Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 200 (9.8.1919)
- Date
- 1919-08-09
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 200 Wien. Samstag Wieit-r Morgettzeittrng 9. August 1919 Seite 3 - Politische Wrmdschau Iudenhetze irr Budapest. - Wde zu erwarten war, wurde der Anlaß des Vtnrzes der Bolschewiken in Ungarn benützt, Um eine ' wüste wüste Judenhetze zu entfallen, die bereits mehrfache Erfolge hatte. Es kam zu Schlägerei«» und pogröniartigen Veranstaltungen gegen die Inden. Bei politischen Dinwülzungen sind wir bereits berartigv Nebenprodukte gewöhnt und gar in diesem Fall, wo bte feudalen reaktionären Elemente die Oberhand gewonnen haben, die immer schon «-antisemitisch waren. Die Juden Habelt in Ungarn eine eigentümliche Rolle gespielt. .Ihr Stolz bestand Immer darin, Wfj es in Ungarn keinen ÄNtiseiNittsMus gab. Und sie waren immer die.vordersten in der Reihe der ungarischen Rationalisten. Das ungarische Judentum hat wie keine andere jüdischen Gruppe der Welt sich von. der 'jüdischen Gemeinbürgschast losgesagt, es hat für die jüdische Volksgofnmtheit nichts übrig gehabt. Abör nlleS Opfer der Würde friichtcte wenig. Das ersehnte Ziel, die Verschmelzung mit den Magyaren, wurde nicht erreicht. Niemals .wurden sie von der ungarischen Gentry, irr derrn Klubs und Kasinos sie sich drängten, als gleichwertig anerkannt. Bereits vor dem Kriege wurde die antisemitische Bewegung immer stärker und merkbarer und im Krieg äußert« sie sich unverhohlen. Die christlichsoziale Agitation fand ein empfängliches Arbeitsfeld. Irr der Revolution Und den verschiedenere Stadien, der. Bersassnngskrife erreichte der Antisemitismus seinen GiMrlpunkt. Während der Räterepublik arbeitete die Gegenrevolution mit richtiger PogrvMLgitation; Bela Sfcm hat v/cederhölt gegen dieser nnfltMge Kampsmittöl Stellung gekommen. Aber das jüdisch-kapitalistische magyaro-chauvinistischv Großbürgertum fühlte sich vom Bolschewismus bedroht und suchte den Schutz der reaktionär-antisemitischen Parteien. Jetzt, nach dem Sieg der Reaktion, kühlen die dunklen Elemente, ihr Mütchen an den Juden. Unter den» Dvrwanb der „Bestrafung" kommunistischer Elemente und Beamten prügelt man jüdische Studenten und Arbeiter.'Daß der Bor- Wand erlogen ist, geht schon darnns hervor, daß die monarchistische Regierung selbst sich veranlaßt sah, gegen die ünti^ semitischen Exzesse cinznschreiten. Das tragikomische Schicksal ' wird den Juden die Augen darüber öffnen, in welcher unwürdigen Rolle sie sich gefallen haben. Die Nationaljüdische Bewegung, die bereits im Krieg erstarkt ist, die von der jüdischen Jugend, Von den jüdischen Soldaten getragen wird, denen die Erlebnisse des FrontlebeNs die Erkenntnis ihres Volkstums und die Besinnung auf sich selbst gebracht haben, wirb den ungarischen Juden die einzige Richtung weisen, die sie geben können. Das ungarische Judenitnm muß den großen Erwachungsprozeß des jüdischen Volkes mitleben, sonst wird es ewig zu einer Rolle schmählicher. Knechtschaft verurteilt sein und den Fluch der Lächerlichkeit trägen. Die Zerreißung Ungarns zwang die Juden der gebiete schon zur Besinnung» auch im Herezn Ungarns kann diese Entwicklung nicht auf sich' warten lassen. * Nachstehend die offiziellen und offiziösen Meldungen: . Budapest, 8. August. Das Ung. Tel.-Korr.