Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 220 (29.8.1919)
- Date
- 1919-08-29
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Wiener Morgenzeit »ng' 29. August 1919 Skr. 220y Ri Seite 4 \ .Wien, Freitag; fjtä die „Rovnost", das sozialdemokratische Organ, die Montägigen Vorkommnisse auf das heftigste verurteilt, ^chvn sieht der tschechische organisierte Arbeiter ein, ldaß seine junge Republik, für die er ebenso gekämpft!imb geblutet hat, wie Legionäre ititb aktive Offiziere, |uut dann erstarken kann, wenn Friede einzieht zwischen Falken Vevötkerilngsschichten. Denn angesichts solcher! Vorkommnisse ist es dann kein Wunder, wenn unter! der anständig denkenden Bevölkerung der Ruf nach einer starken Hand laut wird. Die Negierung muß sich in «Kürze entscheiden, ob sie mit den Juden ober gegen die j Juden regieren will. Die Juden werden auf die Dauer >nicht durch Dick und Dünn mit ihr gehen können» Iwenn ihnen nicht einmal das primitivste Recht gewährleistet wird, das jedem Bürger einer freien dernvkvati- - scheu Republik zustcht. G. K- Telegramme. Clemencean verkehrt direkt mit den deutschen Friedensdelegierten. , Paris, 28. August. (Funkspr. des Kon.-Bur.)!Der Präsident der Friedenskonferenz hat heute morgens «durch Vermittlung der interalliierten Militärkommission «dem Chef der deutschen Friedensdelegatton, Baron im Lersner, eine verschlossene Note zukommen lassen. sDies ist das erstemal, daß sich Clemenceau direkt an die deutsche Delegation wendet. Man nimmt an, daß die Note militärische Angelegenheiten behandelt, die Baron v. Lersner mit dem interalliierten Kriegsrat zu besprechen haben wird. die Aufregung unter den Post- und Telegraphenangestellten immer größer werde, besonders weil die Löhne nur um 25 Prozent erhöht wurden. Der Vorschlag des Präsidenten Wilson, die Löhne der Eisenbahner um 20 Prozent zu erhöhen, wurde bereits vorn Ausschüsse der Eisenbahnerorganisation abgelehnt, wird aber heute abermals einer allgemeinen Abstimmung unterworfen. Die Aussicht, daß eine Vereinbarung auf der Basis des Wilsonschen Vorschlages Zustandekommen könnte, erscheint sehr gering. Die Eisenbahner verlangen auch, daß auf jeden Fall die bestehenden Ungleichheiten der Lohnerhöhungen bei den verschiedenen Gesellschaften sofort beseitigt werden. Eine S'nrnfeiner-Anleihe. London, 28. August. (Tel.-Komp.) Dubliner Blätter melden, daß die Sinnfeiner im Laufe dieser Woche eine Anleihe auf den Markt bringen werden. Diese wird einen Betrag von IV* Millionen Pfund Sterling umfassen und soll zu 5 Prozent verzinst werden. Weder Zinsen noch Kapital sollen rückzahlbar sein, bevor die irische Republik nicht international anerkannt und von den Briten geräumt sein wird. Der Ertrag der Anleihe wird für die Propaganda für die irische Sache in der ganzen Welt verwendet werden, ferner soll ein Teil des Ertrages zur Errichtung eines Förderungsdienstes für den irischen Handel und die Industrie dienen. Botha gestorben. 28. August., Ein hiesiges Preßbureau melde aus Pmvna. daß der südafrikanische Preunerminlfter Louis Botha gestorben ist. Der deutschösterreichische Friedensu ertrag. Wenig geändert. — Sicherung der Kohlenversorgung. Saint-Germain, 28. August. (Korr.-Bur.) ..Echo de Paris" will erfahren haben, daß die Wirtschaftlichen Klauseln des deutschösterreichischen Vertrages im wesentlichen dieselben geblieben seien, doch habe man einige Klauseln -ausgenommen, die Deutschösterreich seine Kohlenversorgung sichern sollen. # „Matin" sagt, daß die neu aufgetauchtenVorschläge die Arbeit des Obersten Rates so erschwert hätten, daß man gar nicht sagen könne, wann sie abgeschlossen werden würde. Das Blatt vergleicht den österreichischen Vertrag mit der Arbeit der Penelope. Die deutschen Truppen in der Besetznngszoue östlich des Rheines. . Berlin, 28. August. (Korr.