Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 194 (3.8.1919)
- Date
- 1919-08-03
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 ' Wien, Sonntag Die Provinz ist begeistert. - Budapest, 3. August. (Uirg.-Tel.-Korr.-Bur.) Nach den aus den Provinzen eingrtroffcnen Meldungen hat die Bevölkerung Ungarns die politische Aenderung mit g r o ß e r B e r u h i g u n «' ausgenommen. Aus zahlreichen Stählen und Gemeinden liegen Berichte vor, daß die Bevölkerung mit Begeisterung davon Kenntnis Nahm, daß an die Spitze der Geschäfte in Ungarn eine sozialistische Regierung getreten sist. Ueberall herrscht Ruhe, Ordnung und Sicherheit. Ueder einem störenden Zwischenfall ist von nirgends ein Bericht cm- ^elangt. * Raab hat schon Donnerstag revoltiert. &aab, 2. August. Der Umsturz - ist in Raab bereits am Donnerstag eingetreten. Mittwoch vormittags rotteten sich mehrere hundert Arbeiterfrauen aut dem Hauptplgtze Raabs zusammen und demonstrierten gegen die Räterepublik. Der unmittelbare Grund dieser Demonstrationen war. daß sie auch am Mittwoch mit leeren Händen die Martthalle verlassen mußten. Die Zahl der Demonstranten wuchs immer mehr an, worauf die Rote Wache auf den Hauptplatz beordert wurde, um die Arbeiter- Imucn zu zerstreuen. Trotz mehr-maliger Aufforderung wollte die Menge nickt weicken. Da befahl der Kommandant der nusgeEckren Wache Feuer. Die Roten Soldaten aber v e rw e i g e r t c n ' den Gehorsam, warfen die Waffen weg und schlossen sich den Demonstranten an. ' Zu dieser Zeit passierte die Station Naab d e r E x t r az n g B e l a K u n ß, der auf der Reise nach Bruck war. Es wurdcu ihm dre Borfätic gemeldet, worauf sich Bela Kun sofort telephonisch nnt S z a m U e l y in Verbindung setzte und ihm Wriümgen zur Unterdrückung des Aufständen gab. In Kiralphida nnaelaiigt, gab er den Befehl, daß ein großer Teil der dort staüonicr-len Roten Wache sofort nach Raab abzugehen habe. Die Abteilung aus Kcralyhida traf am Mittwoch abends in Raab ein, wo die Demonstrationen noch immxr andauerten. Als die Soldaten horten, daß sich die Raaber Roten Soldaten den Demonstranten angeschloffen haben, taten sie dasselbe. Donnerstag früh p'.ir bereits die ganze Stadt in Aufruhr und da aus Budapest kein M-lckiir eintraf, konnte das Ratesystem ohne Widerstand bereite ..in Donnerstag in Raab beseitigt werden. Waffenstillstand für Ungarn. Budapest» 2. Augpst. l^unkspr. des Trl.-Korr-Bur.) Der Kouimandünk der italienischen Milltärmisston, Oberstleutnant R o m a n e l l i, hat an den Präsidenten Clemenceau telegraphiert: „Die ungarische Räteregier u n g i st z u r ü ck g e t r e t e n und heute durch eine neue Regierung ersetzt worden, welche erklärt, die Vorschläge der verbündeten und befreundeten SMateN anzuNehmen, wie sie am 25. Juli in Wien durch den Fürsten Borghese und den Obersten Cnninghame sestgelegt worden sind. Die MM Regierung hat mich als einzigen Vertreter der verbündeten und befreundeten Regierungen in Budapest beauftragt, den Kömmauden der gegnerischen Armeen einen Waffenstillstand vorzuschlagen. In Erwartung der Entschließungen Eurer Exzellenz bo.be ich mir erlaubt, den genannten Kvmmanden nachstehende Vorschläge dirett zu übermitteln, um jedes weitere Blutvergießen zu verilreiden: 1. Bis znm Einlangen der Entscheidungen des Obersten Rates wären so schnell als möglich alle Feindseligkeiten zwischen den alliierten Armeen und den ungarischen Streitkräften einzustelleu. 2. Demzufolge ist jegliche Vorwärtsbewegung der alliierten Truppen einzüstellen. 