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Wiener Morgenzeitung · 1919-07-13 · Heft 174 (13.7.1919) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 174 (13.7.1919)
Date
1919-07-13
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 174 __ Wien, «onnrag Politische Rundschau. Der Schutz der Minoritäten in Polen. \ ■ Der „Manchester Guardian" schreibt: Der Vertrag -zwischen den Alliierten und Polen geht im Schutze der kulturellen Rechte der nationalen und religiösen Minoritäten ziemlich weit. Wie weit die atu Papier garantierte volle politische Gleichheit zur Wirklichkeit gemacht werden, kann, ist die Frage.» Das hängt größtenteils von der Verwaltungspraxis ab. Gegenwärtig haben zum Beispiel hie Juden in Polen wenig Aussicht, eine öffentliche Anstellung in gleicher Weise wie die Nichtjuden zu erlangen und die gewaltige ökonomische. Macht des Staates wird, stets gegen tste verwendet. Welche Sicherheit ist geboten, daß die Juden!imd die anderen völkischen Minoritäten, ihre entsprechende Vertretung im Parlamente finden werden? Es wird geklagt, jba§ durch die Wahlkreiseinteilung das Wahlrecht der Juden ^beeinträchtigt wurde. Demzufolge ist die jüdische Vertretung im gegenwärtigen Landtag nur ein Teil besten, was ihnen nach ihrer Zahl gebühren würde. Um diese Wahlgeömetrie, zu verhindern, habe» die Mischen Nationalräte nationale Kurie nach österreichischem Beispiel verlangt, wobei dir Gesamtheit einer völkischen Minorität einen besonderen Wahlkörper mit zugemestener ^andatszahl bildet. Dix Alliierten hüben es für richtig gefunden, Jfetefe abzulehnen. Sie wahren indesten das Recht des' Einischreitens gegen Ungerechtigkeiten, und das ist ein großer Fortschritt gegen die platonische Ermahnung im Berliner Vertrag» welcher Rumänien Folge zu leisten beharrlich verweigerte. Doch all diese Vorschriften und dieser ganze Apparat sind ein ärmlicher Ersatz für guten Willen und den Sin» für Gerechtigkeit. Wenn das polnische Volk und die polnischen Staatsmänner den Willen haben, allen Minoritäten -in ihrer Mstte ihr Recht wiederfahren zulasten, so wird dies daS beste Herlmittel sein. Nach ihrer gegenwärtigen Mentalität zu ^schließen, wird es einige Zeit brauchen, bis dieser Geist sich bei (ihnen entwickelt haben wird. Die Schulfrage in Tschechien. Unter den bemerkenswerten Handschreiben, mit denen Präsident Masaryk das neue tschecho-slowakische ' Kabinett ernannt hat, ist die Anweisung an den Kultusminister Haber m a n n, der auch bis jetzt dieses Ressort inna hatte, von besonderer Bedeutung. Programmatisch wird darin erklärt, daß die Schulpolitik der tschecho-slowakischen-Republik eine systematische Entkirchlicht: ng der Schule zum Ziele 'hat und «die Grundlage der Aktion zur Trennung von Kirche und Staat bilden soll. Damit wird ein Pöstulat aller freiheitlich denkenden Menschen und aller echten-Pädagogen erfüllt, da der klerikale Einschlag in der Schule und die, Beherrschung der ganzen Erziehung von kirchlichen «Zwangsgeboten, die tueift echte Religiosität gar nicht entstehen ließetr, zweifellos von schädlichem Einfluß, war. Schwere Folgen wird jedoch dieser neue Kurs für die Juden haben. Die Juden sind selbst daran schuld, 'Laß sie durch ihre. Falschmeldung und durch' ein zu fweitgShendes Assimilationsbestreben das Judentum auf Pas Niveau einer Konfession herabgedrückt haben und 'Häher auch in der Schule die Erziehung im Judentum Huf das Maß eines konfessionellen Religionsunterrichtes geschränkt war. 2Ätr schon'dieser bescheidene Untergicht höchst unzulänglich und konnte gegenüber der allgemeinen vom christlich-nationalen Geist geleiteten Erziehung in keiner Weise eine Wirkung üben, so wird Lurch die. jetzige Tendenz zur Ausschaltung jedes Reli- Mousunterrichtes überhaupt die Möglichkeit genommen,!der Jugend auch nur primitive Kenntnisse der-Mischen Fächer in der allgemeinen Schule zu vermitteln. Schon 'vor einigen Wochen hat der Unterrichtsminister