Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 162 (1.7.1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Wien, Grmstas Die Ernährung. Der Marktbericht. Dir Beschickung der Märkte fiel gestern raotttcig&BtRßtfl schwach au-?, doch war si: etwas reichhaltiger als dies fönst. ,u Wochenbeginn der Fall ist. Ans dem N a s chin a r i f kamen nuge'ähr 400 Stück lebende H ü lr n c c ^uu Preise natt ZI Ä'coucn jilu ' ax-amm Lebendgewicht zum Brrtam. Die Zurveisüug an i r s ch e n seilen-? der Bertei.'uugc-strlle fiel _ auch ,fff).Ott. , nnstiger ans. Zur B.'riügung standen gestern auf dem Raftb--- ntarkt ü^er 1! .000 Kiiogv.innn, die gnm.P reffe von K 8.20 für das Ailograiiim verlaust wurden, aber noch lange nicht zur Deckung des Bedarfes reichten. Auf den F i f ch'ni ä rite n gab es kleine Mengen frischer Teen'che. o-arrurier auch Ka'elf.nl das Äi'ogramrn zu K. 10.30. Dagegen bat gestern die Beschi knng. der G roßmarsttballe g ä n z l i di v e r s a g t.' Fleisch oder^Dnrstwaren lvaren nicht erliäck.ich. H nie durfte enra> Schaflsts-H geben. Die G e in ü s r s e n j n u g e n lre.'nr schwächer - cfä' ans den Bvrtagen ans. der Z-ba.-f - kannte jedoch nach auf alten tAärUen. gedeckt werden... ... . . Aus dein Aa'chiunickt laur noch ein kleiner Nest Eier -um Berkanie. aus acke» anderen Märkten waren Eier nicht erhällich. - ' Der Getreid?- rmd Mehleinlanf. Vom dcuckchöst-nrnchu'chen Staatsamt iür VolkeenMrung wird verlaukddrt: An Getreide und Mehl find mit Entertkesrndungrn nr Deutsch Österreich em gelang:: - Am 28. Iunr . . 20 Tonnen Getreide — 18 Tonnen Mehl icrncr ... . . 1771 '" , zufammen 1789 Tonnen Mehl. - Am 29. Jum . ..... .'. . . i 304 Tonnen.Meßl Emlanf feil 1. Inm An 29 Tageni zusammen 43.l §4 Tonnen Mehl. ' " Derzeitiger Tagesbedarf 1716 Tonnen Mehl. - - BicrNrsrserhöhung. . - In der heutigeu Sitzung des Stadtrates berichtete Bize-- dü'.gcrmeister Emmerling über die Erhöhung des' Biervreise-? des städtischen Brauhauses und stellte den Äistrag. den Bierpreis des Brauhauses ab 1.- Juli d. I. mit Kk. 143 iür den Hektoliter zu üernchsün. 'Ans Grund dieses Preises gelangt in Hinkunft vec halbe Liter lichtes Bier mit $L 1.16 und der halbe Liter dunkles Bier mit K. 1.26 zum Ausschank. Der Antrag wurde angenommen. Südslawische Lebensmittelhilfe. EierauS gabe kür alle mit AnöweStarlen versehenen Bezugsberechtigtm,Fichtegasse 1. Du Nmnmrrn 1 bis 1500 am Mittwoch den 2. Jpli und von 1501 und Wecker am Donnerstag den 3. Just von * tt f) t fr ü h b i v 12 U f) v iü 111 ö ß s. KäctoffelabgabL. Diens tag bis Donnerstag werden im 1., 6., 7., 18. und 19. Bezirk Kartoffeln, mtd-. zwar l Kilogramm für den Kops gegen Abtrennung de? Abichniltes U der Da.ckofsclkartc abgegeben. . > Mitteilungen der „Rohö". Aktion „Hilf dir sclbst", DII.. Westbahnst raste 3l. Verkauf morgen Dtenstag von 9 bis 12 Uhr und von 2 bis 4 Uhr von Damenhemden. S'.robmcken, Samt, B-.nchenr, Kvpfpölster.