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Wiener Morgenzeitung · 1919-08-06 · Heft 197 (6.8.1919) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 197 (6.8.1919)
Date
1919-08-06
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Wien,. Mittwoch Wiener Morgenzeitung 6. August 1919 3lt. 197 Das okkupierte Ungarn. StraßenkLmpfe. Salven auf Arbeiter. — Entwaffnung des Militärs und der Polizei. Budapest» 5.' August. lTel. der „Wr. Myrgenztg.") In einrm von Arbeitern bewohnten Viertel Budapests kam es am Montag ivät abends zu B!ntuergccsic n- Die Rumänen haben die Straße«, die über das Bahngelcise führe«, um 6 Uhr abend? adgesperrt, so dasi nicht einmal die Straßenbahn verkehren tonnte. Biele tausend Arbeiter, bic von ibren Fabriken und Bureaus nach Harlfe wollten, waren gezwungen, die Nacht i m F r c i e n z u z u b r i n g e «. Ewige von ihnen wollten trotz der Absperrung versuchen, in die Stadt zu koMrnen. und bemühten sich, den rnmänischen Müitnrkordon?,it durchbrechen. Das rumänisch M 1111 ä r antwortete hierauf ohne Warnung kurzerhand mit S ch ü s s e n, und durch die G ew e h r s a l v e n w u r'd e e i n e großeAnzahlvon Arbeite r n getötet. Alle öffentlichen Gebäude mit Ausnahme der Ministerien sind von den Rumänen besetzt worden. Das ir.niciiiifdjc Militär zersprengte die neu organisierte Staatspolizei, »o daß seit gestern abends kein einziger Polizist';um Schutze der Bevölkerung zur Verfügung steht. Die Straßen find von' Wache vollständig entblößt, nur hie und da ziehen tmnihiiV:: Patrouillen durch die Straßen. Ebenso wurde von sen rsiuiiuischen Truppen das in bctt Kasernen konsigniertgewesene ungarische Militär „entwaffnet Die pogromlüsternen Szegediner Truppen. Budapest» 5. August. (Tel. der „Wr. MoHenztg.") Die Entente ist bemüht, den Einmarsch der Szegediner TruppeninBudapestzu verhindern, well sie befürchtet, daß die aus ehemaligen Offizieren bestehenden Regimenter der Gegenrcvolutionäreu beim Einzug in Budapest einen Pogrom inszcnierm könnten. Da dieser Einzug bisher nicht erfolgte, obgleich Czeglrd kaum 80 Kilometer von Budapest entfernt ist, glaubt man in informierten Kreisen, daß '«n Einmarsch auch weiterhin unterbleiben werde. - Budapest hungert. Seit drei Tagen ist hier eine wertere Verschärfung der Hungersnot dadurch eingetreten, daß die einzige Korn?a:.:mrr Budapests, die von der reichen ungarischen 8bene der Hauptstadt noch zpr Verfügung gestanden hatte, durch den Vormarsch der Rumänen ab ge sperrt wurde. Die Bevölkerung leidet unbeschreiblich. Trotz aller Bemühungen ist es bisher nicht gelungen, Lebensmittel nach Budapest zu schaffen. Der Ministerpräsident hat sich heute, mit General Mardarescu und den rumänischen Besatzungsbehörden in Verbindung gesetzt, um über Erleichterungen bei der Lebeiismittelbeschafsung zu verhandeln. Die Rumänen haben jedoch heute'auch noch die Eisenbahnbrüüen besetzt, die über die Donau führen und damit jede Zufuhrmöglichkeit abqeschnitten. Der rumänische König auf dem Wege nach Budapest. Bukarest, 5. August. (Funkspr. der Tel.-Komp.) Das rumänische Prcffebureau meldet: König Ferdinand wikd heute nach Budapest abbrerfen. Zn seinem Empfange werden auf der ganzen Strecke große Vorbereitungen getroffen. Das okkupierte Ungarn. Rumänien triumphiert. Bukarest» 5.. August. (Funkspr. der Tel.