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Wiener Morgenzeitung · 1919-07-07 · Heft 168 (7.7.1919) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 168 (7.7.1919)
Date
1919-07-07
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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/ /|g| WM §1 Rr. 168 \ Wim, Montag Wiener Morgenzeitung 7. ZuR Md Seite; 3“ Tagesbericht. Die kommunistische Arbeit i« Wien. Die Gntentemisfionen berichten an ihre Negierungen. — Ungarische Offiziere in Ententeuniformen. --- Abberufung Czobels? Wie bie „Korrespondenz Herzog" erfährt, befinden sich Abschriften aller bei der seinerzeitigen Durchsuchung deS ungarischen GesandtschastSgebäudes in der Bankgasse Vorgefundenen Pläne, Skizzen, Quittungen usw. in den Händen des Leiters einer hiesigen ausländischen Mission, der nicht verabsäumt hat, die Entente Von den inzwischen zum Scheitern gebrachten. Plänen der Sendlinge Bela Kuns zu informieren, zumal im Falle des Gelingens des kommunistischen Putsches in Wien und der Behauptung der Herrschaft der Kommunisten in Wien.u. a. auch die Weilerverbreitung der kommunistischen Propaganda von Wien aus nach dem 'Westen geplant war. ' Sämtliche Missionen in Wim halten durch Spezialkuriere ihren Regierungen Mitteilung von den. aufgefundenen Plänen gemacht und Verhaltungsmaßregeln eingefordert. Ein besonderes Augenmerk wird der Tatsache zugewendet, daß sowohl in Wien als auch in Wiener- Neustadt in der letzten Zeit ungarische Offiziere in den Uniformen von Ententemilitär betreten wurden. Die Wiener internationale Gesandtenkonferenz beschäftigt sich ständig mit den Mitteln zur Milderung der schweren wirtschaftlichen Krise m Wien und betont hierbei nach wie vor, daß jeder Umsturz schwere Konsequenzen auch in ökonomischer Beziehung für die Bevölkerung Hervorrufen müßte. Im übrigen wird nach dem Scheitern der kommunistischen Putschversuche und nach dem Verlaufe des Reichsarbeiterkongresses die kommunistische Gefahr für Wien als bedeutendabge flaut betrachtet. Die Veröffentlichung der Umsturzpläne der Kommunisten, ab den die Missionen ein Interesse hatten, sollte der Wiener Bevölkerung zeigen/ was eigentlich geplant war und mit welchen Mitteln seitens der Kommunisten gearbeitet wurde und noch gearbeitet wird. Nach Informationen aus. den Landeshauptstädten Deutschösterreichs werden in der kommenden'Sitzung der Nationalversammlung, welche jedoch noch nicht in dieser, sondern erst in der kommenden Woche stattfinden dürfte, neuerlich Aufklärungen vom Staatssekretär des Innern Eld er sch über die Propaganda der Kommunisten in Wien verlangt werden. Man hofft, daß es bis dahin dem Staatssekretär bereits möglich sein wird, das Resultat der auf Grund des Berichtes des Polizeipräsidenten von Wien Schohgr eingeleiteten amtlichen Untersuchung der Nationalversammlung vorzulegen. Wie verlautet, stehen "auch Anfragen an den Staatssekretär des Aeußern Dr. Bauer über die Tätigkeit des ungarischen Gesandten in«Wien Czobel bevor, in denen die sofortige Abberufung desselben verlangt werden soll/da seine Verbindung mit der kommunistischen Propaganda in Wien aktenmäßig erwiesen sei. Für die nächsten ^«Tage stehen neuerliche Publikationen voN zum Scheitern gebrachten, jedoch bestandenen Plänen der Kommunisten bevor. Die WienerSchuhmacher demonstriere«. „Heraus mit dem Leder!