-Bur. meldet: Erzherzog Josef und Ministerpräsident Stephan Friedrich erschienen heute vormittags im Ernährungs- Ministerium, wo sich im Laufe bös gestrigen Tages Symptome konfessioneller Unduldsamkeit gezeigt haben. :t Ministerpräsident legte den Angestellten des Ministeriums nachdrücktichst nahe, sich solcher Aktionen zu enthalten, denn wer an solchen Bewegungen teilnehme werde schonungslos aus dem Staatsdienste entj lassen. , . , Ministerialsekrötär Josef Tamassy erwiderte namens der Beamtenschaft, daß die Aktion keinen konfessionellen Charakter hatte, sondem sich bloß gegen die Exponenten der bolschewikischen Herrschaft richtete, mit denen dis Beamten nicht Wetter zu arbeiten geneigt seien, Erzherzog Josef nahm diese Erklärung zur Kenntnis und sagte, daß man das Land aus der heutigen schweren Lage nur mit vereinten Kräfte» ohne konfessionell» Unduldsamkeit herauSfuhrev könne. * Me der ,Hefter Lloyd" auS Budapest erfährt, haben tatsächlich Ausschreitung an gegen die Juden pattgefnnden. Es wurde eine größere Anzahl jüdischer junger Leute geprügelt. AlS diese Ereignisse zur Kenntnis der Negierung gelangten, wurden sie von dieser nicht nur mißbilligt, sondern Ministerpräsident Stephan Friedrich suchte sofort einen ModuS zu finden, um ähnlichen Vorfällen für die Zukunft vorzubeugen. Dies erachte die. Regierung für eine «mfo wichtigere Pflicht, als sie vollkommen lloeral gesinnt sei, und auf dem Standpunkt der unbedingten Kaller politischen Ueberzeugung und in erster Linie lanbensfreiheit stehe. In diesem Sinn« hat sich Ministerpräsident Friedlich auch mit den Budapest«« Ententevertretern verständigt und hat auch alle Vorkehrungen getroffen, um den Behelligungen der jüdischen Bevölkerung seitens unverantwortlicher Element«' ein (Snb^ zu bereite«. Gegen den Aufenthalt Bela Kuas im Thayatal. Die „Deutschen Nachrichten" melden: Gestern uachmrttagS .sprachen du Abgeordneten K i t t i n g e b und Schöcktner beim LandeZharchtmann §5e» e r vor, um ihm von der tiefgehende« Empörung (? I) der Bevölkerung des Waldviertels üb« die Unterbringung Bela Kunö und anderer Mitglieder der -ehemaligen ungarischen Mlere-inrum in einzelnen Orten des Thayatales Mitteilung zu machen. Sir Mim an den Landeshauptmann S e v e r das Ersuchen nach Entfernung der itngairischen Kommunisten. . _ , . . i Landeshauptmann Sever nahm dre Mitteilungen der Abgeordnete» zur Kenntnis und erwiderte, düst feiNerzeit im Kabinettsrat mit Zustimmung der christlichfozial«n Kabinett s m i 1 g l i e d «r der Befchlirß gefaßt wurde, Bela Klm und Genosten m» Waldviertel umerzubrMaen. -Für dielen Beschluß sei die bekannt ruhige Haltung der JÖewUe* riiiig des Wakvvierlels maßgebend gewesen. Eiae BsewsthrMg des Hauptausschvsies gegen die Friedensbedingungen. Re«»ers Bericht über den Stand der Verhandlungen. Ter Hauptaüsichu'i dev Nationalversammlung hielt gestern tiachtiiütags unter dcul Vorsitz des'Präsidenten Seih eine Sitzung ab. au bei' auch säintüche Mngiieder deZ Kabinetts teilnahtucit. Der Leiter der deutsch österreichischen Frledensdelegation Eiaätsumü'r Dr. N e ü ti c r eistüttete einen umfassenden Betucht über den Stand der Fuedrnsvechandlungen, an den sich r>ne lünpite Debatte anschloß. Pittst-nnt H ü u s 6 t beantragte folgende Entschließung: N^t OauptaiiSschuh der deutschosierreichischen Nationalbersanmnungf der verbällniSnckßig aus allen Parteien des Hanfes gewählt und daher die gesamte politische Meinung deZ vandes ausmdi licken bmtfm ist. hgt nach dem Berichte deS Slaats-- kanzlers ans Grund sorglülkigee Erwägung der wirtschaftlichen Lage des ftandcs und ur voller Würdigung aller Pflichten, die der dentschöüerrrichüchcn Üievublik gegenüber den kriegführenden Staaten und siegreichen illkächten aus dem Kriege erwachsen sind, st-nmnnelnhcllig beschlössen. . 