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Wiener Morgenzeitung · 1919-07-08 · Heft 169 (8.7.1919) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 169 (8.7.1919)
Date
1919-07-08
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 169 Wien» Dienstag Wiener MorgenzerLnng 8. Juli 1919 Seite 8 1 . 'V H A : I tM . s‘WM «ll ' -,<• i<{$ * A >>!{ ‘Sill <!KW ywr ' -lvtl v/3 i Telegramme. Der deAtschösterreichische - Friedensvertrag. Der Streit «in Fiume. Differenzen zwischen Frankreich ««v Italien.! RewsBork, 7. Juli. (Funkspruch.) Uns Paris wird gemeldet: Der deutsch- S st erreichische Friedens vertrag dürfte erst gegen Ende der Woche übergeben werden. Die Finmaner Ereignisse machen Ln der französischen Oeffentlichke L t peinliches Aufsehen, um so mehr, als bekannt wurde, daß die italienischen Straß enredirer in Oberitalien fortgesetzt darauf Hinweisen» daß Frankreichs Haltung in der Fiumaner Frage HaupLursache sei, Hatz Italien noch immer nicht zur Ruhe kommen könne. Man befürchtet für den Fortbestand der lateinischen Anion. Die Bemühungen Tittonis, die Finmaner Frage schon im Friedensvertrag, mit Deutsch Österreich endgültig zn regeln, sind bis jetzt gescheitert. ' - R e w - D o r k, 7. Juli.. (Funkspruch.) Aus Paris wird gemeldet: Der dentschösterreichische Friedensvertrag soll am Dienstag den 8. d. M. ohne Zeremonie durch den; Sekretär DuLassa dem Staatskanzler Renner übergeben werden. Die deutschösterreichische Delegation wird 10 bis.14 Tage Zeit zur Beantwortung erhalten. Der Vertrag dürste erst in der ersten Augnsthälfte unterzeichnet werden. Ungarn erbittet von Butzland finanzielle Hilfe. Saint-Germüin, 7. Juli. (Korr.-BMi) „Petit Puristen" meldet aus S to chh o lm r Die in Moskau weil ende Delegation der ungarischen Sowiets führt Verhandlungen über ein Bündnis der Sowietrepublikenund erbittet vorläufig von Rußland finanzielle Hilfe.' Lenin hat erklärt, er könne Lln g ar n k e i n G e l d g eben, er fei aber bereit, es^durch große Beträge in französtschen und englischen Banknoten zu unterstützen. Politischer Generalstreik in Italien. Berlin, 7. Juli. (Korr.-Bur.) Wie die „Vossische Zeitung" aus Lugano meldet, fand in Nom gestern eine Versammlung des leitenden Rates -des italienischen Arbeiterbundes statt, in der beschlossen wurde, am M. Juli einen achtundvierzig ständigen Generalstreik in ganz Italien durchzuführen. In der Begründung chieses Beschlusses wird darauf-hingewiesen,, daß das französische und das englische Proletariat gleichfalls einen Generalstreik beabsichtigt. Es wird ferner auf den betrügerischen Bankerott hingewiesen, der dem deutschen Volke durch'den Frieden auserlegt worden ist. Die sozialistische Partei hat einen Aufruf erlassen, wonach der Streik am 20. Juli aufzunehmen ist.. Soldatenknndgebnrrgen in Frankreich. Berlin, 7. Juli. Das „Berliner Tageblatt" meldet aus Paris: Die „Humamts" berichtet über Soldatenkuttdgebungen, die in Paris und in vielen anderen Städten Frankreichs am 1. Juli, stattgefunden haben. Von dem ganzen Bericht hat jedoch die Zensur nur vier Zeilen stehen gelassen, so daß nicht zu ersehen ist, auS "welchem Grunde diese Kundgebungen ftattgesunden haben und wie sie verlaufen find. Der Prozeß gegen Kaiser Wilhelm. Londo«, 7. Juli. (Tel.