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Wiener Morgenzeitung · 1919-06-30 · Heft 161 (30.6.1919) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 161 (30.6.1919)
Date
1919-06-30
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Wien, Montag Wiener Morgenzeitung 30. Juni 1919 Nr. 161 Telegramme. MNAMien Will den Kampf nicht einstellen. Avilsons Abreise. Herzlicher Abschied von Poineerö. Paris, 29. Juni. (Funkspruch hes Tel.-Korr -Pur.) Präsident Wilson hat gestern abeodS Paris verlassen, um sich nach Brest zu hegeben, wo ex sich auf dem „G e o r g e Was h i H g t o emschiffen wird. Minister des Aeußern Pichoy, Marinemmisier L e y g u e S «nd Tardieu gaben Wilson das Geleite. ' Vor der Abreise vom Jnvakidenbahnhof in Paris hatte der Präsident eine lange Unterredung mit dem ihn erwartenden Präsidenten P o i n c a r s. Auch Ministerpräsident C l emenceau und die anderen Minister sowie zahlreiche Mitglieder der FriedenSlonserenz hatten sich zur Verabschiedung eingefunden. Paris, 29. Juni. (Fnnkspruch des Telegrapben- Korrespondenz-Bureans.) Vor der Fahrt - nach Versailles haben Präsident Wilson und seine Gemahlin dem Präsidenten der Republik P o in ca rö und dessen Gattin einen Besuch abgestattet. In langer und herzlicher Unterredung sprach der Präsident der Bereinigten 'Staaten Poincars neuerlich seinen innigsten Dank für den Empfang aus, den er in Frankreich gesunden. Präsident Poincars seinerseits dankte Wilson namentlich dafür, daß er noch am Tage, bevor er sich anschicke, Europa zu verlassen, den Vertrag unterzeichnet habe, der Frankreich den Beistand der Vereinigten Staaten für den Fall eines nicht von ihm herausgeforderten Angriffes verbürge, während gleichzeitig Ministerpräsident Lloyd George diesen Vertrag im Namen Großbritanniens besiegelte. Die wirtschaftlichen Bedingungen für Oesterreich festgesetzt. Der Zehnerrat trist wieder zusammen. , Saint-Germain, 29. Juni. Wie der „Temps* meldet, hat der Biererrat in seiner letzten Sitzuna vor seiner. Auslösung gestern in Versailles seine Entscheidungen über die finanziellen und wirtschaftlichen Klauseln getroffen, die in den österreichischen Fried ensv ertrag ausgenommen werden sollen. Bon morgen Montag an wird der Zehnerrat, der vor drei Monaten dem Viererrat Platz machte, neuerdings zusammentreten und u. a. die Durchführung der Bedingungen des deutschen Friedens und die Festsetzung her Klauseln für Oesterreich, die Türkei und Bulgarien zu beraten haben. Die Zusammensetzung des Zehnerrotes ist die folgende: Frankreich: Clemenceau und Picho n, Amerika: L a n si n g und Oberst H y u s e, Großbritannien: Balfour und 'Lord Milner oder Bonar Law, Italien: T i t t o n i, der heute nachmittags in Paris erwartet wird, und wahrscheinlich Marc orri/Japan r Makino Md Chinda. - Die Entente wünscht eheste Ratifikation.; Paris, 89. Juni. (Meldung der Agence HavaS.) Man glaubt, daß nach der Unterzeichnungszeremouie der Viererrat zusammentreten wird, um die Mittel zu beraten, damit Deutschland den Friedens- Vertrag raschestenS ratifiziere. Bethmann will sich für Wilhelm opfern. Berlin, 29. Juni. (Meldung des Wölfischen Bureaus. Verspätet eingelangt.) Der ehemalige Reichskanzler Bethmann-Hollweg hat, nachdem er bereits am 20. Mai 1919 einen gleichen Schritt über ausdrücklichen Wunsch der ReichSrcgierung hat fallen lasten müssen, am 25. Juni an Elemente au ein Schreiben