Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 160 (29.6.1919)
- Date
- 1919-06-29
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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L Beließ? teett, temtatz .l-.<.-> >. -.—' .. .., Bühne «nd Kunst. Wiener MorgenzettmtS "^'.— -—.—.- " ' . ... Literatur u. Wissenschaft. Deutsches Volkstheater. (Zum ersien Male: „E i n G e s ch w v r rt c r*. Md »US de« - Wiener Leben von Ludwig A n z r n g r »t B t c.) Noch vor Schluß der Saison eine bemerkenswerte Wcitcutf» führung. Kein geringerer als Anzengruber ist der A»i»or und. düs Strick war verschollen. Es sei gleich Mgcsiell», daß der „($)?* schworrre" wohl das Zeichen seines Schöpfers trögt, aber leche wesentliche Bereicherung dcZ Schatzes bedeutet, den Uns Änzeyarrrber Unterließ. Man kann das Werk nur M dramatische Skizze anschrchern unfertig nicht nur m der DutchMtuutz. Auch da§ Therna ^U>st, die Handlang. schemt, iMwioMre gegen ' den Schlrrß hm, im Emwmft stecken geblieben zu lein. Ehrbergcr, ein Wiener Bürgen, ist als Geschrrwrner ansgtlvst. W»t kargen Strichen ist er' ßcfemuficfmct: Pflichtdeivüßt, wahrheitsliebend, nch selbst treu itnb — nehmt alles mir in allkrst — ein MüitN. Anders sein Freund Aiodrenrer. UtgeiMtlicher Wiener. Nur keiüe Hlnderniste rm Leben. Gegner dev Neuetnna. daß das -sPllls^ uut Lliftdruck m die Kriigl gepumpt wird. Die Lust rft ohnehin das einzige, meint er. was umsonst ist. Da wir inan nicht dem Wrrt die Lust mit dem Bier bezahlen. Einen Geichworve« spielen? Ja, wenn man sein Zigarr! kriegen tät und einen vollbesetzten Tuch hätte, statt der harten Geschworuenbank. dann schon. Wozu bezahlt man die Richter? Drc sollen allein mit den Fallöten fertig werden! Und da ist noch ein dritter Wiener »om.Grund. Geizig, hartherzig, cm vorsichtiger, aber arger Plusmacher. Dieser Herr Pernegger kommt wegen Wuchers auf die Atrllagcbank und w:rd mit allen gegen eine Stimme frei-- gesprochen. Das einzige „Ja" hat aber der Ehrbrrger gesagt und halt damit nicht hinter dem Berg, da er . gefragt wird, ob er der Jasager war. Der sreigesprochene Pernegger schmiedet Rüche. Et kriegt Ehrberger dmch eine WechsklmaNipülativn ins Garn, nnd hat nicht nur ihn in der Hand, sondern auch Modreinet, der jetzt ruiniert ist imb die Verlobung seines Ferdinand Mit EhrbergerS Tochter zurückgehrn lassen muß. Modrrmer sucht den tiiuurphierenden Spekulanten umzustimmrn, wird windelweich und wankend, Äs ihn der noble Mann gegen Ehrberger ausspielen will nnd zu bewegen sucht, Schwiegervater von Verneggers sogenannter „Nichte* zu werden. Anders Ehrberger. Der bretck dem bösartigen Schmntziän in eitler Pracht vollen Szene die Stirn und der llnmnt in dm weitesten Kreisen über die seinen Manipulationen des freigesprochenen Geldmenschen unterstützt ihn. Nun kvttimt 8rk sehr fragmentarische Schluß. Pernegger kann sein VötbaM Nicht ausfühten. Eine : jünge Schauspieler^, der nur eins kleine Szene gegönnt ist, mrd hie als Geliebte den größte»; Einstich auf den Hagestolz ausübt, rettet die Situation und die Kinder d?r beiden Fremde können einander heiraten., Es