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Wiener Morgenzeitung · 1919-08-27 · Heft 218 (27.8.1919) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 218 (27.8.1919)
Date
1919-08-27
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Men, Mittwoch Wiener Morgenzeituug Fasching in Budapest. ri1 Herv Friedrich, der noch ünmer aus eigener MachtjVoMdnmreuheiL ungarischer Ministerpräsident ist, scheint fein begabter Humorist zu sein. Wenn inan den Depeschen, die Herr Friedrich durch die ungarische Depeschenagentur verbreiten läßt, Glauben scheuten kann, jb scheint tu Bridapest die reinste Faschingsstimmung tzn herrschen, bei der auch Erzherzog Josef — wie es scheint, als Privatmann — redlich assistiert. Folgende Depesche wird amtlich aus Budapest verbreitet: Das Gebäude des ungarischen Ministe rpräsibimns ist den ganzen Tag voll von Deputationen. fEme Abordnung kommt nach der anderen. Dre Deputationen der größeren Organisationen arbeiteten . ein Mrnwrandum aus, tvelches sie an die Ententemissionen richteten. Die Denkschrift drückt ihre Verwunderung darüber aus, wie sehr die wahren Tatsachen durch böswillige Informationen verfälscht und wie sehr diesbezüglich die Ententemissionen irregeführt worden seien. In Ungarn habe ganz entschieden eine politische Bewegung christlicher Richtung eingesetzt, woran sowohl die Bürgerlicher als auch die Arbeiterpartei teilwhmen. v Gestern früh erschienen in der Ofener Festung die Vertreter sämtlicher Eisenbahngesellschaften und Postangestellten der einzelnen Dörfer und Munizipie«, der Aerztermd der christlich-konfessionellen Vereine und drückten ihre Anhänglichkeit an den Ministerpräsidenten aus. Gegen 12 Uhr rnittags zogen die zu eincrMenge verdichteten Deputationen auf den St. Gcorgsplatz, wo die Redner ihre volle Anhänglichkeit an die gegenwärtige politische Richtung betonten. Der. Ministerpräsident sprach in seiner Antwort die Ueberzeugung javs, daß eine andere Politik als die von ihnen inaugu- -rierte rmd vertretene hier in Ungarn nicht gemacht werden könne. Nur jener habe hier einen Platz, der arbeite, und nur jener solle hier Brot verdienen können, her Ungar ist und am Aufbau des Landes mithelfen will. :■ Minister Stephan Haller sprach in ähnlichem Sinne KU der Menge, welche sodann vor das auf der anderen .Seite des Platzes befindliche erzherzogliche Palais zog, auf dessen Balkon Erzherzog Josef erschien. Der Erzherzog erklärte, daß Ungarn aus seinem Grabe wieder erstanden sei. Die Urkraft und der christliche Geist sowie die Tugenden der ungarischen Nasse werden es wieder aufrichten und ihm zum Emporblühen verhelfen. Das Kommen und Gehen der Deputu-' Moiren befestigt sichtlich die Stellung btt Regierung. ArrstLumrrgkeitsn zwischen England und Frankreich. Amsterdam, 26. August. (Tel.-Komp.) Der Sonderkorrespondent des „Handelsblad" in Düsseldorf erklärt, erfahren zn haben, daß in der jüngsten.Zeit ernste Zwiftigker 1 e.n zwischen England und Frankreich über die Fragen des linken Rheingebietes and wegen der von Frankreich fortwährend befürworteten Propaganda für eine rheinische Republik entstanden sind. England nimmt eine entschieden abweisende Haltung gegm diese Machenschaften der französischen Regicrunk ein und regt sich besonders über die gehässige Form der französischen Agitation auf. England hat die Franzosen wissen lassen, daß die Ausdehnung der Bewegung ans das von den Engländern besetzte Gebiet entschieden abgelchnt werden wird und hat auch die Auslieferung Dr. Dockens veranlaßt sowie die Verösfcntlichung eines bcktischen Befehles, daß keinerlei Aenderung in der Verwaltung des besetzten Rheingebietes ohne vorherige Genehmigung Englands stattsinden darf. I Telegramme. Die Errichtung einer DonanfSderation von der Konferenz ab gelehnt. Saint-Germain, 26. August. (Korr.