3. Mit dem Kommandierenden der ungarischen Armee wäre ein Waffenstillstand zu schließen, der Provisorische Besehen,gslmien festlegt, so lange bis der Präsident der Friedenskonferenz seine Entschließung ,m Gegenstand untgeteilt haben wird. Die ungarische Regierung ersucht dringend, daß als Wafienstillstandslime für die rumänische Armee die Theiß bestimnlt werde. Aus diesem Telegramm RomanelliS geht hervor, daß die Entente bereits in Verhandlungen mit der netten Regierung eintritt. DasMedeutet zugleich die Anerkennung der Regierung.' Im Zusammeiiffang damit soll in der nächsten Woche bereits d t e Blockade aufgehoben werden. Demission des Gesandten Böhm. Wie die „K o r r e s p o n d e n z E r p r e ß* erfährt, hat der Wiener ungarische Gesandte Wilhelm B ö h m der ungarischen Regierung seinen Posten zur Verfügung gestellt. Er wird auch in der nächsten Zeit am politischen Leben nicht teilnehmen, sonder» sich in em Sanatorium zurückziehen. Wilhelm Böhm kehrt vorläufig nicht nach Ungarn zurück, sondern wird irt Deutschösterreich' oder rz der Schweiz Aufenthalt nehmen. .... -». i .. - ' - - ■ i. ■■ „ . sich mit dem ihm völlig fremden Volke treffen mußte, wobei ihm die Nolle des Derndgogen zuzusallen drohte, da waren es vor allem Nordau und dann die Anderen gleichgearteten Freunde, die Herzl durch ihr Mittun stets neue Ausdauer eüiflößben- Zu wissen, daß sie. hinter ihm stehen, war für Herzl, dem neuen Führer, die tägliche Bestätigung der Richtigkeit seines Willens. Denn immer nochso lange die Bewegung den Erdball nicht mit der Menge ihrer Bekenner erfüllte; so lange die Massen durch ihre Wucht nicht sich ebenbürtig dem sie erweckenden Geiste an die. Seite stellen durften; so lange n^ben dem Monument der geistigen Führer sich nicht das Monument des dunklen Volkes stellte, beide die Welt .für ihr Wollen erobernd, blieb für Herzl die stete Frage, wie die Seinesgleichen über sein Werk urteilten. Ihre Zahl war klein, und die Bolksmassen kamen nur allmählich. Erst langsam, durch Mühe und Wort, mußten sie aus dein amorphen Zustande in eine greifbare Form gepreßt werden. Gar mancher, der sich später als Führer gebärdete oder es gar wurde, war in jener ersten, heroischen Zeit des-noch lallenden Zionismus übervorsichtig, wollte so lange sich nicht den Uebergang über den Rubikon gestattenals er nicht erkannteob es zu seinem Guten oder Bösen führte. Viele, die im Ghetto was galten oder glaubten, es bereits verlassen zu haben, die Praktischen und die ihrss eingebildeten Kultnrstandpunktes sich Brüstenden, standen im Anfang beiseite, doktorten Und schnüffelten an dem Herzlichen Werk, cm seinem Aufbau^ an seiner systematischen, physiologischen Entwicklung herum; sie suchten nur die Fehler und konnten bei der Enge ihres Gesichter die Größe nicht umspannen; tadelten sofort dieSchwächen, ohne die Vorzüge herauszustreichen; warfen den Mangel an Gefolgschaft vor und verweigerten naiv die eigene; blieben kühl, ohne sich zu frenerk- und bekrittelten, ohne sich glücklich zu preisen, dicken Umfchi'-n'm im .süW'ch'N Volt miterlebt zu haben Wiener Morgenzeitung RomanelliS Tätigkeit. Budapest. 8. Auaust. (Tel. der „Wr. Morgenztg.