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Wiener Morgenzeitung · 1919-08-13 · Heft 204 (13.8.1919) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 204 (13.8.1919)
Date
1919-08-13
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Wien, Mittwoch Seite 2 Wiener Morgenzertung --— . — — -- - 13. August 1919 Nr. 204 Erziehungsstelle eine Vereinheitlichung der Lehrpläne und eine verantwortliche Instanz geschaffen werden müssen, welche bei aller Freiheit, die den einzelnen Anstalten und Persönlichkeiten eingeräumt werden muß. doch einem Chaos auf dem Erziehungsgebiet vorbeugt. Die Leitung prälinsiniert für das palästinensische Schulwerk 102.000 Pfund. Gerade auf diesem Gebiet ums; alles darangesetzt werden, schöpferische Persönlichkeiten zu gewinnen, welche imstande sind, eine von den Fehlern und dem Widersinn des europäischen Schulwesens freie, der jüdischen Eigenart angepaßte Erziehung zu schaffen. Das Expose des Palästinadepartements ist die erste offizielle Aeußerung der Leitung zur Frage der Kolonisation. Bisher wurden zwar von den leitenden Männern, etwa von Nuppin und Oettinger, Projekte publiziert, aber mit der Aufstellung eines offiziellen Kolonisationsplanes hat das Aktionskomitee bisher zurückgehalten. Der vorliegende Entwurf wird in manchen Kreisen einige Enttäuschung wecken, da zunächst nur vorbereitende Arbeiten ins Ange gefaßt werden. Es mutz jedoch immer wieder, besonders gegenüber der hier und dort einreißendm Nervosität, betont werden, daß vor Abschluß der politischen Verhandlungen, vor allem vor der Veremyarung mit her vom Völkerbund zu bestimmenden Mandatarmacht, weder an eine Einwanderung noch an die Aufstellung eines lückenlosen Programmes gedacht werden kann. Zur Regelung der Auswanderung wird ein zentrales Emigrattonsamt, dessen Kosten rstit 6000 Pfund berechnet werden, von Dr. Rupptn in Kopenhagen eingerichtet.. Der Bericht sagt, daß diesem Bureau später nach einem mehr zentral gelegenen Ort verlegt werden soll. Wir können schon-heute daraus Hinweisen, daß unseres Erachtens nur eine Stadt hierfür in Betracht kommt, und zwar Wien, das ohnedies einen natürlichen Knotenpunkt der Auswanderung bilden wird, wie sich schon heute zeigt. Die Abteilung für Kolonisation hat die Beschlußfassung und Durchführung der vorbereitenden kolonisatorischen Arbeiten zur Aufgabe. Sie wird nach dem Budget in Palästina selbst 315.000 Pfund verausgaben. Wenn man an die großen Aufgaben denkt, die der zionistischen Organisation bevorstehen, so werden die angesetzten Summen relativ klein erscheinen. Dennoch können wir uns nicht verhehlen, daß ihre Bedeckung ziemliche Schwierigkeiten machen wird. Das jüdische Volk hat in der langen Zeit seiner Staatlosigkeü verlernt, die Notwendigkeit von Lasten einzusehen, welche dem Einzelnen im Interesse der Volksgesamtheit auserlegt werden müssen. Die zionistische Organisation wird ohne die Zwangsmittel des Staates entsprechende Steuern und Abgaben einzuheben haben. Die Iudenschast der Zentralmächte wird dabei leider nicht den Anteil nehmen können, der ihr vermöge ihrer Bedeutung, zukommt, denn die zerrüttete Wirtschaft und vor allem der Stand der Valuta werden auch beträchtliche Leistungen relativ klein erscheinen lassen. Aber es besteht kein Zweifel, daß trotzdem auch die Zionisten der Zentralmächte ihre Pflicht tun werden; ihre Hauptleitung wird allerdings nicht im Materiellen liegen, vor allem werden sie der Bewegung Menschen stellen, die mit aller Kraft und Hingabe ihre ganze Persönlichkeit für die Verwirklichung der zionistischen Idee einsetzen werden. Die Ausgaben des zionistischen KoLonisaLionsamles. Wir geben nachstehend einen Teil des MotivenberichteK wieder, den das „Kopenhagener Zionistische Bureau" zum Budget der zionistischen Organisation veröffentlicht. Der Teil behandelt die