Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 160 (29.6.1919)
- Date
- 1919-06-29
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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#t. 160 Wien, Sonntag Miene- Morgenzeltuug Telegramme. Der Friedensvertrag für DentschLsterreich fast fertig. Paris, 27. Juni. (Reuter.) Der Friedensvertrag mit Oesterreich ist sast v allst c! n d i g fertig. Die noch fehlenden Bedingungen werden nachgeholt. Die österreichische Schuld soll von allen s Nationen gezahlt werdend! Saint-Germain, 28. Juni. (Kvrr.-Bur.) „N e w Dork Herald" will erfahren haben, daß der Ob erste Rat entschieden habe, daß die ö st e r- .reichische Schuld von allenNationen des alten Reiches gemeinsam getragen werden müsse und auch Italien eitnn den abgetretenen Gebieten entsprechenden Teil übernehmen soll. Irr Anbetracht des gegenwärtigen Tiefstandes der Krone soll der Anteil jedes Landes nach dein mittleren Wechselkurs des der Schlacht bei Vittorio vorangehenden Monates berechnet werden, die als Anfang vomEndeOesterreichs bezeichnet wird. Der vollständige Vertrag soll dem Staatskanzler Renner Anfang der näch sten Woche überreicht werden. Der Beitrag der Nationalstaaten zu den Kriegslasten.! , Lugano, 27. Juni. (Tel.-Komp.) Der von den aus dem Gebiete der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie e ntstandenen Staaten an den Vierverband zu zahlende Beitrag zu den Kriegskosten wird, wie „Corriere della Sera" meldet, etwa 20 Prozent der att 70 Milliarden Kronen betragenden österreichisch-ungarischen Kriegsanleihe ansmachen. Als Kurs dürfte vermutlich der Dur chschnittsprers gelten, der für die Krone i n der Schweiz während des Monates bezahlt wurde, der dem Zusammbruche der österreichischunaarischen Heere in Oberitalien voranging. Die von Italien befreiten Gebiete würden etwa 2 M i l l i a r d e n zu bezahlen haben. Auf d a s!R.echt der Konfiskation deutschösterreichischen Privateigentums in den ehemaligen Staaten der ehemaligen Doppelmonarchie babe der Rat der Vier verzichtet. .... Die neue Ordnung der Welt. Eine Botschaft Wilsons. Saint-Gerniain, 28. Jimi. ' (Korr.-Bvr.) Präsibevi W i lfon veröffentlicht eine Botschaft, ttt der er erklärt, daß der- Wedensvertrag, weint feine Bestlmmmmtzv emgehaltetr hJcvbcii. eine ueneOrdttUng derWett bedeute. Die Pflichten «mb die Strafen, die er Drktschland cmserlestt, schienen hart, Über nur deshalb, weil das gutzumachende ilnrecht Deutschlands groß sei.- Er verlangt von Deutschland nichts, was es nicht leisten kann, und Deutschland könne durch rasche u n d e h r l t ch e Erfiillung der Bedingungen den Platz tn der Welt wieder bekommen, der ihm von Rechts wegen gebührt. Padeeewskr vor dem Vierekrat» Paris, 26. Juni. (Korr.-Bur.) Der Rat der Vier trat gestern zusammen. Cr hörte P a d e r e w s ki an und befaßte sich lange mit den A n g e l e g e nh e i t e n P o l e n s. Hierauf bereitete der Rat eine Rote an die holländische Regierung vor» in welcher sie aufgefordert wird, die Überwachung in der Umgehung des früheren Kaisers Wilhelm zu verschärfen. Ablehnende Antwort dev Entente aüf die türkische Note. Paris, 27. Iunü (Funkfpr. des Korr.-Vut.) Die Antwortnote der Alliierten auf die D e n kf ch r i f t der ottvmanischen Delegation stellt zlmüchst festdas die T ü r k e n die gesamte V e-r a n t w o r t u n g für den Krieg und für die Grausamkeiten auf das Komitee für Einheit und Fortschritt a b z u w ä l z e n versuchelt. Die Türken verlangen die Ausrech terh altuNg und die Integrität des türkischen Reiches als für die Erhaltung des religiösen Gleichgewichtes der Welt unerläßlich und als der Gerechtigkeit entsprechend. Die Konferenz anerkennt die g u t e n Ä b s i ch t ö n der Türkei und ihrer gegenwärtigen Führer, doch könne sie nicht zugeben, daß sich ein Volk der V erantwvrtung für seine Regierungen, die es geduldet hat, entzieht. Die Konferenz bewundere dis ausgezeichneten Eigenschaften des türkischen Volkes, doch ehe sie darunter keine Eigenschaft, um r e m d e Völker zu regieren. Die Erahrung habe gelehrt, daß die türkische Herrschaft den Fortschritt nicht erleichtert habe. A^ch Llotzd Geonge verlaßt Pa«is. - Pnrrs, 86. JuUi. (Tel.