Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 153 (22.6.1919)
- Date
- 1919-06-22
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 8 Men, Sonntag Bühne und Kunst. Konzerte. Zusammentreffen des lange angeküttdigten rheinländischen Pianisten Karl Friedberg mitWilhelmFurtwängler, der mit seiner Aufführung der Neunten Symphonie so viel .Aufmerksamkeit erweckte, sollte daS Substrat eines Beethovenfestes ergeben. Aber F-urtwäugler blieb aus und Karl Friedberg, ein schlichter Musiker, ist wenig geeignet, die Hauptperson eines Festes darzustellen. So blieb mls willkommenste Gabe, was man eigentlich nur zur Füllung hinzugefügt hatte: die Leistungen unseres Rosöquartetts. ' Karl Friedberg gefiel und enttäuschte zugleich. Gefallen erweckte sein ungeheucheltes .Aufgehen in Musik, sein ehrliches Bekennen zu mancher sonst nicht geläufigen Auffassung, die dennoch plausibel zu machen versucht und das feine Empfinden für Differenzierungen des Klavierklanges, das ihn besonders beim Kammermusikspiel auszeichnete. Was aber hinter den Erwartungen zurückblieb, war Glanz und Klarheit der Technik und rhythmische Prägnanz. Daran ließ es der in so blendendes Licht gestellte Gast gelegentlich empfindlich fehlen, wie beispielsweise im Schlußsatz des Es-dur-Konzertes oder in manchen Teilen der 32 Variationen und der Es-dur-Sonate op. 31. Besser gerieten die Sonaten op. 109 und ,Les Adieux", am besten das Rondo vom verlorenen Groschen. Mt Ros6 spielte er die selten gehörten Violin- Sonaten in A-dur und G-dur. In dieser letzten Sonate hat der späte Beelhovenstil ein lang erkanntes Wunderwerk an musikalischer Zwiesprache geschaffen. Die beiden Musiker fanden sich dabei in glücklicher Stimmung zusammen. Am schönsten war es aber dych, wenn das Rosßquartett allem erschien. Da stellte sich mit dem ersten Bogenstrich die festliche Andacht der Zuhörer ein. Das erste Rasumoffskyguartett, die Quartette C-moll op. 18 Und Es-dur op. 127, man hat sie oft gehört, aber möchte sie von diesen Künstlern immer wieder hören. Nichts Geheimnisvolles bleibt da in den Spätwerkcn Beethovens unerschlossen, alles wird zu klarein und transparentem Erscheinen gebracht und so lichtvoll dargestellt, wie es der große Schöpfer erschaute. Man empfand das Glück reinsten Genießens und dankte mit der Wärme des Verständnisses. Im ersten der Orchesterkonzerte dirigierte Weingartner die CoriolanouvertÜre und die A-dur^ymphonie sEs war wenig, was der gefeierte Dirigent aus dem Orchester zu holen verstand. Mag es der Mangel an Proben sein oder erlich: Erschlaf.'unr, cs klang wie'Pflichtmusizieren, ohne rechte Stimmung, ohne das Fühlbarwerden einer kraftvoll führenden Persönlichkeit. Weingartner konnte sich dennoch im Glanze sein r Beliebtheit sonnen und reichen Beifall guittiereu. _ M. Offenbach. Gestern waren es 100 Jahre, daß der Kölner Kantorensohn Jaques Offenbach geboren wurde. Aus dem musikalischen Wunderkinde ist der Klassiker der modernen Operette geworden. Sein „Orpheus in der Unterwelt" und die „Schöne Helena" gehören zu dem ewigen Besitzstand der Musik und nicht minder die Oper „Hoffmanns Erzählungen", deren großen Erfolg er nicht mehr erlebte. Sie wurde aufgeführt, als der furchtbare Theaterbrand in Wien große Menschenopfer forderte, erschien dann lange nicht am Repertoire, bis die Vorzüge dieses Werkes den Aberglauben besiegten. Heute gehört sie wieder zum efferncn Besitzstand der Wiener Over und ist nach wie vor hochgeschätzt. Zahlreiche, selten gespielte Einakter sowie die einst hoch berühmte „Großherzogin von Gerolstein" zeugen ebenfalls von seiner