Aufgaben der Abteilung für Kolonisation des Palästina-Departements. Tie Ausgabe der Abteilung für Kolonisation besteht kn der Beschlußfassung über die vorbereitenden kolonisatorischen Arbeitet, die in Angriff genommen werden müssest. Die Entscheidung erfolgt in Verbindung mit den Körperschaften in Palästina, drtz mit der Ausführung derartiger Arbeiten betraut sind. Gleichzeitig hat die Abteilung für Kolonisation darüber zu -wachen, daß diese Arbeiten mit dem allgemeinen Plan der Palästinakolonisation, wie er durch die poliüsche Lage und unsere ökonomischen Bestrebungen bestiimut wird, in Uebereinstimmung sind. Mit dem Gelbe, das hierfür vom Budget «rssigniert ist, beabsichtig.. diese Abteilung folgende Operationen, die zum Teil schon begonnen worden sind. a) Aussendung von Sachverständig est nach Palästina zur Ausstellung von Plänen für ländlich und städtische Siedlung, für öffentliche Arhtilf'V.. fiit Irrigation und Ausnützung der^Wassetkräfte, für Aussorstung und Kultivierung der Sanddünen und für Verbesserung der hygienischen Bedingungen. (Im Budget sind hierfür 29.000 Pfund Sterling vorgesehen.) b) Gleichzeitig mit der Aussendung von Sachverständigen werden besondere Bureaus in Palästina für alle Unternehmungen errichtet werden müssen, die auf Grund autoritativer Vorschläge sich dauernd mit Unte rsuchungen und der Ausar beitung vvn Plänen zu beschäftigen haben werden. (Im Budge' sind hierfür 20.000 Pfund Sterling vorgesehen c- Maßnahmen für die Ausnahme der Einbänder er, das heißt Vorbereitung von Pläne» «oft Ohne wesentliche Aenderungen kann Dentschstfterreich den Friedens^ ertrag nicht unterzeichnen. Eine Erklärung Dr. Nenners. Berlin, 12. August. Der Korrespondent des „8 Uhr-Abendblatt" in Zürich hatte Gelegenheit, den dentschösterreichischöu-Stagtsranzler Dl. Renner, der auf der Durchreise von Men ngch Saint-Germain Zürich berührte zu sprechen. Dr. Renndr erklärte, er erwarte nach den letzten Informationen die Antwort der Entente auf die letzte große Note nicht vor Donnerstag. Wenn die Antwort keine wesentlichen Aender U n f t n, besonders der F i n a n z b e st i ui nt u « gc «, i n! hält, so sind wir nicht in der Lage, den Friedens- :ur L'H. Jedenfalls war Pas die allgemein) Ansicht in unseren letzten Besprechungen im Hauptausschuß. Auf die Frage des Korrespondenten, was im Falle der Nichtannahme wird, erwiderte Dr. Renner: Ich denke, daß das Kabinett dann die Entscheidung in die Hand der Nationalversammlung legen wird. Natürlich können wir keinen neuen Krieg gegen die Entente anfangen. Vielleicht nimmt bi& .Natwnqlversammlung den Vertrag an. Aber «.Inhalten können wir ihn auf keinen Aalkt Das muß ich mit besonderem Nachdruck betpis^jr, W Ereignisse in Ungarn haben die Situation in Deutschs österreich in unheilvollster Mise beeinflußt. Nachdem wir jetzt die Gefahr des Bolschewismus überjpUndM haben/ treten neue Gefahren auf. Jedenfalls ist es aber nach der augenblicklichen Stimmung im Lande sowie überhaupt ganz unmöglich, daß es ne Gegenrevolution von rechts eintroteu könnte. Das einzige, ivas wir wollen, ist, den Frieden unter annehmbaren Bedingungen unter Doch zu haben, Bedingungen, die wir mit gutem Gewissen annehmen und einhalten können, und uns dann durch intensive Arbeit wieder hoch bringen und lebensfreudig machen. Weiter wollen wir nichts/ Vorschlägen für-die Errichtung von Empfangsstationen, Volksküchen,' Hospitälern, für die Errichtung temporärer Arbeiterwohnungen und die Beschaffung geeigneter beweglicher Unterkunftsstätten, wie Zelte, Hütten, sowie für alle hierauf bezüglichen Angelegenheiten. (Im Budget sind hierfür 26.000 Pfund Sterling vorgesehen.) d) Systematische Organisierung und Vergrößerung unseres wissenschaftlich gebildeten Fachpersonals in Palästina, um sofort die dringendsten vorbereitenden Arbeiten für landwirtschaftliche Kolonisation in die Hand nehmen zu können, wobei eingeschlossen find: 1. Die Ausführung der erforderlichen topographischen und agronomischen Uebersichten mit entsprechenden Karten, um zu bestimmen, welche Terrains erschlossen werden sollen und in welcher Weise dies geschehen soll. 2. Die Förderung land wirtschaftlicher Versuche durch die Errichtung von Pflanzschulen für Getreide- und Gemüsebau, eines landwirtschaftlich-chemischen Laboratoriums und eines zoologisch-technischen Instituts. 