Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 214 (23.8.1919)
- Date
- 1919-08-23
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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, tzeite'4 Wien, Samstag' Wiener Morgenzeitung L3. August 1919 Nr. 214 . . ... ——«■' ... liii» - —" — " 1 »'■■'»B.'/oirUB- Die vierte Landeskonferenz der polnischen Zionisten. I Warschau» 22. August. (Tel. der „Wr. Morgenztg/) Montag den 18. d. M. wurde die vierte Landeskonferenz der polnischen Zionisten eröffnet. An der Tagungbeteiligten sich gegen 350 Delegierte und mehr als 1000 Gäste, aus den entlegensten Gegenden Polens. Galizien war. durch eine starke Delegation chrtreten. Die litauischen Zionisten' haben ihren Führer, den bekannten Dichter L.Iaffe, entsendet. Der ursprünglich für die Tagung in Aussicht genommene Kmmskisaal war, wie schon berichtet, von der polnischen Regierung requiriert worden, so das; eine Verschiebung um einen Tag eintrat. - Die Konferenz wurde vom Vorsitzenden der Zionistenvrganisation in Polen. Dr. K l u m in e l, mit einer hebräischen Ansprache eröffnet. Der Redner besprach die Ereignisse der letzten Jahre und während er die lange Reihe der Plünderungen, Morde tutb Drangsalierungen besprach, welche die Juden in Polen, in der Ukraine, ulJstttauen und anderen Ländern zu erdulden hatten und haben, herrschte nn Saale mmntenlauge liefe Tranerstünmimg und die Versammelten erhoben sich zum Zeichen-ihrer Trauer von ihren Sitzen. , ■ . . In das Präsidium wurden gewählt: Podliszews kr, Dr. O s i a s 'Thon, Advokat G r ü n b a u nt, Advokat Olschwayer ifnb Mose s Gordo n. Als, Gäste wohnten den Verhandlungen Advokat G o l d ft e i n aus Kiew und von der amerikanischen Misston Professor G o t t h a r 1 und Kapitän Otto bei. Namens der Misrachl-Organlsation begrüßte Rabbiner Z l o 1 n i k, namens des Zentralhandwerkerrates P u r g i n die Versammlung. Ein Begrüßungstelegramm des Aktionskomieees i n L o n d o n wurde mit großem Enthusiasmus aufgenornmin.' Eine herrliche Rede in indischer Sprache hielt Jane. Er schloß, seine mit stürmischem Beifall angenommenen Ailsführuugz» mit der Versicherung, daß die litauischen Juden trotz der vielcü Leiden und Verfolgungen stolze Nationaljudrn bleiben iverde«. . » Zur Tagcsordiivng sprach zunächst Dr. O s i a s T h o n, der ein längeres Referat über die Palästinafrage erstattete. Nach ihm sprach Abgeordneter G r ü n b a um über die politische Arbeit in Polen. Beide Redner wurden' von der Versammlung stürmisch akklamiert. * Hoover und die ökonomische Lage der Juden, i . Warschau, 22. August. (Tel. der „Wr. Morgenzta.") pHasnt" meldetWährend des Ausenthaltes Hovvers in Warschau fand eine Beratung über den ökonomischen Aufbau P o l e n s mit Hilfe amerikanischen Kapitals statt. An der Spitze dieser Aktion soll H o o v e r selbst stehen. Wie mitgeteilt wird, wyrden dabei auch die ökonomischen Bedürfuiffrr der j ü d i s ch e u B'e.v ölkeruugül Betracht gezogen. s Wie Hetzprozeffe arrangiert werden. Krakau, 22. August.. (Tel. der „Wiener Morgen» Zeitung".) Heute begann,beim Kreisgerichte in Rzeszow 'die Hauptverhandlung gegen Golda Horywitz und Israel Berger, beide aus Strzyzow, welche des Verbrechens nach. § 98, St.