Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1919-07-07 · Heft 168 (7.7.1919) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 168 (7.7.1919)
Date
1919-07-07
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2979076-2979077-2979245--01499-2986908
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Sette 2 u- Wien, Montag Wiener Morgenzettung 7. IM 1919 Rr. K8 Telegramme. Die Zahlungen Deutschlands. -' ■ New York, 6. Juli. Funkspruch ' des Tel- Morr.-Bureau.) Aus Paris wird gemeldet: Die Be- Lotungen über die Art und Höhe der von Deutschland zu leistenden Entschädigung iverden am Montag de« 7. Juli!um 3 Uhr nachmittags im Trirnonpalasthotel in Versailles beginnen. Die deutsche Delegation hat ferner mit' einer Note den Beginn der mündlichen Beratungen über den Rheintandsokkupationsvertrag verlangt. Französische Konfercnznntglieder sind der Ansicht, daß Einerlei mündliche Verhandlung über diesen Punkt zugesagt war. Die Deutschen wieder behaupten, daß ihnen ausdrücklich mitgeteilt wurde, sie mäv^n den Okkupationsvertrag nur" unterschreiben, alle Einzelheiten würden mündlich geregelt werden. Es ist noch zweiftlhast, ob darüber mündlich verhandelt werden wird. Italienisch-französische Zwischenfülle in Genua. Saint-Germaitt, 6. Juli. Mehrere Pariser Morgenblätter zeigen sich sehr beunruhigt über den nach wie vor überaus heftigen Ton der italienischen Presse gegenüber Frankreich und über, die Streitigkeiten, die da und dort zwischen französischen und italienischen Soldaten ausgebrochen zu sein scheinen. ,,Petit Parisien* unterstreicht in einer Notiz die Tatsache, daß sich anläßlich der Raufereien zwischen italienischen und französische« Soldaten auch eine.Abkühlung der Beziehungen zwischen den beiden dortigen Militarkommanden ergeben habe und verzeichnet auch die Meldung von ähnlichen Zwischenfallen in Genua. Die heimliche Unterstützung Ungarns durch Italien. ' f SainL-Gennairr, 6. Juli. „Echo de Paris" meldet: In der gestrigen Sitzung des Rates der Fünf wurde die Tatsache der heimlichen Ernährung des bolschewikischen Ungarns durch die Italiener und die für ihre Rechnung erfolgte Beschlagnahme von 15' Millionen in den Kassen der Oesterreichisch-ungarischen Bank in Budapest diskutiert. Es werden neue Auskünfte von verschiedenen Kommissionen verlangt werden. E8 tritt eine Abneigung gegen jeden Versuch von Verhandlungen und Vereinbarungen mit Bela Kun hervor. Der Friedensvertrag mit Ungarn wird also noch nicht so bald fertia sein. Was die reservierten Klauseln mit Oesterreich betrifft, ist man mit ihrer Redaktion beschäftigt. China Mitglied des Bölkerbündes. Paris, 6, Juli. (Meldung der Telegraphen-Comvagnie.) Die chinesischen Delegierten wurden verständigt, daß sie, obwohl sie den Friedensvertrag mit Oesterreich nicht unterzeichnet haben, dennoch Mitglieder des Volker- Lundes werden, sollen. Das Kabinett Tusar. Prag, 6. Juli. Dem „PrLvo Abu" zufolge wird usar heute -nachmittags dem Präsidenten der Republik stine Vorschläge für die Zusammensetzung deS Kabinetts unterbreiten. Der Regierungsmajorität werden die Sozialdemokraten, die nationalen Sozialisten und die Realisten, welche drei Parteien zusammen den sozialistischen Block bilden, weiters die Agrarier und die S l o w a k e n angehören. Nach de» neuen Dispositionen wird sich die Regierung der Nationalversammlung am Donnerstag vorstellen. Llnsere Kriegsgefangene« in Sibirien. f Bern, 6. Juli. (Meldung der Schweizerischen Depeschen-Agentnr.) Die Mission des