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Wiener Morgenzeitung · 1919-07-09 · Heft 170 (9.7.1919) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 170 (9.7.1919)
Date
1919-07-09
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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1 170 Wien. Mittwoch Inland. j > Nationalversammlung. / Der Termin btt nächsten Sitzung der Natwn alv ersanunlung. r konnte zurzeit noch nicht festgestellt werden. Möglicherweise^ wad nächste Woche eine Sirrimg der Nationalversammlung stattstnden, Mniudest aber eiste S'.tznng des Hauptausschusses. Auch die j Tätigkeit der Ausschüsse ruht zurzeit, nur das Snbkountee für soziale Verwaltung, das über das Hausgeh ilnunengesetz berat, wird heute Mittwoch, */«lö Uhr vormittags, Sitzung halten. « Gegen AlarmgerÜchte. \ Eine christlichsoziale Parteikorrespondrnz berichtete gestern, 'Bast auf den nach Nicdcrösterreich jührenden Straßen seit einraen?j Tage» Teile der Roten Armee, zusammenaezogcn würden. Die! Roten Truppen stehen zum Einfall in NiederÖsterreich betest, »darunter Kavallerie und Maschmengewehrabteilungen. i Ans eine diesbezügliche Anfrage im Staatsamte für Heer-- twesm wird mitgeteilt, daß es sich hier um eine T at nun» inachricht handelt. Von einer Konzentration ungarischer Roter 'Truppen, die zu eiuem Einmarsch in Demschüsterrcich bereitj gehalten werden, sei hier mchis bekamst. Ukrainische Gesandtschaft in Wien. Das Direktorium der ukrainischen Volksrepublik hat den 'westut'minischenGesandten in Wien, Herrn Nikolai W a s s i l ko. Gesandten Wassilko der fnihere Neichsratsabgeordnete Wladimir v. S i n g a l i e w r c z bestellt. iDre Erwerbnng des tzeimatrechtes durch einen Ausländer. ft Allen Landesregierungen ist heute nachstehender Erlas;;ches Staatsamtes für Inneres und Unterricht betreffend das .HeimatSrecht (Verpflichtung zur Entrichtung der Uufnahmsitzebühr) zu ge kommen: Die von einer Gemeindev o r steh ung auf- ' geworfene Frage, ob einem Ausländer, der durch die im »Sinne des § 2 des Gesetzes vom 5. Dezember 1918 über ^das deutschösterreichisch^ Staatsbürgerrecht abgegebene Eri.Uärung die d e u t s ch v st e r r e i ch i s ch e S't a a 1 s b ü r g 11* 's ch r ft erworben hat und sodann nach Erfüllung der im § 2, Abs. 1, der Heime, tSgesetznovelle angeführten Vorausi^etzungen um die ausdrückliche Aufnahme in den jH<imatv erband einschreitet, die durch landesgesetzliche Bostimmungen festgesetzte Aufnahmsgebühr vorgeschrieben werden Knne, ist zu verneinen. — Dis Aufnahme einer solchen Person in den Heimatverband erfolgt nicht auf Grund des § 5, sondern auf Grund des j? 2 der Heimatgesetznovelle, wofür nach der ausdrücklichen Bestimmung des § 9, Abs. 3, 'dieses Gesetzes keine Gebühr erhoben werden darf. L Antisemitische Propaganda in Linz. Bor einigen Tagen konnte man in den Straften^ von l'Liuz große Maueranfschriften bemerken „BernichtungSfriebe— Judenschuld", die sich nach jeder Nacht vermehrten. Auch gedrückte Zettel, iu denen die Schuld am Zusammenbruch Deutschlands den Juden in die Schuhe geschoben wurde und die in gehässigster Weise zu Pogromen onssorderten, iwurden afftchiert. Gegen diese, vermutlich von dentschnatiorialen Kreisen ausgehende Agitation nahm die Kultusgenieinde in einer von jüdischnationaler Seite verfaßten Resolution Stellung, dir in den Tagesblättern aller drei politischen Parteien Oberösterreichs zum Abdruck