Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 169 (8.7.1919)
- Date
- 1919-07-08
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Wien. Dienstag Politische^Nundschau. Hinter den Kulissen des polnischen Landtages. Die polnuckc naiionaldcmokratische Partei oder wie man sie kürzer und vniaiicmter nennt: die allpolmicke urtyrüttßlicfc cm Warschauer mnßle erst in oftgalizischen Boden verpflanz werden, uni reckt gedeihen zu können. Dank dem polnischukraisinckrn Antaaomsmus, der die Lridenschasien anfachte und der scklappdrr österreichisch-polnischen Verwaltung gelang cs dieser Partei, eine ausschlaggebende Rolle im politischen Leben zu gewinnen und sie bis auf den heutigen' Tag zu behanplcn. In ihren Mitteln war ■ sie nie wählerisch., Mit Hilfe 'von dcfraKierten Sparkaffegeldern war seinerzeit ihr galizisch'es Hauptorgan, das „Slowo Polskie" fundiert worden, . das sich im antisemitischen Fahrwasser lüstrg bewegte. Politische Gegner wurden rücksichtslos bekämpft und die _ persönliche Kampagne war Tagesordnung, Durch Kompromisse mit den Klerikalen und klerikal schillernden Bauern wußte man die Front der Partei zü verlängern. Eine zielbewußte Agitation trieb die Beamten aller Kategorien in die Reihen der Partei. Die wichtigsten Stadtverwaltungen wurden natioualdemokratisch, viele erstklassige w'rtsckasilichd Posten wurden mit allpvlmschen Kandidaten besetzt. Die Partei bemächtigte sich der kräftigen Organisation der „Kolta Rolnicze" und überzog ganz Galizien mit einem Netz von Sckulvereinen, deren Zweck es war, die polnischen Grenzgebiete .'Ostgalizien und Schlesien) zu „retten". Der überstarke Einfluß der Partei zeigte sich insbesondere darin, daß sie es, zuwege brachte, in den Reihen des. festgefügten und wohldiszivli- ' inerten polnischen Konservativismus eine Spaltung hervorzurufen. Die einstmals vielgepriesene Geschlossenheit der polnischen Schlachzizenpartei ging in die Brüche. Bald unterschied man westgalizischc Slanczyken und ostgalizische Podolaken, welch letztere ganz im allpolnischen Fahrwasser segelten.». In Warschau war man nnterdeffen nicht müßig gewesen. Herr D m o.w s k i chatte sich ein ruffophiles Programm zurlecht- . gelegt, welches ihn in Petersburg fast hoffähig machie. Das Ideal war die Bereinigung aller polnischen Liiu.der unter russischem^ Szepter, ein wichtiger Punkt des Programmrs, der Boykott der Juden. In ihrem siegreichen Vordringenstießen die Natwnaldemokraten nur auf ein ernstes Hindernis: die Gegenagrtation der sozialdemokratischen Parteien, die in ihnen ihren gefährlichsten,, weil populärsten Konkurrenten erkannt halten.-Doch unbekümmert um diese Opposition etablierten die Nationaldemokraten zu Beginn des Weltkrieges in geschicktester Weise ein, polnisches Natronalkomitce in Paris, welchem während der Kriegszeit' die Vertretung der polnischen Jntereffm der Entente gegenüber zusiel. Und während die. Sozialdemokraten gemeinsam mit den Konservativen eine polnische Legion organlsierten. verstand es Herr Dmowski. die Anerkennung seines Pariser Nationalkomiiees bei der Entente durchznietzen. So war denn das noch nicht ganz auferstandcne Polen bald in der glücklichen Lage, zwei Regierungen ” zu besitzen: die eine von Deutschlands Gnaden in Form eines Regem,chastsrates zu Warschaudie zweite von EnteMc wegen in Poris. Im Herbst 1918, als die Zentralmächte kapitulierten, hätten die Nationaldemokraten gerne die Regierung in Warschau an sich gerissen. Doch da kamen ihnen die Sozialdemokraten im rechten.. Augenblick in die 'Quere. Der