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Wiener Morgenzeitung · 1919-07-26 · Heft 186 (26.7.1919) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 186 (26.7.1919)
Date
1919-07-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ü«i» WMKj&Ü/. . wtff* -rw vm»IW^vr v 'Nr-^M-MWrr.-. DW ^s.- ■■ Si^^' p, WWlt«*llil)lÄÄ». » N*.1SV^SS? . renrr :IWwMiw#U#iww^t (Mm f» JMWJtai M » 7v~ ■*w!Ä VH». W(ss^-' Rr. 186 U Wien, SKMStag, den 26. IM ISIS " 1. ZahrgMg^ uw>mmiiwrg» mpmmfrrrmyufmty» Staatssekretär Dr. Ba«er zurürkgetreLe«. Hie Gründe feiner DemWsn: EnttLnschrmg in der SüdLiroler Frage, der ver- L hinderte Anschluß, Frankreichs Widerstand gegen Dr. Bauer. StoaLsKynzler Dr. Renner WerniMMt die LeLLnng der ans- «Mistigen PolttiL. Wie«, 26. IM Die mit so großer Spannung erwarteteSitzung des Hauptausschuffes degamr um 5 Uhr nachmittags. Gleich zu Beginn derselben ergriff SLaatsfekreLSr Dr. Bauer das Wor<> der nach einem zweistündigen Expose über den F r r e d e n s v e r t r a g die senfattonelle Mitteilung machte, d aß er von seinem Posten als StaatsfgkretSr für answ ärtige Ang elegenh eiten zurü cktrete. Gr führte die Gründe an, die ihn z« diesem Schritte bewogen haben. Bor allem habe er eine Reihe von Enttäuschungen erlebt, so namentlich in der Südtiroler Furage, überpvsLche er mit dem italienischen Sondergesandten Prinzen B o r g e s e und anderen Führern der ttalienifche« Mission wiederholt Verhandlungen gepflogen habe. Seine Vorschläge seien ssdoch von der italienischen Regierung abgelehnt worden. Die ttalienifche Regierung sei zwar geneigt, , Süd tirolein e Ä u to tt o m i e zu g e b en, dies lehnenMoch dieDentschen . Südtirols ab, da sie mit Mordtttol vereinigt bleiben wollen. Der Plan der Tiroler, in Tirol eine' selbständige RepuLLik ausznruferr» bedeute Leine Lösung, da die Entente dies nicht znlaffe. Wetter verwies der Staatssekretär ans die Tatsache, daß der Friedens- Vertrag den Anschlntz an Deutschland verhindere, obwohl dieser der heißeste Wunsch des deutschösterreichischen Volkes sei. Ein weiterer Ha npt grnnd fei auch der Umstand, daß der Friedensvertrag die Einverleibung Dsntsch-Westnngarns % an D e nt sch ö ste r r e ich vorsehe, was bei der herrschenden gespannten und völlig ungeklärten Lage für Deutschosterreich nicht ohne Gefahr sei. Er verwies dm»nf> daß die'Dschech«r-Dtzn--Kperi-or',nach.!UyKMM.'..erhatteu HAen, -atz Dsutschp .. ' Sstervdich auch dort mit den Tschechen in Berührung kommen, und daß die Möglichkett einer EinVerloibung Deutfch-WesLungarns zu einer Atnderung der Haltung der Räterepublik gegsuÄber DeutfchAfterreich führe« könnte. Schließlich erwähnte der Staatssekretär noch den Umstand, daß seine Person i n F r a n L r e i ch Widerstand errege. Da er kein Hindernis bilden wolle, so hatte er es für das Beste, wenn er von feinem Posten zurürktrete. Dadurch fei die Möglichkeit gegeben, daß sich die wetteren FriedsusverhandLungerr für Deutschösterreich günstiger gestatten. Diese Gründe Legte Staatssekretär Dr. Bauer in einem Schreiben au den Staatskanzler Dr. R e nue t\ der mit der Leitung des Autzenamtes betraut werden soll, dar. Per Hanptaussch^ß nahm die Mitteilungen Dr. Bauers zur Kenntnis und vereinbarte hierauf die Tagesordnung für dis morgige Sitzung. Zu Beginn wird der Präsident der NationalVersammttmg de» Brief des Staatssekretärs Dr. Bauer an den Mastskanzler vprlesen, worauf ViZekanzler Fi uH die