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Wiener Morgenzeitung · 1919-08-02 · Heft 193 (2.8.1919) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 193 (2.8.1919)
Date
1919-08-02
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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I Är. I SS Wien. Samstag WLeuLK Msrgenzeitung 2. August ISIS Seite 3 InlanÄ. Die ProklaMatiorr der neuen Negierung. kräftig die Theißfront. Aber auch zu Hause ist Disziplin und Standhaftigkeit notwendig. Die neue Negierung vertraut darauf,/ daß die organisierte Arbeiterschaft weder das'Treiben der Gegenrevvlulionäre noch der Plünderer dulden will. . Die Regierung will das ungarische Volk unbedingt vor den Schrecken bewahren, hie die Vernichtungswut des weißen Terrors einerseits und des Pöbels andererseits mit sich brächte. Im Bewußtsein dessen, daß dir arbeitenden Massen geschlossen hinter der Regierung stehen, ruft die Mgierung das ungarische Volk ans, in voller Disziplin die Ereignisse äbzuwarten und den Verfügungen der Regierung unbedingten Gehorsam zu leisten. Jeder bleibe auf seinem Platze. Die Arbeiter-' rate und die sonstigen Behörden mögen ihre Obliegenheiten "strenge erfüllen. Wer die Ruhe und die Disziplin verletzt, den wird die Regierung mit ihrer vollen Macht zu treffen wissen. Mit der Auftechterhaltuug der Ruhe und der Disziplin hatdie Regierung den Kriegsminister Haubrich betraut. Wer sich den Verfügungen der Regierung widersetzt, der wird es mit dem . Willen der organisierten Arbeiterschaft zu tun haben. Rur die Ordnung, nur die Disziplin, kann Ungarns Volk vor dem Untergange bewahren:" , Der Aufruf ist von sämtlichen Ministern gezeichnet. Budapest, 1. Augüst. Das Ungarische Telegraphen- Korrespondenzbureau meldet: /Die Negierung hat folgende Proklamativn_erlassen: - „An bas ungarische Volk! Die Ententemächte haben ein Ultimatum an uns gerichtet/Sie. forderten, daß die auf dem Boden des Rütesystems stehende Regierung durch eine andere -Regrerung ,abgelö st*w erde. An'diese Bedingung knüpften sie den Beginn der Frtedensverhandlungen. Die Regierung der ungarischen sozialistischen Räterepublik war der Meinung, 'baß gegenwärtige ein zäher Widerstand den Ententemächten gegenüber nur zu nutzlosem Blutvergießen fühveu 'würde. Deshalb legte sie ihre Betrauung zurück. Die vorläufige'Verwaltung des Landes wurde über Betrauen seitens des Landes-Zentralarbe.iLerrates durch eine.neue Regierung übernommen, die sich aus den früheren Führern dev disziplinierten und bewaffneten' ungarländischen Gewerkschaften konstituierte. Dis neue Regierung stützt sich auf die Kräfte der selbstbewußten organisieren Arbeiterschaft. Ihr Ziel ist die Aufrechterhaltung der Ordnung und der Beginn der Verhandlungen mit den Ententemächten. Wir haben keinen. Grund, zu verzagen. Wir halten Das Chaos Lm Osten Die Vorgänge in Kleinafien. Belm a r, 1. August. (FunLspr. des Korr.- Bur.) „New Bork Trivune" veröffentlicht üb sr die kl einasiatischen Frage: Die Nachrichten ans Kleinafien laute» schlecht. Sechs Divisionen unter Kemal Pascha find die tatsächlichen Herren des Landes, in welchem Anarchie herrscht nnd englische Nachrichten bestätigen, daß das türkische Heer von Persien uüterstritzt wird. Das Gebiet von Trapezunt nndErzerum ist bedroht.Englandzieht seine Truppe«zurück, da die Demobilifiermrg der englischen Larrdstreitkriiste infolge des Druckes der Oeffentlichkeit durchgeführt werden mutz. Die Türken werden voraussichtlich das Erzerumgebiet in kurzer Aeit wied er besetzt haben und Armenien bedrohen. Die Konstantinopeler Negierung ist vermöge ihrer Schwäche außerstande, in Kleinafien Ordnung