Schöpfer und erste Kommandant der polnischen Legion, welcher wegen seiner antiwusstschen Orientierungvon den Nationaldemokraten ,auss hefkgste angefeindet worden war, war aus seiner deutschen Interniernrig entlassen und als Märtyrer der polnischen Sache der populärste'Mann des Landest. Ihm siel auch die Leitmrg j&eS neuen Staatswesens zu. Und-tii.e erste Regierung, die der Sozialdemokrat P i l s u d s k i berief, war naturgemäß eine sozialistische. Diese hielt sich nicht lange. Sie stieß,auf passive, von den Allpolen angesachte Resistenz und mußte gehen. Herr P a d e r e w s k i, mit Pariser Vollmachten aüsgestattet übernahm das Regiment. Das war der erste Streich. Doch damit gaben sich die Nationaldemokraten nicht zufrieden. Die Person des Staatsleiters Pilsudski ist ihnen ein Dorn im Auge., Seine liberalen Anschauungen wdren und sind cme offenkundige Gefahr, für die von Herrn Dmowski.den Ententemächten vorgelegte imperialistische Landkarte Polens, noch mehr aber für den persönlichen Ehrgeiz des Herrn Dmowski, der endlich einmal seine nominelle Regierung von Paris mit einer faktischen in Warschau vertauschen möchte. So begann der frischfröhliche Zweikampf Dmowski—Pilsudski. Was nunmehr im Warschauer Landtag und in der Preffe täglich vorgeht, ist nichts anderes, alsdcrWidcchall dieses Duells. Während das unglückliche Ostgalizien von neuem Wa neugellirr erfüllt ist und die polnischen Truppen sich amchicken, das Land von dm „bolschewikischen Banden" zu reinigen, läutet man in Warschau Sturm gegen Herrn Pilsudski. Große Volksversammlungen werden veranstaltet mit der Tagesordnung „Ostaalizien" und eine Resolution verlangt, daß man diejenigen zur Verantwortung zieht, welche die ostgalizrsche Front geschwächt haben. Gemeint ist natürlich der General Prlsudski in eigener Personwelchem nicht einmal das Argument belaffm wird, daß er nicht gegen dm Willen der Entente handeln durfte. Der nationaldemokratlsche „Dzimnik Polski" meint wörtlich: „Ist denn Polen eine Kolonie oder Provinz der Entente? Müssen denn Polens Führer und leitende Politiker „Habt acht!" stehen vor fremden Diplomatm und demütig ihre Befehle entgegennehmen? Pilsudski. war der Mann, welcher am Vortage der letzten Anstrengung zur Reinigung Galiziens vom Feind damit einverstanden , war, die Armee von der Ostfront abmziehen, die Operationen einzüstellen und sich mit den ukrainischen Mördern in Verhandlungen emzulaffen ... Möge. doch, der Landtag öffentlich über denjenigen aburteilen. der die wirklichen Jntereffm des Landes und dm Willen des Volkes geringgeschätzt hat. Möge er erklären, wer für die alles verantwortlich ist und wer die Geschäfte der polnischen Republik so gut führt." Auf diese klare Sprache bleibt natürlich die Partei Pilsudski-, die polnische Sozialdemokratie, die Antwort nicht schuldig. I« der Landtagsttzung vom 25. Juni brachten die Abgeordneten D a s z y n s k i und, Genoffen einen Dringlichkeitsantrag ein betreffend den vorzunehmendm Wechsel in der Repräsentanz der polnischen Republik bei der Friedenskonferenz in Baris. In der Begründung des Antrages wird darauf verwiesen, daß die Pariser polnischen Herren das in,ste gesetzte Vertrauen gar nicht gerechtfertigt haben, da die polnische Sache jetzt sehr schlecht steht. Die reaktionären Organisatorm des Judmboykotts 'sinden keinm Glauben, wenn sie von Toleranz sprechen. Ihre Machenschaften mit Sasonow rufen daß Mißtrauen unserer Nachbarvölker hervor. Ans diesem Grunde wird die Abberufung des Herrn Dmowski und seiner Genoffm verlangt. Gegen