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Wiener Morgenzeitung · 1919-06-26 · Heft 157 (26.6.1919) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 157 (26.6.1919)
Date
1919-06-26
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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, Nr. 157 U,pU...- Wien. Donnerstag Demission des Grafen Wedel. Wie wir erfahren, tragt sich der deutsche Botschafter m Wien, Graf W e d e l, mit der Absicht, aus dem diplomatischen .Dienst zu scheiden. Die Reichskonferenz der Arbeiterräte. Nach der „Arbeiter-Zeitung" findet die -weite NeichSkonferenz der Arbeiter rate Deutschs sie r r e ich s ab 3V. d. M. in Wien statt. Als vorläufige Tagesordnung schlagt der Reichsvollzuasausschuß vor: 1. Berichte. 2. DaS Organisationsstatut der Acbeiterrüte. 3. Die politische Lage und fgaben der Arbeiterräte. 4. Anträge. Unstimmigkeiten bei den Kommunisten. Die Ereignisse des 15. Juni und die Enthüllungen im KreiSarbeiterrat haben, wie wir erfahren, innerhalb der kommunistischen Partei zu Streitigkeiten geführt, deren erste Folge die Ausschaltung des viergliedrigen Direktoriums war. Die gcmälügten Mitglieder der Partei werfen dem Direktorium, aus dem bereits Herr Melcher ausgeschiedrn ist. Diktatur vor und wollen auch weiterhin die Institution der Räte als direkte Vertreter des Proletariats ausrechterhalten. Sie machen auch das Direktorium für den Widerstand verantwortlich, der sich infolge der blutigen Vorfälle bei der sozialdemokratischen Partei gegen die Prollamierung der Räterepublik zeigt. Die Juli-Fälligkeiten der allgemeinen und der österreichischen Staatsschuld. S*' Die deutschösterreichische Finanzverwaltung wird •fcfe Juli-Fälligkeiten (fällige Zinsscheine und Mr Einlösung bestimmte Staatsschuldverschreibungen) der allgemeinen, wib der österreichischen Staatsschuld Unter den in der Kundmachung des deutschösterreichischen Staatsamtes für Finanzen vom 23. Mai 1919 für den Ankauf der Juli-Fälligkeiten bestimmten Voraussetzungen ankaufen. Parteien, welche nicht in der Lage sind, die geforderten Erllärungen abzugeben, bleibt es unbenommen, sich wegen Ankaufs der in ihrem Besitze befindlichen Staatsschuldfälligkeiten oder eines Teiles derselben unter Darstellung der für ihr Begehren sprechenden Umstände an die Direktion der Staatsschuld in Wien zu wenden. Die direkte Ueberreichung von Gesuchen oder die persönliche Borbringung des Anliegens ist zwecklos und kann die Erledigung nur verzögern, da die Gesuche ohne meritorische Prüfung an die Direktion der Staatsschuld zur weiteren Amts- Handlung geleitet werden. , Die Einreise nach Tirol. , ’ Personen, die länger als drei Tage in einer Gemeinde Tirols Aufenthalt nehmen wollen, haben schriftlich oder telegraphisch bei der Tiroler Landesr^ierung (Einreiseamt) bei gleichzeitiger Einsendung des Betrages von 10 Kronen pro Haushalt (Ehegattin, Kinder, eine Begleitperson) um die.Bewilligung auzusuchen. Die Gesuche haben zu enthalten: Vor- und Zuname, Beruf, Alter aller. Personen, die diese Bewilligung anstreben, ständiger Wohnort mit genauer Vorschrift, gewünschte Aufenthaltsorte, Aufenthaltsdauer, Und Zweck des Aufenthaltes. Jedermann, der, sei es mit einer Bewilligung der Landesregierung zu längerem Sommeranfenthalt oder Mit einer Kontrollkarte zu vorübergehendem Aufenthalt einreist, hat sich in der Gemeinde seines Aufenthaltsortes sofort nach Eint, essen beinr Gemeindevorsteher persönlich anzumelden. Reisende, die sich dev Verschleppung von Lebensmitteln, der Ueberzahlung der behördlich festgesetzten Preise oder einer Uebertretung dieser Verordnung sowie der Vorschriften über die Verbrauchsregelung schuldig machen, werden von den politischen Bezirksbehördw