3. Errichtung einer landwirtschaftlichen Wanderschule, um landwirtschaftliche Kenntnisse zu verbreiten und zu verbessern. 4. Ausbildung von Instrukteuren für die unausgebildeten einwandernden Arbeiter. 5. Stärkung' der hevetts im Lande existierenden kooperativen Arbeiter genossen schäften. 6. Errichtung kleiner Farmen für Gemüsebau, Geflügelzucht, die durch Mädchengruppen bearbeitet werden sollen. (Für die unter 3 bis 5 erwähnten Arbeiten sind im Budget 100.000 Pfund Sterling assigniert.) Die Mteilung für Kolonisation wird sich auch fortlaufend mit der Wiederherstellung der Ariegsschäden und der Besserung der Lage der Dement ten zu beschäftigen haben. (Im Budget sind hierfür 8000 Pfund Sterling vorgesehen.) Die Arbeit dieser Abteilung umfaßt auch die Hilfeleistung für die vevschiedeneu Achusoth- und Chaluzim-Gruppen, die Einordnung von deren Tätigkeit in den allgemeinen Kokonisationsplan und die Behandlung des Problems der jüdischen Arbeit im Lande in all seinen mannigfachen Auswirkungen. Für die Kosten der Administration in Palästina, das heißt für die Palästinakommission und das Palästinaamt, ist auf Grund ihrer gegenwärtigen Ausgaben im Budget die Summe von 38.400 Pfund Sterling vorgesehen. Die Ausgabe» für die medizinisch« Expedition (84.000 Pfund Sterling) erscheinen zum ersten Mal in unserem Budget. Bisher wurden deren Kosten von der zionistische« Organisation von Amerika getragen. f Vor Ausbruch des Krieges gab es nicht genügend Sanitätspersonal in Palästina und «S vermindert» sich' noch weiter während des Krieges. Die Bevölkerung litt hierunter sehr erheblich und der Mangel au Medikamenten hat ihre Leiden vergrößert. Die amerikanische medizinische Expedition war in dieser Hinsicht eine wichtige Hilfe für die ganze Bevölkerung. Sie hat in Jaffa, Jerusalem, Hebron, später üt Haifa, TiheriaS, Safed und anderen Städten und Kolonien eim Reihe von Institutionen für medizinische Hilfe geschaffen, wie Armenapotheken, Hospitäler, Institute für Unentgeltliche Zahnbehandlung ufw. Das ganze ärztlich» Sanitätswerk in den Städten sowohl wie in den Kolonien war vor dem Kriege ein unberührtes Gebiet. Die medizinische Expedition hat wichtige Anfänge in dieser Richtung geschaffen. Eine ihrer ersten Taten war oie Ausrottung der Moskitos, der Träger der Malaria. Dieser Zweig der ärztlichen Tätigkeit wird in Zukunft eines der wichtigste Gebiete innerhalb des Aufbauwerkes fein. Die medizinische Expedition hat auch die ersten Schritte für die Schaffung eines Kontingentea u Sgebildeter Pflegerinnen durch die Eröffnung und den Unterhalt einer Ausbildungsschule für Pflege- Unzweifelhaft wird auch die notwendige pathologische und bakteriologische Arbeit einen Bestandteil iu der Aufbauarbeit der Zukunft bilden. Das Bedürfnis nach diesen Zweigen der ärztlichen Wissenschaft versteht sich yvn selbst. Es ist unmöglich, dieses Programm vollständig mit einem Aufwand von nur 64.000 Pfund Sterling durchzuführen. Im Hinblick jedoch aus die Schwierrgkeiten des Augenblicks und die unaufschiebbaren Ausgaben in den anderen Zweigen des Budgets mußte die für diese Arbeiten ausgesetzte Summe während des laufenden Jahres auf diesen verhältnismäßig geringen Betrag begrenzt werden. Die verschiedenen Körperschaften, die, wie hier dargelegt, eingerichtet werden, um