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Wiener Morgenzeitung · 1919-07-20 · Heft 181 (20.7.1919) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 181 (20.7.1919)
Date
1919-07-20
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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IL M r .Wien, Sonntag t'i » .■>*» lkebevotlen Interesses von HNnderttausenden Juden, sonökM eS läßt sich wohl denken, daß diese Biographie für die Werkleute am Wiederaufbau Palästinas vorbildlich, stählend uE anfeuernwirken und baß, bei Herzls prophetischer Begabung, Auszüge aus seinen Schriften, Briefen und Tagebüchern für den Aufbau ft manchen wertvollen Fingerzeig bieten würden. Keinesfalls darf das Verlangen der zionistischen Massen nach einer möglichst weitgehenden Veröffentlichung von Herzls Nachlaß länger zurückgedrängk werden. Unsere Führer sind verpflichtet, diesem Verlangen Rechnung zu tragen. Eist großes Verdienst hat sich in dieser Hinsicht der Sekretär des N.-F.-Hauptbureaus, Nathan Groß, erworben, der durch einen Artikel im Heft von „Erez Israel" hier die Initiative ergriffen hat. Er kann der allgemeinen Zustimmung tzewiß sein, wenn er die endgültige Ausgestaltung des Berliner Herzl-Wolffsohn-AEchivs und dessen eheste Verpflanzung nach Palästina verlangt. Ich stehe auch nicht an/ zu erklären, daß ich gegenüber den Plänen, dieses Museum m einem der Bezalelhäuser zu Jerusalem oder im Jaffaer Herzl-Gvmnasium nnftrzubringen, dem Vorschläge Groß den Vorzug gebe, daß es. inmitten des Herzl-Waldes nächst dem dort zu errchtenoen Mausoleum Herzls und anderer Valksfühver seinen Platz finden' möge. ' . H 'Etue Aufgabe erscheint aber unaufschiebbar. Die Vielen tausende Briefe Herzls, die er, dieser ft" rastlose Arbeiter, Zeit seines. .Lebens und' zumal in /seiner zionistischen ^Epoche geschrieben, hat und die nach allen Ächchern hin in den Händett von Privaten zerstreut sind, zu sammeln und in. die Obhut der zionistischen Behörden zu Mng>en. Die Schrecken des Krieges sind gewiß auch an'.diesen verstreuten Dokumenten nicht spurlos vorbeigegangeni,So ist ein Fall, bekannt geworden, daß alle Briefe, die Herzl an feittett Vertrauten Katzenelson in Lib ä ü gerichtet hatte und in dessen Bibliothek verwalt waren, während der Besetzung Libaus samt der Pibliothek zu Heizzwecken verwendet wurden- Besonders Wien, wo- Herzl den größten Teil . seines zionistischen Wirkens verbrachte, und Oesterreich' kommen da/äls Fundstätten in erster Reihe in. Betracht. ,.,.,Mit Zustimmung'des N.-F.-Hauptbureaus in 'Haag" ergeht daher an die Gesinnungsgenossen. und an,Me Juden in den Ländern des ehemaligen OesterreiK die. d r i n g e n d e A u f fvrder ung, alle vor- . fiNplichen Briefe .und ' Schriften > Herzls an das Palästina amt in Wien, 2. Bezirk, Zirkusgasse 33, zu Hauben des Dr. Egon Zweig, in das Eigentum des Jüdischen Nationalfonds, zu übergeben. Nur so kann die Vereinigung dieser wertvollen Dokumente mit dem künftigen Herzl-Museum in Palästina sichergestellt werden und der Ehrenpflicht unseres Volkes seinem großen Toten gegenüber Genüge-geschehen. / Theodor Herzt als Politiker. Von De. Leopold Plafchkes. Als er zur Ruhe gebettet wurde, hörte man ein Schluchzen' von Tausenden. Die da schluchzten, waren Boten von Hunderttausenden, die zur selben Stunde mit ihnen weinten ..... Seither sind 15 Jahre perstrichen. Die Feigen und die Bösen, die den Tod Herzls als den Tod des Zionismus auSschrien, wurden Lügen gestraft, Herzl allein hat Recht behalten. „Ab er eines bef'rachte