-G., beschuldigt werden. Die Verhandlung bUdet einen Epilog zu dem im April l. I. stattgefurchenen Judenpogrom und erregt hier das größte Interesse. Wie damals berichtet, wurde M Strzyzow eine Ritualmordhetze veranstaltet, die dann in einen Pogrom ausartete. In der Meinung, dadurch den Pogrom verhindern zu.können, wurde das' schriftliche Mädchen Anna S z a f r s k i für eine kurze Zeiten gehalten. Die Anklage des Staatsanwaltes verschweigt das Motiv der Handlung der Angeklagten und konstruiert gegen sie die Beschuldigung, sie hätten das Mädchen zu Ritus lrnvrd zwecken angehalten. Die Verteidigung der Angeklagten hat der bekannte 'jüdische Advokat Dr. Landau aus Przemyslübernommen. — Wir werden über den Verlauf 'des Prozesses berichten. Der Kieleer Pogrom vor Gericht. „Dank hoher Protektion freigesprochen." ‘Stockholm, 22. August. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Das Jüdische Preßbureau in Sockholm -meldet: Der Prozeß gegen die Beschuldigten in der Veranstaltung des Kiclcer Pogroms ist im Kielcer Kreisgericht beendet worden. Die Hauptschuldigen und HauptveranstaUcr dieses Pogroms wurden sreigesprochen. Mach ihren Aussagen wurden sie dank hoher .P r o t e k t i o n freigelaffen. Graz, 22. August. Der Staatssekretär für Handel und Gewerbe, Industrie und Bauten, Ingenieur Hans Zerdik, hat gestern die Funktionäre der Berghauptmannschaft Klagenfurt und der Nevierbergämter Graz und'Leoben, in der Burg in Graz smpfaügen ünd bei diesem Anlasseihnen nachstehendes mitgeteilt: In den letztest Tagen der vorigen Woche erschien der amerikanische Oberst Govdyear, der bisher mit der Kohlenbewirtschaftung befaßt war, bei nur und teilte mir mit, daß die bisher unter seiner Leitunggestandene Kommission aufgelöst und durch Zins internationale Kommiss ion -mit dem Sitzle in Paris ersetzt, wird. In dieser Kommission sind England,'Frankreich, Italien, Polen, die. Tschechö-Slowakei- Jugoslawien und, Amerika bis zum 1. September vertreten. Deutschland und Deutschösterreich haben in dieser Kommission keinen Vertreter, doch wurde Deutschland zugesichert,. daß es einen technischen Sachverständigen für diese Kommission entsenden dürfe. Dem Staat Deutschösterreich ist auch die Entsendung eines solchen Sachverständigen bisher nicht zugeständen worden. Amerika soll deshalb nur bis zum 1. September in der Kommission vertreten sein, wer/ die Kohlenversorgung Europas eine europäische Angelegenheit sei, an der Amerika kein Interesse habe. Oberst Goodyear teilte mir weiters mit, daß nach den. über die Johbentvirtschaft ängestellten Studien um 200 Millionen Tonnen jährlich mehr gefördert werden könnten, wenn eine entsprechende.Ausbeutung aller in Betracht kommenden europäischen Kohlenvorkommen Platz greifen würde. Die Entente lege daher den größten Wert, d arauf, daß jeder Staat seine Kohlenvorkommen so intensiv als mit möglich ausbeute, und sie habe deshalb als Ansporst in die Richtlinien, welche die Pariser Kohlenversorgungskommission für die Kohlenverteilung anwenden wird,' die Bestimmung ausgenommen, daß die einzelnen Staaten nur in dem Maße aus der gesamten europäischen. Kohlengewinnung beliefert werden sollen, als sie selbst im Verhältnis ihrer Kohlenvorkommen an der allgemeinen europäischen Kohlenförderung sich beteiligen, das heißt, wenn Deutschösterreich zum Beispiel nur 60 Prozent der Friedensförderung aufzubringen in dm Lage ist, so wird Deutschösterreich nicht nur aus den eigenen- Kohlenrevieren durch den Rückgang der Förderung weniger Kohle erhalten als irst Frieden, sondern es wich auch für diesen Rückgang der Förderung noch dadurch bestraft, daß es dementsprechend auch weniger Kohle aus der allgemeinen europäischen Kohlengewinnung zu gewiesen erhält. Bedenkt Man, daß Deutschösterreich nur über so wenig Kohlenvorkommen verfügt, daß es nur 12 Prozent des Bedarfes zu decken imstande ist, und daß auch bei