-Komp.) Das rumänische Preffcburecmx meldet: Heeresbericht des rumänischen Großm Hauptquartiers vom 4. d. M. Ostfront: Aus st r a 1 egischen Gründen wurde heute die Besetzung von Budapest durch unsere Truppen durchgeführt. Somit wird ganz Ungarn, daSvonunS besetzt ist, alS DesatzulrgSgebietbetr achtet. Westfront: Entlang M Dnjestr kleinere Geplänkel. Die Rumänen in Budapest. Budapest, 5. August. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Oberstadthauptinaun Dietz erklärt: Der kommandierende rumänische General hat seine Tätigkeit mit der Entwaffnung der gesamten b e w a f f n e t e n M a ch t, auch der Roten Wache, begonnen. Derzeit wird die öffentliche Sicherheit - bloß durch die die Stadt durchstreifenden rumänischen Patrouillen anfrechterhalten. Der nach der Sperrstunde ohne besondere LegitinMon, die von dem rumänischen Kommando in sehr geringer Zahl für Nachtarbeiter ausgestellt wird, rn den Gaffen wellt, wird verhaftet werden. StumäRien triumphiert. Der Oberstadthauvtmann ist gegenwärtig mit der Reorganisation der Polizei beschäftigt und hofft, in einigen Tagen wieder eine Brachialgewalt zur Verfügung zu haben, mit der die Auf' rechterhaltung der Ordnung und der Ruhe mbedingt gewährleistet werden kann. ' - Die „Gleichberechtigung" in Polen. Einem Leitartikel des Warschauer hebräischen Organes *9 a * c t i r o t)" entnehmen wir die nachstehenden charaklcriftljchcn Teiler ..Ob der gesetzgebende polnische Seim wirklich bereit war, uns, G l e i ch b e r e ch t tHu n g zu gewähren, darf füglich angezwcifelt werden. Die Organe der herrschenden Partei machten aus ihrer Ueberzeugung kein Hehl, dasi die Juden in ihrer Erwartung bürgerlicher Gleichstellung sich einer Selbstiäm'chung hingkben. Allein nngenommeri, der Sejm wäre dazu bereit, wäre das Dokument unserer bÜrgerltchen Gleichberechtigung in Polen nicht ein F e v e n P a v t e r geblieben? .Wir sind ia auch jetzt im Genüsse gleicher Reckte, denen Behörden und Gerichte scheinbar Rechnung tragen. Wir sind beispielsweise bei den Dahlen zu den städtischen Verwaltungen sleichbercchngi. Was nützt eS unS? Haben die Juden auch an Orten, wo sie 70- -80*/» der Gesamibevölterung ausmachen,! frei wählen Dürfen? Wurden sie nicht durch Terror gezwungen,j eine mchrjistr'ch- Mehrheit zu wählen? Wir haben das Recht dlr uneingrichr-äukten Betätigung im Handel, Handwerk tmd Industrie lind nrenmliv kann nnS dieses - Recht streitig machen. Deffcnwißcfldjtci v c r b i e t e l d i e R ea i e r u n g j ü d i s ch e n Kauflcuten bte Einiuor.vo« Auslands- Auf.hebrmg der Räten erordnrmg über das Privateigentum. Budapest, dtnfl. Tel.-Korr.-Bur.) Der Wnisterrat. hat die R il ck g a b e sämtlicher in Gemeindebesitz übrrlroMmenrn Finanzinsiitute, Unternehmungen und Betriebe, ferner Fabriken und Geschäfte in das Privateigentum ausgesprochen 'und die diesbezügliche Verordnung der Räteregienmg außer Kraft gese tz t. Einschränkung des Eisenbahnverkehrs in Angarn. Budapest» 5. August. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Wie spezielle Lage Budapests brachte es mit sich, daß der Personenverkehr der Eisenbahnen eingeschränkt bezeknmgsweise eingestellt wurde. Auf sämtlichen Linien der ungarischen Staatsbahnen steht der Personenverkehr st ll. Von den j Linien der. Cüdbahsi wird der Verkehr bloß auf der Linie Stuhl- Weißenburg—Siofok—Groß-Ganisza aufrechterhallen. Die Entente nnd Angarn. Zürich, 5. August. (Tel.