Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 188 (28.7.1919)
- Date
- 1919-07-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Dis Aedernahme des Staatsamtes für AenßsreS durch Dr. Nenner wird von der Entente als Garantie angesehen, daß DeutschSsterreich seine auswärtige Politik in diesem Sinne nenorientieren wird. Das Ersuchen um Verlängerung der zehntägigen Mst. Paris, 37. Juli. (Funkspruch.) Staatskanzler Dr. Renner hat nach seiner Ankunft in S a i n t - G § r m a i n an den Präsidenten der Fried enskonferenz das Ersuchen rrrn Verlängerung der zehntägigen Frist für die Beantwortung des Friedensvertrags entwürfes gerichtet. v Dr. ReKner über sein neues PrsgraMM. Unsere LSristige St. GerrnMf^27.Juli. StaatskanzlerDr,Renner ist heüte sitoh vou Feldkirch nach. St. Germain zurückgef kchrt. Gleich nach feiner Ankunft erstattete er den VÄtrauenSniänvern der politischen.Parteien Bericht über die Kabinejtslorifermz in Feldkirch sowie über die Beschlüsse. des Hauptausschusses und der Nationalversammlung^. Dann beriefer die rjoct) St. Germain delegierten Beamten und Mitglieder de§ Siaatsamtes für Aeußeres zu sich und machte ihnen in folgender Rede Mitteilung von dem Wechsel in der Leiinng-des Außenamtes: Die Nationalversammlung hat mich mit der Leitung d?s Stacksamtes für Aeußeres betraut. Staatssekretär Dr. Otto Bauer ist zuriickgetretett. Sie haben im persönlichen Umgang erfahren, welch außerordentlich scharfer Geist, welch ungewöhnliche Arbeitskraft und welch ein lauterer, schöpferischer Wiste in Otto Bauer verkörpert war und nun dem Amte verloren * geht. Die Ursachen seines Rücktrittes sind Ihnen inzwischen bekannt geworden. Unser Vaterlands bringt, indem es Dr. Lauer aus dem Amte scheiden läßt, ein empfindliches Opfer. Hoffen wir, daß es nicht vergebens ist! An semer SteAe hat die Nationalversammlung als das höchste Organ des Vskkswlllens mich zur Leitung der ausw artigen Angelegenheiten berufen. Durch diese Wahl ist mir ein Amt übertragen worden, mit dem ich erst durch die Zusammenarbeit mit Ihnen allen näher vertraut geworden bin. Ich gestehe es, mich von jeher hauptsächlich für die innere Verwaltung interessiert urch sch: die innere Politik vorbereitet zu haben. Ich hätte nismcüs gedacht, daß mich der Zwang der Umstände dahin führen könnte, mich mit der auswärtigen Politik unseres Landes zu beschäftigen. Ich muß gestehen, daß ich. eS nicht gewogt hätte, dieses Amt zu übernehmen, wenn ich nicht in Ihnen einen Kreis von eiftiaert und tüchtigen Mitarbeitern kennen gelernt und rächt die Hoffnung gewomren Me, daß Sie mich imttrMtzen werden, indem Sie das Beste geben, was Sie haben, indem Sie Ihre ganze Person in den Dienst unseres Landes st»Üen. Dir sind in einer M«aiK ernsten, in emvr furchtbaren Sage, tot einer Sage, wo sich alle cmfS engste «letttanderfchlleßen und innig russmniwstchsu müssen, auf daß das Land nnd das BoK die drohende Katastrophe Woestehe. Oevade d^sch den Krieg hat«» wir erfahren, wie das Schicksal, ja selbst düs nackte Leb«« rmd daS gesamte Hab und Gck des einzeln« mit dem SHtoPcke des v«- bünden t?. Kein Sinzeln«: kann sich stark und ratch süffleu erhast«, fsbald daß Gssmtotwason vom Untetgamz bcktoht ist. Hsate haidm tuk alle Wach«, M iMlaNschMg allst cks^eBe» und Itömmbm Wto safstMM. MsammaMarKAÄk» M kmft» Zand MS bk .skckasirv^yr h«m,Oz« füllen. Dem «st Mstm wir leben: friteHna vivew, lloiiMs x>M»MgHs«vs-, Hierbei kommt «ö besmders auf den auswLsÄtzsn Dienst au, denn in der großen