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Wiener Morgenzeitung · 1919-08-17 · Heft 208 (17.8.1919) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 208 (17.8.1919)
Date
1919-08-17
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Wien. Sonntag 17. August 1919 Seite 4 Inland. »Juden und Kriegsgewinner". Die Beschwerde einer Frauerrdeputation bei derEalzkurzer Landesregierung. Salzburg, 16. August. (Korri-Bux.) Amtlich wird mitgetnlt: Donuerstay den 14. d. M. Hot ein« größere Deputat« on von Frauen tm Präsidium der Landesregierung vorgesprochen und bittere Klage darüber geführt, daß sich durch den Fremdenverkehr im heurigen Sommer in Stadt und Land Salzburg die Ernährung sverhältnisse immer schlechter gestalten. k>icbn hat die Deputation insbesondere darauf hingewiesen, daß sich unter den Fremden ein gewaltiger Prozentsatz von Juden.und KrregSgewinnern befindet und hat daher das Begehren gestellt, daß der für die Ernährung der einheimischen Bevölkerung so äußerst nachteilige Fremdenverkehr binnen drei T.a gen eingestellt werde. Die Vertreter der Regierung, welche dir Deputation empfangen haben, mußten zugeben, daß die Dualität eines großen Teiles der Fremden sehr vielzn wünschen übrig lasse und daß die verbrachten Beschwerden nach verschiedene», der Landesregierung auch aus den Löndrrbezirkcn zugekommenen Mrtteüunoen keines wegsung rrecht srnd. Dre Regierung habe sich bei Zulassung des beschränkten Fremdenverkehrs insbesondere von der Absicht leiten lassen, den zumeist unterernährten, vielfach neradeul notleidenden Angehörigen des Wiener Mittel- und Arbeiteckandes die' Möglichkeit der Erholung in gesunder, frischer Alpeutuit zu bieten, was allerdings bedauerlicherweise nur, einem sehr Geringen Prozentsatz dieser Bevolkerungsklassen, vielmehr sedoch den von der D e p u t a t i o n erwähnten Kategorien von Personen -u gutegekommen. Die Vertreter der Landesregierrmg mußten aber auch Auf den Umstand Hinweisen. daß sie leider auf Grund der bestchenden Vorschriften der Staalscegierung Nichten derLageseirn, den Fremdenverkehr m eigenem Wirkungsweise vollständigzuunterbinden, daß sie jedoch nicht ermangeln würden, diese von der Abordnung vorgebrachten Wünsche und Beschwerden den in Betracht kommenden Staatsämtern mit dem Anträge zur Kenntnis zu bringen, die Ermächtigung erteilen zu wollen, daß die v o r dem 10. Juni d. I. bestandenen Vorschriften über die Einreise in das Land Salzburg wiederrn Kraft gesetzt werden. Weiters erklärten die Verirrter der Landesregierung, daS Land könne eine radikale Unterbindung des Fremdenverkehres in'olange nicht vornehmen, als nicht auch in den übrigen Alvenländern ein analoger Vorgang eingehalten wird. Zu diesem Zwecke werde dre Angelegenheit behufs notwendigen Ein- Verständnisses unter den einzelnen Ländern bet der demnächst in Wien stattfindendcn LänderkonferenzzurSprache gebrachtwerden. * Aus dem frommen Salzburger Ländchcn kommt eine „amtliche^ Meldung: Eme Deputation .von Frauen habe „bittere Klage" geführt. Worüber denn? Darüber, daß sich „unter den Fremden ein gewaltiger Prozentsatz von Juden und Kriegsgewinnern befindet". Die Perfidie dieser Beschwerde liegt so klar zutage, daß cs sich erübrigen würde, darüber zu sprechen, wenn nicht republikanische Behörden es für nötig befinden würden, obige Aus* lassung amtlich zu verbreiten. Daß Kriegsgewinner in den Salzburger Sommerfrischm ein üppiges Leben führen, mag feine Richtigkeit haben. Wer ermöglicht ihnen aber dieses Prafferleben? Doch nur dir gut christlichsozialen Hoteliers und Gastwirte, die 'hr frommes Gemüt verleugnen, wenn Fs sich um Geld handelt. In der Kuppelung Juden-Kriegsgewinner aber liegt eine Unverschämtheit, die man solchen anonymen Deputationen abgewöhnen sollte. Der „gewaltige Prozentsatz" von Juden existiert wohl nur in der Phantasie alter Kaffeeschwestern, die zur Abwechslung eine Landesregierung behelligen. Für letztere aber