Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 204 (13.8.1919)
- Date
- 1919-08-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Den veränderten Verhältnissen muß natürlich auch das Finanzwesen der Organisation Rechnung tragen. Der Zionismus ist nicht nur vor besonders schwierige Aufgaben gestellt, da die Verwirklichung der palästinensischen Ansiedlung bevorsteht, sondern er ist aus einer Parteisache eine Massenbewegung geworden, deren Beherrschung und Leitung einen umfangreicheren Apparat beansprucht als früher. Das vorliegende Budget ist allenfalls unvollständig; es enthält lediglich eine Zusammenstellung der in Aussicht genommenen Ausgaben, schweigt aber vorläufig noch über die geplante Art der Bedeckung. Auch ist nicht klar, welcher Instanz die Belvilligung dieses Budgets obliegt. Sonst hatte.der Zionistenkongreß diese parlamentarische Funktion; jetzt ist der Kongreß schon sechs Jahre nicht zusammengetreteiL und in die kurze, eine Woche dauernde Tagung würde sich auch die Erledigung einer sachlichen Budgetdebatte neben allen anderen Beratungsgegenständen kaum Hineinpressen lassen, lieber diese Fragen wird zunächst das große Aktionskomitee zu entscheiden haben, in welchem alle * Landesorganisationen vertreten sind. Die Einberufung des Aktionskomitees wmde in einer halbamtlichen Meldung bereits . für Ende. August angekündigt. Es ist zu erwarten, daß keine Zeit unnötig verloren wird und daß die/unbedingt notwendige Aussprache der zionistischen Führer aus der ganzen Welt ehestens ermöglicht wird. Eine schwere Schädigung bedeutet ohnedies für die Organisation der Umstand,* daß die Leitung mit der stärksten zionistischen Landsmannschaft, der russischen, den gewünschten Kontakt bisher nicht Herstellen konnte. Das Gesamthudget stellt sich auf beinahe 500.000 Pfund Sterling, das sind nach unserer Währung über hundert Millionen Kronen. Was diese Summe bedeutet, läßt sich erst abschätzen, wenn man bedenkt, daß der Jüdische Nationalfonds, die populärste zionistische Institution, es vor dem Kriege zu einer Höchsteinnahme von einer Million Franks, das war damals noch etwas weniger als eine Million Kronen, gebracht hatte. Von der Gesamtausgabe sind 417.000 Pfund zur direkten Verwendung in Palästina bestimmt» bleiben noch etwa 75.000 Pfund zur Bestreitung der Verwaltungskvsten der zionistischen Zentrale. Der Kommentar, der dem Rechnungsentwurf beigegeben ist, ist weniger eine Detaillierung der einzelnen Posten, als vielmehr ein ganzes Organisations- und Aktionsprogramm, das die Einrichtung des Londoner Bureaus und die nächsten Aufgaben der einzelnen Detachements auseinandersetzt. Das politische Departement, für das 26.000 Pfund praliminiert find, steht wie bisher unter der Leitung von Sokolow und Weizmamr. Eine besondere Abteilung bUdet die Aktion zugunsten der nationalen Rechte in der Diaspora, für die Leo Motzkin verantwortlich ist. Das Organisationsdepartement untersteht jetzt Dr. Viktor Jakobsohn, der in der abgelaufenen Epoche der Leiter der Politik war. Diese Abteilung hat die schwierige Arbeit des Wiederaufbaues der Organisation zu leisten. Die Organisation war nicht immer die stärkste Seite der Bewegung: erst in der Berliner Zeit ist es dem Zentralbureau gelungen, den Kontakt mit allen Gruppen und Landesverbänden inniger zu gestalten und die Fäden straffer zu spannen. Damals hat sich auch schon die Ressortteilung als notwendigerwiesen, die jetzt weiter ausgebaut wird. Sie bildet den Ansatz zu einer völligen Umgestaltung der Organisation, welche über den Umfang einer Partei hinausgewachsen ist und sich allmählich zur zentralen Verwaltungsstelle des gesamten jüdischen Lehens in Palästina und der nationalen Einrichtungen in den Diasporaländern entwickelt. Von diesen Agenden der direkten Verwaltung sind allerdings in dem Aktionsplan nur zwei Teilgebiete zur sofortigen Bearbeitung vorgesehen. Das eine ist'bas Erziehnngswesen in Palästina, das andere ist die Vorbereitung der Kolonisation und der Grundlagen des wirtschaftlichen Lebens. Es hat sich nunmehr in der zionistischen Bewegung die Anschauung Die ungarische RegieruNg fordert die Auslieferung Bela Kuns uud Genossen. Eine Mitteilung der Budsrpestev StaatsanWaltschaft. Budapest, 12. August. (Urig. Tel.-Korr.