Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 168 (7.7.1919)
- Date
- 1919-07-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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DeutfchSsterreich würde nach seinen Informationen gegen Ssten auf Kosten Angarns vergrößert werden. Auch die wirtschaftlichen und finanziellen Bestimmungen -des FriedeuSvertrages würden eine Abänderung m günstigem Sinne erfahren. Der„Temps" über das österreichisch-ungarische Finanzproblem. Saiut-Germain, 6. Juli. Der „Temps" kommt heute neuerlich in seiner finanziellen Wochenübersicht auf das österreichische Finanzproblem zu sprechen. In dem Artikel heißt es, daß als Antwort auf die erste am 25. Juni erschienene diesbezügliche Studie , des Blattes ein langer Brief, des Präsidenten der wirtschaftlichen und finanziellen Sektion der jugoslawischen, Friedensdelegation eingelausen sei, worin dieser die. finanziellen Lage der mit der Entente Verbündeten Erbstaaten Oesterreich-Ungarns in sehr düst e r e n Farben schildert Und schließlich bemerkt,, daß K.'UIg e r e-ch t wäre, sie einen Teil der Kriegsschulden tz^Mn^zu lasten.. ... . .- Der „Eemps?iMwmtet' Ml darauf, daß die großartige Haltung der Serben während des Krieges zwar voll anerkannt werde, 'daß dies aber mit her. Lösung der österreichisch-ungarischen. Finanzprobleme nichts zu tun habe. Der im ersten Artikel zitierte Ausspruch Clemenceaus wird Nochmals angeführt und hinzugefügt, daß es denn doch n icht an geh e, daß die Nationen, die sich in das Gebiet der alten Monarchie geteilt haben, zwar die zu diesen Gebieten gehörigen Güter, nicht aber, die Steuern; und Verpflichtungen - übernehmen wollen. Die ganze Bevölkerung der Monarchie ist ver- ' antwortlich. Die Kriegsschulden seien. bis zum 30. Juni 1917 durch kaiserliches Dekret,- von da an durch vom Parlament gebilligte .Gesetze kontrahiert worden. P o l i tisch, u n d r e ch t l i ch i st d i e g a n z eBevölker n n g, .die in jenen Zeitabschnitten Oesterreich gebildet hat, für diese Anleihe v e r a n t w o r t l i ch. Nur die Schulden, Dazu kommt noch, daß die Einkünfte dieser Kriegsanleihen zum größten Teil in der Form von Ankäufen von Landesprodukten und Kriegsmaterial oder von Gehältern, die an Angehörige der jetzt befreiten Nationen gezahlt wurden, an ihren Ursprungsort zurückgekehrt sind. Der* Artikel führt schließlich als endgültigen Beweis für die Richtigkeit dieser Anschauung die feierliche Erklärung an, die die Regierungen Großbritanniens und Frankreichs am 28. März erlaffen haben, als sich die russische Sowietregierung geweigert hatte, die Schulden Rußlands, anzuerlennkn. Den österreichischen Erbftaaten müssen die Augen aufgehep. Es heißt darin bekanntlich: „Kein Prinzip kann fester sein als jenes, das bestimmt, daß jede Nation für die Handlungen ihrer Regierung verantwortlich fein soll, ohne daß diese Verantwortlichkeit durch irgendeinen Wechsel in den Machtverhältniffen a b g e schwächt werden könnte." Bei diesem Satz müssen, so sagt der Artikel, den österreichischen Erbstaaten denn doch die Augen aufgehen. Die Ersparnisse, die in den. Finanzen der alliierten oder gegenwärtig.feindlichen Länder stecken, müssen ganz oder zum Teil gerettet werden. Man kann von Frankreich nicht verlangen, daß es sich zuerst - für die Freiheit der anderen schlägt und dann noch durch den Ruin seiner Sparer belohnt wird. Dr. Renners Grenznote. Saint-Germain, 6. Juli. Nach dem „Journal" hat die Grenzbestimmungskommiffion gestern über die vom Staatskanzler Dr. Renner überreichte