ich als gewiß und über a l l e n Z w e i f e l e r h a.b e ri: d i e Bew e tz u ng wird a n h a l t e n! I ch w e i ß n i ch t, w a n n i ch st e r b e n w e r d e, a b e r d e r Z i o n i s m u S wird niemals st er b en." ■ So gehört denn Theodor -Herzl der Geschichte an! Der Weltgeschichte, der Geschichte des jüdischen. Bölkes, der Geschichte dcZ Zionismus! Ein beneidenswertes Schicksal. Darum wollen wir heute keine Totenklage anstimmen, nur die Erinnerung an den' größten jüdischen Politiker wachhalten. ' . Als dieser. Mann im Alker von kaum 44 Jahren von u«S ging, hatten wir alle das Gefühl, daß dieser Tod eine nationale Katastrophe bedeute. Es gab keinen Erben, keinen neuen Führer! Jetzt erkannte man erst recht seine Bedeutung für die jüdische Bewegung, diese jüdische Bewegung, die alles umfaßt, was an bewußt Jüdischem aus der politischen Knechtschaft zur Freiheit ringt. Sie war wohl keine Erfindung Herzls, sondern ein Gegenstand der. Entwicklung von zwei Jahrtausenden. Theodor Herzl aber war ihr machtvollster Förderer. Seine politische Bedeutung können wir npr -ermessen, wenn wir seine Vorgänger betrachte«: MoseS H e ß, Leo P i n s k e r, Nathan Birnbaum. > H e ß hat 1863 .die theoretischen Grundlagen des jüdischen Nationalismus festgelegt Und die Wiederherstellung deS jüdischen ' Staates als Basis für die Wiedergeburt des jüdischen Volkes gefordert. Doch MoseS Heß war ein Einsamer in einer Zeit, die für seine Idee noch nicht reif war, ein Prediger in der Wüste!? - Zwanzig Jahre später wurde PinSkerS »Autoemanzipatton" schon von einer Menge begriffen, von einer Welle nationalen Denkens getragen. Als Heilmittel gegen den AntisemitiSnms verlangt Pinsker jüdische Realpolitik. ■ 1898 kam der junge Nathan Birnbaum mit seiner Broschüre »Nationale Wiedergeburt deS jüdischen Volkes im eigenen Lande." Er stellte die Forderung der staats- und völkerrechtlichen Gleichstellung deS jüdischen Volkes auf, begründete die jüdische Nationalität auS der inneren Eigenart, deß Volkes und vertrat den Gedanken der Erneuerung der jüdischen Kultur m Palästina und der Wiederbelebung der hebräischen Sprache. Es sei Mterstrichm, das Birnbaum schon hier den Gedanfen einer « a t i o n a l e n A u t o n o m i e der Völker aussprach' , Dies war der Stand der jüdischen Bewegung, als Herzl 1895 mit seinem »Judenstaat"'hervortrat. Dieses kluge, energische Buch zeigte dm Weg, > wie eS gemacht werden könnte, um die Jude« aus der Rot des Dreyfusskandals und dem russischen Wiener Morgeuzettrmg Elend hinauszuführen, umdem jüdischen Volkei« Palästina durch Selbsthilfe ein- Heimstätte zu schaffen. Wie kommt eS, daß die drei Vorgänger keine Wirkung erzielten, Theodor Herzl aber die Welt bewegte? Ein unbekannter Mann trat aus der Menge und zeigte mutig einen'Weg zur Lösung, ohne Führer sein zu wollen. Der Korrespondent der »Neuen Freien Presse" m Paris, der Verfasser der Feuilletons aus dem »Palais Bourbon", der ein israelitischer Knabe, ein deutscher Student war, wurde ein jüdischer Mann. Ein eleganter, beliebter Schriftsteller wird ein jüdischer Realpolitiker, der Autor des Bnrgtheaterlustspieles „Unser Kätchen", schreibt -den I u d e n st a a t; ein internationaler Mensch wurde ein -nationaler, »och dazu einer,-der dre fast gestorbene jüdische Nation z« bewußtem Leben führen wollte. Der Dichter mußte, obwohl er anfangs widerstrebte, auf Drängen der Wiener jüdischen Studenten, Führer und Erfüll« seines Werkes werden. So sah Herzl selbst seine Gedanken zur Wirklichkeit reifen irnb so