- Laust, Mollmo und AnZreibtüchcr. ' . Bühne und Kunst. Jury und Künstleretend. Eine Protestauostellung. An einem der schönsten Punkte Wiecks, im Neuerschlossenen Kaiser garten (um dessentwillen allein es sich schon lohnt, dorthin zu gehen), ist eine Ausstellung zu sehen, die sich von anderen nicht viel unterscheidet. Das AnZstellungslvkal ist tv-ohl ungewöhnlich, man wandelt ans gekiestem Gartenboden in einer hohen oilashalle und im Nebenraum träumen schweigende Palmen ihre afrikanischen Sonnenträume; aber d.ie Bilder sind wie andere Bilder auch; gute,' schlechte itffd besonders schlechte. Erst wenn man den Kätalpg. öf'fuet und eine Broschüre zu lesen beginnt, die denk Eintretenden in die Hand gedrückt wird-, schlägt einem ans leidenschaftlichen Worten eine Wells von Empörung und Auflehnung entgegen. Was soll der Aufschrei! Dje Zurückgetvicscnen beklagen sich. Es wird wieder einmal gegen die Jurys Sturm gescrufen, gegen die Cliquenwirtschaft im Künstlerhaus und in der Sezession, es wird niedriger gehängt^ und protestiert. Der imdesangene Beurteiler stutzt. Ist dort wirklich alles zmn Schlimmsten bestellt? Man weiß, daß Juroren nicht ittrmer-von salomonischer Gerechtigkeit beseelt sind und ihre eigenen Interessen wie' di« ihres Klüngels wohl zu wahren wissen. Die Vorschläge, die da zur . Beseitigung der Mißstände von den Künstlern ausgehen, sind so übel nicht. Aber ebensogut weiß man, daß auch in anderen Ausstellungsräumen Wiens gute Kunstwerke zu sehen sind und daß die Schaustellung in jenen beiden Lokalen einem Werke noch lange nicht den Stempel der Meisterschaft aufdrückt. Ja,-ein Chor von Mißverginigien wird sogar ausrufen: Im Gegenteil! So bliebe also, wenn eine künstlerische' Benachteiligung nicht uorliegt, die geschäftliche Seite übrig. Aber hier kann der schlichte Ausstellungsbesucher nicht mehr mittnn. Er wagt es nie, die vielnulligen Verkaufspreise von Kunstwerken ins Auge zu fassen und sieht, ins Merkantile iibersetzt, jetzt folgende Situation vor sich: Eine Anzahl von Kunstlieferanten hat ihreWäks beim Kimstverschleißer nicht zum Verkauf auSlegen können. Da gingen sie hin und gründeten untrrProtest' -'inen eig.'nc'u Kunstvecschleiß. Und in abermals - zehn Z"l,reu u-icd sich von diesem Unternehmen grollend '!>! Iieurs ai'ilmllc'n. Das ist der Weg der Entwick«- luiig und ProrestanssteUnngen wird es immer wieort., g.'ben^ ' Aun Nck'ndrt man sich der Ausstellung zu,, um zu erfahren, was jene Unterdrücker denn -fd böswillig A " T"“ ...—--'.. ..... zur' RÄHmlÄsigkeii^ verLammt haben. Utid stthe" da! Män findet eine Reihe sehr wohlbekannter Narnen, denen man des' öfterrin auch in jenen als exklussv gebrandmarkten Vereinigungen begegnet ist.. Man erinnert sich beispielsweise, den Verfasser der kampffrendsgen .Broschüre, den hochbegabten Gustinus Am- H Pv fi, nsit einer weit reichhaltigeren Koltöktion in der Sezession vertreten gesehen zu haben, als sie hier zu-erblicken ist. Man sieh^ hinwiederum Ausstellungsstücke. bei deren Anblick mau jenem Juror warmfühlmd hie Hand drücken möchte. Denn er hat wohl getan und Vergessenheit sei Mach seinem Wunsche über diese Missetaten'gübrerkst'!