genialischen Begabung. Offenbach starb am 5. Oktober 1880. Max von Schillings — Direktor der Berliner Oper. Aus Berlin wird vom 21. d. M. telegraphiert: Das Personal der staatlichen Oper hat in einer Vollversammlung Max von Schillings zum Direktor gewählt. Aus den Theatern. Der Spielplan des Bnrgtheaters vom 22. bis;um 30. d. M. wurde wie folgt festgesetzt: Sonntag den 22.: .Erde", „K arrn er! e u 1’". Montag den 23.: „Garten derJngend". Dienstag den 24.: Zum erstenmal: „Das Van d", „BormTode". Mittwoch dm 25.: „I a a k o b s Trau m". Donnerstag dm 26.: „D a s B a u d", „B.o r m Tode". Freitag dm 27.: ,D a s B a nd", »Vorm Tod e". SauStag dm 28.: „DaS Märchen vom Wolf". Sonntag dm 29,: „DaS Band", „Borm Tode". Montag dm 30.: „D r e F a h r t i n s B l a u e". Im Schönbrunner Schloßtheater wird heute Sonntag L e s s i n g s Lustspiel „Minna von Barnhelm" aufgeführt. Anfang '/.7 Uhr. Der Spielplan des Schönbrunner Schloßfh e a t e r s vom 22. bis 30. d, M. wurde wie folgt festgesetzt: Sonntag den 22.: „M innavonBarnhel rn"., Montag dm 23.: '..Der B i b e r p e l z". Dienstag den 24.: '„P h ä d r a". Mittwoch den 25.: „D i e S o r i n a". Donnerstag dm 26.: Zum erstenmal: „Logik des He r z e n s". Freitag dm 27.: „Logik d e S Herzens". Samstag dm 28.: „Der Fremde und d e r B a u e r", „V y n ihm alle T u g e n d e n", „D i e S p i e l e r". Sonntag dm 29.: „Logik des Herzen s". Montag dm 30.: „T r i ft a n s T o d". _ Zu Gunsten her Hinterbliebenen nach den Pogromopfern veranstaltet die jüdisch-akademische Verbindung >J o r d a n i a" am Samstag dm 28. d. M. im D eutsch en Volkstheater eine Ausführung von Nathans onS Schauspiel „H i n t e r M a u e r n". In dm Hauptrollm wirken mit: Güka Wagner, Danegger, Homma, Klitsch, und O u u o. Karten sind zu haben an der Kaffe des Deutschm Bolkstheaters, im Cafe Industrie, IX., Porzellangasse, und im Verbandsheim, IX., Alserstraße 28. Der jüdisch-sozialistische Arbeiterverein „Poale« Aion" veranstaltet Mittwoch den 25. d. M. im Hotel „Post" MlWich, des rebmäbriaen Todestages Jakob G o r d i n 2 eine Wiener Morgenzeuung Festvorstellung. Zur Auffiihrung gelangt: „DerMetures" von Jakob G o r d i n. Einleitender Bortrag von Dr. Juris. Karten sind zu haben bet Löwit. 1. Rotentunnstraße, Berkansstette des Jüdischen NationalsondS, II., Schmelzgaffe 17, und im Vereinslokalc. Arien-- und Liederabend Ignütz Körner.. Ignatz Körner bat für seinen Mittwoch den 25. d. M., V48 Uhr abends, im mittleren KonzerthauSiaale stattfindenden Hl. Arien- und Liederabend folgendes Programm gewählt: Mozart: Arie aus „Die Zauberflöte": Beethoven: „Adelaide, ich liebe dich", „Liebesungeduld"; Donizetti: Arie aus „Der Liebestrank"Puccini: Arie aus „Tosca": Viktor Ur b a ntschitsch: „Sternenglanz", „Wiuterfrühling"; Beck: „Kommst du; Liszt: ..Wieder macht ich dir begegnen", „O komm im Traum"; Ko rüg old: Ständchen aus „Biolanta". — Restliche Karten bei Heller, I., Balrernmarkt 3, bei Kehlendorser, I., Krugerstraße 3, und'an der Konzerthanskaffe, 11!.. Lochringerstraße 18. Operettentantiemen für Lebensmittelsendungen. Wie tn Wiener Künstler- und Theaterkreisen mitgeleilt wird, wurden in Amerika die Tantiemen der dort fortgesetzt gegebenen Operetten von W i e n e r K o m p o nisten mit Beschlag belegt, und zwar als S i ch e r st e l l u n g für die L r b e n s m i r t e l s e n d u n g c n nach Wren. Es handelt sich um nicht unbedeutende Smmnen. Dce Tantiemen gehörten L c h a r, K a l m a u, A s ch e r und Winterber g. Literatur «^Wissenschaft. Peter Attenberg: Mein Lebensabend. (Verlag S^ Fischer, Berlin, 