Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 162 (1.7.1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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; Seite 4 /Men, Dienstag; PolitischeRundschau. Gegen die Diktatur einer Klasse. .. Wie fcficm gemeldet, tagte am Sonntag in Wien eine Versaunnlung von B a u e r n x ii t e n, su bcc anß:r 300 Delegierten an 10.000 Bauern aus der Provinz nach Wien berufen morden waren. Bor diesem Auditorium wurden von den Agl.arier-- sühreru verschiedene Referate erstattet. Der Abg. JJ w c tzbacher sagte unter anderem: Durch Zufall fügt es . sich, daß morgen der Reichsarbeiterrat Zusammentritt. Wir sind keine Gegner des Rates y'st cm s, sondern wollen es wirksanr in die Verfassung einsügen, aber eine R ä t e d i k t a t u i* wird niemals * ber d i e K ö p f e d c r B a u e r n s ch a f t g e b i l d e t werden können.. Die Dauern stehen heute Gewehrbei Fuß, sollte der Versuch einer einseitigen Proletarierherrschast über ne gemacht werden, so erklären sie schon heute: Wir müssen nicht bei Wien sein und nicht unter allen Umständen bei Wien bleiben. ^, Unterstaatssekretär Dr. Waiß führte aus: Unsere Stimmung i st ein offenes Bekenntnis zum neuen Staat und zur d e m okratischen Republik, ober ein ebenso energischer Protest gegen jedeDiktatur e i n e r K l a s s e, ob rechts oder links. Zum stürmischen Protest gegen die aNgedrohte Diktatur des Proletariats kommen Empörung und Erbitterung gegen den G e w a l t f ri e d e n. Für uns ist seine glatte Ablehnung ein Gebot der E h r e n h a f t i g k e i t, da wir Verpflichtungen übernehmen, von denen wir wissen, daß sie unerfüllbar sind. Unter denselben hat unser Staatswesen gar keine Aussicht, von seiner Selbständigkeit Gebrauch machen, zu können. Was haben wir von einer Selbständigkeit, wo die Existenzmöglichkeit fehlt? _ Die Lage in Kleinasien. Ter Pariser Korrespondent des „Manchester Guardian" schreibt über die Lage in Kleinasien: j?" Von den Türken und Persern abgesehen, von denen niemand Notiz nimmt, sind sechs Bewerber um Teile des alten türkischen Gebietes: Großbritannien, Frankreich, Italien, Griechenland, die Hedschas-Araber und die Armenier. Alle vier europäischen Mächte, ebenso wie die Araber, haben schon einen mehr oder weniger festen Stützpunkt: Unsere Position in Mesopotamien und Palästina ist sicher. Griechenland ist in Smyrna und wird dort wahrscheinlich bleiben. Italien erhält zweifellos einen Teil des Küstenlandes. Frankreich möchte ein Mandat für Syrien; aber für wie viel davon, wird sich zeigen. Der Emir Feisul erhebt Forderungen, die den französischen widerstreiten; er/hat jüngst einige Aufsehen erregende Bemerkungen gemacht, :mit welchen die arabischen Ansprüche in der Tat sehr weitgehend formuliert wurden. In der Gegend von Alexandrette kollidieren die französischen Forderungen zum Teil mit denen von Armenien, das zur Küste gelangen und den Hafen von Alexandrette, wenn nicht Alexandrette selbst, mit einbeziehen möchte. Was Konstantinopel betrifft, düstre es internationalisiert, werden, falls — wie wahrscheinlich — die Amerikaner das Mandat dafür ablehnen, während der unglückliche Sultan nach Brussa käme, um dort unter der Aegide einer fremden Macht eine geminderte Souveränität über Anatolien auszuüben. Indessen mag die britische Regierung ihre besonderen Gesichtspunkte haben, welche auf der Politik einer Versöhnung der mohammedanischen Melt beruhen. Es giballerlei Komplikationen, geheime Abmachungen, Zwistigkeiten und Eifersüchteleien, auf die man jetzt nicht näher eingehen kann. Kleinasien wird ein großartiges Ausbentungsfeld für die altruistischen Financies von Europa sein. Der Kampf zwischen diesen rivalisierenoen Altruisten und den sie beschützenden Regierungen verspricht ein sehr lebendiger zu