Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 211 (20.8.1919)
- Date
- 1919-08-20
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- Ukraine 2× ep/1001131
- Beirut 1× ep/1047833
- Istanbul 1× ep/1044827
- Kursk 1× ep/1044963
- Lubny 1× ep/2033847
- Odesa 1× ep/1000834
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.. Wien^Mittwoch^ Ekir Anfstand zum Schutze des türkischen Territoriums. Der „Secolo7 erfährt nachstehendes Über den Nufftcmd der Türkis in Kleinasien gegen die Regietcmrg in Konstantinopel: Am 23. Juli d. I. traten Pie Vertreter der kleinasiatischen Türken zu einem Kongreß in Erzerum zusammen und wählten mit Mklamation den General Mustapha Kemal Pascha, der sich' Im Anatolien einer großen Popularität erfreut, zum Präsidenten. Er telegraphierte -sofort an den Sultan, unt ihrn seine Ergebenheit zu versichern und zu wiederholen, daß die Bewegung nicht als Akt der Nebellion tzegen die Dynastie, sondern als ein Akt legitimer Vereidigung gegen Attentate auf das Vaterland, wie das 'in Smyrna verübte angesehen werden müsse. Die Depesche fügt hinzu, daß die Regierung in Konstanjtinopel wegen ihrer Schwäche ihrer Aufgabe nicht gewachsen sei. Der Großwesier ordnete die sofortige Urretierung Mustapha Kemals an und befahl den Propinzbehörden, die Bildung von Banden und Komitees Au verhindern, doch handelt es sich dabei um ganz platonische Maßregeln, da die Regierung in Anatolien über keinerlei Macht verfügt. Der Korrespondent des „Secolo" hat den ehemaligen Kriegsmirnster Mahmud Pascha interviewt, welcher sich folgendermaßen Äußerte: Es handelt sich um keine Bewegung gegen die Dynastie oder gegen die Entente, sondern um eine Unerläßliche Verteidigungsmajßregel. Die Besetzung Smyrnas durch die griechischen Truppen war eineUeberraschung für das Land, hat ihm aber auch' die Augen geöffnet. Wir verlangen, daß man uns nicht dessen beraubt, was uns nach den 14 Punkten Wilsons legitim zgehört. » .Auch der General H'alil Pascha, der Onkel Enwer Paschas, und Talaat Bei, welche aus dem Gefängnis entflohen sind, haben sich zu Mustapha Kemal Uach Erzerum begeben. > Bier Milliarden weißes Geld in Angarn. ' Wie die „Ungarische Post" meldet, sieht man in .finanziellen Kreisen mit großem Interesse der am Donnerstag in Budapest stattfindenden Sitzung des Generalrates der Oesterreichisch-ungarischen Bank entgegen. Die Leitung der Harrptanstalt in Budapest hat litt bet seit dem Sturz der Räteregierung verflossenen Zeit bereits eine Uebersicht der Bestände sertiggeftellt und aus Grund derselben wurde der Bericht für den Generalrat versaßt. Wir erfahren, daß die am 21.-März bei der Büdapester Hauptanstalt anläßlich der Sozialisierung derselben dort noch liegenden Noienvvrräte nicht gänzlich verbraucht sind. Es ist noch ein Betrag von ungefähr 150 Millionen aufgefunden worden, jedoch durchwegs in 10.000-Kronennoten. Der 'gesamte Vorrat von 200- und 25-Kronennoten im Beitrage von ungefähr 1200 Millionen ist jedoch in Verkehr gebracht worden. Außerdem hat die Räteregierung mittelst der in Budapest befindlichen Platten der Nvtendruckerei noch eine große Menge neuer 200- und 25-Krvnennvten Herstellen lassen und sogenanntes weißes G eld im Betrage von ungefähr 2800 Millionen Kronen in Verkehr gebracht. Der Gesamtbetrag jdes in Verkehr gebrachten weißen Geldes in Ungarn beträgt daher ungefähr vier Milliarden. Die Sitzung des Generalrates wirb der Bankleitung die Ermächtigung zu Verhandlungen mit der jetzigen ungarischen Regierung erteilen, um die Frage zu lösen, was unt diesen Noten geschehen soll. Tirol gegen die monarchischen Bestrebungen. Innsbruck, 19. August. 