*) I» den Kreisen der hiesigen Bürgerschaft wird beute, allgemein die die Tätigkeit Ye8 Kommandanten der italiemschen Militärmission Oberstleutnant N o m a n e l l t rühmend hervorgehoben, dem cs zu danken ist. daß die seinerzeitigen Blutnrteile n i ch t a n s g e f ü l, r t w u r d e n, und daß sich die Einsetzung der neuen sozialdemokratischen Negierung in aller Ruhe vollziehen konnte. Der Aufruf RomanelliS an die Bevölkerung zur Ruhe und Ordnung findet allgemeine Anerkennung. Die Flucht Kuns und seiner Genoffen. Gestern nachtS sind Kun, Por, Landler und Vigo in Wien eingetroffen. Sie fuhren vormittags zur Polizeidirektion, wo sie einvernommen wurden. Sodann wurde Kun in Wien nntergebracht, der Aufenthaltsort ist jedoch streng geheimgehalten und der Zutritt zu ihm unter keiner Bedingung möglich. Gleichzeitig ist auch die vorläufige Schließung der Wiener ungarischen Gesandtschaft verfugt worden, die von der Wiener Sicherheitspolizei bewacht wird. Der Eintritt wird nicht gestattet, die Amtshandlungen sind bis Montag eingestellt, kemer der Beamten darf die Räume betreten. Auf dem.Balkon der Gesandtschaft wurde gestern früh die rotsweiß-grüne Trikolore angebracht. Die Ueberführung der ungarischen Volksbeanllragten nach Drosendors dürste jedenfalls vor Montag erfolgen. Durch die Schließung der ungarischen Gesandtschaft ist selbstverständlich auch die Paßausgabr eingestellt worden, io daß die Ungarn, die bis 5. d. M. Wien hätten verlaffen sollen, kerne Möglichkeit zur Abreise haben. Man erwartet übrigens, daß auch eine Aenderung in der Aus« weisungsve^rvrdnung ergehen wird. Selbstmord Szaqmelys. Wiener-Neustadt, 2. August. (Tel. der „Wr. Morgenztitung".) Heute um V»5 Uhr früh versuchte der bekannte ungarische Kommunistenführer Tibor Szamnely über Sauerbrnrm zu fliehen. Er wurde von der ungarischen Grenzpolizei avisiert und bei Lichtenwörth von deutschösterreichischen Gendarmen verhaftet. Als man seine Jndentität feststem«;, feuerte er aus seinem Browning "einen Schuß gegen seineBrustab. Er warsofort tot. Dre Lerche wurde nach genauer Feststellung der Jndentität in das Wicner- Neustadter Krregssvital gebracht.' Jy der Begleitung Szamuclys befand sich der Ternitzer Kommunist Strohdorser. Szamuely war der Marat der Räteregierung. Er war früher christlichsozialer Journalist und hat sich als Mitglied der Regierung durch seine große Härte unbeliebt gemacht. Ueber keinen Volksbeauftragtrn wurde so viel gelogen, wie über ihn. Man hat ihm sogar angedrchtet, daß er einen zerlegbaren Galgen aus seine» Reisen mit sich führe. Die Reise der ungarischen Minister nach ■ Wien. Der „Korrespondenz Erpreß" wild aus Budapest gemeldet: Heute abends trifft die Mehrzahl der Minister der neuen ungarischen Regierung unter Führung des Ministerpräsidenten InlruS P e i d l und deS Ministers des Aeußern Dr. Peter Agoston m Wien ein. Es gelang jedoch bis in die späten Abendstunden trotz intensivster Bemühung nicht, für die hier eiuireffenden sieben bis acht Herren dre verlangten zehn Zimmer in e»nrm Hotel zu sichern. Verhandlungen mit der Entente. Die „Korrespondenz Expreß" meldet: . Die Vertrauensmänner der ungarischen Regierung, Böhm und W e l t n e r, haben üüch'im Laufe des Samstags nur mit den Vertretern der Wiener italienischen Mission veihandelt. Oberst Cunnrnghamcist vom Semmermg noch nicht nach Wien zurückgekehrt verständigte aber Böhm und Weltner telephonisch, daß er sie Sonntag vormittags in Wien empfangen werde. Bei diesem Empfange werden bereits die ungarischen Minister zugegen sein. „Angarische Volksrepublik." Budapest» 2. August. (Ung. Tel.-Korr.