Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 190 (30.7.1919)
- Date
- 1919-07-30
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 84% known words query
- IRI
…/2979076-2979077-2979267--01695-2987126- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 4 . , . Wien, Mittwoch - - I - ■-;---;— -— Telegramme. Die ungarische RLteregierung an das Proletariat de^ Welt. BMapest, 69. Juli. Das Ungarische Telegraphen- KorrespvndenMreau meldet: Als Antwort auf die Erklärung der Entente,' rnit der un g a ri s chen Räteregierung nicht zu verhandeln, hat die Räte- «Hsievung an das Proletariat der Äelt einen Aufruf gerichtet, worin es unter anderem heißt: Die Mmrgeoisregiermrgen der Ententemächte wollen mit den Waffen der Aushungerung uns das ab geschüttelte Joch des Kapitalismus neuerdings aufztvingen. DieEntenteregreruugen erklären, mit dem Rätr-Ungarn nicht verhandeln zu können,' weil die Macht des Proletarier-' staates nicht auf. dem Bolksw Men 'beruhe. .Das sagen diejenigen, die entgegen dem DolkZwillen einen Krieg eingeleitet rmd Jahre hindurch geführt haben, die Bandenhäuptlinge ans exotischen Ländern zu ihren Verbündeten gemacht und Kolonien unterjocht haben. Bon Terror sprechen jene, die die Völkermillivnen in den diesen au.fgez'wungenen Krieg mit der Gewalt der Waffen gezwungen haben, die den Kanipf der Arbeiterschaft für eine bessere Existenz mit Waffen. ersticken und jedes bißchen lautem* Willensäußerung der Arbeiterschaft verstummen lassen. Man wirst uns Terror vor, während wcat unsere Kinder durch die Blockade ansrotten will. Der Aufruf schließt! Wir fordern Euch, Arbeitende aller Lander, die Proletmie'r^Organifationen der ganzen Welt auf: Schicket, euve M gesandten her, besichtigt durch ste unsere Arbeit, die den Kapitalismus zertrümmert und den Sozialismus aufbaut! . Angarischer Kriegsbericht. Budapest, 29. Juli. (Ung.Tel.-Korr.-Bur.) Die Rumänen haben längs derTheiß nirgends den Versuch gemacht, öder dmFluß zu setzen. Ausgenommen in der. Gegend tun' Tokaj, wo kleinere PatroMen auf Flößen den Uebergang versuchten. Diese Patrouillen wurden teils gefangongjmszxmen, tzlls ach das jenseitige llfer zurückgeworfm. Sonst ist die Lage unverändert. Armeeoberkommando. , Die Beschlagnahme derrtschöfterrerchischen Ve-- Mes in Ungarn. Budapest, 29. Juli. (ttng. Tel.-Ko«c^Bur.) Die ungacheRätereaierung richtete in An gelegen heit der Frageder Beschlagnahme des Besitzes ausländis ch erWertp aprere z w e i Nb ten an d i t d e u t s ch ö st e r r e i ch i s ch e -D e s a n d ts ch a ft iuBndapest. > ' I« der etstes Note wird au, die Verlängerung derAnmeldefM b^Mich der nn Besitze von Ausländern befindlichen WertpöMre Pngewiesm, ö»d zwar müsse die Anmeldung.. seitens der Angehörigen der europäischen Staate« bis zum 8t. August, sovms - der Angehörigen überseeischer Staaten bis zum 3S. September beim VoWw irisch aftsrat tatsächlich eirigetroffe» sech. - Dre Note betont, daß .eine neueÄche Berlängerang des Amneldotervttns nicht erfolgen könne, .'da der Bechnn der BorarbeÄttr für die finanzielle Abrechnung mit den auMsdischen Staaten nicht aufgehobm werden könnet BMAich der AuÄärrder sei selbßverstäubllch, daß die -u u g a-' rische Räteregierunß kein Inter es s e h a b e, diese durch Androhung von' Strafmaßnah men. zur Anmeldung ihrer Forderungen Ungarn gegenüber zu zwingen, MderAchvts ab« erürket die Regiwung, daß nach dem festgesetzten Termin angenrÄdete Forderungen nicht mehr berücksichtigt werden. können. In der zweiten Note erklärt die ungarische. Rätcregierrmg, üe