°Bur.) In der Frage der Besetzung der 50-Kilometerzone östlich des Rheines durch Deutschland ist soeben durch Marschall Foch her deutschen Waffenstillstandskommifsion Köln als Entscheidung des Obersten Rates in Paris mitgeteilt worden, daß Deutschland berechtigt sein soll, provisorisch drei Monate nach Inkrafttreten des Friedens- Vertrages in diesem Gebiete eine Truppenmacht von 20 Bataillonen, 10 Eskadronen und 2 Batterien zu Unterhalten, da die im Friedensvertrag für dieses Gebiet vorgesehene deutsche Gendarmerietruppe nach dem Stande von 1913 zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung nicht ausreichen würde. Die Aus stände in Amerika. Washington, 26. August. (Tel.-Komp.) Hollandsch Nieuwsbüro meldet: Die Angehörigen der amerikanischen Post- und Telegraphenverbände erwägen einen Ausgleich zwischen ihren Forderungen und den von der Regierung beabsichtigten Zugeständnissen. Die Führer der genannten Organisationen erklären, daß rascheuderweise das Statut von der russtschen Regierung genehmigt (1890), wodurch die Arbeit des Verbandes ungemein erleichtert wurde. Am^14. April 1890 fand in Odessa die erste Generalversammlung der „Gesellschaft zur Unterstützung jüdischer Ackerbauer und Handwerker in Gurren und Palästina" — so lautete fortan der offizielle Titel -gestatt. PinSker wurde neuerdings VorfitzeÄer, Odessa der Vorort der Bewegung, unter den Mitgliedern find besonders Uscher Ginz« brrg (Achad Haam) und Ing. M. U s s i s ch k i n zu nennen. Dieser, der sich mit T s ch l e n o w zuerst in dir Leitung des rührigsten russischen Zionsvereines (Moskau) und später in die Führung der russischen zionistischen Organisation teilte, wurde mehr und mehr der leitende Geist der Odeffaer Komitees und ist eg bis heute geblieben. Das Jahr 1882 sah auch die Gründung des ersten nationallstdischen Studenterrvereines der „K a d i m a h" in Wien durch Smolenskh, Nathan Birnbaum, Vierer und M. T. Schnitter. In dtten Programm war ,auch die Forderung der Kolonisation Palästinas durch Juden enthalten. I« Kürze folgte eine Reihe ähnlicher Gründungen in Oesterreich und Deutschland. Davon wird noch ausführlichtt zu reden sein. Trotz des hoft'nungsvollen Anfangs der Zionsbewegung, nach der großen Erschütterung der Judrnheit im Jahre 1882? folgte beit ersten schweren Enttäuschungen mit der Kolonisation Palästinas eine Periode größter Entmutigung. Leo Pinskcr, der nur zu sehr fühlte, wie sehr seine anfängliche große Idee verblaßt war und wie weit die kleinliche Tätigkeit dn Chowewe Zion- Vereine nach dem Abebben der ersten Begeisterung davon entfernt war, sie verwirklichen zu können, war schwer enttäuscht und erschüttert. Im Jahre 1892 starb er, 70 Jahre alt, nicht ohne vorher noch die eingehendere Bekanntschaft mit den Ideen des neuen Gestirns, das im Bereiche der nationalen BervegMg aufgegangeu war, Achad Haam-, zu n-achen und sich ihnen,u-uüttgtli. Spronageprozeffe in Frankreich. Paris, 28. August. (Havas.) Das Kriegsgericht verurteilte Darriez und Guaspare zum Tode, M u r a t zu lebenslänglicher Zwangsarbeit, Frau Schorn und Dajardin zur Deportation in eine Festung. Die Verurteilten hatten emer Spionageorganrsation in der Schweiz als Agenten angehört. Die Bolschewiken wollen China befreien. Moskau, 28. August. (Funkspruch.) Am 24. d. M. Hai in M o 8 k a u eine große Chinesenversammlung stattgesunden. Der Vorsitzende der Abteilung für O st s.r a g e n an Volkskommissariat des A u s w ä r t l g e n hat hierbei mitgeteilt, daß vor Monatsfrist ein A u f r u f in Hunderttausenden von Abzügen in chinesischer Sprache inChina verteilt wurde, um dem chinesischen Volk mrtzuMen, daß die siegreichen Sowie t truppen Sibirien betreten baben und zur Befreiung des chinesischen V o l k e s von seinen Aussaugern, den abendländischen V ö l k e r n und den I