Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 160 (29.6.1919)
- Date
- 1919-06-29
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Skr. 160 Seite 9 Wien» &ouMug Hebräische Reuerschrknungen in Amerika. Im Verlatz« Hebrew Publishing House Kadimah New Pork erscheinen drei «eue hebräische Bücher, vier Erzählungen von I. D. Be»« kowttsch; von Dr. Nachum Slauschtsch „Ans den Inseln des Mittelländischen MeereS", Reisebeschreibung und von M. Bernstein: „Ans dem Lande"; fünf Novellen aus dem Leben des neuen Palästina mit einer Einleitung von Nuben Brainin. Angekündigt sind noch außerdem: «ine historische Abhandlung von Ben-Jehuba. „Bis zu welchem Zeitpunkte haben die Juden hebräisch gesprochen?" eine Arbeit von Dr. M o s s i n s o h n Über die Propheten, ein Buch von Scheinkin über die Kolonisation Palästinas und eine hebräische Uebertragung von Knut Hamsuns »Pan", besorgt von M. L i p s o n. Die Weltbühne, der Schaubühne 15. Jahr, M^chenschrift für Politik, Kunst Wirtschaft, heraüsgegeben lion Siegfried Jacobsohn, enthält in der Nummer 26: Falsche Züge, von Heinrich Strobel; Albert Südekum, von Johannes Fischart; Vor dem Skagerrak, von L. Persius; Berliner Städtebausündendämmerung, von Peter Paul Schmitt; Und bas Licht scheinet in. der Finsternis . ., von Alfred Polgar; Peter Altenberg, von El Ha; Zersetzung, von Alfons Goldschmidt; Ach, sind wir unbeliebt!, von Kaspar Hauser; Rundschau, von 'Wolfradt, Sebald, Wrobel,- Panter; Antworten. Land und Arbeit. Eine Festschrift zum zehnjährigen Jubiläum der z'vuisüschen Arbeiterorganisation Haposl Hazalr. Diese m zweiter Auilage erschienene Jubiläumsschrift enthält interessante Beiträge von Arlosoroff, Buber, Gordon» Kaznclion, Wükanskn usw. Preis K 4,38. — Eine zweite Broschüre der Gruppe Haposl Hazalr in jiddischer Sprache »Jungzwnismus utid Volkssozialismus" von N. Schwalbe enthält emen kurzgefaßten Abriß des Parkeiprogrammes. Preis 76 Heller. Zu deziehen durch R. Löwl 1, Wien, I., Rotenturmstraße 22. Gerichtssaal. Ein Monster-Preistreibereiprozeß. Millionenschiebungen bei der Kriegsgetreide-Btzrkehrs- Gefellschaft. Vor einem Erkenntnissenate unter. Vorsitz des Oberlandesgerichtsrat Dr. Kämpf fand gestern die erste Verhandlung wegen Verbrechens der Preistreiberei, nach der jüngst erlassenen Verordnung statt. Angeklagt ist der 24jä'nige B.amte der Kriegsgetreidevcrkehr'sanstalt, Franz Fuchs. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Dr. Schwelle, als Verteidiger fungiert Dr. Julius Köder. Die Anklage legt dem Beschuldigten zur Last: . Franz Fuchs hat durch längere Zeit hindurch dem Zentralverbande der Kur- und Heilanstalten Mahlprodukte ur größerer Menge geliefert, als ihm nach der Anweisung deS E-rnährungsamtes znkommen sollte. .So habe er Mehrüberweisungen von 129.000 Kilogramm Feinmehl, 23.000 Kilogramm Weizenmehl, 10.000 Kilogramm Grieß, über 6000 Kilogramm Haferreis und über 7000 Kilogramm Brotmehl und 14.000 Kilogramm anderer Mahlprodukte unberechtigt vorgenommen. Äls man aklfangs März diese Machenschaften entdeckte und den Fuchs zur Rechtfertigung ausfordern wollte, verschwand er aus dem Amte, stellte sich jedoch nach einigen Tagen selbst der Polizei und übergab '68.000 Kronen als Erlös seiner Schiebungen. Der Leiter des Zentralverbanbes, Dr. F r i e d in a n n, wurde nun ernvernommen und gab an, Fuchs habe ihm