Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 186 (26.7.1919)
- Date
- 1919-07-26
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien» Gamsrag Wiener Mvrgenzernrug R. Juli 1919 taMSOHMSWi Nr. 180 Aus Palästina. 3 A»k«»ft der SMeriL«»ische« Sektion der internationalen Orientkommisfion. Das Kopenhagener Zionistische Bureau öerich.'et: Der Gouverneur von Jerusalem veröffantlichtK m 7. Juni folgende Aundgebnng: „1. Wegen der -bevorstcherrden Anlimst der Kommission, die von den Alliierten zu Lern Zwecke nach Palästina entsandt worden ist, um sich über die Wünsche rmd Bestrebungen der Einwohner sowie über -Le zukünftige Gestaltung,-« Derwaltuug des Landes zu informieren, wird den Einwohnern des Landes die Möglichkeit gegeben werden, ruhige Versammlungen abzuhalten, «m ihre diesbezüglichen Wünsche zu äußern. 3. Es ist erwünscht, daß sich hie Führer der Gemeinden mit den grund legenden Prinzipien des Mandate fystems bekannt machen, wie sie von den alliierte» Mächte« in den Friederrsvertrag von Paris ausgenommen worden sind. Das BcrständniS für diese Prinzipien wird sicherlich bestimmte Teile der Landesbewohner daran hindern, Forderungen nach voller Autoyowie, nach Ablehnung jedes Mandats seitens einer Großmacht aufzufiellen, Forderungen, die zweifellos vom Völkerbund ab§esih«t wsrds« würden. Dienstag de» 17. Juni trafen die MttgMt« der amerikanischen Sektion der internationalen Kommission unerwartet in Jaffa ein. Die Sektion bestand aus vier Mitgliedern mit den Herren King und Kr ine au der Spitze. Die Kommisswri wu^de von fünf Sekretären und einer Reihe von Sachverständigen begleitet. Vom Bahnhof aus begaben sich die Herren sofort in das Bureau der Zionistischen Palästina-Kommission. Am nächsten Tag stellten sich folgende Vertreter des provisorischen Waad der Kommission vor: David Jellin, I. Oettinger, Dr. Thon, M. Glikin und Chaim Kalvaryski. Die Kommissionsmitglsid« richteten an die Delegation eine Reihe von Fragen bezüglich der Forderungen der Jude«, der gegenwärtigeil Beziehungen zwischen den Juden rmd Arabern und anderes mehr. Dte Besprechung dauerte etwa eine Sturcke. Im Laufe des Nachmittags besuchten der Chacham Bafchi von Jaffa, Rabbi ben Zion Usiel, und der Direktor der Anglo-Palesti« Conrpany, Hr. S. Hoofen, die Kommission. Dü: .Besprechung mit -lesen Herren dauerte etwa 1% Stunden. Am 20. Juni besuchten die amerikanischen Herren die landwirtschaftliche Ausstellung in Tel-Awtw und das hebräische Gymnasium. Don dort «isteu sie nach Mikweh Jsraol und Nischsn Le Zion. Einige Mitglieder der zionistischen PaLästimlkprrrmissioir begleiteten die Herren nach Jerusalem. In allen Besprechungen .und GmpfLnAe» bekrmdetent die amerikanischen Herren, eine absolute Neutralität. Sie nahmen sämtliche Berichte entgeAM, ohne ihre Meinung dazu zu äußern. Die Kommission empfing sofort nach ihrer Ankunft in Jerusalem eine Jerusalemer Mische Delegation, bestehend aus zwölf Personen, die über die Forderungen des jüdischen Volkes berichtete." Der wertacke Jnvenstmü. Der Pariser Korrespondent des „Manchester Guar dian" schreibt: Beunruhigende Gerüchte üb« dje Lage Lu Arabien sind im Umlauf: Es heißt, daß die Wahabiten -Mekka umzingeln, woz« „Diploinat", der gewöhnlich i» der Politik des Ostens gut informiert ist, im „MDL" 'bemerkt, die Wahabiten hätten diese Erfolge nicht ohm Unterstützung einer gewissen europäischen Macht erlangen können. Eine bedeutende französische Autorität erklärte dem Korvespondeuten, im französischen Kolonialamte glaube man zwar nicht att eine offizielle englische Uuterstützung der Wahabiten^ doch sei eine endgültige kräftige Politik dringend nötig anstatt des