-Bnr.) „Echo de Paris" hört, daß die Friedenskonferenz nicht nur den Vorschlag Morl e y s, Oesterreich als neuen, mit der alten Monarchie in keinem rechtlichen Zusammenhang stehenden Staat zu betrachten, abgelehnthabe, sondern auch andere Vorschläge, die auf die unverzügliche Errichtung einer D o n auföd e r a t i o n hiuausliescn. Die meisten Konferenzteilnehmer sind der Ansicht, daß zu kurze Zeit verstrichen ist, um die E'mbeitSbcstrebuugen zunichte zu machen, die nur dem Germanismus dienen könnten. Man müsse sich vielmehr .bemühen, die U nabhängigkeitOesterreichszn sichern. Wilson apsteMert an Frankreich und Italien. Saint-Germain, 26. August. (Korr.-Bur.> „Chicago Tribun e",meldet, daß Wilson angesichts des wachsenden Widerstandes in den Bereinigten Staaten gegen den Friedens- Vertrag einen Apvell an Frankreich und Italien gerichtet habe, diese beiden Staaten möchten die Ratisiziernng des Versailler Vertrages nach Möglichkeit beschleunigen. Zur Erleichterung des Meinungsaustausches^ seien die transatlantischen Kabel für zwei bis drei Tage für Staarstelegranime reserviert worden, Schantung kommt an China. Amsterdam, 26. August. (Korr.-Bur.) Nach einer Meldung des Preßbureaus Radio aus Washington nahm der Senatsausschuß^lür auswärtige Angelegenhecken die vom Senator L o d g c vorgeichlagene Abänderung des Fricdensvertrages an, derzusolge Chrna statt Japan den Hafen von Schantung übernehme. Die amerikanischen Truppen aus Mexiko zurückgezogen. . Saint-Gerinain, 26. August. (Korr.-Bur.) „Chicago Tribüne" meldet, daß die amerikanische Straiexvedition aus Mexiko zurückbernfen worden sei und sich bereits ans dem Rückmarsch nach der Grenze besinde. Angeblich sind die verfolgten Räuber von mexikanischen Truppen festgenommen worden. Die Morgerrthau-Kommrfsion in Galizien. Warschau, 26. August. (Tel. der „Wr. Morgenzlg."> Im Laufe dieser Woche reist Botschafter Morgenthan mit den Kommissionsmitglicdern General I a d w i n und Prof. Johnson nach Galizien. Die Kommission wird Krakau und Lemberg besuchen, ebenso diejenigen Orte in Mittelgalizien, wo Pogrome startgefunden haben. Die Drodher Geiseln befreit. Warschau» 26. August. (Tel. der „Wr. Morgenztg.*) In Beantwortung des Memorandums der Abgeordneten der jüdischen Bolkspartei zugunsten der Befreiung der internierten Juden aus Brody teilte das Staatsoberhaupt P i l f u d s k i mit, daß diese Internierten die Breiter Festung bereits verlassen haben undsichschoninBrodh befinden. Polen in den Telegraphenverband ausgenommen. Warschau, 26. Angust. (Tel. 