eines Tages mitgeteilt, er könne durch Verwandte in Ungarn größere Mengen von Mehl und Fett verschaffen. Dr. Friedmann ging aus den Vorschlag ein und erhielt nun eme Faktura sowie Ausfolgescheine von der KriegSgetrcidererkehrsgesellscbaft zugeschickt. Fuchs machte mit Frirdman Ueberprei'e aus, so daß er b.i den Schiebungen einen Reingewinn von 8 3 2.420 Kronen erzielte. Fuchs führt zu seiner Verantwortung an, daß er Blankoansfolgescheine mit der Unterschrift des Direktors S t ö h r erhielt, die er erst ausfüllte und dem Friedmann übergab. Später änderte der Angeklagte seine Verantwortung und gab an, daß er mit Einverständnis des inzwischen verstor? denen Direktors Stöhr gehandelt habe. Die Anklageschrift bezeichnet die Verantwortung des Angeklagten als unglaubwürdig. Direktor Stöhr wird allgemein als ein ungewöhnlich gewissenhafter Beamter geschildert. Bei Eröffnung der Verhandlung erklärt sich der in Haft befindliche Angeklagte nichtschuldig. Er stellt seine Schiebungen so dar, daß er unter Mitwirkung und Verleitung des Direktors Stöhr die ihm zur Last gelegten Schiebungen durchgeführt habe. Der Verteidiger stellt zum Beweisverfahren folgende Anträge: Der Angeklagte habe bloß die schuldlose, monatelange Haft deshalb ertragen, um den verstorbenen Direktor Stöhr nicht bloßzustellen. Vorgesetzter des Stöhr war ein Beirat, her sich aus Nationalrat Gr über, dem jetzigen Bürgermeister R e u m a n n, den Nationalräten Vizekanzler Jodok Fink und N. W c d r a sowie dem Magistratsrat Dr. Noßro p f zusammenfetzte. Dieser Beirat chatte die Gebarung *der Kriegsgetreideverkehrsanstalt zu Überwachen. Direktor Stöhr har als Berichterstatter vek Schlingen dieses Beirates unwahre Bilanzen vorgelegt und vorgetragen. Durch diele unwahre BilanzierunL erschien die Ded arfsdeckung Wiens und Deutschösterreichs ungünstiger als in Wirklichkeit. Das Verhör ergibt, daß der Angeklagte i« den Zeiten der ärgsten Not, als in Wien ein Viertel der Mehlquot« gekürzt wurde, 18»/i Waggons Mahlvrodukte an einen einzelnen Konsumenten, dem Zentralverband, geliefert habe. Auf einen diesbezüglichen Vorhalt de- Vorsitzenden erklärt der Angeklagte: „Ich konnte mir darüber keine Gedanken machen, da auch anderen Einzelkonsumenten mehr geliefert wurde, als ihnen gebührte!" Zeuge Direktor Pollak der KriegsgetreipeverkehrS cmstalt kann sich nur an die Aufdeckung der Schiebungen erinnern. Bon den Machenschaften selbst hatte, er erst nach der Verhaftung des . Fuchs erfahren Als Vertreter der niederösterreichischen Landesregierung wird Dr. Unger vernommen, der angiüt, befangen zu 'sein, wegen einer Streitigkeit mit dem vorsto'rbeneu Direktor Stöhr. Er weiß aber anzugeben, daß die „Angelegenheit" in erster Zeit als Schreibfehler dargestellt wurde, die Sache erst aufgedeckt wurde, als sich die Zeitungen damit beschäftigten. Der Gerichtshof beschloß nach längerer Beratung, die BeweiSanlräge der Verteidigung abzulehnen und verurteilte den Angeklagten Franz Fuchs zu sechs Monaten schwer nt K e r k e r s und 3 0 0.000 Kronen G e l d st r'a f e, im NichleinbringungSfalle zu weiteren 800 Tagen Arrest. Wiener MsrgeüZeLtmrg ,,m» ist a.mb. <3mm jess Arbeitsgemeinschaft für jüdische Knast und .K u \ t u r. Montag, den SO. Juni 1919 im Wiener Komödienhaus Gedenkfeier für Tieodor HerzI anlässlich der 16. Wiederkehr seines Todestages „Mlns neue Schauspiel in *4 Akten von Theodor Hefzl. Inszeniert von Egon Breoher. 