werden. Wenn die Diktatoren in Paris eine gerechte und anständige Gestaltung des türkischen Reiches zustande- Lringen, werden sie ein Wunder vollbracht haben. dende, Lebensbejahende ist hier Geist, das ans dem Volke heraus sich kundgebende, durch schöpferische Tatenlust und welterfassenden Freudenrausch im Kunstwerke sich verwirklichende Ur-Jch. Des jüdischen Volkes Geist aber wird erst; er wird aus dem Chaos und dem Ringen zwischen den Mächten des Urjüdisch-Völkischen mit dem Weltgeist gegohren. Die beiden Bücher Samuelis warten noch immer ihres buhnengestaltenden Künders. Das neue jüdische Drama also, das, vorauseitend, den Schleier der dichterischen Offenbarung' von dieser in statu uaseenäi aufglimmenden Gottheitsidee, der kristallwerdenden Volksseele, zu zerren wähnte, muß an der unfaßbaren Jnkommensurabilität zwischen der eigenen Schwungkraft im Bereiche der dramatischen '„Wirklichkeit" und der seherisch gestaltenden Idee, dem sich verwirklichenden Votks-Jch, als Bühnenwerk vollständig scheitern. v.> Dies alles in gedrängter Fassung als Wiederholung dessen, was in der allgemeinen Einstellung der Kritik zum modernen jüdischen Drama seit jeher als atterwichtigste und jeglicher landläufig-breitspurigen Schulmeisterüberlieferung vom Grund aus zuwiderlaufende theoretische Voraussetzung erscheinen sollte. Bon hier aus gewinnt man bereits einen klaren Begriff von den geistig-seelischen Zusammenhängen im künstlerischen Schaffen des modernen jüdischen Lyrikers. Hier sei noch einmal wiederholt: Perez Hirschibeins Bühnendichtungen sind im Sinne dieser Konzeption keine lyrischen Dramen; sie find bloß dramatisierte Lyrik. Was aber bei diesem echten Dichter auf einen natürlichen Schaffsnskonflikt, folgern läßt,, dessen Wurzeln zu tiefst ins Wesen der jüdischen Volksrragik hineinragen,-trisst vollinhaltlich auf die gesamte 1 u-msildische Dichtung zu. Perez Hirschb/u nun; inner den jüdischen Volksdich lern unserer Gener.r>tivu derjenige, der cs als erster Wiener Morgenzeitung Intensivere Lebensmittelversorgung Wiens. Amerikanische Transporte über Agram. Agram, 29. Juni. (Korr.-Bur.) Wie die Agramer Blätter melden, organisiert die amerikanische Vertretung in Agram den Lebensmitteltransport nach Wien, den sie intensiverausge st alten will. Die ersten Transporte sollen bereits in den nächsten Tagen von A g r a m abgehen. ‘ f Neue Pogrome in Lemberg. Lemberg, 29. Juni. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Das „Lemberger Tag-latt" meldet: Seit drei Tagen wüten in Lemberg neue heftige Exzesse gegen die Juden. Geschäfte werden a u s g e r a u b t, jüdische Passanten werden überfallen und ihnen die Barte ausgerissen oder abgeschnitten. Besonders am Bahnhof werden die Juden beschimpft und geprügelt. Einem Inden wurde am Bahnhof beim Bartabschneid en ein StüÄ Fleisch herausgeschnitten, worauf der Täter noch 2V Kronen „zur Belohnung für die Mühe" verlangte. Die Behörden stehen dem Treiben ganz passiv gegenüber und ergreifen keine Maßnahmen zum Schuh der Jude«. Die galizischen Flüchtlinge in der Tschecho- Slowakei. Prag, 30. Juni. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Der/letzten Sitzung der Nationalversammlung lag die Antwort des Ministers des Innern auf die Anfrage des Abgeordneten Nohel und Gen. bezüglich d er . Au s w ei s n n g d er galizischen Flüchtlinge vor. Der Minister.hebt darin hervor, daß die Verkehrsschwierigkeiten bisher audauern, so daß nicht einmal.die Fl üch t hi n ge au s der Ukraine, die in einem Lager in Mähren nutergebracht sind, abtransportiert werden konnten, obwohl sie selbst den Transport in die Heimat verlangen. Hierzu kommen gegenwärtig' noch die durch die/Abstempelung und Ausfuhr der Banknoten; der Effekten' und die Paßvvrschriften. etttstandenen Schwierigkeiten^. Nichts!