Internationalen' Komitees vom Roten Kreuz zugunsten der österreichischmngarischen und türkischen Gefangenen in Sibirien, die sich am 23. Mai in San Francisco eingeschifft' hat, ist Men den 10. Juni in Aokohama angekommen. Nachdem sie Narashimo in Japan besucht hatte, schiffte sie sich am 26. Juni nach Wladiwostok unter Mitnahme der ihr vom Japanischen Rote« Kreuz zur Verfügung gestellten Medikamente und Berbandmittel ein. Die Mission hat ihre Ankunft in dieser letzten Stadt am 23. Juni telegraphisch angezeigt. Sw hat bereits daS Lager Perwaja Retschka besucht. Ein englisches Luftschiff in Not. , Amsterdam» 6. Juli. Nach einer Meldung aus Washington hat das Luftschiff „R 34" daS britische Luftfahrminifterium verständigt, es über Reuschottland mit starken Gegenwinden zu kämpfen hatte und daß das Benzin auszugehen beginne. Zwei Zerstörer haben Befehl erhalten, sofort von Boston nach der Fundy-Bai auszufahren? um dem Luftschiffe Hilfe zy leisten. Nach einer Londoner Reutermeldung wurde bei Mineola die drahtlose Nachricht von >RM." aufgesangen, daß die Ankunft des Luftschiffes wahrscheinlich für Sonntag zu erwarten sei. Man glaubt, daraus schließe« zu können, -aß das Luftschiff die Hilfe der Zerstörer doch nicht benötigen wird. Beste,rerung der Pariser Aanseigentümer. Saint-Germain, 6. Juli. In der französischen Kammer ist ein Gesetzentwurf eingebracht worden, wonach alle Gewinne, die die Pariser Hauseigentümer aus der Vermietung von Fenstern und Balkonen an der Siegesfeier am ,14. Juli erzielen werden, mit 80 Prozent besteuert Werden sollen. Die Okkupation des Rheingebietes. Heute Bekanntgabe an die Deutschen. Paris, 7. Juli. (Funkspr. des Korr.-Bur.) Der Rat der Fünf hat feine E i u w i.l l i g «n g gegeben, daß de« Deutschen bei ihrer am Montag im Trlanon-Palast ftattstndenden Zusammenkunft mit de« wirtschaftlichen Vertretern dev Alliierten, die von denselben geplanten Maßnahmen für die Verwaltung des besetzten Rheingebietes bekanntgegeben werde» und daß sie sich dazu ü « ß e r n können. Die Gemeinderatswahlen in Tschechien. Praa, 6. Juli. (Meldung des Tschecho-slowakisckien PreßdureauS.) Amtlicher Bericht über das Ergebnis der Gemeinderatswahlen in 'Böhmen: Tschecho-slowakische Sozialdemokratie 667.112 Stimmen, das sind 30'52 Prozent, tschecho-slowakische sozialistische Partei vereinigt mit der fortschrittlichen 408.194 .Stimmen, das sind 18'68 Prozent, tschechische republikanische.Agrarpartei 404.960 Stimmen, das sind 21'27 Prozent, nationale Demokratie 204.620 Stimmen. . das sind 9'36 Prozent, tschecho-slowakische Volkspartei 127.625 Stimmen, daS sind 5 84 Prozent, verschiedene Parteien 119.393 Stimmen, das sind 5*46 Prozent, Kleinbauern und Häusler 86.310 Stimmen, das sind 3 95 Prozent, tschechische vereinigte Parteien im gemischtsprachigen Gebiet 65.219 Stimmen, das sind 2'99 Prozent, Gewerbetreibende 35.939 Stimmen, das sind 1'64 Prozent, tschecho-slowakische Partei der arbeitenden Bevölkerung - 6216 Stimmen, das sind 029 Prozent. Gesamtüberstcht ans Böhmen: Tschechische Stimmen 2,185.588 66 51 Prozent, deutsche Stimmen 1,087.371 --- 33-08 Prozent, jüdische Stimmen 13.175 ----- 0 40 Prozent, zusammen 3,266.134 Stimmen. Gesamtübersicht aus Mähren: Tschechische Stimmen 862.