Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 188 (28.7.1919)
- Date
- 1919-07-28
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien. Montag Wiener Morgenzettuug rs. Iun isw vn. iqs «eil« 2 mdigung de- Kriegedurch territoriale Opfer der Mittelmächte rich fa war dieser Bericht ausschließlich für die beiden Kaiser und den Reichskanzler bestimmt. Es bestand damals die begründete Hoffnung, zu einem V e r st L nd ig. u,n g S f' ri t d e n, wenn auch mit' Opfern, z u g e! a n g e n. Von einer nicht — verantwortlichen Seite wurde dieser Bericht ohne mein iffeit. und hinker mei»em Rücken He rrn 8 r'z-b e r q er, welcher denselben nicht geheim hielt, überi-nttelr. Ich' muß aber anSdrücklich konstatieren, daß ^rzberaer bona f i d e vorging und der begründeten lleberzeugung war, im Sinne seiner Auftraggeber!,u handeln, als er die strenggeheimen Tatsachen preisab. Der Inhalt des Berichtes kam durch das Vorgehen Ärgers zur Kenutttts unserer Gegner. Ein jeder,, e.er meinen'Bericht liest, kann sich eine Vorstellung von den Folgen ma-chen. 7>i? Darstellung des Grasen Wedel ist daher, soweii nmir bekannt ist, vollständig richtig. Am übrigen i'ißt sich meine Darstellung wie vieres' andere' gor nicht Lrwaante, durch Dokumente beweisen, welche in' meinem?'-'iß? sind, Ich erfuhr von der Uewergabe meines Brsi-.^tes au Erzberger erst aü es zu spät' war. Die vom >rraien' Wedel mir Erzberger jetzr besprochenen Tatsachen -.uv aver nur G l i e d e r einer ganzen Kette ü verantwortli ch e t R e b e u p o litt k, deren a u z.e i ch etft ein I ah r fp ät e r en tdeckte ä n dwelchmeine Demission veran- I a ß t e, Mein demnächst über den Weltkrieg erscheinendes 5'udi wird, iomeit ich es für geboten halte, Klarheit ahef diese politischen Vorgänge bringen und gestützt -rns Dokümeute dir Wahrheit beweisen. Ottokar Ezernin m. j>/ Die Klagenfurter Frage. Spittal a. d. Drau, 26.,Julr. Die verlautbarten Frsehensbedinguygen, nach welchen voll Kärnten die wertvollsten Industriegebiete, das Kanqltal mit dem Bleibergwerks Raibl sowie das Miestal mit der ergiebigsten Akisörderung in Mies und Schwarzenbach und dem Kohlenhergbaye Liescha und. Höchberg, mit den großen Zählwerken Gutenstein, Streitebsn und Prävali, sowie ^er. Bahnknotenpunkt Unter-Drairburg endgültig ohne Volksabstimmung abgeirennt werden sollen, haben tiefe Niedergeschlagenheit hervorgerufen. Hiedurch würde das Land seine ergiebigsten Einnahmsqnellen verlieren, Die!ärnfnenschen Friedensdelegierten Schumy und Doktor Wüste sind gestern wieder nach St« Germain abgereist. Die Jugoslawen haben hem Aufträge der Entente- Kommission, Klagenfurt zu raumen, «och immer nicht entbrochen und machen auch keine Miene, dem an die Serben .^richteten Ersuchen der Obersten Rates dom 22. Juli, das Klagenfurter Becken zu räumen^ fccmü hie Volks- «hstimmung in voller Freiheit durch geführt werden könne, Iolae zu leisten. Das ganze schweren Verwüstungen ausgrsetzte Land erhofft von den eindringlichen Vorstellungen der. Friedknsdelegaüou in St. Germain die Erwirkung der khesten. Abhilfe. Die Herstellung der Ordnung im Abstimmungsgebiete und me Rückkehr der vielen tausend Flüchtlinge ist nur denkbar, venu die südslawischen Truppen endlich abziehen. Poineare wird aktibsr Politiker. Versailles, 27. Juli. ^Echo de Paris" meldet, Voincarä werde keine Kandidatur für dir Präsident» jchast annehmey, sondern nach Ablauf seiner Arntspcriode 's aktive politische Lehen zurückkehren. Die Bulgaren in Parks, Parks» 27, Juli. (Funkspruch des Tel.-Korr.