einen '-Erlaß über die Umwandlung des Mittelschullehrplanes - gerausgegeben, durch den der Religionsunterricht aus Wer Verein zur Erforschung Palästinas Ln Jerusalem. Von Dr. A. I. Brarver. ‘ ' ■ ./’ ‘ Es gibt wohl nicht viele entlegene Gebiete wissen- Ischaftlicher Forschung, zu deren Ausbau Geehrte jüdischer Abstammung so wenig beigetragen haben, wie die Hiversen Zweige der Palüstinakunde. Kühne Forschungsweisendc und scharfsinnige Gelehrte englischer, deutscher, französischer uttb skandinavischer Nationalität haben in den letzten hundert Jahren das Land der Bibel wissenschaftlich zu erschließen gesucht und haben Großes geschaffen, aber keilt einziger großer jüdischer Name könnte -ihnen zur Seite gestellt «werdend Nach dem Anteil an der Erforschung unserer Heimat beurteilt, stünden wir in einer Reihe mit den Einheimischen Aegyptens, Meso- Pptanticns und Anatoliens. Und doch haben sich Juden anderswo sowohl auf dem Gebiete archäologisch-historischer wie auch naturwissenschaftlich-geographischer Forschung rühmlich hervorgetan. Man könnte daher .von einer Abneigung jüdischer Forscher gegen das Land 'ihrer Väter sprechen, als einer Begleiterscheinung der Abkehr vom Judentum unserer Gelehrtenkreise.- So hat zum Beispiel Professor Philipp söhn, einer der besten Kenner der Mitteltneerländer, Palästina nie besucht und gelegentlich in einem Zeitungsartikel über die Ansiedlungsmöglichkeit daselbst eine bei einem Gelehrten von 'Weltruf geradezu verblüffende Unkenntnis der tatsächlichem Verhältnisse verraten. Jüdische Mäcenaten gaben wohl auch für Austzwbungen in Palästina ihr Geld her, aber, keine der großen wissenschaftlichen Unternehmungen wurde, von der kleinen Grabung des Kapitän Weil i«. Jerusalem A-iener Morgenzeituns 13. Juli 19w 'Seite 3 -^ Dr. Nenners Vorschläge an die Konferenz. SanrttGermain, 12. Juli. Die bereits veröffentlichte, zuletzt überreichte Note der.deutschöstcrreichischen Friedeusdelegation bezieht sich - auf diejenigen Forderungen, von deren Erfüllung der wirtschaftliche Wiederaufbau Deutschösterreichs abhängig ist. Der Note sind eine Denkschrift und im einzelnen anstzearbeitete. Vorschläge beigegeben, die eilten ' . Urberblick über alle Aetrderungen gestatten, die nach Ansicht der Friedensdelegatts« an den Friedensb ed ingung-rn vorzunehmen sind, wenn sie Deutschösterreich' mit dem Bewußtsein, daß sie -ihm eine erträgliche Entwicklung erlauben, soll annehmen können. In diesem umfangreichen Elaborate wird vor allem aus das eingehendste festgestellt, wie verschieden' die wirtschaftlichen Beziehungen Deutschösterreichs zu den kriegführenden Staaten und zu denjenigen Ländern sind, die infolge des Zerfalles der Monarchie selbständig geworden sind. Der Friede erfüllt nicht, was man von ihm erhofft, wenn er den , - Wdankim der Gegenseitigkeit verleugnet. Das wäre aber der Fall, wenn, der FriedensverLrag die Gegenseitigkeit aus Ländergebieten verbannen wollte, wo sie vor dem Kriege eine Selbstverständlichkeit waren. Unerläßlich ist die Gegenseitigkeit in der Gesetzgebung über' den unlauteren Wettbewerb sowie im literarischen/ künstlerischen und gewerblichen Rechtschutz. Auch' in der Behandlung der beiderseitigen Staatsangehörigen wird die in den Friedensbedingungen angeordnete Einseitigkeit in die Gegenseitigkeit der Vorkriegszeit tvieder übergehen Müssen. Es wird "sodann die Frage der Zurückhaltung und Liquidierung des in den früheren kriegführenden Ländern befindlichen deutschösterreichischen Vermögens behandelt.' Die wirtschaftliche und finan- .zielle Notlage Deutschösterreichs, das in seinen Plänen für den Wiederaufbau mit diesem Vermögen gerechnet hat, macht die Durchführung der im Abschnitt IV. der wirtschaftlichen Klauseln vorgesehenen Maßregeln unmöglich. Entweder wird das deutsch österreichische Vermögenim Ausland freigegeben, die Verbindlichkeiten gestundet und Deutsch!» Österreich in den Stand gesetzt, däfür ' - '* Lebensmittel und