zu schaffen. waam m TelegramMe Die perfische Hilfe wird einesteils aus mohammedanischem Mitgefühl, andererseits dadurch erklärt» daß die Friedenskonferenz bis jetzt keine Geneigtheit gezeigt hat, auf die persischen Wünsche nach Unavhanaialreit ihres Landes einzugehen.Eirre p erfif che Delegat i o « ist seit 23. Jänner in Paris, ohne daß es ihr möglich gewesen wäre» mit der Konferenz Fühlung zu nehme«. Die neuen Nachrichten, gepaart mit jene» aus Rußland, wo Koltfchak bis über Tscheljabinsk hinaus hat Weichen müssen, haben in KonferenzKrsis e« de stürzend gewirkt. Man beginnt nun alle Hoffnung ans baldiges Operieren gegen Moskau und Petersburg aufzugeben» um so mehr, als auch die Finnländer wegen ihrer schweren Verluste den Alliierten gegenüber immer deutlicher bekunden, daß sie nicht mehr geneigt seien, die Alliierten im Norden Rußlands im Kumpf gegen die Bolschewiken zu unterstützen. Mederösterreichische Landesversamrrrlung. Außerordentliche Sitzung am 1. August. Landeshruptmann Sever hatte für gestern dis Mitglieder des Landtages zu einer außerordentlichen Sitzung behufs Erledigung dringender Gesetze, die zum Teil gleich in Kraft treten sollten, einberufen. Den ersten Punkt der Tagesordnung bildet« ein Initiativantrag oeS Verwaltungsausschusses Über den Gesetzentwurf betreffend die ' ' Ausnützung der Wasserkräfte der Donau. Der Antrag wird nach einem eingehenden Referat des Abgeordneten Klein, der in seinen.Ausführungen auf die Notwendigkeit, sich von den Zufälligkeiten, der' Kvhlenversorgmzg zu befreien, Hinweis^ angenommen. Hierauf berichtet 8lbg. Mül le^ über die Mnhebung einer Landrsabgade von vsseutürhen Vorführungen und Tanzunterhattungen im Lande Niederster reich. Das Ausmaß der Abgabe wird für Vorführungen in Wien mit 10 Prozent, außerhalb Wiens mit 40 Prozent des Eintrittspreises bestimmt. DaS Gesetz tritt mit 15. August in Kraft. Die Vorlage wird angenommen. Hnhebrmg van Zuschlägen zu den staatlichen Totalisaieur-Bmhwacherwettgebühre». Abg. R ain referiert.über die Elnhebung von Zuschlägen zu den staatlichen Tvtalisateur-Buchmacherwettgebührett und beantragt die Annahme des diesbezüglichen Gesetzentwurfes und einer Resolution, in der bas Verlangen gestellt wird, daß der Staat das aus der erfolgten Neuregelung der Gebühren von Dotalisateur- und Buchmacherwetten sich ergebende Wehrerträgnis von H5,000.000 .Kronen zur Gänze dem Laich Niederösterreich und der Gemeinde Wien überweise. Antrag und Resolution werden angenommen^ Umwandlung der ExportaWemie in eine Hochschule für Welthandel. * Beim nächsten Punkt der Tagesordnung, Antrag auf Umwandlung der Exportakademie in eine Hochschule für Welthandel, entspinnt sich nach dem Referat des Abg. Zwitting eine kurze Debatte, worauf der Antrag ebenfalls angenommen wird.' ' Zum Schlüsse der Sitzung gelangt noch eine .Petition der Gemeinde Wien betreffend die Ergänzung zur Lustbarkeitssteuer, zur Verhandlung. Darnach sollen Nachtlokale, Bars, Heurige usw., die bis 11 Uhr offen halten, eine. Extrastewr von 10, 20, 40, 50 und 100 Kronen zahlen. Dev- Petition wird Folge gegeben. Ein Drmglichkeitsantrag des Abg. H e ß und Gewofjeit, in der Zeit des Drusches Benzin und Kohlen beizustellen, wird ebenfalls angenommen. . Hierauf wird die Sitzung geschlossen. Rene Agenden des Staatsamtes sür Verkehrswesen. Das Staatsgesetzblatt verlautbart eine Vollzugsanwkisung' der Staatsreaierung über die Einbeziehung der P o st, Telegraphennnd Telephonangelegenheiten sowie der S chiifa h rtan gelegen heilen in die Zuständigkeit deS Staatsamtes für Verkehrswesen. Als Beginn der Zuständigkeit hat der 15. August 1919 zu gelten. Des