könne nicht auf das Recht verzichten, .das Vermögen in Mgärn wohnender AuZändec bildende oder im Besitze von in Ungarn wchnenden AMändexn befindliche Wertpapiere im Bedarfsfälle'in Anspruch zu nehmen. Das bartet aber texuoswegs, daß die NäterrgiEug diese Papiere cm tatsächirch in Arstvruch nimmt. Jedenfalls worden Aus-' Müder im Falle ein» süvhen I n a n s p r u ch n a h m»e «hrer Paprere vollständig schadlos g,eh rt t e.n werden. M^rrsgsSttZrz Mischer BkiLLer in Pslerr. Wsrfcha-u» 88. Jnü. (Tel. der „Wr. DaS Pre-övresn teilt mit, daß auf behördliche Verfügung' Mchüus» per jüdischen ZerMnaen .Hajnt", „Moment" und tf iüdisKe Volk" wegM .»belMisrüder Angriffe" gegm den tfchm Gesandten in Polen, Wyndhan, verootsn wurde, MorWuztg.") eriügung das Wiener Alorgenzeitung --:———:—-p---—• ~ Polen und der Friedensverträg. Warschau, 29. Juli. (Poln. Tel.-Agent.) Im RatisikationS-- auSschuy des polnischen Landtages wurde die Rat i f i kativn des Friedensvertrages mit Deutschland mit 22 Stimmen gegen 8, die Ratifikation des Vertrages der Entente mit Polen mit 28 Stimmen gegen 13 beschlossen. Es wurde ein Subkomitre'eingesetzt, welches dre mit dem Vertrage in Zusammenhang stehenden.Anträge formulieren wird. ^Die polnischen PreffeoertreLer bei MorgerrLhau' -Warschau, 29. Juli.'(Tel. der „Wiener Morgonztg") Bon den vielen Konferenzen, die die amerikanische Kommission in den wenigen Tagen ihres hiesigen Aufenthaltes mit den Vertretern verschiedener Parteien und Gruppen bereits abgehallen hat, verdient die zu Jnformationszwecken mit den polnischen Jmrrnalisten abgehaltene Kor» fereriz besondere Beachtung. Die erschienenen Pressevertreter wurden durch Mvrgenthau und General Ia^vwin' empfangen. Ersterer hielt an sie eine längere Ansprache. Er betonte zunächstdaß er mit der Absicht nach Polen gekommen sei, um hier, die Verhältnisse zu untersuchen, da dies für Amerikas welches großzügige ffinanz'elle Pläne bezüglich Polens -habe, boil sehr groffer^Bedeutung 'sei. Ein weiterer Milatz zur Entsendung dieser 'Kommission war. die Forderung des amerikanischen Senats nach einer Intervention seitens der amerikanischen Regierung gegen-die Pogrome. Dieser Forderung sei Wilson entgegengetreten, mit der Begründung, daß -einer Intervention eine Untersuchung der Angelegenheit und die Einvernahme beider beteiligten Parteien vorangehen müsse. ° Ferner bemerkte Morgenthan, daß Wilson für ein starkes Polen sei, wodurch der Gefahr eines- Bündnisses zwischen Deutschland, und Rußland, das die. Bedrohung des Weltfriedens bedeuten würdevorgebeugt worden könnte-. Bezüglich des Minoritätenschntzvertrages machte Morgen- Lhan, den Berichten der polnischen Presse zufolge, folgerrde Mitteilungen: Einen Tag vor Unterfertigung dieser Klauselnerschien P a d e r e w s k i bei Wilson und schlug eiue Reihe, von Ilbänderungen zu verschiedenen Punkten vor. - Psästdsnt Wilson habe zwar die Brrechtigunz der gewünschten Aen-derungen zugestanden, habe jedoch deren Vornahme mit Rücksicht auf die verspätete Einbringung derselben für ausgeschlossen gehalten. Er be-nerkte dabei, daß man keinen'Vertrag für etwas Unantastbares halten dürfe, da jeder internationale Vertrag Aendenmgen. unterliege. Morgenthau bezeichnet ferner seine Nolle als Vermittler. Er'werbe sich bemühen, die Lage objektiv zu untersuchen und eine Besserung in den Beziehungen zwischen, den Polen und den Juden herbeizuführen. . Warschau, 25. Juli. (Tel. der „Wiener M'orgenztg.") Vorgestern fand die Fortsetzung' der Konferenz der amerikanischen Kommission» mit