Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 192 (1.8.1919)
- Date
- 1919-08-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2979076-2979077-2979269--01711-2987144- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Wiener Morgenzettung 1. August 1919 Mr. 192 Wien, 31. Juli 1919. Präsident Wilson setzt seinen Kampf um die Ratifizierung seines Pariser Werkes mit Entschiedenheit fort. In einer Unterredung mit demokratischen Senatoren hat er dringend die Ratifizierung des Friedensvertrages und der Völker-un-verfasHng ' gefordert und gegen jede AcnderunI' des Abkommens entschiedene Einwendungen gemacht. Nun Hot der amerikanische .Senat den sranzösisch^amerikanischen ' Vertragsentwurf; ohne D>b atte der Kommission für Auswärtiges zur Berichterstattung zugewiesen. In der Botschaft, welche diesen .Entwurf kommentiert, "erklärt Wilson, die sofortige militärische Hilfeleistung für Frankreich im Falle eines ungerechtfertigten deutschen Angriffes als'den Zweck des UebereinkommenS. Der Vertrag fei nicht als unabhängig vom Völkerbundvertrag, sondern unter bessern Schutze zu denken. Im Völkerbund werde der militärische Schutz seinen Mitgliedern nur.auf Weisung des Völkerbundrates erteilt werden und dieser werde eine'Beratung vorausgehen müssen. Man solle also in der Lage sein, den angegriffenen Bundesgenossen in seiner gefährlichen Lage zu Hilfe zu kommen, bevor der Rat des Völkerbundes diese Weisung habe ergehen lassen können..Die Botschaft enthält des weiteren schöne Worte von den Freundschaftsbanden zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten und der neuen Morgenröte, die am Horizont aufgetaucht sei, aber sie vermögen die Zweifel an der Richtigkeit dieser neuen Bündnispolitik nicht verstummen zu machen, welche doch überflüssig werden müßte, wenn der Völkerbund das große Friedensinstrument werden soll, als daß man ihn der, hoffenden' Menschheit hingestellt hat, und wenn in diesem' Bunde Deutschland seinen Platz erhalten soll, der ihm ja auf die Dauer nicht verweigert werden kann. Auch in Europa selbst regt sich jener Geist der staatsegoistischen Allianzenpolttik, welcher nur. beweist, wie weit der wahre Völkerbund noch von seiner Verwirklichung entfernt ist. . . - „So erklärt Take Jones cü in seinem Interview die Gründung eines Oricntblocks für notwendig, der Polen, die Tschecho-Slowakei, Rumänien, Griechenland und auch Ungarn umfassen müßte, wenn dieses eine neue Regierung bilde und die neuen Grenzen als unabänderlich erkenne. Jones cu bedauert, daß der Block nicht schon vor Zusammentritt der Friedenskonferenz gegründet worden sei, da in diesem Falle manches anders gekommen wäre. Die Absicht solcher politischer Bestrebungen wird ohne Mühe deutlich: sie bezweckt eine Isolierung DeutschLarrds und Deutschösterreichs und ein gegenseitiges. GarantieverhaltniS zur Erhaltung der durch die Pariser Annexionspolitik gemachten territorialen Eroberungen. Ein Orientblock auf der Friedenskonferenz hätte, wiewohl Jonescu meinen mag, seinen Mitgliedern eine größere Rückendeckung verllehen und man hätte sich mit mehr Erfolg gegen die unerwünschte Beeinflußung d?r Weltmächte und namentlich Wilsons gestemmt, wie 'sie in den Paragraphen des Minoritätenschutzes zum AuShrucke &mmt. Der Landhunger der Balkannlachte ist im übrigen noch' nkcht befriedigt und Griechenland, erhöbt Ansprüche auf Mazedonien, welches eine bulgarische Denkschrift als tatsächlich' bulgarisch zu erweisen sucht. Daß Bulgarien jedenfalls mit einer Gebietseinbuße zu rechnen hat, ist nach Deutschlands und Deutschösterreichs Erfahrungen selbstverständlich. Die ' . dstgaNzische Frage wollen die Polen auf der Grundlage einer nationalen A u t o y o mi e gelöst