weiteren wird eine Vollzugsanweisung vrrlantbart, wonach vom 1. Äugust 1919 ab das Staatsamt für Berkchrswcseu.für sämtliche Angelegenheiten de8 K r a f t f a h r w e s e n s zuständig ist, so wert nicht auf Grund besonderer gesetzlicher Bestimmungen noch ' die Zuständigkeit eines anderen Staatsamtes besteht. Das Schicksal unserer Kriegsgefangenen. General Slatins Rücktrittsabfichten. Aus Saint-Germain wird gemeldet: Der politische Beirat Abgeordneter Professor Dr. Gürtler teilt mit, daß General Statin, der ersabren hat, daß manin Wien über das Nichterlangen positiver Resultate für unsere KricgsgrfaMrmn s e h r n n g e h a l t e n s e i und chn des Mangels an Willenskraft beschuldigt, den Staatskanzler um seine Enthebung als Experte in Kriegsgefangenenangelegenheiien gebeten habe. Erfreulrcherweise erklärte. der StaatSkamler, dem Ersuchen keine Folge geben zu können/ da die Sache der Kriegsgefangenen in den festen Händen sei. Der Staatskanzler würdigt mrt Recht die Anstrengungen General SlatinS im Jntereffe unserer Kriegsgefangenen und weiß, daß der.sofortige Zusammentritt der Kommission iür Kriegsgefangenenfragen sowie die sofortige Abreise einer österreichischen Delegation nach Sibirien von der Entente aus allaemrinen politischen Gründen verweigert wurden. Gründe, die General Slatin trotz seines hoben Ansehens und Wiederholter dringlicher Vorstellungen und persönlicher Bemühungen nicht zu überwinden vermochte. Die Teschener Frage. Saint-Germain, l. August. (Korr.-Bur.) Der Warschau« Korrespondent des „TernvS" glaubt, daß die Krakauer Verhandlungen über Teschen n i ch t gescheitert, sondern nur Unterbrochen seien. Die Entscheidung liege der Paderewski und M a s a r y k. die persönlich verhandelten. SRÜHrffchsOstktM, 1. August. „Nowa Reform a" schreibt Ger bte ischechrsch'polnischen Konferenzen, daß die tschechischen Delegierten auS Prag eher Neigung zu einem Kompromiß zeigten, während die Delegierten aus Mähnsch-Ostrau radikale Instruktionen besaßen, an die sie sich gebunden fühlten. An ihrer Opposition sollen alle polnischen Anträge gescheitert sein. DaS Blatt erklärt, auS informierter Quelle zu wissen, daß nach dem Abbruch der Krakauer Konferenzen es wahrscheinlich zu Verhandlungen zwischen beideri Negierungen kommen werde. Politische Annäherung zwischen Deutschösterreich und Jugoslawien. Laibach, 1. August. (Südslaw. Korr.-Bür.) „Slvvenec" meldet aus Marburg: Wie die „Marburger Zeitung" erfährt, bereitet sich zwischen Jugoslawien und Deutschösterreich eine politische Annäherung vor, die auf den Friedensvertrag mit Deutschösterreich vielleicht einen großen Einfluß haben wird. An Beweggründen für eine solche Annäherung fehlt es nicht. Jugoslawien, welches Italien vom Meer abschneiden will, kann niemals auf Fiume und Trieft verzichten, welche Häsen für sie ein vitales Interesse bedeuten. Der Südslawenstaat wird früher oder später in den Besitz dieser Städte gelangen; deshalb aber bedarf er im Norden eines freundschaftlichen Nachbars, um sich ^en Rücken zu decken.. Andererseits hat Deutschösterreich in feiner in der letzten Zeit betriebenen italienischen Politik große Enttäuschungen erfahren, denn es mußte Deuksch-Südtirol und den südwestlichen Teil Kärntens, wo kein einziger Italiener wohnt, abtreten. Aus dem Angeführten ist es sehr wahrscheinlich, daß die Annäherung dieser beiden Staaten auf den Friedensvertrag einwirken wird. Staatskrarrzler Dr. Renner reist nach Wiep. Saint-Germain» 1.! August. (Korr.