-^'--^^ ' - So bleibt--nach Erledigung des Polemischen, Betrachtung der Jurys, die durchaus nicht allein am Küust'lerekend -schuld sind (hier wären tiefgreifende soziale Klagen artzuschneiden) und des Elends, das nicht -immer ein Künstler elend ist, die Bertiesuug in disdarcelwi-en.M Leistungen übrig. An hervorstechenden Jn'Dvidnäli'äte-r herrscht "Mangel. Ambrosi mit seinen von Meist -und -Leidenschaft erfüllten Plastiken hominiertr Von Gelle'K, dem Leiter der Protestaktion, stammt eine reizvolle Kinderstudie und ein schön bewegter Marmorakt ,'Mblüht". Malva Schalek zeigt sich als geistvolle Porträtistin, Walter Fraenicl trägt mUtelalterlich? HandlverksfreuL« -in seine liebevoll gepinsetten BUdnisio'.'-Sime Heiligen drei Könige gehören zünden besten Stücken der Ausstellung. AlfredWaagn or studiert Knabenakie, -ohne. sie kompositorisch zu b> frl«digenöet Wirkung zu bringen: Tvm D.regcr hat mit dem: Melspradikat nicht, zugleich die. Vorliebe für hochgestellte 'Ptvfö ul ich Zeiten abgelegt. Jsabella M i i nlicz bringt ruelrr Bildnisse, alssie mit Individualität erfüllen kauni Hübsch sind Veduten der Elisabeth Jung und Holz'schnitt<f.uon Klara S u l z e r. Auch P e n b I. Und M a ß m UN n zeigen Zurückgewiesenes. ' Hermann Kosel hat Porträts von feiner Arbeit, aber , allzu uichissageuder Farbenwirkung. ausgestellt. Dann gibt es( noch harmlose StillcbeN und Genreszeneu wie in her besten alten Zeit' und Bildhauerisches ähnlichen Schlages. , Im Resü«e?.: Die gute Wsicht. „der freien Kunst in der freien Gesellschaft freie Entwicklungzu schaffen", ist ein lobenswertes Beginnen^ - Wer der Gedanke ist nicht neu, die Heftigkeit seiner Verteidiger scheint überspannt undihre Beweise haben nichts Schlagendes. Was aber organisatorisch geleistet-wurde, verdient alle Anerkenriung und wird den - Veranstaltern hoffentlich arrch die erstrebte Selbständigkeit und volle Befri-ediglylg.'ihrer Wünsche bringen.- . ' -—l. VerangZkvnzertr. Ignaz Ä ö.r n e r hat sich in kurzer Zeit eine große Zahl-von Anhängern erworben, die an den: strebsamen. Säuger Pas schöne Material und die. Jrmigkeit des.^ortcags fchätzen. -Seine sympathisch-- weiche Tenor-' fckinme kllngt in der Leckage 'ganz' versührerisch und den leflen Borbildern ebenbürtig. Die Löhe erschien im letzten Kobzeet zkr wenig gedeckt , und her Uebergangzn ihr nicht recht ausgeglichen, was aber auf Indisposition zürückgehen mag. Jedenfalls zeigte er mit einem schön gewähltem Programm an 'Liederll und' Arien, baß' er als Kon'zert'Snger sein« Beliebtheit' rechtfertigt und auch ans der Bühne' Erfolge -finden' mußte.-Hoffentlich findet sich nicht zu spät der Kenner, der. dem Künstler zu einem eutspr:chsnd-;n Wirkungskreis verhilft und ihn die bisher geleistete wertbo.l.e Arbeit an sich sslbst Veriverten läßt. Ein ernst zn nehncenber Sänger, den Bie-Liebe zur Kunst sich der Bühne zuwende-r läßt, ist Mche F s l i x. In einer Opernvorstellung seiner diamaUschen. Lehrerin iyr Bürgertheater und bei einem Wohltätigteüstonzert lernte man ihn als wohsgeschulten Vrrtret'er de?