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Wiener Morgenzeitung · 1919-08-20 · Heft 211 (20.8.1919) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 211 (20.8.1919)
Date
1919-08-20
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Wiener Morgenzeitung LO. August 1919 Nr. 211 Wien» Mittwoch in Uebereinstlmmung mit einem jüdischen Palästina, als auch mit der Lettischen Regierung zu handeln, beteiligt sich nicht an derartigelt exzentrischen Machenschaften, weil seine Ziele weiter und unpersönlichersind. ES kann Um Zweifel sein, daß diese ganze Agitation schleunigst verschwinden wird, sobald die Friedenskonferenz und die britische Regierung in endgültiger und jede Möglichkeit von Mißverständnis und Zweifel ausschließender Form das Prinzip eines jüdischen Palästina» proklamiert und in Anwendung gebracht haben. Einer solchen Entscheidung werden sich alle Araber, eine Hanbvoll vielleicht ausgenommen, beugen, wie sie sich immer vollzogenen Tatsachen beugen, und mit der Hanbvoll, die vielleicht geneigt wäre, zu demonstrieren, könnte man sehr Licht verhandeln. DaS ist'die Meinung von Männern, die daS Land kennen und nicht auf Grund irgendeiner besonderen Neigung Mr die Juden oder ein jüdisches Palästina voreingenommen sind, um auS diesem Grunde die Tatsachen zu optimistisch zu interpretieren?- In einem weiteren Artikel, betitelt „Arab Sentiment in Palrstine" führt die Zeitschrift „Palesttne" unter anderem folgendes auS: Es ist nicht leicht, die politische Gesinnung der Araber zu analysieren. Von den großen Massen, Fellachen sowohl wie städtischen Bewohnern, kann gesagt werden, daßr^ste kein politisches Verständnis und keine politische Tradition haben, sondern leicht von-, den Effendis ausgenützt werden können, besonders wenn man an ihre religiösen Leidenschaften appelliert. Innerhalb der oberen Klaffen gibt eS zahlreiche Parteien und man kann vielleicht mit Recht behcnwtm, daß bei ihnen mehr von Parteiintereffen und mehr von persönlichen Interessen als von Patriotismus za finden ist. Die amerikanische Kommission weilt in Palästina, um zu versuchen, die Meinung der Araber zu sondieren. Der einzige Punkt, über den, wie es scheint, ein Einverständnis unter den Arabern besteht, ist die Abneigung gegen eine französische Oberhoheit. Sogar die christlichen Araber stimmen hierin mit den Mohammedanern überein, waS ein wenig überraschend ist nach den großen Anstrengungen, die die französischen religiösen Missionen .gemacht haben. Im übrigen gibt eS in Palästina Araber, die die Verbindung Palästinas mit dem HedschaS, andere die seine Verbindung mit Syrien wünschen, wieder andere, die eine pan-arabische Föderation erstreben, eine vierte Partei, die für völlige Unabhängigkeit ist, und endlich noch drei Parteien, die englische beziehungsweise amerikanische beziehungsweise türkische Oberhoheit wünschen. ES ist in Palästina eine ziemlich starke antibritische Agitation, sogar antibritische Konspiration ins Werk gesetzt worden; Agenten reisen zwischen Damaskus, Ammam, Jerusalem und Aegypten herum. Während der Unruhen in Aegypten wurden Bemühungen gemacht, auch in Palästina einen Aufstand zu erregen und lockeres Geschwätz dieser Art steht auch jetzt dort in Blüte. AlS ein militärisches oder politisches Problem verdampft all daS zu garnichts. Der Araber ist leicht aufbrausend und er hat eine tiefe Achtung vor vollzogenen Tatsachen. Sobald die britische Regierung und die britische Verwaltung in Palästina es, ganz klar gemacht haben werden, daß sie darangehen, die Politik eines jüdischen Palästina in der Praxis durchzusühren und daß sie entschloffen sind, keinen Unsinn zu dulden, werden diese politischen Erregungen aushören und verschwinden. All dies wird sehr wohl von unseren Beamten in Palästina begriffen und eS verstärkt die Argumente, die auch sonst sehr wohl begründet sind, für eine schnelle, präzise und nachdrückliche Proklamierung dieser Politik seitens der Friedenskonferenz und der britischen Regierung. Wenn auch die Frage der politischen Stellung von Damaskus bald geordnet werden würde, so würde auch das