wissen und die polnischen Delegierten Galiziens haben Paderewski Vorschläge in diesem Sinne unterbreitet, welche als Ausgangspunkt bei PaderewSkiS Verhandlungen in Paris dienen sollen. Von einer territorialen Autonomie in Ostgalizien wollen die Polen nichs wtssent. In Deutschland stehen die Enthüllungen der letzten Tage noch immer im Mittelpunkt des Interesses. Ludenj dorff wirb nicht müde, in den Blättern seine Haltung zu rechtfertigen und erklärt zu der heute veröffentlichten Denkschrift: jeder der nur ein geringes militärisches Verständnis besitze — woran es in Weimar zu mangeln scheine werde erkennen, daß Deutschlands Forderungen auf gesunden militärischen Erwägungen basierten. Subjektiv mag natürlich Herr Ludendorff recht haben und es fällt nicht schwer, seinen und der Gleichgesinnten Annexionseifer auf „gesunde militärische Regungen" zurückzuführen. Man sieht ja, zu welchem Ergebnis sie geführt haben. Im übrigen soll die Beröfs^rchlichung der bezüglichen diplomatischen Dokumente durch de» Vatikan bevorstehen. * Die inneren Schwierigkeiten sind in Deutschland noch nicht überwunden. Reichsminister David hält die Gefahr einer dritten Revolution für keineswegs ab gewehrt, die Unabhängigen. fordern zu neuerlichen Protestkundgebungen gegen den Belagerungszustand, das Gewaltregnnent und Diktatur einer übermütigen Soldateska ans und die Regierung scheint den Wiedereintritt der Demokraten ins 'Kabinett anzilstrebeu, der vermutlich bald erfolgen dürfte. Die Wirtschaftskoinmission für die. Attssiihrung des Friedensvertrages Hai der Regierung Bericht erstattet und inan,;sieht klar, daß die 'Durchführung des Vertrages namentlich die K oh len liefer u n g Deutschlands im nächsten Wintei die schwersten .wirtschaftlichen Opfer auferlegen wird.. Deutschland bedarf bringend der inneren Einigkeit. Die Schuld daran, daß sie noch immer nicht kommen wils und der Kampf der Unabhängigem fortdanert, liegt zum guten Teil an dev Prinzipienlosigkeit der Mehrheitssvzialisten und der bekannten Noske-Wirtschaft. Die Enthüllungen, der letzten Tage und die Angriffe der; Rechten in Deutschland wären überflüssig gewesen, wenn die. Regierung in der Schuldfrage, die entsprechende Haltung' eingenommen und sich zur Veröffentlichung der durch Kautsch, gesammelten Dokumente entschlossen hätte. - Ein heute veröffentlichtes Weißbuchvüber die Vorgeschichte des Waffenstillstandes, welches die Aktenstücke..aus der Zeit vom 14. Aygust bis 11. November 1918 enthält, soweit sie sich auf das Friedensangebot urch das- Waffensttllstandsabkommen beziehen, beweist, daß die Damaligen Machthaber noch Mitte August auf geeignetere.- Momente und /Erfolge warteten, als man schon klar sah', daß es nicht mehr möglich sei, den Krieg militärisch zu gewinnen. Am 3. September 1918 lehnte Reichskanzler GraL Her tling ein sofortiges Friedensangebot ab und die weitergehenden Wünsche Oesterreichs nach einem direkten Appell wurden verworfen. Bis zum 10. September suchte man! die Oesterreicher von diesem Schritte zurückzuhalten und erst.' als diese trotz des deutschen Widerspruches ihren Appell hinausgehen ließen, entschloß man sich auch von deutscher^ Seite, die neutrale Vermittlung Nebenher zu suchen. Welche. Schritte , Sixtus von Parma im Aufträge des Exkaisers Kark >! unternommen hat, schildert der Pariser „Excelsior". Dev' damalige Ministerpräsident Br Land glaubte, daß man nach Befriedigung der italienischen, serbischen und rumänischen- Ansprüche mit Oesterreich Frieden schließen könne und dttj Monarchie mtt Bayern zu vereinigen wäre, um ein Gegen-.! gewicht gegen Berlin zu erhalten. Kaiser Karl war zu Opfern bereit und suchte Frankreich mit oder ohne Vorwissens Wilhelms zu