1919») Peter Altenbergs letztes Buch, bas zu seinem 60. Geburtstag hätte erscheinen sollen, liegt nun als posthume Gabe in den Händen der Freunde seiner eigenartigen Kunst. Die Fülle kleiner Prosadichtungen, die der Band. vereint, vermag das Charakterbild des vor kurzem verblichenen Poeten um keine wesentlichen Züge zu bereichern; dazu war seine Persönlichkeit allzu fest Umrissen — bezwingend jedoch ist der Eindruck ungebrochener Jugendlichkeit, die in diesen Zeilen lebt. Der ewig junge Alte blickt mit den Augen des Kindes in diese rätselhaft wirre und doch so schöne Welt und auf ihre immer von neuem unergründlichen Wunder von Natur, Anmut, Schönheit und Demut. Dieser komprimierten, scharfkantigen und völlig unpathetischen Prosa, die wie ein Naturgebilde wirkt, merkt nur der Kenner dem künstlerischen Destillationsprozeß an, aus dem sie geworden ist. Ihrem Stil, ihrem Wesen, ihren Linien nach tritt sie irgendwie an die Seite der zeitgenössischen guten Ztveckkunst in der Architektur, des primitiven Realismus in der neuen Malerei. Wo Allenberg sich als „modernen Dichter" bezeichnet, vergißt er nie, das Eigenschaftswort unter Sperrdruck zu setzeu. Seine Skizzen sind kleine Extrakte aus der verwirrenden Buntheit des Lebens und seine kindliche, ewig wahre Begeisterung drückt sich in einem durchaus realistischen Telegrammstil ans. Ein spielerischer Zug ist ihm eigen und die Andacht zum Kleinen sein Merktstal, aber dabei steht keine seiner knappen Skizzen für sich selbst da und die geringste Beobachtung an für uns anderen minder wichtigen Dingen, der kleinsten Aeüßerungen aus einem engbeschränkten Dasein hat'einen Zug zum .Symbol. So wird Peter Altenberg zunr Philosophen des Lebens. Hat er es nicht selbst irgendwo einmal geschrieben? „Die Japaner nnalen einen Blütenzweig: aber es ist der ganze. Frühling." Wer diesem Dichter, diesem modernen Frauenlob in Holzsandalen, innerlich zu folgen vermag, wird über der nur scheinbaren Enge seines Weltbildes den Schwung und die Weite seines Gefühls empfinden, aus welchem sein Können gespeist ward. Jede Zeile Altenbergs ist echt und an seinem allem Literatentum fernen Schaffen erkennt man mit einer im Bereich des gegenwärtigen Schrifttums selten gewordenen Klarheit, was „künstlerisches Erlebnis" ist. Das macht den Wert seiner Leistung, die in eine Zeit gestellt ist, da „Talent" und „Literatur^ alle wahre Kirnst verschütten wollen. Diese kleinen Skizzen, in d?rien eine kindlich reine Seele, rührend in ihrdr Unberührtheit, geriihrt durch jede Schönheitsgnade im Dasein, prachtvoll in ihrem indignierten Zorn, einfältig fwmm die Unschnldsaugen aufschlägt, hat ihm niemand vorgemacht, macht ihm wohl mancher nach, aber gerade an ihrer inneren Unnachahmlichkeit kann man erkennen, was Peter Albenberg gewesen. A. F. Büchermarkt in Dänemark. Für den großen nordischen .Schriftstellerkongreß, der in diesen Tagen in Kopenhagen stattgefnnben hat, ist eine Statistik über den Büchermarkt in Dänemark ausgearbeitet worben. Es ergibt sich daraus, baß Dänemark mit feiner Bevölkerung von 2J/a Millionen Einwohnern ein Land, ist, in dem eine ganz außerordentliche Leselust besteht. Im Jahre 1018 wurden für 18 Millionen Kronen Bücher verkauft. Hierzu kommt noch, daß das Ausleihen von Büchern durch Volksbibliotheken, die von dem Staat finanziell unterstützt werden, Jahr für Jahr größer wird. Gegenwärtig gibt es über 700 Volksbibliotheken; £,375.000 Bücher sind im vorigen Jahre von diesen Bibliotheken ausgelieyen' worden. Ans einer Statistik über die Verbreitung der Bücher der modernen dänischen Schriftsteller