-^ destoweniger kehren, einzelne jüdische FlüchEnge in ihre Heimat zurück; so sind im Lause der. Monate, März und April einige Humd.ert .Flüchtlin ge aus Mähren abgegangen. UMrds.es sinh Transporte saüs B u d w e i s, B r a u n a u und Eg e r vorbereitet,- die; ehestens abgehen 'werden. Im Jänner wird den politischen Landesverwaltungen ausgetragen werden, alle Flüchtlinge, die: arbeitsscheu oder arbeitslos sind, die keine.Einkünfte haben oder der öffentlichen Wohltätigkeit zur Last fallen, schließlich jene Flüchtlinge,-die sich eines Verbrechens schuldig gemacht haben oder aus irgend welchen Gründen v e r d ä ch t i g sind, unverzüglich aus dem Gebiete des tschecho-slowakischen Staates a u szuweisen. Die Negierung widme der Repartierung der galizischen Flüchtlinge stete Aufmerksamkeit - und werde es nicht unterlassen, sofort alles zu veranlassen, was zu ihrer Absendung in die Heimat notwendig ist, sobald die Verhältnisse es gestatten. .//:>:P/ verstand, das Weltgefühl in romantischer Prägung in die jüdische Lyrik hineinzuweben., Und es ist höchst bezeichnend, daß der sonst so fruchtbare und vielseitige Dichtergeist, der an manchem Erlebnis-„kränkelte", zu allerletzt in einem einzigen, auch, der Außenform nach ausgesprochen'lyrischen Gedichtbuch zu Worte kommt: wohlgemerkt, in seinem letzten Buch. Aus all dem, was hier über die ideellen-Beziehungen, den künstlerisch-' geistigen Zusammenhang zwischen dem „Dramatiker" und dem „Lyriker" gesagt würde, folgt klar und - unzweideutig, daß er kein zufällig Verirrter im Reich des Dramas ist; er bleibt nur seiner 'geistigen dich'-- terischen Individualität stets treu. Welchen dichterischen Typus stellt' der- Lyriker. Hirschbein dar? * f / ' / 1 * Es gibt einen zeitgenössischen Toten, der in seinem innersten Wesen, als Seher/Hirschbein eng;verbrüdert, ist: den Nordländer Sigbjverne Ob stfelder.' Dieser ist, wie er ist: nur Dichter. Wenn man Hirschbeins heute so „fremden", durch das Welt-Tohuwabohu gleichsam lebensfremd anmutenden Bekenntnisalmanach, von ihm „Mein Buch" genannt, zur Hand nimmt und in den von zarttöniger Eingehung seiner sonnigen, verklärten Weltkinbsseele entworfenen Stimmungszeichnungen, den weltsehnsüchtigen Bilderbögen aus dem Alltag, den Märchen, Impressionen und Aufzeichnungen blättert, begegnet man Schritt für Schritt den aus Obstfelöers utopisch-verträumter Lebensbeichte so wohlvertrauten'Gesichten: Der in stillet/ Wehklage der GroßstadtemsamLa zlir Ewigkeit. entstchwebenden , und. züÄck - zu ‘ Keuschen. sich hetabneigenden, die dunklen Weltmetropolengäsichen heimsuchenden u n str l l b a r e n Sehn s-u ch' t nach dem Leben, das ist. dM Volke, das. Geist geworden, dem Menschen. bcu in Uott wird... -. /, " , I. Juli 1919 . Nr. 162? irr/-.. ’ -- ■ — '■■■' - ■., Telegramme; ■ Mlson abgererst.H^^ . Brest, - 30. Juni. (Korr.-Bur.) Präsident Wilson ist gestern an Bord des „George Washington", nach Amerika abgerei st. '' - .";,;, Dev Zehnerrat stellt den Vertrag für Deutschs österreich fertig. * ' ' ■ ' - Paris, 29. Juni. (Korr.-Bur.) - „C h i c a g o Tribüne" hört, daß der Zeh n e trat, dessen amerikanische Mitglieder L a n s i n g und der Bot//s' schaftec White, nicht aber Oberst House seien, noch heute die fehlen de n Klauseln de s.' öfterreichis chenVertrag es fertigstellen werde. Allerdings fürchte man, daß die gestem angc«' - kommene neue italienische D e! e g a t i o n' verschiedene einschneidende A e n d e r u n g e n verlangen werde, die möglicherweise sogar jene Teile des Vertrages betreffen, die am 2. Juni überreick)t würden; - Ein Fünferrat an Stelle desZehnerrates. j. Paris, 30. Juni. Dcr „Teinps" meldet, bas; entgegen den bisherigen Absichten nicht d e r Z e h n e r r a t, sondern , . ein Fünferrckr die Führung der Konferenzarbeiten in die'- Hand nehmen wird. Diesen! Rat tverden C l e in e n c e a n," '' Lansir'ttg, Balfonr, -Trttonr und Makino ange-:- ' hören.