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Wiener Morgenzeitung · 1919-08-22 · Heft 213 (22.8.1919) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 213 (22.8.1919)
Date
1919-08-22
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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I* Sette 43 Wien, Freitag Miene* Morgenzeitung IST Telegrmnme. Poknty, Nadworna, Ottyrrw, Melatin und Mikuliezyn von > den Polen besetzt. Mäh r.-S st r a «, 21. August. (Tschecho-slow. Preßbur.) Der Dereinbarung mit den Rumänen Zufolge besetzten die Polen vom .18. d. M. P o k u L y. Sie Übernahme« bereits die Orte Madworna, Ottynia, D elatin und Mi k u l L e z tz n. Englifch-rnffischer Krieg, k Petersburg, 21. August. .(Funkspruch.) Die Ktersburger Telegraphen-Agenürr veröffentlicht gende Mitteilung an Alle: Ungeachtet der feierlichen und wiederholten ßt* Körungen britischer Staatsmänner, daß die britische Regierung keinerlei aktiven Anteil mehr nimmt an einer Intervention in Rußland, ist in Wirklichkeit das Gegenteil eingetreten. Britische S e e st r eit Kräfte haben gemeinsam mit britischen Flugzeugen, gegen Kronstadt einen hütenden Angriff unternommen. Am 118. August frühmorgens griff eine große Anzahl ^britischer Flugzeuge Kronstadt an und warf Bomben -auf die Stadt ab. Die britische Regierung hat damit jeine umfangreiche Aktion eingeleitet, um Rußland mit Leinen Streitkräften unmittelbar anzugreifen. Die jenglischen Arbeitermassen mögen nun wissen daß jGigland aktiv am Kriege gegen Rußland teil* kimmt. MM SOEBEN ERSCHIENEN Abg. Robert Stricker DER JÜDISCHE NATIONALISMUS Dt$ wirksame. Abwehr des Antisemitismus. - Schadet der jüdische Nationalismus den Juden? Wie können* wir unsere Jugend jüdisch erziehen? - Die Vertreter des jüdischen Volkes. . Preis K 2.50. - Zu beziehen durch die Administration der „Wiener Morgenzeitung“, Wien, II. Bez., Taborstrasse 1 bis 3 Kamienec-Podolsk eine amerikanische Kommission eingetroffen ist, mit der Aufgabe, die Ursachen und den Umfang der Pogrome in der Ukraine zu untersuchen. Zu diesem Zweck wird sich diese Kommission nach Zmerinka begeben, wo ein fürchterlicher Pogrotn stattgefunden hat. »Jüdische Kommunisten." Die Tefchener Frage. Y Paris, 21. August. (Tel. der „Wr. Morgenzta.") Die D e scheuer Frage wird demnächst hier in einer Konferenz, an d« P a d e r e w s k i für die Polen und Dr. B e n e s ch für Ae Tschechen teilnehmen werden, erledigt werden. Die Kampfe in der Ukraine. * 1 Kamsnetz-Podolsk, 21. August (Funkspruch). Der Ukrainische Pressedienst meldet: Die vereinigten ukrainischen Truppen haben in der mittleren Ukraine rechts des Dnjepr, südlich Kiew eine Reihe neuer Erfolge iim Kampfe mit den Bolschewiken zu verzeichnen Zwischen Bug und Dnjepr wurden in den Letzten Tagen Gcchsm, Krysthnvwka> Aipowetz, Kalinowka und gestern die Stadt Kasatin, wenige Werst von Berdiczew entfernt, genommen. Nach dem Verlust von 'Berdiczew iwerden Schitomir und Kiew, wo die Erhebung gegen die Bolschewiken nur durch den blutigsten Terror unterdrückt wird, nicht länger zu behaupten sein und die» Bolschewiken werden gezwungen, den ätzten Rest ukraimischen Bodens zu verlassen. In der südlichen Ukraine hat der durch die Aufstände der Bauern und der städtischen Bevölkerung erzwungene Mzug der Bolschewiken dazu geführt, daß sie auch NiLolajew und Cherson verloren haben. Denikin führt „Krieq" gegen die Zentralmächte. Saint-Germain, 21. August. (Korr.