-Komp.) Wie die Schweizerische Telegraphen-Jnsormation berichtet, beurteilen Pariser Kvnfcrenzkreise die letzten Beschlüffe der Friedenskonferenz in dem Same, haß dadurch die Szegediner Regierung lallen gelassen ttxnbcn sei. Em in KoNserenzkreisen sehr bekannter Diplomat erklärte der Schweizerischen TAegraphen-Jnformation, der Umstand, daß die Entente stets in der Lage sei, nach eventueller Aufhebung der Blockade dieselbe wieder zu verhängen, biete die ausreichendsten Garantien dafür,, daß die neue Negierung, die derzeit am Ruder sei, für die Ausrechtcrhaltung der Ordnung und Ruhe iu Ungarn Sorge tragen werde. * Prinz Borghese In Budapest. Budapest» 6. August. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Der Leiter der Wiener italienischen Mission, Prinz B o r g h e s e, ist heMe früh in Budapest eingetroffcn und hat mit dm Vertretern der ungarischen Regierung Verhandlungen gepstogm. Er konferierte eingehend zunächst mit dem Minister des Aeußern, Agoston, dann mit dem Kriegsminister Haubrich in seiner im Hotel »Donaupalast" befindlichen Wohnung. Später ließ er den Minister des j Innern, Payer, ebenfalls zu sich bitten. Den Beratungen wurde der englische General Gordon, der heute früh in Begleitung des Kapitäns Freman in Budapest eintraf, zugezogen. Eine Erklärung des Chefredakteurs des , . ' . . „Pester Lloyd". Gudapest, 5. August. (Meldung des Ung. Tel.» Korr.-Bur.) Der „Pester Lloyd" stellt von morgen an sein Erscheinen ein. Im heutigen Abendblatt der einstweilen letzten Nummer des Blattes veröffentlichen Chefredakteur Josef i Veszi und der Vizepräsident der „Pester Lloyd"-Geselli schuft Franz Szekely eine Erklärung, worin darauf \ hingewiesen wird, daß das Blatt am 24. März, von! der Räteregierung ins Staatseigentum übernommen! worbdn ist. Dem Chefredakteur wurde von der Rätej repnblik nicht zugemiKet, in Verleugnung der Idem, denen sein publizistisches Wirk-n durch vier Jahrzehnte gewidmet war, bolschewikische Grundsätze zu vertreten. Aus diesem Grunde wurde er entlassen. Chefredakteur Veszi wollte schon damals öffentlich in seinem Blatte erklären, daß der „Pester Lloyd" nicht mehr im Verlage der „Pester Lloyd"-Gesellschaft sei und nicht mehr unter seiner Leitung erscheine; doch wurde dies nicht bewilligt. Jetzt, nach der Wiederherstellung der Preßfreiheit, erklären die Unterzeichneten in aller Form, daß die „Pester Lloyd"-Gesellschaft und'Chefredakteur Veszi allem, was der „Pester Lloyd" seit dem 24. März geschrieben hat, ferngestanden haben. Das Geld, welches die Räteregierung zusammen mit deni Blatte übernommen hat, ist bis zürn letztenHeller aufg«braucht und die Mitglieder der Lloyd-Gesellschaft weilen derzeit bis auf Franz Szekely im Ausland«, weshalb das Erscheinen des Blatte- bis auf weiteres eingestellt wird, um so mehr, als die bürgerlichen Blätter hinsichtlich der Frage ihres W5edererscheinens ein solidarisches .Vorgehen beschlossen haben. waren. In. Industrie und Handwerk werden Polen dm Juden offen vorgezvgen. Dir haben das Reckt auf verhältnismäßige.Beansiung bei den Staats- und Kommunalbehörden. Man zähle rwievel jüdisch eBeamte gibt es wohl in allen diesen Behörden? Während der Okkupation wurden einige wenige jüdische Beamte und Hilfskräfte angestellt, die später entlaffen wurden. Bei der Warschauer Straßenbahn, m den Gas- und elektrischen Werken gibt es keinen einzige« jüdischen Beamten oder Angestellten.' Polnische Gerichte haben offen denjenigen, der Grundbesitz an Juden veräußert, als ehrlos gebrandmarkt. Und unser Levensrecht — ja. sieht man nicht, wie es darum in der letzten Zeit in Polen bestellt ist? Angenommen, der Sejm hätte uns