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Wiener Morgenzeitung · 1919-08-22 · Heft 213 (22.8.1919) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 213 (22.8.1919)
Date
1919-08-22
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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. Nr. 218 Wien. Freitag Auswanderung aus Amerika. . Schon seit längerer Zeit hat man sich in den Vereinigten Staaten, mit der großen Einwanderung beschäftigt, welche, wie - man annahm, nach Beendigung des Krieges einsetzen würde,, Gesetzentwürfe wurden ansgearhfttct und diskutiert, welche diese. Bewegung kontrollieren und in einschucihcnderWrisehewmen sollten und auch auf dem Kongresse der Mbeiterföderation wurden dahingehende Resolutionen angenommen. Nun stellt sich aber heraus, daß kLr die Bereinigten Staaten die Frage der Auswanderung viel mehr Gorge zu verursachen geeignet ist, als dis der Einwanderung. Wie übereinstimmend von verschiedenen Seiten gemeldet wird, hat eine ungemein starke AbwanderungSbewcgWg eingesetzt, welche das Maß dev normalen Rückwanderung, mit der man rechnen zu können glaubte, weit übersteigt. Als Grund wird angegeben, daß insbesondere viele Angehörige jetzt befreiter oder politisch mächtig gewordener Staaten den Wunsch haben, in ihre Heimat -LrÜckgukehren. Dazu kommt der Umstand, daß bei den zahlreichen aus Mittel- und Osteuropa stammenden Arbeitern schon die Ersparnisse von wenigen Jahren in der' einheimischen europäischen Währung bereits ansehnliche Vermögen darstellen, schließlich wird, auch behauptet, daß die amerikanische Moholfciridliche Gesetzgebung Bielen den Aufenthalt im Lande verleidet hat. Jedenfalls ist der Andrang derjenigen, wMe sich um Paste bewerben UV obrureisen. sobald der Transport möglich'ist, ein auffallend großer. Hie Zahl derjenigen, die trot^ aller noch vorhandrsich Schwierigkeiten schon jetzt abströmen, wird von der „Times" ans 3V.Y00 im Monat angegeben und demselben Blatt zufolge wurde berechnet, daß der Ausfall bei regulären Transport- Verhältnissen bald S Millionen Mann erreichen kann. Auch berichtet dag Arbeitsnachweisamt der Bereinigten Staaten, daß trotz der Demobilisation an manchen Orten, bereits Mangel an, Arbitern herrscht. Diese Situation stellt im Hinblick auf die Aufrechterhaltung der industrielle» Position, welche die Bereinigten Staaten im Kriege errungen haben, ein sehr ernstes Problem dar. Es kann leicht sein, daß alle Furcht vor Bolschewismus und germanischer Propaganda zuriicktretw und von Seite der Negierung die europäische Einwanderung nach dm Bereinigten Staaten anstatt dev beabsichtigten Hemmung bald wieder die weitestgehende Förderung erfahren wird. Allerdings ist dabei mit dem Widerstand der Arbeiterschaft zu rechnen, welche bei den großen, jetzt begonnenen Kämpfen, namentlich um die Sozialisierung, die Abnahme der ausländischen Arbriterkonkurrenz als eine große Stärkung ihrer Position ansicht. Eng-and nnd Persien. UnterstaatSsekretär Auswärtigen Amtes, H a r m sw v r t h, erklärte im U n t e r h ,r u s, daß auch nicht der kleinste Grund zu dem Verdacht vorhanden wäre, daß die britische Negierung ein Protektorat über Persien cmszullhen beabsichtige. Die Haltung des persischen Kabinetts nnd der bevorstehende Besuch des Schahs in England seien genügende Antworten auf solche Anschuldigungen. Die persische Regierung habe sich an die britische gewendet, weil diese ihr mächtigster und am s r e» n d l i ch st e n g * H n «11 f Nachbar sei und dt« britische Regierung hätte ihre überlieferte PoMkOeS wamm Jntereffes gegenüber Persien verleugnet, wenn sie das Ansuchen dev persischen Regierung ahgelehnt hätte. Lord l' c e i l fragte, oh der Vertrag dem Rat deS Völkerbundes werde r.rgelegt werden. Hgrmsworth antwortete; „Ich glaube gewiß". ' Inland. Nationalversammlung. Mirrr. Sl. August. Da' die Ueberreichuna der Ententemtworr auf die deutschösterreichische