kam, .Aus. Vorsprache des Vorstehers Benedikt Schwager veröffentlichte der G.arni- ^ons-S'oldatcnrat die folgende ß l Warnung:!' Bon einer Seite, welche schon vor dem Kriege gegen Die Juden hetzte, werden in letzter Zeit wieder Pamphlete!mit aufreizendem Inhalte verbreitet, überall angeklebt. > Wir machen aufmerksam, daß wir gegen die Verbreiter dieser zum konfessionellen und nationalen Zwist heraus- Fordernden Flugschrift mit den schärfsten uns zu Gebote stehenden Mitteln Vorgehen werden, da wir nicht gesonnen sind, ..die mühsam hergestellte Ruhe von einigen gewissenlosen nationalen Hetzern neuerdings stören zu lassen. Hirschbeins „Gelöbnis". (Sonderausführung im Wiener Komödienhaus, veranstaltet vom jüdisch-akademischen Kulturverband „Jalme".) Fast alle ostjüdischen Theaterstücke, die in der letzten Zeit in Wien ausgesührt wurden, tragen gleichsam ein geliehenes Gewand. Jüdische Eigenart, gehüllt in den Berliner Naturalismus anno 189V, durch das ungewohnte Kleid geknebelt und arg entstellt. Jüdisch an diesen Stücken wie etwa »Die Newejle", „Die Mutter" und „Der Schatz" ist bloß das Milieu. Besonderheiten, die sich aus deu jüdisch-religiösen Gebräuchen und aus dem engen, ärmlich-dumpfen und doch seelenvollen Zusammenleben in den Judengassen ergeben. ' Da ist nun eine Dichtung, bei welcher nicht bloß das Milieu spezifisch ostjüdisch ist. Eine eigenartige Welt steigt auß 'tragische Konflikte keimen, wie sie nur in dieser Gemeinschaft möglich sind, umgarnen diese Menschen, drücken sie nieder, zerbrochen sic. Und eine wiiiidcr'ainc Melodie von reinster Frömmlest und herzbezwingcnder Einfalt dluchklingt bicTc fünf kurzen Auszüge, die gar nicht gut gebaut sind, in denen sich fast nichts ereignet und die doch «iu wunderschönes, zart h'mgehauchtes Bstdnis ostjüdischrn BolkstumS sind, dort, wo es in chaisidstch^- Gsimbigkeit ohne Harm und gottergeben sein schlichtes Leben lebt. Pessel, die Mülleröfrau, sah ihre ältere Tochter Nnchele dahinsterben, just, als sie Hochzeit feiern sollte. Nun zittert sie nur ihr einziges Kind. Ruchele ist seit Jahresfrist mit Dow,dl verlobt. Der aber siecht beut Tode entgegen. Daß nun dstse Pcssel, gedrängt von ihrem Manu, dem Müller Heuoch, und von der Sorge um ihr geliebtes Kind, Ruchele heimlich einem anderen Bräutigam versprochen hat. bevor noch der kranke Towidl die Braut deS Gelöbnisses entband, ist die tragume Schuld, welche ,dre Mnllersfamilie büßen muß. Im dramarnchim Prolog, der idcr Handlung vorangeht, ruft der sterbende Donndl nach der -Geliebten, die man von rhm sernhält': „Mmtcr, schick «ach der Mühle! Chanele soll einen anderen heiraten ... Sie weint ... sie will nicht . . . mich fragt man nicht . . . Chanelle, Maseltow! schreien alle! . . . Henochs Stube rst voll Lickst ... sieh, man kämmt ihre langen Haare . , . man bedeckt sie urst dem Ehuppeschleier . . . ich verzeihe eS nicht . . . niemals! . . . Du hast mir das Wort gegeben . . . warte, bis stch sterbe.. Henoch und PcM^töunen aber nicht warten» WLe«er Morgenzeituirg _ 9. Juli 1919 Seik?S'- Gegen den Staalsbarckerott. Erzberger über die deutschen Finanzen. — Sicherung der Kriegsanleihe. Die Bezahlung der Kriegsschulden. Weimar, 8. Jnli. (Korr.