informieren. Hierauf erklärte Briand, daß Frankreich Elsaß-Lothringen erhalten müsse, wogegen Karl! keinen Protest erhob. Zur Zeit von Ribots Minister- Präsidentschaft ließ der Kaiser geheim mitteilen, daß er bereit wäre, einen Waffenstillstand abzuschließen und drei Bedingungen eines Separatfriedens zu erörtern, worauf bei einer zweiten Unterredung am 31. März 1917 Prinz Sixtus Poincarö den bekannten Kaiserbrief übergab. Ribot setzte sich nun mtt Lloyd George ins Einvernehmen und. es kam zu einer Zusammenkunft mtt Sonnino. Ribot und! Lloyd George beschränkten sich daraus, Sonnino über seine, und des Ministerpräsidenten Boselli Ansichten über eventuelle Unterhandlungen mit Oesterreich-Ungarn zu sondieren, wobei sie durchblicken ließen, die Monarchie könne vielleicht' eines Tages ihre Bereitwilligkett bekunden, die Feindseligkeiten zu beenden. Da werde es gut sein, schon vorher! die Meinung Italiens zu kennen und vor allem zu wissen, ob Sonnino bereit sein werde, angesichts der Tatsache, hast ein Friede' mtt der Monarchie den mttitärischen Zusammenbruch Deutschlands zur Folge haben müsse, Konzessionen zu machen. Sonnino, der reine Ahnung von dem Kaiserbrief hatte, antwortete, daß die italienischen Forderungen einj Minimum darstellen. So beschränkte man sich hierauf, ein von Ribot, Lloyd George und Sonnino unterzeichnetes Me-, morandum aufzusetzen, in dem die Uebereinstimmung aus gedrückt wurde, daß der Augenblick für einen Gedankenaustausch nicht opportun wäre/ Im Mai überbrachte Sixtus einen zweite» Brief des Kaisers Karl, f in dem diesmal auch von Italien die Rede warvon dem.cS. hieß, daß um dieses kein« Sorge nötig sei, da Italien; selbst k.ürzlichbeimKaiser um Frieden gebeten habe. Als dies später Sonnino mitgeteilt wurde, protestierte er gegen die Verleumdung und ^erklärte, die einzigen Friedensbedingungen, die in Betracht knmeii, seien die des Londoner Vertrages. Die ganze Sache fei «sin Jntrlgenwerk von deutsch er Mache. Ribot und Lloyd George wollten deryi Kaiser nicht endgültig absagen, aber auch nichts ohne Italiens? Zustimmung unternehmen. Also wollte man den italienischen! König zur Besichtigung der französischen Front laden und/ Polncarä sollte den Besuch erwidern und die Sache einleitend Aber verschiedene Umstände verhinderten die Reisen und die Verhandlungen fanden ein Ende. .Lloyd George hatte sich! Überzeugt, daß Kaiser Karl, wenngleich er aufrichtig uni Frieden gebeten hätte, sogleich Umfallen würde, wenn Deutschland davon erführe. Seve 2 Wien, Freitag r—- ... Tr - .• 1, .. ■.■■■■ ■ ■■ - in jenen Gegenden ein unaufhörlicher Krieg zwischen Polen und Ukrainern, Polen und «Bolschewiken, Ukrainern und Bolschewiken lobt, so daß dort jeder Verkehr stockt? Wir wollen gar nicht davon reden, daß in Polen und in der Ukraine an der dort befindlichen jüdischen Bevölkerung seit mehr als einem halben Jahr die schrecklichsten Verbrechen begangen werden und daß die Zahl der jüdischen Pogromopfer schon in die Tausende steigt. Der „Arbeiter-Zeitung" sind diese Verhältnisse noch besser bekannt, als oer übrigen Wiener Presse, da sie ja in Verbindung mit den polnischen Sozialdemokraten ftefyt,/ deren Mitschuld an den Pogromen schon längst einwandfrei erwiesen ist. Daß' die „Arbeiter-Zeitung" die Gelegenheit benützt, die Flüchtlinge alle für einen und einen für alle als „Händler, Ägenten, Spekulanten und Schleichhändler aller Art" zu erklären, nimmt niemanden wunder, der da weiß, wie rasch die Kreise der „Arbeiter-Zeitung" es gelernt haben, sich den Parolen der Wiener Hetzyresfe anzupassen. Die übergroße Mehrheit der jüdischen Flüchtlinge lebt in Wen unter den schauderhaftesten wirtschaftlichen Verhältnissen und in einer