geht hervor, daß Holger D'rachmann an der Spitze steht mit 685.000. Exemplaren. Darnach folgen Georg Brandes mit '541.000, Zacharias Nielsen mit 01.000, SophuS Bäuditz mit 362.000, Henrik Pontoppidan mit 313.000, Johannes Jorgensen mit 310.000, Wilhelm Bergse mit £94.000 und Johannes. JB. Jensen mit 166.000. Fqstourath-Stifhurg. öln: Der Stistungsrat der Johannes Fastenrath-Stiftung in Köln hat beschlossen, aus den zur Verfügung stehenden Stiftungsmittelu Schriftstellern und Schriftstellerinnen Ehrengaben im Gesamtbeträge von 7000 Mark zu bewilligen. Es erhielten Ehrengaben: Paul Ernst, Julius Hardt, Else Lasker-Schülex, Grete Meisel-Heß, Horm. Stehr, Emil Strauß, Franz Werfel. Außerdem wurden 1000 Mark zu Unterstützungen für in Köln. ansässige Schriftsteller upd. 'Schriststellerinneu verwendet. , 22. Juni 1919 9tr. 153' Bibliothek btt. israelitischen Kultusgcmcindc Wien. Der Lesesaal der jüdischen Gcmeindcbibliothek war im Monat Mai 1919 an 23 Tagen geöffnet und während dieser Zeit von 1328 Lesern besucht, an die 1834 Werke in 2195 Bandest gereicht wurden. Entlehnt wurden an 684 Personen 795 Werke in 1016 Bänden. Bon den Hochschulen. Der an Stelle des am 12. Mai 1918 plötzlich ^verstorbenen HofrateS Professors Dr. Ottokar Chiari zunr Vorstande der Universitätsklinik für Kehlkopsnnd Nasenkrankheiten ernannte Professor Dr. Markus Hajek hat gestern die Klinik übernommen und wird Montag seine Antrittsvorlesung halten. — Professor Ernst Cassirer, bisher' Privatdozent an Berliner Universität, ist als Professor für Philosophie an die Hamburger Universität, berufen worden. Er vertritt als Schüler Hermann Cohens einen an Kant orientiert:« Idealismus. Max Herz-Pascha gestorben. Bor kurzem starb im Alter von 63 Jahren in Zürich, wo er seit einigen Jahren lebte, der Architekt und ehemalige Konservator der arabischen Baudenkmäler in Aegypten Max Herz-Pascha. Er hat sich um die Erhaltung und Restaurierung der Kaircner Moscheen große Verdienste erworben und war einer der vorzüglichsten Kenner der ägyptischen Kunst in der arabischen Epoche. Als solcher wurde er der Nachfolger von Franz-Pascha in der Leitung des Arabischen National-Museums. Herz hat zahlreiche Arbeiten über die ältere arabische Baukunst Aegyptens veröffentlicht und auch den Katalog des Museums? verfaßt. Gin Rabbiner gegrn amerikanische „Schlafzimmer-Dramatik. In New-Aork erregt ein Angriff auf die heutige amerikanische Bühnenkunst großes Aufsehen, den einer der bekanntesten Geistlichen der Stadt, der Rabbi Stephen Wise. in einer Predigt über das „Dekadente Drama" in der Freieil Synagoge in der Carnegie-Hall gerichtet hat. In den New-Aorkev Bühnen herrscht gegenwärtig eine „Epidemie von Schlafzimmer- und Bettwäschestücken", die Dr. Wise als eine Schande bezeichnete. Er erklärte, die Leute von der Bühne seien heute in New-Pork zum größter! Teil ungebildetes Volt. „Das Theater von heute ist überfüllt mit männlicher! und tveiblichen Bummlern", sagte er in seiner kräftigen Sprache. „Die Veranstalter von Aufführungen betrachten augenscheinlich das Drama nicht als eine Kunst, sondern als eine Gelegenheit, halb angezogene Frauen auszustellen. Ich sage nicht, daß alle Stücke schlecht und alle Schauspieler ungebildet sind, aber sehr. viele sind es, und zeigen eine Aufführung, die gebildete Leute nicht ruhig hinnehmen.sollten." Um zu zeigen, wie begründet dieser Angriff ist, werden folgende Titel'asts den Theateranzeigen in oen New-Porker Blättern angeführt: „Eine schlaflose Nacht", „Schlafender Partner", „Aufgestanden in Mabels . Zimmer", „Empfangszimmer, Schlafzimmer und