-Bur.) In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung ergriff Reichsminister Erzbergcr das Wort und führte ans: Der Krieg sei der Verwüster der Finanzen. Der hinter uns liegende Weltkrieg sei der erfolgreichste Schrittmacher des Weltkonturses. In der schwersten Stunde des Deutschen Miches habe er das Finanzressort, das schwierigste Ressort, übernommen in der Hoffnung, daß die Regierungsparteien ihn in der Erfüllung seiner Aufgaben unterstützen werden, aber auch alle diejenigen Abgeordneten, die mit ihm darin einig seien, daß es jetzt nur eine Aufgabe gebe: Auf-- zubauen. Eine wesentliche Voraussetzung hierfür feien geordnete Finanzen. Darum fei die erste Arbeit beim Wiederaufbau eine grundlegende Finanzresorm. Keim Rettung bringe d SLaatstzankerov, denn Staatsbnnkerott sei heute Volksbankerott im Innern und nehme Deutschland im Ausland jeden Kredit. Deutschland aber braucht Kredit. Die Ratschläge auf Annullierung der Kriegsanleihe oder Verkündigung des allgemeinen Bankerotts niache er nicht mit. Der Zinseudstrist für die Kstiegsa«l:'h: müsst gesichert sein. Die deutsche Kriegsanleihe sei von den breitesteil Volksschichten aufgebracht worden. Hierüber müsse man klar sein, wenn man von der Einstellung der Zinsenzahlung spreche. Ein« solche Maßnahme würde diejenigen schädigen, die dem Vaterland« in der höchsten Not geholfen haben. Die Schieber und Kriegsgewinner, die ihr Geld nicht in Kriegsanleihe an geleg t h aben, würden dop pelten Vorteil Hab« n, einmal würden sie große Einnahmen gehabt haben, und zweitens würden sie von der Annullierung nicht getroffen werden. Steuerliche Begünstigungen könne er nicht für Kriegsanleihe irr Aussicht stellen, wohl aber werde diese auch künftig bevorzugt werden bei Zahlungen gewisser Steuern und beim Kaufe von Heeres gut für die Zeichner der Kriegsanleihe, nicht aber für Spekulationskäustr. Gerechtigkeit im ganzen Steuerwestn zu schaffen, sei des Ministers oberstes Ziel. GcrechtL Steirern stelle« eine rasch wirkende, vorzügliche ' Sozialisierung bar. Sie treffen alle und haben eines voraus: Die private Initiative bleibt bestehen.» Der begründete Eigennutz sucht nach höchster Einnahme. Der erzielte Ueberschuß wird aber zum erheblichen Teil wieder im Wege der Steuer für die Volksgenreinschaft abgenommen. Ein guter Finanzminister sei der beste Sozialisierungsminister. Eins solche Sozialisierung tue dem Deutschen Reiche bitier uvc. Eine ganz neue Konstruktion des Aufbaues der Reichs- und Staatsfinanzen ist nötig. Die Gemeinsamkeit der Interessen von Reich, GliÄsiaown und Gemeinden werde es mit sich bringen, daß t'i günstige Stenerinseln in Deutschland nicht mehr geben trckcde. ' Kmder sind ja da. daß die Eltern Freude an ihnen erleben. Schuldbewußt sind sie beide, aber das Kind muß glücklich werden. Und Paje, die Mutier des neuen Bräutigams, war beim Rabbi, „der die ganze' Stadt auf den Schultern trägt". Er hat einen Ausweg gefunden. Chanele scl'P soll hingehcn und den Todkranken bitten, das Verlöbnis zu lösen. Willenlos und iu fiebernder Angst tut Chanele des Nachts mit der Mutter den schweren Weg, aber da sie hinkamen, war es schon zu spät und d:e Mutter riß das Kind aus der Stube fort, auf deren Dick? bic Leiche lag. „Ich wollte schreien: Dvwidl, ich bin dein! llnb sie haben mich ans dem Hanse gejagt, sag, warum standen brennende Kerzen auf dein Boden? Mutter, sag mir alles!" Eine böse Nacht. Der Sturm heult, will die Mühle zertrümmern nnd während Mutter und Tochter schreckensbleich heimkehren, arbeitet Henoch draußen, um die gefährdete Mühle zum . Stehen zu bringen. Es gelingt ihin mit übmnenschlichen