hygienischen Verfassung, die jeden Menschenfreund die Hände zusammenschlagen läßt. Die Hungersterblichkeit unter den Kindem dieser Flüchtlinge hat einen derartigen Grad erreicht, daß die mutige Frau Anitta ' Müller die Oeffentlichkeit des Auslandes durch Lichtbildervorträge darauf aufmerksam machen mußte. Daß es unter den Flüchtlingen Wucherer und Preistteiber gibt, kann nur Leute wundernehmen, die die soziale Entwicklung der Kriegsjahre mit dem Verständnis eines Kindes ansehen. Wir könnten der „Arbeiter-Zeitung" aus ihrem eigenen Blatt Nachweisen, daß Kriegswucher und Spekulantentum nicht im geringsten an irgendein religiöses oder nationales Bekenntnis gebunden find. Natürlich weiß das die „Arbeiter-Zeitung" ebenso gut wie wir und ihre Hetze gegen die Flüchtlinge entspringt nur dem Bestreben, die jüdische Herkunft ihrer eigenen Führer zu vertuschen, indem sie in das Geschrei gegen die Juden einstimmt. Das ist immer Renegatenart gewesen und die getauften oder noch nicht getauften Redakteure der „Arbeiter-Zeitung" fallen durchaus nicht aus der Rolle, wenn sie der antisemitischen Presse die Beschimpfungen und Verhöhnungen jener Opfer des Krieges Nachreden. Die Meinung, daß eine Entfernung der Flüchtlinge eine Entlastung der Bevölkerung Wiens zur Folge haben würde, steht im diametralen Gegensatz zur Wahrheit. Die jüdischen Flüchtlinge, deren Zahl übrigens bisher ängstlich geheimgehalten wird, schaden der Wiener Bevölkerung in garmchts. Das Wiener Volk leidet Hunger nicht durch die ^Iüdjtlinge, die mit ihm hungern, sondern durch die niederösterreichischen Agrarier, deren Blockade Wiens jene der Entente noch weit' übertrifft. Nicht die Absperrung Wiens ist das Mittel, die Lebensmittelschwierigkeiten zu erleichtern, sondern die Oeffnung Wiens und feine Rückkehr zu den guten Traditionen einer Weltstadt. Mit chauvinistischem Fremdenhaß, mit Paßkontrollen und Grenzpolizei wird man auch nicht ein Lot Fleisch mehr für Wien erhalten. Nur eine wirklich freiheitliche Verwaltung der Stadt, die die priiMe Initiative fördert und das Ausland zur Arbeit heranzieht, kann Wien Hilfe bringen. Der Staat Deutschösterreich muß jeden dankbar, begrüßen, der sich mit gutem Willen in den Dienst der .schaffenden Produktion stellt und der den produktiven Elementen im Ausland die Gewähr dafür bieten kann, daß Wien eine Stätte der Arbeit, aber nicht eine solche des Haffes und der Krähwinkelei ist. Wir haben zu wiederholten Malen daraus hingewiesen, daß das jüdische Volk in England und Amerika für Deutschösterreich viele Sympathien besitzt und gerne dazu Helsen würde, Deutschösterreich aus dem Chaos des " Krieges herauszufiihren. Die Hetze der „Arbeiter-Zeitung" gegen die jüdischen Flüchtlinge ist nur geeignet dys' Vertrauen, das das Judentum des Auslandes für Deutschösterreich besitzt, zu erschüttern und die Bevölkerung der Republik auf das schwerste zu schädigen. Schon Bismarck hat davon gesprochen, daß eine Regierung in die Lage kommen kann, die Fenster zu bezahlen, die ihre Presse einwirft. Es läge im Interesse der Regierung, die „Arbeiter-Zeitung" emzuladen, das Steinewerfen einzustellen. Das Grundverkehrsgesetz. Bei. den Verhandlungen über das neue GrundverkrhrSgrsetz vn landwirtschaftlichen Ausschuß' der Nationalversammlung ist ttittns der deutschen Bauernpartei durch Abgeordneten Stöcker eine Reibe von Abänderungsantrsigen gestellt worden, die den Zwcck vni'olgien, gesetzliche Bestimmungen zur Sicherung des bauerlichenBesitzstanveS beiVcräußerungenzuschaffen. Da die beiden wichtigsten Anträge in der Minorität Hieb™, beabsichtigt die deutsche Bauernpartei anläßlich der Bebandilmg dieses Gesetzes m der Nationalversammlung ncuetlich ihre Anträge