Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 192 (1.8.1919)
- Date
- 1919-08-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2979076-2979077-2979269--01710-2987143- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
45iNf«fjNrfmWfU't Preis 30 Heiler flümt BHt Luflüllmg im :i - Hau»» nm«.»• »k l<tla . n 80.— . toks vV>.,„ 40.- kmrrrshri- . .% 80,— Mt Postversand r mundnemat. . . ,K 7.60 aifftttliSkria. *• 28,— ' „ 44»r* »«MtThrk» * 88.- mltptpmtt AdmirrrstvafUtt 440S8. Nedaktto« 48810, ad S'«h» «tot»# K». 10801 W' um et GsNIHWUrMPLUV r Preis 30 mp %lvSntxin*vati#n*» pvrift füt da# A«#landt Monatttch . . . L 8.80 NirrtelfShrkg. 1>t. »S.- ÄalvfStzrrs . > 80.—!. ,fv H 06.- ' ~f V; Usdakttoir«. AVMnlstrir. .>>/ -tom SOfWrf» Tl»oM«S» Up» 1—B < .' . \t,'. ■ pystfpo-rkassertz^Bvi» 'Nr. 150.698 Nr. 1S2 Wien, Freitag, den 1. August ISIS 1. Jahrgang Dela Kn« weigert sich zmückzutreten. Die Verhandlungen in Ktralyhida resultatlos.' — Die Entente fordert den Rücktritt.der Vitteregierutg. : Wien, 31. Juli. (Korr. Expreß.) Der Volkskommissar für Aeutzeres Bela K r; n ist Mittwoch in Kiralytzida eingetroffen. Bela Kun hatte die Reife nach Kiralyhida auf tele- .MyNifche Aufforderung des Gesandten Wilhelm Böhm angetreten, Mem die Vertreter der Wiener EntenteMifstonen die Mitteilung gemacht hatten, daß die Vertreter der alliierten Regierungen v ö r d e m B e g i n n einer e n t s ch e 1 d e n d e n E n t e n t e a k t i o n gegen die ungarische RLteregierung mit Bela K n n i U W i e n p e r s ö n l i ch zu verhandeln wünschten. BelaKun vereinharte jedoch mit Böhm telephonisch, nicht nach Wien, sondern Mß bis Kiralyhida zu kommen, wohin sich hierauf gleichfalls gestern vormittags auch Böhm, WelLner und Payer begaben. Gesandter B ö h m übergab hierauf Bela Kun den Vorschlag der Entente, der iw «esenttichen folgendermatze« lauteter : Die Entente fordert, bevor sie gegen die RSteregierung entscheidende Schritte / unternimmt, hie' dem Vielgeprüften. Land Ungarn nur neue Blutopfer kosten würde«, < Bela Kun ausi die Macht freiwillig einer gemischten, ans Sozialdemokraten und ‘ Bürgerlichen Lestetzenden Negiernng zu Übergeben. .Gesandter Böhm nnd Jakob Weltner selbst identifizierten sich nicht mit diesem Ententevorschlag, sondern schlugen ihrerseits BelaKun vor, die Macht einer rein sozialpemok,rattfHenRegierung zu Übergeben. BelaKnn lehnte jedoch auch diesen Vors ch l a g e n t s ch i e den a b und erklärte w ö r t l i ch: „Ungarn wird ein Sowietungarn bleiben und die Arbeiterschaft wird bis ZW setzten Blutstropfen, auch um den Preis von Stratzenkämpfen in Budapest, das Rätefystem verteidigen," ' Die Verhandlungen der Entente mit Bela Kun sind demnach gestern g escheitert. Von der Antwort Kuns wurden die Vertreter der Entente noch Mittwoch nach- '^«Echjis^ver^S«-d^M^bvch^chchnerüeusWert> d a tz G e fp nH t eu^Fber^abends «ach Wie» zurückgekehrt war, g estern früh in Begleitung seines Sekretärs wred er «ach Kiralyhida fnhr, wo er neuerdings eine Begegnung mit Bela Knn hatte. Böhm kehrte heute nachmittags nach Wien, Bela Kun nach Budapest zurück. Im Laufe des heutigen Nachmittags sprach ein Mitglied der Wiener italienischen Mission in der ungarischen Gesandtschaft in der Bankgasse bei Böhm vor. Morgen mittags find et eine neuerliche Besprechung zwischen Pelal Kn« und dem Gesandten Böhm in Kiralyhida statt. Das Urteil im Holleschauer Pogromprozesi Eine eigenartige Begründung des Urteils. S l m fi $, 31. Juli. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Im Holleschauer Pogromprozetz Wurde heute das Ar t e il gefällt: Unter atemloser Spannung des Auditoriums erhob sich der Borsitzende, richtete an das Publikum und die Angeklagten die Aufforderung, das Verdikt ohne jede Aeutzerung des Mißfallens oder Beifalles aufznnehmen und verkündete soda»m das Urteil, demzufolge die nachstehenden Angeklagten verurteilt wurden. Franz B a k a l a wegen Verbrechens der öffentlichen Gewalttätigkeit (Fall Friedrich G r ä tz e r) zu IS I a h r e n schweren und verschärften Kerkers und Perlust des Wahlrechtes» - Stanislaus H l u st i ft wegen Verbrechens der öffentlichen Gewalttätigkeit, des bewaffneten Raubes (Fall Wilhelm Berg und Ludwig Nasch), des Diebstahls (Fall Jakob D euts ch) Gnv der Aebertretnug des Waffenpatentes zu fü nf I a h r e n schweren und verschärften Kerkers und Verlust des Wahlrechtes» Ludwig Prüf e n o wsktz «egen Verbrechens des Raubes, des Hausfriedensbruches und des Diebstahls zu v i e r I a h r e « schweren Kerkers, Franz Krupala wegen Verbrechens des Raubes, des Hausfriedensbruches und des Diebstahls zu dreieinhalbIahren schweren Kerkers, Gottlieb Krupala wegen Verbrechens des .Raubes, des Hausfriedensbruches und des Diebstahls HÜ dr.ei I ahren schweren Kerkers, j Alois Senkt ri k wegen Verbrechens der lsffentlichen Gewalttätigkeit, des Hausfriedensbruches, der GrpreffUng stnd des Diebstahles zu 21 Monaten schweren und verschärften Kerkers» S c a d l i k wegen Verbrechens der öffentliche» 'Gewalttätigkeit durch Beschädigung des Staatstelegraphen und des Diebstahls zu 18 Mouate «; chmeren Kerkers» Johann H o uz v a wegen Verbrechens dev öffentlichen Gewalttätigkeit durch Beschädigung des Staatstelegraphen» des Hausfriedensbruches und des Diebstahls zu 15 M o n a t e n schweren Kerkers, Stanislaus H o l i k wege» Verbrechens des Hausfriedensbruches» des Diebstahls und der Uebertretnng des Waffenpatents zu 13 Monaten schweren Kerkers, Rudolf JaworSktz «egen Verbrechens des Hausfriedensbruches zu einemJahre schweren Kerkers, Lazar Pr« f.e n o w s k y wegen Anstiftung züm^ Verbrechen der boshaften Beschädigung des Staatstelegraphen zu e i « e m Jahre schweren Kerkers, Franz Senkirik wegen Verbrechens der öffentlichen Gewalttätigkeit zu einem Jahre schweren Kerkers, Franz ^Be) d a wegen Verbrechens des Diebstahls zu acht M o « a t e u schweren Kerkers, Franz H r a d i l wurde freigefprochen. Als erschwerend wurde bei allen Angeklagten die Konkurrenz mehrerer Delikte, die mehrfache Qualifikation und die besonders gefährlichen Verhältniffe angenommen» als mildernd das teilweise Geständnis» die Erregung infolge Alkoholgenuffes und das v e f^o n d e r e lokale V e r h ä l t n i s zwischen der jü di scheu u n d d e r übrigenBev ölkerung H olles chans ferner die Demoralisation infolge des Krieges. Die durch Dr. Donath vertretenen Privatbeteiligteu wurden mit ihren Ansprüchen auf den Fivilrechtsweg verwiesen. Das Urteil wurde mit Ruhe ausgenommen. Die Verteidiger behielten sich die E rgreisung von Rechtsmitteln vor» der Staatsanwalt dürfte «egen zu g er i n a e n 0 i s ß f « ’t « jtu ft c 5 b e, 1 rufen. ' Me Hetze gegen die Flüchtlinge. —y SB t e tt. 1. August. In der Oeffentlichkeit war gestern die Nachricht verbreitet, daß die niederösterreichische Landesregierung in einem öffentlichen Anschlag die Ausweisung der. Fremden bekanntgeben werde.' Es solle an alle Personen, t)ie nach dem 1. August 1914 infolge, der Kriegerischen Ereignisse, sich nach Niederösterreich ge-- flüchtet haben und die deutschösterreichische Staatsbürgerschaft nicht erworben haben,. Ne Aufforderung gerichtet werden, bis längstens 15. August Deutschösterreich zu verlassen. Diese- Nachricht,'entspricht,! wie wir festzustellen in der Lage sind, nicht der' Wahrheit. Es werden lediglich' die ungarischen