1. Die ont 20. Juli!ll!9 votgelegten Friedensv e d i n g.u n a e n der alliier reu Mid assoziierten Mächta sind, dbschon sie im Vergleiche zn den Propositidnttt vom % Juni die Absicht des Entgegenkommens exkentren lassen, politisch» tv r r t s eh a s 1 l i ch tt n d f i n a n z i e l l u n r e a! t s i e rb a r. Die Gesetzgevurtg des Landes fühtbe der Aufgabe, ste dürchzuMreN. ratlos gegen Übet, weil durch sie die Pklvatwirtschäften, dir die auferlrcheu Wien zu tragen bestimmt sind, zum allergrößten Teile ruiniert wären und Zwangsgesetze nur mehr eitle leere Nechtspsiichi bkgtttuden würben, weicher der zu leistende Gegenstüud und das leistungsfähige NechfZfndim^ durch den Zu-« sammenbeuch entwgen wären. 2. Die in der G e l e i t u o t e des StnassiElerS v e t* l a n g t e u A e n d e r ü n g e u erscheinen dem HauplauSschmse als das Mtitdtsimast an ZugestäudnisteN, die erlangt werden Miisten, damit das Land die übernommenen BerpfliMmgen auch hallen könne. Drulschösterrrich wünscht nicht, daß etwas versprochen werde» das nicht gehatteu werden kann. ES wünscht ob« auch das, was es verspricht, redlich zu halten. S. Der H a u p t a u s s ch u ß erhebt iin N a m e n d e § ganzen Landes neuerlich Verwahrung e y e n den B e r s u ch d e S F r i e d e n s e n t w u r t e s, i e T a r s a ch e n z u d e r g c w <t l t i g e n, indem zwischen den Völkern der Dottüumonatchiö ein wechselseitiger Kriegsz u st n n d s t n gi e r t w i r b, der niemals bestanden hat, und das klare Nechtsverhältnrs gemeinsamer Nachfolge aller Nationen durch ein Diktüt aus der Welk zu schllffen. Ktiue.uoch so feierliche völkerrechtliche Urknnde kann kerretieren, daß Recht nicht Recht ser, und wa^ nie sich ereisuet hat. Tatsache werde. Aber auch keine solche Wunde kauu dem tntiottnleu Selbstbestimmüngsrechte. das au allen unsctzett H'.enzeu pergemaltigt werden füll» dauernd präjudineren und die Baüde der Blulsverwandschaft lösen, die Uiis mit ME bMohten VolksgWM bMmden. 4. Insbesondere verweist der HaUPIansschust auf eine Lücke d«'s vorliegenden VerttagsttUwurfes, w'lche ihü allein undnrchfüü'.bar machen mußte. W;nu die alliierten, und, assoziierten Mächte schon ewn Teil der cfunMS ästerkftKisch--üUgarischen Nütlonen als Kttegsührciide dtzzeichuen, so^ lattn diese Auf-- fasslittg unter ank Konten IfUrstlind-N aus lln g ft r N Anwcndullg fiflbMt. Das völkerrechitiche Subjekt. des. Krieges war' die osterrcichischckiNgMfche Monarchie. ...Lastm, die aus dem Titel der Ktlegsührnug austtlegt wncheu, können nur O e ft t rr e l ch und Ungarn .gemeinsam treffen. Der Schlüssel für die Änfieiluug dev gemeinsamen Leiftung war bisher die sogenannte Ouote. Bei deren Berechnung kam natürlich das Bolksvcrmogeu und die LeistuntzSMtgkeck .all« österreichischen Länder, Böbmen, Mähren, Schlesien, Gallziendie Bukowina und das Küstengebiet eingeschloffeft, m Anschlag. Dieser Schlüssel wird absurd, wenn « der künftigen Ausemandersepung Deutschösierreichs mit Ungarn zugrundegelegt werden soll. Solange Nicht sMrsctzt wird, in welch« Weese die Ausetnandersehung zwischen Oesterreich und Ungarn erfolgen soll, ist de« Frltdönsverttag wegen eines wesentlichen Mangels mcht voll-- ständig und Nicht durchführbar. 