“ Mit der Tagesordnung: „Heraus mit dem Leder!" veranstaltete der Meisterrat der Schuhmacher Wiens und - Deutschösterreichs gestern in der Volkshalle des Rathauses eine von mehrerm tausend Schuhmachermeistern besuchte Versammlung. Rach Eröffnung durch den Obmann des Meisterrates Bruckner referierte Herr P o k o r n y, der auf « die unhaltbare Lage der Schuhmacher verwies, die auf der einen Seite vom Schleichhändler, auf der anderen Seite vom Bezirksrichter drangsaliert werden. Ein Schuhmacher erhält im günstigsten Falle monatlich 2 Kilogramm Sohlenleder und alle drei Monate ein Fell Ober- oder Futterleder. Eine Quantität, die nicht einmal für eine sechsköpfige Familie .genügt. (Ruf: Aber die Steuern werden immer höher!) Leder ist genug vorhanden, aber nur'ins SchleichHandel zu erhalten. Wir fordern die. A u f l ö s u n g der Zentrallederstelle, die sich nicht bewährt hat, und die Wiedereinführung des freien Handels. Wenn, man den Schleichhandel ernstlich beseitigen will, dann sei dies nur durch den freien Handel möglich. (Beifall.) Ln scharfen Worten und unter .stürmischen Zustimmungskundgebungen übte- Redner abfällige Kritik an der Haltung der Genossenschastsvorstehung. welche ruhig zusehe, wie die Schuhmacher um den 10- bis tßfachen Preis im Schleichhandel ihren Lederbedarf decken müssen und wegen Preistreiberei verurteilt werden, wenn sie dann gleichfalls höhere Preise verlangen., Namens der Großdentschen Bereinigung begrüßte hierauf Nationalrat Kittinger die Versammlung und versprach die tatkräftigste Unterstützung seiner Partei für deren wirtschaftliche Bestrebungen. Arbeiterrat Schlögel sprach sich gleichfalls im Sinne des Referenten für die Auflösung der Ledekstelle aus. Er versprach, daß er im Arbeiterrat« für » die Interessen der armen Meister eintretey werde. Der Obmann des sozialdemokratischen Verbandes der Gewerbetreibenden und Kanfleute Fried mann erwiderte auf einen Zuruf aus der Mitte der Versammlung, daß die Negierung mitschuldig sei an der Ausbeutung der kleinen Meister. Es sprachen noch Bezirksrat Killer u. m. a., worauf auf Auttag des Wer an Verwandte, Angehörige, Bekannte in Amerika schreiben will kann die Briefe an die Adresse des galizianiscken Verbandes, 66 Second- Avenue, New - York, City, richten. Der Verband der galizifchen Inden wird die Adresse eruieren und die Briefe zustellen. Schnhmachermeifters PrufenowSky eine Resolution einstimmig beschlossen wurde, in welcher jm wesentlichen die Auflösung der Lederstelle, die Einberufung einer Enquete zur Beratung einer Reform der Lederbewirtschaftung und Verteilung und schließlich die Außerkraftsetzung des Gesetzes vom 9. März 1917, R.-G.-M. Nr. 94, gefordert wird. Nach Schluß der Versammlung formierten sich die Teilnehmer zu einem Zuge, der sich unter Vorantragung einer Standarte mit der Inschrift: „Heraus mit Leder!" zum Parlamentsgebäude bewegte. Eine 32gliedrige Abordnung begab sich zum Präsidenten Seitz, in dessen Abwesenheit Unterstaatssekretär Dr. Ellenbogen die Deputation empfing, die ihm die in der Versammlung beschlossene Resolution übergab. Dr. Ellenbogen, der sich über die Beschwerden und Wünsche der Schuhmachermeister informieren ließ, versprach,' in allerkürzester Zeit dem Meisterrate eine Entscheidung zu übermitteln. Obmann-Stellvertreter P o k o r n y überbrachte den vor dem Parlamente wartenden Versammlungsteilnehmern die Antwort, worauf sie sich zerstreuten. ' Tschechische Nationalfeier in Wie«. Gestern vormittags fand im Empfangssaal der Wiener tschechischen Gesandtschaft am Lpbkowitzplatz die Feier des St. Beit - Nationalfeiertagestatt, der ein ungemein zahlreiches Publikum beiwohnte. Unter anderen nahmen daran der ostukrginische Gesandte Dr. H r y l o v s ky, der jugoslawische Bevollmächtigte Dr, Po-gatschnig, dessen Bettreter Cerov i c und der Militärbevollmächttgte General Marinovich, ferner Herr Man Obuljen für den Verein der Förderung, der slawischen Gemeinschaft und zahlreiche hier weilende flämische, Publizisten und Journalisten teil. . In Vertretung des geschäftlich nach Prag verreisten Geschäftsträgers der Gesandtschaft Dr. Flieder hielt ber« Sektionsrat Dr. Schaf f a r i k die Gedenkrede, in der er die Bedeuttrug des St. Veit-Tages erörterte und die Entwicklung der slawischen Gemeinschaftsidee