Grenznote beraten. Die Angelegenheit wurde den Subkommissioyen übergeben. . Italiens Forderungen. . Berlin, 6. Juli. Die „Vossische Zeitung" meldet aus Lugano: Der italienische Ministerrat beschäftigte sich am Freitag mit der Besprechung der Gebietsansprüche Italiens. Ministerpräsident Nitti teilte mit, daß Tittoni. in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der italienischen Friedensdelegätion mit den anderen. Mitgliedern der Delegation Vereinbarungen getroffen habe, nach denen alle italienischen Gebietsprobleme in den. mit Deutschösterreich abzuschließenden Friedensvertrag aufgenommeu werde» sollen. - * Der Prozeß gegen Wilhelm MA- Lebenslängliche Verbannung beantragt. Genf, 6. Juli. (Meldung der Telegraphen-Union.)' Pichon teilte am Mittwoch i« Kammerausschuß mit, daß Frankreich im Prozeß gegen Wilhelm ll. die lebenslängliche Verbannung, des. ftüheren Kaisers beantragen werde. Die deutsche RegierMg solle veranlaßr werden die private Korrespondenz Wilhelm H. seit seiner Thronbesteigung auszuliefern. Das Privatvermögen des Kaisers und seines Hauses werde in erster Linie den Schadens-, ersatzfordemngen Frankreichs, soweit sie von DeutschlanH nicht gedeckt werden, zu dienen haben. < Amerikanische Delegierte gegen die Aburteilung.^, Saint-Germqin, 6. Juli. Der Konferenzbericht^! erstattet her „Chicago Tribüne" meldet, daß die Mt-'! glieder bet amerikanischen Friedensdelegätion gestern eirrej dringende telegraphische Anfrage an den Präsidenten Wilson gerichtet hätte«, ob er tatsächlich in die Aburteilung Kaiser Wilhelms in London eiugewilligt habe^ Weder L a n s i n g noch Botschafter White wußten etwas von einer solchen Vereinbarung und können nicht glauben^ daß Wilson ihnen nicht davon Mitteilung gemacht hättet In den Kreisen der Delegation wird die Ankündigung»! daß der Kaiserin den Tower gebracht werden solle, ein neuer „Lloyd Georgeismus" bezeichnet. England leidenschaftslos. . | Rotterdam, 6. J^li. In der radikalen „Daily News" veröffentlicht Garoiner einen energischen Artikel gegen den Plan, dem früheren Deutschen Kaiser in England den Prozeß zu machen. Er schreibt, ein so großes, und in der Weltgeschichte ohne Beispiel dastehendes Ereignis müsse mit. einer möglichst ruhigen und gerechten Atmosphäre umgeben werden. Man dürfe sich nicht verleiten lassen, eine Schaustellung daraus zu machen. ES könne niemand behaupten, daß die Stimmung in EnglchnH gegenüber dem früheren Kaiser leidenschaftslos sei. ' Kein Gericht könne sich aber von dem Einfluß der allgemein««, Volksstimmung freihalten. Der Einsetzung eines außer-? halb der Parteien stehenden Gerichtshofes in einem neutralen Lande stünden zweifellos Schwierigkeiten m Wege. n'" ' / i , -VA y# Keine Anerkennung der durch hie Entscheidende Sitzung in Paris — Paris, 6. Juli. (Meldung der Agence Havas.) Per Oberste Rat der Alliierten trat Samstag nachmittags zusammen und erörterte 'die ungarische Frage. Nach einem Meinungsaustausch wurde' festgestellt, daß es unmöglich. sei, mit der Regiemng Bela Kuns Fneden zu schließen und daß andererseits die Aufrechterhaliung der Blockade notwendig sei. t Die Militärs beraten. . Saint-Germain, 6. Juli. Der Konferenzberichterstatter der „Chicago Tribüne" erfahrt, daß der Iünferrat gestern auf Drängen Clemenceaus beschlossen habe, militärische Sachverständige über die Stärke der Armee und der Artillerie Bela Kuns' und über die Anzahl der sofort gegen Ungarn verfügbaren Ententetruppen zu befragen. Hoover war bei der Sitzung anwesend und berichtete, daß die Versorgung