-Komp.) Nach dem „Daily Chronicle" wird der Gerichtshof, vor demEx-Kacser Wilhelm erscheinen soll, völlige Freiheit haben, auf lebe Strafe, sogar auf die T o d e s st r a f e, zu erkennen. Die verbreitete Behauptung, die Vertreter der Vereinigten Staaten hatten gelegentlich der Aufrollung der Prozeßfrage dem Verfahren 'zugestimmt unter der Bedingung, daß die Todesstrafe ausgeschaltet werden sollte, hat sich als unrichtig erwiesen. , . i Die Liste der deutschen Persönlichkeiten, die wahrscheinlich vor den Gerichtshof geladen werden, umfaßt 71 Namen, die noch nicht bekannt gegeben wurden. Hauptsächlich sind es Persönlichkeiten, die für den ll-Bootkrieg verantwortlich sind, sowie Marinetommandantrn, die die französische Küste beschossen. Hospitalschifft vernichtet oder die Bemannungen von Kauffahrteischiffen schlecht behandelt haben. Laut „Morningpost" ist man in Washington 'und Paris ziemlich gleichgültia darüber, was aus dem Prozeß iverden wird. Amerikas Bürgschaft bei dem Wiederaufbau Europas. Saint-Germain» 7. Juli. „Echo de Paris« meldet' Senator Edge, der-Verfasser des Antrages über die'Orgamsation einer internationalen Korporation zum finanziellen Wiederaufbau Europas erklärt, daß er für die Titres der Anleihe, die die en Fonds liefern soll, nicht die materielle, sondern. nur die -Eine Note BeLa, Knns an DeuLfchösterreich. Did Riiterögiermirg Verlangt Genugtuung wegeir der Angriffe gegen die ungarische Gesandtschaft. . Budapest, >7. Juli.' (Ung. Tel.-Korr.-Vnr.) Der DolkslVm.mifsär des Arußern der ungarischen Räterepublik, Bela Kun, hat' heute nachmittags durch die Wiener Gesandtschaft der ungarischen.Räbsrepubsik dem Staatssekretär für Aeußeres der deutschösterreichischen Republik,. Dr. Bauer, folgende Note Überreichen lassen: Hochgeehrter Herr Staatssekretär! Ich muß mit Bedauern die s y si e malische Verhetzung feststellen, die in Wien gegen den Ges and teü d er ungarischen Räteregierung getrieben wird,und fühle mich veranlaßt, gegen dieses Vorgehen entschiedensten Einspruch zu erheben.' Gleichzeitig'^ suche ich. Sie, fehl: geehrter Herr Staatssekretär, dem Gesandtem jenen Schutz bors Verunglimpfungen zu gewähren, welcher den Vertretungen befreundeter Staaten überall zuteil wird. Es bleibt vollständig Ihrem Ermessen, Herr Staatssekretär, aiiheimgestellt, die ungarische Gesandtschaft, falls dies Zhilen notwendig erscheint, heilnlich polizeilich beobachten und 'belastendes Material gegen sie zusaminentragen zu lassen; keineswegs kann es mir aber, gleichgültig sein-,- wenn verantwortliche Personen auf Grund rein subjektiver Beobachtungen subalterner Beamter gegen unsere G esandtschaft objektive- Beschuldigungen erheben und wenn Aktenstücke, welche diese Beschuldigungen enthalten, der Presse in die Hände gespielt werden. Dieses vvrmärzliche Dokument beruht in Ansehung von Angelegenheiten, über deren wahren Stand Sie, hochgeehrter Staatssekretär, sich jederzeit zu informieren in der Lage waren, auf vollständig grundlosen Depvsitionen und auf den Handlungen einzelner Personen, deren Wirken und Treiben'mit den Intentionen der ungarischen Räteregierung und ihrer Wiener Gesandtschaft in krassem Widerspruche stehen und mit ihnen in keinerlei Zusammenhang gebracht werden können. Es muß hierzu noch bemerkt werden, daß diese Anschuldigungen von einer Seite stammen, welche mit Kenntnis der Wiener Polizei agent provocateur^ersrrche gegen die ungarische Gesandtschaft unternommen hat. Das besprochene Aktenstück läßt wohl kaum einen Zweifel darüber 'äufko.winen, daß diese verleumderisches PreMmpagtte von deutsch österreichischer offizieller Seite' wertbouvUnterstützung erfahren hat, ja sogar vottl .deutschösterrerchischer amtlicher