-Bm.) Im Sinne einer Regierungsverordnung ist die amtliche Bezeichnung des ungarischen Staates „Ungarische Volksrepublik" und die Bezeichnung der Negierung „Negierung der Ungarischen Volksrepublik". Nordau aber.blieb vom ersten Tage der Nocher de brvnze. Aus ihn konnte der Führer und die neugeschaffene Organisation rechnen. Er war das weithin leuchtende Signal für die Wiedererweckung. Er, der deutsche Schriftsteller von Namen, der Kunstkritiker, der Autor der „Konventionellen Lügen" — ein bekenntnisstolzer Jude! Ein jüdischer Jude, wie er sich nannte. Er, von dem die Welt wußte, daß er an keine Religion und an keine ihrer Formeln glaubte oder dachte, sprach vom eigenen jüdischen Volke und verkündete den Glauben an seine andere, freiere Zukunft! Welch ein Beispiel! Welch eine Lehre! Sein erstes Auftreten auf der jüdischen Tribüne wirkte aufreizend, aufpeitschend, war für die Welt draußen, die unter allen Geistesjnden ihn am meisten kannte, störend und verwirrend, und tat mehr zur Geschichtswerdung des Zionismus als /rs selbst Herzls Buch anfangs tun konnte. Bei jedmi Kongreß wiederholte sich dasselbe Spiel. Die Welt hörte aus ihn. Nicht wie weit es der Zionismus gebracht, nicht wie stark er sich ausgebteitet, nicht was er organisiert hatte, interessiert« zuvörderst bei jedem zionistischen Kongreß Juden und Nichtjuden, sondern was Nordau gesprochen; welchen Eindruck die Hammerschläge seiner Rede auf die Tausende, die ihm physisch zuhörten, und die anderen Ungezählten, die in der Ferne ihn bloß lasen, gemacht hatten. Nordaus Ansehen und Bedeutung wuchs mit jedem Kongreß, und jeder Kongreß wuchs infolge Nordaus Ansehen. Dev eine Mann war eine ganze jüdische Armee! Siebzehn Jahre hindurch, bis zum Tage unserer Trennung beim Beginn dieses verruchten Krieges, lebte ich mit Nordau zusammen das zionistische Leben. Ich sah ihn in gemeinsamer Arbeit aus der Nähe und lernte ihn lieben. Er war immer ein Soldat in der Reihe. Treu im Großen wie im Kleine«. Im Kleinen: In der anscheinend geringfügigen, täglichen wöchentlichen, abnützenden Werbetätigkeit tn! Paris, auf ciurm sterilen, uujtidischen Boden, wo alle, ,3. August 1919 Mt194 Twi .. ■■■« .. , i .jWii i'i7~» »■».Wi i» ' - » “ » ”■# , Inland. Einberufung des tzauptausfchufles. Der HaupLausfchntz der Nattonatversamtnlung ist zu einer Sitzung für Freitag den 8. d. M., 5 Uhr nachmittags, einberufen worden. Bekanntlich wird an diesem Tage der Kanzler Dr. Renner aus Saint- Germain nach Wien kommen und der Hauptausfchutz ist zur Entgegennahme des Berichtes Dr. Renners und zur Stellungnahme hierzu einbernfen worden. Der Badener Gemeinderat gegen die Fremdenansweifung. Aus B a d e n bei Wien wird berichtet: D^r Gemeinde" Nilsschuß von Baden befaßte sich in seiner letzten Sitzung mit der von der Landesregierung angeordneten Fremdenaus- Weisung. Bürgermeister Nationalrat K o l l m a n n führte aus, daß der Kurort Baden, der durch die Verordnung ausschließlich als Heilbad gellen soll, hierdurch in seiner Existenz besonder sschwer ge t toiitn würde. Dre Stadt Baden sei nicht bloß auf.die Kurgäste angewiesen, sondern auch auf die zahlreichen Gäste, die als S o m m e r f r i s ch l,e r mit Vorliebe hier Aufenthalt nehmen. Durch die Ausschließung der Sommerfrischler würde die Stadt und deren aus den Sommer* verkehr angewiesenen Geschäftsleute und Gewerbetreibenden^ großen Schaden e r l e r d e n. Der Bürgermeister kündigte an, daß er mit Einwilligung des Gemeinderates gegen daS Sommerfrischlervrrbot Stellung nehmen iverde. Registrierung der ungarischen Staatsangehörigen in Graz. Graz, 8. August. (Korr.-Bur.) Mit Rücksicht auf di^ Schwierigkctten in der Lebensmittelversorgung und der in Graö herrschenden empfindlichen Wohnungsnot hat die Polczeidircktkon zum Schutze der eigenen Bevölremng der Stadt verfügt, daß alle Hauseigentümer und Besitzer von Hotels und Frcmdenpensionen binnen drei Tagen die bei ihnen feit 1. März d. I. wohnenden ungarischen Staaksangehörigen, - von denen viele Polizeilich unangemeldet sich hier aufhalten soll-« der Polizeidirektion zu melden. Erhöhung der Steuern in Linz. Linz, 2. August. (Korr.