1314 Karten von K4.— bis K16.— bei R. LöWit, Wien, I.,Rotenturmstrasse 22 und im Komödienhaus, IX., Nussdorferstrasse 4 Sport. Sport- und Turnsektion Zudaea. Die jüdisch-akademische fugend, will sich den Wert der Leibesübungen zunutze machen. Der jüdische Hochschülerverband Deutschösterreichs „Judaea" geht daran, eine Sektion für Turnen und Sport zu gründen. Wohl haben wir in Wien jüdischnationÄr Turn- und Sportvereine, doch gehört ihnen nur ein verschwindender Bruchtell unserer Studentenschaft an. Den Körpersportgedanken in Akademikerkreisen zu propagieren, wird die Hauptaufgabe der Neügründung sein. Die Konstituierung der Sektion erfolgt am Freitag den 4. Juli, 8 Uhr abends, im Caf6 Industriellen, I., Konkordiaplatz 4, wobei die Vertreter sämtlicher jüdischer Hochschulverbindungen und Vereinigungen anwesend sein werden. Wir hoffen, daß die im Gründen begriffene Turn- und Sportsektion recht bald sämtlichen Akademikern Gelegenheit zur Erholung nach den geistigen Anstrengungen geben wird. . Die heutigen Fußballwettspiele. Das wichtigste Ereignis geht heute in HÜtteldorf vor sich, wo Rapid als Abschluß der Juknlämnswoche den F. T. C. aus Budapest zum Gegner hat. Die Ungarn haben sich am Mittwoch dem M. T. K. fast vollkommen ebenbürtig erwiesen, so daß sie gegen die Hütteldorfer mit guten Aussichten in den Kampf gehen. Um so mehr, als den Rapidspiclern die Jubiläumswoche stark in den Gliedern liegt, was sich im Spiele gegen Bayern klar gezeigt. hat. Vor diesem Treffen spielen die Reserven. Rapids gegen den Innsbrucker Sportperei v dem. ein guter Ruf vorapsgeht. Zur Meisterschaft zählen zwei Wettspiele des heutigen, die für die Endplacicrung des Unterhauses von einiger Bedeutung sind. Auf dem Herthaplatz in Favoriten treffen Hertha und Simmering zusammen, auf dem Floridsdorfer Sportplätze hat der F. A. C. die A m a t e u r e zu Gaste. / Man darf mit knappen Siegen der Hertha rmd der Amateure rechnen. Außerdem finden zwei Freundschaftsspiele statt. Rudolfshügel spielt mit einer kombinierten Mannschaft, gegen Wacker, während W. A. C. gegen D o n a n st a d t ankitt. Der AuSgang deS ersten Spieles ist ungewiß, im zweiten werden die Praterleute ziemlich mühelos siegen. > Leichtathletische Meisterschaften. Die leichtathletischen Meisterschaften werden heute nachmittags auf dem Pratcrsportplatz fortgesetzt und zu Ende geführt. Eingeleitet wird dgs Programm durch em 100 Meter-Laufe«, in welchem der Hakoahner Lederer neben dem W. A. C.-Manu Fleischer dir besten Aussichten hat. Dann folgt daü Diskuswerfen, welches dem Meister Trommer (W. A. F.) nicht zu nehmen ist. Der 1500 M e t e r » 8 a u f dürste, de« Grazer Friede siegreich sehen. Jnwald (Hakoah) hat Platzchaneen. DaS Hürdenlaufen wird einer der drei W. Ä. E.-Bertreter gewinnen. Im W eitfprun g ist Egger (W. A. E.) Favorit. Die Vertreter der Hakoah-Lederer, und Dr. Friedmann —- habcii Platzchancen. Der 400 Meter-Lauf ist vollkommen offen. Lederer (Hakoah) wird sich zum erstenfliale über diese Strecke, versuchen. Im S 1 a b h o ch s p r u n g. hyt nqch den zuletzt gezeigten Leistungen Krqns (W. A. C.) dre größten Siegesaussichtcn. doch könnte Friedm.am (Hakoah) leicht eine Ueberraschuyg bringen, wenn er die im Training vollbrachten Leistungen erreiche« würde. Das Speerwerfen