Welt ist unser Name moralisch vernichtet: wir baben aerade im ausr AußerrpsLiLiK. wärtigen Amte die schwere Aufgabe, dem Lande wieder einen Namen .zu machen, sein Recht wi-ederheMstellen und ihm im Konzerte der Völker wieder Geltung zu verschaffen. Wir können das nicht mit den Mttrln des alten Regimes, indem wir mit dem Glanze ' einer großen historischen Erinnerung, gestützt auf die Machtmittel einer Millionenarmee auftreten, wir können es nur, indem wir unser Volk, seinen guten Willen mtd sein unverdautes Unglück zur Geltung briltgen. Der auswärtige Dienst wird sich also ganz anders gestalten müssen,als er früher war, er wird nicht ans äußerem Glanz und auf Repräsentation, nicht auf guten Beziehungen zu den obersten Schätzten der Nachbarländer aufgebcmt sein, sondern auf Offenheit und Geradheit gegenübsr den Nachbarn, auf Tüchtigkeit nnd Arbeitsamkeit in der Heimat'. Der auswärtige Dimst mutz sich stützen auf den Mllen des Volkes sewst, aus die Demokratie, denn er hat keinen anderen RochMtsl als diese. Seme Aufgabe wird sein, vor der ganzen Wett zur Geltung zu bringen, daß wir im Grunde ein gutes, arbeitsfreudiges mtd begabtes Volk sind, das nicht herrschen, sondern nur leben will, das als Gleiches unter Gleichen witckm und durch seine Tüchtigkeit sich sein tägliches Brot verdienen will. Diese neue Anffafsurdg muß und wird in der Demokratie auch im Außendienst zum Durchbruch kommen. Dabei sollen Sie mithelfen. Das nächste aber, das uns angeht, ist: wir müssen einen Frieden durchsetzen, bei dem wir in Ehren leben können. DaS, was uns vovgekegt wmde, ist keine Anweisung auf ein mögliches Leben, das ist der sichere Untergang. Wir haben nur mehr wenige Tage vor uns Nnd in diesen wenigen Tagm müssen wir das Schicksal, das uns drohtz vonuns abwsnden. Wir müssen vor der gan^n Welt bekennen urrd bewsrss«, daß die Lüsdr, ofe matt unseren TchnAern zu tragen zumntet, uns etW daß mH btym Versuch« mtfwe Sieger sich selbst schck/rgeu. Gie ecklasten sich nichs, sie bsWen ihven GisaeSVagM bloß mst »nseos« L«chn««t. Es gwt ru den koNtmend«r Tage« für Sie ksme Pause, kine Tchatoing, nichts andevsS M AlÄsit «nd ich bitte G!e, mich in dem Rahmen unßw« Abardmiag als MAarbeiter z« nicht akS Chef im «äten SAe, fsnd«n fozUfsg« M Borarbrster. Seien Sie versichert, daß ich Ihnen das volle Vertrmten entaegenbrinae. Sie kvMrert das Mche tom, ahAe eine VniMftMz b«Mchwn zu Mft«. I« Ramsn btt Migkicher dsS eüttvortete Mckftor a. D. M. Klein dsm GtotMksu^Lsc ftlMdrs: Mr v«M Stgtitt KMichst, daß Gi« der A^siMtng rmfersö Mhsrigm HöfS ft tv#me Worte smidtM haben. Gie Wmrm ÜSarMKt ssin, daß uns allen ein Mchsö 8M Dr. VsvorS immer in Erinnerung bleiben wird. Mr habe» ton Verkehr mit Ujm die Klarheit feines Bltckrs, das Umfassende se.itM Ms^s hie fVfmvfe. feiner WinrnLnis und die gebundene Tatkraft schätzen gelernt, die in jedem Augenblicke -bei ihm hervorfprühend jeden mtt sich riß, der zweifeln oder zögern wollte. Er flößte jedem, der ihn ain Platze sah, die Beruhigung em, daß die auswärtigen Beziehungen Deutschösterreichs in einer ebenso souveränen Weise geleitet würden als zur Zeit, da Dr. BAor Adler an der Spitze stand. Wir, die wir mit ihm gearbeitet haben, betrachten es als ein großes Glück, daß die Kvise nicht noch weiter gegangen ist und der Regierung sein Jntellett erhalÄN blieb. Wenn irgend etwas nnS mit dem Scheibett Dr. Bauers versöhnen könnte, so ist es die Tatsache, daß das Portefeuille in Ihre Hände gelegt wurde. Man konnte schon während