dazu beitragen, alle noch vorhandenen Wahnvorstellungen verschwinden zu lasten. Damaskus ist dazu verurteilt, eine Quelle von Verwirrung und Streitigkit zu sein, so lange sein politisches Schicksal unbestimmt bleibt und daran kann auch der Emir F e i s u l nichts ändern. Der Emir ist ein Staatsmann und beteiligt sich nicht an dm Streitigkeiten und Manövern der Effendis. Aber er ist nicht vollständig Herr im eigenen Hause und kann eS nicht fein, so lange er nicht bestimmt weiß, daß das HauS auch wirklich das seine ist. Er kann nicht einen Staat und eine Verwaltung organisieren, die auftührerischen Personen Niederhalten und seinen Untertanen weise Grundsätze einträufeln, so lange seine eigene Autorität nicht» auf eine feste Basi^gesiellt ist. Die Vorgäuge in Weftungarn. Im Zusammenhang mit den Dolksmassenkundgedungen vom Sonntag wurde gestern der Bauernführer Wvllinger aus Heiligenkreuz von 17 magyarischen Gendarmen führt und nach Sankt-Gotthard eingeliefert. Die westungarischen Gemeinden haben sich sofort telegraphisch an die Ententemission gewendet, um die Freilassung Wvllingers zu erwirken. — Alle Gemeinden in Deutsch-Westungarn, in denen Sonntag Volksversammlungen stattgefunden haben, erhielten Besatzungen von 80 Mann mit zwei Maschinengewehren. Die Besatzungen fordern sofortige Ablieferung der Waffen bei Androhung sofortiger Todesstrafe und Einäscherung des Ortes. Um zu verhindern, daß Nachrichten über die Gewalttaten der weißen Truppen in Westungarn nach Deutschösterreich' dringen, verhindern die Magyaren seit gestern vormittags den Grenzübertritt nach Steiermark. — Die Vertreter der deutschwestungarischen Gemeinden richteten an die deutschösterreichische Staatskanzlei das folgende Telegramm: Erbitten dringendst rascheste Intervention der deutschösterreichischen Regierung durch die Vertreter der Entente. Die Verhaftungen in Westungarn werden fortgesetzt» die eingebrachten Verhafteten fürchterlich mißhandelt. Die Bevölkerung ist in höchster Verzweiflung. da standrechtliche HinrWmignl befürchtet würden. Seite" 8 Die amerikanische Kommisston in Palästina Dem Kopenhagen«? Zionistischen Bureau wird aus Palästina berichtet: Der Besuch der-amerikanischen Sektion der interalliierten Kommission hat in das gesamte politische Leben des Landes einen neuen Schwung' gebracht. Die amerikanischen Herren haben mit den verschiedenen Kreisen und Parteien der gesamten Bevölkerung engste Fühlung genommen. Sie besuchten verschiedene Institutionen und empfingen zahlreiche Deputationen in Judäa und Galiläa. Zurzeit hatten sie sich in Damaskus auf. Anfangs waren wir ein wenig im Zweifel, ob die Haltung gewisser jüdischer Kreise in Jerusalem den jüdischnationalen Wünschen entsprechen werde. Es hieß nämlich, da!ß orthodoxe Elemente die Absicht geäußert hätten, bei ihrer Besprechung Mit der amerikanischen Sektion Sonderwttnsche der Orthodoxie vorzutragen, von denen man befürchten konnte, daß sie eine Schwächung der Forderungen der gesamten Judenheit zur Folge haben werden. Erfreulicherweise haben sich diese Gerüchte als unbegründet herausgestellt. Die Vertreter der sefardischen wre der aschkenasischen Juden trugen der Kommission ihre Wünsche mit größter Würde und nationalem Stolz vor. An der Spitze der sefacdischen Kommission erschien der Großrabbiner von Saloniki, Rabbi Jacob Meir, der die Kommission mit einem Segensspruch begrüßte und die Forderungen der historischen Rechte des jüdischen Volkes auf Palästina in hebräischer Sprache vortrug. Seine Rede wurde ins Englische übersetzt. Die meisten Fragen, die der Vorsitzende der Kommission an die Deputation richtete, bezogen sich auf die kommende jüdische Immigration unb auf die gegenseitigen Beziehungen zwischen den Juden und den anderen Bevölkerungsteilen. Nach der sefardischen Deputation wurde die aschkenasische mit Rabbiner Chaim Sonnenfeld an der Spitze von der Kommission empfangen. ' Die Kommission ttf Galiläa. In einer Sitzung der Provisorischen Exekutive berichtete Dr. Eder über die Empfänge der Kommission in Galiläa. Die griechisch-orthodoxe Deputation erklärte, daß