ist es bezeichnend, daß fie eine antisemitische Verleumdung wohlwollend aufnimmr und „Abhilfe" verspricht. Schutz von Dienstnehmern in polizeilich gesperrten Betrieben. Durch eine beute im Staatsgesetzblatte kundgcdiachte Vvllmqsanwtlsung des Sraatsamtes für soziale Verwaltung wird den Inhabern polizeilich gesperrter Betriebe - dir Kündigung? D i e n st n e h m e r für eine gewiffe Zeit u n t e r s a g 1. Dieie Maßnahme wird eine strengereDurchführuug der Bollmgsanweisuna des Staatsamtes für Bolksernährung vom 28. Männer d. I., welche dre Sverrung von Betrieb e n wegm Uebertrerung der Ernährungsvorschristeu gestattet, ermöglichen, da in Hinkunfi nicht mehr die Gefahr bestehen wird, daß die Angestellten der betroffenen Betriebe arbeitslos werden. Kleine Nachrichten. Amsterdam» 16. August. (Korr.-Bur.) Die „Times" Melder, aus, Warschau: Die Polen haben in Wolhynien eine Offensive begonnen. Rotterdam, 16. Augilst. (Korr.-Bur.) Der „N i e u v e Notterdamsche Courant" meldet aus London, daß ein neuer S t r e i k der englischen Eisenbahnangestellten drohe. Berlin, 16. August. (Tel.-Komv.) Geheimrat Göppert wurde zum Leiter der politischen Abteilung des Auswärtigen Amtes ernannt. Amsterdam, 16. August. (Korr.-Bur.) „Allgemeen Handelsblad" meldet aus London, daß das englische Parlament am 22, Oktober wieder zusammentrrten werde. Haag, 16. August. (Trl.--Komp.) Holländische Blätter melden, daß der ehemalige deutsche Kaiser daS Schloß Doorn gekauft habe und daß er demnächst A merongen verlassen werde. London» 16. Artgrrsi. sikck-Korriv.) Der leichte italienische Kmyer „Basilicata", 8600 Tonne», hatte bei der Einfahrt m de» Suezkanal »me Keffelexpkoßo«. Der Kreuzer ist gesunken, die Menrchknverluste sind erheblich. Mährisch.Oft»au, IS. August. (Tschecho-slow. Preßbnr) Der Beruh! bcS polnischen GeneralsiabeS meldet, daß sich die Eise»bah«linte Wilno — Baranvwlezy — H,i n n i e-V im t—R » wn o-L e m b e r g t» polnischen Händen befindet. Mitau, 16. Angust. (Korr.-Bur.) Nordkurland ist vom Westen her b-s zur Linie Markgrafen — nördlich Tasten, westlich Ugalon — östlich Goldingen von den deutschen Truppen g v v ii u t werden. Wiener Morgenzeitung , Nr. 20» ~— -9« Der Notenwechsel Rumäniens mit der Entente. Sairrt-Germain, 16. August. (Korr.-Bur.) Die Abendzeitungen veröffentlichen heute die Note, die von derrumänischenDekegatron am 14.August der Friedenskonferenz überreicht worden ist, und zugleich die Antwort der Alliierten, die am selben Tage erfolgte. Die rumänische Note sagt in der Einleitung, daß die Mitteilung der Friedenskonferenz die Bukarester Regierung in nicht geringes Erstaunen versetzt habe. Rumänien sei sich keiner Schuld bewußt und verdiene nicht die Vorwürfe und Anklagen der Alliierten. Es sei niemals in der Absicht Rumäniens gelegen gewesen, der Konferenz trotzen zu wollen, in der Rumänien gleich den anderen Alliierten vertreten sei. Rumänien sei entschlossen, sich an die Richtlinien der P o l i t i k z u halten, die von der Konferenz nun erst Ungarn gegenüber würden festgestellt werden können, nachdem die rumänische Armee ganz neue Voraussetzungen im Lande geschaffen habe. Zu den Requisitionen, die in Ungarn vorgenommen würden, sei Rumänien durch die gänzliche Erschöpfung gezwungen, in die das eigene Land Telegramme. Die ganze Bukowina fällt an RumZnien. Bukarest, 16. August. (Tel.-Komp.) Die Agentur Daciameldet: Die Ansprüche der Ukrainer auf Teile der Bukowina sind von der Friedenskonferenz zurückgewiesen worden, so daß die ganze Bukowina an Rumänien fällt. Die Schweiz tritt dem Völkerbund bei. Frankfurt, 16. August. (Tel. der „Wr. Morgenztg.