-Köpip.) Nebst Präsident Wllsou verläßt aiirfi Lloyd Gevrtz eS a M s t ü g a b e U d s P ü r i s. Wllssn wird durch L a n s i U g vertreten und Lloyd Gedrge durch B cklft> ilr. Den Blättern zufolge werden M o N t a g die Verhandlungen mit den österreichischen Delegierten fortgesetztwerden. Strafmatznahmeu für die Versenkung der deutschen Flotte. Versailles, 27. Juni. (Korr.-Bür.) Nach der ,LiÜert6" fand bente vormittags eine Sitzung der Sachverständig c n rn\ d ■ '' -rvat siir die Zerstörung der drinich'u : 7 : >•; c it Vorschlägen sollen. Eingesendet. Möbel n Innendekoration in grösster Aüswäirf: Ntf gtdiegtne 619 Efzetignisfe. Wier, IIP., SiabensternD-1«. 2 l£cke KaH Schwöighofergasse). tain.Miriaisil Prospekte auf Wunsch. Man fürchtet noch immer deutsche Angriffe. Daittt-Germain, 28. Juni. Der Allianzvertrag zwischen Frankreich und den Bereinigten Staaten, worin stch diese verpflichten, Frankreich r m Falle e i n e s, d e n t f ch e n A n a r i f s e s zu Hilfe zu koimnen. soll nach einer Mitteilung des ..New Nork tzerüld" heute vor der Abreise Wilsons nnterzeichnet werdem Der Frisdensb ertrag vor der französischen Kammer. DsrsMes, 28» futnl. (Körr.-Blw.) „Petit Paristen^ nreldct. daß der Friedensverirag vörausstchtlich am nächsten Montag von Clemenkeali der Kammer voWlegt werden wird. Elcmcnceaii werde bei diesem Anlaß eme kurze Erklärung abgeben. _' Der deutsche Kksnprinz uichk geflüchtet. Lyon» S8. Juni. (Fnnkspr. des Tel.rKorr-Bnr.) Telegraphisch Migemelsct worden, daß drr dmischr Kronprinz aus Holland entwichen sei und stch nach Deutschland grfliichtet habe. Ein Haager Telegrainm berichtet. . daß eine amtliche Mitteilung erklärt, die vom dolländstchm Minister des Innern angestellten Nachsökschungen halten ergeben, daß stch der Kronprinz nach wie vor in W i e r i n g e n bestndct. Der Kampf rrm Hamburg. Berlin, 28. Juni. (Tel.-KvmpI Die gestern nachmittags begonnene Besetzung Ha mb u r g s durch die Reichswehr hat ein vorzeitiges und peinliches Ende gefunden. Die Volksmenge bemächtigte sich der M u n i t i o n s w a g e n der Truppen und wußte eine größere Anzahl Truppen zum Verlassen der Reichswehr zu überreden. Die Menge wollte die gesamten Truppen entwaffnen und die Milnit'iSn ius Wasser w e r f e n. Eine Veteinbarmrg der Offiziere in der Zwölfer-KoMmission ermöglichte es jedoch, der Mehrzahl der Reichswehrtruppsn» mit ihren Waffen nach Wündsbeck abzuzieyen. Eitr Teil der den Truppen vorher abgenommenen Waffen und Munition wurde auf einem Turnplatz aufgehaust und der Belageruttgsversuch der Reichswehr hat also nur dazu geführt, Waffen und Munition von neuem lit unkontrollierbare Hände zu liefern., An zahlreichen Stellen der Stadt wurden Plündern n g e n ausgeführt. Hamburg ist vollständig den bewaffnetetl Ra überbau den preisgegeben. Die Diebstähle in den von der Dolkswehr bewachten Lagern, insbesondere tm Freihafen nehmen einen geradezu er scb recken den Umfang an. Lebensmittel im Werte von Millionen sind gestohlen worden, mit beiten ein schwunghafter Handel zu Wücherpreisett getrieben wird. Eine wesentlich anders lautende Meldung über die Zurückziehung der Regiemngstruppm bringt das W v l f f b u r e a u. Es sagt, nachdem die Vertreter der