sind nüe die Konturen eines Schauspiels nnd es »väre ein richtiges Anzengrubersches Bolksstück Mwrdtu- Dafür sprechen die sehr zahlreichen wirklich echten Evnodenfiguren, die mitunter von köstlichstem HMöt durchsetzte Wechselrede und der sittliche Ernst, von dem die Dichtung getragen ist. Die drei männlichen Hiippmguren wurden von den Herren Mi llmann, Amon Md T e n b l e r aufs trefflichste verkörpert. Die wirklich köstliche Gestalt der Ehrberger-Lmse (schade, daß sie nicht dnrchgefützrt ist) Mar bei Hedwig Keller in den besten Händen Mid Herb Kitsch Net als verschmitzte Dienerseeleüberaus charakteristisch. Bön deck übrigen Mitwirkenden sind.insbesondere die Herren: A l-t r i ng e n, W e i ß, R a n z e n h o f e t nutz Novotny h'ervvrzuheben, der übrigens ansehnliche KabarettkiirM, Prodüzicrie. Waschecht das Plilchcrpaar Leicht Und K u t j ch e t &... Dir Schauspielerin Hann! gab die Enkelin des Dichters. Ar,nie Anzengruber. Nicht zu ergründen, waniitt sie Misstriilich hochdeutsch sprach. Ein Torso, nicht bühnenwirksamrecht holprig, imhtfetet bedenklich schleppend in der Szenenführung, aber dtrmdch wertvoller als ein Dutzend gemachter Wiener Bölksstirckt. Für den Beffall dankte mit den verdienter Dakstellern, Hirb Kail Anzengruber, der das Werk «.bearbeitete*. Seme Mühewaltung ser anerkannt, aber dtt schlichte Züschüuer wrrv ihm nicht das Zeugnis ausstellen, daß er seine Sache besonders gut gemacht hat. " 0. A. Aus dev Theater«. Das B u r g t h e a t er bleibt ab 1. Juli q i* schlossen. Heute SbnNtag werden Slnndbetgs „Das Band" und „Born! Tode* gtspielt. Morgen Montag; >Die Fahrt ins Blaue". s- ■ m Spielplan des Schönbrün«drSchkvßtheaters: Heute Soutttüg: ^Lügik des Herzens".- .Mörgep .Montag: „Tristans Tr>v. Bön Dienstag best 1< bis ÜNschlitßtim Freitag den 4. Juli: ^Loaik des Herzens". Samstag den 9, Jülj znm ersten Male: „Das KöüM^ SSUUiag den 6. Jitlit Konzert". Montag den 7. Juli;«Logik des Herzens". In der V o l k s o p e r eröffnet die E x t - B ü fL«. e ihr diesjähriges Gastspiel D i e p ß t a g den 1. Juli- Als Ern öffnungsvürstellung gelangt (Äs Neuheit für Wieu) »Das H e r r g o t t s v ü b e l", M. Stück BetgwMeSeU m dt« Wen von Julius Pöhl (dtMUttfaffet des,.F8htt"). M' Ausführung. Die Erl-Bühne MM im Vetlauftz ihres Gasisvielts vorzugsweisedie Merke P ch HM h e r r % und Anzengrubers pflegen. Als Neuheit etscheiUl i a S G n a d e n b r l d"» eine Komödie des Dramaiikers Rüdolf Brix. JmWieuerKomödtenhans geht Montag dett 30. Juni, 7 Uhr abends, vom ziönisttschen Landeskomitee und der „Arche* alsHerzl-Gedeukkeier veranstaltet, Theodor Herzls Drama „Das neue Ghetto* m Szene- Der Abend wird mit Z u ck e r M a « n s ^Prolog zu einer. Herzl- Feirr" eingeleitet, den Herr Regiffeur Karl Felda spricht. Im Deutschen Bolkstheater.Md in besten Kammerspielen finden am h und 1 Juli von den Mitgliedem veranstaltete Sondervorstellungen statt. Dr. Ludwig Wüllner hat sich für die beiden Abende zur Verfügung gestellt. Er wird ant l. Juli Nathan, dm Weisen Und am 2. Juli den Othello spielen, I« den Krmmerspielen werden unter Mitwirkung der Datum