des ganzen Umschwunges, der sich in Oesterreich vollzog, es als glückliche Fügung ansehen, daß Sie diesen Uebergang zu leiten hatten. Man kann anfrichiig sagen, daß die Ausrichtung des neuen Dentschösterreich in keine besseren Hände gelangen konnte, als die Ihren, und wenn man von Oesterreich oft gesagt hat, daß nie der richtige Mann am richtiigen Platze sei, so hat sich die neue Zett bestens dadurch angekündigt, daß der Neuaufbau gerade in die Hände derjenigen kam, der einen Teil seines Lebens diesen Problemen widmete und Sie wie kein anderer kannte. Wir haben auch die Erfahrung gemacht, daß Sie sich an der Spitze der FriedenSdelegation nicht nur bewahrten, sondern daß Sie uns in der kurzen Zett auch neue Sympathien erwarben. Unsere Gegner haben herausgefühlt, daß ihnen hier eine Persönlichkeit gsgenübertrete, bei der ihr gewohnttos Gefühl des Hasses und des Mißtrauens nicht mehr ansreicht. WaS Sie in Ihrer ersten Rede in St. Germain gesagt haben, hat den Grrtnd zu einer allmählichen besseren Erfassung der österreichischen Verhältnisse und unserer Forderungen gelegt, dir allerdings leider noch nicht bis in die Friedensbedingnngen emgedrMgen ist. Wir sind uns des Ernstes des Äugenbsickes, dtoe 'Schwere der' Äüfgdöe Md"der' TMgweite" rrnseres- Tuns Doll bewußt. Nicht nur in diesem kritischen Moment, sondern solange Sie das Auswärtige Amt leiten werden, können Sie überzeugt sein, daß alle Mtglieder dieses Amtes, durchdrungen von den Auffasstmgen, die Sie soeben verkündet haben, gerne Ihre Mitarbeiter sein werden, gerne Ihre hervorragende Stellung nicht nur dem Range nach zu würdigen wissen und sich Ihrem Geiste, Charakter und Wollen gerne unpassen werden. Deutschösterreich muß. aus sich selbst die Kraft aufbringen, sich zu sinden ruck auszrrrasien, ein Ziel zu verfolgen und sich zu behaMsn. i Daß Sie tot dm Worten, die Sie sprachen, gerade in diese Richtung wissen, gibt uns Verträum uttfe totofc uns noch mehr an Sie fesseLn. Wir bitten, Ihre gute» Gesinmrngen allen Angehörige» des StaaisamteS für Aeußeres zn bewahren, rmd alle, die unter Ihnen dienenwerden bemüht fein, sie sich zu erhalten. Im Laufe des Nachmittags hat der StaatLkanlker BesprechMgen mtt dm Knanzdelegierten und mit ven Experten der Länder abgchalten. Prstzleiter Poh! zMllckZeLrsLstt. GL. Germairr, 27. Juli. Aus Anlaß der Dennsston Dr. Bauers hat der Letter des Pechssamtes Otto Pohl dem Staatskcmzler Dr. Renner seine Demission überreicht. Der StaaGkanzler erkl-M in einem Scheeibm, daß er die Demission nicht zür Kenntnis nehmen könne, nnd ersuchte den Chef des Pr-sieamtesr seine reiche Erfahrung ans dom Gebiete der tottsrmttmtsko» Press« fc#*w*tib dem SLaatsamt zur BerfkKNKg zu Mm. Herr Pohl hrott sich Bedenkzeit vor. < Anch Dr. LE zurück. Wie verlautet, soll auch dem deutschösierreichijchrn GesaMm in Berlin Professor Dr. Hartman«, dem lautesten und euragiertesten Anhänger Dr. Bauers, «chsgelogt worden fein, Me Demission zu überreiche«. Bes rmch tzsm WEKriez. Oraf uem S«ÄM:rrrgen*air. fyttm ersucht um VerSsfsMchung nach-, sichenden LÄmrammeS : „GruudrfeL, 27. JE. Mit zahlreichen Anfrogtzrt der Presse MchzuLomiW«, Me ich mn Ver-tzenmchnW folgender Z«ls«: SoweH ich ans dÄ 6er Presse becktchlen kann, gibt die Rede ErzbeyHWs kein erschöpfendes Wld der BorHäi^e. Msle vr^mÄn wichtige Vorfälle wurden m sin erwähnt tmd dadurch etttstcht ein salsches GesmnLluld, Was meinen von Grzdevger erwähnten Bericht voin .Avril 19J17 örttocjattfit, in welchein idi r\u einer