5. Der Häuptausichuß erkennt die Notwendigkeit und de» Vorteil eines raschen Friedensschlusses und schließt sich daher Mt allem Nachdruck dem in Saint-Germain erftatletktt Vorschlag des Staatskanllers an, alle auf das Verhältnis zwischen bm kriegsnhMden Mächten und Deutichö st erreich bezüglichen Rechtsverhältnisse sofort durch den Friedensvertrag zu rrledige», dagegen. alle durch die Llguidaüon der Monarchre zwlichen de» SukzesstonSftagten hervorgcrufeueu RechtSverhäliulsie, einschließlich jenes zu Ungarn» einer b t f o.»Ji e x e n K o mtn i f s i o n z n z tu» eisen. Als drese Kommission, konnte unter der Voraussetzung, daß in ihr Deutschofterreich eme angemessene Vertretung ekugeräumt wird, sehr wohl die RtParö» tionSkommrssiott oder die im Artikel 211 vorgesehene Liquidierungskommission gelten. Der HaMaasschnß erwartet, daß unser unglückliches Volk Gehör findet, und daß die alliierten und assoziiertin Machte ,m dauerden Interesse ganz Europas und somit in ihrem eigenen Interesse Deutschöstetreich lebensfähig gestalten." Präsideut Dr. D i n g h o f e r erklärte feine Zustimmung zu dieser Refölntion und beantragte überdies nachfolgende Entschließung: „Angesichts der Gefahr, daß Deutsch-West-» Ungarn neuerdings zum'S ch a u p l a tz,k r i e g e r r s ch er üderrevoluttonärerErergnissr gemacht werde, ersucht der Hauptausschuß, die dMchöftermchilche Fredensabordnuug zu Saint-GcrMam, bei dru ülllirrien und assoziierten Mächten dringe nddsrstetlig jut werden, durch ihre S i ch e r h e i t s o r g a n e in dem Gebiete, von Deutsch- Westungarn die Ruhe und Ordnung zu sicher», bis baS’ deutschweftungarische Volk selbst durch Volksabstimmung unter neutraler Kontrolle Über seine staatliche Zligehörigkeit entscheiden wird. Abgeordneter Leuth it( t stimmte den Ausführungen der beiden Vorredner zu und stellte den Antrag, den Bericht de3 Staatskauzlers Dr. Neuner g e n e h m t g e n d zur Kenntn r S ztt nehmen. ' v Die b e iden E n t f ch l i e ß u n 8 r n und der Antrag L e u t h n er wurde« einstimmig än g e n o nt m en. Zur Erledigung einer Reche don Fratzen der mneren Polmk wird der Hauvtansfchnß p e u t e, S a M s t ü 8 v o t trt 111 ü ß 5, neuerdings zusammentreten. KiMneitskat. Nach der Sitzung des Hüttpiausschusses trat gestern abends der K a b i n e t t s r a t zu einer Beratung zusammen. Er beschäftigte sich fcnf Grund eines Referates des Staatskauzlers und Leiters der Frievensdelcgation. Dr. Re n ne r, mit der welche.g e s e tz l t ch e n Wd ü 8 M i ft i ft t d t i b c n Maß-^ Nahmen von der ReqlerUltg vorzubereiten skr« werden, um s u r d e« Fü ll d er U tt terz ei ch nun g d e s FrttdeySv e r t r a g -e s oder für de« Fall ,d e r R i ch t- «nterzeichnung die not.wendlgen Bork e hru n g e n zu t r e s f e n. Aü der Debatte, die sich hieran! knüpfte, nahmen alle Staatssekretäre rege« AM. Die Verhandlungen ballerten bis ist die spate« Nachstunde«. StKKtskMzleV Dr. Mesrner Mer die Gefahr eines WzrtschaftLicheR ZusaMMerrbrrLches. Warnung Vor einer KulLurkatastrophe. Zürich, 7. August.. Die Schweizerische Depeschenagentur ist in dar Lage, folgetch-e Aeufterimgett des Staatskanzlers Dr. Nrnner, der mit dem größten Teil ' der delltschösterreichisch-en FriMnSdelegfttiön heute üüf der Reise nach Wien Zürich passierte, zu veröffentlichest. Stafttskanzler Dr. Renner führie aus: Wir haben auf die gesamten Friedensbedingungen der Enkestte eine Gvsamtasttrrwrt gegeben, und «t<m fügt uns daß nunmehr die Mächte binnen kurzem uns einen Gesamkbescheid zubommen lassen Mvllen. Noch können wir nicht ah neu, wie diese' Entscheidung