Stelle direkt in Szene! gesetzt wurde. Hinter dem wüsten Manöver' steht die Wie ne.r Polizei mit ihren ve rro steten geistigen WaffeU- und mit ihrer Vermvrschien Jdeo lo gie. UaNz öMschieden verwahre ich'mich gegen jene unerhörten Angriffe, zu denen sich die Wiener Presse aus' diesem Atzlaß .hinreißen ließ. Es kann wohl niemandem verwehrt-werden, sich Dokumente anzueignen, welche die angeblichen geheimen Pläne der ungarischen Näteregfevung enthüllen; sich aber eines augenscheinlich gefälschten Dokumentes zu bedienen, von dessen Inhalt sowohl die Gesandtschaft wie auch die ungarische Räteregierung nur durch diese Veröffentlichung Kenntnis Erlangt haben, und dasselbe zum' Ansgangspunkl von Verunglimpfungen niedrigster Art zu machen, steht in der Geschichte der Presse befreundeter Staaten wohl einzig da. ] Sie werden es, Herr Staatssekretär, nach dem'" Besagten> begreiflich finden, daß ich für die Förderung der gewissenlosen PreßkampagNe von einer - amtlichen Seitewie auch für das unerhörte PresseManö^ec e ine angemessene Genugtuung . gewärtigen muß. Ihrer baldigen geschätzten Antwort entgegtznsehend, benütze ich diesen Anlaß, um Ihnen, hochgeehrter Herr Staatssekretär, die Versicherung meiner ansgezrickmetcir Hochschätzung zu erneuern. ' l -Z Budapest, 6. Juli 1919. - Bela Kun m. p. Vokkskomm'issär der auswärtigen Angelegenheiten der ungarischen Räterepublik. ' , »■JOM' Der irrterrratiormle Prstefifireik. Die französische Ar-eiterschast gegen die Regierung. Versailles, 6. Juli. (Korr.-Bur.) Der Generalsekretär der, französischen Gewerkschaften, Zouhaux, fordert alle gewerkschaftlichen Organisationen Frankreichs zu -rnem DemonstratLonsftreik am 21. Juli ans. Durch diesen soll Protest erhoben werden gegen die Interven tio n der Alliierten in Rußland und Ängarn sowie gegen die Ten eru n g der Leb e,n s m i t i e U Ferner soll mit dem streik zugleich für eine baldige Amnestie, für die sofortige Demobilisierung und für die Wiederh erstellung der bürg erlich en Fr ei h eiten eingetreten werden. moraMche Bürgschaft der amerikanischen Regierung wünsche. „Echo de Paris" zufolge hat Lord Robert C e c i l in einer Samstag m Hitchm gehaltenen^ Rede erkärt, daß England mit allen Mitteln bestrebt sein müsse, den ruinierten Ländern Europas wirtschaftlich z u H i l f e zu kommen, da sich sonst die revolutionären Ideen weiter verbreiten, und wenn schon nicht England so doch alle anderen europäischen Länder gcjährden würden. In ähnlichem Snme äußerte sich General S in n t ö m einer m der Universität von Manchester gchaltzM Pche. Frankreichs Wiederaufbau durch deutsche Zivilisten. Taint-Germain, 7. Juli. (Korr.-Bur.) Dem „Petit Paristen" zufolae ist C l e m e n c e a u von einem Besuche des Departements Aisne zurückgekehrt. Er hat dort in einer Rede erllärt, daß sofort Verhandlungen mit Deutschland begonnen werden, um die Erse'tzuug der Gesa n g e n e n a r b e i t durch deutsche Zrviliften Möglichst rasch dmchzusühren. Von der HalMnä der Deutschen in dieser Frage wird,die Haltung Frankreichs bei Entlaffung der Gefangenen abhängen. Clemenceciu hat der Bevölkerung deS Departements feierlich erklärt, daß D em t s chck a n d den gesamten Sch adert, und die Wiederherstellung bezahlen werde, wad ungefähr 77 Milliarden a u 8 m a ch e. - Slatin Pascha in Saint-Germain. Versailles, 7. Juli. (Havas.) General Slatin Pascha» der von der deutschösterreichischen Regrerung in der Frage der Kriegsgesangeuen entsgndt wurde, ist gestern früh m Saint-Germain ei n g e t r os f e n. Der Friedensvertrag vor dem amerikanischen Senat. Laint-Germaiv» 7. Juli. (Korr^Bur.) Dem „Matin" Ä. wird der Friedensvertrag dem amerikanischen Senat am Mag vorgeltgt werden, worauf die Debatte sofort beginnen wird. Der Cisenbahnerstreik in Deutschland. Der Verkehr in Frankfurt wieder ausgenommen. Berlin, 7. Juli. (Korr.