entstand die zionistische weltumspannende Organisation, Hoffnung und Heil für Millionen von Juden. Die Wandlung, die Herzl selbst durchgemacht.hat vom Assimilanten zum bewußten Juden, machte nach ihm 'die Menge der erwachenden Juden. Natürlich bedurfte es dazu emsigster politischer Agitationstntigkeit! Und die besorgte er 1897—1904 mit einer Liebe und Sorgfalt, als ob er gefühlt hätte, er müsse die kurze Zeit nützen. In Wort und Schrift kämpft er gegen die hartnäckigen Antizionisten, gegen Protestrabbiner und Kahaljuden, verhandelt mit den Größen Israels,-mit den Fürsten Europas, beruft Kongresse, schasst mitnhnen welthistorische Ereigniffe und ein alljttdisches Parlament, begründet die Koloniallbank, den Nationalfonds, macht Reisen, schreibt Propagandawerke, spricht in Versammlungen, entfremdet sich seiner Famlie, um seinem Volke zu dienen, richtet sich zugrunde, um dßs jüdische Volk aufzurichten. Worin besteht nun die Bedeutung des Politikers Theodor Herzl? Der Zionismus ist so alt, wie das Galuth; die grundlegenden jüdischnationalen Schriften waren bereits geschrieben, die Diskussion war erwacht Md doch gab es vor Herzl keinen Schwung und keine Bewegung. Herzl zeigte■ den Weg und ging ihn auch. Er besorgte das Programm, d'.e Organisation, die' Agitation, er war der Tatenmensch, dm daS schlummernde Volk brauchte, und verstand eS, Begeisterung zu entfachen. Herzl gab dem jüdischen Volke Einigkeit und M ut! Er hat Ost und 28$ vereinigt und waS bisher nm' in den Bethäusern geflüstert wurde, laut vor der ganzen Welt verkündet: Jüdische Brüder von Ost und West seid einig, nur als geschlossenes VierzehnmiHilfnenv o lk habt ihr B ed entun g! DaS ist seist. politisches Vermächtnis. Darin besteht das unbestreit- ° bare Verdienst, daS ihn so mächtig über alle anderen. großen Juden emporhebt: H e r z l w a r d e r e r st e M a n n, d e r imGalu.th großzügige, planmäßige jüdisch e P o! i 1 i k m a ch t e. Daß Herzl Organisationen geschaffen, Kongresse berufen, Expeditionen ausgerüstet, im Namen unseres Volkes mit den Machthabern Europas verhandelt hat, diese Taten bleiben in de« Tafeln der jüdischen Geschichte eingegraben, daß er in uns die Liebe zu unserem ganzen Volke geweckt, daß er uns zu austechten Juden gemacht, diese Tat lebt in unserem Herzen und davon werden wir unseren Nachkommen berichten. Darum steht jmseitS allen Streites Herzls Persönlichkeit. Der jüdische Politiker, welcher dm Zionismus zum Gegenstand des öffentlichen Jntercffes und für uüs zur Weltanschauung gemacht hat, war äuch der beste, gediegenste Ju d e, der dem Volke ein prächtiges Vorbild g'ab. Mit diesm Gefühlen begehen wir seinen 15. Todestag.' Herzls sehnlichster Wunsch war es, die Zionisten, mögen seine Leiche dereinst itöcfj Palästina führen. Wir werden es tun! Aber ehe wir hinüberbringen, was vergänglich ist an ihm, müffm wir das Unvergängliche in uns aufnehmen, scinm Geist, seine köstliche Seele, seine Merschöpfliche Liebe zu seinem Volke, sein unzerstörbares politisches Vermächtnis und zunächst sie mit uns hinüberschaffen in sein, in Mser — Altneuland. An Herzls Grab. DaS Zionistische Landeskomitee hat für den Gang zum Grabe Theodor Herzls folgende Anordnung getroffen: Formierung des Zuges an der Endstation der 40er-Linie zwischen 9 bis Vs 10 Uhr vormittags, und zwar wie folgt:.' . Vor der H o ch s ch u l e für Bodenkultur versammele sich: Verband der zionistischen Verbindungen und die Übrigen jüdisch-akademischen Vereinigungen. ' In der Felix Mottlstraße an der linkm Seite der