*) Die Botschaft des schweizerischen Bundesrates Uber die Frage des Beitrittes der Schweiz zum Völkerbunde ist jetzt bekannt geworden. Die Schweiz tritt dem Bunde bei. Persien unter englischer Kontrolle. Mißstimmung in Frankreich. Delmar» 15. August. (Funkipruch.) Aus Paris wird berichtet: Dre französische Presse erhebt heftige A nklagen gegen die Regierung wegen Vernachlässigung der Wahrung des französischen Einflusses in P e r s i e n, das nach soeben auS Teheran eingetroffenen Nachrichten vom Schah swwillig unter britische Kontrolle gestellt worden ist. Die Finanzen werden von brtttfdien Beamten reorganisiert, die Armee von britischen Offizieren befehligt werden. Die französische Preffe bemerkt, daß sich die Engländer anscheinend überhaupt nicht um dre Bestimmungen deS VölkerbundvertragrS kümmern, so daß P e r s i e n in Kürze ein z w e i t e S A e g y p t e n sein werde. Glu englisch-persisches Abkommen. London, 16. August. (Reuter.) Nach neun Monate währenden Verhandlungen wurde zwischen G r o ß b r i t a nnren und der persischen Regierung ein Abkommen abgeschlossen, das England in,die Lage seht- Persien Unterstützung und Rat von Sachverständigen zuteil werden zu l ffen, wodurch der Wiederaufbau des persischen Staates ermöglicht wird. Amerikas Hilfe für Koltschak. Amsterdam, 16. August. (Korr.-Bur.) Die „T i m e s" berichtet uus New-Pork: Nachrichten aus Washington zufolge hat die amerikanische Negierung den Vertretern K o lisch a k s bereits 260.000 Gewehre übergeben. Dre Lage inWestsibirien soll äußerst kritisch fern. Ein Bündnis Koltschaks mit Polen? Moskau. 16. August. (Funkspr. des Korr.-Bur.) Koltschak hat mit der Polnischen Regierung Verhandlungen angeknüpft, um em Bündnis gegen die Bolschewiken zu schließen. Deutsche Nationalversammlung. Das Gesetz gegen die Kapitalsabwanverung angenommen. Weimar, 16. August. Das Haus berät den Gesetzentwurf Über Kapilalsabwanderung in zweiter Lesung. Reichsfinanzminister Erzberger erklärt: Alle gegen den Umtausch vorgebrachten Bedenken können uns nicht davon abhalten, mit stärksten Mitteln vorzugehen. Eine Schädigung des WnischaMebens wird nicht eintret e n, wohl aber eine sehr zu begrüßende Steigerung des bargeldlosen Zahlungsverrehres. Zwischenscheine werden nicht ausgegeben werden. Wir wollen uns durch Kontingentierung neuer Noten helfen. Die Gesamtabftempelung wird sich über einen «sehr langen Zeitraum, vermutlich über Jahre erstrecken. Ueber die von uns mn dem A u s l a n d e zu treffenden Verabredungr« möchte der Minister keineMitteilung machen. Das Gesetz wird schließlich mit geringer Arndemng in der AuSschußfrsiung in zweiter und dritter Lesung angenommen. Die Gesetze Über eine außerordentliche Kriegsabgabe und über eine Kriegsabgabe vom VermögeuSznwachS werden in dritter Lesung angenommen. Zusammentritt der tschecho-slowakische« Nationalversammlung. Prag» 16. August. Wie dre „Bohemn? erfährt, wird die tschecho-slowakische Ratio nalversammlnng Dienstag de« S. Dezember wieder »usammentreten. An diesem Tage findet d,e erste Plenarsitzung nach den Tommerfenen statt. Die Ausschüsse der Nationalversammlung werden ihre Tätigkeit schon in den letzten Augusttagen autnehmm, darunter der versaffmigSausschuk, der sich mit der Wahlresorm und derneneuVerfassung beschäftigen wird. Amerikanische Baumwolle in der Lfchecho- Slowakei. Prag» 16. August. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Uebermorgen beginnen zahlreiche Fabriken, bte amerikanische Baumwolle erhalten haben, diese Baumwolle zu verspinnen. Ende August werden schon die erster: Webereien mit der Arbeit beginnen können. durch den deutschen und den ungarischen Einfall versetzt worden sei. Die Antwort der Entente lautet: Die. Friedenskonferenz legt Wert daraus, eine Reche von Punkten in der Note der rumänischen Regierung' lieber nicht zu berühren, da sie einer Richtigstellung bedürften, und begnügt sich damit, ihre Genugtuung über die Erklärung der rumänischen Regierung auszusprechen, daß diese entschlossen sei, sich , an die Richtlinien der Politik zu halten, oie von der Friedenskonferenz Ungarn gegenüber festgesetzt werden. Der Oberste Rat besteht daraus, daß derzeit keinerlei neuerliche definitive F o r t n a h m e v o