und der Befreiuungskriege der Slawen vom Amselselde angefangen bis zum heutigen Tage schildette. Nach seiner mit Beifall aufgenommeye» Rede sprach der Sekretär des Landesarchivs in Agram Dr, Jofsip Dragutm Nagy. Der Klaviervortrag einer Pianistin beschloß die Feier. * ''"**-7 Im Festsaale des magistratischen Bezirksamtes am Alsergrund fand gestern eine Husftter statt, die der Präsident des Komenskyveremes, Herr Eduard Stefan, mit einer Festrede eröffnet-. Nach ihm sprachen die Abgeordneten Dworak und Dr. Lettel. Der Feier wohnten her Sektionsrat Dr. Schaffsrik in Vertretung des tschecho-slywgkischen. Gesandten, der ostukrainische Gesandte Dr. HrylovSky mrd andere Berjörilichktttert bei. Bwc.'..’wcsBgf war - Der Kowpensationsysrtrng zwischen Deutsch- Ssterreich und Polen in Kraft getreten. Wie die Polnische Preßagenürr erfährt, wmde der am 21. Mai vereinbatte Kompensation«^ vertrag zwischen Deutschösteneich und Polen Samstag den 6. Juli mit einigen Aendenmgen und Zusätzen von den Vertretern beider Staaten unterschrieben. Die polnische Regierung vertraten der Charge d’aflfairea der Republik Polen in Men, Dr. Marzel S z a r o t a, der Präsident der Handels¬ und Wirtschaftsmission, Dr. Krupski, und der Handelskonsulent der polnischen- Gesandtschaft, Doktyr Lahoeinski. Der Kompensationsvertrag tritt sofort in.Kraft. , , Verhaftung des Wartberger Raubmörders. Wie berichtet, wurde qm 8. h. M, die Wittschaftsbesitzerin Lulianne Baß in Wattberg von einem Burschen mit der Summe. Als dir Frau nach ihrer Auffindung, zu sich kam, hezeichnete sie den 19jähttgen Leopold O t t, der früher als Knecht bei ihr in Dienst gestanden ist. als Täter. Ott war auch von dem Briefträger des Ortes gesehen worden, als er nach der Tat das Gehöft verließ. Er wurde am 4. d. M. früh vom Sicherheitsburean in der Darwingasse verhaftet, leugntte aber die Tat trotz dieser bestimmten Aussagen. Als Ott am 5. d. M. nachmittagjm Sicherheitsbureau neuerlich einvernommen wurde, entschloß er sich zu einem teilweise« Geständnis. Ergab wohl zu, Frau Baß durch/Schläge mit einer Hacke gegen den Ko"f lch'.ver verlebt w haben, berief sich aber auf einen /' v ♦: nv* Am*'"er znm Verbrechen. Ott behaupttt, er habe sich zu Frau Baß begebe» wollen, um btt ihr seinen -rückständigen Lohn und sein Arbeitsbuch zu beheben. Auf der Eifenbahnfahrt habe, er im Waggon den „Unbekannten" getroffen, der chn zur Tat angestistet und ihm dann nach der Ankunft in Wattberg die Mordwaffe, die Hacke, eingehändigt habe. Die Beute soll eben der Unbekannte an sich genommen und ihm pon den 2100 Kronen nur 500 Kronen gegeben haben. Alls er (Ott) nach Wien zurückgekehrt war, habe er sich um 350 Kronen ttnen neuen Anzug gekauft. Den' Rest des Geldes will er bis auf 50 Kronen auf einer Kegelbahn im Prater verspielt haben. ' Der „Unbekannte" soll sich gleich nach der Tat von ihm entfernt haben. Die Verletzung der Frau Baß ist sehr schwer und sie dürste kaum mit dem- Leben davonkommen. Ott, dessen Angaben, soweit sie den Unbekannten betreffen, ganz unglaubwürdig sind, wurde dem StraflandeSgericht eingeliefert. Die Aktion der Schweizer Judenfchäft für die Wiener jüdischen Kinder. . ' Von Norbert Weldler, Sekretär des Wiener Jüdischen Nationalrates. Zürich, 15. Juni. Dem Interesse, das die gesamte Schweizer Bevölkerung an dem Wohl und Wehe der Stadt Wien nimmt, reiht sich würdig die Anteilnahme der Schweizer I u d e n s ch a f t cm,*) Es bedurfte nur eines Appells des Herrn Oberrabbiners Dr. E h a j e S btt feiner Anwesenheit in Zürich, um sofort die Sympathien der hiesigen Gemeinde für eine Aktion zugunsten der notleidenden jüdische» Kinder in Wien ins Aben zn rufen. Gleich btt der erst« Zusammenkunft bildete sich ein Komitee, daS für die Durchführung der Aktion ein Zentralbureau für die ganze Schweiz errichtete, wobei