Note nächsten Montag erfolgen dürste, ist die nächste Sitzung des Hanptausschusies der Nationalversammlnna für Dienstagden 36. oder Mittwoch den 27 d. M. in Anssicht genommen. Die Sitzung der Nationalversammlung, die sich mit . den FriedenSbesti,umungen von Scsint- Germain befassen wird, wird sodann am Donnerstag den 38, oder Freitag den 29. d. M. abgehalten werden. Das Gesetz betreffend die Namensändernngen. Das deutschösterreichische NamenSänderungsgesetz ist bereits im Staatsgesetzblatte erschienen. Grundsätzlich ist auf Naiuvnöänderungen eine Gebühr von 20.000 Kronen gesetzt, welche jedoch gemäß der Vollzugs- «nweisung vom 7. August.1919 bis auf.10Kronen ermäßigt werden kann, und zwar in folgenden Fäl/eik: a) Wenn erwiesen oder glaubhaft gernacht wird, daß eine den gleichen Familiennamen wie der Gesuchsteller tragende Person eine strafbare Handlung, begangen hat oder ans sonstigen Gründen, zum Beispiel wegen einer ehrlosen Handlung oder unsittlichen Lebenswandels gesellschaftlich mißachtet ist, und b) wenn der bisherige Name deS Gefuchstellers geeignet ist, seinen Trägerdev LLcherlichkeit preiszugeben oder sein wfttschaftliches Fortkommen zn erschweren. Eine Medaille der^dealfchNstorrsich^ chsn Drr KabinettSrat bat am 1. Juli beschlossen. eine Medaille er Erinnerung an die Gründung der Republik prägen zu lassen, diese Medaille soll in $nset Größen zur Ausführung gelangen, die Staatsämter für Inneres sind Unterricht werden gemeinsam ist der StagtSkanzlei die für die Verleihung, dieser Medarue in Zetracht kommenden Persönlichkeiten in Vorschlag bringen. Mt .werden der Präsident der StaatskanzlerR e nn e r, „ ..... Cjjö i) i o e \i i x, sämtliche Mitglieder und Ersatzmänner deS GtaatSrateS, sämtliche Staatssekretäre nnd Interstaatssekretäre beteilt werden. Die kleine Medaille wird unter mderm den leitenden Beamten der Kanzlei der Nationalverammlung, der Direktion de« Stenographenbureaus der National« m'sammlung, dm Schriftführern des StaatSrateS und deS KabmettSrairS und einigen leitenden Funktionären der Staatskanzlei verlieben werde;;. Wiener Morgenzeitung 22. August 191V Seite 8 Die Wirren in Ungar«. Die Schreckensherrschaft der Reaktiv« > in Ungar». (OrrMalborrchL unsere» Budapestex Korrespondenten.) Ders weiße Terror wütet in Ungarn- Die weißen Schreckensmänner nehmen selbst mit einem völlig schuldlosen, politisch indifferenten Stellvertreter vorlieb, wenn der als Bolschewik namhaft gemachto Arbeiter oder Jude nicht mehr anzutreffen ist. In Duna-földvar, einem kleinen magyarischen Ort in der Richtung gegen die jugoslawische Demarkationslinie, zogen am 9. August die Weißen ein. Unterwegs sollten sie scheinbar überall Ordnung machen. Hu diesem Zweck führen sie natürlich — ähnlich wie einst Szamuelh — ihre Henkersknechte mit. JnDunaföldvar wich ihnen nun ein Bild gezeigt, das eine fingierte Hinrichtungsszene Szamuelyscher Terroristen zeigt. Auf dem Lichtbild sind -als Zuschauer auch der Hotelier des Ortes und sein Schwager, beide Juden, zu sehen. Obwohl es sich dabei nur um einen schlechten scherz der Terroristen untereinander geharchelt hat, wurde die Hinrichtung aller auf dem BiDe sichtbaren Personen anbefohlen. Als Schöpfer dieses Urteils, dem keine Einvernahme derVernrbeilten vorausgehen sollte, prüfen vierten sich! in eleganter HaUp tmannSuniform nachstehende Herren: Graf S zeesen, Baron Pro nah Graf Salm .. . Der Hotelier hatte jedoch von den Plänen der Szegediner Herren rechtzeitig Kenntnis erhalten und konnte sich noch in Sicherheit bringen. „Da muß eben sein Schivager ans den Galgen!" ' — entschieden die Szegediner Aristokraten. Der ahnungslose, kränklich« Mensch, ein harmloser Lederhändler namens Alexander Stein, wurde ungeachtet aller Bitten der Bevölkerung, des Notars, ja sogar des Pfarrers, zum Galgen geschleppt. Doch die Henkersknecht, der Gzegediner Baron« arbeiteten ungeschickt. Stein siel noch lebend vom Galgen herunter und wurde nochmals emporgezogen. Diesmal glückte bis Henkevarbeit. Er starb . ...