-Bur.) - Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" meldet aus F r a n k f ur t: Der Streik der Eisenbahner ist heute um 10 Uhr abends abgebrochen worden, Der Eisenbahnverkehr wird noch während der Nacht möglichst in vollem Umfange ausgenommen werden. Streik im oberschlesischen Revier. Berlin, 7. Juli. (Korr.-Bur.) Nach einer 'Breslauer . Meldung der „B o s s i s ch e n Zeitung" hat die Gärung unter den oberschlcsischen Bergarbectern im Steinkohlenrevier von Rhbink bereits zum A n s st a n d geführt. Seit gA'ern reiht sich Grube um Grube dem Streik an. Die Forderungen find unzweifelhaft polrtischer Natur, ebenso steht unzweifelhaft fest, daß wieder polnische Umtriebe im Spiele sind. Die Bewegrmg droht den garrzen Jndustriebezirk zu überfluten. in allen P«i»fi>ken. Redaraturen unter Gara^ss. ffarbbönder für alle- Sßsteme, »rstflaffigeS Material. Leop. Kurzer, Wien, W., Westbahnstraße 23. Telephon 31637. »d! Abreise der Mission Morgenthau aus Paris. Genf, 7. Juli. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Die Mission Morgenthau verläßt Donnerstag Paris. Sie dürste zirka sechs bis acht Wochen ausbleiben. Schandtaten polnischer Soldaten. -1 Sechs Jüdinnen geschänvet und ins Wasser geworfen. Warschau, 7. Juli (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Eine aus Demblin in Warschau eingetroffene, aus dem O r t s r a b b i n e r und einem Kultusvorsteher bestehende Abordnung überbrachte die furchtbare Nachricht über die Schändung' und nachherige Ermordung von s'e ch s jüdischen M ä d ch.e n und Frauen. Diese sechs Jüdinnen passierten zusammen vorigen Sonntag früh die Dembliner Brücke und begaben sich in das benachbarte . Städtchen, um Einkäufe zu machen. Auf dem Aückw ege wurden sie von Soldaten überfallen, geschändet und ins Wasser ger morsen. Zwei Leichen, ein löjähriges Mädchen und eine Frau, »wurden bereits aus dem Teich gezogen; von den übrigen vier, alle Töchter eines gewissen Rubinstein, fehlt vorläufig jede Spur. Der jüdische Landtagsklub entsandte nach Demblin den Abgeordneten Dr. W e in z ie h e r, um an Ort und Stelle den Fall zu untersuchen. Blutige Arberterdemouftrationen in Warschau. 2 Tote» 12 Verwundete. Warschau, 7. Juli.(Tel. der „Wr.MorgenzLg."). Vergangenen Donnerstag nachmittags waren die Straßen Warschaus der Schauplatz einer Arbeiterdemvnstration, an der sich zirka 40.0Q0 in Ausstand getretener Arbeiter, die Lohnerhöhungen fordern, beteiligten. Der Demonstrationszug bewegte sich durch mehrere Gassen der Vorstädte nach Warschau, um vor dem Sejmgebäude für die Forderungen zu demonstrieren. In der ^esznagasse wurde er durch die Polizei auf geh alten. Als die Demonstranten den Kordon zu durchbrechen versuchten, gab die Polizei eine Salve ab. Zwei Arbeiter w u r d e n g e t ö t e t, 12 v e r w u n d e t. Die Kämpfe zwischen den Ukrainern und Polen. Der Ukrainische Preffedienst meldet: I» ihrer letzten Offensive haben die Polen riesige Be i \\ u " «litten; die Zahl der von uns seit dem 10. Jnui ■< K \ uo-skk beträgt über 8000, darunter ein MV. . -"vi;* Region.

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