-Bur.) Das Amtsblatt enthält folgende btcij Publikationen der Budapests«? Staatsanwaltschaft: Kundmachung: In der Strafsache des mit dem Verbrechen der Aufreizung zum Morde, ferner des Raubes, der Geld Fälschung sowie anderer straf-- barer Handlungen belasteten BeLa K u n und Genossen ersuche ich die Verwaltungs- und Polizeibehörden des Landes, uuter Schilderung des Tatbestandes und womöglich ntitev kurzer Bezeichnung der Person der direkten Täter der Budapefter Staatsanwaltschaft «titjttJ teilen, wer zur Zeit der Proletarierdiktatur in ihrem Sprengel, sei es aus Grund von Urteilet der sogenannten revolutionären Gerichte, sei es in sonstiger Weise getötet wurde. / Erklärung der Staatsanwaltschaft r Die Budapefter Staatsanwaltschaft gibt zur rnhignng der öffentlichen Meinung bekannt, daß gegen sämtliche Individuen, die mit wahrend! der Proletarierdiktatur begangenen Verbrechen belastet sind, das Strafverfahren eiugeleiteb wurde uud daß behufs Ergreifung sowie Auslieferung der nach dem Ausl an d e gefloh enen Personen die notwendige« Verfügungen getroffen w o rd en srnd. ' Aufforderung: Ich richte an alle jene, deren Angehörige während der Proletarier-; diktatnr verschwunden find, die Aufforderung, die Umstande des Verschwindens und die auf? ein etwaiges Delikt verweisenden Angabe« der Budapefter Staatsanwaltschaft mündlich/ oder schriftlich dringend mitzuteilen.__ Ein tschechischer Protest gegen die rumänische« ’ Requisitionen in Ungarn. Pari s, 12. August (Kott.-Bur.) In dem Bericht der Ageuee Havas über die diplomatische Lage heißt es : Der Rat beschäftigte fich mit dem bulgarischen -Frieden-Vertrag tato pMM die durch die Ereignisse in Ungarn geschaffene Lage. Die rnmänischch Regierung hat noch keine Antwort auf die Rote der Entente gegebeftj in welcher sie auf gefordert wurde, in Ungarn jede persönliche Initiative beiseite zj» laffenj uud ihre Entschließungen der nach Budapest entsandten interalliierten MilitärmisfioN anzupaffen. 4 Die t sche ch o - slowakischen Delegierten haben der Konferenz eine R o i«j zukommen lassen, worin gegen den Einmarsch der rumänischen Truppe« inj Budapest und gegen die beträchtlichen Requisitionen, Hefte itti Ungarn vorgenommen haben und ans welche die Tscheche-Slowakenals Wiedergutmachung Anspruch zu haben glauben, Protest eingelegt wird. * * r Aufstand in Moskau. Teile der Roten Armee meutern. B e r l r n, 12. August (Korr.-Bur.) Das „8 Uhr-Abendblatt" meldet aus Zürich: „Daily Mail" und „Morning Post" bringen gleichlautende mittelbare Drahtberichte ans Moskaus denen zufolge feit einigen Tagen dort ein Aufstand des Pöbels gegen die Herrschaft der Sowiets stattfinde. Nach Meldungen der neutralen Gesandten, die sich noch in Moskau befinden, haben dort die Kämpfe insbesondere vom Freitag zum Samstag einen blutigen Charakter angenommen. Teile der RotenArmee haben sich gegendie Regierung Lenin gew andt. Die Lage in Moskau wird als kritisch bezeichnet«) Mau muß täglich mit großen politischen Umwälzungen rechnen. * % Denikire marschiert nach Moskau? Berlin, 12. August. (Korr.-Bur.) Das „8 Uhr-Abendblatt"meldet aus dem Haag: Witz „Daily Telegraph" aus Kopenhagen von der dortigen lettischen Gesandtschaft erfährt, hat! General De « ikin feine« Truppen den Befehl gegeben, den Vormarsch nach Moskau' aufzunehmeu. nmnBa zu unbestrittener Geltung durchgesetzt, daß die für die Zukunft des Volkes entscheidenden Fragen einerseits die soziale und wirtschaftliche Gestaltung des Gemeinwesens, andererseits die Erziehung des jungen Geschlechts sein werden. Das Erziehungswesen zumal wmde allzulange privatem Einfluß und privater Initiative überlasten. Zahlreiche Schulen in Palästina wurden von der „Alliance" oder dem „Hilfsverein der deutschen Juden" oder anderen privaten Gesellschaften erhalten, sie entzogen sich ebenso wie die zahlreichen orthodoxen Schulen km Einfluß der zionistischen Bewegung. Dennoch ist auch in diese Schulen, die zu Objekten fremder Machtpolitik verwendet wurden und oft völlig unverantwortlichen Verwaltungsorganen ausgeliefert waren, der Geist der indischen Renaissance ciugcdrungen und der große Schulkampf für die hebräische Spracht anläßlich' des Versuches des .Hilfsvereins, das Technikum in Haifa zu germanisieren, zwang dis zionistische Organisation unmittelbar vor dem Kruges einen großen Teil des Schulwesens zu übernehmend Nach der Besetzung Palästinas durch die Engländer wurde durch die zionistische Palästinakommission diese Entwicklung wieder ausgenommen und heute kann das „Bulletin" bereits berichten, daß 75 Prozent der Kinder Palästinas in Schulen erzogen werden, die der zionistischen Organisation unterstehen. Selbstverständlich ist die Ausgestaltung des Schulwesens nach eine große Aufgabe. Es mangelt an Lehrmitteln und Lehrbüchern und auch das Lehrerpersonal ist nicht zureichend. Auch der innere Dienst wird ausaestalici -nid durch eine zentrale