«Man darf daraus gespannt sein, welches Ergebnis die über.energisches Verlangen der amerikanischen Mission eingeleitete Untersuchung zeitigen wich, der ich den Kall mitteilte. Miro man diese Schandtat der Szegchiner Baron« ebenso im Amtsblatt brandmarken, wie jetzt di« Gräueltaten der Roten? Es handelt xsich jedoch nicht etwa nm einen vereinzelten Kall, sondern man hat es zweifellos mit einem systematisch' betriebenen Terror zn tun, wofür zahlreiche Beweis« vorliegen. Die Versuchs zur Lösung der Re-gierungs* Krise. Di« Nachricht vom Rücktritt des Erzherzogs Josef scheint in der gestern übermittelten Form, einigermaßen verfrüht zu sein. Doch ist zu erwarten, daß angesichts der einmütigen Ablehnung, die bas erzherzoglich« Regime findet, sich dieser nicht allzu lange behaupten wiä). Wie wenig konsolidiert di« gegenwärtige Regierung ist, erhellt aus der Tatsache, daß man G a r a m i wieder nach Budapest berufen hat, um mit ihm neuerdings zu verhandeln- Im übrigen bedienen sich die augenblicklichen Machthaber Ungarns der alten längst bankerott gewordenen politischen Methoden, die wohl niemand täuschen' können. So meldet man, während die .Zeitungen. geknebelt werden,. amtlich von einer S palt ung. unter den Sozialisten nnd der Gründung einer neuen nationalen Arbeiterpartei nnd läßt irgendMM „slowakischen, regieren den Rat", der seinen Sitz mchWarschau verlegt haben will,-erklären, daß er die. tschechischen Ansprüche auf di« Slowakei .nicht anerkenne und baß die Slowaken mit Ungarn in Staatsgemeinschaft bleiben wollen. Sogar von einem Protest bei d§n Ententem ächten ist die Red«.. Mer der Neuauflage' der magyarischen imperialistischen Methoden wird wenig Erfolg beschieden sein- Auch gegen das deutsche Wo st Ungarn wollen es die Ungarn anscheinend mit Gewalt versuchen und Ksten Truppen aus, welche die Bewegung Niederhalten; sollen. Zu einer Besetzung des Deutschösterreich'! zugesprochenen Gebietes durch dentschöst«rreich i sch e Truppen wich es wohl vorläufig nicht' kommen, da die Ente nt« Konflikt« urch unnötiges; Blutvergießen zu vermeiden sucht.- Jedenfalls deuten? alle Umstände - daraus hin, daß es in Ungarn baldzur Klärung kommen wich. Die Entente scheint zuj Gara mi Vertrauen zu haben und mit seinem Ein- ' tritt ins Ministerium dürfte der Rücktritt des Erzherzogverwesers zusammenfallen. Garamr in Budapest. Aus Budapest wich uns gemeldet: Der Führer der Sozialdemokraten, Ernst Garami, ist heute nachinjttags in Biwapest eingelroffen. Gestern und heute sind außerdem einige Herren in Budapest eingelang t.< die in Wien an der dort parallel mit den Budapests Unterhandlungen geführten Besprechungen mit den politischen Vertretern der Entente als Vertrauensmänner verschiedener Parteigruppen teilgenommen haben. Dia Besprechungen in Wien ergaben die Feststellung, daß; das noch di« Regierung Friedrich repräsentierte System jene Unterstützung der Entente, die Erzherzog Josef in seinem am 9. August an Clemeueean gerichteten Telegramm erbeten hat, nicht erhalten werd^. Als man dieses Resultat gestern dem Erzherzog mitgeteitt hat, gab dieser seinen Willen kund) sich nicht mehr an die Macht klammern zn wollen. Von diesem Moment angefangen erschien das größte Hindernis für die Lösung der inneren nrch äußeren Krise aus' dem Wege geräumt. Jetzt ist die Frage zu lösen, in welcher Form und zu welchem Zeitpunkt der Rücktritt des Verwdsers erfolgen solle, weiters die Frag«, an wen der Verweser die Macht übergeben solle. Hierüber sind die/Besprechungen im Zuge. Die größte WahrscheinlichksiL hat jene Art der Losung dieser Fragen, daß der Erz-^ Herzog die Macht einem Staat-rat übergibt und; dieser dann die Negierung ernennt. Mit dieser Lösung' sind sowohl die meisten Parteiführer wie auch die Entente einverstanden.