mit Geldstrafen bis zu 15000 Kronen oder mit Arrest bis zu sechs Wochen bestraft und zwangsweise zu sofortigem Verlassen des Landes verhalten. der Schulausgaben nur 1004 Lst. beträgt. Es ist selbstverständlich, daß die Ansprüche der beiden Landesteile im laufenden Jahre eine ganz erhebliche Vermehrung des gesamten Schulbndgcts bedeuten werden. Die von der Zionistischen Kommission dem Unterrichtswesen dargebotene Hilfe ermöglichte in wenigen Monaten eine bedeutend« Vermehrung der Leistungsfähigkeit der Lehrer, die Erweiterung des Arbeitsgebietes sowie die Förderung der Einheitlichkeitsbestrebungen innerhalb des Palästina-Schulwesens. Die eminent« Bedeutung des SchulwerkeS in Palästina kann nicht zu oft und zu sehr betont werden, besonders nicht in diesem Augenblick vor dem Einsetzen einer großen Massenemigration von Europa. Bei dem heutigen Erwachen des nationalen Bewußtseins in allen jüdischen Zentren der Diaspora muß in Palästina das Zentrum jüdischen Lebens und jüdischer Kultur errichtet werden, so daß die Galuthjudevheit dort eine dauernde Quelle jüdischer Impulse finden wird und in de» Stand gesetzt werden kann, das Feuer Mischen Wesens und jüdischer Tradition dauernd und unvermindert am Leben zu erhalte». Demgemäß förderte die Kommission Überall und bei jeder Gelegenheit rein hebräische kulturelle Bestrebungen. Eine interessante Tatsache in der Beziehung war die Bildung eines kulturellen Ausschusses jüdischer Arbeiter und Arbeiterinnen. Der Zweck des Ausschusses ist die Errichtung von Arbeiter-AuSbllbungSkurfen, die speziell auf jüdische Landarbeiter abgesehen sind. Ein Projekt zur Bildung von Arbeiterhochschulen nach westeuropäischem Muster ist bereits erörtert worden. Man hofft, daß das Projekt, das von höchstem kulturellen Werte ist, mit Hilfe der Kommission verwirklicht werden wird, j ' : Wiener Morgenzeitung 26. Juni 1919 Seite 3 Das Echo der deutschen Antwort. W i e n, 25. Juni. . Die Nachricht, daß Deutschland den Vertrag unterschreiben will, hat in Paris ein^n großen Jubel ausgelöst. Clemenöeau, der „49 Jahre auf diese Minute gewartet hat", sonnt sich im Genuß gestillter Rache. Darüber tritt d'ie Wirkung der Vorbehalte, die Deutschland, wenn auch verhüllt, gemacht hat, zurück und die deutliche Drohung kommender r ernste Zusammenarbeit der Alliierten während einer langen Periode geschehen. Es sei Deutschlands Art. ein falsches Spiel zu spielen, und es erttärt selbst, daß dies sein Plan sei. Vom ersten Augenblick an, sagt das Blatt, müssen wir uns diese Warnung zu Herzen nehmen. Es gibt nur eine Waffe, die Erfolg haben kann, dieselbe Waffe, mit der.die Alliierten den Krieg gewonnen haben: Revanche, wird nicht sonderlich ernst genommen. Man istüberzeugt, daß das R u h e b e d ü'r f n i s ° in Deutschland größer ist, als alle nationalistischen und'chauvinistischen Wühlereien es glauben machen wollen. Die Machrichten jedoch, welche aus Berlin kommen, bieten recht wenig Gewähr dafür. Zwar hat die Reichsregierung einen Aufruf an das deutsche Volk erlassen, worin sie als erstes Erfordernis die E r f ü l lu n g d e s F r i e d e n s v e r t r a g e s, als zweites Arbeit und als drittes Pflichttreue hinstellt. Es gebe nur einen Weg aus der Finsternis dieses Vertrages, nämlich die Aufrechterhaltung von Ruhe und O.rdnnng durch Einigkeit und Arbeit. Mer die Neichsregierung hat zur Stunde eine recht schwache Position, das Schwergewicht scheint allen Dementis zum Trotz doch wieder mehr und mehr zu den militärischen Instanzen hinüberzugleiten, die Offiziere bilden jetzt schon eine Art Nebenregierung, der Gedanke einer Militärdiktatur wird lebhaft erörtert, und an der Genfer Börse tauchten bereits Gerüchte auf, daß die deutsche