gerichtet, worin er diesen bittet, das nachstehende Schriftstück zur Kenntnis der gegen Deutschland alliierten und assoziierten Mächte zu bringen. »Im Artikel 227 der Friedensbedingungen stellten hie alliierten und assoziierten Mächte Wilhelm II. von Hohenzollern, früheren deutschen Kaiser, wegen schwerster Verletzung des internationalen Sittengesetzes und der geheiligten Macht der Verträge unter öffentliche Anklage. Sie taten gleichzeitig ihren Entschluß kund, an die Regierung her Niederlande das Ersuchen zu richten, worin sie bitten, den ehemaligen Kaiser zum Zwecke seiner Verurteilung auszuliefern. Mit Bezug hierauf erlaube ich mir, an die alliierten «nd assoziierten Mächte die Bitte zu richten, das gegen den Kaiser beabsichtigte Verfahren gegen mich stattfinden zu lassen. Zu diesem Zwecke stelle ich mich hiedurch zur Verfügung der alliierten uud assoziierten Mächte. Als ehemaliger heutscher Reichskanzler trage ich für meine Amtszeit die im deutschen Staatsrecht geregelte alleinige Verantwortung für die politischen Handlungen des Kaisers. Ich glaube hieraus den Anspruch herleiten zu dürfen, daß die Rechenschaft, welche die alliierten und assoziierten Mächte für diese Handlungen fordern vollen, ausschließlich von mir gesordert wird. j In der Ueberzeugung, daß die alliierten und asso- 'zurrten Mächte einem durch daöffentliche Staatsrecht normierten Rechtszustand auch internationale Beachtung nicht versagen wollen, darf ich der Hoffnung Ausdruck geben, daß Sie meiner dringenden Bitte statrzugeben geneigt sein werden.- Bis zur Ernse^:nq einer neuen ungarischen Regierung. Saint-G rmarn» 29. Juni. Das Rumänische Preßbureau teilt - mit, haß der rumänische Ministerrat das Telegramm Bela Kuns, in dem dieser Rumänien ausfordert, sich auf die Demarkationslinie zurvckmziehen und das an Rumänien gerichtete gleichlautende Ersuchen des Viererrates wiederholt in Beratung gezogen habe. Es wurde beschlossen, Bela Kun nicht zu antworten, d a Rumänien die bolschewikische. Regierung nicht anerkenne. In ihrer Antwort an die Entente erklärt die rumänische Regierung, daß die Truppen nicht eher zurückgezogen werden * können, bi? nicht eine Garantie dafür vorhanden sei, daß Ungarn die von einer durch das Vertrauen des Landes getragenen Regierung eingegangenen Verpflichtungen hält. Borwände für eine Offensive. Bukarest, 29. Juni. (Tel.-Komp.) Die Agentur Dacia. meldet: Infolge der zahlreichen bei der Regierung eintreffenden Meldungen Über die Grausamkeiten der Budapester Räteregterung gegen die bürgerlichen Einwohner von Budapest, insbesondere .aber gegen die rumänischen Staatsangehörigen, hat die rumänische Regierung an den französischen Armeeoberkommandanten Mar'chall F o ch heute folgende- Telegramm nach Paris gerichtet r Tie rumänische Regierung hat der Anordnung des französischen Armeeoberkommandos bezüglich der Einstellung der Feindseligkeiten gegen Ungarn entsprochen. Die Vorgänge in der Hauptstadt Ungarns werden dem französischen Armeeoberkommando wohl bekannt sein. Die rumänische Negierung wurde verständigt, daß die Greueltaten, die gegen die in Budapest befindlichen rumänischen Staatsangehörigen begangen werden, unbeschreiblich sind. Die rumänische Regierung richtet deshalb an das französische Armeeoberkommando das Ersuchen, veranlassen zu wollen, daß der Terror gegen diese wehrlosen Einwohner von Budapest eingestellt werde, da sonst die rumänische Regierung, abgesehen davon, daß sie sür die Haltung der rumänischen Trupven an der Theiß, die selbst die- Herstellung der Ruhe in Budapest übernehmen wollen, keine Verantwortung tragen kann, zu Repreffalien gezwungen sein wird. Die Sowietregierunq schont Frauen und Kinder. . Budapest, 29. Juni. Das Ung. Tel.