Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 201 (10.8.1919)
- Date
- 1919-08-10
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 201 S» tum« ,M. . Wien. Vonntag Wisner Morgenzertung 10. August ISIf Seite S ' Die Bekämpfung der? europäischen Kohlenkrise. Paris, 9. August. (Fuukspr. des Kme.»Bm.) Donnerstag nachmittags bat im Ministerium für mhufti'iefku Wiederaufbau die erste Sitzung des enroväis che n $ o t) l f nk o m i t e e s unter dem Vorsitze L a u ch o u x ß stattgesunden. Zehn Vertreter der nttutiten und assoziierte» Rationen waren anwesend. Die Sitzung hat mit einer genauen Prüfung der allgemeinen Lage begonnen. Dann wurde beschlossen, jene Maßuqhplen einer Prüfung m unterziehe^ welche die Kohlen» n s b e u t u n a der Gruben von Schlesien. Teichen und Dombrowa verbessern könnten. Das.Komitee Mir hierauf die Mittel besprochen, durch welche zwischen den Reg--eruuffen der interessierten Staaten eine e n g e V e r b i n d u n g hergestcllt werden könnte. Eine Kommission von KMeuspezmlisteu. von jedem Stadt einer, wird hierüber einen Bericht vettqssxn, der m der nächsten Sitzung des europäischen Kohlenkomitccs, welche i« etwa zehn Tagen stati-- finden wird, zurvVerhaudlung -gelangen soll. Hie Liquidierung des feiudlicheu Eigeutums in Frankreich. Paris, 9. August. (Tel.-Konlv.) Die Liquidation des feindlichen Besitztums in Frankreich ist nulimebr in Angriff genommen worden. Das Erträgnis aus den liquidierten Besitztümern wird an erster Stelle zur Koinpensation für die siamösilchen Angestellten dienen, deren Besitz in Deuischland beschlagnahmt wurde, der Restbetrag wird der allgemeinen Kasse iür Kriegsschäden zufließen. Es werden voraussichtlich 9')0 000 Liquidationen stattfinden. Amerikanische Streiks. Boston, 9. August. (Korr.-Bur.) In den Eisenbahilwerkstatten der Linie N e w - D o r k—N e w -- H a f e n -H a r t f o r t sind 16.000 Mann in den Arisstaud getreten. Der SchuellzngSdienst ist in dem ganzen Gebiet eingestellt. Chicago» 9. August. (Korr.-Bur.') Die Angestellten der Schlachthöfe drohen mit dem Streik, falls die zur Verhütung von Zwistigkeiten zwischen Weißen und Schwarzen aufgestellten Wachen liidjt zurückgezogen werden. Hunderte von Weißen verließen Donnerstag die Arbeitsstellen, während 8000 Neger unter dem Schutze von Truppen die Arbeit wieder aus» nahmen. Amerika verbietet die Weizenausfrrhr. Stockholm, 8. August. (Tel.-Komp.) Der »Aston Tidonte" wird gemeldet, daß nach einer Beratung zwischen dem Präsidenten Wilson und dem Leiter der Vereinigung der amerikanischen Getreidegroßhändler ein Verbot für die A n s f u h r von Weizen erlassen werden soll. Die Verminderung der MeLtgetreidsyorrLte. NcW»Do«b, 9. August. (Tel.-Komv.) Amtlich wird mit» geteilt, daß «ach den letzten statistischen Zusammenstellungen die Weltgetreidevorräte 400 Millionen Bnshels weniger betragen als nn Vorjahre. Einge-orerrenanistanin Penang und Srngapore. Berlin, 9. August. <Korr.-Bur.) Der „Abend" meldet anS dem Haag: Ans Batavia wird berichtet, daß in Pen a n g ein Aufstandder Eingeborenen unb Chinesen gegen die Japaner ausgcbrochm sei. Auch m S i n a av o r e sei ein großer Aufstand zum Ausbruch gekommen. Viele japanischen Geschäfte seien geplündert und demoliert worden. Obwohl die Mannschaft, der im Hafen liegenden englischen Schiffe zur Hilfe «aufm wurde, dauern die Unruhen fort. Gerüchtweise sollen 300 Personen 6« den Unruhen g etötet worden sein. Panik an der New Yorker Börse. Amsterdam, 9. August. Das Reulersche Bureau meldet aus N e w D o r t vom 7. d. M.: Die Effektenbörse hat den größten Rückschlag dieses Jahres erlitten. Dir Preise sielen um ö b r s 20 P n n k t e infolge von Gerüchten, daß die Regierung praktische Maßnahmen gegen die Gewinnmacher erwäge, und im Zusammenhang mit der Entwicklung