a p a n e r n. herannahen. Sowohl das chinesische Volk als auch die Regierungen von Nord- und Südchlna seien erngeladen worden, mit der S o w i e t r e v u b l i k inoffirrelleBerbindungzu treten und Abgesandte der Roten Armee entgegenzusenden. Kottschak in Nöten. Belmar, 23. August. tFunkspr.) Aus Wladiwostok wird die Tokro-Meldung b e st ä t i g t, daß die Regierung K o l t s ch a k infolge des Vordringens der Roten Armee ihren SitzvonOmsk nachJrkutsk verlegt hat. Kiew im Belagerungszustand. Kamenetz - Podolsk, 28. August. Der Ukrainische Pressedienst meldet: Der Führer der bolschewikischen Regierung in Kiew, Rakowski, widersetzt sich der vom Stabe der Roten Truppen bereits angeordneten Evakuierung von Kiew mit Berufung auf eine Zusage Trotzkis, der namhafte Verstärkungen von der Ostfront in Aussicht stellte. Rakowski hat über Kiew den Belagerungszustand verhängt und die ganze verfügbare Artillerie zehn Kilometer südlich der Stadt versammelt. Die Einwohner Kiews werden zu Schanzarbeiten gezwungen. Ein bolschewikifcher Sieg. Hlsingfors, 28. August. (Kvrr.-Bur.) Die in der Richtung Ostrom kämpfenden estnischen Truppen wurden von überlegenen bolschewikischen Kräften aus Jsborsk zurückgeworfen. Die Verbindung zwischen den Esten und den bei Bleskau stehenden Truppen des russischen Nordkorps ist unterbrochen. Polnischer Heeresbericht. Warschau, 28. August. Litauisch-weißrusstsche Front. An der ganzen Front lebhafte Aufklärungstättgkeit unserer Patrouillen. Auf dem Abschnitte Lumniec haben unsere Abteilungen trotz starkem Feuer den Fluß Prypec forciert und, nachdem sie den Feind in nordöstlicher Richtung zurückgeworfen hatten, stark von den Bolschewiken befestigte Stellungen im Orte Porek besetzt. Wolhynisch-galizische Front. Ruhe. Rückkehr der amerikarrischen Antersuchungs- Kommission für Syrien. ,r>- Pcrris, 28. August. (Funkspruch.) „Journal" meldet die Rückkehr der amerikanischen Untersuch u n g s k o m m i s s i o n für Syrien, die gleich nach ihrer Ankunlt vom Obersten Rat gehört iverden wird. Dem „M a r i u" znfolge hält die Konnnission die Lösung der Hauptprobleme der türkischen Frage, wie beispielsweise der Dardanellensrage, fürwichtigeralsdassyris che Problem, das durch ein U e b e r e i n k o m m e n der interessieren Mächte gelöst werden könne. Die offiziellen Sprachen in Palästina. Kopenhagen» 28. August. (Tel. der ,Wc. Morgenztg.") Das Kopenhagener Zionistische Bureau meldet: Die britischen Okkiipationsbehörden in Palästina erließen eine Verordnung, nach welcher der Gebrauch der euulischeu. stau'.ü suchen, arabischen und hebräischen Sprache siic Angelegenheiten sesigesetzt wird. Tefchen für die Tscheche« verloren. ' Prag, 28. August. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") .Eeske Slovo" meldet, daß die Regierung aus Paris gestern Nachrimftu bekommen habe, daß Teichen für die Tschechen verloren sei: das Blatt richtet bei dieser Gelegenheit bittere Worte an die Adresse der Polen unb auch an die Entente. Es schreibt: Wenn die Entente, ihre Zusage, die historischen Grenzen dtt Tschrcho- Slowakei zu resvekteercn, vergessen hat. dann soll Benesch feine Unterschrift in Paris verweigern. — „Venkov" überschreibt seinen Drohartifil mit den Worten: Mit dem Raube von Teschen unterschreiben die Polen ihr eigenes Todesurteils Prag, 28. August. (Tel.