'Zu Beginn der heutigen Sitzung »es Landtages gab Landeshauptmann Schraffl folgende feierliche Erklärung ab: v. Der Tiroler Landtag bekennt sich nach wie vor ohne Vorbehalt zur/ republikanischen Staats Verfassung in der Form einer wahren Demokratie, in welcher alle auf Grund des bestehenden demokratischen Wahlrechtes vertretenen Volksgenossen die höchste Gewalt auszuüben, haben. Sämtliche Parteien des Tiroler Landtages verwahren.sich einstimmig Md feierlichst gegen alle monarchischen Einflüsse und Umtriebe, von welch er Seite sie immer kommen mögen) und verurteilen jeden Versuch, der auf die Errichtung Liner monarchischen Staatsform abzielt. Sie verwerfen aber auch ebenso die Schaffung einer einseitigen Diktatur und sogenannter Räteregierungen und verlangen die restlose Herstellung der staatlichen Disziplin und Ordnung im Rahmen der demokratischen Republik ffür Land und Staat. f Ministerpräsident Friedrich gegen die Besetzung Westungarns durch Deutschöfterreich. j Budapest, 19. August. (Tel.-Komp.) Das ^Rumänische Preßbureau meldet: Gestern nachmittags fanden in Budapest/mehrere Versammlungen statt, in denen gegen die Besetzung West Ungarns durch Deutschösterreich p r o t e ft i e r t wurde. Mmfflerpräfidenl Friedrich richtete an das rumänifcheBefatzungskommando das Ansuchen nach ehester Besetzung Wesiungmns durch die rumänischen Truppen, um einer ungerechtferWen und vorelligen Besetzung seitens der Deutschöfterreicher Auvorzukommen. In ungarischen Regierungs- Äreifen hegt man die Absicht, einer Besetzung seitens W a f f e n. g .entgegen- Deutfchüst^Lich^mrr vMaugMir -’V Ättener MorgenzeiLung ) 20. August 1919 Telegramme. Goldstein über die Pogrome in der Ukraine. I Warschau, 19. August. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Wie bereits berichtet, weilt gegenwärtig auf der Reise von Kiew nach Paris der bekannte Advokat M. L. G o l d st e i n, der Vorsitzende des Kiewer Zentralhilfskomitecs für die Pogromopfer, in der Ukraine, der dem Senator Morgenthau einen genauen Bericht über die Judenmassakers in der Ukraine übergab. Einem Mitarbeiter des „Hajnt" gegenüber äußerte sich Advokat Goldstein über den Zweck seiner Reise nach Paris folgendermaßen: Ich will die öffentliche Meinung Europas und Amerikas mit der s ch r e ck l i ch e n L a g e in der Ukraine und insbesondere mit dem genauen Material über die grausamen und bestialischen Judenverfolgungen in der Ukraine, die noch andauern, bekanntmachen. Bis zu meiner Abfahrt aus Kiew (die Reise von Kiew nach Warschau dauerte fünf Wochen) hatten wir Nachricht über 4 0.0 0 0 e rmordeteJudenin60 Städten; Tausende j üd is ch e Frauen wurden geschändet. Dann glaube ich auch, daß die zivilisierte Welt, nachdem sie die schreckliche Wahrheit erfahren haben wird, doch Mittel und Wege finden wird, um den Massakers der Soldaten Petljuras ein Ende zu machen. Inder Ukraine werden.taffächlich ganze Generationenvernichtet. So kann es nicht weitergehen. Sofort nach den ersten Pogromen organisierte sich in Kiew aus sämtlichen jüdischen Parteien das Zentralhilfskomitee für die Opfer der Pogrome in der Ukraine. Die erste Aufgabe des Komitees war eine genaue Untersuchung und Sammlung des authentischen Materials über diese Pogrome. Zu diesem Zwecke wurden Überallhin Delegierte enffendet, welche wochenlang mit wahrer Selbstaufopferung das genaue Material zu Tage förderten. Alle diese Dokumente und Protokolle werden jetzt durch ein spezielles Redaktion sk o m i t e e gesichtet und zur Veröffentlichung vorbereitet. Die Sammlung wird 30 B änd e umfaffen. Der erste Band betitelt: „Das Direktorium Md die Pogrome" befindet sich bereits in Druck. Für diese groß angelegte Aktion muß ein großer Fonds> geschaffen werden. Das ukrainische Direktorium hat Ms nach den Pogromen m Berditschew und Shitomir drei Millionen Rubel zur Verfügung gestellt, eine S a m m l u'n g unter den ukrainischen Juden selbst ergab fast eine Million Rubel. Leider konnte die SammlMg infolge .des Vordringens der Bolschewiken, welche auch die weitere Tätigkeit des Zentralkomitees verboten, nicht fortgesetzt werden. Ich fahre jetzt nach Paris, schloß Goldstein, und hoffe, willige Ohren zu finden. V,;>.' /;%•' Die Arbeiten in Paris. Der österreichische Vertrag. — Westungarn. — Die