intensivster Ausnützung der Kohlenvorkommen an eine wesentliche Besserung der trostlosen Situation in der Kohlenversorgung Deuts chösterreichs nicht zu denken ist, daß eine Besserung vielmehr nur durch Einlieferung von Kohle aus anderen Staaten erzielt werden könne,, bedenkt man weiters, : daß bei der Unterernährung unserer Bergarbeiter und der sonstigen Wirtschaftslage in unseren Bergbaubetrieben es trotz aller Anstrengungen sehr schwer fallen wird, die Friedensförderung überall zu erreichen, so wird klar, daß diese Bestimmung in den Richtlinien für die Verteilung, der Kohle aus nicht deutschösterreichischen Revieren eine besondere Härte für Deutschösterreich bedeutet. Auf diesen Einwand wird seitens der Entente erwidert, daß sie ans der sofortigen weitestgehenden Ausnützung aller europäischen Kohlenvorkommen, so klein sie auch sein mögen, unbedingt bestehen müsse und daß sie nach dem Grundsätze ,,Gott hilft depi, der sich selbst hilft", von den festgesetzten Richtlinien nicht abgehen könne. Aus dem, was ich bisher gesagt habe, können dis Herren entnehmen, welchep Gefahr wir entgegengeheir, tvenn wir nicht in kürzester Zeit die Friedensförderung, beziehungsweise die Friedensleistung erreichen. Dies, kann erreicht werden: 1. Durch Erschließung neuer Kohlenvorkommen in Deutschösterreich, 2. durch eine . Vermehrung der Arbeiterschaft im Bergbau und 3.durch eine Vermehrung der Leistungsfähigkeit. Und nun, meine Herren, wollen Sie all dies der - Bergarbeiterschaft zur Kenntnis bringen und ihr Mitteilen, daß ich die dringende Bitte an alle richte, hr, Erfassung des Ernstes der Situation uns durch Anspannung ihrer Arbeitskraft zu helfen, die Gefahr eines wirtschaftlichen Zusammenbruches abzuwenden. -i .i .]■ Günstiger Bericht de» Ministerialrat» Dr. Klotz. — Prag liefert. — Kohlenwerkepachtung der Gemeinde Wien. — Eingestellte Züge. Ministerialrat Kloß ist gestern aus Prag in Wien eingetvoffen. Er hat einen neuen Vert.rag mitgebracht, der recht günstige Ausblicke / für die nächste Zukunft eröffnet, wenn er eingehalten wird. Die-tschechische Regierung hat sich verpflichtet, die Kohlenliefernngen regelmäßiger zu gestalten und die Quantitäten beträchtlich zu erhöhen.- Das Staatsanit für öffentliche Arbeiten hofft auf Grund der , getroffenen Abmachungen und gegebenen Versprechen, daß sich schon in der nächsten Woche die Zufuhren aus Böhmen, bessern werden. . Hervorzuheben ist, daß die in Prag getroffenen Abmachungen nur die Kohlenlieferungen für die Gemeinde Wien betreffen und daß die Bahnen ihre' gesunderten Mmachungen haben. Die Lage der Eisenbahnen wird jedenfalls so lange gefährdet sein, bis nicht die Lieferungen aus Ober schlesien im bisherigen Umfang wieder'ei,rsrtzen. Für die zu Iteferitbeit Kohlenmengen haben wir uns zu gewissen Kompensationen verpflichtet. Auch diese sind iir der vertragsmäßigen Vereinbarung im Gegensatz zu dein in Süßten geschlossenen Abkommen im Prozentverhältnis genau abgegrenzt, so ,daß Schwierigkeiten in der Auslegung der. Vertragsbestimmungen nicht mehr eintteten dürsten. Nach dem durch dieses Prozentverhältnis gegebenen Schlüssel! werden die von uns' zu liefernden Kompensationen nach cheu im jeweiligen Vormonat gelieferten Kohlemneugen kalkuliert. Die Kompensationen bestehen in Waren, Demobilisierung s gütern und tschecho. - slowakischen Kronen. » Im Stadttat legte Stabtrat Breitner einen Bericht über ein Abkommen vor, das die Gemeinde Wien mit der Frau Camilla de Majo als Besitzerin der Kohlenbergbau« „Steinkohlenbergbau zu Hinterholz", Steinkohlenbergbau