die Dringlichkeit sprach sich der aus dem österreichischm Parlament bekannte Herr Glombinski aus, worauf in namentlich^ Abstimmung die Dringlichkeit mit 187 gegen 101 Stimmen abgelehnt.wurde, nicht ohne den von dcn Sozialdemokraten gewollten Zweck zck erreichen. Der .Zweikampf Dmowski—Pilsudski ist aus dem Dunkel der Kuliffm in das Rampenlicht der Öffentlichkeit getreten und verspricht sich täglich weiter znznspitzen. Bei der Skrupellosigkeit seiner nationaldemokratischen Widersacher dürfte der' Kampf bald Formen annehmeu, über die Herr Pilsudski wenig Freude empfinden wird. Wiener Morgenzeitung 8. Juli 1919 Nr. 169. - -1-:-——-:-; '■■■■” . ■•H Probleme. \ Wirn, 7. Jul«. In Italien zeigen sich seit geraumer Zeit die^ Anzeichen. einer tiefgehenden Gärung, welche sich sowohl nych der politischen wie der wirtschaftlichen Seite äußert. Die letzten Nachrichten wissen von Lebensmittelunruhen zu melden, die zu Plünderungen und Ausschreitungen führten. Wie der sozialistische ),A v a n t i" meldet, sollen in einzelnen Orten eine Art von Sowiets bie Versorgung mit Lebensmitteln übernommen haben. Aber auch auf politischem Gebiete besteht die Spannung unvermindert fort. Die Adriafrage, in der sich die Politik Italiens unter dem Einflüsse der nationalistischen Richtung festgelegt hat, ist von einer Lösung nach wie - vor entfernt und der italienisch-französische Gegensatz hält unvermindert an. Dies bestätigen wieder die heutigen Telegramme: Nach dem „Daily Herald" stehen in der Fiumaner Frage neue Schwierigkeiten bevor- Die in Fiume befindlichen französischen Truppen behandeln nicht nur die Jtäliener, sondern auch die Bewohner Fiumes als ihre Feinde. Die französischen Offiziere schließen sich vollkommen, den Jugoslawen an und beteiligen sich lebhaft an dem politischen Leben der Stadt. Die italienischen Behörden haben dagegen bisher vergebens protestiert. * Der „Lokalanzeiger" meldet aus Lugano: In Rom veranstalteten die Nationalisten gestern abends eine Pro testv er sammln ng gegen das Ministerium Nitti, der auch mehrere hundert Offiziere und Kriegsbeschädigte beiwohnten. Als ein Redner die Vorfälle in Fiume erwähnte, erhob sich die ganze Versammlung unter den nicht endenivollenden Rufen: „Nieder mit Frankreich!" Aus mehreren Orten in Italien werden Schlägereien zwischen französischen und italienischen Soldaten gemeldet. In Genua mußte laut der „Perseveranza" eine Gruppe französischer Soldaten unter dem Schutze von Karabinieri auf die Schiffe flüchten. Laut der Agenzia d'Jtalia beabsichtigt der französische Botschafter in Rom, Barröre, von' seinem Posten zurückzutreten. Es ist nicht abzusehen, wie die adriatische und speziell die Fiumaner Frage angesichts der begreiflichen unnachgiebigen Haltung der Jugoslawen, hinter denen Frankreich steht, ohne wirkliche Konzessionen Italiens gelöst werden soll. D'aS neue Ministerium Nitti hat «ach zwei Fronten zu kämpfen: gegen die anstürmende soziale Massenbewegung und den politischen Nationalismus und es wird der neuen Regierung, nicht leicht fallen, Herr der Situation zu bleiben. Auch nach der Unterschrift des Fried ens Vertrages durch die Deutschen ist die Zahl und der Umfang der zu lösenden Probleme nicht gering. Die Unterschrift des Friedens mit Deutschland bedeutet nur einen ersten Schritt und auch die Ratifizierung des Vertrages wird nicht viel mehr bedeuten. Noch ist die Unruhe in der Welt nicht gebannt und in halb Europa herrscht ein böses Provisorium, Hwar scheinen gewisse Kreise in der Entente langsam zu erkennen, wie