'der „Wr., Morgenztg.") Durch die Vermittlung Portugals wurde Polen in den internationalen Telegraphcnverband ausgenommen. Die Postbertvaltung in Ostgalizien. Lemberg, 26. August. (Tel. d. „Wr. Morgenztg.") Gemäß einem neuen Plan der polnischen Regierung wird das Berwaltungsgebiet der Lemberger Pvstdirektwn nur bis Chodorow reichen. Im restlichen Teil Ostgalkziens werden dreiPostd i r e k 1 i' o n e n gebildet werden, und zwar in S t a n i s l a u, Tar nopol und Ezortkow. In allen drei Postdirektionen soll die Direktorstelle ein Pole, den Stellvcrtreterpostcn hingegen ein Ukrainer bekleiden. müssen ist das traurigste Stigma unseres irdischen Wandels." Die wenigen glücklichen Augenblicke im Leben sind durchaus Geschenke des Teufels. Darum verschreibt er sich und sein Werk dem Teufel. Alle Organisation ßst Teufelswerk. „Entweder zapft Organisation denn Väenschen das Lebensblut ab oder die Menschen wuchern, gesund auf und — das rohe Chaos ist da." Der seelenlose Freistaat „Liberia" trägt den Keim des Todes jor sich. Alle Geineinheit der menschlichen Gesellschaft dMierhvlt sich dort in gesteigertem Maße. Erist durchwühlt von allerhand Intrigen, von widerwärtigen Machenschaften, von Orgien der Sünde, und schließlich tut sich ein Haufe von Mißvergnügten und Machtlüsternen zu einem Putsch zusammen, es gibt Revolten und Gegenrevolution, bis zum Schluß der Staat an die äußere Welt verraten wird und ein heranziehendes Kzeer die ganze Höhlenstadt in die Luft sprengt, f Ein Musiker, der von der Wett des Militarismus durch die lange Dauer des Krieges unberührt blieb, dann aber doch eingezogen tollte und ins Feld mußte, findet sich nach einer Verwundung, die ihm das Bewußtsein geraubt hat, im Zelt einer Pflegerin vor den Toren „Liberias". Er erkennt in der Pflegerin Ruth wieder, eine Frau, die er einst geliebt und mit der gemeinsam er im Urberschwang der Jugend und der Liebe den Entschluß gefaßt hat, alle Bindungen des europäischen Lebens (auch die Beziehung Ruths £u ihrem Mann und zu ihrem Kirck) zu zerreißen und nach Palästina zu gehen, um dort als Landarbeiter. ja» der Aufrichtung einer neuen Gemeinschaft mitzuiwirken. Er hat damals an dem entscheidenden Tags lnach langen Zweifeln rmd lieberlegungen an Ruth einen Brief geschrieben, worin er Ausflüchte sucht; und auch Ruth ist, durch tim Krankheit ihres Kindes in ihren Wichtenkreis zurückgerufen, noch an demselben Abend jaus jener italienischen Stadt abgereist. Sie hat seinen blick, in welchem alle Energien, die Spannung der Seele, zur großen, entscheidenden Tat des Lebens bereit waren, ist ungenützt verstrichen. Damit war das Leben verspielt; denn für jeden Menschen gibt es npr eine einzige einmalige Entscheidung, das große Wagnis. Man müßte die Kinder darauf vorbereiten, die Jugend in diesem Geist erziehen, den Menschen den Irrwahn nehmen, als ob es im Leben mehrere Entscheidungen gäbe. Von der ersten hängt alles ab. „Alles spätere Anständig sein bleibt mühseliges Herunckwktern ohne die geringste 'Erfolgsmöglichkeit!" Dieses. Wissen ist die Bilanz" von Ruths Leben. Ruth hat ihr Leben der liebenden, aufopfernden Pflege geweiht, sie ist die „Pflegerin" und sie bleibt vor den Toren „Liberias, von dessen Seelenlosigkeit sie eine ganze Welt trennt. Ruth ist das Urbild der jüdischen Frau, dessen Vorläufer schon Brods Olga („Jüdinüen") und Esther sind.