Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 151 (20.6.1919)
- Date
- 1919-06-20
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 151 Wiener Morgenzeitung 20. Juni 1919 Wien, Freitag Japan organisiert den Opiumhandel in China. Chinesischer Protest. — Amerikanisch-japanischer Konflikt in Sicht. New-Dark, 19. Juni. (Funkspr. des Korr.-Bur.) Amerikanische Zeitungen veröffentlichen Telegramme ihrer europäischen Berichterstatter bei der Friedenskonferenz, nach welchen die chinesische Mission in Paris einenProtest gegen Japan bei der Friedenskonferenz erhoben hätte. Die japanische Regierung habe eine Schantunger Bank mit der Organisierung des Opiumhandels in China betraut. Die chinesische!DNrkschrift hebt hervor, daß durch den, von der eigenen Regierung verbotenen, nun durch Japan aufgezwungenen Handel mit Opium das chinesische Volk moralisch und körperlich werde geschwächt werden,!so daß Japan tatsächlich zur Vorherrschaft über China gelangen werde. Die chinesische Delegation könne sich daher mit der Verpachtung von Schantung an Japan nicht zufrieden geben.! Die New-Porker Zeitungen kommentieren diese Meldung dahin, daß das amerikanische Volk, das seinerzeit China geholfen habe, das Opiumgift los zu werden, gewiß nicht ruhig zusehen werde, daß dieses Werk von Japan untergraben werde. [ Generalstreiks in England und Portugal. Zürich, 19. Juni. (Tel.-Komp.) Die Schweizerische Telegraphen-Jnformation meldet aus London: Der Eisenbahnerkongreß in Halifax beschloß, den Generalstreik zu proklamieren. Zürich, 19. Juni. (Tel.°Komp.) Wie die Schweizerische Telegraphen-Jnformation aus Lissabon meldet, haben - die A r b e i t e r v e r b ä n d e beschlossen, in den G e n e r a l ft r e i k zu treten. I Streik der rumänischen Eisenbahner. / Bukarest, 19. Juni. (TeK-Komp.) Die rumänischen Eisenbahner sind in den Streik getreten, der andauert. Die zwischen dem Minister für Inneres und dem Delegierten der Eisenbahner geführten Verhandlungen haben bisher zu keiner Einigung oeführt. _ > Die Abstimmung der Parteien. Weimar, 19. Juni. (Korr.-Bur.) Die Fraktion der Deutschen demokratischen Partei der Nationalversammlung nahm heute abends eine provisorische Abstimnnmg vor. Von 65 anwesenden Mitgliedern stimmten 8 bedingt, 1 unbedingt f Ü r d i e U n t e r z e i ch n u n g des Vertrages : die anderen stimmten dagegen. Die D e u t s ch n a t i o n a l e Fraktion hat einstimmig beschlossen, den Friedensvertrag a b z n l e h n e n. Die Z e n 1 r u m s f r a k t i o n hat Herste nachinittags .nochmals in längerer Sitzung eingehend ihre Stellung zmu 'Friedensvertrag beraten und am Schlüsse derselben mit einer Vierfünftelmehrheit sich für die Annahme des Fricdensvertrages entschieden. i Berlin» 19. Juni. (Korr.-Bur.) Die „B. Z. am Mittag" meldet aus Weimar: Im Gegensatz zu der nach wie vor festen, ablehnenden Haltung der Delegation ist die Haltung der Parteien noch immer schwankend. Die Entscheidung liegt bei den drei großen Regierungsparteien, beim Zentrum, bei den Demokraten und den Mehrheitsjfo3taItjiten. Im Zentrum war die Zahl der Anhänger der Unterzeichnung ziemlich stark. Die Stimmung im Zentrum hat jedoch zmn Teil umgeschlagen und der Flügeh der gegen die Unterzeichnung ist, ist verstärkt worden. Bei den Demokraten hat die Stellungnahme Schückings und des P azifisten Quidde gegen die Unterzeichnung eitlen großen Eindruck gemacht. Am stärksten von den drei Regierungsparteien ist die Bewegung für die Unterzeichnung bei den Mehrheitssozialisten. Die deutschen Behörden in den okkupierten! Gebieten. New-Bork, 19. Juni. (Fmckspr. des Tel.- Korr.