-Bur.) Staatskanzler Dr. Renner reistMittwoch von hier nach Wien ab und dürfte Samstag stütz in Wien eintreffen. Der Staatskanzler wird sich m Wien einige Tage zur Erledigung wichtiger StaatSgeschäste aufhaltm.und sodann nach Samt-Germain zurückkehren. Wilsons AgitationSreise. ' Paris, 1. August. (Funkspruch.) Präsident Wilson wird Mitte August seine Rundreise durch die Vereinigten Staaten antreten. 'Diese wird einen-Monat dauern. Präsident Wilson de-, abstchtigt, während odr Reise 35 Vorträge zu halten. Die Streiks in England. Amsterdam, 1. August. Der „Telcgraaf" meldet aus London, daß die Leitung des Verbandes der Polize,beamten gestern abends durch eine Sonderausgabe deS sozialistischen Herald" einen Ausruf vcrbieitcte, warm alle Schutzleute-und Gefänanisbeamlen des ganzen Landes aufgefordert werden, abends die Arveit nieberzulcgen. Die Leitung des Verbandes, hat selbst zuerst mit dem Streik begonnen. Diese Aktion ist ein Protest gegen die vom Parlament zil ervilernden Rrgicruttgsvorschläge, wonach die Polizeibeamten emer gewissen Kontrolle unterstellt würden und ihnen .verboten werden soll, anderm Gewerkschaften anzugehören. Die Verbreitung von unzusürderch'nt unter beu Beamten wird mit Strafen bedroht. Paderewski über, den Friedensvertrag. Mährisch-Ostra«, 31. Juli. (Meldung der Polnischen Telegraphenagrntur.) In der Mittwochsitzung des polnischen Parlaments sprach Ministerpräsident Paderewski über dm Friedensvertrag mitDeutschland und über den Vertrag der Entente mit Polen. Paderewski erklärte, daß Polen durch die Abänderungen im Friedensvertrag zwar 95.000 Quadratkilometer verliere, jedych 60.000 Polen gewinne. Das Jnterqsse Polens erfordere es, daß im Westen möglichst viel Polen. und möglichst wenig Deutsche sind. In Betonung der unbedingten Notwendigkeit, den Friedensvertrag mit Deutschlandzu unterzeichnen, besprach Ministerpräsident Paderewski die Rechte der nationalen Minderheiten. Er erklärte, daß Polch: von selbst den nationalen Minderheiten diese Rechte zugesichert hätte nnd führt zum Beweis der Denkweise der Polen an, daß auch in Ostgalizien eine Amnestie für politische Verbrechen werde gewährt werden. Die Jnternationalisierung der Weichsel hätte nicht abgelehnt werden können, weil die Entente alle Flüsse der Welt internationalisieren wolle. Hierauf wandte er sich gegen diejenige::, : welche' pessimistisch auf die Erfolge der polnischen Politik sehen und sagte: „Sprechen wir offen, wir haben der Entente nicht viel geholfen. Es haben das in Unserem Namen, aber in bescheidenem Maß diejenigen getan,' denen man dafür in Polen bisher keinen Dank gewußt hat; es haben das die polnischen Flüchtlinge getan.- Wir haben den Alliierten nicht viel geholfen und trotzdem gefordert, daß sie hauptsächlich an uns denken, daß sie sich zu unseren Gunsten verwenden und nur unsere Angelegenheiten betreiben." Er schloß sein Exposä mit den Worten: „Wir brauchen ein dauerndes Einvernehmen und gute Beziehungen mit allen unseren Nachbarn. (Beifall und ' Zustimmung.) Man kann nicht immerwährend in Krieg hben. Wir wollen den Krieg nicht und wünschen uns den -Frieden nach außen, damit wir daheim am Wiederaufbau arbeiten können E'mtreffey der ersten Daumwollseudung i» de» Tschecho-Slswakei. a Prag» 1. Anaust. (Tel. der „95k. Morgenztg.") Miln dieses Monats wird die erste Teilsendung Baumwolle - -fcs.OÖO Ballen — in Böhmen emlangen und die Spinnerei er werden die Arbeit in s e h r b e i ch r ä u l t e« U « f k N tz' ausnehmen. Mit Rückstcht auf bi« in der Tschecho--Slo»arki lrestud liche Anzahl von rund 9'/, Mlllivnrn Spindeln wi&m au 10.000 SplNdel ungefähr 8800 Ballen Baumwolle kommen, mr welchen man die Spinnereien durch zwei Monate mit 20".« z» beschäftigen hofft. * , . , . ...

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