- Sie steht fest mit beiden Füßen auf dem Boden dieser Welt, verzeihend rmd heilend, voll hilfreicher Güte und dennoch wissend, daß die Rettung' aus den grausamen Widersprüchen des Menschenlebens nur durch dasWunder kommen kann, dem wir durch gläubige Liebesverbundenheit den Weg bereiten. ' Der Musiker, ter-anfastgs von der vortrefflichen Einrichtung „Liberias" ganz gefangen genommen ist, der hier die Erlösung von der ungerechten, ausbeuterischen, mechanisierten Weltordnung seines Vaterlandes gefunden zu haben meint, wird bald durch feine Erlebnisse in der neuen Heimat eines Besseren belehrt. Voll Verzweiflung und Enttäuschung findet er zu Ruth zurück, auf den.'Weg, der nach Zion führt. Denn die wahrhafte Genleinschaft, die Messiaswelt, Zion, der kontradiktorische Gegensatz zu „Liberia", kann nur ein Werk der gläubigen Liebe sein, ein Werk der neuen Jugend, die wahrhaftig in ihrer ersten Wahl ist und dabei aus tiefstem Herzen gut zu sein gelernt hat. Aber WKMbMSLLIoniwW. Mrrder jpaße 27. August 1919 Rk. 219 Der ukrainische Vormarsch nach Kiew, j Kamenetz-Podolsk, 26. August (Radio.) Der Ukrainisch« Pressedienst meldet: In der Verfolgung der Bolschewiken haben btc ukrainischen Truppen bte Städte Fastnv und Wasilkow erreicht In Shitömir und Berditschew wurde die bolschewrkische Stadt» j Verwaltung , aufgelöst und die gesetzliche Ordnung wieder hergcstellt - In der westlichen Ukraine haben die ukrainischen Truppen zwischen , den Flüssen Gorhn und Sluk das Gelände zwischen Schepeüwlo und Nöwvgrad Wolynsk von den bolschewcktschen Banden gesäubert.. Im Süden sind die bollchewikischen Abteilungen am : unteren Dnjestr m voller Auflösung begriffen. Schwere Niederlage der Sotviettrupperr. London, 26. August.. (Tel.-Komp.) „Central News* eis' fabrt aus Warschau, daß die polnischen Truppen den Bolsch» w.ken an cker östlichen Front eine schwere Niederlage beigebrack haben. Eine ganze bol'chewckische Br'gade wurde umzingelt uw gefangen genommen. Auch der Befehlshaber der Bolschewik« uuppen. General Grigoriew, ist in die Hände der Pob gefallen.. ' Rumänischer Durchbruch in Deßarabieu. Bukarest» 26. August. (Funlipr. der Del.-Komp.) Das. Rumänische Preßbureau meldet: Heute Nackt d u r chbrachev die rumänischen Truppen an der beßarabischen Front die bolschewiki'che Kampflinre am Dnjestr an mehrere» strategisch wichtigen Punkten. Das Programm der neue« Regierung für Nordtoestrußland. London» 26. August. (Tel.-Komp.) Die neue Re- : g t e r u n g, die in N o r d w e st r u ß l a n d gebildet würde, veröffentlicht eine umfassende Erklärung über ihre Politik. Dies« geht, darauf hinaus: . Die, neue Regierung untern mmt einen 'entscheidenden #rie£ gegen die Bolschewiken und unterdrückt alle Versuche, das ölt« System wieder herzustellen. , - ' Sie tritt für die Gleichberechtigung aller Bürger ein. . Sie leistet Garantie kür die bürgerlrchen Frechelten.; Das zu gründende Allmßland soll auf demokratischer Basis; ausgebaut werden. Es soll sofort eine konstituierende Nationalversammlung cinberufen werden; wenn die bestehenden Zustände die Beschickung tz dieser Verfamytlnng aus gcwlffen Gebieten unntsigüch machen, soll in Petersburg,. sobald die Provinzen P s k o w und Petersburg von der Bolschewikenherrschaft befreit sind, einei Natlonalversammlung für diese Gebiete zufammentreten. Die verschiedenen Nationen^ d'e das neue, vereinigte Rnß- . land bildm werden, haben die Wahl, dies auf einer föderattveu oder autonomen Basis zu tun. Dtt Verwaltung der Semsiwos und der Gemeinden wird ' auf demokratischer Grundlage eingerichtet werden. . Die konstituierende Nationalversammlung wird die agrarische Frage zu lösen haben. Grund und Boden soll in den Händen ' der ländlichen ackerbautreibenden Bevölkerung blecken. Es wird ein, achtstündiger Arbeitstag emgeführt. Regierungs-' kontrolle