der vom bundesstaatlichen Handrlsansschuß behandelten Angelegenhellen. Offensive der Bolschewiken am Dnjestr. Bestürzung ln Bukarest. h Budapest, 9. August. (Tel. der „$33:. Morgenzeitung*.) Wie in Cntentekreisen verlautet, herrscht in Bukarest wegen der von den Bolschewiken unvermutet eingeleiteten Offensive am Dnjestr große Bestürzung. Man erklärt» daß die Armee Trotzkis entgegen den günstigen offiziellen Meldungen, der Rumänen bisher keineswegs in ihrer Stoßkraft beeinträchtigt werden konnte, ja man behauptet sogar in diesen sonst sehr gut unterrichteten Kreisen, daß sich die Rumänen gezwungen sehen dürften, ihre Truppen im Raume von Budapest zurückzuziehen. Minsk und Slrrzk von den Polen besetzt. Warschau, 9. August. Wie die Polnische Telegraphen- Agentur aus verläßlicher Quelle erfährt, ist gestern nachmittags Minsk von polnischen Tmppen besetzt worden. Die Stadt S.l u r k befindet sich bereits feit dem r>. d. M. in polnischer Hand. Eine Delegation rumänischer Inden in Palästina. _ AraKa«, 8. August. (Tel. d. „Wr. Morgemtg?) Wie dem „N o w h D z i e n n i Ü" aus Bukarest gemeldet wird, begab sich eine Abordnung rumänischer Inder! unter Führung des H. Markus nach Palästina, nm dort die Jmmigrationsveruältmsse zu studieren. Standrecht in Polen. rrschau, 9. August. (Del. der „Wr. Moraen-tn*) »Monitor PolSk? publiziert den Beschluß des Mir amtliche „Monitor flfoföfr publiziert den Beschluß des Ministerrates betreffend die B er h ä u g un g des Stondrechtees betreffend du V erhü n gurr g des Standrechtes de« Bezirken der Warschauer und Lublin«« Gerichtssprrngrl. Die Indo» an« Galizien «nd Posen — polnische Staatsangehörige. Zürich. 9. August. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Die aus der Kriegszeit her in England internierten Jude» aus Galizien und Posen wurden nunmehr seitens der englischen Regierung als polnische Staatsbürger auerkaunt und sie dürften auch demnächst .a »S b-cu: In t e r W b cfrc i.t gaben*- ' l Verschärfung des javanisch - amorikauischeu' Konflikts Bersailles, 9. August. (Korr.-Bur.) Die Pariser'Ausgabe dcs ..N e w V 0 r k K e r a ld" erklärt, daß sich der amcukaursch-iapanffche Konflikt von Tag zu Tag verschärfe, w"l der japanische Munster de§ Aeußem Uchida dis Ansicht ver» trete» .die Abttrtuua Schantungs fei die Belohnung für die Hilfe im Jahre 1915. Präsident Wilson teile jedoch diese Ansicht nicht. . — . ' Der Kampf um Thrazien. TäloniKi, 9, August." (Tel.'Komp.) ES wird gemeldet: Die Tü'ken treffm umfassende Borbereiinugen, um eine Besetzung von Thrnzren durch griechische Truppen zu v t r.h inderm Sre haben die Einwohner der gefährdeten Gebiete mit Waffen versehen, Bsendigung der iutsr^Miertsn Anterfuchnng in Krume. Gaine-Grrmain- 9. August. (Korr.-Dur.)' Das „Iornal des Debats^ meldet, daß die Interalliierten Konunission in F t u m e i h r e Arbeiten beendet habe und Sonntag nach Paris abreisen wird. Wirtschaftliches aus der Tschechy-Slorvakei. s Prag, 9. August.. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Das tschechische Finauzmiutfterimn bereitet Maßnahmen vor, durch wcsche sämtliche Forderungen und Wertpapiere mit B «schlag belegt werden sollen, tvelche in U n g a r n a n s ä s s i g e u physischen und juristischen Personen gehören. s Prag, 9. August. (Tel. der .„Wr. Morgenztg.") Das Syndikat kür chemische Industrie in Prag beabsichtigt zur Förderung der Getreide- und Rübenvroduklion zirka 10.000 Waggons Superphosphate und 3000 Waggons Stickstoffdünger a U S dem Auslande e i n z u s ü h r e n. Die Negierung wird dem ‘ Syndikat einen Anslandskcedit von 80 Millionen Kronen cröffnen. s Prag, 9. August. (Tel. der^„Wr. Morgenztg?), Mit Rücksicht auf die Oeffnung der Börse gestattet das Finanzministerium, daß Banken und andere Geldinstitute die bet ihnen deponierten Wertpapiere ausfolqen. aber nur an tschccho-slowakrsche Staatsbürger. Die Freigabe bezieht sich nicht auf Wertpapiere, die Ausländern gehören. s Prag, 9. August. (Tel. der „Wr. Morgenztg.'