zu. Groß-Hollenstein", ,,Steinkohlenbergbau zu Koglbach" und, „Großsauer-Lehen" abschließt. ,Nach diesem Uebereinkvmmen überläßt Frau de Majö. der Gemeinde Men die Ausschließung, Nutzbarmachung, Förderung ünd Gewinnung von Steinkohle in ihrensämtlichem Grtlbenmaßen und Freischürfen. Als Kaüfschilling verpflichtet . sich die Gemeind« während der Dauer des Uebereinkommens. für jeden Meterzentner gewonnener berkaufsfähiger- Kohle ein Entgelt von 3 0 Heller zu entrichten. Das Uebereinkommen. begann am 1. Juli und gilt auf die Dauer von zehn Jahren. Nach einer längeren Debatte und nach Aufklärungen des Direktors der Elektrizitätswerke, Karel, nahm der .Stadtrat diese' Anträge an. * - Don der Nordbahndirektion wirb mitgeteilt: Infolge Kohlenmangels wird der Verkehr der Verbandschnellzüge Ar. o (ab Wien-Nordbahnhof' 12 Uhr mittags) und Pr. 3. (an ' - Wien-Nordbahnhof 3 Uhr 40 Minuten nachmittags) in der Strecke Wien-Nordbahnhof—Lundenburg vom 19. d. M. angefangen, eingestellt. Verbandschnellzug Nr. 6 in der Strecke Lundenburg—Wien-No rdb ahn h v f—W ien-Westb ahnh os — Buchs, verkehrte letztesmal am Dienstag den 19. d. M. Entsendung einer Sonderkonmrisfion nach Polen und Oberschlefien. r Paris, 22. August. (Funkspruch.) Der Oberste Rat der. Alliierten hat die Entsendung emer Sonderkommission arach PolenundOderschlesien beschlo'ffen, welcher als Mitglieder Delegierte der sechs interessierten Mächte Frankreich, Amerika, England, Italien, Polen und Tschecho-Slowakei langehören werden. Diese Sondcrkommission wird am Montag pon Paris abreisen. Sie wird zunächst die Ausbeutung der jetzt iin Betriebstehenden Kohlengruben, besonders jener in Dombrowa ünd Teschen, zu untersuchen haben, ferner die Mittel zur Verürehrung der Förderung und .richtigen Verteilung und den Transport der Kohle studieren und schließlich die Möglichkeit von Neuünlagen imtersuchen. ' ’ > Die AnaLHLngigkett Koreas. Belmar, 22. August. (Funkspr. des Korr.-Bur.) Die japanische Botschaft in Washington veröffentlicht «in kaiserliches Edikt, welches Korea die Selbstregierung verleiht. KoreMer ünd Japaner werden hinkünftig gleichberechttgt sein.!Der Streik der Prager tschechischen Bank-!L beamten. 1'’ P«rg, 22. August. (Del. der „Wieiter Morgenzeitung".) Der Streik der tschechischen Bankbeamten steht im Vordergründe der Ereignisse. Heute vormittags fand eine große Versammlung der tschechtsthen Bankbeamten statt, in welcher der Sprecher der Beamten, Schreiber, erklärte, der Kampf sei den Beamten vorr den Banken selbst aufgezwungen worden. Ifamens der deutschen Bankbeamten erklärte Prokurist A d l e r, jdaß die Beamten der deutschen Institute im Einvernehmen init dem tschechischen Bankbeamtenvereiy nicht streiken werden, da drrrch die Aufrechterhalturm dos Bettiebes in den deutschen Jnstituterr den tschechischen Banken eine Konkurrenz entstehe, hie sie zur Nachgiebigkeit zwingen werde. Selbstverständlich würden die detitschen Bankbeamten sofort streiken, wenn der Versuch gemacht würde, den tschechischen Banken durch Streikbrecher auszuhelfen. Es wurde sodann ein Streikpostenfcomiiee. pn'o eine Pressekommisfiop gewählt. Die letztere wir.d. die Alrfgabe .haben, die Z^gespresse zu in-svrmierLn. ß)ie Re g i er \in g versucht^ ijt t.e lu,hqt die Beamten ersucht, die Arbeit wieder aufzunehmen und ihr die Vermittlung zu überlassen. Die.Entscheidung über diesen Vorschlag wird Montag fallen. Die Beainten und Angestellten verschiedener Kategorien veranstalteten Solidaritätskundgebungen. Die nationaldemottatische Partei versucht, den Stteik politisch äuszunützen, indem sie eine Solidaritätskundgebungaller Gagisten veranstaltete. Die Börse stand ganz unter dem Eindruck des Stteiks und die Folge war eine allseitige Stagnation des Verkehrs, Die rot-weiß-rot^Fahne auf der Sautnerspitze- Innsbruck, 22. August. (Korr.