über dir'Erzeugung und Bestimmungen für die Sicher- ' stellung der Arbeit sollen getroffen werden. ' Estland mrd die Anerkennung seiner Unabhängigkeit durch, die^ Entente als Bedingung für eme gemeinschaftliche Anion gegen Peleisburg, verlangen. Das Programm der neuen südslawischen Regierung. Belgrad, 25. August. In semer Regierungserkkänmo Wrte Minister Präsident David o witsch aus: Nach Abschluß des Friedens werden wir mit den Nachbarn Vertrauens-; . volle ichd gutnachbarliche Beziehnngen schaffen. Unsere PoÜtrl ihnen gegenüber wird von dem leckenden Gedanken beseelt--siin, ^. "!' im Unglück des Nächsten nicht unser Wohl zu suchen. Der Ministerpräsident kündigte eine Reform des Kommunal- ' Wahlrechtes sowie dre Bildung emes Komitees zur Ausarbeitung - ' eines Gesetzentwurfes für ein neues Bcrfassungsgesetz an und verwies auf'die Münzfrage, die Agrarfrage, die Fragen der Lebens- . mitteltcüerüng, der Aufhebung der Zensur, der Demobilisierung, der Kriegswäisenfürsorge, der Invaliden, der Liquidierung des . Moratoriums m Serbien und ' der Kriegsgewinnsteuec als dringend hin. In der Münzfrage handle es sich darum, die gegen» wärtige österreichische Krone ko bald als möglich aus dem Umlauf zn ziehen und sie durch Noten der Emissionsbank zu ersetzen. Bis zur endgültigen Lösung dieser Frage durch die National-. , Versammlung werde man durch andere Maßnahmen den abnormalen und unkontrollierten Zufluß von Kronen aus fremden Gebieten zu verhindern trachten, wenn mögl'.ch noch vor dem Einsetzen der AuKsuhr der neuen Ernte. - verkünden 'auszieht, sind schon die schwarzen Mächte am Werk, die ihn und Ruth begraben. Er wird, nachdenr „Liberia" zerstört ist, als Deserteur erschossen und die Aufzeichnungen seines Tagebuches, die bei ihn: vorgeflntden werden, sind der Rornan „Das große Wagnis".^ „Äqnte sabmersus*: Dieses geheimnisvolle Schicksalswort kennzeichnet den Weg des aufrecht Wollenden. . Eine Welt aus Traum und Musik stößt sich .an der. Welt der - Wirklichkeit. Der Künstler, der an der Dis- Harmonie leidet, wird zum Politiker; die Karrikatur ‘ deS Mtivismus, „Liberia", weist den Weg, zu seiner Uebertvindllng. Brod schildert diesen Weg in-'poetischen Stücken von musikalischer Weichheit und visionärer Kraft. Der Rhythmus und die Bewegtheit, nicht die' epische Handlung find das Rückgrat dieses Romans.. . ' Max. Brods Werke sind die Etappen'nicht nur eines künstlerischen, sondern auch eines menschlichen; '' ethischen -Entwicklungsganges. Bon denr Bekenntnis' i; Tychv^ Wrahes zu hilfreichein, selbstaufopferndem Menschentum! führt über die Königin Esther, die aus' der WeM.tiefster Entartung ihrem Volk den Aufstieg ' zn Größe und Reinheit weisen will, der Weg zum „Größen Wagnis", diesem erschütternden Ruf zur Erfüllung der schwersten menschlichen Aufgabe. In du- ' Verzweiflung über das stets erneute Zurücksinken des Volkes in seine Niedrigkeit, über die schonungslose Entzweiung der Menschen, über das Plätschern im Sumpf der Selbstzufriedenheit, der salbungsvollen Rede, lastet auf uns wie ein Berg das Jahrtausende alte Bewußtsein Ler Königin Esther: „Es ist unmöglich, Mensch / zu sein; dennöch bleibt uns nichts anderes übrige" Aus solcher Resignation führt der Aufschwung' zur Göttlichkeit verbindender Liebe, die in der Gemeinschaft ihre Bewährung findet. Robert We l t sch^

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