die Juden dem Lande grv ßenNutzen gebracht haben und eine Masseneinwanderung von Juden erwünscht sei. Auch die arabisch-mohammedcnnsch-e Deputation in Nazareth bekundeH vor der Kommission eine günstige Stellung gegenüber den Juden, und mehrere Vertreter der Dorfgemeinden des Kreises Haifa sprachen sich gleichfalls zugunsten einer jüdischen Immigration aus. In Judäa haben sich die arabischen Deputationen teils günstig, teils neutral zur Judenfrage verhalten. Herr Braunstein berichtete bei einer Versammlung in Saphed über die Empfänge der Vertreter aus dem oberen und unteren Galiläa durch die amerikanische Kommission in Nazareth. Aus den: Bericht ging hervor, daß eine grolße Anzahl nichtjüdischer Vertreter di« großen Verdienste der jüdischen Immigranten für die ökonomische und kulturelle Entwicklung des Landes betont haben. Viele von ihnen baten dis Kommission, für eine große jüdische Ansiedlung einzutreten und betonten, daß sich die arabische Masse den Juden, gegenüber freundlich verhält. Hinsichtlich der Memoranden arabischer Einwohner, die sich gegen die Juden richteten, erklärten sie, daß es sich um Aktionen unberufener Einzelpersonen handelt, die im Gegensatz zu den Interessen des Landes eine antijüdische Propaganda entwickeln. In den jüdischen Kolonien. In sämtlichen Kolonien ist die Kommission feierlich begrüßt worden. Besonders feierlich gestaltete sich der Empfang in Rischon-le-Zion, an dem sich die Vertreter der judätschen Kolonien, führende Persönlichkeiten aus Jaffa und Jerusalem und die Vertreter der Zionistischen Palästinakommission beteiligten. Nach dem Empfang fand ein Frühstück im Palmengarten statt. Die Amerikaner betonten, daß sie einen guten Eindruck von den jüdischen Bauern gewonnen hätten. In Sichron Jakob unterhielten sich die Amerikaner besonders eingehend mit dem Leutnant Aaronsohn (Bruder des verstorbenen Agronomen), der in englischer Sprache einen erschöpfendest Bericht über die Leistungen der jüdischen Kolonisation gab. Die Kommission tn Damaskus. Der Besuch der Kommission in Damaskus hat die dortige Bevölkerung in starke Erregung versetzt. In Syrien machen sich mehrere politische Tendenzen geltend, namentlich in bezug auf die Protektoratsfrage. Die einen wollen ein autonomes Syrien, unabhängig vomHedschaS, haben. Andere erklären, Syrien könne ohne das Protektorat einer Großmacht unmöglich existieren. Und wieder andere verlangen die Vereinigung Syriens und des Hedschas. Der Redakteur der arabischen Zeitung in Damaskus „Muktabas", der christliche Araber Achmed Kurd Ali, wurde in einer Versammlung verprügelt, weil er einen Artikel mit der Ueberschrift „Syrien unter dem Protektorat einer Großmacht" veröffentlicht hatte. Ein eifriger Gegner jeden Protektorats ist Ibrahim Hilmi, der Redakteur des „Lischan-el-arab", der wegen eines Artikels bereits zu einer Geldstrafe von * 100 Pfund verurteilt wurde und jetzt wegen seiner aufreizenden Tätigkeit vor ein Kriegsgericht gestellt werden soll. Gleich nach Eintreffen der Kommission in Damaskus erschienen Plakate auf den. Straßen in arabischer und «MMr Sprachst mit hn LLuWrMm tM langen eine absolute Autonomie!"'Am nächsten Tage forderten berittene arabische Polizisten die Entfernung der Plakate. Der Sekretär der amerikanischen Kommission stattete sofort nach deren Eintreffen in Damaskus dem Chacham Baschi einen Besuch ab, um mit ihm gemeinsam die Reihenfolge der Deputationsempfänge festzusetzen. Am Freitag, den 39. Sivan ,wurde die Deputation der jüdischen Gemeinde in Damaskus von der amerikanischen Kommission empfangen. Die Ausführungen des Advokaten Josef Aba dt (Mitglied des Stadtrates) und de- Chacham Baschi machten einen günstigen Eindruck auf die Mitglieder der Kommission. Die Unterhaltung drehte sich in der Hauptsache um das Verhältnis zwischen Syrien und Palästina. Der Vorsitzende der amerikanischen Kommission bemerkte, daß die Inden die einzigen seien, die die Trennung Palästinas von Syrien fordern. Die jüdischen Vertreter erklärten, daß sie als Bewohner Syriens für die Wünsche ihrer Landsleute volles Verständnis haben, aber