n Kriegsgerät, Eis e n b a h nmateriaK landwirtschaftlichen Gütern, noch Vieh und dergleichen stattfinden dürfe. Weder die rumänische Armee, noch die rumänische Regierung sink berechtigt, aus eigene F a u st ihren Anteil festzusetzen. Alle ungarischen Aktiven, welcher Art immer, bilden ein gemeinsames P f and der alliierten Mächte.' Gez. S. Pichon. Die Kohlenförderung in der Tscheche Slowakei. Prag, 19. August. (Tel. der ,Mener Morgenzeitung".) Wie das Teplitzer Kvhlensachblatt mitteklt/ haben die Gruben der Reviere Teplitz, Komotau und Brüx in der Zeit vom 1. bis 11>. d. M. 22.Q2 6F laufende Waggons verladen, was die ansehnliche' Durchschnittsziffer von täglich 2455 Waggons ergibt? In den letzten Julitagen war der Tagesdurchschnitt sogar noch höher. Die Ursache dieser hohen Leistung liegt hauptsächlich ln der reichlichen Bestellung von A u s l a n d S w a r e für die Exportkohle, während der! Mangel an Inlandsware weiter besteht. Die Waggons für die Auslandskohle stammen aus Deutschland. Eiw großer Teil der Kohle geht aus dem Wasserwege und' die Verladungen in Aussig sind bereits auf eine verhältnismäßig hohe Ziffer gebracht worden. Nermmsorrnierrmg der tschecho-slowakischen Armee. s Prag, 16. August. (Tel. der „Wr. Moraenztg.*) Die tschecho-slowakische Armee wird in kürzester Zeit ueu uniformiert werden. Die Stofflieserungen (Khaki) sind an englische und ftanzösische Firmen vergeben worden. Die Neuuniformierung beginnt bereits in 14 Tagen. Frauendemonstrationen in Prag. s Prag, 16. August. (Tel. d. „Wr. Morgenztg/) Heute abends fand auf dem Altstädter Ring eine Frauenversammlung statt, in der gegen die dynastischen Umtriebe sowie insbesondere gegen den Wucher gesprochen wurde. In der Versammlung sah man Tafeln, oie verschiedene Aufschriften, wie: Wir wollen Kartoffeln! Weg mit den Zentralen l Weg mit den Habsburgem! Pogromhetze in Berlin. Exzesse für heute augekündigt. Berlin, 16. August. (Tel. der „Wiener Morgenzertung".) Für morgen sind von den antisemitischen Arrangeuren neuerdings Exzesse gegen die Juden signalisiert, gegen welche die Polizei im Einvernehmen mit der Regierung umfassende Dorkehrungen getroffen hat. Der Zentralvevein der Staatsbürger jüdischen Glaubens teilt mit, daß sich bereits seit längerer Zeit eine Fabrik mit der Herstellung von Gummiknüppeln beschäftigt, die in zwei Ausgaben au die waschechten Antisemiten verteilt werden, und zwar eine Sorte zu 25 Mark, der sogenannte große Kohn, und der sogenannte kleine Kohn zu 20 Mark. Diese seien das beste Mittel gegen die Juden. England läßt die Pogrome in Polen unter» suchen, London, 16. August. (Del. der „Wiener Morgen, zeitung".) Im englischen Parlament erklärte der Unterstaats sekretär des Auswärtigen Amtes auf eine Anfrage eines Deputierten, daß England die Entsendung zweier Lkvmmissionen nach Polen beabsichtige, welche die Aufgabe haben werden, die polnischen Pogwme gründlich und objektiv zu erforschen. Die englischen Delegierten werden sich wahrscheinlich mit der amerikanischen Kommission in Verbindung setzen. Die amerikanische Untersuchungskommisfio« in Polen. Warschau, 16. August. (Tel. der „Wiener Morgen, zeitung".) Die amerikanische Untersuchungsbommission, welche einige Tage in Pinsk geweilt hatte, ist nach Warschau zurückgekehrt. Einige Mitglieder der Kommission teilten den hiesigen jüdischen Journalisten di« Ergebnisse ihrer Untersuchungen mit und stellten fest daß die 35 Erschossenen nach den Erhebungen vollständig unschuldig waren. Kein einziger, unter ihnen gehört der bolschewiktschen Partei an, di« Behörden, welch« di« Verhaftung hatten vornehmen lassen,, hatten. v»rr der pvlüischen Zugehörigkeit der Erschossenen« lein« Ahnung. In Betta k wurden 72 Personen verhaftet, sämtliche auf den Ringplatz gebracht, an die Klostermauer gestellt, und nach Entfernung der Greise und von sechK Frauen wurden die übriaen

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