^05 — 77 89 Prozent, deutsche Stimmen 237.140 ----- 21*41 Prozent, jüdische Stimmen 7730 — 070 Prozent, zusammen 1,107.635 Stimmen. Gesamtübersicht ans Schlesien: Tschechische Klimmen 48.038 — 32-95 Prozent, deutsche Stimmen 97.527 --- 66 80 Prbzent, jüdische Stimmen 171016 Prozent, polnische Stimmen 47, zusammen 145.783 Stimmen. Gesamtüberstcht'aus Böhmen, Mähren und Schlesien: Tschechische.Stimmen 3,096.391 ----- 68*21 Prozent, deutsche Stimmen 1.422.038— 31*33 Prozent, jüdische Stimmen 21.076 — 0 46 Prozent, polnische Stimme« 47, zusammen 4,539.552 Stimmen. Keine Umwechslung von Ein- und Zweilrouennoten in Tschechien. Prag, 6. Juli. (Meldung des Tschecho-slowakischen PreßbureauS.) Das Finanzministerium verlautbart: Das Jntereffe des Staates erfordert eS, daß der Umlauf der Ein- und Zweikronennoten nicht durch Einführung derselben aus dem Auslände auf Schleichwegen vermehrt wetde. Da die Verordnung vom 12. Mai b. I. betreffend iüe beschränkte Annahme von Ein- und Zweikronennoten (bis 20 Kronen) nicht eine volle Remedur in dieser Frage geschaffen hat, wurde das Bankamt des Finanzministeriums intern ermächtigt, die Umwechslung dieser Banknoten gegen gestempelte überhaupt einzustellen und von jeder Pattei (auch von Behörden) Zwei- und Einkronennoten nur im Betrage von 20 Kronen täglich in . Empfang z« Nehmen. Diese Maßnahme liegt im eminenten Stagtsinteresft, um Betrügern die Umwechslung unmöglich zu machen. Prünumeralions- Einladung. Am 1. Juli begann ein neues Quartal. Wir bitten unsere Abonnenten, das Abonnement rechtzeitig zu erneuern, damit keine Unterbrechung in der Zustellung des Blattes einttttt. Potttische^tundschau. Die polnische Presse über den Friedensschlutz mit Deutschland. Schon während des Notenwechsels des Viererrates mit den deutschen Delegierten in Versailles, bei dem Einzelheiten d«S Friedensvertrages zur. Kenntnis der Oeffentlichkeit gelangten, gab die Ostpolitik der Entente der polnischen Presse Anlaß zu herber Kritik. Jetzt nach der Veröffentlichung des Friedensvettragesi mehren sich, die Proteste. Soferne die polnischen Presseäußerungen die wahren Stimmungen der leitenden Politiker in Polen widerspiegeln, sind die Polen von der Entente gefühlsmäßig eigentlich schon aügefallen. Sie sehen sich in ihren Hoffnungen getäuscht und fühlen sich durch die Entente in ihrer Stellung erschüttert. In ihren Augen sind die Machthaber der Entente kurzsichtige, unorientierte Politiker und unzuverlässige, lediglich auf ihre eigenen Interessen bedachte Verbündete. Das Orgmr der Nationaldemokraten, welche bekanntlich ihren Kalkül aus der Verläßlichkeit und absoluten Sorglosigkeit der Entente aufbauten, gibt ihrer Abkehr von den Koalliierten unverhüllt Ausdruck. Die „Gazeta Warszawska" schreibt: „In der Antwort der Entente auf die Gegenvorschläge Deutschlands lesen wir: Di« verbündeten Mächte stehen vor der besonderen Pflicht, ihren Sieg dahin auszunützen, um der polnischen Nation ihre Unabhängigkeit wiederzugehen, die ihr vor mehr als. hundert Jahren geraubt wurde. Dieser Raub war eines, der größten Verbrechen, das die Weltgeschichte zu verzeichnen hatte. Die erste Pflicht der Koalliierten ist die Wiedergutmachung dieses Unrechtes. Mit der bloßen Feststellung dieses Unrechtes — schreibt das Blatt —■ ist dem polnischen Volke keineswegs gedient. Man hätte^daher erwartet, daß die Staatsmänner der Entente dem neuen Polen günstige Entwicklungsbedingungen schaffen werden, die ihm ermöglichen, die verlorene Stellung in, der europäischen Völkerfamilie wieder zu erlangen. Leider find wir bittep enttäuscht. Von dem Zutritt zum Meere werden wir keinen'unbehinderten Gebrauch machen können. Es wird uns auch nicht leicht werden,, diesen vor einem Ueberfall des Feindes zu schützen. Die Lösung