Hochschule für - Bodenkultur nehmen Aufstellung: Die Turn- und Sportvereine, Blau-weiß, Schomrim, Chaluzim. Im gegenüberliegenden Teil der Felix Mottlstraße formieren sich die Bezirkssekttone«. Den AnordnMgm der durch blau-weiße A r mbinden kenntlichen Ordner ist unbedingt Folge zu leisten. Die M a r s ch o r d n u n g ist folgende: Eröffnet wird der Zug durch 40 Turner, dann folgen das Zionistische Landeskomitee, das Präsidium des Jüdischen Nationalrates und der ostgalizischen Delegation sowie die zionistischen Mandatare und sonstigen Honoratiorm, der Jüdische .Hochschnlansschuß, der Verband zionistischer Verbindungen, die übrigen füdisch-akademischm Vereinigungen, Turn- und Sportvereine.. Blau-Weiß, Schomrim, Chaluzim, sonstige Vereine, schließlich die Bezirkssckttonen. Am G r a b e stehen acht Chargierte der Wiener zionistischen Verbindung Ehrenwache, in der Allee, in der daS Grab liegt, bilden 40 Turner Spalier. Die Direktion der W i e n e r Straße n b a h n wird Über unser Ersuchen den Verkehr auf der 40er-Linie zwischen V*9 und 10 Uhr derart verstärken, daß. in dieser Zeit 5000 Personen vom Börseplatz zur Endstation gebracht werden können. Für die Rückfahrt steht außerdem die 41er-Lmie zur Verfügung. Wir bitten daher die Teilnehmer, die Hinfahrt in der, Zeit zwischen 9 bis V«10 zu bewirken und für die Rückfahrt, um jedes Gedränge zu vermeiden, beide Linien (40 und 41) zu benützen. Auch auf der Gürtellinie wird der" Verkehr verstärkt. , * Die Mitglieder der zionistischen volkssoüalistischen Bereinigung ..H >i n v e l H a - a i r" versammeln in ’.+IO Utjr vormittags i-i i. v Endstation des 40er-Wni n?»- bahn. _ ,A. IM1giS ° Ave iS Minwni »ii ".... ' inrira»Brii»Tlrr>iiaB*>fi'r,.-i , 4 Inland. Die Innere Politik und die National Versammlung. $ In dieser Woche soll der H'aup'kanssch'uß' zÄ fammentreten, um die Mitteilungen der Regierung übü die wirtschaftlichen Friedensbedingungetder Entente entgegenzunehmen. Der dürftige AuÄ , - zug, der von englischer Seite borgestem verbreitet wurd^ gestattet noch' immer kein Bild die Pläne btt Feinde. Das, was da mitgeteilt wurde, tiingt ziemlia unglaubwürdig und steht in krassestem Widerspruch mff - allem,, was die Friedenskonferenz selbst bisher offiziös mitzuteilen für gut befunden hat. Nach der englische» . Meldung sind Teile des Friedensvertrages mit Deutsch)- land einfach ab geschrieben worden- und. zwar so jintti, widrig, wie beim politischen Friedensvertrag. Di« Entente verlangt angeblich'. die Herausgabe unserer Flo-tte. Wir haben aber gar keine und mit Llusnahme einiger Kähne, die die Donau und die paar Flüsse befahren,, die es noch in Deutschösterreich gibt, könnte die Entente selbst beim schlechteste>r Willen nichts mit-Beschlag belegen,-'was einer Flotte ähnlich. * sieht. Ebenso steht es mit den Seekabeln, die.sich schon längst in ilalicnischetn Besitz befinden. Vollkommen absurd klingt aber die Forderung, daß Dentschösterreich an Italien 4000 Milchkühe, 1000 Ochsen,'1006- Kälber und 50 Stiere, an Rumänien 2000 -Kühe, 500 Ochsen, 1000 Pferde, 500 Kälber undStiers an Serbien 1000 Kühe, 500 Ochsen, 1000-Kälber, ' '85 Stiere, 1000 Pferde und 1000 Schaft avzuführen hat. Woher soll Deutschöfterreich das nehmen?.. Und wie ist eine solche Forderung auch nur, Lenkbar von -einer Seite, die die Not in Deutschösterreich ganz genau kennt" und den Kindern in den - Spitälern mit Kon de n s- \; milch anshelftn will? Allerdings ist die Blockade derft Bauern und der sonstigen agrarischen Wucherer gegen.' Wien bisher