-Bur.) Die bulgarischen Delegierten sind hier eingeiroffen. Französische Truppen für das Aheingebist. Paris, 23. Juli. (Tel,-Comp.h In der heutigen Versammlung des Obersten Alliiertenrales hat F o ch erklärt, daß für die Okkupation des linken Rheinufers 150.000 Mann nötig wären. Die Gentfchameriüauer für Deutschland. Zürich, 27. Zuli. (Tel.-Comp.) Die Schweizerische Zelegkapheninformation meldet aus Ne« Jork: SiebentyivMrt Deutsche, darunter Vertreter au- St. Louis, ferner Bankier Barthold, Ridder sowie die New Aorker „ Ztgatszeitung" organiflerrn, «nterstützt von der deutschen < Gesellschaft „Der Liederkrauz*, eine Kampagne zwecks einer finanziellen Unterstützung Deutschlands sowie Deutsch öfter re ich D. Aus dieser Mion find viele Millionen zu erwarten. Die Vorgänge in Jugoslawien. Finnre, 26. Juli.?<mt Meldungen, welche fit cf Me Dcniarkationslime gelangte«, haben «« 21. d. M. m A g r a m, Sarajevo und S ssr g teilweise Strerkbewegungen statt- ^esi'nden.. Man euahtt auch von emer Mmistrrkrise und Diffrrmzcn zwischen KorosecmwPrvtic. Es sei wegen c>ncr scharfen Ärrti». welche K o r o s e c an der von P r o t i c angesrdnelen gewaltsamen militärischen Intervention d« der Ntcderwerfung der Streiktrwegrmg mW an der vau Grotte »eranlaßtm FremdmauSwersuug z» ml« «regt« Debatte gvkommm, in deren Verlauf K o r o s e c seine Deckisstou gab. Me französische Derrrobilisiermrg.. Paris» 27. Juli, (yunffpr. des Kvrr.-Bur.) Infalge der Demodilmermlg wurden die franzAftschc« NorrenüüMmne m Galan, .Konstanza und Korfu aufgelaneü. Drr Delegation de* iranzMchen Marmebnomaudos » Messina wurde ebeujalls ausgelassen. ■ «Mim i.iy, Li. ik Der HLplÄmMche Krieg gegen Bekr Mrn> Die EÄtr»te will mit A8te«ngarn Leinen Friede« schlieLen. Parks, 27. Juli. (Funlsvruch bc5 Tkl.-Korr.-Bur.) Die alliierten und assoziierten Regierungen haben nachstehende Erklärung veröffentlicht: ^Den «Merten und affoziierten Regierungen wäre es sehr erwünscht, mit dem ungarischen Volke Friede» zu schließen nnh dadurch einen Zustand zu beenden, der den wirtschaftlichen Wiederaufbau Mitteleuropas unmöglich macht und der Berpstegung der Bevölkerung unübcrwindliche Schwierigkeiten bereitet. Jedoch ist es unmöglich, daS Verpflegungswerk zu beginnen, bevor nicht in Ungarn eine Regierung besteht, die den Volkswillen darstellt imd die mit den alliierten und assoziierten Regierungen ein^egangenen- Verpflichtungen dem Buchstaben und dem Gerste nach ausführt. Die Regierung B.ela Kn ns entspricht diesen Bedingungen in keiner Weise. .Nicht nur, daß sie nicht das ungarische Volk'darstellt, greift sie gegenwärtig auch eine desreundete Macht an. Die alliierten und assoziierten Regierungen werden unter eigener Verantwortung jerrc Maßregeln ergreifen, die diese besondere Frage notwendig macht. Wenn Lebensmittel geliefert werden sollen, die Blockade gufgehoben, der wirtschaftliche Wiederaufbau begonnen werde«' rmd Frieden fein soll, muß danngarifche Volk durchs eine tatsächlich repräsentierende Regierung und nicht durch eine solche, deren Autorität auf de« Schrecken beruht, vertreten sein. Selbstverständlich wird jede Besetzung ungarischen, Territoriums, insofern dieses von der Frledenskonferenz als solches bezeichnet wurde, durch ftemde Truppen sogleich ein Ende nehmen, wenn der Kommandierende der alliierten Truppen von der richtigen Ansflihrung - der WasseuMstandsbedingungen überzeugt sein wird.