-Bur.) Nach Pariser Meldungen hiesiger Blätter seien von W e i m a r aus an die Behörden des im -Falle der N i ch t u n t e r z e i ch n u n g von den 'Alliierten gegebenenfalls zu besetzenden Gebietes der Befehl ergangen, auf ihren Posten zu verbleiben. Dagegen würden die leitenden Behörden Badens und Württembergs nach Weimar oder Berlin verlegt werden. Eisenbahnerstreik in Weimar. Weimar, 19. Juni. (Korr.-Bur.) Seit heute 4 Uhr nachmittags befinden sich die Eisenbahnarbeiter und ein Teil der Beamtenschaft im Streik zum Protest geg^n das Eingreifen der Regierungstruppen in Erfurt. Die noch unterwegs befindlichen Züge werden vorläufig noch abgefertigt, so daß eine große Zahl der Teilnehmer der Nationalversammlung und der Pressevertreter Weimar noch rechtzeitig erreichen konnten. Der Kapitän der „Emden" von Kommunisten, verprügelt. z Frankfurt, 19. Juni. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Der durch seine Fahrten mit der „Emden" berühmt gewordene Kommandant von Mücke wurde gestern während eines Borragesim SchuMcmn-Theater von Kommunisten tätlich , »gegriffen und mußte von der Polizei in Schutzhaft enommen werden. > Der Zusammenbruch der jüdischen Gemeinden in Rußland. Warschau, 19. Juni. (Tel. der „Wr. Morgenzeiiung".) Vor kurzem fand in Moskau unter dem Vorsitz des H. Kr einin eine Konferenz der jüdischdemokratischen Gemeinden Großrußlands statt. Auf der Tagesordnung stand die Frage der Liquidierung des Zentralkomitees des Gemeindeverbandes,, dessen weitere Existenz im Hinblick auf den bereits erfolgten Zusammenbruch der Provinzgememden zwecklos ist. Von mancher Seite wurde beantragt, bei der Sowietregierung für die Ermöglichung eines normalen Funktionierens der jüdischen Gemeinden zu intervenieren, wogegen sich fast alle Teilnehmer ausgesprochen haben. ,/Man dürfe sich nicht erniedrigen lassen" —. lautete die Antwort auf diesen Vorschlag. Der Rechenschaftsbericht widerspiegelte den völligen Zusammenbruch der jüdischen Gemeinden in Großrußland. In M o s k a u ist man darauf gefaßt, daß eines schönen Tages die dortige jüdische Gemeinde geschlossen werden wird. Das polnische Ministerium des Innern über die Erfüllung der Militärpflicht durch die Inden. Warschau, 19. Juni., (Tel. der „Wr. Morgenzeitung.") Im Hinblick auf die besonders in den Provinzstädten verbreiteten Gerüchte, wonach die Juden zur Rekrutierung nicht erscheinen und sich mit allen Mitteln vom Militärdienst zu entziehen suchen, konstatiert das Ministerium des Innern auf Grund von gesammelten Daten und Berichten, daß diese B eschuldigung grundlos ist und daß die Juden gleich allen anderen Bürgern ihre Pflicht erfüllen. Prinz; Wilhelm von Habsburg in einem Kloster bei Bukarest interniert. Bukarest, 19. Juni. (Tel.-Komp.) Die Agentur Dacia meldet: Prinz Wilhelm von H a b sb u r g, der in der Bukowina wegen antidynastischer Propaganda gegen Rumänien verhaftet wurde, ist gestern unter Eskorte hier eingeliefert worden. Er wurde in einem Kloster in der Nähe von Bukarest interniert. Verhaftung eines tschechischen Ministevialbeamten. Prag, 19. Juni. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Bei einer polizeilichen Durchsuchung des Hotels „Goldene Gans" wurde der 29jährige Beamte der Paßabteilung des Ministeriums in Preßburg, Jaroslav N o h a v e c, verhaftet, da bei ihm vier Pässe vorgefunden wurden, die mit Photographien und Stampiglien versehen waren. Er wird beschuldigt, seine Stellung mißbraucht und Pässe gegen hohe Belohnung ausgestellt zu haben. N o h av e c bestreitet dies, doch liegt eine Anzeige vor, daß er dem Kaufmann Albert Krame r aus Mähren auf diese Weise K2000 herausgelockt habe. Nohave c.wurde dem Strafgerichte ü b e r g e b e n. . ' H Temesvar von den Serben geräumt. Auf Anordnung der Entente. Bukarest, 19. Juni. (Tel.°Komp.) Das Rumänische Preßbureau meldet: Ueber Aufforderung der Entente hat die in T e m e s v a r stationiert gewesene 2. serbische Kavalleriedivision die Stadt bereits geräumt. Ein gleicher Befehl wurde auch der in Teme.svar amtierenden serbischen Grenzpolizei erteilt. *r' Meldungspsticht fremder Staatsangehöriger in Angarn. Budapest, 19. Juni. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Der Bolkskommifsär für innere Angelegenheiten verfügt, daß zum Zwecke der wirksamen Sicherung des Schutzes der fremden Staatsangehörigen sich alle aus dem Gebiete der ungarischen Näterevublik anshaltendm fremden Staatsangehörigen binnen 11 Tagen beim Kommando der Roten Wache, beziehungsweise bei den Provinzräten zn melden haben, um dort ihre Heimatzuständigkcit mit entsprechenden Dokumenten nachzuweisen. Die nach dem Erscheinen der Verfügung nach Ungarn kommenden Fremden haben sich binnen 18 Stunden bei den Behörden zu legitimieren. Die deutsche Auswanderung nach Südamerika. New-D^kt, 19. Juni. (Tel.-Komp.) Der Pariser Korrespondent der „New Bork Sun" meldet, der Plan einer großen Anzahl Deutscher, nach Südamerika, insbesondere nach Argentinien auszuwandern, werde von der deutschen Regierung unterstützt. Argentinien sei angeblich bereit, einen Teil der Reisekosten zu tragen. 80 Fässer Petroleum beschlagnahmt. Gablonz, 19. Juni. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Die Polizei beschlagnahmte beim Spediteur Walter Corazza 28 Fässer und. bei Anton,Wildner in N e n d o r f bei Gablonz 50 Fässer Petroleum. Es besteht der Verdacht, daß , diese. Fässer aus Rumänien gepascht wurden. Kein Bahnverkehr Berlin-München. n Berlin, 19. Juni. (Tel. der „Wr. Mvrgenzeitung".) Die innerpolitische Lage ist durch die Gefahr eines Eisenbahnercmsstandes erheblich verschärft. Seit heute ruht der Verkehr auf der S a a l e b a h n, wodurch die Verhindum Berlin—München unterbrochen ist. Seite 5 Tagesbericht. & Chauvinistische Advokaturskandidaten. Wie sehr der extremste Chauvinismus das ganz» . Leben in Polen beherrscht, trat auch gelegentlich der, soeben in. Krakau stattgefundenen .Konferenz der Ad-f vokaturskandidaten Kleinpolens deutlich zutage. Eigent-- lich verfolgte diese Tagung rein berufliche Ziele, die mit den Problemen der aktuellen Politik in gar keine« Hinsicht'zusammenhängt. Eine geringe Minderheit dev; Konferenzteilnehmer benützte jedoch auch diese Gelegenheit zur Durchsetzung ihrer chauvinistischen Bestrebrln-' gen, indenr sie den für die zu gründende Berufsorganit sation vorgeschlagenen Namen „Verband der Advokaturs- | kandid aten Kleinpolens" ab lehnte und ih n durch „Ber-! band der polnischen AhvvkaturskaichidaLen"- ersetzt’ wissen wollte. Dabei wollte/ diese, M'tuppe.' die. Muf-i nähme in diesen Verband an die Bedingung des Beskenntnisses zur polnischen Nationalität seitens! aller Aufnahmebewerber knüpfen. Es Nützten, keine; Beweisführungen der überwiegenden Mehrheit, daß es nicht angehe, von Angehörigen der ukrainischen, jüdischen, oder deutschen Nationalität die Verleugnung ihrer! Nationalität zugunsten der, Erwerbung der Mitglied-' schaft in einer Berufsorganisation zu fordern. Auch! der Kompromißvorschlag, die Organisation „P o l n ischer Verband usw." zu benennen, wurde von den 18 rücksichtslosen Eiferern verworfen. Sie beharrten ■ unnachgiebig auf ihrem Standpunkt,/und' als dieser schließlich von der großen Majorität ab'ge lehn tu worden war, beschlossen sie die Gründung eines besonderen Verbandes. So sehr wird das ganze Wirtschafts- und. Berufsleben Polens durch den Chauvinismus zersetzt, ji_* j.*:■ a Gemeinsamer jüdischer Hochschulausschutz. Wir erhalten folgende Zuschrift mit dem Ersuchen um Veröffentlichung: H Der jüdische Hochschulausschuß stellt fest, daß ein Komitee jüdischer Akademiker ein Strand fest veranstaltet hat, dessen Reinerträgnis denr jüdischen Hochschulausschuß zufällt. Das Komitee, das lediglich vonn der Absicht geleitet'war, jüdischen Studenten Geldmittel, für Unterstützungen zur Verfügung zu stellen, hat in's die Komiteeliste Namen von akademischen Vereinigungen/ ausgenommen, nach deren Veröffentlichung von mehreren;. Seiten dagegen Einspruch erhoben wurde. Dieses Vor-, kommnis ist noch nicht aufgeklärt, doch wird der J-H.