verhängnisvoll es wäre, Deutschösterreich durch ein^n Vertrag von unmöglicher Härte dauernd'zu drosseln, aber solange man nicht weiß, was an den neuesten Nachrichten Wahres ist, die von einer für Deutschösterreich aussichtsvollen Neuorientierung in Paris zu melden wissen, ist Skepsis am Platze. Angesichts des Ernstes der zu lösenden Probleme stellt sich« die Erörterung des Für und Wider in der Frage der > Auslieferung des Exkaisers Wilhelm ' als ei,re bloße Episode dar, die Freunde von Sensationen interessieren und deutsche Patrioten vom alten Schlag lebhaft beschäftigen mag, für Menschen jedoch, denen die Not und die Aufgaben der Gegenwart -am Herzen liegen, und' die' sich um einen inneren Anschluß an die Zukunft mühen, von nebensächlicher Bedeutung ist. Nun hat sich den einstigen Paladinen, die mit romantischer Geste für ihren ,-obersten Kriegsherrn" in die.Bresche treten, der alb» Hindenburg zugesölll und einen offenen Brief an Fach gerichtet, worin er namens der alten.»deutschen Armee, den Generalissi^ mus als obersten Vertreter der alliierten und assoziierten ■ Heere bittet, dafür einzutreten, daß von der F o rd ernng der Auslieferung des Kaisers AbstüHd genommen werde. Um diese schimpfliche Erniedrigung von unserem Volke und unserer Armee fernzuhalten, bin ich bereit, jed es Op fe r zu bringen. An Stelle meines kaiserlichen und königlichen Kriegsherrn stelle ich mich daher hiermit den alliierten und assoziierten Mächten mit meiner - Person voll und ganz zur Verfügung. Ich bin überzeugt, daß jeder andere Osftzier der allen Armee bereitist, ein Gleiches zu tun. Vielleicht überlegt es sich die Entente, dem letzten Vertreter des Gottesgnadentums die Kyobe des Martyriums aufzusetzen, - aber, schließlich der Menschheit besserer Teil hat heute aüdere Sorgen. Polnische Umkehr. In Polen scheint man allmählig doch einzusehen, daß die Haltung der? Gesellschaft und der leitenden Kreise den Juden gegenüber, die in den Pogromen ihren deutlichen Ausdruck findet, dem polnischen Staate, der auf das Wohlwollen der Wes.machte angewiesen ist, keinen Nutzen bringen kann. Die Warschauer „Gazeta Poranna", eines der gefährlichsten antisemitischen Hetzblätter Polens, veröffentlicht einen Aufruf an die H a l l e r fchen Soldaten, der sie auffordert, von den „kindischen antisemitischen Streichen" abzulaffen, die das Ansehen Polens ge« fährden. Der Aufruf bildet ein bezeichnendes Dokument polnifcherMethoden und Auffassungen.Wenn manJuden und Jüdinnen mordet, schändet und plündert, so heißt das in der Sprache des polnischen Antisemitismus ^Kindische anttsemttische Streiche". Und das Warschauer Blatt spricht den verhetzten polnischen Soldaten zu Gemüte: sie mögen doch mit den Übermütigen Bubenstreichen aufhörm, nicht etwa, well sich Bestialität von selbst verbietet und Vertierung entsetzlich ist, auch wenn sie sich ak Juden austobt, sondern — weil die ausländische Preffe die Ausschreitungen aufbauscht und die Exzesse Polen schaden. Die Wiener polnische Gesandtschaft teilt hierzu mst: Dre Warschauer „Gazeta Poranna, welche bisher eine ausgesprochen antisemitische Haltung einnahm, hat am 29. Juni folgenden Aufruf veröffentlicht: „An die Soldalm der Armee des Generals Haller! Wir wenden unS an euch, im eigenen Namen und im Name« der polnischen Nation mck der warmen und dringende« Bitte: Laßt die I « de« und ihre Bärte:» Frieden! Alle mre kindischen antisemitischen S t r e t ch e werdm in der a u S l 8 « d i s ch e n P r e s s e z« «naehenerlichen Dimensionen anse bau sch t jimb f