be'u polnischen Pressevertretern statt. Auf die Frage Morgsnthaus bezüglich der Voraussetzungen mid Bedingungen für eine polnisch-jüdische Verständigung - wnrdeir Stinnnen lau.t: Di^ Juden mö gen gegen, die übertriebenen P o gr omn ach richten sow.ie gegen die Klauseln des FriebensvertragdS,' p ie die Souveran'it St des p o l.nt f ch en Sta ates verletzen, p r o t e st i e r e n. Sollen. sich die Juden auf den assimilator'i-schcu Standpunkt stellen! , . Morgenthau war mit dieser Aeußerüng sichtlich u nzufrieden und hielt eine längere Rede, die er mit folgeirden Worten .schloß: „Akzeptiert doch endlich diese unglücklichen Klauseln, denn, wenn auch die Juden auf die ihnen zuerkannten Rechte verzichten wollterr, würderr di« alliierten. Mächte darauf nicht m.ehr ein ge hen. Die Minderjährigen haben kein Recht, .aus die sie schützendert Gesetze und BestimmuAgen Verzicht zrr leisten." . . DäranHrn eErten die Journalisten, daß eS sich hierbei nicht um das Resultat, .das ein solcher Protest zeitigen würde, handle. sohdM um dre Tatsache des Propstes selbst, die au und kür sich 'a-eignet wäre, die polnische öffentliche Meinung AnAger' 'pr stimmen.. . Zusammenfassend drückten sie ihre MweruuS dahin aus, die Juden mögen geistig polnische Bürger werden.' . Eme tschechische Hochschule für Bodenkultur . in Brrinu. Prag» 29. Juli. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") In der letzten, Sitzung der Nationalversammlung erstattete Doktor B u d i n s k h den Bericht der Schulkommissionbetreffend die ErMtung einer s e.l b st ä n b i g e n t s ch e ch o - s l o w ak i sch e.n H o ch ssch u l e für D o d e U k n l t u r mit tschechisch« Unternchtssprache in Sr ii« n. Nach dem Gesctzrutwurs s»ll diese 'H^chschÄe gus einer landwirtschMrchen und einer sorstwirtschstftlrch«! Abteilnug mit vierjtchriger Mudiendauer Ae lttchtvwtschasÄiche Abteilimg soll mit Beginn des . SeMcchxk's 1319/49 sofort mit allen vier Jahrgängenin Brünn «öffnet Mrdvn. Die sorsttvk'tschasMie Abtechmg, .die vorläufig bei der LmtdeskuKurabteilmP der tschechischen Tcchüik m Prag vntergehracht ist. soll mit- Beginn de8 StudienMes 1919/20 der HoMchllle srir Bv-ellkültur in Brünn mit den ersten drei JährgünKn angegkiedert toerdm. Me Tuvenmotzereiien in Odeffa. Paris» 2s. Juli- (Tel. bet „Wr. Msryenzig.") Die letzten MenuogrvMe in Od«ffa haben anßerordmklnh große Osts« cm. MnkcheckUbH m% es scheint, daß sich die P»»«m-- WxgMwcher ans di-e Mssbemg sssWm wird. Das Pqrij« Mschv Kam»« hat KMdruten Sokokow brea uftr-g t, bü F r i e d en s d« l e g r br't e« d^e re i «z e l n e« S 1 Fs t en vvrztz, sprechen, um bj| Myrten neu «DH zu ersuchen, gegm diese Psgrome e«em gWe Maßregeln zu «greffen. ErirrSruu^euPadsrEskis Luder NMMations- LomurZsstvu. Warschau. 2y. Juli. (TÄ. d« JSk. I« ha--. Mm Setzung der RatifikatrsNÄvnnmWM dcK-pöÜWhen LaWsges gtzb MMsterpMdent P.adprvyLkt svlMe EMnmgcn 'ab: „Nvman D m o w s k i imd ich heben in der ttebeWugMg den FriedaEvertrqg unterschrieben, daß wir niZ anders tun dürfen. Die Aend«singen im Bertoag zwischen Polm lPch DentWand sind für uns ungünstig. Dies ist dem EmW der Bankiers und Kapitalisten, der a m ea i I a n« sch t n J>u d e n and der englstchen Arbsiterparter zuzuschrerben. Die Beüimmrmgeu Äer den Schutz der nationalen Muderbejtm sind selbstv«Pmdüch f!st Polen sehr unangenehm. Ich Han« harGer memmckem Vorwürfe machen und muß gestehen, dO vür d-i e f e B e st i tnini n gen seihst v^rürs a ch t havyr. ANdnerseits muß ich aber'llemerkey, itzß di- Frage b^. zügttch der nativ n<ü e n Mino r »t..