- Bt!' 'tzants kennen, dein sich eine aüSsich'ts- Pich« Bii"n u ä'rie^e eröffnen dürfte. m. , Ass de» Theater;>ii btt jü e u c« W i t ne c Ä ühn e beginnt heute mtfu O v S t ü. lhrGntt'pielin Ltrindbergs „K a m e r a d e n". Dre Vorstellung wird Mittwoch den S.'-Jnlr micdecholt. -DounerS» w.S ' den 8. Jnü jpiett dre. Ltimstlerm..die Luln in WcdekindS ,.E ' d g e i U". . . . KsmSVienhaus. Mi'twoch den 2. Iuü. abends '/«7 Uhr. geht dte von Herrn Oderregistem Egon Brecher mszenierte lLomöd.eck.Der Kön g des Lcoenö" von Fritz L ö h n e r und Bckuw W a r d e n mit Harry D a l b e n vom Burgtheater als Oskar W'ld' m Sun?. Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß bieie VorsteÜung um *lt7 ttyr btg-nnr. Bolü»lro«zert in allen Bezirken Wiens. Wie wir ertabren, besteht die Absicht, in allen Wiener Bezirken OrchesterkonzerlefürsasBolk zu veranstalten. Es' schweben Berhandlungen mit der Gemeinde, das T o nk ü u st l e r- und -K o n z e r t v e r e l n S o r ch e st e r zu subvemromeren. Die Subventlomenrng dürfte wahrscheinlich in der Form erfolgen, dalr du Stadt Wien »in wirküche Volks k o n z-e r r e-m den peripheren Bezirken, ru denen du Zuirttr gegen em 'ganz.-ermgeS Entgelt möglich sein - lost. Heide ^icheherkarper. ,ür eine bestimmte Anzahl von Konzerten - mgagmen wird. Jüdische rhentrraufsirhrnng zugunsten einer ^rihLiLkiotheil im XL. Bezirk., tu Theülerporsteüilna van Pe/ez^rr chb.e?up >L,u.-Rttvrjst"- Gc.stfpnlder Jüdilchen Bühne) f andet T onutistag den 1Ü. Int!,- ,/sS Ut)i abends, hu Wiener Bürger' »hegrer stalr. .Du arlvslenKmten kvvilm gegen neue nmgrtaiischt weiden. Restliche Kauen sind noch z» haben an den Tageskassen des W.rner BürgeUheatcrs, m der Luchhandlnng R. Löwil, l. Rotentuunst-ahe 23. in den Thealerkartenlnireans, U., Taborstraste 5, Lchinelzgasse 7. XX., Wallenstemstraße 21. und >m Sekretariat d:r Zionistischen Scttion, XX., Karl Meißelstraße 5/1. Volk und Land. Heft 23/23 der von Tav-s Triersch' hcrausgegebenen Wochenschnit enthält den vollständig n Abdruck der ans der PaiMmamgung aelMenrn Referate von Doktor A. H a n r k e, DaviS T r i e t s ch, Hauö G o S 1 a r. Baerw a l d und < Z1 o c i ft i nrb't emem einleitenden Aufsatz deS HemnSgrbers. Die wohlbeknunten grünen Hefte dieser ZeMchrisl bringen stt»S d-'.S WistenSwenestr ant deni Gebiete der PoliM. ' Wirtschist un.s "m-.b«». Preis der Topp imlnmt-'r K8.> Zu k-rzi-b-,' ' 1 ".} -b''mdlnng R. Löw . . ''m ip wr«stratze t ... « 1. JuN 1919 Nr. m Sport. Halloäh Komb.