viel schmerzhafter gewesen als die der- Entente. Und es kann der.Hinweis nicht unterlasset werden, daß, selbst wenn diese Forderung nicht aufrecht gehalten wird, die Wiener Kinder trotzdem keine Milch ',' bekommen werden. . In den politischen Kreisen - hofft man noch immer : auf eine Milderung der Friedensbedingungen, die es ermöglichen -würde, daß die N a tio n a l v e r s a m m - tun fl ohne schwere Parteikämpft den Aertrag Unterschreibt. Die Stimmung in den tzlbgeordneteUkreiftn wird übrigens vielmehr durch die Vorgänge auf innerpolitischem Gebiete beeinflußt-. Der bevorstehende' Generalstreik der Arbeiterschaft hält die Gemüter in Spannung. In dem Kampf'zwischen T omann und Adler ist Adler unterlegen. Außer.ihm - gibt es aber auch noch ein anderes Opfer, das auf der. - Strecke zurückgeblieben ist, nämlich' die Regie r u n g. - ■ die sich den Befthlen der ObmännerkonfereNz der A r b e i t e r r ä t e ohne den mindesten Einspruchgefügt hati Sie hat die Anordnungen dieser Körperschaftüber den Dienst bei den öffentlichen. Aemtern still-.-' schweigend zur Kenntnis genommen und damit zum Aus- druck gebracht, daß, wenigsten? nach ihrer Meinung, die Diktatuoder Räte bereits aktiviert ist. Damit hat die Regierung' ein bedeutungsschweres Präjudiz geschaffen,. indem sie die exekutive Gewalt ganz in die- Hände^ ein^r verantwortungslosen. Körperschaft gelegt . hat. Wenn morgen in irgendeiner Provinzgemeinde ■ ein Bauernrat die Gewalt an sich reißen wird, so wird man daS ohne viel Verwunderung als unabänderliche Tatsache hinnehmen müssen^ Die Mitteilungen über die Vorgänge in Ungarn, die dem Abgeordnetenhaus heute Vorlagen, lauten sehr widerspruchsvoll. Nach einer, Meldung, soll. Bela Kun durch Szamuely gestürzt worden sein, angeblich deshalb, weil er. in. Exkenntnis seiner unhaltbaren Position Verhandlungen mit der Entente und . mit der Szegediner Regierung.angestrebt hat, die die ‘ Bildung eines so z iali stis ch-radikal-bür gcrlichen Kabinetts bezwecken sollten. Diese Meldung wurde aber sehr bald von Budapest wegdementiert. / Auch die Kohlenkrise, die unser öfftnlliches Leben , schwer bedroh^ bildet den Gegenständ der ein-' gehendsten Beratungen und Besprechungen, in deren LZerlauf man der Regierung'vielfach den Vorivurf der' mangelnden Voraussicht gemacht hat. Man muß zugeben, daß die Regierung den VürsPrechungenDeutsch*. lands auf Lieferung von 7000 Donnen täglich zu sehr vertraut hat, denn auch ihr muß bekannt sein,, daß Deutschland' nicht in der Lage ist, eine Lerartjc^x Menge ständig zu liefern, da es vertragsmäßig drel Enftntc zu versorgen hat. Immerhin'''aber muß Mau-, an unsere Valuta denken, die-es der Regierung schwer' macht, Verhandlungen bei leeren Kassen zu führenf Was -den Generalstreik anlangt, der morgens unser ganzes 'Leben zum Stillstand bringen ivitl, fö' erklärt man in Abgeordnetenkreisen, daß man den Sinn- und den leitenden Gedanken dieser Demonstration nicht finden kann. Giu Teil', der französischen und italienischer Arbeiter hat den Streik angekündigt, um die Demobilisierung zu erzwingen und die bewaffnete Intervention in Rußland und Ungarn zu verhindern. Weshalb sollen die Llrbeiter Deutschöfterreichs streiken?, Die Demo bilisiernng ist bei uns schon lange durchgeführt und die Intervention mit Waffen liegt unserer Regierung so fern, wie ein Märchen. Und in der Verurteilung des Gewaltfriedens von Saint-Germain ist. ja in Deutschösterreich ohnehin alle Welt einig. Aber die Ab ge-

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