Earlscn, Kramer-Glöckner, Loe Ley, Wagner nnd Waldow Und der Herren Mlan,. Armiy. Berg, Dancgger, Egon Friedell, KirschUer, Klitsch, Fritz Paulsen (Suggestionsphä'nomrne) und Fritz Wrecde bunte Abende abgehalten. Heute Sonntag, abends 7 Uhr, im großen Koyzerthaussaale Abschiedsabeno Ludwig W « t i ii e r. Ptügräjrlm: Schiller, Goethe, Shakespeare, znM Schluß Andersen i „Die Nachiigall". Jüdisch-literavische SoitdepSoksteLuns im Wiener Komodienhaüs. Henke Sonntag, 3 Uhr nachmittags, siubet im Wiener KomödirUhatls eiste SoUdervörstellüng des Jüdisch- Äademischm KulkurvLtbandes „Jabne" statt. Zur Aufmhrnng gelangen „Das GekobUis von Perez H i r» ch b e i U, alls dem Jüdischen übersetzt von Eliasberg, und „Die Schwestern." vors I. L. P e r e z. aus dem Jüdischen übersetzt von Etzön Btechkr >u,d Hugo Zilckerman. Kürteuvttkauf an den Theaterkaffm, lx., Nußdorserstraße 4, Basar, l., RöttiituMsttaßt, Buchhandlung Lömtz Rotmturmstraße 32. Metropoltheater. Morgen Montag den 30. d. M. findet bereits die 75. Ausführung der erfolgreich^! Ope',t'e „Schwirzmaldmädel" statt. Die Inschriften des alten Iudenfriedhofes in Wten. Bon Dr. Bernhard Wachstet«. ll. Teil tS40 (?) Vis 1670, Wien-Lkivzig. W. Btqumüütr, 1.912/ ll. Tkll 1696 b!s 1783, Wien-Leipzig, W. Braumnller, 1917,) Die historische Kommission der Wi-etter Mischen Gemeinde hat die Inschriften auf dem alten Indenfr ied Hof in der stdossüjl Veavbeiten lüssstt. Es' stillte aus den Steinen das Ouellenitiaterial geschöpft werden. das sie bieten. Wachstein hat als Mlehrter Und Schriftkundiger, als Philologe und Forscher, dem nicht die kleinste Kleinigkeit, die anscheinend winzigste Nebensächlichkeit in fsineni MatMäl entgeht, seine Änfgabe zu lösen verstanden. Doch nicht diese Seite des Büches soll uns Läsen hieb beschäftigen. Diese gelehrte Arbeit ist noch etwas ganz andetts genwedötl: ein Kaüumentaltverk, das Züge eines Geschichtswtztkes äüfweist vor» schöpferischer Kraft ganz sEnev Art- Ein Historiker voll Eigenart Und Scharfsinn, ein tiefschürsLnder Kenner und Verstehet der. Menschenn-aiür Und ihrer Entwicklung hat hier dem toten Material Leben eingchaucht und Zeiten und Menschen bluttvarin urtb wahrscheinlich verstehen gelehrt. Was wußten wir bisher über die Geschichte der Juden in Wien? Daten und Zahlen, Tatsächen und Namen Geschichte in» schlechtesten Schulbegriff des Worbes. Ddch das Leben, der Geist, die Art der Entwicklung, die Ideologie der Menschen und ihrer Zeit, ihr Ävrftellllngskteis, ihre ^Anschauungsweise, „8eL ganze Komplex vön Ursachen und Wirkungen, unter denen sich ihre Tätigkeit vollzog", blieben Ms fremd. Wir versuchten, das Deutsche Reich zur Zeit teliltfen* kriege, Rom,- die Wtzlk Zur Zeit der Päpste zu verstehen wir fänden bisher keinen Weg ztt^ unseren Ahnen. . Nun ist er geschäffenl An diesen beibsN Uiüfattgvsichen Bänden erstehen lrberisllöll zwekeinhälb Jahr-» hunderte. Ihre Kinder wachsen MH werden Väter einer nsuen Zeit, plastisch, tvesenSecht vor unseren Augen. Blitzartig erleuchtet erscheinen Zeiten und Geschehnisse in Wächsteins Därstellung, scharf itlid tief gefaßt Ursache und