^) Heute ist hier die euglvch-amerckamsche Kohlcnkommiffion auS Mährffch- Ostrau zum Studium der Kohlenprodnktion m den böhmischen Revieren eingetroffen. Aus Ungarn. Die Sozialisierung dev Hsilbäder rückgängig , gemacht. Budapest, 9. August. (Korr.-Bur) Das Ämtshlatt veröffentlicht euren Erlaß des Ministers für Gesundheitswesen, wonach alle Bersügungen der Räteregierung betreffend die U,e b e rnahrne der Heilbäder in Gemeindes i tz rückgängig gemacht und die Bäder ihren Eigentümer» znrückgcgeben werden. Dis Rumänen find am Putschs unbeteiligt. Paris, 9. August.(Fnnkspr.des Korr.-Bur.) Das Rumänische Preßbureau teilt mit, daß die Bukarefter Regierung bei den politischen Kombinationen vollkommen « n b e t e il i gt ist, welche zur Ernennung des Erzherzogs Josef zum Leiter der gegenwärtigen Regierung m Budapest geführt haben. Angultigksit dev ungarische« Pässe. Budapest, 9. August. (Uug. Del.-Kvrr.-Buv.) Der Minister des Innern hat die Verordnungen, welche die Räteregierung in Angelegenheit der Pässe erlassen hat, außer Kraft gesetzt. Die bis 7. d. M. ausgestellten Pässe sind ungültig. Jedoch können die im Ausland ineilenden ungarischen Staatsbürger auch mit den bisher ausgestellten Pässen, wenn ihre Gültig- Veitsdauer nicht ab ge laufen ist, Heimreisen. Eingesendet. Wien, II. Verlobte. Pforzheim Menaeheno-Ab, 5679. m* StaU jeder besonderen Anzeige. Bojkowitz Marmeladefabrikant, Am Verlobte. $ Btote Adolf Stern Wien 1. empfehlen sich als Verlobte Möbel 11 Innendekoration in grösster Auswahl. Nur gediegene 619 Erzeugnisse. J. SPIRA UtisB, UR.. Slebensierng. 1 u. Z (Eck« Karl Schweighofergasse). ^aimariEt Unlv. med. »r. A. MAREL ordin. (2—6), II,, Vorgovtenstr, 193 (Linie A und AK), i486 »Zur Trinkkur". Thalheimev Schlvß-- 8 « u n n ist em vorzüglicher alkalisch-erdiger Säuerling, welcher durch seine bedeutende Radioaktivität, reichliche freie Kohlensäure, chemische Bestandteile (Karbonate) einen starke« Einfluß auf die Magensäfte — besonders vermehrte Magensäure — und dm Stoffwechsel im Körper hat. nebenbei auch, die Menge des Harnes vermehrend, diuretisch wirkt undmit Erfolg Phosphaturie befestigt. Demnach kann das Waffer als vorzügliches diätetisches Mineralwaffer znr Trinkkur bei Magen- und Darmleiden, Stoffwechselstörungen, Gicht und gichtischer Diathese, Niernleiden und auch Blutarmut mit bester Hoffnung auf Erfolg anempfohleu werden. (Med. Univ. Dr. C. Bad Bechm.) T h a l h e i m e r S ch l o p b itttttt ist allen Malm der Arm- SR ti* l erhgllljch. iufdiitr Gkößte Auswahl! Billigste Preise! Leopold Steinhart, Wien, t.Bibcrstraße 9. Tagesbericht. Das Wiener PalKstiNMML. In den bewegten Novembertagen des vergaugcnett Jahres entschloß sich die zionistische Parteileitunq für .. Deutschöstcvreich, ein Palästinaamt zu errichten, von der Erwägung ausgehend, daß Wien, gleichviel^ wie . sich das Geschick dieser Stadt in Hinkunst entivickeln würde, für den zu erwartenden Strom der ''Auswanderung einen wichtigen Zentraltznnkt darstelleir würde. Für diese Bewegung mußte Vorsorge getrosieu werden. Mas vor allem not Lattvar die grüudtichc Ausklärnng Mer die Verhältnisse in Palästina, zumal das fnteresse für unsere alte neue Heimat in im me? u^iiev^ reise Eingang findet. Das Wiener Palästiilaaiut ivar deshalb bemüht, durch Abhaltung von Disknssionsabenden, Veranstaltung von Lichtbildervorträgen in Wien und der Provinz, Erteilung von mündlichen und schriftlichen Auskünften, Herausgabe von Vroschureu, ' Mitteilungen usw. dieser Aufgabe gerecht zu iverbeu. Eine zweite Aufgabe, der das Palästinaamt von Anfang an seine Anfmerkfmnkeit zuwenden