-Die erste Sitzung wird wahrscheinlich Diensta.g». . nachmittags stattsindcn. Zunächst wird das Programm' der nächsten Arbeiten'fest'gestem-werden, die insbesondere die Vollendung hes österreichischen Vertrages unddie - •: Änsarbsituilg der Verträge mit-Ungarn, Bulgarien und der,,/ Türkei umfassen werden,'.. . I Gratulationen unv Ansprache». London» 29. Juni. -lKorr.-Bm.) L l o.y - Georg« - imd die Frndensdelegierten sind heute abens i n L o n d o-n.... e i n g e t r o f f e n. Sie wurden auf dem Bahnhof vom "J Kon i.g und den Mitgliedern des Kabinetts begrüßt. In Downing Street hielt Lloyd George eine A n- ,. s p rache an die Meu^e, in der ec das Volk ausforderte, sich - d e s. S i;c ß c 6 nicht im Geiste der Prahlerei, sondern im G ei st e de r Eh r f ur ch t zu freuen. - Der König von Spanien' hat dem König von England. gratuliert Der König von England hat Poincar« gratuliert. Der Aükado hat dem König von England gratuliert Sine deutschösterreichische Note gegen jugo«! slawische Gewalttaten. ■ : Sakitt-Germain, 30. Juni.' (Korr.-Bur.). Die deutsch-i- - österreichische Delegation hat an den Obersten Rat 'einei l/ Note gerichtet, welche sich auf die Verhältnisse in @übftetei> / mark nnb; Kärnten bezieht. Der Protest betrifft das geweilt- / tätige Vorgehen der jügostawischen' Okküpationstruppett, die / fortwährenden" V e r h asitu n g'ö'n,; deren Opfer '-auch zahl- " ' reiche'Dr-ane-n -sind,- Fälle/.öon Raub,- Plünderung, muv</ willig^'Zerstörung uüd Ve'r.gewaltig'nng -.sowie bre./ barbarischen Strafen gegen den Gebrauch der - deuiWst/-^-' Sprache'. Die Friedensdelegation 'hat neuerlich der Erwartung'und.dem Vertrauen Ausdruck gegeben, Paß >die Anfvrdg-: ' rnngen' der Menschlichkeit und Gerechtigkeit durch: das kätkräftige Einschreiten der Großmächte werden zur Geltung. - gebracht werden. "/"-•. : ' i. ,j../ Die amerikanische Delegation beim Völkerbunb. Genf, 30. Juni. (Tel. der „Wr. Morgeuzig.*) Oberst H o u s e, dcr zum C h e s der a m e r i k a n i s chen Delrg a t i o n b e i m B ö l k e r b u n d ernannt werden soll, wird ' diese bereits im Herbst konstituieren, Frankreich will gerüstet bleiben.- //% Zürich, 29. Juni. (Tel. der „Wr. Mvrgenztg.") französische MMärkreise bestehen daraus, daß' rankreich nicht früher seine Armee d emobilisiere, bevor nicht Deutschland die g e g e n Polen konzentriert e it 360.000 Mann in die Heimat gesandt habe. Sie erklären, daß es notwendig fei, am Rhein eine starke Armee zu erhalten, um, falls Deutschland entweder aggressiv gegen Polen Vorgehen sollte, oder einen anderen Teil des Friedensvertrages nicht loyal ausführen würde, sofort zur Besetzung des R u h r k o h l e n g e b i e t e s, Frankfurt, Mannheim und Karlsruhe schreiten zu können. Gin Plebiszit in Ostgalizien? Warschau, 30. Juni. der „Wiener Morgenzeitung":) Der Pariser Korrespondent des „Przeglad; Wiechornh" meldet: Die gegenwärtigen Beratungen der- FriedeMkmrferenz in der Angelegenheit der pvlnisch-1 u|raini f ch e n Mr e u ze n’. haben lediglich eine ,for-j/-. ' mM'Mbeukuug';. in- Wirklichkeit ist die Frage tim/ , selbständigen Uftarne b.er-eits abgetan, im Mittel- ': pMit dßr Beratungen'stöht, dagegen die Frage etiwte“ // - g r oßen und st a r k en R ü ß lan d s. Nach Jnsorma- . '' :tioW.PMieller polnischer Kreise in Paris.wird gegen-, < ■ wärtig^ die Frage eines 'Pleb iszits in Ostg ali-, - .zien in Betracht gezogen. ' . .. ...<'^'/ i P' Wer <m Verwandte, An-^- gehörrge» Bekannte in Amerika schreiben will kann dis Briefe , a-n ' die Adröffe des - gaWanischen VeröaNWS, 66 Seednü- - -.Z Avantte, New- CJty;,' richtyn. Det Verband der gaWschen Indett wrxd : die Adresse eruieren rrnd die Briefe, zusteltetl. y*. ->