Verhandlungen in Feldkirch berichten wird. Mit einem Resrrmö» dgs Präfihsnt HMAber die allgemeine politische Lage geben wird, ist die Tagesordnung der Sitzung erschöpft. Aus führenden parlamentarischen Kreischt erfahren wir, daß der Rücktritt Dr. Bauers nicht arrs dem Grunde erfolgt» weil der Friedensvertrag den Anschluß a« Deutschland uumöglich macht, zu dessen eifrigsten Verfechtern der StaatssekreLSr gehört, sondern nur deshalb, weil auf Grund des FriedenSve^trages Deutsch-Westungar« Deutschösterreich zugesprochen wurde. Da den Staatssekretär Dr. Bauer mtt der RLLsreMbM Dela Kuns noch übsrans enge Beziehungen verbinden, was die Berufung des Gesandten Böhm ans den Wiener Gesandtschaftspoften beweist. Das Dürfte der Hauptgrund für den Rücktritt des Staatssekretärs Dr. Bauer fein, wobei nicht Mtzer Acht gelassen werden darf, daß die linksstehenden Sozialdemokraten feit der Schwenkung, welche die deutschen Sozialdemokraten im Reiche genommen Haben, von einem Anschlüsse an das Deutsche Reich nichts mehr wissen «olle«. . » PadereWski über Galizien. Warschau, 85. Mi. (Poln. Pvvßayont.1 „Kuryer W a r s z a t» s k i" veröffentlicht folgende Tleutze. rangen PaderewsLis: Die Frage Galiziens ist gegenwärtig Gegenstand säst täglicher und schwieriger Verhandlungen in dem Sonderausschüsse des Kongresses. Diesbezüglich ist bereits ein überaus wichtiger «nd gir» st igerBefchlntz gefotzt worden: Sstgalizien wird ans jeden Fall eine Reihe von Jahre» hwdnrch unter polnischer He rrschaft bl ei S e n. SSr diese Proninz ist eine besondere Autonomie vorgesehen. Der Kougretz hat uns ursprünglich eirrs» Entwurf vorgeschlagen» welcher dem den Tschechen vorgeschlageuen. Autonomieentwurfe für die ungarisch« rnthepischen Gebiete Shnlich' Vorschlag ablehne», nachdem die Zustände in Ost* galizien sich prinzipiell von denen in Novdungarn unterscheide«. Gegenwärtig arbeiten wir zusammen mit dem Ausschüsse eine« neuen Gntw « rf aus. Sr ist bereits in allgemeinen Umrissen fertig. VstgaliZisn bekommt einen eigenen Provinzlanbtag» sowie voke Freiheit bezüglich des Volksschulwesens und der lokalen Verwaltung. Ir. jedem polnische« Ministerium wird eins besondere Sektion für ukrainische Angelegenheiten errichtet werden. Im Ministerrale wird auherdem ein besonderer Minister für O st g a li z i e «» wahrscheinlich ukrainischer Rationalität, s^en. Die Großmächte schlagen außerdem dieAüfheb «n g der Ml^MÜEv^ek-v:« t r e r « n g in DtzgetWen vo^. Otto Bauers Glück und Ende) —V W i.e r, 86. . Juli. L Staatssekretär Dr. Bauer hat gestern ferne Demission gegeben. Er begründet seinen SchM mit dem Scheitern seiner auf die Rettung Südtirols und des Anschlusses an Deutschland gerichteten Politik. An seine SteLe tritt der Staatskanzler Dr. Renner, der nun zu der schweren Bürde seines Amtes als Führer der Friedensdelegation auch noch die des Ministers des Aeutzem übernimmt. - . Otto Bauer, den ein tückischer Zufall, der Tod Viktor Adlers, in das Kaunißpalais auf dern Ball« Hausplatz berufen hat, brachte für diesen Posten» der an seinen Inhaber so große Anfordemngen stellt, sehr viel mit. Er hatte in den Kreisen, der radikalen Sozialdemokraten viele Anhänger, stand ist, der sozialistischen Kampfliteratur in der vordersten Reihe und verfügte aus der Zeit seiner russischen Kriegsgefangenschaft her über sehr bedeutungsvolle Verbindungen mit den führenden Männem der. Sowietrepublik, denen er persönlich näher getreten war und deren Ideen von der radikalen Umformung - dev politischen und wirtschaftlichen Gesellschaftsordnung durch den Uebergang der ganzen Macht an. daL Proletariat er durstig in sich aufnahm. Als er, zurück kam, stand noch die Monarchie» deren nalM Zusammenbruch sich in dem Prozeß gegen Fritz Wler schon deutlich ankündigte. Die Revolution stützte. in wenigen Monaten einen Bau um, der lange.