als' Juden die Trennung Syriens von Palästina verlangen. Herr Avadi führte «ui, daß Palästina niemals mit Syrien vereinigt war. Selbst unter dem türkischen Regime bildete Palästina einen besonderen Administrativnsbezirk. AlK treue Söhn« des jüdischen Volkes verlangen sie, unabhängig davon, wo sie leben, die Selbständigkeit Palästinas und für die Judenheit Syriens die Garantie ihrer nationalen Rechte.!K.i ' Heftige Angriffe gegen den Zionismus. Wie bereits gesagt, beschäftigt sich die arabische Presse in Syrien sehr lebhaftmitdem Besuch der amerikanischen Kommission. Der erwähnte Redakteur, Achmed Kurd Ali, schreibt in seinem Blatte „Muktabas": Syrien und Palästina bilden eine Einheit und können nicht getrennt werden. Beide Länder haben eine gemeinsame Vergangenheit und müssen auch eine gemeinsame Zukunft haben. Beide Länder sind absolut arabisch, und wenn hie und da einige ihrer Söhne hebräisch sprechen, so ist das nur eine künstliche und unnatürliche Erscheinung, genau so wie einige von uns Französisch, Englisch, Deutsch, Persisch' und Kurdisch erlernt haben. Neu eingeführte Religionen oder Sprachen dürfen nicht über. das politische Schicksal von Syrien und Palästtna entscheiden. Wir haben in Palästina Menschen, die hebräisch beten, genau so wie andere Menschen, die ihre Gebete in syrischer oder lateinischer Spracht sagen. Es ist unmöglich, auf Grund dieser toten Sprachen, denen man sich nur in den seltensten Fällen bttüent, die nationale Politik der Gebiete festlegen zu wollen. Man kann nicht mit 100.000 oder 200.000 Menschen rechnen, sondern die Meinung und der Wille von 3 bis ^Millionen Menschen muß entscheiden. Die alliierten Regierungen müssen sich nach der Meinung der Mehrheit richte::, und diese große Mehrheit verlangt von ihnen absolute Freiheit, um auf einer solchen Grundlage eine bürgerliche demvkrattsche und zentrale Regierung bilden zu können. Der christliche Araber Ghabib Kechvla, Redakteur des „Suria-Alg'adida", spricht die Erwartung aus, daß die amerikanische Kommission nicht zu dem Schlüsse kommen wird, daß die Syrer für eine absolut selbständige Verwaltung des Landes nicht fähig seien. Er bezweifelt, daß die Tatsache, daß die Kommission ausschließlich von Amerikanern gebildet ist, in Syrien angenehm empfunden werden wird. In einem anderen Artitzl erklärt die Zeitung, daß es drei Fragen sind, die me wichtigste Rolle in Syrien spielen: Die Frage des Zionismus in Palästina, die Krage des Libanon und die Frage der nationalen Minoritäten. Die Stellungnahme der Zeitung zum Zionismus ist leider wegen der zahlreichen weiße« Zen für stellen nicht zu ersehen. Eine Rede Emir Feisuls. Auch der Emir Feisul nahm öffentlich Stellung zum amerikanischen Besuch. Anfangs Juni kam er nach Aleppo, wo er mit königlichen Ehre« empfangen wurde. Auch hier, wie früher in Damaskus, hielt er vor den Vorstehern aller Gemeinden und Notabeln eine Rede, in der er das Volk zum Frieden und zur Eintracht aufforderte. Er sprach diesmal wie ein Lehrer und Berater: „Das Schicksal des LaudeS liegt in der Hand des Volkes. DaS Volk muß der amerikanischen Kommission den Beweis erbringen, baß eS fähig ist, seine Geschäfte selbst zu führen. Wird die Entschrünmg eine ungünstige sein, so wird sich das Volk dies nur selbst zuzuschreiben haben. Es muß jetzt Einigkeit herrschen. Es darf keine Frage geben über Mehrheit oder Minderheit (gemeint sind die christlichen und mohammedanischen Araber). Wir waren Araber noch vor Jesus und Mohammed und vor Abraham und Myses, Die Sprache ist unser Einheltssymbvl. Die Regierung die sich mit Hilfe einer der Großmächte bilden wird, wird die Rechte der Minderheit zu schützen, wissen Besonderen Schaden fügen dem Lande diejenigen Elemente zu, die die Ansicht vertreten, die Syrier seien für eine Autonomie unfähig". Der Emir schloß sein« Red« mit der Bemerkung, daß daS erste, was die syrische Bevölkerung nach der Abreise der interalliierten Kvm< Mission zu tun haben werde, sei: All« bestehendes Vereine und Klubs für Wissenschaft und Literatur v

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