-Bur.) Die Blätter melden aus Südttrol: Drei Wochen hindurch wehte vom Haupt der Santnerspitze, jenes hohen, von Bozen aus gut sichtbaren Dol-omitenturmes, die von drei Meraner Alpinisten gehißte rot-weiß-rote Flagge. Vergebens haben sich die Italiener bemüht, die Fahne" herünterzuholen. Auch das vom nahe; gelegenen Sch lernrücken gegen die Flagge gerichtete Maschinengewehrfeuer hatte nicht den gewünschten Erfolg. Nun wurde die' Fahne von dem wohlbekannten Fassaner Bergführer P ia z, einem ehemaligen Mitglied des Alpenvereines, der von den Italienern um 1000Lixe gedungen wurde, die Spitz.e zu erklettern, h-eruntergeholt. * \ ,v.v; ' 1 ’ •1? Kleine Nachrichten. Berlin» 22. August. Die „Bossische Zeitung" meldet: Karl R a d e k sollte nach seiner Haftentlassung nach Rußland abgeschoben werdm. Wie das Wolffschd Bureau »sähtt, haben die englischen Behörden in Litauen sich geweigert, ihn dmchznlaffen, -obwohl Radek sich erbötlg machte, in Moskau gegenweitere bolschewikische Agitationen unter-den mglischen. Truppen in Rußland zu wirken. Es bleibt daher einstweilen nichts arideres, übrig, als Radek in Schutzhast zu halten. Jüdische Gemeinde. Dom Landesverband der israelitischen Kultusgemeinden inMähre«. Sonntag den 17. b. M. fand in Brünn eine Tagltng der Verbandsleilling der mährischen Kultusgemeinden statt. Anwesend waren: Dr. Alois Hilf (Mährisch-Ostraü) als Präsident, Dr. L e v y (Brünn) als Vizepräsident, Dr. Zweig, Dr. D o l d s ch m t d t (Proßnitz), Dr. Schreier, Doktor S^nnenfeld (Brünn), S. Beran, Präsident der Brünner Kultnsgemeinde, als Gast. Auf der Tagesordnung stand die brennende Frage des Religionsunterrichtes an den Mittelschulen, da laut Ministerialerlaß die Stundenanzahl reduziert werden soll. Referent Dr. Eolbschmidt legte in einem umfassenden Bericht di» Thesen des Rabbinerverbandes vor. '' . Die ganze Leitung stimmte einhellig mit der Ansicht deS Referenten überein, daß dem Hebräischunterricht und der jüdischen Ge sch ich te in modernerer Fassung das Hauptaugenmerk zugewendet werden inüsse. Eines der ttaurigsten Kapitel der Tagung bildete das Referat des Dr. Goldschmidt über die Not läge der Rabbiner und Gemeindebeamten. Es war ein geradezu er-- schütternder Eindruck, den. das Referat auf die Anwesenden hervorrref, um so mehr, als durch die unbeschreibbare - Gestion des jüdischen Lanbesmassafonds (ein Fonds, der zur Zeit. Josef Ü. in Mähren für arme Gemeinden gegrülidet wurde aus der Hälfte der Pachtsiimme, die Leopold von Köffile-r für die Judensteuern zahlte) die kleineren Gemeinden nicht entsprechenÜ unterstützt werden können. Es wird daher der Lanbesmassafonds aufgefordert, die Unterstützung den großen Gemeinden zu entziehen uird sie den kleineren zuzuwenden; für den Herbst tvird die Einberufung eines Gemeindetages zum Zwecke der Regelung der Gemeinde^ beanitenfrage beschlossen. Der letzte Punkt der Tagesordnung galt dem Wahlentwurf stir die Kultusgemeinden (Entwurf für eilt Statut der israelitischen Kultus gernemde Mährisch-Ostrau von Doktor A. Hüf, erschienen im Berlage „Jüd. Volksblatt", Mährisch- Ostrau) im tschecho-flowakischen Staate. Wahlsystems, das allen Juden, die das 21. Jahr erreiche Per Entwurf steht^ms dem Standpunkte des P r v p o r z- , haben, das au«hlr<M Maeltebt.c,x