jetzigen fortwährenden Wechsels, wo man sich zuerst hinter die Panaraber stellte, dann hinter die Türken, dann vielleicht, wen» die Wirkung der arabischen Bewegung sich in Aegypten fühlbar mach«, hfe Tendenz habe, sich mit den Wahabiten emzutassen. Wenn auch vielleicht die territoriale Regelung m Schwebst bleiben muß, bis Amerika sich bezüglich der Mandata entschieden hat, kann doch die allgemeine Politik gegenüber de« Isla« im Einvernshnven mit bar zweiten mohamnretartschen Macht, das fft Frankreich, geregelt werde«. Was die Lage noch korupliziert, ist ^das Verhalten Emir Faisals, der Damaskus in Besitz gerwrnmsn hat «nd sich als Haupt eines syrischen Königreiches giriert, bevor die Friedeusbvuftrerrzdiesi schtvierM Frage noch entschieden hat. All diese Gerüchte, heißt es in deur englische« Watte weiter, müsse» natürsiH; mit Rücksicht auf ihren Ursprung E Vorsicht NüW' normnen werden, i^essen sind genügende Gründe vorhanden, sie ernst zu nehmen, was auch, wie man sagt, Lord Milner tut. Jetzt, wo die Pa t 6 st in a f r a g e in den Hauptlinieri geregelt ist, ist «-für die Sicherheit dewerdenden VzionistischrA: Staates zumindest uöiig, daß die Situation in selnerh- Nachbarschaft soweit nur möglich geklärt, hie Festsitzung" der letzten Grenzen, fei es auch auf dem' Wöge elürs etwas unidealistischen Marxens, erwirkt und eine entschiedene und starke Politik geführt werde, bei der. die Zionisten den ihnen Angewiesenen Anteil haben. , Die gegennmrtige Lage in verschiedenen Teilen des Lan des kann nicht andausrn. ' ' Die HedschaSvah«. Die englische Zeitschrift „PalestiNs" veröffentlicht in Riunmer 80 einen Artikel, betitelt >,Dve Hedschasbahn", der sich entschieden gegen die völlige lleberlassung dar Hedschasbah« an die Araber aus spricht. Die Zeitung macht strategische, wirtschaftliche Hub politische Gesichtspunkte geltend, aus denen heraus die Entwicklung ein?s Mischen Palästinas durch einen derartigen Schritt gefährdet und jedenfalls außerordentlich gehemmt werde» würde. Der Artikel gelangt zu folgendem SchlußergebniSi „Wenn die Eisenbahn nicht jüdisch werde» kann. so. stellte sie der direkten Verwaltung seitens einer Reichsbehörde unterstellt werden, die'sich im Berteidigüstgsfalle auf Palästina verlassen könnte urid das notwendige Ansihe» besäße, um die Sicherheit der Eisenbahn zu gewährleisten. Die Msinbahn würde dann die Grenzlinie zwischen Palästina und Arabien bilden) das bloße Vorhandensein dieser klar erkennbaren ununverrückbaren Grenzlinie würde für die Vermeidung viel« Konflikts-Möglichkeiten bürgen. Die hier vvrgeschlage« Maßnahme, das heißt, daß mau die Eisenbahn unter der direkten Verwaltung der Reichsbehörden-. neutralisiert und sie zur O stgrenze Palästinas macht, kan» leicht durch die Bedeutung desien, was auf dem Spiele steht, gerechd» fertigt werde». Die Koste» einer solchen Verwaltung Knuten zwischen de» beiden Ländern auf einer annehmbare« Basis verteilt werden, zum Beispiel im Verhältnis dos DwnSportSstmgBs für Ware« rvrd Güter m Taste t ' Seite Z k-- ßch vereinigt, wird nun m retten versuchen, was noch str retten ist. Er findet tae Wirtschaft vor, die eben so lmssijcht, wie wenn ein Elefant im TlSserladm sein SvuL tzMt. In dem Irisösnsvettrag, der chm am 26. überreicht wur^e, ffesfc mit entsetzlicher Deutlichkeit s8e Fehl« ver-eü^et. . die Bauers Politik 9eMrgmhÄ.HofisntkchgW«st es Uemers bewährtem Takt und feiner beWchSta« den Friedensoemag so ja baffem, dch er H» tchs chrkchN Mann imterschrMes tzsM. . _ _ . . . IrrLsRd. Die Sr«Lis«sl8e§s«M«Ä»«8 uni die ,■. FrieLeKshediKZnsgen. Wrrsorsm Pa»rM»a«Ss4etzLchterftatt«. Heute wird die NaLÄMMkW^anmckms dsn