alle Rechte zuerkannt — waS würden jedoch biefe Rechte ohne entsprechende Garantien bedeuten?" ___ Wechsel in der Leitung der ukrrUulschen Gesandtschaft. Der ukrainische Gesandte in Wien W i a t s ch e s l a w von L i v i n s t v hat demissioniert und sieg,dt sich auf eine längere Die Leitung der Gesand:schaftSge>chätte hat Legal wnsrak Wlao.mir P o l e l y k n jibernoulim" Politische^lundschau. Zwischen Kommunismus und Sozialismus. Wien, 6. August. * Der Zusammenbruch des RätesystemL in Ungarn gibt ‘ der Friedenskonferenz von Paris die Möglichkeit, endlich auch an die Lösung der ungarischen Frage heranzutreten. Die Entente hat sich bisher geweigert, die Gewaltherrschaft Bela Kuns anzuerkennen und die Blockade über Ungarn aufzuheben. Mit der Rückkehr zum Spstem der Demokratie wird Ungarn würdig, den Friedensverhaudluu.- gen zugezogen zu werden, und sobald>»eine stabile Regierung ■ in Budapest vorhanden sein wird, wird sie vermutlich nicht lange auf die Gnade zu warten brauchen, ihre Delegierten ’ in die komfortable Haft^ irgendeines französischen Schlosses entsenden zu dürfen. Dke Ausgabe, die sie erwarten wird, wird um.nichts leichter.sein als es die ist, welche die Delegation D e u t s ch ö st e r r e i ch s zu erfüllen hat. Es wird wohl noch einige Zeit brauchen, bis die Verhältnisse in Ungarn beruhigt und. geklärt sein werden. Augenvlicklich besteht die Gefahr, daß. den Rumänen ihr leichter Sieg zu Kopf steige und der Machedurst der sogenannten S z ege d i n e r G e g e n r e g i e r u n g enthält die Möglich- ' keit von unangenehmen Komplikationen. Der offiziöse Pariser * „Temp s" erklärt, es wäre sehr zu begrüßen, wenn sich die Nachricht von der Besetzung^ Budapests durch die Rumänen bewahrheitete. Es handle sich nicht um die Einsetzung einer reaktionären Negierung, sondern um die Enttvaffrmng der Magyarm. . * Eine Besetzung durch die Rumänen sei besser, als wenn die' Szegediner Regierung Budapest allein besetzt * hätte, in welchem Falle die Repressalien wahrscheinlich viel härter wären. . ,, Nunmehr bleibt abzuwarten, ob wirklich Bela Knns Meister, Lenin, bereit ist, d7.?> Beispiel des Jüngerbei-. zeiteN zu befolgen. Die Uumöglichkrit, der kommunistischen Experimente beginnt jedem Unbefangenen, gleichgültig welcher; Richtung er angehöre, eijlzuleuchten. Es wäre im Siane deswahren Fortschritts und der Abkehr von jeglicher. Gewalt zu wünschen, daß der Keim eines ebenso unfruchtbaren tyie blutigen Aufruhrs endlich aus der Welt schwände. Die Kommunisten frellich sind unbelehrbar und in der gestrigen Sitzung des Wiener Kreisarbeiterrates/• der sich mit der. politischen Lage im Zusammenhang mit den Vorgängen in Ungarn befaßte, wußten die Wortführer des- Wiener Kommunismus, Tomann und Frau Friedländer> nichts besseres als die Lomumnistischmr SirerumllLngc neuerlich zu variieren. Aus den Ausführungen der Wort«.; führer der sozialdemokratischen Mehrheit, namentlich aus denen Friedrich Ad Hers und des Präsidenten Seitz, ging das Bestreben hervor, die Gewährung des Asylrechtys an die Büdapcfter politischen Flüchtlinge zu rechtfertigen ^und>- mar» wird es der Wiener Regierung nicht verübeln dürfen, - wenn sie sich weigert, die gefalleneü Häupter des gefallenen Büdapester Gewaltshstems der Lyvchjustiz zu überliefern. Aber es geht wohl etwas zu weit, wenn der Referent Friedrich Adler in den ungarischen Vorgängen eine Niederlage des PrÄetariats aller Länder * sieht. Wenn wirklich, wie er