Gardekavallerie- Schützendivifion in Berlin sich der Reichsümrk bemächtigt und Von dort aus den Eroberungszug durch Berlin angetreten habe. In England, wo der Haß die kühle Beurteilung nicht so sehr in den Hintergrund zu drängen vermochte, wird der Ernst der Situation deutlicher erkannt. Die „Times" schreiben, die Unterzeichnung des Friedensvertrages werde den Frieden nicht bringen. Dies könne nur durch eine dauernde, Gegenseitige Freundschaft, Achtung und Treue. Die „Morningpost" schreibt: Deutschland schließt Frieden mit Haß im Herzen. Es ist den Alliierten zu raten, auf ihrer Hut zu sein. „Daily Herald" erklärt: Deutschland kann und wird sich nicht an den Vertrag halten, während es wohl einen Vertrag gehalten hätte, der auf aufrichtiger Basis ausgebaut war. Es ist daher ein Fehler, Deutschland zur Unterschrift zu zwingen. Es wäre töricht, durchvorzeitige Freudenknndgebungen einen Freden zu feiern, der kein Fr rede.ist. Uird Austin Harrison veröffentlicht im „Daily Herold" einen Artikel, in welchem es heißt: Es ist jetzt klar, daß der Pariser oder der zweite Friede von Tilstt zu neuem Chaos führen muß und die Liga der Nationen illusorisch m a ch k Die Arbeiter der ganzen Welt sollten die Folgen dieses Friedens sorgfältig überlegen. Diese Folgen sind zweierlei: wirtschaftlich und militärisch. Die allgemeine Wehrpflicht wird eine nationale Pflicht werden. Aber nicht nur das, sie wird zur Militarisierung aller jener Körperschaften wie Polizei, Schulen, Universitäten und sogar der Presse führen. Wirtschaftlich bedeutet der Frieden Sklaverei und Sklavenarbeit für den Feind, für die Sieger daher -moralische Erniedrigung. Wir werden Polen,' Tschechv - Slowakien. Jugoslawien und Rumänien finanzieren m ü s s e n, um sie in die Lage zu versetzen, ihre Armeen zu erhalten. Das wiederum bedeutet hohe Steuern für uns selbst. Schwere Ausschreitungen in Hamburg und Berlin. Berlin, 26. Juni. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Im Verlause von Demonstrationen anläßlich der Entdeckung von Lebensmittelverfälschüngen kam es in Hamburg am 24. d. $£,,, abends, zum B lutvergießen. Die ängefammelte Menge versuchte in das Rathaus einzudringen.. Herbeigeeilte Verstärkungen von Sicherheitsmannschaften wurden zu entwaffnen versucht. Daraufhin gaben diese scharfe Schüsse ab, wobei mehrere Personen getötet oder schwer verletzt wurden. Von der Kommandantur Hamburg ist über die Städte Hamburg, Altona und Wandsbek der Belagerungszustand verhängt worden. In der Nacht kam es zu regelrechten Straßenkämpfen. Die Menge versuchte auch, das Rathaus zu st ü r in e n. Sie begann, als dies nicht gelang, ein Bombardement gegen di^ Börse und zündete die Ecken des Börse gen bäudes an, doch wurde der Brand bald gelöscht. Nachdem auch Artillerie eingegriffen hatte, gelang es bald nach 3 Uhr, denHauptbahnhofwieder zu erobern. Am 25. d. M., vormittags, lebte das F e u e r g es e ch t in der Umgebung des Rathauses wieder auf. Die Truppen griffen energisch ein. Die Zahl der Ovser der Nachtkämpse läßt sich noch nicht übersehen. Bis Mittemacht wurden 10 Tote und 50 Schwerverwuudete angegeben. Daß es sich hierbei nicht um gewöhnllche Straßenunruben handelte, sondem um einen neuen Versuch der Spartakisten, einen Putsch m inszenieren, geht daraus hervor, daß ein Teil der Volkswehr seine Massen an die Spartakisten abgegeben hat. Auch inB e rlin habendieAusschreitnngen gegen die Lebensmittel!^ den und andere Geschäfte am 24. d. M. angedauert. Bei der Plündemng eines Schuhwarengeschäftes in Moabit wurden die Wachleute angegriffen. Sie mußten von der Waffe Gebrauch machen, wobei mehrere der Angreifer schwer verletzt wurden. An vielen Straßenkreuzungen wurden Maschinengewehre ausgestellt. Berlin» 26. Juni. (Korr.