dürfte Simotta (Vienna) gewinnen, während im Gehen über 5 Kilo nr e t e r dem Rapidmanne Kühnel der Steg nicht zu nehmen ist. Das Meeting beginnt um 4 Uhr. Siavid—„Bayern*, München S: 3 (1:2). Maß* lose Selbstüberhebung der Rapldmannschaft hätte chr gegen Bayern bald eine überraschende Niederlage gebracht. Ditz Münchner hatten bald durch ihre frische, ungekünstelte Spielweise die Sympathien der infolge des schlechten Wetters nicht Mn zahlreich erschienenen Zuschauer für sich. Ravid kam nach 10 Minuten Spielzeit durch Wondrak in die Führung, ließ aber dann sehr stark nach, so daß die Gäste bis zur Paus? zwer schone Treffer erzielen konnten. Nach Wiederbeginn erhöhte Bayern den Borsprung. Dann folgte ein Tor Undus (Ravld) und wenige Minuten vor Schluß konnte. Wondrak den Ausgleich erzielen, wobei der auch sonst recht anfechtbare Schiedsrichter Seemann über mehrere vorhergehende Regelverletzungen Rapids hinwegging. __ Heute vormittags UebungHspjel auf unserem Kadima spielt heute mit drer Mannschaften nachgtzgen Hakoah Sportplatz. Der Sport- und G.-D. mittags auf dem Admtra-Platze Phönix. Hakoah. Die Schw'immabende finden im Dianabade statt. und iwar fit- AV'ven Dienstag von */.? bis Uhr abends und für T mm T-umfrStog von bis °/t8 Uhr abends. Bol i'-«* ■ - •'■•M’n. 29, Juni 1919 Der Volkswirt. Wochenschau. Nach fortwährenden Aufschüben sollten die finanziellen Friebensbebingungen für Deutschösterreich am Ende der vorigen Woche bekanntgegeben werden. Aber obzwar eine neue Woche verstrichen ist, scheint noch immer nichts Definitives beschlossen worden zü sein. Ungeachtet aller Sensationsmeldungen ist es sehr fraglich, ob — da die Angelegenheiten mit Deutschland noch nicht vollends geordnet sind— über uns und unsere Finanzfragen in der abgelaufenen Woche überhaupt beratschlagt wurde. Wir sind auf Verrnutungen angewiesen, die jedoch wenig Wert haben. Es wäre jedenfalls gut, von der Einsicht derer, welche die Bedingungen diktieren, nicht zu viel zu erwarten. Inzwischen bleibt bei uns alles in der Schwebe und der so ungesunde Zustand völliger Ungewißheit mit allen seinen verderblichen Folgen dauert an. Offenbar zerren die verschiedenen Kräfte auf der Konferenz nach verschiedenen Richtungen. Die bringenden Rufe Doktor Renners um Beschlunigung des Tempos verhallen so gut wie ilngehört. Die divergiererrden Interessen derjenigen, die über unsere Zukunft zu entscheiden haben (vornehmlich unsere Nachbarn), gestalten die Lösung immer schwieriger. Von der gesunden Vernunft der Alliierten darf man erwarten, daß eine Aufteilung der Starts- und Kriegsschulden auf sämtliche Nationalstaaten erfolgen wird, aber so selbstverständlich das auch klingen mag — es steht noch gar nichts fest. Ebensowenig läßt sich sagen, ob Nenners dringende Vorstellungen ivegen Abänderung und Milderung der unerträglichen Wirtschaftsbedmgungen den nötigen Eindruck machen werden. Im Ententelager herrscht augenscheinlich ein wahres Chaos' von Meinungen Und die Berichte hierüber sind mit großer Vorsicht aufzunehmen. Ganz unglaubhaft klingt die letzte Meldung italienischer Blätter, der zu folge die Kriegsschuld der österreichischungarischen Monarchie unter Deutschösterreich, Polen, Tschecho-Slowakien, Ungarn und Jugoslawien zu gleichen Teilen, das ist zu 20 Prozent, auf geteilt werden soll. Es ist nur herzlich zu bedauern, daß