Wirkung. Me verstehen mit einem Mäle alles: die Alte»», das Lehen, uns selbst- „Der Tieferblickende kann sehen, daß die Uttlgebung keiner»'geringen Einfülß üüf alle inriereü, sogar die religiösen VvrstLÜNn gen der JMn üusübte. Trotz ihres einzigartig dastehenden Glaubens ar» ihre Wesensart, der alle unerbittlichen Wirklichkeiten ntit einer Atlsdauer ohnegleichen trügen half und die ganze Geltüngssucht, die einmal tief 'illt Manschen wurzelt, in das Zentrum ^ec' DtammeZgettossenschäft verlegt, ist ihnen die Wertschätzung dsr NM gebende ü GkMschaft keineswegs gleichgültig. IlNd zwar nicht nur deshalb, weil die Meinung der llingeb»ing für sie, die winzige Mi»»orität vvn lebeNsausschlaggebsnder Bedcntuttg werden konnte. Zeugnisse, wie sie Dokünrtzttte, beispißkSweife die Prager Briefe^), uns bieten, lassen im Bereist Jahre 1619. MeEtbM, Brallwüttek, 1911. mit den vielfachen Andeutungen Ln den Jnschrist-sn für die Könnet seelischre BörgäNP dieses JWpvndcrabile, dLses zttrstSgehüitem - GLynen »mch einer ällgeinrinett ncenschlichen Achtung deutlich gMüg hekborkretöN." **) „Fünfzig Generationen' htndükch gehörten die Juden zu dßii Berfotgteu, diL vislch lind schwere beiden zu erdulde»» gehabt. Hhvsr eigenen BeranläguNg iüt'fc ihren träurigeri Erlebnissen zufolge hat ihr Gefühl fitk Leid sie ftitd) für ülle^ Möitschlichä sehend gemllcht. Bei der MinSesteN Annäherung hüstelt denn anch die Juden die Schranken ini Geiste gebrochen i»t»d sich um die Gl»nst dieser ihnen lebend eNtgegensteheitdel» Welt, ftürnlisch beworben» wobei auch die Natur des in Ftzsseln gehaltenen Sklaven mitwitkie, der vöt dem H0rävlässenden, Lächeln des .tzerchi ätt die LNgstäNö S'chrnach vergißt und den äügehäuften Groll über Bord wirft."***) Ms bezeichnend für Wächsteins Art, MnfckM itr ihre Zeit zu stellen und sie als aus derselben ge» worden M 'erfasM, mag noch folgendes aus seiner CMrakteristik bös Baron ESkeles angeführt werden: . tfyi weiter sich Mk^teS voll böm Uksprüiig seiNSL Gestürt entfernte, desto kühler gestaltete sich sein Bet-- hältnis zu seimer' Vergangenheit. Und doch mag oie Bemerkung des Wiener Bertchterstätttzrs, da'ß Eskeles sich mit Stolz Jude gettaNNt habe, ätich Nicht Unrichtig gelvesch» sein, In seiner LebettssützrUNg können wir in der Tat eine Art Ilnbefangerrhött setNett StaniurestzeUrlsM gegsttübkr etblicktzN- Ed ist zeitlebens aüch gegen Juden eiN'ftöigMger Herr.' Auch hatte er nicht die Geschmacklosigkeit begangen, seine»» judisch klii»- genden Familiennamen, der durch eins Reihe geistig nnd sittlich hochstehender Männer eine Berttymthett erlangt hätte, - Mit dSk Erreichung'des Adels ästztt^ legen. Ein tieferes Verständnis für das Geistige im Leben des StarttMS, dettt er äktgehörte, läg der Zeit der AUfSlärrrng vollständig fern. Sw hatte wohl die JNVo»»EtenzeU des MrstandSs scharf erspäht, aber jenes Moment, das altes, das Weife ltnfc Alberne als Notweutzigksiten erzeugt, nicht erfaßt. Schicksale und Geschehnisse, die sich auf fast alle »Plätzen der ziviltsierteu *) Landau Wachstem, Jüdische Privatbriese eii« d.