—Liga 9 : 0 (5 : Q). Eine kombiniert'' Hakvcchmannschaft hatte Sonntag Liga zu Gaste. In den Reihe« der. Hakoah war nach einjähriger Pause, zum ersten Male med« Egon Iuhn tätig, der. infolge einer Knieverletmug so lange pausieren wußte. Sein erstes Auftreten war ein voller Erfolg. Er gab iiil Verein mit Ali und Rosenthal, die wie in ihren best« Zeiten spielten, emen ausgezeichneten rechten Flügel ab. Am lmke« Flügel war der Nachwuchs durch . Hans Weist und Bauemtzeun» uoilcilfmti vertreten. Mittelläufer sprelte Kurt Juhn, der das Wettspiel von der komiicheu Seite — die Gegner waren recht schwach — betrachtete. In die Treffetchren;teilten sich die Stürmer mü Rußdaum, der einmal aus der Verteidigung einen Ausflug nach vor-ne unternahm. Hocker-wettspiel. Das letzte Meisterschaftsspiel da Hakoäh gegen die Lehrer-Sportvereinigung endete 2 : 2. Der Stant bei Halbzeit war 1:1. Von den Hokoahnern zeichneten sich Karß und Wertheimer besonders aus. Die Tore der Hakoah erzielten Kurzmann und,ein Verteidiger der Lehrer. Intern«?ttonales leichtathLetifches Meeting dttl M. A..C. Am kommenden Sonntag bringt der W. A. C. auf femem Sporwlay ein internationales Meeting zur AuStragMg» an avelchem sich die besten MiinchenerLeichtathleten beteiligen werdem Die Gäste werden unter anderem beide Stafetten bestreiten. . . Spas EupenLscheidungsspiel zwischen Rapid und Spow klnb kommt Sonntag an? dem W. A. F.-Platz in Hütteldorf zw Austragung. .Für die übrigen Vereine besteht Spielverbot. ' Hakoahnev nehmen am 24. und 26. August an eineüN Sportfest, das der Münchener Turn- und Sportverein 'veranstaltet, teil. Am Sonntag finden leichtathletische, am Montag tnrnerrsche Wettbewerbe statt. Auf dem Programm stehen sehz interessante Konkurrenzen, unter anderem ein S e ch s k a m p ß destehrnd aus 100, 800 Meter-Laus, Hochsprnng, WeitsprunL Kugelstoßen, Schlagballweitwurf, weiters eine olympische Stafette CSOO -h 400 4- 200 +100 Meter), ferner ein Jugenddreikampj (50 Ä)keter-Lauf, Weitsprung und Kugelstoßen). Hakoah. Heute nm 8 Uhr abends KlubleitungssttzMA.! IMZMGZL Ameifllsai Telegramtne und Briefe (En^lisb) . befördert »Amerikaner Gross«, CafÖ Weiss, Taborstrasse] •jeden Tag von 10 bis 4 Uhr nachmittags. iss* * / f in allen Preislagen. Revaratmm, unter Garantie. Farbbänder sü, alle Systeme, erstklassiges Material, Leop. Kurzer, Wien, Uli., Westbahnstraße 23. Telephon 31537. _ 88 GerichtssML. Eine^ Kaffationsverhandlnng beim Obersten^ Gerichtshof ohne Arteil. « Zum erstenmal hatte sich gestern beim Obersten Gerichts-^ Hofe' (Vorsitzender Hosrat S p a t h) in einem Strasfalle ereignet, daß in die Verhandlung e i n g e g a ng e n wurde, trotzdem die Z u st e l l u n g an. die Angeklagte, beziehungoweise an den Verterdiger -nicht a u s g e w i e s e n wurde. Nach längerer nichlöffentlicher Beratung beschloß der Gerichtshof,- die Verhandlung durch z u f ü h r e n. Der Vorsitzende bemerkte nach Schluß der durchgeführten Verhandlung, daß eine Urte ils Verkündigung nicht stattfinden werde. Sollte es sich erweisen, daß die Zustellung rechtzeitig in den Besitz der. Angeklagten gelangt sek. so werde das Urterl dann verkündet werden; sollte, es aber festgestellt werden, daß die Zustellung der Angeklagten nicht rechtzeitig übergebe« worden sei, so werde eine neue Verhandlung anberäumt werden. — In der Sache handelte es sich um folgende« Tatbestand: Das 18jährige Dienstmädchen