Staatsangehörigen, die seit dem 1. März dieses Jahres . nach Niederösterreich zugewandert sind, veranlaßt werden, bis zum. 5. August Deutschösterreich zu verlassen. Die Nachricht von der 'Ausweisung der Kriegssiüchtlinge hat, da sie von der „Arbeiter-Zeitung" publiziert worden war,, die in den Kreisen der.jüdischen Flüchtlinge — und solche wären hauptsächlich getroffen — bestehende Unruhe noch verschärst. Wir wollen deshalb unterstreichen, daß eine solche Maßregel in solchem Umfang zwar geplant war, jedoch nach Verhandlungen zwischen ' der Negierung/ dem Abgeordneten Stricker und den jüdischnationalen Gemeinderäten urtff gemäß. einer strikten Erklärung, . die der Staatssekretär Eldersch am Montag den ‘ '28. Juli dem Abgeordneten Stricker gab, unterbleib^' Es besteht für niemanden ein Grund, an der Loyalität. dieser Erklärung zu zweifeln. i Nach dieser Feststellung erscheint es notwendig, sich mit der Begründung auseinanderzufetzen, die die .„Arbeiter-Zeitung" tzex aWebljch geplanten -Maßregel widmet. "Die MrbeilDZeMüg" 'W' ob.Md. Rechl oder Unrecht, fei dahingestellt — als ein maßgebendes Organ der derzeitigen leitenden. Persönlichkeiten. Ihre Artikel können leicht den Anschein erwecken, als ob sie die Meinung der Regierung wiedergeben. Wir wissen bestimmt, daß die Feindseligkeit, 'mit der die „Arbeiter-Zeitung" die Flüchtlingsftage behandelt^ Mt den Intentionen der Regierung entspricht, der äMs daran gelegen sein muß, ' im Ausland keine falschen Anschauungen über die hierzulande herrschende Auslegung des Begriffes der Freiheit aufkommen zu lassen. Es wäre auch ein Widersinn, jetzt eine Maßregel zu verfügen, die man schorz in wenigen Tagen unter dem Druck des Friedensvertrages wieder aufheben müßte, der sehr weitgehende Bestimmungen über den Schutz derjenigen Landesbewohner enthält, die nicht der deutschöfterreichischen Nationalität angehören. Wenn der Staatskanzler Dr. Renner sich in Saint-Germain bemüht, die Gegner von dem ehrlichen Willen und der demokratischen Entwicklung Deutschösterreichs zu überzeugen, so wäre die generelle Ausweisung der jüdischen Flüchtlinge das stärkste Hemmnis für diese Besttebungen. Die Wirkung einer solchen Maßregel wäre für unsere Hetzer eine, verblüffende, da sie. sich in einer ^eit einstellen würde, in der vor den Augen Europas die rumänische Judengesetzgebung zusammengebrochen .ist, und auch'die Polen sich zu einem Einlenken bereit zeigen.. „ . Die „Arbester-Zeitung" tut also der Regierung einen sehr schlechten Gefallen, wenn sie in der Begründung einer Maßregel, die jedem demokratischeir Ernpsinden, jedem "menschlichen Gefühl ins Gesicht schlagen würde, gegen die Flüchtlinge Schlagwurse gebraucht, die aus' dem Giftarsenal von Elementen stammen, mit denen sich fcte Sozialdemokraten sonst nicht öffentlich beisammen zeigen. Der Haß der „Arbeiter-Zeitung" gegen die jüdischen Flüchtlinge geht soweit, daß sie sich sogar mit der Wahrheit der Tatsachen in schreienden Widerspruch setzt. Die „Arbeiter-Zeitung" behauptet: „Die galizischen Flüchtlinge sind nun fünf Jahrein Wien und da der Krieg mit Rußland schon anderthalb Jahre zu Ende ist, ihre galizische Heimat schon vorher befreit und, also wieder erreichbar war, so hätten sie die Möglichkeit zur Riickkehr längste und lange gehabt." Weiß die „Arbeiter-Zeitung"! nichts davon, daß das Armeeoberkommando, solange es noch die Macht in Händen hatte, also bis zum Zusammenbruch der Monarchie, ' die Rückkehr der Flüchtlinge'sticht hat geschehen lassen, da sie das .ostgalizische polnische Gebiet noch weiter als Kriegs- - theater betrachtete? Und ist der „Arbeiter-Zeltüng" i nichts davon bekannt, daß seit dem Zusammenbruch