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Wiener Morgenzeitung · 1919-08-07 · Heft 198 (7.8.1919) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 198 (7.8.1919)
Date
1919-08-07
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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i Seite 4 Wien, Donnerstag ’l*. r-AVJ;-,1"1.'" ' '**"** .»’.- ---- |W"-| I Mss Tagesbericht. Ansere Spitäler. Schon vor dem Kriege riefen die unzulänglichen Spitalsverhältnisse in Wien laut nach Abhilfe. Damals handelte es sich hauptsächlich um den Bettenmangel. [Ihm wurden ja während deS Krieges hier eine große Anzahl von Militärspitälern geschaffen, die jetzt bis auf die beiden Garnisonsspitäler 'und. die Anstalt in Grinzing auch den Zivilpatienten geöffnet wurden. Zudem sollte man glauben, daß die allgemeine Abrüstung, der Soldaten eine bedeutende Entlastung der Heilanstalten. zur Folge gehabt hat. Das ist aber leider nicht der Fall. Denn ein großer Teil der Pflegestütten sind eigentlich nichts anderes als Obdachlosenheime für zum. großen Teil genesene Heimkehrer, die sich aber —' wohl auch mit Recht — nicht auf die Straße werfen lassen, weil sie ja oft infolge noch nicht.vollständig hergestellter Arbeitsfähigkeit oder infolgeder Heringen Arbeitsmöglichkeiten ohne Obdach und Nahrung dastünden. ' y v.. ,rr; - Wenn auch die ins Leben gerufenen Betriebs- und Patieutenräte der Spitäler die Ansicht der Aerzteschaft teilen, daß nicht Spitalsbedürftige zu entlassen sind, so scheitert doch ihr guter Wille au der rauhen Tatsache der Wirklichkeit, daß für die große Zahl d^r, Invaliden, der noch nicht Arbeitsfähigen uudArbeiisfofen derzeit nur wenige andere Uuterrunftsmöglichkeiten oestehen als in den Spitälern, wo sie eventuell noch' den Nachbehandlung unterzogen werden. Auf dem Papier ist wohl die den Zivilpatienten zur Verfügung stehende Bettenzahl durch die Bewilligung der Ausnahme in den früheren Militärspitälern vermehrt, doch ist die Aufnahme an so virle Fornllichkeiten (Anfrage au den Sani-ütsches, Vorausbezahlung der Verpflegsgebühreu) gebunden' daß die Bevölkerung praktisch davon keinen Nutz.'» hat. Dieser augenblickliche Zustand, der sowohl,. im Interesse der Allgemeinheit als auch der Heimkehrer unhaltbar geworden ist, bedarf also dringend einer Aercherung. Es niüßten int Einverständnis mit den Jnvalidenräten die nicht spitalbedürftigen Und ambulanten 'Kranken rücksichtslos entlassen werden, um den Platz teils für die aus der Kriegsgefangenschaft H'eirnkehrenden, teils für die Zivitpatienten zu räumen.-Für die Entlassenen müßten andere Objekte, wie Baracken, leere öffentliche Gebäude, herarrgezvgeö. iverden, dir infolge der Wohnungsnot als Unterkünfte bienenkönnten. . . p? Denn die Aerzte können , sich nicht dazu hergeben,. in Heilanstalten Dienst zu machen, Mio sie keinen Patienten haben. So erzählte dieser Tage ein-junger i-Arzt,. daß er bei 24stündigem Dienst in einem Spital mit,einen: Belag von 600 Kranken nicht «in einziges Mal von einem Kranken gerufen wurde oder Gelegenheit zu einem auch. nur kleinen ärztlichen Einrisse hatte. Diese Tatsache läßt doch sehr tief.-blicken. Sie bewerft -zur Genüge, daß die Spitäler wenig Kranke in dem üblichen Sinne beherbergen.' Ein Obdachlosenheim bedarf keiner Aerzte, die doch schließlich in Heilanstalten die kostbare Zeit verbringen, um die im Kriege versäumten Kenntnisse und Fertigkeiten nachzuholen. Hier trifft weder die Aerzte, noch die Soldaten eine Schuld'. Beide haben von ihrem Standpunkte aus Recht. Doch was not Lut, ist eine radikale Aenderungi iw angedeuteten Sinne, die Schaffung von vorübergehenden Heimen für spitals entlassene Soldaten. 