-m Aittz bei: Einletttttt,» z»»n» ersten Teil. **^'i Äris der Ein'c-iin-'.;; zu;,, 2. Bann. 29. IW tm Sit, 160 Welt zngetragen, Erlebnisse, die das Gedächtnis der ganzen Menschheit umfassen, der Geist dieser einzigen Welt vollster Wirklichkeit, wurde weder von Freund noch von Feind, am allerwenigsten von den Betroffene», richtig verstanden." Wie sollte gerade dem klugen Wier»er Finanzmann die Erleuchtung kommen? Mer auch Bescheideneres kon»»te die Wierrer Geldaristokratie nicht leisten. Auch die Friedländer, Jakobsohn fehlen hier ganz. Die Sphäre, in welche die Wiener reichen Jrrden eintreten, ist von vornherein auch für die Intelligenzen des christlichen Volkes eine vollständig exklusive, ein Boden, auf welchen» eine allgemeine, menschliche Annäherung zur Lösung politischer und gesellschaftlicher Fragen von vornherein ausgeschlossen erscheint. So konnte wohl Bernhard Eskeles sein JMentum mit Stolz tragen. Er, dessen Klugheit und scharfer Verstand von den Zeitgenossen gerühmt werden, wußte es zu gut, daß er es nicht nur zu Vermögen und Ansehen gebracht, soildern auch an' große» öffentlichen Schöpfungen mitgewirkt hatte. Das Gefühl der Minderwertigkeit, dem in der Regel untergeordnetere Naturen einer angefeindeten . Minderheit verfallen, konnte in ihm nicht ent* stehen. Llber sein Leben als Jude gestältete sich denn doch nicht anders als zu' einer Anwartschaft auf ein jüdisches Grab." Das Paradoxon, die Jrwen hätten seit der Zerstörung des Tempels keine Geschichte, ist ans der Tatsache entstanden, daß sie seither keine Geschichtsschreiber hatten. IN täglichem Gebete berichteten sie Gott ihr EleNtz, die Demütigungen, die Erniedrigungen, und' warteten mit der Inbrunst und der Zuversicht, die nur dieses Volk besitzt, daß Gott sich ihrer wieder erbarme und sie zurückführe in ihr Larrd. Die Tatsachen und'. Ereignisse ihres Weges auch für die Mit-und Nach* Welt aufzuzeichnen — wozu? Uitf neue Scheiterhaufen damit zu entzünden? Die Tage, die Jahre ihres Lebens,, ihres Leides brannten nie vernarbende Wunden im ihr Herz. Der Jammer, düs Weh schrien aus ihren AugSü von Generation zu.Generation. Wozu, was lebt u»»d nie enden will, in tote Buchstaben bannen? Wer voll des Leidens ist bis an den Rand — schreibt keius Geschichte. Aus verstaubten Archiven von Ländern und' Städten, aus Chewtannd Memorbücherii, ans Vvr- und Nachworten, Pränumecandenlisten, Dedikatione»' und Approbationen zu gelehrtsn Werken nnd aus verwitternd 6N Grabsteinen müssen nun Zusmnmenhänge ailfgedeckt, dürre Tatsachen erforscht und aneinandergereiht werden, tritt man die Grundlagen schaffen für die Geschichte der J»idett in der Galuth. Diese Kleinarbeit nrühseligster Art, die eine llnsnMMe schärfster Geistesarbeit erfordert, würde Söst i»n 19. Jahrhundert, begonnön und ’ eS mag noch -manches Menschenalter! währen, bis sie MMHalben getan fei»» witd. In diesem Bücher»» Wüchsteius ist sie fiti* einen großen Teil Mitteleuropas geleistet. Ilnd hier ist gleichzeitig die Probe, gegeben für eine Mode rite j üdische Geschichte, eine Ge^ schichte, die Leben ist lind Wahrheit. ■ ■ . I. Cleve. Lir Kskbllöftge. Im lstzten Hefte der „Preußischen