Arbeiterschaft bestimmte Garantien siir die Erfüllung der von den Regierungstruppen gestellten Bedingungen gegeben haben, find die Regierungstrüppen v e r f ü ch s w e i s e aus dem Hamburger Stadtgebiet zurückgezogen worden. Blutige Schießerei iu Magdeburg. Magdeburg, 28. Iüm. Hier sind ernste LebenSmittclunruhen nuSttebrochen, die mit Plünderüngett auf d e m W o ch e n hmj rite emgeleitet wurden. Die Menge plünderte die LcbenZmittelgeschäste, wurde aber schließlich durch das Eingreifen dev Polizei Und der sofort alarmierten Truppen verjagt. Bei den Schießereien wurden zwei Personen getötet und eine verletzt. Man befürchtet noch weitere Z.äammenstöße. Der Berliner Eisenbahnevstreik. Berlirt, 28, ^uN>. (Tel.-Komp.^ Die Lage im Eisenbahnerstreik ist nüär völlkömmeir ungeklärt. Man kann sogar von eiiiet? weiteren Verschärfung d c t S t v e i k l K g e sprechen, da stch, noch einige Betriebt dem Streik aNgeschlosten haben. Die Organrsatiouett haben zwar in dttt gestrigen VerhätlokUngen auf Grund der ihnen von der Regierung getNachten Zugeständnisse der Beendigung b e s S t r e i k 8 ztigestiMnti, es hat jedoch den Anscheiit. als ob dit Arbeiterschaft ttlcht geschloffen hinter ihren ÖrgcintsakioneN stehe. Der w i l v e T i 11 ft i i t! datiert fort. Es henscht Nitr geringe NeigNNg z,tk WiedernusnahMe der Arbeit, wttl die Arbeiierschaft den Versprechungen der prenßtschen Regierung Mißtrauen entgeaendringt. Außerdem hat auch der Erlaß Nöskes MißstiiNiNuNg hnvorgerusen, die sich auch Unter den BeaiNtM fühlbar macht. Eine Abordnung der.Beamten soll von Nüske die Zurücknahme de§ Erlasses gefordert haben. ' Neurath auf fterem Fuß. München, 28. Juni. Morr--Bur.) Neurath wurde gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt. 29. Juni 1919 ©St« K . ~ 1 ■"..IlMi-ii —1. .. i .«fl* Dr. Lewlen verhaftet. Berlin, 28. Juni. Ditz „Frankfurter Nachrichtenmelden aus Wiesbadenr Wie aus zuverläffiger Quelle unter Vorbehalt Untgeteilt wird, wurde der Münchener Kommumstenführer Doktor. M a x L e w i e n hier verhaftet. J Die „Deutsche Zeitung" eingeftellt. Berlin, 23. Juni. (Tel.-Komp.) Di.e „Deutsche Zeitung" ist wegen ihres heute Morgens veröffentlichten Aufrufes verboten worden. Drnieint ist dei aufreizende Ausruf zUt ^Mche an der Entente. Dre Red.) M Die innerpolitische Krise iu Tschechien. “M Prag, 26. Juni. (Tel. der „Wr. Morgenztg/) Eine! Sonderkommäsion, in welcher die Sozialdemokraten B e ch h n e, und T tt s a r, die tschechischen Sozialisten Dr. Franke und; Laube sowie die Agrarier B r a d a c und Dr. Bpskovskhj vertreten sind, beraten noch immer über ein grüNdsätzlrches K-o-> a l i t i o n s p r o g r a m m. In b*fen Hauptgrundriffen wurde! das Programm der S o z r a l d e Nr o k r a t e n und des Klubs! der katholischen B o l k s p a r t e i angenommen. Beide! Gruppen haben stch die Entscheidung bis nächste Woche vorbehalten. Es verlautet heute, Präsident M.a s .a r h k hühe den Wunich geäußert, daß über die jetzige politische Aktion die in Pans weilenden Dr. Benes ch und K r a m a r s ch gehörtj werden sollen. "i Banknotenfülschung in Böhmen. '-! Prag» 28. Juni. (Tel.-Kömp.) Nach Meldungen tschechischer! Blätter soll die Mlütärpolizei falsche Banknote nst e m P e l im Betrage von mehr als K 1,800.000 beschlagnahmt haben. Dre Falsifikate sind so gelungen, daß sie von echten Stempeln nrcht zu unterscheiden sind. Auch eine Platte zu Drucke von Tausendkronennoten wurde beschlagnahmt. „Narodni Polrtika" behauptet, die Falstfikate seien in' D e u\t schböhinen beschlagnahmt worden; in^ die Affäre^ seien mehrere bekannte Persönlichkeiten aus Deutschböhmen ver-! wickelt. Tschecho-stowäkisch - amtzvikattLsche Handelsj gesekschäft. j , s Prag» 28. Juni. (Tel. der „28*. Morgenztg."), DaZ! Handelsmittisterinm hat mit Erlaß vom 16. d. M. dem Direktor.