-Bur.) Der „Abend" meldet aus Hamburg: Rach stundenlange» heftige« Gewehr- und Granatenkämpfen trat um 1 Ahr eine gewisse Beruhigung ein. CS finden seht Verhandlungen zwischen Spartakisten und Regierungstruppen statt. Die Bahnhöfe find von Spartakisten bewacht und» um die Ankunft auswärtiger Truppen zu verhindern» find die Geleise bis zur ElbebrüÄe und in anderer Richtung arrfgeriffen. Telegramme. Das Echo der deutschen FlottenversenKrmg. Paris, 25. Juni. (Korr.-Bur.) In Paris wird offen darauf angespielt, daß die britische Negierung seinerzeit für die Versenkung der deutschen Schiffe war, angeblich, um einen Grund zur Uneinigkeit unter den Verbündeten aus dem Wege zu schaffen. Frankreich war cmmer gegen eine derartige Losung, es forderte seinen g r» r e ch t e n A n t e i l an der deutschen Flotte. . ■ „Journal* äußert sich r „Die Berantworüichkrit derjenigen, welche das gemeinsame Pfand der Alliierten hätten be- . wachen sollen, ist sehr schwerwiegend." „Oeuvre": „Unsere Feinde sind dem unansgesprochenemWunsche Englands entgegengekommen." „Petit Journal" verlangt eine Entschädigung und vertritt die Meinung, daß Frankreich alle von ihm überwachten deutschen Unterseeboote für sich behalten solle. Ferner sollten die Verbündeten eine größere Anzahl der deutschen Handelsschiffe an Frankreich abtreten, da es an diesen den größten Mangel habe. Der Biererrat berät über Seapoflow. j Paris, 24. Juni. (Tel.-Komp.) Der Rot der Vier hat sich gestern den größten Teil des Tages mit den Ereignissen in Scapoflowbeschäftigt. Mit Rücksicht darauf, daß von den Fachleuten noch keine Berichte eingelaufen sind, konnte der Rat noch zu keinem Ergebnis kommen. . Bonar Law über die Versenkung. - London, 94. Juni. (Tel.-Komp.) Im englischen Unter« hause teilte BonarLaw über daS Versenke« der deutsche» Flotte, mit Vizeadmiral vo» Revier habe erllärt, baß er Befehl gegeben habe, bie Schiffe in versenken, «eil er der Ansicht war, daß der Waffenstillstand am 21. I anr, 13 Uhr zu Ende sei. ES hätten sich für ihn keinerlei Schwierigkeiten ergeben, den Beseht werter zu verbreiten, well er die Erlaubnis hatte, seine Schiffe zu besuche», um die Disziplin aufrecht zu erhalten. Nach de« bisherigen Nachrichten seien lOSchlachtschifsegesunken, während eines treibend sek. 7?eite.s fciai 5 Schlachtkreuzer und 6 leichte Kreuzer gesunken- Z le-chte Kreuzer seien aus Strand gesetzt. Außerdem seien 80 Towedoboote gesunken, 8 ftetbeti und 18 find auf Strand gesetzt. Die Frage oer Entschädigung fürdieBer« s e n k u n g * wird jetzt in Paris von den Alliierten erwogen. Bonar Law sagte weiter, daß eS unmöglich gewesen sei, Maßnahmen zu treffen, um die Versenkung zu verhmdem. Die britische AdmiraMt sei nicht ermächtigt gewesen, Wachen an Bord zu stellen. j Das Problem der Aufteilung der deutschen Schiffe durch die Versenkung gelöst. j Amsterdam, 94. Juni. (Korr.-Bur.) DerMarimsachverstänbige des »Daily Chronicle* schreibt, die D e u t s ch e u hätten durch die Versenkung der Schiffe die Gelegenheit ergriffen, sich der endgültigen Schmach ru entziehen- und die deutsche« Schiffe seien mit wehenden Fahnen mttergeganaen. Darüber, ob die Versenkung »u l 3 s s i g sei, gehen dem Sachverständigen zufolge die Anslchten auseinander. Der Frieden-Vertrag sei noch nickt unterzeichnet, der Krieg dauert noch an. Im Kriege könne das Entweichen von Gesang«»»» und Schiffen auf eigene Gefahr schwerlich verurteilt werden. Der Sachverständige ist der Ansicht, die Deutschen hätten cm Problem gel 3 st, das so schwierig gewesen sei, daß es wahrscheinlich die Alliierten untereinander tttttiBtit hrtfafit tnttrhft. " "" ai

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