Bericht über hit FrirdensöÄmrgVNyM Mtaoge»»ehmen und f-Sba km durch Erklärung«» - der ParteffWhror ihre Stellung zu präzisiLveu -suchen. Das ist ««-fottrMerrkuug nach nicht der richtige Weg. SM dage»M erfuhren, wie man nt Deutschöstermich Mer da» FrsidenSvertrag den?r,.so kann -las nur durch eine gsoße, breftangelegte Debatts geschehe», in btt dir. Gauchs Kar M« Ausdruck kommen, die dissim Wisdr» M «MtWich erschein» lssien. '3 . ' . Die' Mitglieder der NMomckvorsamMLung sind allerdings in ihrer große« WshrhsL d« Führung ein« solchen Debat^ abgonoigt, ÄrwrMS. deshalb, weil dazu , sirw gewM Sachbsunttris gehört, cmdererieits. aber das eiNgeftmÄE Bewußtsein, sich in der Ävsamthvtt W DeuHchW-rreich zu bekennen.- ES ist..nun kein GßhsmmiS, daß die AbgeoÄ)rreten aus Tirol mrd den «»deren Alpen länder« sehr ungern nach Wien kommen mch viel lieber ihre BezirWpositik zu Harche ' batrelbM, tm möglichst ungestört von der Wisner KsgsisnrLg zu bleLen. ES ist das diesilbe Erscheinung, wie m verscheedwen SLessortS Mferer Berwaltung.- CS ist pm DeMsldaß die leitenden E!senbah»v»K«rr der LLsd« ans An- .ordnuugen des Wiener VtaE«rttrs ' für Verkehrswesen überhaupt nicht rvagiera» st» tun, als wären sie Organe ihrer selbstänbigsn PNoVwKrn. Aus dem GeMt der LcbenSmitwkveVßsaKung chr-t diese AbspervunzstakM schon wirdoehM zu schwer«» KsnftiÜen mit der ZentralrsAisruM zsführt, bck d-sswn die Zenttalregiermng sihlisßltch im»»« nachgch«« «mW. In Deutschland hatte daS 'BMMMvE« des Versailler Friedens eine einMütM TuMfsuug' des Volkes urckr der MgsoÄnsjs«' gege^s#.'. vis Mgeordnetsn fanden sich, sofort, in Wsimar «Ä htm iw Berli« ei» liiti) hLeben der KsHSL«r»z in diesiu schweren Stunden zur Seite. I« wichdie MsionalversamMlung sehr sikwn oiwbomHr«, «rd w«r« sie Zusammentritt, so hat sie DorWgM '*m Bedeutung zu erksdiZou. Izr mm gwchen Polttischen Ausspra^ kommt es nie., ' - Mine solche Debatte auf tem der National- Versammlung, wo der Mgiemmg die ^wählten Vertreter der Bevölkerung gegsnüb«steheu und von ihr Rede und 2lnLd!wrt fordern, wäre von! ungleich größerer Bedeutmeg für dis JnjvrrnaLiau deS gegnerischen Auslandes, als eme theoretische Wseinmcheesetzung zwischen Bauer, Adler i»& Frau Frie-Mnd«. Eine solche Debatte würde aber auch Dr. Raru-rer cmßervrdrnttlich AuterMtze«, dtzssM Gchatz sonst d«r des seligen Sy'iphus gleichkärrve. W möMH, M d« NaLionalversamml^Kg darK»« a»ÄMKven, daß die Entente iyr Begriffe stoht, De«chMyr«ich ähnlich wie Haiti zu behandel». Di» Hrtt-rche würde darauf aus-, merksam gemacht werden, daß sich i» dem Friedens- Vertrag schwere Widersprüche brfftrden, die nottvepdigerweise -esÄHst wsrden müssirk. Die Entente ordnet zum Beispiel in dem Friedensvertrag dir Beschlagnahme der MaatseiEnfte für di» Zwecke der Wiedergutmachung und anderrrseitS die AufLürhung ein« nnverhältnismLßrg großen UtLaMhuld an. Das ist eine lingereimthett. Entweder wir bsKa^mr die Zinsen für die K-riLgöanleihen, und dann hLiöt für die WiSdergutrnachung her Krisgsschäden nichts übrig, oder die Entents LeWsgmchmt uns»«» MaaMimühmW, und dann werbe« *m KrisgsanL-chLn twtWfoetö* Auch die rigorose Anwendusg des TerritoLisk-einzips auf dis Uehernahme all«. Ks4kgSanLsLhsn in Deutschösterreich durch diesen SLaat M ein» MMche Mg«scheiHMt, da Wien noch M in den November hinein das finanzielle Zentrum der Monarchie war, wodurch die auf Deutschösterreich entfatwnbe ' Qirote rMverWtrriSmäßig groß wixd. Die ASÄsferuwI tm ®M0 MMühe» a»S einem Land, das nur mft Httfe «mwMa»kschor, englischer und bollündischLr KsvLeNSmilch die W-nb« v-r demHungertode rette» Um, ist sbrn-so nvmßststch wie die Mwontsirung von 99 Prszstt tföm