-Bur.) In der gestrigen Gemeinde ratssitzung wurde der Voranschlag für das Jahr 1919 beraten und nach emer stellenweise sehr erregten Debatte genehmigt. Das Defizit beträgt nahezu drei Millionen Kronen. Zur Deckrmg dieses Abganges wurde die E r h ö h u n g d e r U-ml a g e n auf dre Staatssteuem. des Zinshellers, des WafferzinseS und der Lustbarkeitssteuer beschloffen. Der noch übrig bleibende unbedeckte Rest wird durch eine schwebende Schuld geordnet. Den Hausbesitzern wird das Recht eingcraumt, sich für diese Steuererhöhung drrrch Erhöhung der Nettoziuse um zwei Prozent schadlos zu halten. Teilnahme von Mittelschülern an Vereinen. Amtlich wird gemeldet: Der Unterstaatssekretär für Unterricht hat in einem Erlasse an die Landesschulräte versügt, daß der Teilnahme von Mittelschülern der Oberklaffen an Bereitttn ' von seiten dec Schulen k e i n H r n d e r n i s in den Weg zu legen lsti Die widersprechenden Bestimmungen der Disziplinaverordnuttg haben a u ß e r ,K r a i t zu treten. Sache der Lehrer wird es" fern, Insbesondere im Wege der Schulgemeinde dahin zu wirken, daß jede politische und konfessionelle Verhetzung von der Schule ferngchalten werde. Es muß eine Ehrenpstrcht der Schulgemeinde sein, in ihrer Mitte keine Friedensstörung zu dulden. Vereinsabzeichen dürfm in der S ch u l e nicht getragen werden. in allen Preislagen. Redaratttren unter Garantie. Farbbänder für nlle Systeme, erstNasslqeS Matirikl.^ Leop. Klirzer, Wien, W1L, Westbahnstraße 23. Telephon 31537. die eingeborenen wie die eingewanderben Juien es am liebsten sahen, wenn man vom Judentum nicht redete. Nordau murrte nie, entzog sich nie dem, was wir als unsere "Pflicht betrachteten, in ärmlicher Umgebung, in den neu entstandenen Ghetti der Lichtstadt, die nn- -bekattnte neuartige Lehre zu predigen, vor lächerlich wenig Leuten, die ein Ozean der Verschiedenheit von den Rednern trennte; den Arbeiter zu bekehren, (er noch nicht so viel französisch gelernt hatte, um die groben Vergnügungen der Großstadt zu genießen; den Handwerker zu überzeugen, der anderswo härte, daß es eine höhere Betonung»des freien Sinnes des frei Gewordenen gab, als rückständig vom Volksbewußtsein des gar nicht existierenden Volkes zu schwatzen und vom Judenland zu träumen; den kleinen Kaufmann zu packen, der niöch. nicht wohlhabend genug war, um sich seiner Abstammung' aus dem Osten zu schämen; den russischen Studenten' heranzuziehen, der zwischen dem Zauber, von Kbsmopvlis und dem verbissenen Grimm seiner jüdischen Ketten noch nicht gewählt hatte: Die Jahre kamen und gingen, Nordau hielt weiter, seine Reden, feuerte an, ermutigte. Die Schar de eÄ' die ihn zu hören kamen, wuchs; ihre soziale Schichtung ward vielfältiger; «der äußere Nahmen der Versamüilungen schöner. Zu den eingewanderten Proletariern gesellten sich schon die anderen Juden. Nordaus nimmermüdes Beispiel entwafslrete Gegner und bestärkte die Anhänger. Alle aber, jene, die ihrl hörten, und die, ivelchs sprachen, wußten, haß sie trotz der verhältnismäßig geringen äußeren Erfolge eine große Tat vollbrachten; dar Welk, welche stets auf Paris lauscht, und ob sia will oder inicht in -so vielem dort das Losungswort sucht, dev Welt von West bis Ost zu verkünden: hiev in dev Stadt, welche die Seele Europas ist, in der Stadt des tosenden Vergnügens und des unglansilichsben Fleißes, nin Orte, der das Größte so leicht begreift und annimmt und cm dem Verständnis des Kleinsten so oft stolpert, in Paris, auch in Paris, ist