Polens, ' der . Tschechoslowakei, der russischen Provinzen und Rumäniens durch die Ungarn behindert werde, weil alle Eisenbahnlinien in Budapest zusammenlaufen. > In der Umgebung von Wien stehen geringe französische Kräfte, weiter südlich serbische und rumänische. Nach den den Alliierten vorliegenden Berichten dürste Bela Kun 200.000 Mann zur Versüßung haben, von Regierung Bela Kuns Entente. Anfrechterhaltnng der Blockade. denen aber weniger als die Hälfte ausgerüstet ist. Er besieht etwas Artillerie, aber keine Munition. Es., wird versichert, daß Kun die Versorgung seiner Leute hauptsächlich mit Vorräten bewerkstelligt, die aus bestohlenen Hooverzügen stammen. Die Wiener Ententevertreter fordern Truppen gegen Ungarn. Die Franzosen und Amerikaner sind der Meinung, daß die b e i W i e n st e h e n d e n f r a n z ö s i s ch e n Kräfte zu schwach sind, um gegen die Ungarn marschieren zu können. Andererseits will man die Rumänen nicht loslassen, da man fürchtet, ihre Offensive, wenn sie einmal im Gäng ist, nicht mehraushalten zu können. Die Tschecho-Slowaken können nicht gegen die Ungarn aufgeboten werden, weil Bela Kün den Transp. :t der Kriegsmittel verhindert. Es heißt, daß die Möglichkeit bestehe, italienische Kavallerie gegen Kun aufzubieten. Aber die Italiener verlangen dafür Kompensationen, die Amerika nicht geben will. Der Wiener Korrespondent der „Chicago Tribüne" meldet/baß mehrere Wiener Entente-Repräsentanten in Paris dringende Vorstellungen erhoben haben, man möge endbültiA^enerMH Legen Ungarn einschreiten. Die Auslieferung eiugeleitet. Lsnbon, ü. Juli.' (Meldung Jener TelegvapHen-i .Compagnie.) Lord Curzon erklärte im Oberhanse, daß bereits Schritte für die Auslieferung des Exkaisers Wilhelm borbereitet werden. Die englische Regierung werde kein Ultimatum an Holland richten, vielnpehr sei; eine Note an die holländische Regierung geplflnt, die, üitkr Anerkennung des Ashlrechtes die Auslieferung Wilhelms mit dem Hinweis darauf, verlangt, dqß die- Alliierten als Befreier der ffeittett Nationen Anspru chauf bu Auslieferung hätten. SotvLets in Italien. ruhe« «» Florenz und Turin. — Plünderungen von Läden. Mailand, 7. Juli. .(Korr.-Bm.) Die Bewegung gegen die Lebensmittelteuerung und die SpeLuftmten hat sich auf viele Zentren I t a l-i e n s a u sg e d e h n t. In vielen- Städten kam es zu e r fisten Tumulten. In F l o r e n z haben die Umuhen auch gestern fortgedauert: in den äußeren Biertekr, wo die Truppen nicht rasch ankamen, wurden alle Läden ausgeplündert. Tumulte unh Anruhen werden auch aus Turin gemeldet, wo die Menge auf dem Markte die Verkaufsftände ängriff und viele Waren vernichtete. Dem „Avant i" zufolge haben in verschiedenen Orten der E m i l i a und Toscana und in den Marken Sowiets die Lebensmittelversorgung übernommen. Die Polen find mit dem Minoritätenschutz unzufrieden. i Lloyd George, der „böse Geist" dev Fried^rsn j Konferenz. 1 Mähr.-Ostrau, 6. Juli. (Tschecho-flow. Preß-- bmeau.) Die polnischen Blätter äußern ihre U nz u s r i e d e n h e i t mit einigen Punkten des Friedensvertrages. In der Neutralisierung der Weichsel und ihrer Nebenflüsse sehen, sie eine Verletzung der sauveränen Rechte des Reiches in wirtschaftlicher Beziehung. Ebenso sehen sie. in der Bestimmung über den Schutz der nati ona 1 e n Minderheiten eine Beschränkung der S v n o eränitütsr'e ch t e. Die Blätter setzen diese Bestinnnung auf das^ Konto, der eng lisch en- S c I c cj-a t i"o il! „Jllustrowany Kuryer Codzienny" nenilt Lloyd George den.bßsen Geijt der Entente. ,