Streiks in Schlesten. . Hierauf t ergreift Reichskanzler Bauer das Wort und erklärt: Während in Berlin zwischen Preußen und Polen über eine friedlicheNachbarschafr v e r handelt wird, haben in Oberschlesien polnische Agitatoren gewaltsam einen bewaffneten Aufstand herbeizuWren versucht. Zu meiner Freude kann ich Mitteilen, daß die Nachrichten wesentlich übertrieben sind. Es ist um 13 Uhr mittags die Mitteilung eingeaangen, daß das Generalkom m a ndo Herr der Lage ist. Wo polnische Bewaffnete eingedrungen waren, sind sie zurückgetrirben oder scstgenommen worden. Nur im Gebiete östlich der Linie Beuthen—Ternowitz halten sich noch polnische Bewaffnete auf, die noch nicht gefaßt wurden. Die Arrtersuchung über die Kriegsvorgange. Weimar, 18. August. Der Versassungsa u s s ch u ß hat in seiner heutigen Sitzung folgenden, der Nationalversammlung vorzulegenden Antrag be-' schlossen: Die Nationalversammlung wolle beschlichen, alsbald einen Untersuchungsausschuß von 26 Mitgliedern einzusetzen, der die Aufgabe hat, durch ■ die Erhebung aller Beweise s e ft z ust e l l e n, welche Vorgänge zum Ausbruch des Krieges geführt, seine Verlängerung veranlaßt und seinen Verlust herbeigeführt haben. Damit ist die Bildung eines außerordentlichen Staatsgerichtshofes abgelehnt und es wird sofort der ordentliche Staatsgerichtshos aus. Grund der Verfassung zu bilden sein. .,.j. Die Abreise Paderewskis nach Paris der-' schoben.? Warschau, 19. August. („Poln. Stimmen.") Die Abreise Paderewskis nach Paris, die von polnischen Blättern mit der Unterfertigung des Friedenstraktats mit Deutschöfterreich in Verbindung gebracht wurde, wurde v e r s ck o b e n. In Vertretung Paderewskis ist der Präsident deS Hciuvtliqmdierungsamtes Dr. G r a b s k i nach Paris abgereist. Ministerpräsident, Paderewski wird durch die Vorbereitung der weiteren Rekon-i stmktion des Kabinetts in Warschau zurückgehalten. <-j® Die Bolschewiken aus Odessa vertrieben, ä London, 18. August. Das Reutersche Bureau meldet amtlich: Es wird berichtet, daß die Bolschewiken inOdessa von der Bevölkerung vertrieben worden seien. i Es heißt ferner, sie seien im Begriffe, Kiew' und die g a n z e U k r a i n e z u r ä u m e n. Russischer Kriegsbericht. . Moskau, 19. August. (Funkspr. deS Tel.-Korr.-Bur.) Kriegsbericht vom 18. August: Das Gebiet zwischen den Seen' Samosero imd Zander winde vom Feinde gänzlich gesäubert/ Entlang der finnischen Grenze zog sich der Feind über diese zurück. An der Westfront zogen sich unsere Truppen im Abschnitt von Pskow zurück. Im Gebrete von Ostrow zogen sich die Rottruvpen nach zweitägigen schweren Kämpfen zurück. An der Südfront wird um den Besitz der Stadt Lubny heftig gekämpft. Im Gebiet, , vom Kursk räumten unsere Truppen Obtsckan. — An der Ost-; front geht die Vorrückung auf der ganzen Linie günstig weiter. Saint-Germain, 19. August. (Korr.-Bur.) Nach dem „Journal" tritt heute das Hauptkomitee der Friedenskonferenz zusammen, um die Klauseln des österreichischen Vertrages festzusetzen, die der Oberste Rat dann zu bestätigen haben wird. „Petit Journal" meldet, daß sich der Oberste Rat gestem unter Vorsitz P i ch o n s mit der Lage in West Ungarn und mit der Frage der Streiks in Schlesien beschäftigt habe, welch letztere in Warschau große Beunruhigung hervorriefen. Der Oberste Rat habe die Mittel ins Auge gefaßt, um dort eine Wendung zum Besseren herbeizuführen. Der Friede anfangs September ratifiziert. Carnarvon, 18. August. (Funkspr. des Korr.