-A./ die Schuldigen zur Verantwortung ziehen. Der J/H.-A.! steht auf dem Standpunkt, daß derartige Feste . Öenr Ernste der Zeit nicht entsprechen und fordert alle akade-. mischen Korporationen auf, sich in Hinkunft vor derf Veranstaltung von Festen mit ihm ins Einvernehmen',, zu setzen, damit ähnliche Fälle in der Zukunft vermieden^, werden. Leider konnte dieses Fest nicht mehr der--, boten werden, da sonst ein großer materieller Schaden; erwachsen wäre. Wieder ein trauriges Beispiel dafür,! wohin es führt, wenn soziale Hilssarbeit nur auf Wohl-! tätigkeit angewiesen ist. 1 1 '• 1 ,;! i .' Für den Irdischen Ho'chschulausschüßr vij! Der Präses: -;v * . '• , Hermann LNie.nfeld. . v Die Schweizer Ferienaktion für bedürftige jüdische Kinder. 4 Der Jüdische Nationalrat gibt folgendes bekannt^//. // An alle Angehörigen der 750 „S ch w e i z e r K i n d e r* \\ Wir bitten dringend, uns alle Briefe, Postkarten, Photo-! graphien »sw., welche von den Wiener Kindern unserer Schweizer Ferienaktion eingetroffen sind, zur Abschrift und Ansicht zn leihen. Wir benötigen sie zu einer Sammlung in einen: Buche, in welchem über den Ferienaufenthalt berichtet werden soll. Jedes Zeile ist für uns wichtig. Nach drei Tagen wird alles wieder! zurückgestellt.! Wir bitten, die Schreiben von der ersten Nachricht an fort-j lmffend zu numerieren, dann auf dem einen Kuvert zu notieren:« 1. Namen und Schweizer Adresse des Kindes; 2. Name! und Wiener Adresse der Angehörigen; 3. Zahl der abgegebenen!- Schreiben. Hieraus sind die Briefe und Bilder usw. im Kuvert.zu« verschließen und in den großen Briefkasten in unserem Haüseingang, 1!., Praterstraße 17, einzuwerfen. Auch die Post der Kinder an ihre Freunde und Mitschüler ist uns sehr erwünscht. Die Briefe der nächsten zwei Wochen werden wir uns spater ausleihen. Uebrigens enrpsehlen .wir dringend, die Brieffchüften gut aufzubewahreu, weil sie eine Erinnerung sind und weil wir sie vielleicht wieder zur Einsichtnahme benötigen. _._; Jüdischer Opfertag» 5 Die konstituierende Generalversammlung des Vereines! „Jüdischer Opsertag" fand am 13. d.M. unter Vorsitz des Herrn! Löbel TaubeS statt« Aus dem Bericht über die bisherige! Tätigkeit des Komitees des „Jüdischen -Opfertages" geht folgendes! hervor: Die Eingänge aus den Sammlungen betragen etwa! K 300.000. Hiervon sind K 226.707.06 bar eingeflossen, während! ein Betrag von mehr als K 70.000 wohl avisiert, aber infvlgedes! gestörten Postverkehrs bisher nicht abgeführt werden konnte. Die ge-: samtenBerwaltungsausgaben betragen lli25.197.36.Zur Verwendung gelangten bis jetzt folgende Beträge: für die Aktion zur Unterhaltung palästinensischer Flüchlinge in Wien und Nrkolsburg K 20.000; für Kriegswaisenfürsorge in Krakau K 13.000, in Drohobhcz K 10.000, in Kolo.mea K 5000, für palästinensische Flüchtlinge als Peffachgabe K 2000; ferner als Kredit für eine in Mauer bei Wien arbeitende Gemiisebcmgruppe Li 2000. Auch wurde für weitere zwei Arbeitsgruppen in Klosterneuburg und Hadersdorf ein Kredit von K 4000 bewilligt. Die Wahlen und Konstituierung des Vorstandes/ -hatten folgendes Ergebnis: Präsident: Dr. Moritz Pachtmann;, Vizepräsidenten: Heümrh B a r d.und Nsthan T a r t a k o w e r;! Kassier : Jakob N o w a k; Sekretär r.Löbel Taubes; ohne, Funktion: Hillel B a d i a n, Ludwig B a t v, Isaak Dran d-' st ä t t 1 r, Simcha Jakob, Anselm L a z a r n S, Ephrame Lenz, Baruch Low, Anitta.Müller, EruaPatak, Israel Pe»rlst e i n. Dr. Leopold P l a s ch k e s, Dr. David R o t h b l n m,