mußte, war die Evidenznahme und statistische Erfassung sämtlicher Arrswanderungsbewerber, deren es heute schon au 11.000 'in Evidenz genommen hat. Sv klein die ^Anfänge waren, aus denen das Palästinaamt hervorgegangen ist, so groß wurden bald die Aufgaben, die es zu erfüllen hat. Sein Tätigkeitsbereich erstreckte sich infolge des Vertrauens des jüdischen Publikums weit über die Grenzen von Deutschösterreich. Auch ergab sich die Nvtwendigbeit, für einzelne Ssiezialressorts eigene Referate einznrichten. So entstand das Handels- und Industrie re fera t. Schon im Dezember hatte sich eine technische Studiengruppe gebildet, der namhafte Fachleute aus alle« Gebieten der technischen Wissenschaft und Praxis angehören, zu dem Zweck, alle technischen Fragen, welche Palästina und seinen Aufbau als jüdisches Gemeinwesen betreffen, zu studieren. Ebenso schlossen sich die für Palästina interessierten Aerzte in einer eigenen Gruppe zusammen und bezogen alsbald Apotheker, Pflegerinnen und sonstige sanitäre Hilfskräfte in diese mit ein. Ausgabe der Aerztegruppe ist es, die nach Palästina auswandernden Aerzte mit den speziellen Krankheiten des Landes und ihrer Behandlung bekannt zn machen. Nicht minder wichtig als das bisher Geschilderte ist die praktische Vorbereitung für Palästina. Auch hier kann das Palästinaamt sehr befriedigende Erfolg« verzeichnen. Dis Hechaluz-Bewegnng hak bewiesen, daß das Mische Element sehr wohl die Eignung zum landwirtschaftlichen Arbeiter besitzt, und die heute in Gruppen auf verschied^«» landwirtschaftlichen Betrieben verteilten Chaluzim und Chaluzvth — ungefähr 400 — haben durch ihren Ernst und.ihren Fleiß die Anerkennung und Zuftiedenheit sowohl ihrer jüdischen als arrch christlichen Arbeitgeber errungen,. Das Palästinaamt hat vor vornherein Wert daraus gelegt, daß die Chaluzim sich' selbst verwalten, ist aber mit ihnen in steter inniger Fühlung geblieben. Neben der Vorbereitung für landwirtschaftliche Berufe geht die für Handwerk und Ge wer he. Zu diesem Zwecke wurde rm Einvernehmen mit dmn Jüdischen Nationalrat die Gewerbesektio« gegründet. Hier handelt es sich ebenso wie bei der Landwirtschaft nicht bloß darum, bereits ausgebildeten Lenten Arbeitsgelegenheiten zu beschaffen, sondern es «mß vor allem das Augenmerk darauf gerichtet werden, die heute vielfach in unproduktiven Berufen tätigen Juden produktiven Erwerbszweigen zuzusühren. Dementsprechend wurde außer dem Arbeitsnachweis eine Abteilung für Berufsberatung errichtet. Den Bemühungen der Gewerbesektion und der Chaluzim ist es gelungen, eine Baracks in Meidling von der Sachdemobilifterung zu erhalten und sie als Arbeiter- Heim einzurichten, (lieber dessen Exöffnung wurde in den Spalten dieses Blattes bereits berichtet.) Da§ Palästinaamt hielt es für feine Pflicht, schon jetzt alles vorzukehren, um die Auslvaudcvsr vor jeder Benachteiligung und Ausbeutung durch unlautere Elemente, wi« sie besonders gelegentlich^ von MassenyuswMdernngen auftreten, soweit als möglich zu schützen. Dieser Intention verdankt die Jüdischpalästinensische Neife- und TranSsivrtg soll sch oft ihre Entstehung. - Nach Einsetzung de§ zentralen PcklästinaamteS m London hat sich ihm das Wiener Palästinaamt natürlich! sofort unterstellt und arbeitet fortab «ach dessen Weisungen und iw Einklang mit ihm. Finanziell eilte? Gründung des Bsreines .Fieren Kajemeth Lejj« ifrael", ist es dem Palästinaamt gelungen, alle wendigen Mittel selbst aufznbringrn »nd den genanntLr Verein von jeder malexiellen Belastung z«. Heft Derzeit stellen die immer mehr anwachsenden Arbeit stets größere Anforderungen an das Brchget Doch kö sich mit Recht erwarten, daß die Wische Oefftntlich>j keit in Würdigung der schon bisher geleisteten Arbeitj sich auf ihre Pflicht gegen das Palästinaamt besinnen' MM*