lautön wich. UnS beherrscht das gMche Gefsthl Langer Spat,«ung, bas vor Ausbruch einer Külturkatastrophe alle Lebewesen ergreift. Am Tage nach der Entscheidung kann, wenn sie nicht von der Rücksicht auf unsere Lebe nsfähigkeit getragen ’ ist. eine entsetzliche ökonomische Erschütterung durch unser Heimatland gehsn. Ich bin sehr zufrieden, daß das S ch r e ck g e s p«n ft des Kvmmu ntSMUS wöggerällmt ist und baß nunmehr bio Dinge ihreir rechten Namen haben. Nicht Weggeräumt ist die reale Gefahr eines würt-' s ch a f t l i ch e n Z u s a m m e n b r u ch e S ehnegleichen, d er in seinen letzienAuswirkungen alle Nachbarstaaten tnitreißeu wird. Die Krise von 1673 war bagogen ein Kinderspiel, sowohl Was' UusdohnNug als ttüch ÄilfteckungSktaft betrifft. Wir Haben es aufgegoben, die FriedenSbedirigungen gegenüber .den kriogführouden Enttnmnächten' abzuwehren. Wir sind uns ihrer ganzen Schwere bewußt. Was wir nichtannehisten köunm, sind die Greben und einige 'unbegreifliche Bestimmungen über das wirtschaftliche und fiNünZielle Verhältnis zwischen Uns und den Erbstaaten. Hierin geschieht uns unverantwortlkchsS, unsühttbares 'Unrecht, wenn der Friede so bleiben soll, wie er vor ge schlagen, ist. So soll Deutschvsterreich mit allen Schulden belastet werden, die das alte Oesösrvtzich im- ÄuSlaud hatte.. ES ist doch klar, daß ein Fünftel dev Bebölkörung -die Lasten des früheren Staübrs nicht tragen kann, nzch dazu nach sünfjährtgeiir Kriegs und Auflösung. Den Beamten und Militärpersvneü des früheren Oesterreich werden leine Ansprüche gegen die Nachfolgestaaten M erkannt. Wohlerworbene Rechte alter Bettle, bte sie sich durch die Arbeit ihres Lebens srtvvrben haben, werden so in Frage gestellt. Eine harre, grausame Bestimmung. Und der UmrechnnngSschlttssel! Wenn, mein Schneider - vder Schuster ein Tscheche wäre, müßte ich für 1ÖÖÖ Kronen, die ich ihm schulde, 3509 Kronen zahlen < Eine Bank, bei der 106 Millionen aus den anderen Teilen der Monarchie eillgelegt. wurden, .müßts 360 MiMoM« zurückzahle«. Diese Bestimmung ist einfach unburchfüMSar. Unk die Verhandlungen nicht in die Länge zu ziehen, haben, wir uns ontschlosfM, vorzüfchlagen, daß die Rcparati-onskommission diese Fragen zu regeln berufen werde, und blcs, kommissiörk ein Organ der 'Enteilte ist und in ihr die injeresfieriett Nationalstaaten vsrtveten sind. Wir habtzn den Vorschlag im Bewußtsein nnsersr. Schwäche giöinacht, unt Überstürzte Bestiittnumgen zu vermeiden, die eine unselige Verwirrung hervorruftn müßten, doch undurchführbar wären und den Anschein ertvecken könttten, daß wir die Friedensbedingungen nicht einhätten. Zur Frage der Z e t ch lk u N g d ö s Ä e r t r a g ü S durch D^'UlfchÜstövreich sagte Dr .Renner: Ich weist noch rucht, ob ich selbst den Mut der Brsüntwortung' >aufbringe, einen Vertrag-zu zeichnen, der aus der gc-4 schichklichen Unwahrheit beruht, daß DvUtschöstrrreich gegen feine Schicksalsgenossen des ckltvN ReichüS Krieg geführt habe, einau Vertrag, der in bet Frage bt* Rechtsnachfolge positives völkerrechtliches unrecht zu Rvcht^ erheben soll. Die Ausechtungsgründe gegen einen solchen Vertrag werden ,tausendmal so stark srin wi« gegen bH Fraulsurter Frieden. JMrrfälks wMen die. Gesanttregierung' und der Hauptcmsschuß unserer Nationulverfammlung, denen ich Bericht zu erstatten nach Meu reise, zunächst zu entscheiden haSsn. bis zun elrki^n Grad« der Mästung' ein?. E.'.^..m-ortüng voll n r VMpcckr'rtillig ttdörnsmnten w^rdrn l'.r.nn