Marie Hut t e r ct in Graz batte im Dezember v. I. em uneheliches Kmd gedorenj Da sie gar keine Mittel besaß mid mit dem Kinde nichts anzusangen mußte, fuhr sie m ihre Heimat nach Fürstenfeld zu ihre« Eltern und bat sie, das Kind bei sich zu behalten. Dm Mutter wie« ihr Ansuchen ab, „well sie selbst in größter Not lebten , der Vater' sprach überhaupt nichts mit ihr. Marie Hutterer beschloß nun nach - Graz zurückzukehrcu. Ehe sie die Fahrt antrat, nahm sie das Kind, das ungefähr 14 Tage alt war undlegte e8 tu dev Hauerin üble auf ein Faß. das in einem der Magazme stand. Rehen das Kind legte sie ein Bündel Kind.erwäsche und entfernte sich. Die Anklage lautete auf Verbrechen der Kindesweglegung. Das Grazer Landesgericht fällte einen Freispruch, weil die Angeklagte mit Recht annahm, daß das Kind w.a b rg e n o mmen werden müsse. Denn der Platz, .den bte Angeklagte wählte, war Mu versteckter, sondern ein viel betretener. Tatsächlich wurde das Kiud schon nach kurzer Zeit von dem stlcüblenverwatter wahrgenommen^ Der- Vertreter der Generalstaatsanwaltfchaft, der die von der.Staatsanwaltschaft eingebrachte Nichtigkeitsbeschwerde vertrat, ' beantragte die Stattgebung derselben. Das Gericht habe die Begriffe «wahrgenommen* und «gerettet" verwechselt. Die Angeklagte habe das Kind.weggelegt und sich entfernt, es also dem Z « f a l l e preisgeßeben. Straffrei hatte sie nur dann ausgehen können, wenn sie sich Überzeugt hätte, daß das Kind auch gerettet worden sei; nm die R e t t u n g handle es sich und nicht nm die bloße Wahrnehmung. „Volkswehrmann Lindner". Ein Raubarrfall im Tchlicktpark. Der 33jährige Schriftenmaler Anton- P r a f ch i n g e v stand gestem vor dem Schtvnrgerichto unter denk Vorsitze des Obsrlaudesgerichtsrates Dr. P r e t t e n h o f e r weae»l V e rb r-e ch.« n S des Raubes. Dem Beschnldigteil legr die Anklage falgondes zur Last: . j - Ungefähr acht Tage vor Ostern dieses Jahres wurde diel Hausbesorgerin Therese Plicka in der Rentorgasse vom Praschikrger angesproche,t und gefragt, ob sie 28 5kilo Zuckers nm 800 Kronen kaufen wolle; Sie griff selbstverständlich zu und führte den Praschingcr, der sich als ,',Bolkswehvmann Lindner" Vvrjtellte, zu sich in die Wohnung, dork übergab sie auf Weisuiig des Fremden ihrem 16jährigeni Sohne Heinrich drei Hundertkronennoten und ein e Decke zum Einpacken. -Rach einer halben Stunde kehrte Heinrich. P l t cka weinend zurück und erzählte, sein Begleiter habe ihn unterwegs -im Schlickpark überfallen, iym die Decke über d en! K^o p f g e w o r fe n. und ihn derart gewürgt, daß er bewusstlos wurde. Als er wieder zu stch kam, fehlten,aus' seiner Rocktasche die. 800 Kronen. Am 16, Maj nachmittags! sah Frau P'icka den angeblichen Bolkswehrmann in Begleitn»g einer. Frauensperson durch hie Neutorgasse, gehen- »mb zieß ihn verhaften. - ,; Die Geschwvrm'n bejahlen nach ‘ru--rfvn,'ii';v(',m Buveis-j verfahren die Schnldsrage, n>o - ni c- . Angeklagten Anton Präs ck i n g -? r n ij cij iu ere» Äe r ktz.i^ü verurleüte.