1 A Die.Kranken der Bevölkerung finö* schließlich auch Kriegsbeschädigte, ihr Leiden ist eine Folge der Not und Aushungerung im Kriege, sie sind auch unglückliche Kriegsopfer. Die Schande, daß ein Kranker in Wien infolge Platzmangel keine Aufnahme in einen:' Spitale findet,. daß Kinder und Tuberkulöse ohne Pflege in einer Elendswohnung verrecken, muß aushören. Der Krieg hat uns genug Menschen getötet, versuchen wir ru retten, was noch zu retten ist. ' - > -7 c,_'_Dr. Sanel Beer. --- LharnpagneegeLags zugunsten der Volkswehr? - Man schreibt uns aus Leserkreisen: ' -; v: -V-* 5n einer Zeit, da die Polizei bei Ueberschreitungen mit den schärfsten Maßnahmen droht,' der Küchenbrand -in Frage gestellt ist, die Bevölkerung fortwährend durch die Einstellung des Straßenbahnverkehrs beunruhigt wird, und wir tatsächlich nur auf die Güte unserer Hachborn angewiesen sind, gibt es noch immer in Wien da und dort reichliche Gelegenheitzum Amüsement. Gestern wurde mit polizeilicher Bewilligung im Kuba re t M.axim, 1. Bezirk, Rauhensteingasse, ein Fest für wohltätige Zwecke zugunsten der Bolkswehr arrangiert. Was die ehemalige vsterreichischungarjsche Monarchie an zweifelhaften Existenzen auf- 'zuweisen, hat, war vertreten, um sein Solidaritätsgefühl auf lärmende Weise zu bekunden; man sah Magyaren 'in Massen und goldbetreßte polnische Offiziere fehlten nicht, welche bis in die Morgenstunden hinein bei wüsten Vhampagnergetagen der. Humanität zu dienen suchten. (Es wäre höchste Zeit, wenn die Behörden solcherlei -Veranstaltungen ' mehr * Aufmerksamkeit zuwenden Witten. Daß zugunsten der Volkswehr derartige Unter- (haltungen stattfinden, erscheint verwund.erlich', wenn man Mrt, daß sich diese um die strenge Einhaltung aller einschränkenden Vorschriften müht- und keinen Rucksackfträqer ohne Kontrolle aus einem Bahnhof hmansliHt. Wiener Morgsnzeitnug - --— ’ •* > 'V Wie Bela Kun als Internierter lebt. Bela Kun ist in einem Dörfchen des Thayatales untergebracht. Er wohnt bei einem Müller. Für ihn und seine zwei Genossen, ebensalls ehemalige „Volksbeauftragte", wurden von der Bezirköhauptmannschaft zwei Zimmer beschlagnahmt. Die drei Männer wohnen in einem Zimmer, während im zweiten, unmittelbar'daneben liegenden Zimmer die Bewachungsmannschaft der Gendarmerie untergeb rächt est. Die Bewegungsfreiheit ist den Internierten nur insofern gewahrt, als sie sich in dem O b st g a r ten, der dir Mühle umgibt, aufhätten können.. Auch da stehen sie unter fortwährender Bewachung^sr zwanzig Gendarmen, die mildem Aufsichtsdienst betraut sind. Bei Bela Kun und seinen Genossen wurden sehr große. Geldbeträge pvrgrfnnden, die ihnen abgenommen wurden. Sie sind auch "reichlich mit Rauchmaterial .versehen. Der Lebensmitteleinkauf für ihre Mahlzeiten wird mit ihrem Geld besorgt. Nebenbei bemerkt,, sind die Lebeusmittetpreise in der Ortschaft bei weitem geringer als die in Wien geltenden Preise. Es gibt Kort» genügend Fleisch, Milch, Eier und Butter. Die Mahlzeiten werden .. int Mühlengebäude zubereitet. ■ ZZ Bela Kun, der von den Gendarmen mit seinem neuen Namen angesprvchen wird, macht durchaus nicht, den Eindruck, als vb er sich gedrückt fühlen würde. Er. ist über die Vorgänge, die sich seit seiner Flucht abgespielt haben, genau unterrichtet. Die Bevölkerung des Ortes hat in einer sehr stürmischen Versammlung ihÄ'rMirüftung Ausdruck gegeben, daß man Bölä Kun dort untergebracht hat. Es wurde ein P r v t e ft beschlössen, der dem Bezirkshäuptmarm mit der -FoPderungilLerbLacht wurde, Bela Kun müsse-, bis n ä ch st en S a m s t.a g ausder Gemeinde wieder entfernt sein. ' . - Der Protest der Bevölkerung gelangte im Wege der Bezirkshauptmannschaft an die Regierung, welche den Auftrag erteilte/ es