-Bur.) Nach einer Meldung des „Journal" aus Iekaterinodar betrachtet sich Denikin noch immer als im Kriegszustände mit denZentralmachten befindlich. In dem von ihm besetzten Gebiet müssen sich Deutsche, Oesterreicher, Türken und Bulgaren beim Platzkommandanten zur Eintragung in Listen melden. Die Lage in Sibirien. .Samt-Ger um in, 21. August. Der Berichterstatter der „Times" in Omsk mewet, daß es General Disterichs gelungen sei, die sibirischen Kosaken gegen die Bolschewiken zu mobilisieren, die ihrerseits wieder ihren ^Einfluß auf die in Sibirien befindlichen Tschecho-Slo- «waken geltend machen, um diese zum Ausharren im -Kampfe gegen die Bolschewiken zu ermuntern. Den Tschechen zu Ehren wurde das erste Regiment der »reuen Kosakenstreitmacht nach Johann Huß benannt. ^Angeblich melden sich viele tschecho-slowakische Freiwillige an die Front. Andererseits verhalten sich die sibirischen Bauern passiv. Sie wollen nicht recht an iGveueltaten der Bolschewiken glauben, deren Augenzeugen sie nicht waren, und zeigen sich teilweise der Kommunistischen Propaganda geneigt. Eine Palästina-Delegation der polnischen Juden. > Warschau, 21. August. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Die unlängst in Warschau stattgefundene Konferenz der Gesellschaften in Institutionen in Polen, 'deren Tätigkettsprogramm die Arbeit in und für '.Palästina einschließt, beschloß die Entsendung!einer Delegation nach Palast in a. jDanK den Bemühungen des Abgeordneten F a r b - «ein erteilte nunmehr das Ministerium des Aeußern Dieser 63gliedrigen Delegation die Ausreisebewilligung. Eine amerikanische Kommission zur Antersuchung der Pogrome in der Ukraine. Lemberg, 21. August. (Tel. d. „Wr. Morgenztg.*) sDie hiesigen Zeitungen wollen von Personen, die die Moimsche,, Front MtzWm, JÄIlL; Eine sonderbare Meldung. Warschau» 21. August. (Funkspr.) Das Generallornmifsarmt des Volksrates von Posen meldet, daß jüdische Kommunisten Versammlungen g e g e n d i r n a t i o n a l e n A r b e i t e r organisieren. ( (Diese sonderbare Meldung, aus deren Fassung kein Mensch klug wird, wird vom Korrespondenz-Bureau verbreitet. Es ist ganz klar, daß es sich um eine Tendenznachricht aus der volmschen Schmutzkiste handelt, die die Juden als „Kommunisten" denunzieren soll. Solche Meldungen wurden ausgeftreut, wenn irgendwo ein Pogrom im Anzug war, der im Borhmein gerechtfertigt werden sollte. Die „nationalen Arbeiter", bie gegenwärtig in Posen und Oberschlesien Unruhen und Kämpfe veranstalten, vrrstehm ihre Arbeit gut. Die Red.) Keine Einreisebewilligung für Liebermann und Moraezewski. Krakau, 21. August. (Tel. der „Wr. Morgenztg.*) Wie der „Naprzod" meldet, verweigerte die Schweizer Rest ie.ruug den polnischen Delegierten zur internationalen Sozialistcnkonferenz m Luzern, den Abgeordneten Dr. Lieberln a u n und Moraezewski, die Bewilligung zur Einreise in die Schweiz. Die genannten Delegterten mußten von der Schweizer Grenze zurückkehren. (Darnach ist also die früher gemeldete Teilnahme der Genannten an der Lüzerner Konferenz nicht richtig. Pie Red.) Bevorstehende Schließung der Universität in Czernowitz. Bukarest» 20. August. (Tel.-Komp.) Nach einer Meldung der Agentur Dacia aus Czernowitz wir.d die deutsche Universität in Czernowitz am 1. S e Ptember geschlossen. Dr. Nenner appelliert an die Entente. Die Verhaftungen in der Steiermark. Sarnt-Germam, 21. August. (Korr.