es dem Unterzeichneten die Aufgabe der Organisiemug des Unternehmens im Einvernehmen mit d«n Jüdischm Nationalrat für Dentschösterreich übertrug. Es wäre nicht möglich, alle Namen in Zürich und in den anderen Städten der Schwttz anzuführen, deren Träger sich in der hingehendsten Weise unserer Wiener Kinder annahmen. Aber allen voran ist doch Herr Rabbiner Dr. L i t t m a n n zu nennen, der sich als Präsident der Aktionaufs ernsthafteste und mit großem Geschickder Sache widmete. Nicht.unerwähnt dars auch bleiben, daß es hier in einer so gemeinniitzigen Angelegenheit keine Differenz der jüdischen Gruppen gab und daß-die Agudisirn zu dem Gelingen, der Aktion in derselben Starke beitrugen wie die Zionisten und Anationalen. Ganz besonders aber schulden wir Wiener den jüdischen Frauen der Schweiz herzlichen Dank, die, ob sie nun in Frauenvereineu organisiett sind oder nicht, für die Sammlung von Beiträgen als auch für die wirtschaftlichen Kragen alle Kräfte aufboten. Es dürfte die Wiener Jrrdenschast vor allem interessieren, wie die Kmdrr versorgt werden. Es haben sich Komitees m B ad en, B a s e l, B e r n, B i e l, Chaux de Fonds, Genf, Lausanne, Luzern, St. Gallen rmd Zürich gebildet, wobei nicht zu vergessen ist, daß die Schweizer Indens schaft während der Kriegszeit nicht um von einer Seite stark iy Anspruch genommen wurde und mindestens ebensoviel für Kriegshilfszwecke aller Att geleistet hat als die jüdische Bevölkerung in den feindlichen Ländern. Um so mehr müssen wir die unerschöpfliche Liebe schätzen und die Bereitwilligkeit, mit der sie dem Rufe des Jüdischm Naüonalrates und seiner Delegierten, Dr. Isidor M a r g «l i e s, der besonders in der schwer zn behandelnden Westschweiz gute Erfolge erzielt hat, wie Herrn Dr. C h a j e s gefolgt ist. Wie groß der Eifer der verschiedenen Gemeinden für das Mnderhllfswerk ist, geht auch daraus hervor, daß der Unterzttchntte in mehrere Orte Einladungm zur Erstattung von Referaten erhielt, mit dem daS Interesse der weitesten Kreise gewonnen werde» sollte, und beispielsweise sich in Baden nach '«nem Vortrag mehr als die Hälfte der Familien bereit erklätten, Kettenkinder btt sich oufznnehmen und beschlossen, im ganzen Kanton Aargau eine Propaganda ttnzuleiten, um auch bei den zerstreut wohnmden Jndenfamiltm Plätze zu finden, ein Bemühest, das von vollem Erfolg gekrönt war. Eigenartig liege» die Verhältnisse in der Westschweiz. Man hat sich dott noch nicht losgesagt von den Verstimmungen, die. man als Nachhall deS Weltkrieges ansehen muß, und verlangte, .daß dorthin nur Kinder galizischer Abkunft kommen sollten, ein Verlange», das füglich leicht erfüllt werden konnte. Es bildeten sich dort zwei selbständig arbeitende Kountees, die sich aber durchaus dem Züricher Zentralbureau unterordneten, W Gmf „Oeuvre d’hospitalisation des enfants isra&itea de G*üdie" geheißen,, das von unserem Gesinnungsgenossen Zewi st h e r s o u gelestet wird, in Lausanne mit dem Namen „Colouis äss Vrresness xour enkmits isra61ites Necessiteux". Im Nachfolgrndm fei eine Uebersichi über die Verteilnr^ der Kinder gegeben. Es kamen in Familienpstege nach Baden und Mgehyng . ... 34 ' Bnsck , » . » » Bern ...... Biel. . Chaux de Fonds Genf .... . Lausanne. . . . Luzern . .. . St. Gallen, r . Zürich. . 100 .34 ' .27 . 11 . 48 . 69 . 18' . 8 ■ m 458 ' *) Man erinnert sich, daß, als die. erste Lebensmittelsammlung für Wien in Zürich chißcleitet wurde, an der sich auch die hiesige Jndenschaft m hervorragender Weise beteiligte, der Jüdische Nationalrat für Dentschösterreich davon verständigt wurde, bei der ^Wiener Kommune Schrille zu tun, daß die Wiener Judcuschajt bei der Verteilung nicht benachteiligt werde,^ Wie es der Wunsch der Schweizer jüdischen Bevölkerung 4d.. .

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