unsere Arbeit in Palästina auszuführen, werden die Basis für nufer neues Verwaltungssystem im Lande bilden. Das Baseler Programm verwirklicht. Eine politische Rede Sokolows. Auf der in Paris anläßlich des 15. Todestages Herzlstattgefundmen Andachtsfeier sprach unter anderem auch Nahum S o k o l o w. der in einer längeren Rede die postttschen Erfolge des Zionismus und besten gegenwärtige Lage ausemaudersetzte. Er führte unter anderem aus: Nach 18 Jahrhunderten Diasporalebens haben am 27. Februar d. I. die Vertreter des jüdischen Volles dir jüdischen Interessen auf ernem wahrhaft politischen Boden verteidigt. Ich bin überzeugt, daß im Prrnzip die Frage zugunsten des iüdischen Volkes bereits gelöst ist. Wir haben daS Basler Programm verwirklicht. Jetzt geht eS nur noch um Einzelheiten. Die Arbeit wird in verschiedenen Kommissionen geleistet, mit denen wir in Verbindung stehen. Wir hoffen, daß unsere wichtigsten Forderungen angenommen werden, and ich kann sagen, daß von dem, was wi? erreiche», wir vor eimgen Jahre« nicht einmal träumen konnten... Es wird uns vorwurfsvoll gesagt: Würde Herzl leben, er hätte jetzt mebr erreicht. Herzl war ein wahrer Politiker. Die Politik ist hie »Kunst drS Möglichen* und Herzl suchte stets das Möglichste zu erreichen und er mußte daher auch oft, seine Taktik ändern. Er griff auch zu El-Arisch, trotzdem diesegar Aegypten und nicht Palästina ist. Zur Frage der PalSstmakommssion Übergehend, bemerkte Sokolow: Die englische Regierung hat bekanntlich zugestimmt, daß wir nach Palästina eine Kommission entsende«. Ich sage euch, daß dies de« Anfang rmserer Negierung im Bande bedeutet. ES sollen jedoch die ungeheuren Schwi e ritzte i t r n, die wir zu bekämpfen haben» nicht übersehen werden. Es handelt sich hierbei nicht um Theorien, sondern um Tatsachen. Niemand wird die Tatsache aas der Welt schaffen können, daß im Lande sechs Araber auf einen Juden leben, und wir als Demokraten können und dürfen die Araber nicht benachteiligen. Es muß ein gutes Verhältnis zwischen diesen zwei Bevolkerungsteilen geschaffen werden. Der Veste Wegweiser in dieser Beziehung wird, glaube ich, das Leben selbst sein. Aber vorläufig kann die arabische Frage in unseren Unterhandlungen nicht außer Acht gelaffeu werden. Und wir müssen dabei sehr vorsichtig sein. Der Sieg des Hebräischen ist vielleicht daS g r V ß t e W n N d e r u n s e r e S 8 e b e u S. Ich, dev dieser Sprache einen großen Teil des Lebens gewcdmet hat, habe von einer so raschen Wiederbelebung nicht träumen' können. Sie ist als e i n e de r o f f i z i e l l e n S v r a ch e n in Palästina anerkannt. Wie die Bevölkerung Palästinas über diese Sprache wacht Und sie verteidigt, beweisen die vielen Proteste qp die englische Regierung gegen einen Beamten in Trberias, der dre Einvernahme eines Zeugen in hebräischer Sprache verweigerte. Und die Retzmung gibt nach ... Die Jmmigrattonsfrage , ist ßeackwättig das Hauptproblem, dtzS die zionistische Organisation beschäftigt. Hch begreife diegroßelln geduld, die sich in der jetzigen Zeit der Pogrome kundgibt. Aber man muß m ver reyrgen Mt der Pogrome kunogwt. Aber man nun? sich vor Augen halte», daß das Land noch unter dem K r i e g <§> oNnpattonSgesttze steht und daß die Militärmacht nach 8 bis 8 Monaten, nachdem dir Mandatssrage offiziell erledigt sein wird» die wirkliche Immigration wird beginnen Wieviel Menschen nnr jährlich nach Palästina weiden bringen können, weiß ick Nrcht. Dies wird von den Umständen abhängm. EmeS kann ich euch sagen: Einer der Vorredner hat in Aussicht gestellt, daß unsere Kinder ein jüdisches Palästina erleben werden. Ich dagegen jage r N i ch t b l o ß die jungen unter «n S, sondern, auch die älteren, zu denen ich mich zu Mm beginne, werden dies crk .

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