^ Die erste Ausgabe der nellsu Regierung, die unbedingt eine Koalitionsregierung sein wird, muß die Ausschreibung der Wahles für hir Nationalversammlung sein. Uebev die Fragei der ZusammenstelllMg der neuen Regierung sind die Verhandlungen bereits in ein sehr fa^tgeschritteues Stadium gelangt. Eine Mission PnzmandyS m Paris. Saint-Germain, 81. August. «Chieago Tribünemeldet, Hatz der frühere ungarische Abgeordnete P az ma n d v dieEHubrnS erhalten habe, nach Paris zu komme», MN dort mf invfflMrr: Bevollmächtigter der ungarischm Regierung deren Wünsche, %m und Absichten zu rMUern. Er soll erklärt haben, daß er ewe<- Restauration der Habsburger für unmöglich halte, daß Ungarn aber der Wiedereinführung der Monarchie, womöglich unter emem Mitglied des englischen Königshauses, fc^r geneigt D«s rmnänische Militärgericht amtiert in Budapest. Budapest, 21. August. Mng. Tel.-Korr.-Bur.) Das rumänische Militärgericht wird am 22. und 23. b. M. im Gebäude des Budapester Platzkommandos üffentliche Verhandlungen abhalten. Oie Rnmsinen heben m Bndapsst. den Be« lagsrungszustand auf. Budapest, 21. August. (Tel. d. „Wr. Morgenztg/) Ein Aufruf des' rumänischen Oberkommandos, der überall affichrert ist, erregte großes Aufsehen. In deinselben wird mitgeteilt, daß die Versorgung der Stadt mit Lebensmitteln an der Desorganisation der städtischen Behörden scheiterti Zum Schluß wird mitgeteilt, daß der Bekagerungszustand, der von der Regierung erlassen würde, als null und nichtig erMrt wird. Wilsons Kampf «m den Völkerbund. ' Washirrgüm, 21. Ailgust. (Tel.-Komp.) Die Ansichten über Wilsons Rede im Senat sind sehr geteilt. Die Leitartikel widersprechen einander oft diametral. „New tzyrk. Tribüne" stellt 'sich auf den Standpunkt, baß nach den Erklärungen Wilsons Amerika dem Völkerbuirde lediglich moralisch verpflichtet ist, ohne weiter« Schlußfolgerung. „New Tjork Herald" kommt zu dem Ergebnis, daß Amerika sich zu jeder Zeit bereit halten müsse, Igegen irgendeines der anderen Mitgliebor des Bülkerhunves mitzukämpfen. „New tyatit World" sagt, daß Wilson bereit ist, bezüglich des Inhaltes verschiedener Paragraph« Zugeständnisse zu machen, wenn dadurch nur die der Ratifikation im Wege stehenden Schwierigkeiten ander Welt geschafft werden. Andere Blätter, die in Wilsons Worten gleichfalls di« Möglichkckt gewisser Aenderungen erblicken, sind der Ansicht), daß diese Aenderungen keinesfalls im Senatsbefchlusse über die Rattfikatton enthalten sein dürfen, weil dadurch eine Interpretation der Völkerbundverfassung sestgelegt wäre, die nach der bereits erfolgten Ratifikation durch andere Staaten unzulässig wäre. Nunmehr wird auch bekannt, daß Wilson im Anschluß an seine im SeuatsauSschusse gehaltene Rede, Bi.«® «M. M.PMMd. M« »M « wirischastüchrn Gründen die sajdrtige Raiisiktion der FrsidensvertrageS verlangte,. während inehror^r Stmrdon einem Kreuzverhör« der Senatoren -ausgese'si war. Aus den bei diesar Gelegenheit gemachten Mit-. ' teilnngen Wilsons geht hervor, daß di« amerikanisch«. Delegation ursprünglich einen Bölkerbundplan ausgear-beitet ^atte und daß dieser Entwurf insbesonbc'v.^ die Aufnahme der süöamerikanischen Staaten in eine amerikanische Entente vorsah. Dieser amerikanische Plön wurde' durch! , 'den britischen Entwurf beiseite geschoben. Saütt-Germaiit, 21. August. Nach Meldungen aus , Washington hat Präsident Wilson bet der Konferenz mit den Mitgliedern dev Senatskommission für auswärtige Airgelegenheiten erklärt, Amerika habe nach dem Völkerbundvertrag keine rechtliche, tvohl aber chic, moralische Verpflichtung, imFaM' von uu^evechtsertigtenj' Angriffen militärisch in Europa Der Präsident sei überzeugt, daß Japan sein Versprechen, Schair-' tung den Chinesen zurückzugeben, halten werde. Er be-' tonte, daß Amerika seine 14 Punkte in Unkenurulö der Gehetmyerträge zwischen den Ententestaate»! '.'st?/.'-- sitzt habe' n i*'

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