Kräften, aber er ist grau m dieser Nacht geworden und weiß jetzt, daß die Schuld gesühnt werden wird. Denn das war kein Wind, der sein Haus umtobte, „es weinte wie ein Wolf". Das war die Ankündigung von Gottes Strafe. Met der Mühle hat es angefangen und Henoch will in Deumt ertragen, was der Himmel über seine Familie verhängen wird. Pesibl aber käinpst w'irer. Sie eilt zu-.n Rabbi und der befiehlt ihr, jeden Bettler zu beherbergeu, zu bewirten und vor ihm daS bittere Her; äuSzngießrn. „Das Gebet der Gastsreundschait ninunt den Elenden ihr Elend ..." Und da sie vom Rabbi zurückkonnnt, jauchzt ihre Seele. E.u müder Wanderer ist iü des Müllers Haus eingekchrt. Gottes Zeichen! Sie wPcht dem Bettler did Füße, bereitet ihrn das Akahl, «st wieder frohen Mutes und rüstet in einer errreiienden Szene ihr Kind also zur Hochzeit: Sie knetet mit den: Kinde Kerzen. „Neunmal habe ich Rncheles Grab und einmal den ganzen Friedhof gemessen. Nimm ditsen Docht, mein Kind nnd sprich: .Die Sei: meiner Schwester Ruchele soll mir beistehen, daß nur und meinem Bräutigam nichts DöscS gcschiehp. Knete, mein Kind, knete die Kerzen, der Fluch ist Von unserem Hause genommen!" Chanele aber kann die Worte nicht sprechen» sondern betet: „Sollen im Himmel alle Engel auswache», bittet unr Gnade für Chanele, sie will nicht zur Chuppe gehen". Und verstört, dann vorn Fieber geschüttelt, ruft sie zu der toten Schwester, der man statt der Chuppekleider daS Können wir, fragt der Minister, den Niesenbedarf der Zukunft aufbringen? Wir müssen ihn aufbringen. Der Bedarf des Reiches scheidet sich künftig in Inlandsbedarf und Wiederguturachungen. Die voraussichtlichen Fahresausgaben werde« sich auf rimd 171/2 Milliarden belaufen. Der Minister sei fest entschlossen, den Weg der harten S P a r s a m k e r t zu gehen, darum habe er sofort die von seinem Amtsvorgänger bereits vorbereitet« Parole ausgegele 1, daß vom 1. Oktober -191Ä es keine Paufchkonten und Kriegs kanten mehr gibt, daß die Kriegsfinanzwirtschaft aufhört, und daß zur geregelten Elatwirtschaft zu rückgekehrt werden muß. Der erste Leitsatz ist: Keine u n pr o d u kt i v e n Au s--- gaben mehr. .; Wie soll der Gesamtbedarf gedeckt wertea, den der Aftuister für Reich, Einzelstaaten und Gemeinde!: mit rund 25 Milliarden Mark beziffern darf? Der Plan/ sagt der Minister, steht bereits fest. Ich mach« im diessm Augenblick nur einige Angaben: Di« lausenden Stenerreichseinnahmcn vor dem Krieg betrugen nicht' ganz 2 Milliarden Mark. Don 1913 bis 1918 sind während des Krieges an neuen laufenden Einnahmen erschlossen lvorden 4 Milliarden Mark. Hierzu treten! an einnraligen Abgaben der Ertrag der Kriegsg«tvinnsteuer nebst Zuschlägen iu der Höhe von'6,7 Milliarden uni> die Kriegs ste uer für 1918 mit etwa 2 Milliarden. Die R neu vorliegenden Steuerenttvürse sotten dem Reich weitere 1209 Millionen Mart Einnahmen j bringen und ferner einmalige Einnahmen, die eine dmterndo. Hinzusparnis von 60V Millionen Mark versprechen. Es ist also noch die Summe von mehr als 10 Milliarden Mark zu decken. Zwei große neuÄ Steuervorlagen nähern sich im Finanzministerium ihrenr- Abschlnß und der Minister beabsichtigt, sie noch' vor Beginn der Parlamentsferien dem Haus« zu unterbreiten: Die große einmalige Vermögensabgabe und^ die große Umsatzsteuer. Die Steuerlast wird eine ge- ' radezu entsetzliche Höhe erreichen. Wenn es auch nur: ein magerer Trost