-stNen noch v.o r d fnt" A« fty&hx ß d eS Wasf e n strllsta'n d-Ls ent-* lchreden war. Hier ist der Emfluß des ausländischen. Kapitals imvnkennbar. Die Zionisten in England und Frankreich sind finanziell sehr mächtig. Wir werden nicht inurren, sondern die Juden betreffende Ktenffeln in der aeaen- -värtigen Fassung cnmrhmen. Die LschechMe RegLerung ge^en die stnanzieLlen Fsrderuugeü der Schweiz. P»r»s, 23. Juli. D«s TWech--slswMche Preßbureau Lu dem StandpuM. i ' ' ' dej,: Lu dem StandpuM der Schweiz in Angüegenheit der >nmßs«ÄMgm Schweizer Staatsangehöriger auf bcnt Gebiete ehemaligen österdeiOsch---uugsrischm Monarchie erinnern die ' Bläjj.« daran, daß dieser Standprmkt ein Vorteil für Oeürvceich Me, d<ßs nM tm» Umsturz g«Me Menge« von Waren in der SMvD ' Mtzekkmst Hab«. Der Üchecho-flowakische Staat' müsse «fw|8 den Staudpunkt des Fricdensvvrttages wahren und kSÄne mcht dMr bürgen, was die Dentschöfterreicher irgendwo im Ausland eingckaust haben. Es sei überhaupt unnhtgiich, sicherzrOeSm, wievÄ ungestempelte Bankuoten noch in der Schweiz aus den Zeiten des Bestehens des alten Oesterreich vochmchen Deshalb seien irgendwelche ^«Handlungen über derartige rdsvungen.schwer möglich. \v Englische Kredite für Deutschösteryeich. London, 29. Fuji. (Unterhaus-Bericht ,des Reuterschen Bureaus.) Aus eine Anfrage,.ob die Regievuntz Maßnahmen getroißN habe, um Erleichterungen für langfristige Kredite in . den ttx ropä i s ch e n Ländern zu gewichten, die augenbkiMch ihre Einfuhr nicht mit der Ausfuhr bezahlen könnten, erklärte Auckland Gcddes, die Regierung wolle ein Bureau errichten, das in geeignetm Fällen Sterling-Kredite gewWtn solle. Wiederaufnahme des BerkchreS Hamburg— Nsw-Bork. Hamburg» 29. Just. (Korr.-Bi^ Die -PswDorl'Korr- -■ Linie errichtete eine regelmäßige Dampfer-verbMung zwischm Hamburg und den nordomerikanischcn Häsen. Die Hamburg— Ammka-Linie teilt mit, daß sie bereit ist. ' Aniraaen wegen Frachten, Abfahrt usw. zu beantworten. 30. Juli ISIS E.-ISO '--H Die Streiks in England. Berlin, 29. Juli. Der „Vorwärts^, meldet: Trotz des .Abkommens zwischen der englischen Regierung und ' dem Bergarbeiterverband geht der Streik weiter. Zwei^ hundert- bis dreihunderttausend Bergarbeiter sind arbeitslos' und wegen Kohlenmangels auch Tausende von Jndustriearbeitern. Besorchers die Ausständigen in Yvrk- Mre verweigerten ihren Beitritt zunr Abkommen.. Ihr 'Führer, Herbert Smith, erklärte, es seien noch ander« Dinge abzumachen, bevor der Mg offen liege. Man werde nichts unternehmen, Solange die Bergkverksbesitzer ihn nicht zu einer Bergung einladen. Außerdem stünden noch immer die Abstinmmng des sogenannte« Dreibundes wegen einer direkten Aktion gegen die Weh rpflicht und die russische Intervention bevor. Wiederaufnahme der Haudelsbezishungen zwischen Italien und Deutschland. Rom, 29. Juli. Morgen wird hier rin ' königliches Dekret veröffentlicht, mit welchen die Wiederaufnahme der Handelsbeziehungen zwischen Italien und Deutschland verfügt wird.; Astrachan von den Bolschewiken erobert. \ London, 23. Juli. (Tel.