- Bur.) LloydGeorge erklärte im Unterhause, der Friede dürste nach seiner Ansicht anfangs September ratifiziert werden. Französisch-englische Rivalität im Orient. Versailles, 19. August. Der „T e m p s" schreibt in seinem Leitartikel unter der Ueberschrift „Im Orient" unter anderem: Nur wenn man die Rechte anderer achtet, kann man hoffen, die seinigen wirksam zu wahren. Seit einiger Zeit sind Waffen und Munition in Beirut aus britischen Schiffen ausgeladen und an Agenten des Emirs F e i s u l geliefert worden. Diese Sendungen sind zu umfangreich, als daß nicht zwischen dem Emir und den britischen Behörden irgendein vertrauliches A bkommen bestünde, welches die Engländer zwingt, eine Hedschas-Armee in Syrien auszustatten. Gewisse Gerüchte wollen wissen, daß dieses Abkommen im Februar getroffen woroen ist und daß die a r a b i s ch e n K r ä f t e, die man ausstatten will, abgesehen von der Gendarmerie, zwei Brigaden stark sind. Wenn nun demnächst französische Truppen Syrien besetzen werden, wie werden sie diese mit modernen Material ausgestatteten arabischen Einheiten empfangen? Deutsche Nationalversammlung. Weimar, 19. August. Es folgt die erste Beratung der Gesetze betreffend die Durchführung des Friedensvertrages. Minister des Aertßern Müller erklärt, lye Gesetzentwürfe zeigen das Bestreben des deutschen DolteL, dm Friedensvertrag loyal' und gewissenhaft zu erfüllen. Die Vorlagen gehen dem Haushaltausschuß zu. Die Gesetze über die Postgebühren, Abänderung des Post scheckgesetzeS und betreffend die Telegraphen- und Telephongebühren Tschechische Nationalversammlung. , Prag, 19. August. „Venkov" teilt mit, daß die . Nationalversammlung zur Herbstsession wahrscheinlich für den 9. September d. I. einberufen werden wird. I Frnanzminifter Horaeek über das Sinken der tschechischen Krone. ± Prag, 19. August. Der „Vezer" veröffentlicht ein Interview mit dem Finanznnnister D'r. H o r a c c f, .der sich über das Sinken dertschecho-slowakischenKrone in Zürich unter anderen folgendermaßen äußerte: [Bet] Antritt meines Amtes habe ich' sofort erklärt, daß ich in keiner Weise die Wertung unserer Währung im AuSlande' unterschätze, daß ich es jedoch für wichtiger erachte, -daß! wir uns sattessen können und durch die Zufuhr der nötigen! Rohstoffe unsere Arbeiterschaft' beschäftigen, als das; wir uns ' mit einem hohen Kurse unserer Krone in Zürich prahlen-' können, insbesondere wenn dieser Kurs mehr oder weniger! ' ein künstlicher ist. Allerdings hat daS Sinken des Kurses : für unsere Wirtschaft unangenehme Folgen, abgesehen tioit' v der Prestigefrage, bedeutet ein solches Sinken für uns die -- Verteuerung der Einfuhr Mid des ausländischen Kredites,!- ) doch das ist eine Sache, mit der wir UnS schließlich ab-.'-, finden 'müssen. Der jähe Sturz des tschecho-slowakischen-^ Kronenkurses an. einem gewissen Tage hat frappant gewirkt,- eS scheint, daß' hierbei geheime Einflüsse mit im Spieles., waren. Daß es bloß die Folge des M'oratorillms, sein sollte,^ bezweifle ich. UebrigenS ist es bezeichnend, daß bas Ncpra-!- torium zum Schutz einiger deutscher Geldinstitute und auf,, deren eindringliche Vorstellungen erlassen wurde, daß aber». sofort darnach die Wiener deutsche Presse den Umstand der!. Erlassung des Moratoriums zu einem gehässigen Angriff r auf die finanziellen Verhältnisse der tschecho-slotvakischen Re--, publik benützte. Täglich erscheinen im Finanzrninisterimni •, Deputationen deutscher Institute, Jndvstrieverbä,^de, Städte - und andere deutsche Interessen vertretende 5lörpcrschasten,- die ihre Loyalität versichern, uni staatliche finanzielle Unter- -, stützung und um Uebernahme der Kriegsanleihe Litten. Doch das hindert nicht daran,, daß die'Wiener Presse, deren Beziehungen zu unseren deutschen Kreisen bekannt sind, den Kredit uitb dir wirtschaftlichen Interessen her Republik systematisch' untergraben. In dieser Hinsicht muß Klarheit ge-) schaffen werden. Auch sonst ist eS nicht nötig, das Sinken'!' des Kronenkurses tragisch zu nehinen.' Zürich ist überhaupt ' eln für uns sehr unverläßlicher politischer Boden, und die/, dortigen Kurse unterliegen unkontrollierbären Eftrslüssen. Ich habe Maßnahmen Letroffen, daß unsere Krone ehestens' vft'' den Börsen von Genf, Mailand und' Amsterdam notiert werde.' Damit werbe ich einen größeren lieberblick und die Mögliche Teil* der Arbitrage erzielen. Vielleicht wird dann auf diesq tschecho-