der Danziger Frage ist allerdings sehr günstig — für England, aber sehr schädlich für die Interessen der Polen, sehr gefährlich als Keim unausgesetzter Konflikte in der Zukunft. Und erst Obersch lesie«, ohne welches Polen in wirtschaftliche Abhängigkeit von Deutschland geraten soll. Schlesien soll erst durch eine Volksabstimmung Polen zuerkannt werden. Die man hött, soll im Falle eines ungünstigen Ausganges für Deutschland das Plebiszit den Deutschen die Benützung der schlesischen Kohlengruben in gleichem Maße, wie de« Polen gestattet werden. Man kann nicht fassen, daß England einem solchen Kondominium seine Zustimmung geben konnte. DaS wäre ja eine Vergewaltigung der polnischen Rechte,, di« in Zukunft zu einem unvermeidlichen Zusammenstoß führen muß. Noch kennen wir nicht die Stellung der Entente zur Frage der Regelung unserer Grenze» gegen die Ukvaintzr und Rußlaich, wie auch ihre Ansicht über unsere Offensive gegen die Ukrainer tu Galizien. Allein ihre Haltung m der Frage der Westgvenzen läßt uns begründete Befürchtungen hege«, daß wieder polnische Interessen allerhatch Nebenrücksichten geopfert werden." Für Wien; mit Zustellung Monatlich . . . Kronen 7,-^ Mrrtrljcihxig . , „ 20.«« Halbjährig ... * 40.-' Ganzjährig... „ 80.7— Bezugsbedimgungm: Für DeatschSsterrpkch: mit Postverfand Monatlich , . . Krone» 7.8g Bierteliähttg - . « 22.— Ubjähng ... „ 44.- Ganzjährig. . . , Stz.— Für Pole» und die übrige« Nationalstaate«! mit Postversand Monatlich , . . Kronen S.S0 r Für die Tschechoslowakei: mit Postversand in tschechischer Währung Monatlich . , Krone» 7.6Y Vierteljährig . . „ 22.— Halbjährig . , . „ '44,— Ganzjährig ... „ 88.— Ganzjährig Einzelexemplor 36 Helle». Kür Deutschland monatlich 5 Mars. Schweiz 5 Franken, für daS übrige Ausland vierteljährig 2ö.Kr»«m, Die Geldsendungen für die Tscheche-Slowakei sind per Erlagschein an das Postsvarkaffmamt P. S. Nr. 1st0,698 in Prag< für Pole», Westgauzim und Polnisch-SchMen per Postanwersung an die Wiener Lombard «yd Eskomutebank, Filiale Koaka«, für „Wiener Morgenzeitung", Krykan» Siynek 1/5, zu nchten. Administratio« der „Wiener Morgenzeitung" Wien» H.»Taborsteatzo 1-y. Telephon 44.0S8«. 43,810. Amerika im Dienfte der Allgemeinheit. . Tlainf-Germail», 6. Juli. „Daily Mail" meldet aus New York, daß ei« drahtloses Telegramm mit einer Botschaft Wilsons eingetroffen sei, worin er erklärt, daß Amettka sich auch weiterhin in den Dienst der Allgemeinhett stelle« müsse und daß er alles zu tun gedenke, «Nt sein in Patts gegebenes Versprechen für Amerikas Bereftschast, seinen Antett an der Neuordnung der Dinge zu tragen, j» ersüllen. Eine Triester Handelsabordnung in Nom. Saint-Germai«, 6. Juli. Der „Seeolo" meldet: In Rom ist am 8. d. M. eine Tttestiner Kommission unter Führung des Depntietten Pittaeeo eingetroffen, der «. a. auch der Handelskammerrat und Direktor der Tttestiner Sparkasse, Basilio, die Präsidenten der Handelskammern von Istrien und Rovereto und der Sekretär der Tttefte» Handelskammer, Dr. Gabrim, angehören. Die Kommission hat hie Aufgabe, die Regierung mit der Kttse schwerster Art bekanntzumachen, die Leben und Zukunft Triests und der anderen erlösten Gebiete bedroht. Finanzmmister Schanzer empfing tie Abordnung und versprach, die Frage zu prüfen, ohne aber die Schwierigkeiten zu verschweigen, die sich der Erfüllung der vorgebrachten Vorschläge" entgegenstellen. Auch Minister- Präsident Nitti'empfing die Delegierten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.