dj ade» Pole«, indem sie «»seren emdm dre Möglichkeit gebm, Pole» als ein Land ch r e ck l i ch e r Barbaren hinzustellm. Der polnische Reichstag hat alle an dm Juden verübten Gewalttatenverdammt. (Wann? Die Redaktion.) , Wir bitten mch also, Sokdatm der Armee Haller, sich aller gegen die Juden gerichtetm Handlungen zu enthalten, wenn JhrdaSWohlPolenS wollt, Polens, um das zu kämpfen Ihr gekommm seid. Die Redaktion der „Gazeta Poranna". Der französisch-arabische Konflikt. Der französische Konflikt mit dem Emir von Hebscha'S einerseits und England andererseits scheint sich immer mehr zuzuspitzen. Wie tu einem von der Zensur arg verstümmelten Artikel Gauvains in dem „Journal des Debats" behauptet wird, wurde die Landung französischer Truppen sin Beirut von dem KpMmandanten des englischen Expeditionskorps unter dem Borwand« verhindert, daß diese Landung Unruhen Hervorrufen würde. Dagegen versammle der Emir Feisul, welcher in Damaskus mü außerordentlichem Pomp auf den Thron gesetzt wurde, Truppen. Den Vereinbarungen nach gehöre Syrien in die französischr Einflußsphäre, aber de facto arbeitet der Emir durch die britischen Agenten energisch unterstützt, daran, sich vollständig unabhängig zu machen und sich mit Gewalt durchzusetzen. „Wir sind überzeugt", heißt es in dem Artikel, „dag di: gegenwärtige arabische, in London verherrlichte Politik zum schlug den englischen Interessen in Asien verhäängnisvoll werden wird. Aber das ist kein Trost für uns. Jeden Tag schwindet unser Ansehen in Syrien, jeden Tag erfahren unsere Interessen neue Angriffe". Gaupain beklagt sich dann weiter, baß auch in deu anderen Tellen der Türkei die Franzosen überall auf englische Agenten stoßen, welche sie daran hindern, ihre Angelegenheiten zu erledigen. Obwohl der Kriegszustand mit dör Türkei noch existiere, können sich merkwürdigerweise die Engländer, Amerikaner unk» Jtäliener 'daselbst nach ihrem Belieben bewegen, während' man öen 'Franzosen die Hände bindet. Eine solche Situation sei unhaltbar. Die Lebensmittelunruhen in Italien. Der „Korrespondenz Herzog" wird von gut informierter Seite mitgeteilt: Die derzeitigen Unruhen in Italien, welche seit einigen Tagen gegän die herrschende Lebensmittelteuerung und den Lebensmittelwucher entstanden sind, tragen lediglich ökonomischen Charakter. In Genua hat die Bevölkerung Maximalpreise aufgesteltt, was automatisch zu einer sofortigen Herabsetzung der Preise für alle Artikel führte. Käufer und Verkäufer sind nunmehr gezwungen, sich strenge die Maximalpreise zu halten. Daß ditz Bewegung in den einzelnen Städten Italiens wirtschaftlichen und nicht politischen Charakter trägt, geht auch aus einer offiziellen Erklärung der sozialistischen Partei hervor, die vor jeder unnützen Uebertreibung warnt und erklärt, daß die Verantwortung für einzelne Ausschreitungen, die hie und da begangen wurden, von verantwortungslosen Elementen brgangen wurden. Die sozialistische Partei ist bestrebt, mit den Lokalbehörbcn Maßnahmen zu treffen, die die strilte Einhaltung der Maximalpreis« für Lebensmittel gewährleistet und den'LebenSmittelwucher unmöglich nracht. Die Tatsache, daß der Kurs der italienischen Valuta in der Schweiz fortwährend steigt, kann ebenfalls als ein sicheres Merkmal'für die richtige Wertung der gegenwärtigen Lage Italiens seitens der ausländischen finanziellen Kreise betrachtet werden und geht daraus klar hervor, daß die Bewegung in einzelnen Städten Italiens, wie erwähnt, lediglich wirtschaftlichen und leincsivegs politische)». Charakter trägt.