-Bur.) Staatskanzler Dr. Nenner hat aus Anlaß der aus Laibach genvellreLen "'Verhaftung von M0 Deutschen der südlichen 'Steiermark eine Note an den Präsidenten der Friedenskonferenz gerichtet, worin er die Intervention der Ententemächte zugunsten der Verhafteten erbittet und gleichzeitig darauf hinweist, daß derartige polizeiliche Zwangsmaßvegeln gegen Leute, die nur ihrer nationalen Ueberzeugung Ausdruck gegeben haben, doch gewiß nicht den Intentionen der Entente entsprechen können und ein neuer Beweis dafür seien, wie gefährlich es wäre, national Mammengehövende Gebiete willkürlich zu zerreißen. Der Kanzler richte noch im letzten Augenblick einen Appell an die Mächte, dem Ruf nach dem Selbstbestimnmngsrecht .Gehör zu. schenken. Sitzung des Obersten Rates. Saint-Germain» 21. August. (Korr.-Bur.) Ministervrästdent Clemen c t a u ist gestern abends von seinem Urlaub zurückaekehrt und hat heule nachmittags den Vorsitz in der Sitzung des Obersten Rates geführt, die sich mit den Streiks in Oberschlesien, der Lage in Rußland und Ungarn und mit der Antwort aus die deutfchösterreichischen Gegenvorschläge befaßte. Erschwerung der Einwanderung nach Amerika. Saint-Germain, 21. August. (Korr.-Bur.) „Liberty" meldet, daß die amerikanischen Abgeordneten Johnson und Sherman im Repräsentantenhaus einen Gesetzentwurf emebracht hätten, wonach die Einwanderung nach Amerika ür zwei Jahre unbedingt verboten w e r d e n s o l l. Einwanderer, die während des Krieges ihre Naturalisierung verzögerten, um der Wehrpflicht zu entgehen, sollen ausgewiesen werden. Nach Ablauf von zwei Jahren sollen nur solche Leute einwandern dürfen, dir sich von vornherein bereit erklären, amerikanische Bürger zu werden. Die rumänische Ernte. Lyon, 21. August. (Funkspruch.) Die rumänffche Ernte wird, obwohl nur 60 Prozent des sonst angebauten Bodens bebaut sind, auf mehr als 145.000 Waggons geschätzt. Hievon können über 50.000 Waggons ausgeführt werden. Die überaus günstige Ernte i« Beßarabien ist hierbei nicht mitgerechnet. 22. August 1919 . . Nr. 213 Eine 9-Milliarden-Anleihe in Deutschland, j Weimar, 20. August. (Korr.-Bur.) Die Nationalversammlung hat heute das Gesetz betreffend einen A nleihekredit von 9MilliardenMark für daS Jahr 1919 und daS Ausfüyrungs g e s e tz zum Friedensvertrag in zweiter und dritter Lesung an g en o m m e n. Ebenso wurde das Erbschaftssteuetg e s e tz mit den v e r s ch 8 r f t e n Tarifen der Aüsschnßvorlage zum Beschluß erhoben. Gründung einer jüdischen Kolonialbank in Pretzburg. s Prag, 21. August. (Tel. d. „Wr. Morgenztg/) Vor einigen Tagen wurde hier eine jüdische Kolonialbank mit einem Kapital von fünf Millionen .. Kronen gegründet. An der Spitze des zehngliedrigen Direktoriums steht Herr Richard Schlesinger aus Pistyan. Zweck des Institutes ist erstens die wirtschaftliche Sicherung der Juden der Slowakei und zweitens die'Durchführung der nötigen Arbeiten für die Emigration nach Palästina. 4 Die Zustande in der Slowakei, s Prag, 21. August. (Tel.der„Wr.Morgenztg.") Der politische Kampf in der S l ow a k e r ist gegenwärtig außerordentlich lebhaft. Das System Schrobars, dessen Verwaltung sich als vollkommen unzulänglich erweist durch die vielen Fehler und Rücksichtslosigkeiten, wie zum Beispiel die Requisitionen, begegnet auf Seite der Slowaken dem schärfsten Widerstand. Dieser Widerstand wird von den ziffernmäßig sehr starken christlichsozialen Kreisen der Hlinka-Partei gut ausgenützt..Die Lage der Juden ist mit Rücksicht aus diese Verhältnisse sehr gefährdet. Mit um so größerem Unmute wird deshalb in den Reihen der Juden auf die eigentümliche, an Volksverr a i