mVknichtmrgrn unserer Die Entente ist sich übrigens dieser soSdst bswuHt, bim sie bestimmt, daß die Dt»d<»ch«stMk«KAK>m«W»» auf die wirLschaftHche und ftmmMSe stago LwMchSstttweLchs M cksich t «e hmen must. Awrm nun in b« Nattouakvorsammlung nur ParttLerkLLrm»Hs« mck ««s NsgiEun-»«kläruug alles das darstells« soHkon» was man dck «ch r» da« Fesgenkomstls^ dss zu {#$*« hat, so hat das höchstens «radamsichM Nmet Mr bm GefchichtSfvrfcher, bet L« ZMmft s-msmck « den Archiven NaMchru halt«« wstch. ES «Mt Wc MMochneten müssen auS ihr« Passivität heraustreten und sich zu Deutschösterreich bekennen. Denn ihr« Wähler werden ja mitzahlen müssen und es wird kein Unterschied sein beim Zahlen zwischen Innsbruck oder Wieuec- Neustadt, Gleichzeitig muß ab« auch die Negierung «kennen, daß sie nicht nur den Arbeiterräten, sondern auch der gesamten Bevölksrung DeutschvfterreichS verantwortlich ist «nb daß es schließlich auch noch eine Konttvlle der Entente gibt', die schon einmal in Nicht mißzuv«stehs«den Worten von ein« „verantwortliche» WOmmg" gesprochen hat. Die Konferenze« in Feldkirch. Gestern vormittags sind Präsident Seist, Vizekanzler Fi Nk sowie die Sta-atsseketäre Dr. Bauer und Dr. Schumpeter aus Feldkirch wieder in Wie» eingetrvffen. Mt ihnen traf auch Dr. Fritz Adle« wieder in Wien ein, von dem parteiamtlich gemeldet worden war, daß « sich i» FamEenangekegerrheitenl in die Schtveiz begeben habe. In Feldkirch hatten sie bekarmtlich «ine ZusMmsnkrmft mit StaaLSkanzl« Dr. Renner, in der dieser den Herren einen eingehenden Bericht übet den Stand der FrsidenSverhandlungen erstattete und ihnen den Wortlaut des Vertragsentwurfes übergab. Wie wir erfahren, haben die BerhaMunge» in Feldkirch Lei den Mitgliedern d« Regierung Leider eine» keineswegs zuver sichtlichen Eindrnck htnterlasssn. ES ist wenig Hoffnung auf eine wesentliche Milderung der Bedingungen vorhautze». D-kber Renner wird naiürlich nichtSdestowoniger alles ünt«- vehrnen, um der Entente darzulegm, daß ihre Bedt»- ' gungeu unmöglich zu erfüllen feie». Gr wird »wie Nmdsrmrg der fin^uzstelhen u n d w.dr«t-! schaftlichen Bedingungen soivte d« - Bestim» . nnmgen üb« die Gebiets frage« v«längen, obgleich es sich« ist, daß gerade in de» GedietSfrage« kaum etwas zu «reichen sein dürfte. Gegenwärtig wird b«eitS an der F«tigftellung best Gegenvorschläge gearbeitet, doch wird erklärt, daß sie iruwrhakb der von der Entente eingeräumten Frist' von zehn Tage« nicht fertiggeftellt werden können.- Dr. Renn er wird daher um eine Erstreckung dev Frist an suchen, die airchohNeweiterSzugestande» werde» - dürfte. Mau hofft, daß die GegeuvorschLLws her deutfchösterveichischM Regierung in den ersten Tags n deS August überreicht werden können.. Mit der Beendigung der Berhandlungen in Sairtt-Grrmäi« 'könne" wohl nicht vor AÜauf von vier biS fünf Wochen gerechnet werden. Dr. Renner wird vor allem trachten, die Entente zu mündlichen Werhandlu«gen zu bewegen. Doch ist wenig Hoffnung vorhanden, daß hier ein Erfolg «zielt werden kann. Sollte es doch dazu bommen, so wird Staatssekretär Dr. Schumpeter, falls er tat» «sch im Amte ist, »ach Samt- Germain reife«, um daran teikzunehmön. Gestern nachmittags fand ein KabinettSrat statt» in welchem die ans Fekdkttch zurückgeSehrta FunkttonäM über die Aussprache mit Dr. Renne« berichita^ Sn btn VationalraLswahle». Bei den schwierige« PostverhÄktutssin ist eS fetze wahrscheinlich, daß viele auf »sie»»«. Postkarte« (!$*:«& fache«) abgesendete Anmeldung«« iu Verlust geraten sind. SS ist daher im Jnieressi der Anmekdttugsweeber welche den Weg der Eiuzelanmel-mtglm gowähst I habe«, sich bei Gelegenheit tzeMM *a« tan Mn-