^ Rumänische Berichte über die Schlacht an der Theiß. Bukarest, 27. Juli. (Fuukspruch. des Tel.'Korr,- Bur.) Am 20. Juli haben die Ungarn mit sieben Divisionen Infanterie und mehreren Abteilungen^ Kavallerie, im ganzen acht oder neun Divisionen, eine große Offensive gegen die Rumänen bebvnuen. Während der Kämpfe vom 20. auf den 21. Jutt sind die rumänischen Vorposten gezwungen worden, sich zmückzuziehen und die Ungarn haben die Theiß an mehreren Stellen zwischen. Szolnok und der Mündung, der Maros Üb'errchritten. In dem Nördliche Abschnitt gegen Tokaj. und Tissaroff wurden starke ungarische Angriffe mit großen Verlusten für den Feind abgeschlagen. Am 22. Ink griffen die Reserven des rumänischen Abschnittes in den Kampf ein. Die erste Jägerdivision unternahm einen Gegenangriff und eroberte Hödmezö-Vasarhely wieder. Die Schlacht dauert an der ganzen Front fort. Nach den letzien Nachrichten haben sie Truppe» Bela K u n S eine schwere Niederlage erlitten. Wie ein rumänisches Eommuniqüö besagt, find die Magyaren unter Zurücklassung von 4000 Mann auf dem Schlachtfelde auf daS andere Theißufev zurückgeworfen worden. Große Worte der Rrrmänep. Brrkarest, 26. Juli. Meldung der Tel.-Kvmp.) Der Kommandant der gegen Ungarn kämpfenden rumänischen Truppen, General MadareScu, hat nachstehenden Armeebefehl erlaßen: ^.Soldaten! Unser größter Feind hat unter dem lächerlichen Vorwand, uns den Ententewillen respektieren lassen zw wollen, die Maßen gegen uns erhoben und uns dadurch einen mmen Kampf qufgezwungenl Soldaten! Ich will Euch nicht verhelmlichen, daß wir mit diesem Feinde noch lange und schwere Kämpfte zu führen haben werden^ doch von Euerem Heldenmut überzeugt, bin ich und unser Vaterland über dry Ausgang dieses Kampfes ganz beruhigt. Ihr habt wiederholt die Treue und Opferwilligkeit für Euer Vaterland und dessen gerechte Sache hewiesen und a^lch die-mal werdet Ihr Euere Ausgabe zu lösen wißen! »Soldaten k Ich kenne Euren Haß, den Ihr gegen diesen unseren Erbfeind hegt und richte deshalb an Euch die Bitte: Rächt Euch nicht an den armen gefangenen magyarischen Soldaten, die nur das Werkzeug U)rer blutdürstigen Anführer sind! Eure Rache soll der endgültige Sieg über diese sein! Schuld au diesem neuerlichen Blutvergießen sind dir heutigen magyarischen Volkskommissäre, die der gerechten Strafe nicht entgehen werden!* General Madareseu. Rumänisches Großes Hailptgaartier, 26. Juli ISIS/ Amerika für die Aufhebmrg der Blockade Stutzlaud». Sai«t-Germain, 27. Juli. In btt gestrigen Sitzung des Rates der Fünf wacht«, wie ^Iovrnal doS DsöstL" mekdst, White entsprechend der StsÜnng Wilsons VsrHetzalte in der russischen Blockadefrage. Nach der aweriLanischen These sei eine Blockade nur bei KrregSMstand Zulässig. Die Entente sei aber bricht iw Kriege mit Rußland und darum müsse die Blockade aufgehoben werden. Die anderen Mitglieder der Konferenz b-stritte« diese Tatsache nichtwiesen aber dsrarrf hin, daß die Derbündete» ebensowenig im Frieden mit Rußland seien und daß das Völkerrecht keinen Präzedenzfall für diese Busnahmssituatio« kenn«. Das Blatt skanbt» zu «iffeu, daß der Rat der Fünf Wilson darauf hingewiesen hat, daß die Aufhebung der BlsÄade nur die Wirkung Hütte, die Armee «nd die Beamten der Bolschewiken zum Schaden der antibolschewikische« Mafien zu eruühreu. __ Mrre alliierte Armee nach Schlesien. Part», 27. Juli. (Funkspruch.) Die Friedenskonferenz beschloß heute, eine alliierte Armee nach Schlesien zu schicken, um die Ordnung kAfrechtAnerhalteu und Kämpfe Mischen Polen «uS Deutsche« Hintanzuhalte«. Gegen die Gchüdignug unserer Industrie. Inden letzte« Wochen wurden von einzelnen Landern Aussnhrabgübeu für Holz oder besondere Ge- ] bühnrr für die Ausfertiqrmg von Transportbescheinigunj gen für Holzsenduugen über die einzelnen LandeLgrenzen ' hm««- eingeführt. Wiewohl diese Gebühren angesichts der gegenwärtigen