grenzende Haltung einiger orthodoxer jüdischer Führer hingewiesen, denen das höchste Ideal nur die Erhaltung ihrer politischen Geltung, nicht aber die Erhaltung des Judentums ist. Sie finden sich mit dem antisemitischen System des Dr. Schrobar ab, weil nicht sie persönlich darunter leiden und es ihnen gleichgültig ist, wie die übrigen Juden in der Slowakei leben. Es sind das dieselben Elements welche wir von Galizien her nur allzu genau kennen» die stets bereit waren, die Juden zum Objekte eines politischen Schachers mit der herrschenden Partei zu machen.?; Der durch diese Leute herbeigeführte Bruch der jüdischen Einheit hat auch dazu geführt, daß sich das antisemitische Regime ganz hemmnungslos entfaltet. Schrobar führt jetzt die Auf Hebung der Lizenzen durch, wodurch etwa 20.000 jüdische Familien in Mitleidenschaft gezogen werden. Der an jüdischem- Eigentum durch Plüderungen bisher verursachte! Schaden beträgt etwof' 250 'Millionen Kronen^ Für die nächste Zeit befürchtet mctzr wieder Unruhen,' da von allen, üuch amtlichen, Stellen aus, Flugblätter! mit exzessivem, a n t i s e m i t i s ch e n Inhalt verbrettet werden, in welchen der Boykott der, Juden gepredigt wird. Die Wahlgesetze für die Slowakei. Prag*, 21. August. (Tel.-Komp.) Wie „Kassai Naplo* er-, fährt, wird das in Vorbereitung befindliche Wahlgesetz für die. Slowakei die Ungarn in einem Wahlbezirke verewigen. Den ungarisch enWahlern werden zwölfMandats z u g e st a n d e n. Die Anmeldung der Kandidaturen muß eins' größere Anzahl Wähler, man spricht von 500, unterschreiben^ Das-Gesetz bestimmt, daß jeder Wähler das Trevoelobnis zun^ ischecho-slowakischen Staat ablcgen muß. Die große Mehrheit dev slowakischen Abgeordneten ist der Meinung, daß diese Bestimmung in der Slowakei nicht durchführbar ist und »vünscht, daß zur Ablegung des Trengelöbnifses nur die Kandidaten und jene W.ähk«- verpflichtet werden sollen, die sie empfehlen. Tschechische Nationalversapmilung. Prag, 21. August. (Tel.-Komp.) Ueber Beschluß der koalierten Klubs wird die Nationalversammlung, am Mittwoch den 10. September wieder zusammen*- treten. Tschechischer Verfaffnngsausschutz. \ , Prag, 21. August. (Tel.-Komp.) DerVerfassungs-' ausschuß der Nationalversammlung verhandelte irr' seiner gestrigen Vormittagssitzung den Entwurf des neuen Wahlgesetzes. Nach Vertagung der ersten 6 Arükel (Aufteilung der Wahlbezirke) wurde der Artikel 7 über das Wahlrecht erörtert. Dr. Stransky stellte den Antrag, die gesetzgebende Körperschäst der Ischecho-slowakischen Republik Abgeordnetenhaus zu nennen ) die Bezeichnung „Nationalversammlung" soll den beiden Kammern gemeinsam vckbehalten sein. Nach einer Debatte über diesen Antrag wurde beschlossen, die Feststellung der Bezeichnung der gesetzgebenden Körperschaften der endgültigen National« Versammlung zu überlassen. „ Wiederaufnahme des Schnellzugsoerkehres Wien —Prag. Prag, 21. August. (Tel.-Komp.) Wie das „Prager Tagblatt" ersährt, hat die amerikanische Mission beim Präsidenten Masaryk vorgesprochen, um die Fühmng dreier Schnellzüge in der Woche nach Wien durch Kohlenlieferyngen wieder zu ermöglichen. Der Präsident hat die Kohlenlieferungen zugesagt, es wird nur noch die Antwort der deutschösterreichischen Regierung abgewartet, die noch im Laufe des heutigen Abends oder längstens morgen vormittags eintreffen dürste, worauf der Schnellzugs-, verkehr mit Wien wieder wird ausgenommen werden, > können. '

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