möge auf die Bevölkerung eingewirkt werden, daß sie sich.beruhige,. da die Unterbringung Bela Kuns nur «ine vorübergehende sei mnb überdies altes vorgekehrt wurde, um Zwischenfälle irgendwelcher Art unmöglich zu machen. Die politischen Vertrauensmänner des. Bezirkes wurden' angewiesen, in-ihren Kreisen auf die Vermeidung von Konflikten 'hinzuwirken,.die sich aus dem Aufenthalts Bela Ku ns ergeben könnten. l : In her Nacht vom 2. auf den 3. d. M. ist Belch Kun in Begleitung zweier Genossen in H'aibl- Michle Lei Kolmitzgraben im Thayatal, Bezirk Raabs, eingetrvffen. Von der Regierung wurden Bela Kun und seiner Begleitung zur Bewachung sieben Gendarmep beigegeben. Die Stimmung der Bevölkerung, die erst v jetzt erfuhr, wer in ihrer Mitte weilt, ist eine äußerst gereizte, da sie unter keinen Umständen Bela Kun unter sich dulden wuk.''M^wLrdenchereits Vorbereittmven 4n arinken Kikndaeb'nnaö'-n . m'p'frfip hü» gen zu großen KirnÄgeLüngrn getroffen, welche die sofortige EntseMung Bela Kuns-'verlangen' ■ .S'V, ' Vv-- ’ -,. "p--: Eine Rots der polnischen Gesandtschaft in Wien in Sachen.der Ausweisung der galizischen Flüchtlinge. Aus Krakau wird telegraphiert: Einer Wiener Meldung der „No w a R e f o r m a" zufolge überreichte der Polnische Gesandte in Wien, Dr. S z a r o t a, dem Staatsamt .für Aenßeres eine Ndii in Sächen der g ä l i z i s ch e n'F l ü ch t» litt fl e. Die Note macht darauf aufmerksam, daß über das Schicksal der galizn'chrn Flüchtlinge nicht eins eitiy vor Liquidierung des Krieges entschieden werden könne. Der Hmweis auf die mangelhafte' Approviswnierung Wiens sei n üch t st r chh 8 l t i g, da die Lebensmittelsendungen der Entente für die gesamte Wiener Bevölkerung, also. auch für die galizischen Flüchtlinge, Veftittlmt seim. Die Evakuierung der galizischen Flüchtlinge könne nnr sukzessive .vorgenommen werden. Wredergestattuttg des Ruckfackvevkehres? Die „Deutschösterreichifche Slaatskorrefpondenz" meldet: Obwohl man an leitender Stelle der -Landesregierung sich der Einsicht nicht mehr verschließen kann, daß das Nuckfackverbot in der jetzigen Form u n h a l t b a r geworden ist, machen sich von sozialisüscher Seite, hinter der besonders die Wünsche der Volkswehr zu stehen scheinen, kräftige Wiederstände gegen eine Abänderung des Verbotes geltend. Im Laufe des» heutigen, eventuell morgigen Tages wird eine Z u s a m m e n t r e t u n g der maßgebenden Stellen stattftndev, in der d i e E n t s ch r i d n n g über d e n R u ckfackverkehr fallen wird. Angesichts der Tatsache, daß das absolute Verbot entschieden ein vm efahr fowo h l kür die E r n ä h r u n fl als im Hinblick auf die jüngsten Vorkommnisse auch für -die Ruhe der Stadt Wien bedeutet, gibt man stch der Hoffnung hin, daß die Entscheidung in jener Zusammmtutuuß wenigstensfür eine einschneidende Mild erunp des Verbotes fallen wird. - (Es wäre nur zu begrüßen, wenn die maßgebenden Stellen sich - zur Aushebung oder wenigstens Milderung des Verbotes entschließen würden. Die Not ist an sich groß genug und die Blockade der Bauern uiuß nicht erst durch ein.Verbot des Rucksackverkehrs . verschärft werden. Man mag gegen den Schleichhandel vorgehen^lvie. man will, aber der kleine Selbstversorger darf nicht dem-Hunger ausgeliefert werden. Die Red.) Eröffnung des DamPferverKehres Wien— Preßkrrrg. Auf Grund der zwischen der tschecho-slowakischen Republik und der Douau-Daurpfschisfahrt-Gesellschaft erzielten Uebereiukornmeik wird Gamstag den 9'. d. M., wie berichtet, der regestnämge Verkehr der PerZ.onendampfer zwischen Wien und Preßburg eröffnet. Die Dämpfer werden dreimal in der Woche, und zwar DienStag, Donnerstag, und Samstag, verkehren. Das Dampfschiff wird in Wien (Weißgärberlände) um 7 Uhr früh torgsöhren 'uz,d um 10-' Uhr v-irmittags in Preßburg a-itvminen. Aus Preßburg wirb der Grgendampfer an den p.lercheil Tagru u>u '1 .Uhr nachmittags i adjahreu Ujid u,U .7 Ubr in Wien eiutressen. Sobald eZ die 7. August 1819 , ‘ Nr. 18s ,1. Verhältnisse ermöglichen werden, werden die DämpfschiM bis K o m o r n fahren. , - ■ tz... llcberstedlung der tschechischen.Paßstellen, '' Die tschechische Paßzeutrale überjiedelte gestern, dornrittags aus dem Lobkowitz-Palais in die Walluerstraße 3, die Filialeil tut 2. Bezirk, Große Pfarrgaffe 1,, und aus dem 8. Bezirk, Josesstädterstraße 103nach dem 3. Bezirk, , Vordere Zollamtsftraße 5. Ans biefem Grunde wird heute in den aiigesührten. Paßstellen für die Parteien nicht, amtiert^ Es wird hervorgehoben, daß . weder im Harrach-Paläis nochii. im Lobkvwitz-Palais Paßausuchen erledigt werden. - - Das Wiener juristische Doktorat irr Polen» Hierzu schreibt inan uns: „In den Kreisen der interessierten Studentschaft sind vielfach falsche Nachrichten verbreitet, wonach^ das in Wien erlangte Doktorat der Rechte und die einzelnen in" Wien bestandenen Prüfungen, und Rigorosen in Polen n i ch t a n e v kannt werden. Nach einer uns am heutigen.Tage. Übermittelten Zuschrift des „Totv. Bibliote^i alucbaczöw prawa we Lwowie“ wcrden sowohl das an der Wiener Universität e r l a n g k e D o k t o r a t 'o h n e No st.r ifizierumg wie auch die in Wien bestandenen P r ü f u n g e n n n d N i g o r o s e n n u r g e g e n B o rw.e i s ü n g der D e k a n a t s b e st ä 1 i g n n g (Z e u gn i s s,e s) an e r k a n nt. Es wird auch jeder Student nach; Vorweisung des Index mit bestätigtes Semester in das nächste Semester' inskribieren können, wenn er das vorgcschriebene Abgangszeugnis.mitbringt. Im. Briese heißt c§ allerdings, daß. diese Zustände nur, vorübergehend sind, worauf wir besonders'" aufmerksam. macheM Jedenfalls sind die umlaufenden ■ Nach».. richten grundlos und liegt momentan keine'Ursache zur Denn-. nchignng vor". - . > -, Der Ankauf der Zinsscheine. ' Es ist dein deutschösterreichischen Staatsamte für Finanzen zur Kenntnis gekommen, daß Personen, welche in keiner Gemeinde der auf dem Boden Oesterreichs, bestenden Nationalstaaten^ heimatberechtigt sind, aber die Erklärung über die deutschösterreichische.Staatsbürgerschaft bereitZ .vor dem 13.März 1919 abgegeben haben, die Kontrollbezeichnung sowie der Ankauf der Zinsscheine ihrer Schuldverschreibungen des - ehemaligen .oster- , , reichischen Staates von den in Betracht kommenden Stellen verweigert worden ist. Es wird demgegenüber darauf aufmerksam gemacht, daß in jenen -Fällen, in welchen die deutschvsterreichische! Staatsbürgerschaft bereits vor dem 13. März 1919 erworben wurde, die Schuldverschreibungen, des che-' maligen österreichischen Staates - zur Kontrollbezerchnung zug e l"a s s e« tv er. d en und der Anlauf der Zinsscheine derartiger Schuldverschreibungen durch die dentschösterreichische Finanzverwallung ohne tpeiteres vorgenommen wird, wenn die sonstigen für die Koutrollbezeichnung und den Ankauf der Zinsscheine vorgeschriebenen und verlantbarten Voraussrtzunaru gegeben sino. (Im Allgemeinen a) für die Koutrollbezeichnung: / Wohnsitz sSitzj im nicht besetzten Gebiete Deutschösterreichs, keiue- Betriebsstätte im Anslande, Erliegen der Schuldverschreibungen im Inland? bereits vor. dem 13. März 1919, bei Kriegsanleihe Erwerb vor' dem.1. November. 