-Komp.) Die Prager tschechischen Blätter erörtern heute erregt die Meldungen polnischer Blatter, wonach Teschen den Polen zugesprochen worden sei. Die „Narodni Lisch" ergeht' sich bei diesem Anlasse in den heftigsten Angriffen' gegen die Regierung und den Ministerpräsidenten Tusar,' der die tschechische Bevölkerung über die Situation in Teschen in Unklarheit gelassen habe. Die tschechischen Nationaldemokraten veranstalten morgen ein Proteftmeeting, bei dem Abgeordnete und Vertreter des tschechischen Volkes . aus Teschen sprechen werden. , Das Abendblatt des „Ceske Slovo" schreibt: Ohne Teschen können wir nicht leben. Wenn sich die Nachricht bestätigt, müßte dies die tschechische Nation in größte Trauer versetzen. Hat denn die Entente gänzlich vergessen, daß die Polen die Habsburger und Hohenzollern unterstützten, als unsere Legionen gegen den gemeinsamen Feind kämpften? Tusar in Deutschböhmen. Prag» 28. August. Morgen begibt sich Tusar nach Komotau und Kaaden und wird dort sowse in noch anderen Städten Audienzen erteilen. Der Ausnahmszustand in der Tschechoslowakei aufgehoben. Prag, 28. August. (Tschecho-slow. Preßbur.^ Durch Verordnung der Negierung der tschecho-llowaklschen Republik vom 26. August 1919 wird die am 6. Juni verfügte Suspend i e r u n g der Artikel 8, 9, 12 und 13 des Staatsgrundgesetzes vom 21. Dezember 1867 über die allgemeinen Rechte der Staats bürger aufgehoben. Die Brünner Exzesse. Brünn, 28. August. (Korr.-Bur.) Die Brünner Polizeidirektton hat heute in tschechischer und deutscher Sprache eine Kundmachung erlassen, in der sie rmt Bezug aus die gestrigen Ausschreitungen die Bevölkerung nachdrücklichst verwarnt und die Anwendung! strengster Maßnahmen androht, falls die Warnungunbeachtet bliebe. Im äußersten Falle werde die Regierung den Ausnahmszustand verfügen. Dis zionistische Landeskonferenz in Polen. l Warschau, 28. August. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Die zionistische Landeskonferenz dauerte fünf Tage. Die Kommissionen hielten ihre Sitzungen in der N a ch t ab. Es wurden folgende Referate abgehalten: Dr. G o t t l i e b über* die Tätigkeit des Zentralkomitees, Lewite über die Tättgkett des Palästinaamtes, Dr. B r a u d e über Kultur- und Erziehungsfragen, Münz über den jüdischen Nationalfonds, Abgeordneter Hartglas über die ökonomische Lage der Juden in Polen. Die Debatten über einzelne Referate gestalteten sich stellenweise sehr e r r e g t. In der Kulturdebatte trat die alte Richtung' in der Sprachenfrage sehr stark hervor, obzwar der Referent Dr. Brande einen Kompromißantrag stellte, der dahin ging, daß grundsätzlich nur hebräische Schulen begründet werden, aber das Jiddische als besonderer Gegenstandausgenommen werden soll. Advokat Hartglas besprach sehr eingehend die gegenwärtige ökonomischeLage der Juden in Polen und befaßte sich insbesondere sehr eingehende mit dem ökonomischen Boykott und mit den ökonomischen Maßnahmen der polnischen Regierung. Dieses Referat wurde von den Delegierten und Gästen, obzwar es spät nach Mitternacht gehalten wurde.und 17a Stunden dauerte, mit großer Aufmerksamkeit angehört. Die anwesenden Regierungsver-, treter machten insbesondere bei diesem Referat sehr genaue Aufzeichnungen. Schließlich wurden die Wahlen in das Zentralkomitee vorgenommen. Es wurden unter anderen gewählt: Olschwanger, Eiges, Bichowski, Abgeordneter Grünbaum, Gottlreb, Hartglas, Thon, Lewite, Münz, Pvdlischewski, Podnemski, Dr. Braude, Rosenblatt, aus Galizien: Dr. Wahrhaftig, Dr. Hilf st e i n, Dr. S ch w a r z b a r ij Neiger, Dr. Syro p und Dr. Kornhaufet; aus Posen: D r. K o l l e n s ch e t und Dr. Krausen. Morgenthan in Czenstochau nnd Krakau. 28.. August. (Del. der „Wiener Morgenzeitung".) Botschafter Morgenthan weilte in b<m. letzten Tagen mit den Mitgliedern seiner Kommission in Czenstochau und Krakau. In Czenstochau versammelten sich die Vertreter der Bevölkerung beim dortigen Rabbiner, wo sie der Komnlissivn einen genauen Bericht über die Lage der Juden, insbesondere im Czenstochauer Kreise erstatteten. Pwsessor Meier Ballaban gab eine geschichtliche Darstellung d«S Verhältnisses der Polerr zu den Juden, waS aber den Botschafter weniger ruterejifierte. Am nächsten Tage verhörten die^ Piitgliedrr der die Zeugen und Hinter-, Opi-rn m CWWMrH-grNS'!