einzubrmgen. In einem derselben wird verlangt, daß der in deutschen Händen befindliche Besitz nur wiederanDeutsche übertragen werden kann, im andern, daß bei Exekutionen den Verwandte» und den übrigen im Gesetze bevorzugten Personen die Begünstigung kingeränmt werde, den zur Versteigerung kommenden Besitz rum Schätzungswerte zu erwerben. Es handelt sich also, worauf wir rechtzeitig aufmerksam machen wollen, wieder um den Versuch, eine Kategorie von begünstigten — deutschen — Staatsbürgern und von nicht begünstigten — nichtdeutschen Staatsbürgern zu schaffen Die a n t i s e rn i t i s ch e S p i tz e ist hier unverkennbar. Es nHf b:n Juden gesetzlich verwehrt werden. Boden zu tmc.hHi. Die „Arbeiter-Zeitung" über Strickers Letzte ParlanEntsrede. jüdische» Redakteure der Arbetter-Zeitmrg Ware» über die Ausführungen deS Abg. Stricker in Angelegen»- hett der Namensänderung höchst ungehalten. In der Ein- 'beglettung der Arbeiter-Zeitung zum Berichte über die betreffende Sitzung der Nationalversammlung heißt es: „Herr Stricker, der nationale Jude, ersah' die ergiebige Gelegenheit, den Juden, die ihre Namen oder gar ihren Glauben ändern wollen, sein hohes Mißfallen zu bezeigen und tat diemtt einem zur Bedeutung des Gegenstandes kaum im richtiger^ Verhältnis stehenden Austvande von Stimme mrd Temperament/ Auch wird indigniert bemerkt, sein« Rede sei antisemitisch gewesen. Me könnte es anders sein? Stricker hat mtt jener Entschiedenheit, die im richtige» „Verhältnisse zur Bedeutung des Gegenstandes" , steht, die Renegaten abgeschüttelt. Er hat zunächst die Judenhasser gebvandmarkt, welche das jüdische Volk und sich selbst schändeten, indem sie Ostjuden deshalb ekelhafte und lächerliche Namen beilegten, weil sie nicht die genügenden Bestechungsgelder aufbringen konnten. Er hat aber auch unerbittlich aufgezeigt, welche jüdischen Elemente der Judenheit Schande machen, indem sie aus Charakterlosigkeit und Feigheit ihre Namen ablegen, sich von esner in schwerster Bedrängnis befindlichen Gemeinschaft sortschletchen und loskaufen und deren sehr zweifelhaftes Gehaben im politischen oder wirtschaftlichen Leben doch immer dem Judentum« angekreidet wird. Uyd das hat da- „hohe Mißfallen" der jüdischen Redakteure der Arbeiter-,Vifum* errtn* Zum Unglück ist aber im Parlamentsberichte bet, Arbeiter-Zeitung selbst Strickers Rede vollkommen richtig wiedergegeben. Der Wiener Arbeiter, der zunächst die redaktionelle Eiubegleitung und hierauf die Rede selbst gelesen! hat, muß sich erstaunt gefragt haben, warum gerade dies« Ausführungen als judenfeindlich bezeichnet werden. Er Hais doch in d« Arbeiter-Zeitung nur allzu oft wirklich antisemitische Auslassungen gelesen. Da kann nur der sozial-. , demokratische Genosse am Ende doch noch daraufkomrnen, daß her EinbegleiHr deS Berichtes nicht unbefangen war. EÄ wäre von der Arbeiter-Zeitung taktisch'klug, solch« Erwäguu-. gon nicht heraufzubeschwSre». . jj Wie antisemitisch" übrigens Stricker sprach',' geht schm? daraus hervor, daß btt „Retchspost" die Rede Strickers fast, völlig verschweigt. * ES trifft sich gut, daß an dem Tage, da die Arbeiter- Zeikung dem jüdischnationalen Abgeordneten „Antisemitismus," vorwtrst, der „Aben d" folgendes schreibt: In der Arbeiter-Zeitung ist heutt von den aus Ungarrtz zugereisten KriegSgewiirnern „und noch andere Semiten" zu lesen: Man mutz sich wundern, den Ton der „Reichspost" nun auch im Zentralorgan der Sozialdemokraitt DeutschösterreichS. zu finden. Das ist vttlletcht des Offiziösen ein bißchen zu viel. Man scheint bas Gedächtnis für die ./anderen" Semiten verloren zu haben: Marx, Lassale, Viktor Adler usw. Und gibtes inderRechtenWienzeile nur me'hr waschechte Antisemiten?