^Jahrhunderte überdauert und sich vermessen HE. der Ewigkeit zu trotzen. Otto Bauers Pstrte? schickte sich an, die Erbschaft zu übemeKmest und. im Sinne ihrer Prinzipien mnzugestaltsn. Ah^r sie stieß auf den Antagonismus zwischen Idee /ünd Wirklichkeit. Es gelang ihr nur, eine dempWriW Republik zu schaffen und zufamnnn miL Büra^n stM^ Bauem den Wiederaufbau einesln Schütt geWatzenen Staates zu versuchen. Ihre ganze, sich'eMch . her Situation entsprechende Politik trug von aflem Anfang an den Stempel der Halbheit und fosr Kompromisses an sich. Darunter hätte auch f^der leiden müssen, den die fozraldemokrattsche Partei ' an die Spitze eines verantworümqsfchweren Amtes gestellt hätte. Um so mehr aber Dr. Bauer, her für das Sekretariat des Aeußern eine große Bildung: persönliche Liebenswürdigkeit und Meschmeidigkeil entwickelte, aber gerade die Eigenschaften nicht auszeigte, die dort vor allem nötig smd: poMschew Weitblick, Entschlußkraft rnrd den ME der Initiatwe.' Der Rock Viktor Adlers war ihm vrrl zu groß. 4 Dr. Bauer hat sich in der Frage des Anschlusses an Deutschland trotz tausendfälttger Wamungen» nicht zuletzt aus Derüschland selbst, mit einer hysterischen Halsstarrigkeit so verrannt, daß gerade daraus die schwerste Belastung der beiden direkt beteiligter, Staaten resultierte. Von seiner persönlichen Art der Behandlung der KrMK, von feiner Schulmeisterei und Eigenbrödelei, die sogar den Vorwurf des Hochverrates gegen die Andersgesinnten nicht verschmähte: se.i hier wetter nicht die Rede. Aber der Vorwurf kann ihm nicht erspart bleiben, daß er durch seine Außerachtlassung ieder Vorsicht, durch seine Losgängerei das gallische Mißtrauen gegen Deutschland noch verschärft und zudem noch aus Deutschöfterreich gezogen hat, das bis dahin unbeachtet in der. Ecke stand. So viel Agitattonskraft er in der Erreichung seines poliüschen Ideals, des Anschlusses an die sozialisttsche deutsche Republik er entwickelt hat, so wenig Energie zeigte er gegenüber dem deutschradikalen Chauvinismus, der den Staat unaufhörlich in peinliche Situationen brachte. Viele Fehler mögen auch aus den Gewissens^ Konflikten geflossen sein, denen sich Bauer,' der Außenminister einer Koalitionsregierung, und Bauer, der linksradikale Sozialist, ausgesetzt sah. Er war gleichzeitig Letter der Sozialisierungskommission und hat als solcher ein Betriebsrätegesetz geschaffen, für das alle leitenden Beamten des Ressorts fiir soziale Fürsorge* die Verantwortung ablehnen, weil niemand damit etwas Vernünftiges an^nfangen weiß. Er hat mtt Bela Kun sich eingelassen und ist diesem gerissensten aller^ politischen Schieber so aufgesessen, daß hier in Wien die sehwersten Erschütterungen der sozialen Ordnstnq^sich zeigten. Bauer versuchte als Minister kvmmunssüschchtlftlichsozial zu wirken. Aber unter solchen' Palmen wandelt man nicht nnqestrast. ' . Sein Nachfolger Karl Renner, der wie selten ein! Mmm, hgs . Vertrauen der ganzen Oeffentlichkrst'^w

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