Rohstoffe zu kaufen oder das Auslatrdsvermögen wird für,'Zwecke der Ent« schädigung feitchlicher Staatsbürger oder für den Wiedergutmachungsfonds benützt, dann müßte Deutschösterreich für die Beschaffung von Lebensmitteln und Roh. stoffen Kredite zu erhalten suchen, was außerordentlich schwierig wäre. Die erstere Lösung verdient den Vorrang, sie wäre .Selbsthilfe, denn Deutschöster. reich würde! > . , . mit dem Verm-gen seiner Staatsangehörige« zahle« und alle Kräfte beß Staates und seiner Bürger anspannen, um die Summe seiner Kreditverpflichtunge» nicht noch weiter zu erhöhen. Mit besonderem Nachdruck wird die Vorschrift angefochten, daß die alte Schuld in der Geldart der jeweils beteiligten alliierten und assoziierten Mächte » zu . begleichen sei. Ferner wird, ütn die Zahlungskraft der Schuldner zv erhalten, angeregt, daß die . / ■*: s Auslmtdsschuld üt TeMeträgen gezahlt werden könne. und es wird vorgeschlagen, den deutsch österreichische« Schuldnern auf ihr Ansuchen drei auf sechs Jahr« verteilte Teilzahlungen zu gewähren. Während sich das Bisherige auf das Verhältnis Deutschösterreichs .zu den ehemals kriegführenden Staaten bezieht, werden im zweiten Teil der Denkschrift und der Gegenvorschläge die Beziehungen zv den ehemals österreichischen Ländern in einem beson» deren Kapitel überaus eingehend behandelt. Zum Schlüsse beschäftigen sich die Denkschrift und die Gegenvorschläge noch mit der Frage der Der« jährung, mit der Rückwirkung -der Friedensbedingunge« auf die deutschösterreichischen Versicherungsgesellschaften, mit einer Ergänzung der Bestimmungen über den un> lauteren Wettbewerb und verlangen endlich, daß di« wirtschaftlichen Kampfmittel :md Verkehrsverbote ausdrücklich aufgehoben .; ., und den Kontrahenten des Friedensvertrages über di« Abmachungen des Frieoensvertrages hinansgehendi neue Kriegstnaßregeln verboten werden.; I ein Minimum eingeschränkt tvird. In der vierten und fünften Klasse wird ihm je eine Stunde zugestanden, die oberen Klassen, bleiben' überhaupt ohne obligaten Religionsunterricht. j . ' i 'Die Schulen in -der tschecho-slowakischen Republik werden von freiem, nationalem Geist getragen, sein. Aber es wird immer klarer weichen, daß-ein jüdisches Kind diese Schulen nicht besuchen kann, weil sie weder seiner Eigenart an ge messet: sittd, noch der: Bedürfnissen Und Forderungen Rechnung tragen, die Inden, für' die Erziehung ihrer Kinder haben. Das Erziehungs- Wesen und das Judentum befindet sich iir einer Krise. Im gegenwärtigen Augenblick wird £§ den Juden' klar werden müssen, daß sie fift ihre Kinder jüdische Schulen. brauchen. Jüdische Schulen sind keine „klerikalen" Anstalten und widersprechen nicht,dem Grundsatz der Trennung von Staat und Kirche. Sie allein bieten die Möglichkeit, die Jugend in der Kenntnis ihres Volkstums, seiner Geschichte und literarischen Schöpfungen, seines Schicksals und Wesens zu erziehen, in jüdischem Geiste, der ein freiheitlicher utrd menschlicher ist. Was sich heute schon in der Tschecho-Slowakei deutlich' zeigt, das wird allmählich überall offenbar werden. Die Juden müssen das Erziehungswesen selbst in die' Hand nehmen und unter eigener Verantwortung ausgestalten. Das Gesetz über den MinoritätenschuA bietet hierfür, weitgehende Möglichkeit. Es hangt von der Einsicht der jüdischen Eltern und der Reife und Fähigkeit der. jüdischen pädagogischen Kräfte ab, daß dieses Problem, glücklich gelöst tverde. M ^. Die englischen Arbeiter gegen die Pogrome. Eine Protestresolution der „Labor Party". . Zürich, 12. Juli. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Der Kongreß der „Labor Party" beschloß folgende Protestresolution gege« die Pogrome: . - Die^ britische Arbeiterpartei Protests ert gegen d i e s Ar eck liehen G r e u e l t a t e tt, die gegen bii jüdische Bevölkerung in Polen verüb.t wurden, sowie gegen dir systematischen Räubereien, Plünderungen und Hiumordung unschuldiger Männer, Frauen und Kinder. Sie fordert von den Mächten, die die Hüter 'der Freiheit Polens sind, die s of o r t i ge E i n l e i t u n g v o n Schritten» durch die die polnische Regierung, gezwungen werden soll, diesen Greueltaten ein Ende zu setzen. Weiters fordert der Kongreß die parlamentarische Vertretung der Arbeiterpartei auf, die Ausnmksamkeit der 'britischen Regterung auf diese Frage zu lenken. ,V , ' abgesehen, von Juden geleitet. Bei den in Palästina lebenden' Juden regte sich hie und da Interesse für topographische oder historische Forschungen, aber es fehlte, ihnen die moderne Schulung, um für die Wissenschaft dauernd Wertvolles leisten zu können. Nur der jüngst verstorbene A. M, Lun c-z hat sich in seiner Zeitschrift „Jerusalem", von welcher im Laufe .von 35 Jahren ein Dutzend Bände erschienen sind, ein. ewiges literarisches Denkmal gesetzt. -Es klingt wohl' paradox, wenn wir feststellen, daß Luncz, ein armer, früh erblindeter. Mann" Mit. recht ^lückenhafter, autodidaktisch gewonnener. Bildung, Jahrzehnte lang, der einzige jüdische Vertreter der Palästinakunde war, daß er unter Sorgen und Entbehrungen ein Jahrbuch, herausgab, welches heute schon eine.unschätzbareFundgMbe für jeden Palästinaforscher bildet. - Die zionistische Bewegung hat im Laufe der letzten Jahrzehnte viele ernste Männer mit höherer Bildung ins Land gebracht,, a^er sie war^r von ihrer Berufstätigkeit als' Aerzte, Agronomen, Ingenieure, Lehrer vollattf.iu Anspruch genommen, und was ihnen an Zeit übrig blieb, verschlang dft öffentliche Tätigkeit, die große und diMleine lokale Politik. So ist es zu begreifen, daß der Zionismus, an den Leistungen der englischen, deutschen und französischen wissenschaftlichen Vereine gemessen, nur Enig zur Erforschung Palästinas beigetragen hat. Aber allmählich drang iir den leitendetr zionistischen Kreisen der Gedanke durch, daß eine wirtschaftliche Erschließung des Gebietes ohne wissenschaftliche Erforschung -unmöglich sei: S-a entstand die meteorologische Station am Gymnasium in Jaffa, eine landwirtschaftliche -Verstlchsstation in Alluth, eine tnedizinisch-bakteriologische in Jcrusaletn, - und auK sonst fanden Naturwissenschaftler moralische und materielle Förderung.. Welch schöne Resultate zu erzielen sind, konnte Ahawnis Sammlung palästinensischer Vögel inv Bezalel-Museum beweisen. Aber gerade die beispiellose Verwahrlosung dieser Sammlung mangels einer fachmännischen Leitung nach Abgang Aharonis ließ erkennen, tvie unzulänglich die Arbeit eines einzelnetr ist, tvenn er nicht dauernd mit einer Organisation in * Verbindung steht. Die anderen.^Völker, welche sich für Palästinaforschuttg interessieren, haben bereits seit Jahrzehnten große Vereine für diesen Zweck geschaffen; manche verfügen über eigene Forschungsinstitute in Jerusalem; wir Juden, das Volk der Bibel, kanten,erst zuletzt. Ueber Anregung des Schreibers dieser Zeilen ist der „Verein zur Exfvrsch.una Palästinas in Jerusalem" im Frühjahr 1913"ntstanden. An der konstituierenden Versammlung in der Nationalbibliothek in Jerusalem nahnten Vertreter von Ortsgruppen aus ganz Palästina. teil. Die lieber nah me der Leitung des Vereines durch den bekannten Gelehrten David Berlin bot die-Gewähr für dessen gedeihliche Entwicklung. Bald' nach Etttstehung dieses wissenschaftlichen Vereines gründete Aellin den -Brudervetein „Gesellschaft zur Eriverbung historisch bedeutender Stätten in Palästina". Nur ein halbes Jahr war'es den beiden Vereinen gegönnt,-ungestört zu wirken, und schon gelang es ihnen, zahlreiche Mitarbeiter mtb För- . derer im Ausland zu gewinnen. Die -Aussichten waren während des letzten Zionistenkongvrsses,bereits so weik gediehen, daß die.Gründung eines Forschungsinstitutes! in Jerusalem geplant werden konnte. Ein bekannter jüdischer Archävloge,'mit dem Beziehungen angeknüpfr wurden,, war nicht abgeneigt^ nach, Jerulaletn^ ztierst

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