch keineswegs der ganze Komplex der Fragen gelöst, die sich ans der Liquidation --es >'Krieges der!- Entente mit Oesterreich-Ungarn ergibt. Vor allem steht jetzt erst der Friedcnsschluß mit Ungarn bevor, der erst erfolgen kann, bis Ungarn eine alwrkanirte Regierung besitzt, was den Zusammentritt einer - demokratisch gewählten Nationalversammlung voraussetzt. Und darüber hinaus bleibt noch eine ganze Reihe der breunerrdsten Fragen Emzelveririigen Vorbehalten. Ob der r.lampf uiu Teschen durch den Ver . tWL.Pdige^gt wird, „ist .Mgefichis doch Drp.hung der Tschechen, die Unterschrift zu verweigern, fraglich: jedenfalls dürfte dieser Punkt im Vertrag, geregelt sein, während das Problem Fiume, wie. ausdrücklich angekündigt wird, offen bleibt. Ferner, sind noch hie Verträge über den Minvritätenschutz, den bisher nrcr Polen akzeptiert hat/' mit den anderen kleinen Staaten abzuschließen, trotz dem .Widerftmid,. den - besonders Rumänien in diesem Punkt nmcht. Ans der'Liquidätion Ungarns ergeben sich auch no.ch allerlei Könftikre^.Veber. 'Kestungarn verlautet bisher nichts Bestimmtes. . . Die Friedenskonferenz hat erst einen Teil ihrer Arbeit getan und die Zukunft wird lehren, ob diese Arbeit gut lvar. Die schwierigsten Aufgaben stehen ihr noch bevor: Die Regelung der Vü'lkanfragen, der Or.ientfvagen und die'Herstellung eines Verhältnisses zu Rußland, daZ nicht dauernd vom europäischer Kulturkreis ab getrennt bleiben kann.- An diesen großerr Prob teuren der Meltpolitik wird Oesterreich keinen Anteil haben; es soll zwar nach Ratifizierung des . Friedens in den Vijlkerbnnd anfgenonrmen werderr, aber es wird mit sich 'selbst genug zu tun haben. Wenn Nenner aus Saint-Germain zrrrückkehrt, muß ein bescheidenes. Leben der Arbeit und des Genremfchastswillerrs beginnen; unter die alte falsche Rechnung, einschließlich der Politik der ersten zehn Monate Deirtschösterreicb. mrrs; rin Strich geriramt werden. Genreinstyaftsgeist und Kultur- Wille müsse einzieheu. Dies. nur. tauii uns rohen,

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