^ der' ..Dschecho-stowükisch - amerikanischen Handelsgesellschaft" in! New-Aork, Harry KostiabIvanovnsch, in Gemeinschaft mit V.. Kremlltschka Und Dr. Schaniel dre Vorkonzesston zur ErtichiUna eine* Aktiengesellschnst unter der Firma „Tschecho-! slowaktsch - amerikanische Handelsgesellschaft" mit dem Sitze in! Prag erteilt. Die erstgenannte Gesellschaft wurde in New-: Uork mit einem Aktienkapital von einer Million Dollar, gegründet und verfolgt den Zweck, Handelsbeziehungen znm tschechoslowakischen Staate ünzubahnen and ausrechtzuerhalten. Zu diesem Zwecke wird in Prag eine selbständige Schwesteranstalt, errichtet, die mit dem New-Dürker JnMtut Hand in Hand; arbeiten wird. Das Kapital der Prager Gesellschaft betragt zehn! Mrllionen Kronen in 20.000 Aktien ä K 500, die mit dem Kurse! von L 550 zur Zeichnung aufgelegt werden. Als Subskriptions-, stellen snng'leren die Agrarbank, Böhttnsche Jndnstnalbank, Prager! Kreditbank und die Zivnostenska Banka. Das Programm der tschechischen Sozialisten. Prag» 28. Juni. In einem Programm deS' sozialistischen Blockes wird auch eine Gauverwaltung, die AnsgestaltUug eiuer Wehrmacht auf Grund einer Miliz verlangt; desgleichen Handelsverträge, Anknüpfung guter Beziehungen mit den N a ch b a r st a a t e n,; eine Vermögens- und KriegsgewinnsteUe* und die Vorbereitungen, zur Sozialisierung der Industrie NNd Einführung oeri t s ch e ch t s ch e n A m t s s p r a ch e. Habermann — Gesandter in Washington, j Prag» 28. Juni. „Tribuna" meldet: Unterrrchtsministeri H ah erMann wird tschechischer Gesandter! in Washingtvn werden. Aufhebung des Paßzwanges in Frankreich. «saint-Germain, 28. Juni. (Korr.-Bur.) Die französische Regierung hat der Kammer einen Gesetzentwurf betreffend; den Aufenthalt und die Ansiedelung Frenrder in Frankreich vor-! gelegt. Das Gesetz hebt gewisse Kriegsmaßnahmen auf und be-! stimmt, daß die EiNre i s e frtziundnichtaudie! Vorweisung eines Passes gebunden sein; soll. Von irgendeiner DiffereUzierung zwischen Deutschen und den Übrigen Fremden lst in dem Gesetzentwurf nicht die Rede. DaSzhnski fordert die Abberufung der Polen schädigenden Delegierten aus Paris. Mährisch-Sftrau, 28. Iutti. (Tschecho-slow. Preßbm.) Laut einer Meldung aus Warschau hat gestern das Parlament den Antrag des Abgeordneten Baszynski, Kleinpvlen in drei Bezirke mit den Hauptstädten Krakau,! Lemberg und Rzeszow zu teilen, angenommen. Ferner überreichte Abgeordneter Daszynski einen^ dringlichen Antrag, in dem er fordert, daß die Mitglieder der polnifchenVertretung i n P a r i s, die durch ihre Tätigkeit P o l e n Schaden zusügen» ab berufen werden sollen.! Der Antrag ist hauptsächlich gegen D m o w-j Ski gerichtet. Die Akrainer geschlagen? 1 Mährisch-Ostrau, 28. Juni. (Tschecho.-flow.! Preßbur.) In Lemberg zirkuliert das vorläufig unb estätigte Gerüchh daß die uk rainische Front bei Przemysl durchbrochen wor-! d e n sei. Die Stadt B r o d'y, welche die Ukrainer vorübergehend besetzt hatten, sei erobert worden, ebenso Z l ü c z o w und T a r n o p ü l. - Der Prozeß gegen die uugarlschen GegenreVüluLionare. Budapests 28. Juni. sUng. Tel.-Korr.-Bur.) Beim Slaubgericht würden heute vormittags die Verhörefortgesetzt. Die bisherigen Aussagen lieferten Klarheit, bezüglich der Hintermänner des gegen-! revolutionären P u t s ch e s, weshalb neue. Verhöre Notwendig werden. So kam es heute zu! keiner U r t e i l s f ä l l u n g. Voraussichtlich! dürfte das Urteil erst nach Erledigung dep gesamten u n g e h e u r e n V e r h a n d l u n g s m a t e r i a l siiber sämtliche Llngeklagte gleichzeitig gefällt werden.