meint, die Reaktiv« kn alletr Ländern diese Gelegenheit benützt, um gegen den Sozialismus überhaupt vorzugehen, so hat dev Somalis- ' mus bei der heutigen Weltlage genügende -Macht, solche Attacken zu vereiteln. Wenn sich mit diesem Macht-' g^fühl eine merkwürdige innere Unsicherheit verbindet, so geht diese aus der Erkenntnis der besonneneren sozialistischen Führer hervor, daß die politischen Erfolge sich keineswegs mit der gleichen Schnelligkeit auf das Gebiet des - Wirtschastslebens übertragen lassen. Und Friedrich Adler, konstatiert sehr richtig, daß in den besiegten Ländern „die . Möglichkeit der Einführung des Sozialismus leid er ein« in allen Beziehungen sehr ver-^' , ring erte ist." Diese Möglichkeit mag in. den Ländern' der Sieger beträchtlich größer sein, aber auch sie ist viel geringer, als es'im Frieden der Fall 'gewesen wäre,' da die politische'Macht des Proletariats viel kleiner , war. Allenthalben, nicht nur in den Ländern der Best gt-n ist infolge des Krieges die - ' ' F«rderuing der Mafftn nach menschenwürdigeren D'aseinsbebingungen und itad)- ci.ui;u größeren Anteil an den Gütern der Welt gewachsen. Auch in den Ländern der Sieger sind die Erwartungen viel größer gewesen, ' als die heutigen Wirklichkeiten Erfüllen köünen. Und diese Span nung erzeugt fortwährend ncue S t.reik s, die notwendigerweise die ersehnte Rückkehr zu normalen Verhält»issen verzögern müssen. In England' ist 'ein Streik der Polizisten ausgebrochen, der im Anwachsen zu sein scheint. In Liverpool hat.es Aus- .■ . schreitungen^gegeben, man meldet von zerstürte'n und auLgeplünderten Geschäften, so daß Truppen einf.chreiten mußten, wobei es viele Verwundete gab. Auch tu der neutralen Schweiz, deren politische Vorgänge sich gewöhnlich in einem etwas ruhigeren Tempo abzuspielen Pflegen, nimmt' der A n S st a n d recht scharfe Formen an. Die Blätter sind am Erscheinen gehindert, von gewissen bürgerlichen Seiten möchte man die Bewegung geradezu cklS bolfchewilisch ansehen und in Zürich ist gestern die gesamte ausgebotene Kavallerie und Infanterie in die Stadt einmarschiert und hat bau . verstärkten Schutz der öffentlichen Gebäude, Bäicken und Industriebetriebe übernommen. Die soziale -Forderung beherrscht gegenwärtig allzusehr die Masse, als daß sich , ihr irgendein Land ausi die Dauer zu entziehen vermöchte. In den neuen Nationalstaaten hat es der von oben gehegte-nationale. CchauvinisniNü verstanden, den Ansturm der Massen im Keime zu crstiiw:,. und eS gelang der Versuch, Arme ett auszustellen ' zusammenzuhalten. Nun aber wird aus Poßen die Nn/>-' rtcht von blutigen Rcvr§tcn der polnischen Truppen verbreitet, die in Posen, Gn.esen und teilweise sogar../, i der Front ausgebrochen sind. Wie der Berliner „Vorw ä r t s" meldet, haben g a n z e K o i;i panien u n d B >° taillone den Geh.orsam verweigert und Offiziere erschossen oder verwundet. In K.v hgreßpolen sollen die Dinge noch schlimmer liegen^ Teu Soldaten fehlt es am nötigsten, während die Offiziere in putzigen Uniformen einherstolzieren und es sich in jeder.Wcist' recht gut gehen lassen. Die polnischen Machthaber schei-e!, noch immer mit Strafen und Unterdrückung der öffentfi : i*h Meinung die Massen zur „Raison" bringen zu wollen. es könnte sich auch in Polen ver Fall ereignen, daß elinicr: ' das einzige Ventil des brutalen A u t i s e m i t i vmus aufhören könnte eine ausreickende - Garantie für die

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