Jahr^ büchet »»»»tersucht Professor Herittaitn Gunkel (GießSn) bli Zqwbssäße, in hör et Viök Schichte,» »tiiterscheidet: die Sage» von den Kindern Jakobs, die Erzü!jl»i?rgen von Gotieserscheinrrr»goil und HeiligtüinerN Detyet, Phanuel, MahänäiM, SiäM), die Mzähküngen dörr Jakob Und Laban Nttd endlich dl? tztzähllkttüen bou Jakob und Esau. Die Sagen von den StäilrMit Israels sitlss mit Vkr Jakobssage mir ganz lose verknüpft und f)äUn mit ihr feilte Gemeinschaft. In den QttssklM' der Heiligtümer werden ätiologische Märchen übeMsert, die zttit» Dell gar nicht zu der Gestalt des! Patriarchett stimmett (zirttt Beispiel der .GotteskaMpf) und! /erst water. Mit ihm verkilüpst sind. Dagegen ist bas Spiel! der List iinb Geaenlist zwischen Jakob und Laban eiNMN HirtenjuArchLi» eiitlehttt uiw später übertragen auf die Aramäetz uttd 'Jskaeliieu, deren'Reptäsetttütitett eben Jakob und LabaN wurden. Der eigentliche Kern der Jakobssage liegt in den. Jakob-Esau-Geschichten. .Ursprünglich sind auch diese Erzählungei» Mätchesl, die sich ntit dßlt Ttwetr zweier verschiedener Slünbe, des Hirten und JägekK, befassen: sie sind aber später! ans Jakob als den Ahnherrn Israels und Esa»» als den Stammvater EbvNls Übertragen, und zwar stammt diese Um^ döütüng der Sage ans der Zeit nach EdoMs UitterwerfmiA durch - David/ aksö nach 986. Auf dieselbe Zeit weist auch die Laban-Geschichte insofern, als später , di/ Avatnäer gegetr Israel > losschlugeu — eine Tatsache, von der der Bearbeiter, noch. Üichts weiß. ' ' . E!,»e b«tztätschp Taüeszeitutttz. in Jerusalem. Eine «euf' beörätfche Tageszeituttg, dtr den Namen „Haarez" trägt, erscheint ietzt in Jeritsälem. Herausgeber ist Isaak Goldberg, Redakteur Dr. Anrotv. Dem medäktionskomltee. gehören außerdem die Herren Dr. Lttriö, Markus Cahart, Pötküianw n»»8 Borüchow au. 8tne ne»»« hebräische Monatsschrift. Demnächst beginnt m Newchork eine große Wräisthe Monatsschrift '„M iklat" in» Beklage S t y b ö l, dessen Begrüitver sich gegcitlvärtig ln Mw-Pork befindet, zn etscheineit. Mit der literarischen Leitung^ der Zeitschrtft ist der hebrätsche Schriftstellkt I. D'. BerkbWirsch beattftragt. Die Zettschrtft, die. „der Kunst,' dev Wissenschaft, der literarischet» Kritik ititb de» Zeitfrage»»" ae»otdNtet seiit wird, bat die Aufgabe, eine Sarmitelstells. mr all die gegenwärtig Überall zerstrettte» hebräischen Schrifü- .steller zn schaffen und titSbestnidcre für das Wachst»»«» einev "hebräischen Literatur itt Amerika äu sorgen. Für den ersten Jahrgang des „Miklat" sind nngeknndigt ein großer syrischer Epos „Der Waldaeist" (Jaaril) itub ein Roman in drei Teilen „Wanderjahke", beide von S. Schnenr.- Kritische Betrachiungen von B a r»T o »v i n, bibelkriHsche Sindien von Dr. S. Bern selb nnd rin Ron!,»:, von rinem iungerr Dichter ans Jerusalem. Dnoia Rin, chi, Bodenlos" Ml Blima). DaK erste Hesi solite bereits im Hivan erscheine»». Zi»sa»niuen mit deM Berlagsstistec' S i u b e l »oellt gegcu- »oärtrg in Neiv^sar! auch oer Dichte, >. : «>, n e » r, de»n in.' Yrkräische P:'bli n >> i,?,V,tri..<-.s ,,-j. r ichen Entpsaing' ■ : . auf!«Hei'.