sei, so sei es doch immerhin eilt i solcher, wenn man im Unglück Genossen hat, und, sagt der Minister, wir haben solch«, und zwar nicht nur auf unserer Seite, sondern auch auf der Gegenseite. In längeren Ausführungen beleuchtet der Minister das englische nnd französische Budget und fährt hierauf^ fort: Eine stete Gefahr sind di« 72 Milliarden schwebende Schuld. Ihre Beseitigung ist eine der ersten Aufgaben für mich. Z>vei Wege gibt es: Entweder: Umwandlung in «ine fest fundierte Anleihe oder Tilgung durch große Abgaben, sei es durch die Einziehung sämtlicher Kriegsgewinne, sei es durch die große Vermögensabgabe, wobei ich mich keinem Zweifel hingebe, daß diese beiden Steuern zusammen nicht sofort den gesamten Betrag von 72 Milliarden aufbringen werden. i Der Minister schließt mit den Worten: Gerechtigkeit, Arbeit nnd Vaterlandsliebe müssen der l'elltönende Dreiklang fein, der das neue Deutschland einläuiet und bessere Zeiten ankündigt. ■ t Schwerte stehen. Er wird mich von der Chuppe, nachhause führen." Die furchtbare Nacht hat das zarte LLesen geknickt. Bald verströmt seine Lebenskraft. Der ergebene Henoch wallet stumm im Hause, als müßte alles so konimen. Das sterbende Kind verlangt nach dem Brautkleid.' Er legt es ihr au. entfacht alle Kerzen in der Stube, legt das Sabbatkleid an, hüll: sich in den Gebetmantel und stellt sich, ein Lieht in den Händen, zu der Sterbenden: „Ich bin bereit . . . Henoch geht mit seinem Kind ..." Ein jüdisches Volksstück, wie es in keinem anderen Volke entstehen könnte. Ohne richtige Handlung, ohne dramatische Entwicklung, aber erfüllt von einer liefen Ethik und ein echtes Zeugnis der Verbundenheit einfacher jüdischer Menschen mit Gott. Dieser starke Mann, der dem Sturm seine Mühle abtrotzt, steht gebückt vor der Vorsehung, hadert nicht nnd ckrägt das Leid in Demut. Dieses Mutterherz, durchaus glaubwürdig in seinem Kampfe um das Kind, .trügt nur diese eine heiße Bitte in den einfältigen Gebeten zn Gott, die Schuld selbst büßen zn dürfen, damit die eben erst erblühte Jungfrau glücklich iverdc. Und dieses Mädchen selbst, wie ein Vogel ansgeschreckt, nicht wissend um die Qualen der Eltern, kindlich folgsam, verstört durch das Drängen, den sterbenden Geliebten zu verlassen, von Todesangst geschüttelt, lebensdurstig — eine ergreifend gezeichnete Gestalt, lieber der AuMhnmg waltete ein Unstern. Sie wurde wiederholt verschoben und war leider recht mangelhaft. In der benützten Ueb'ersetznng (vor: Alexander Eliasberg) hat aber auch die Dichtnng sehr . viel von ihrer heimlichen Schönheit eingebüßt. Das Stück ist einer besseren, verständnisinnigeren Ueberlmgnng wert, wenn man es nicht überhaupt vorzieht, Schöpsungen von solcher Eigenart in der Ursprache, zn spielen. Immerhin wirkten Therese B e l l a u als Mutter und Else O st h e! m als Chanele verdeenstlrch. Dem „Gelöbnis" folgte der Einakter „Schwestern" von I. L. P e r e z, jenes allzu krasse realistische Stück, das man bereits aus früheren, weit sorgsameren Aufführungen kennt. Em gefallenes jüdisches Mädchen sieht mit Schrecken, daß die jüngere Schwester ihren Weg zu wandeln beginnt und sucht den Liebhaber der Jüngeren auf sich abzulenken. Eiu Abgesang, der nach dem „Gelöbnis" nicht gut klingen' Otto A b e l e s. Leichenhemd anlegtc: „Leben will das Herz! Doch unter der Chuppewird, au meiner Seite der 2 konnte

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