Bad" und „Die Frau im Zimmer 13". Gottes Bold oder Gottes Völker. Diese Entgegnung auf Dr. Nathan Birnbaums Bekennerschrift „Gottes Volk" entwickelt die religiös-theoretischen Grundlagen, auf denen jene Schrift nach Ansicht des Verfassers Dr. Max W c r 1 h e i m e r ihre dogmatischen Luftschlösser aufgebaut hat. Er bekämpft aufs heftigste die dort aufgestellten Thesen und liefert baniit einen Aufschlußreichen und lesenswerten Beitrag zur Klärung der religiösen Streitfragen unserer Zeit. Preis X 3.80. Zn beziehen durch die Buchhandlung R. Löwit, Wien, I., Rotcnlmmstraße 22. Gerichtssaal. Zur Entlastung der Gerichte. , Die Belastung der Gerichte ist in der letzten Zeit so groß geworden, daß dm Jntereffm des rechtsuchcnden Publikums nicht mehr genügend Rechnung getragen werden kann und sich Prozesse schon wegen der großen Zeiträume zwischen den einzelnen Vcr- >. Handlungen iiberaus lang hinziehen. Dieser Umstand hat das Gremium der ständig beeideten gerichtlichen Sachverständigen und Schatzmeister und .die niederösterreichische Jngenieurkannner veranlaßt, die Institution des Schiedsgerichtes auszubancn und c.n S ch i e d s a m t zn schaffen. Die Präsidien der beiden Korporationen haben im Justizamt beim Staatssekretär Dr. Dratnsch sowie bei dm Präsidenten des Oberlandesgerichtes, hes Handelsgerichtes und des Zivillandesgerichtes vorgesprochen, . um auf die neue Institution hinzuweisen rmd insbesondere darzulegm, daß das SchiedSamt, das nur ein fachmännisches Gutachten über den Streitfall abgibt, geeignet ist, einerseits die Grundlage für einen billigen Vergleich zu schaffen, andererseits dem Richter über die fachlichen Momente des Streitfalles in unparteiischer Weise Aufschluß zu gebm. Dadurch erscheint das langwierige bisherige Verfahren, das meistens erst auf Grund eines Sachverständigengutachtens beendet wurde, gewissermaßen unigekehrt, indem bei Jn- 'anspruchnahme des Schiedsamtes schon zu Anfang die sachliche Seite des Streitfalles sachverständig dargestellt erscheint. Die Vertreter der Justizbehörden habm dem SchiedSamt das vollste Interesse mtgegeugebracht, so daß die von beiden Korporationen eingeleiteten Schritte, eine Entlastung der Gerichte herbeizusühren, von Erfolg begleitet sein werdm. Den eigene« Bruder getötet. 3« l‘/s Jahre« schweren Kerkers verurteilt. Bor dem Schwurgerichte uuttr Vorsitz des Oberlandesge« richtsrates Hofrat Dr. Schnabel hatte sich gestern der. 31;ährige Emsp8nnerkutsche.r Karl Wolfram wegen Tot. schlages zu verantworten. Die Anklage, vertreten durch Staatsanwalt Dr. Wachsmann, legt dem Angeklagten zur Last, am 12. Jänner dieses Jahres nach einem Streite seinen Brllder Emu W o l f r a m durch einen M es s e r sti ch getötet zu haben. Die drei Brüder Wolfram waren wegen ihrer Gewalttätigkeit im III. Bezirk gefürchtet. Bei einer am 12. Jänner stattgefundenm „Weinfahrt" brach zwischen den Brüdern Karl und Einil W o I f r a m wegen einer Aeußerung ein Streit aus, der im Stalle nach der Heimkehr fortgesetzt wurde. Als Emil Wolfram' Nach einer Balgerei mit feinem Bruder Karl, wobci Karl dm Kiirzeren zog, ihm den Rücken zuwandte, st a ch i h n Karl W o l f r a m h i n t e r r ü ck s m i t einem SchuappmesserindieBrnst. Emil Wolfram starb nach einigen Minuten. In der gestrig« Verhandlung erzählte der Angeklagte in weinerlichem Tone den Vorfall und sucht ihn durch berechtigte Notwehr zu entschuldigen. Die Geschworenen bejahten die Schuldfragen, woraus der Gerichtshof den Angeklagten Karl W olfr am zu 1'/, Jahren schweren Kerkers verurteilte. Die Haft wurde dem Angeklagte» »-inaerrchnet.