Hotzpreise den kommerziellen Holz-; verkehr sowohl zwischen den Ländern, als auch, mit dem Ausland zwar belasten, ober nicht behindern, muß sich; die Vertretung der Industrie DeutschöstcrreichS grund- ■ fatzlich gegen die Üinhebung solcher LandeSabgabm auS- « sprechen.. Die indnstcielle Produktion Deutschüsterreichs würde die schwerste Schädigung erleiden, wenn das ohnehin durch die hartnr Friedensbedingungen eingeschränkte Staatsgebiet durch derartige LandeSgMhreu, welche den Charakter von Zwischenzöllen Härten, noch eine weitere Verengung durch Zerstörung der Einheitlichkeit deS Wirtschaftsgebietes erfahren würde. Die industrielle Organisation erwartet daher, baß die deutschösterreichische Regierimg die Landesregierungen von der Eiohrbung derartiger Landesgebühren aborinaen wi^d. Schweizer Forderung «ach solidarischer Haftung aller Sukzessionsstaaten. Wien,. 27. Juli. Dem StaatSamt für AeußereS ist folgende Mitteilung der Schweizer Regierung zugekommen: „Der schweizerische VundeSrat steht hinsichtlich der schweizerischen Staatsangehörigen zustehenden, im Gebiete der ehemaligen österreichisch-ungLrischsn Monarchie liegenden, sogenannten Guthaben alter Kronenrechnung (vergleiche naurentlich Vollzugsanweisung deS deutschösterreichischen StaatsamteS der Finanzen vom 2H. Mär^ 1919 betreffend den Banknotenumlauf in Deutfchösterreich, StaatSgesttzblatt für den Staat Deutschösterrelch Nr. 191 vom 26, März 1919) aus dem Standpunkt, daß hiesür alle auf dem Gebiete der ehemaliM Monarchie entstandenen SukzessionSftaaten solidarisch h a f t b a r s e t e n, so daß die Tatsache, ob diese Guthaben in dem einen oder anderen dieser Sukzessionsstaate« Uegen, hinsichtlich dieser Haftbarkeit keinen Unterschied zu begründen vermag. Auftragsgemäß beansprucht demgemäß der Unterzeichnete für jeden schweizerischen Staatsangehörigen, welchem solche Kronenguthaben im Gebiete der ehemaligm österreichisch-ungarischen Monarchie zustehen, das Recht, Banknoten aus diesen Guthaben, sofern diese letzteren vor dem 26. März 1919 entstanden sind, auf einfachen Antrag deS Kontoinhabers al pari in die Währung desjenigen Sukzessionsstaates umzutauschen, welcher ihm nach seiner eigmen Wahl am besten kouveniert. Rach dieser Anffaffuna haftet also beispiel-weffe der jugoslawische Staat solidarisch auch für allein Deutschösterreich liegenden vor dem 26. März 1919 eutstandeuen Kronenguthabm a. R. und es wirb für die aus solchm Guthaben berechtigtm schweizerischen Staatsangehörigen das Recht beansprucht, nach freier Wahl bis zur Höhe der Guthaben tschecho-slowalifche Kronen oder eine andere Währung eines der verschiedene« GuhessionSstaatsn der ehemaligen Monarchie zu verlangen. Eine nähere Bestimnnmg bezüglich der Durchführung im einzelnen bleibt selbstverständlich Vorbehalten'. Der schweizerische Gesandte BoureartS.^ , * Schon früher wurde dem Staatsamt für AeußereS mitgeteilt (Note der Schweizer Gesandtschaft vom 6.. Mä^ 1919), daß im Hinblick auf die teilschön begonnene, teils bevorstehende Abstempelung der Banknoten der Oesterreichffch-ungarischen Bank durch di« im Gebiete der ehemaligen österreichisch - ungarisch«, Monarchie entfiandeuen Nationalstaaten der schweizerisch« Bundesrat sich auf den Standpunkt stellt, daß alle dich Tetlstaaten für die in der Schweiz zirkulierende« Note» haftbar seien, Die schweizerische Regierung glaubt. aber anuehmen zv können, daß jeder der Nationalstaaten einen seiner Bedeutung entsprechenden Teil fces. schweizerisch ev NotenbesttzeS übernehme, und zwar entweder gegen Um> tausch in national gestempelte Noten oder durch Bank, antlchritt.