1918; b) für den Ankauf dev - Zinsscheine: Eigentum an den Obligationen, Wckhnsitz Idauernder. Aufenthalts in Deutschösterreich verwalteten - Gebite - Deutschösterreichs, Gesamtjahreseinkommen aus den anderen National-, staaten oder aus den besetztcw-Gebieten 'Deutschösterreichs nur dis zum Höchstbetrage von K 5000, Vorlage des mit der An- - nahmebestatigung versehenen Anmeldungsausweises). . " BetrugSVersuch an der Warenverkehrsi' Z ' zentrale. / ' ' Heute, wurde hier der aus Ungarn ^gereiste Kaufmann ' Leo B o 'n i tz e r verhaftet. Er versuchte bei dev Warenverkehrszentrale auf Grund gefälschter Frachtbriefduplikate Tuchwaren im Werte von f is n f M i l l i o n e n K r o n e n herauszulocken . und hatte bereits 18 Ballen zur Bahn geschasst als der Betrug entdeckt wurde. Razzia ans ValutähandLer. f Perlnstrievung der Gaste im Cafö Adler. . - Gestern nachmittags umstellten Polizisten und Volkswehr«- - männer das Caf6 Adler am Schotteriug, wo seit längerer Zeit ein schwunghafter Handel mit fremdem Geld getrieben wird. Da sich die Valutahändler mit ihrem Handel nicht auf die Näumlsthketten des Kaffeehauses beschränkten, sondern auch aüf den Trottoirs vor dem Kaffeehause regen' Handel trieben» bildete die Polizei ein Kordon um das Kaffeehaus und die zahlreichen Valuta^ . Händler wurden in das Kaffeehaus gedrängt, wo eine Perlustrierung aller Gäste durchgeführt wurde. Zahlreiche Personen, die stch nicht genügend ,ausweiscn konnten, wurden sofort der Polizeidirektion überstellt.' Fremdes Geld, ungestempeltes österreichisches Geld und andere Wertsachen, im -. Betrage von einigen Millionen wurden von der Polizei.mit . Beschlag belegt. Die Perlustrieruvg hat unter den Gästen des Kaffeehauses nicht geringe Panik, unser dem Publikumam - Schottcnr'mg Aussehen hervorgerufen. Nachträglich fand man in den. verschiedenen Ecken und Verstecken des Kaffeehauses tausende verstreute und weggeworfene Papiernoten. . Von anderer Send erfahren wir: Die Razzia wurde' von Organen des Kriegswucheramtes unter Zuziehung von Vertretern der Volkswehr und des- Arbeiterrates Innere Stadt' durchgeführt. Sie währte von 7*4 Uhr bis 7 Uhr abeudß. Das Kaffeehaus war sehr stark besucht und cs wurden insgesamt, Hunde r tsiebzig Personen perlustriert. Von diesen wurden elf Personen wegen. Kettenhaudels in Hast behalten. Gegen zwanzig Personen wurde die Ausweisung beantragt. Sechzig Personen wmden der Fmauzbezirksdirektiou wegen unbefugten Handels mit Devisen 'usid Valuten-angezeigt. „ Bei der Razzia wurden beschlggnahmt: K ‘2,130.000 in dcntschösterreichischcm Gelbe, dann in fremdem Geld?:. 100.000 Mark, 20.000 Rubel und 19.000 Lei, außerdem einige l600 Mark in anderen Devise», voruclunlich der Nativnalstaateu« Die Kaffeehausgäste hatten sich znm Teile heimlich ihres Geldes entledigen wollen. Herrenlos wurden Pakete mit 50.000 Mark und 30.000 Mark gefunden.. Ans dem Klosett wurde ein Betrag von 15.000 Lei gefunden und beschlagnahmt. * Keine Verleihung neuer Konzessionen zunt Betriebe der öffentlichen Agentie. Das S t a a t s a nt I f ü r Inneres und Unterricht hat gestern an alle Landes- ' regiernngen nachstehenden Erlaß gerichtet: Das Staatsamt für Inneres ist der Anschauung, daß gegen die Verleihung neuer Konzessionen zum Betriebe der öffentlichen Agentiö, .solange das ans den gänzlich veralteten Bestimmungen des HofkanzleidekreteZ vom 16. April 1853 beruhende Institut der öffentttchcn Agentie * nicht, auf neue gesetzliche Grundlagen gestellt ist, die den Be- ' dürfttissen und Verhältnissen der G e g e u w ct 11 vollkommen Rechnung tragen, schwerwiegende Bedenken obwalten. Es dürft« .stch daher empfehlen, von der Verleihung neuer Konzessionen, los lange die erwähnte Voraussetzimg nicht erftillt ist, weiterhin Zlbstand zu nehmen. Das Staats a m t f ü.r I u st i z, mit dem diesbezüglich das Einvernehmen gepftogeu wurde, hat sich dieser Ausfasiuna angeschlossem

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