-Korr.» Bureau meldet:- Der Chef der alliierten Donauflottille in Belgrad, Kapitän Hoggard, hat an den Bolksbeaufhagten Bela Kun ein Telegramm gerichtet, worin, er die Üeberzeugung auSspri'cht. daß die ungarische Regierung die Familien der in der jüngsten Pntschangelegenheit verhafteten Matrosen und Offizicre nach den Das Schicksal der Rheinlarrde. Die Entente will nach Unterzeichnung verhandeln. Versailles, 28. Juni. Der Vorsitzenb; der Friedenskonferenz C lerne nee an hat heute folgende Noten an den Gesandten v. Hantel gerichtet: Paris, 27, Juni 1919. Herr Vorsitzender! Die alliierten und assoziierten Mächte haben die Note der deutschen Delegation bezüglich des Abkommens über die Rheinlande vom 27. d. U. geprüft. Sie nehmen davon Notiz, daß die deutsche Delegation die Vollmacht zur Unterzeichnung dieses Abkommens am festgesetzten Datum erhalten wird. Sie haben nichts dagegen einzuwenden, daß nach der Unterzeichnung Verhandlungen angebahnt werden, um zum Besten der Interessen der ver'.ß'rhenen Teile eine Anzahl Fragen zu regeln, welche von der . deutschen Delegation aufgeworfen werden können. Genehmigen Sie, Herr Vorsitzender, die Zusicherung Miner vorzüglichen Hochachtung. Clemeneeau. Paris, 27. Juni 1919. Herr Vorsitzender! Ich habe die Ehre, Ihnen die förmliche Zusicherung zu geben, daß der gedruckte Wortlaut, des Friedensvertrages, welcher den deutschen Bevollmächtigten gleichzeitig i..:t den'Bevollmächtigten der' alliierten und assoziierten Mächte zur Unterschrift vorgelegt werden wird, in allen Punkten mit dem Wortlaut identisch ist, welcher am 21. Juni Ihnen überreicht wurde, abgesehen von. heu Korrekturen, deren Liste Ihnen am 24. Juni zugestellt wurde, und von den Abänderungen, welche ln der Liste der Bevollmächtigten vorgenommen werden mußten. Beiliegend beehre ich mich, Ihnen ein Exemplar des Textes des Friedensvertrage- und der beiden Dokumente, welche ihn ergänzen, das heißt Protokoll und Abkommen bezüglich des Rhein lande s, zu* kommen zu lassen, Diese Texte wurden mit denselben Satzmitteln. Formen und Lettern gedruckt wie die für die Unterzeichnung bestimmten Instrumente. Genehmigen Sie, Herr Vorsitzender, den Ausdruck r :i';: v auZgezsichneteu Hochachtung. föUtnenceau. Prinzipien der Humanität und Zivilisation behandeln werde. Volksbeauftragter Kun gab in seinem Antworttelegramm die Versicherung, daß die Familien der Matrosen und Offiziere, die' gegen die Regierung der ungarischen Räterepublik gemeutert haben, schon deshalb gemäß den Gesetzen der Menschlichkeit werben behandelt werden, weil hi$ moralische Auffassung der Räteregierung es ihr verbietet, dem Beispiele jenev zu folgen, die Häuser, in denen sich Frauen und Kinder befanden, mit Kanonen und Maschinengewehren beschossen. Rumänische Meldungen über Bela Kun. Bukarest, 29. Juni. (Tel.