die Alliierten von ihrem starren Standpunkt der schriftlichen Unterhandlungen nicht ab weichen wollen und sich bei ihren schwerwiegenden Beschlüssen von den Wünschen und Ratschlägen der Tschechen und Polen lenken lassen. Eine ziemlich lebhafte Bewegung fand in den Devisenkursen statt. Die Notierung Wien in Zürich hob sich etwas und sogleich äußerte sich der altösterreichische Optimismus und die kopflose Leichtgläubigkeit in allen Tonarten. Sehr rasch setzte wieder em empftndlicher Rückgang ein. Dieser steht zweifellos in Zusammenhang mit der Ungewißheit und Aussichtslosigkeit unserer inneren Verhältnisse; auch die turbulenten Ereignisse in Deutschland mögen mitgewirkt haben. In den ersten Tagen der abgelaufenen Woche festigte sich der M a r k k u r s auf den neutralen Plätzerl zum erstenmal seit langer Zeit; leider behauptete er ' sich nicht, sondern sank in den letzten Tagen wieder bcheutend. Die wirtschaftliche Not Deutschlands findet ihren Ausdruck auch in der erschreckenden Tatsache, daß in Berlin 1^00 Schweizer Franken 250 Mark kosten. Wie außerordentlich zerrüttet aber unsere Währung und wie entwertet unsere 5krone ist, geht deutlich daraus herpor, daß der Berliner Markt Wien tief unter 50 notiert und man für 100 Mark hier bereits 210 Kronen und in Einzelfällen sogar mehr erhält. Vorgestern hielt der Finanzsekretär Dr. Schumpeter eine Rede über die wirtschaftlichen Friedens- Verhandlungen in Saint-Germain, die seltsam berührt, wenn man sie mit seinen verblüffend opttmistischen Aeußerungen anläßlich seines Amtsantrittes vor einigen Monaten vergleicht. Schumpeter scheint seinen unberechtigten Frohsinn von damals (falls er echt war) eingebüßt zu haben; oder aber er ist zu der Ueberzeugung gelaugt, daß es denn doch vernünfttger ist, ein System, womit man höchstens große Kinder täuschen kann, endlich aufzugeben. Im März erklärte Dr. Schumpeter seinen höchlich ergötzten Zuhörern: „Wir können eine Goldwährung haben (!); wir können Rohstoffe Habens so viel wir wollen; wir können Kredite haben, so viel wir wollen; die Weststaaten warten nur darauf, uns Kredite zu eröffnen. Der Wert unserer Valuta wird sich in kürzester Zeit bedeutend bessern." Nunmehr,- Ende Juni, sind von seinen Lippen ganz andere Worte s gefallen, die bitteren Worte der Wahrheit. Er sprach' von dem wirtschaftlichen Todesurteil, das die Entente * über uns auszusprechen im Begriff steht, von der Möglichkeit des Staats bankerotts. Wenn unsere Aktiven in den Nattonalstaaten verlorengehen, „bedeutet der Verlust dieser Summe zugleich den Verlust wirtschaftlicher, Lebensmöglichkeiten. Kein Kreditinstitut, keine Bank/ keine Sparkasse kann sich halten, wenn diese Bestimmung wirksam wird. Die Massen von Wien müssen verelenden, Wien muß selbst nach und nach veröden." War Dr. Schumpeter im Mürz so schlecht informiert, daß er goldene Berge versprechen durste? Warum ver-, sprach er überdies, daß i>ie Unbequemlichkeiten im Zu-' sammenhang mit der Vermögensabgabe in kürzestßr Heit behoben sein würden, und wieso kommt,es,, daß wir jetzt, nach mehr als drei Monaten, noch lange nicht so weit halten, daß auch nur unsere Wertpapiere wnskribiert sind? Was soll das Ausland von mrs. denken, wenn wir bereits über eirr Vierteljahr zur Durchführung einer Angelegenheit benötigen, die der vielgeschmahte Rafchin in vierzehn Taa-m zu..erledigen