-Komp.) Nach Meldungen hiesige, Blätter verlautet, daß die Bolschewiken Astrachan eingrnommcv haben. ___ Tagesbericht. Deutschösterreichische Kvltur. |. Die Wiener Christlichsvzialen feiern heute elttrtV hohen Gedenktag altöfterveichifcher^ GeWcht?. Am 30. Juli 1669 wurden durch! ein Dekret des Kaisers» Leopold I. 1400 in Men ansässige Juden samt ihren Familien ausgewiesen. Am 14. Februar des folgenden Jahres wurde dieser Ausweisungsbefehl auf alle Judevf ausgedehnt. In stolzen Worten feiert, das Nachrmttags^ organ - der Christlichsozialen, die „Wiener Stimmen"^ dieses Ereignis: . / .. Kaiser Leopold der Große, der Heros des öfters : reichischen HeLenzeitalters? folgte in diesen energischien Maßnahmen nur der Uhnentradition. <Mhon aus de« - Dagen Maximilians des letzten Ritters, wissen wir von. einer-„Austreibung der Jichis^heit aus Steyr" (1.496^ wegen „merklich und. schwer Unehre, ' Laster und! Schmach^, weil Dieselbe Jüdischheit die Landschaft Steyr mtt falschen Briefen, Ins regeln und in ander!; Wege. in mannigfaltig Weise - betrogen". i Auch diesmal trug die Judenschaft die Schuld^ Spionage. Wucher und Lieferungsbetrug während der- Schweden- und Türkenkriege hatte das. Ahaspervolh. so verhaßt gemacht, daß die Stadt Wien sich, wie, .ehedem das Land Steyr, erbötig machte, dem Hofärar - die Judensteuevniaus. eMnen Säckelrr zu bezahlen, wench der Kaiser nur ferne „Kammerknechte" ausftaupen würdet, Der energische junge Fürst ignorierte die Bedenken! seiner BüreauLratie und ließ die Juden ,-ausschaffen"^ Ein kaiserliches Patent vom . 24. Juli 1670 über^ ließ, die Judenste^t am Unteren Wörth (die Leopold-j stadt) mit beiden Synagogen und allen Häusern der, Stadt Wien um 100.000 fl. Eines der beiden Bet-! Häuser wurde in eine Kirche verwandelt.^! Zur Charakterisierung jenes großen Leopold feB ' erwähnt, daß ihm das Deutsche Reich! den Gewalt^ frieden von. Reißweg ünd ''Ninrmweg verdankt, daßj seine Herrscherzeit' von Kriegen bald gegen Franzosen,- bald gegen Ungarn, bald gegen ^Türken erfüllt war), und.daß er schließlich'nur mit Hilfe des' Polen Svbieski! und des französischen Prinzen Eugen ein bißchen zu> siegen vesmachte. Den glämMdsten Krieg.führte er,! wie sich aus dem Obigen zeigt, gegen die jüdischem Taschen, wozu er durch seinen Feldherrn Montecnccoliveranlaßt wurde, der „GeH, GÄb und wieder Geld"' verlangte» - " ( | Die Nutzanwendung der Erimrernng ist sehr einfach. Das, Beispiel Leopold I. soll nachgeahmt werden.. Vielleicht auch in dem Sinn, daß der, Besitz' der Juden der übrigen BevKkkerungMützergebdn wäre. Daß also die d«ÄH. Kriegswucher reichgewvvdenen Selcher, Fleischer^ Greister und ähnliche Stützen der christlichsozialen Herrschaft in die Lage komme», mit Nutznießung jüdischer Arbeit die Stadt noch' mehr mit. ihren 8l»to< mobilen unsicher zu machen und die Heurigenschtnkech zu füllen. Vielleicht würden auch jene Elemente davonprofitieren, die in, den StehweinhaKen am Gürtet unter. ■ der freundlichen Duknmg des Kriegswucheramtes den' 'Warenschmuggel betreiben^- Verschlechcherung der Kohlenlage. - »Die Kohlenuot ist in ein kritisches Stadium getreten. Ditz Situation hat gestern dadurch eine Verschärfung erfahren,'daß . der Kohlsnvorrät, den das Verkehrsamt seinerzeit dem Elektrizitätswerk abgegeben hat, n u n vollständig e r s ch ö p f t i ft« ' Das Elektrizitätswerk ist demnach ganz und gar auf die täglichen Einläufe angewiesen. Was das zu bedeuten hat, zeigt das gestrige Bulletin deS Verlehrsamies, demzufolge aus Oberschlesien 33 Waggons Steinkohle und ans dem Briixer Revier nur acht Waggons Brannkoble eingetrMn sind. Es ist also nicht einmal ein. Fünftel der eintägigen Anforderung gedeckt. Die ungenügende Zahl der aus Böhmen eingelangten Waggons beweist, daß der zulttzt abgeschlossene Vertrag n«ht eingehalten wird. Man nmß stir di« nächsten Tage mit den fchkmmsten Möglichkeiten rechnen, wenn es den kompetenten Stetten nicht gelingen sollte, eine bedentende ‘i Sicfgruufl ausurwirsto.