-Komp.) Das Rumänische Preßbureau meldet: Zuverlässigen Nachrichten gu- Budapest zufolge soll Bela Kun seit Freitag nicht . mehr in der Oeffentlkchkeit gesehen worden sein. Er fürchtet ' . sich vor einem Attentat. Samstag vormittag hat ein ungarischer Roter Gardist ans die Fenster der von Kun, bewohnten Räume einige Revolverschüsse abgegeben, ohne hiebei jemanden zu verletzen. Die „erniedrigende" Forderung. Zürich, 29.Juni. Ministerpräsident Bratianu erklärte dem Pariser Korrespondenten des „Seeolo", er habe bereits im Oktober 1914 einen Geheimvertrag mit Rußland abgeschlossen, worin Rumänien für die wohlwollende Neutralität die Besetzung und die Einverleibung der von Rumänen bewohnten Gebietsteile der österreichisch-ungarischen Monarchie zugestanden worden wäre. Dieser Vertrag sei von Rußland den Verbündeten mitzeteilt und von ihnen stillschweigend gutgeheißen worden. Rumänien hätte sich demnach die Kriegsopfer ersparen können und sei nur auf schweres Drängen der Alliierten in den Krieg eingetreten. Nichtsdestoweniger verweigern die Alliierten Rumänien die ungeschmälerte Anerkennung seiner Rechte in bezug auf Transsylvanien, das Banat und Beßarabien und stellen es außerdem unter eine erniedrigende Vormundschaft, insbesondere h i n» sichtlich der Behandlung der Juden in Rumänien. Rumänien wird unterschreiben. Bukarest» 29. Juni. Das Amtsblatt „Jndepen- , danee Roumaine" meldet: Der heute abgehaltene Kronrat kam zu dem Beschluß, daß es für Rumänien angesichts/ her ungünstigen Lage an den Grenzen ein äußerst gewagtes Spiel wäre, den Friedensvertrag nicht zu unterzeichnen. Rumänien wird daher den Frieden mit allen feinen Klauseln unterschreiben. Da Bratianu eS öW* lehnt, den Frieden zu unterfertigen, wird eine neue Friedensdelegation ernannt werden und nach Paris abgehen. Japan wollte für Deutschland eintreten? SaintaGe r m a i «, 29. Juni. An erster Stelle und vor allen Berichten über die Feierlichkeit in Versailles bringt »Chicago Tribüne" einen ausführlichen Bericht ihre- Berichterstatters bei der Friedenskonferenz, Henry Wales, der Enthüllungen über einen während des Krieges geplanten Geheimvertrag zwischen Japan und Derrtschland veröffentlicht. Der Vertrag, der in großen Zügen Mitte Oktober : 1918 ausgearbeitet war, kam nur deshalb nicht zur end- : gültigen Unterzeichnung, weil knapp vor dem festgesetzten Tage in Deutschland die Revolutton ausbrach und die Hohenzollern das Land verließen. - Die Verhandlungen waren durch den deutschen Gesandten in Stockholm geführt worden. ES war vorgesehen, auch Rußland in den Vertrag aufzunehmen,""dessen Hauptziel die Ausschaltung der britischen und der amerikanischen Interessen in Asien, die politische Trennung Englands von Amerika und die Aufteilung Chinas, Zentralasiens, Persiens und Koreas zwischen Deutschland und Japan war. * Einer der Vertragspunkte setzte fest, daß I a p a n bei der Friedenskonferenz zugunsten Deutschlands eingreifen sollte, damitD itsch-; lanh territorial und finanziell möglichst geringe Opfer zu bringen habe. Ein anderer steht eine Militärlo«Mission zum gegenseitigen Schutz e vor d en aggressiven Tendenzen Englands und Amerikas vor. Keine Militärkonvention zwischen Italien und Deutschösterreich. Wie«, 29. Juni. Da« Telegraphen-Korrespondenz- Bmeau ist zu folgender Erklärung ermächtigt: Die Nachricht de» Laibacher Korrespondenz-Bureaus, wonach Italien mit Deutschöslerreich eine geheime Militärkonvention geschlossen hätte, ist vollständig unwahr. Eingesendet. Med. Dora Sutzmann geb. Ltebman« Med. Adolf Sutzmann Vermählte. Me», im 3tmi «t».

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