Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 150 (19.6.1919)
- Date
- 1919-06-19
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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, %fc. 150 (Men, Donnersrag' Wiener MorgenzerrunF 19. Juni 1919 Seite n Kommunales. 5ttnb der christttchfozialen Gemeinderiite. Der ehemalige «Bürgerklub" des Wiener Gemcinderates wurde nach einer Aenderang der Statuten in einen „Klub der christlichsozialrn Gemeinderäte" umgewandelt. Die Erhöhung dev Lagerhausgebühren. In der gestrigen Stadtratssitzuny berichtete Stadtrat Kokrda über die Erhöhung der Gebühren rm städtischen Lagerhaus und im Kühllagerhaus. Die Erhöhung der Arbeitslöhne, der allgemeinen Regie», sowie aller Materialien habe eine 60 bis 70prozentige Steigerung der Gebühren zur Folge. Der Referent beantragte, die Gebühren von 100 Kilogramm pro Woche von 4 auf 6. von « auf 8, von 8 auf 12 und von 10 auf 14 Heller zu erhöhen. Diese Mehrgebühren ergeben insgesamt einen Ertrag von K 2,700.000. Im Kühllagerhaus seien geringere Gcbührenerhöhungen ins Äuge gefaßt. Da sollen nur der Tarif für die Einlagerung von Geflügel und Eiern erhöht werden, ferner die Bersicherungspläne und zwar für ie X 100 des eingelegten Wertes von 6'auf 10 Heller. Die Referentrnanträge wurden cnugenommen. Anmeldungen für die Invaliden- und Hinterdliebenenrente. Freitag den 20. d. M. beginnen die Anmeldungen von Ansprüchen auf st a a t l i ch e En t s ch ä d i g un g der Krieysinvaliden und deren Hinterbliebenen nach dem Jnvalrdenentschädigungsgesetze. Die Anmeldungen haben beim zuständigen magistratischen Bezirksamts zu erfolgen. Anmeldungstage für Kriegsbeschädigte sind: Für die Anfangsbuchstaben des Familiennamens A und B 20. Juni, C, D und E 21. Juni, F und G 33. Juni, H, I und J 24. Juui, K und L 25. Juni, M und N 36. Juni, 0 und P 27. Juni, Qu, R und 8 28. Juni. Sch, St imb T 30. Juni, U/V und W 1. Juli, X, Y und Z 2. Juli. Für die an diese« Tagen verhinderten Kriegsbeschädigten wird die Anmeldung am 2. und 3. Juli entgegengenommen. Anmeldungstage für die Hinterbliebenen nach Krugsbeschädigten smd: Für die Anfangsbuchstaben des Familiennamens A 5. Juli, B 7. Juli, C, D und E 8. Juli, F und 6 9. Juli, H 10. Juli, I und J 11. Juli, K 12. Juli, L 14. Juli, M 15. Juli, N und 0 16. Juli, P und Qu 17. Juli. R 18. Juli, 8 19. Juli, T, U und v 21. Juli. W 22. Juli, X, Y und Z 23. Juli. Für die an diesen Tagen verhinderten Hinterbliebenen am 24. und '25. Juli.. __ Die ErnLhrurrg. Das sogenannte „Einheitsmenü". Ern Geschenk an die Gastwirte. Wie wir bereits mitgeteilt haben, hat die Wiener Gasiwirtegenossenschaft nach langen Beratungen sich dahin geeinigt, ein ..Emheitsmenü" zu errichten, dessen Preis sich zwischen X 11.— bis 15.— (an Fleischtagen), beziehungsweise X li.— bis 13.— (an fleischlosen Tagen), bewegt. Man hat sich über eine Klassifizierung geeinigt, die bei näherer Prüfung auf nichts anderes als auf eine n e u e r l i ch e B e w u ch e r u n g des Publikums hinausläust. Man hat bekanntlich vier Gasthavsklassen aufgestellt, die sich nach der Zahl der in den Betrieben bediensteten Personen richten. Viele Angestellte hat aber nur jener Wirt, der einen umfangreichen Betrieb besitzt, er wird nicht mehr besitzen, als er unbedingt notig hat. Je mehr Angestellte ein Betrieb aufzuweisen hat, mit desto größerer Frequenz und größeren Umsatz ist zu rechnen, also m i t g r 8 ß e r e m N u tz e n. In dem bekannten „Pilsenetzer" Gasthaus in der Währingerstraße erhält nian seit längerer Zeit schon eineil annehmbaren Mittagstisch für X IO.—. Der Besitzer des Restaurants, Herr K r e m s l e h n e r, der mehr als hundert Personen beschäftigt, wird nun nachdemneuenTrrife fürdaLselbe M e n ü X 15.— verlangen dürfen. Daß er von diesem „Rechte" Gebrauch machen wird, steht wohl außer Zweifel. Der Wirt vom Stefanskeller, der bisher für X 11.— ein annehmbares Menü zusammengestellt hat, wird sich gewiß nicht scheuen, statt der X11.— nun X15.— zu verlangen, da er über jene Zahl von Angestellten verfügt, die ihn m diese bevorzugte höhere Klasse einceichen. Obwohl anzunehmen ist, daß die erwähnten Wirte — wir könnten noch verschiedene neunen — bei dem verabreichten Menü für X10.— und Xn.— nichts drcmfzahlen, werden sie nun den durch ein Gesetz ihnen in den Schoß fallenden „Ueberprosit" von X 4.—, beziehungsweise X 5.— gewiß nicht ablehnen. Sie werden ihn sogar nehme« muss e u, weil er behördlich v o r g e s ch r i e b e n ist. Man vergegenwärtige sich nur: In der „Pilsenetzer" dürften täglich -- nicht hoch gerechnet — 600 Menüs verabreicht werden, das ergibt dort allem täglich einen U e b e r p r o f i t vorr X 2500.—. Ein wahrhaft f ü r st l i ch e s G e s ch e n k der Behörde aus den Taschen des Publikums! Fast könnte man lachen über diese Art der Prersregulienmg, wenn die Sache nicht gar zu ernst wäre. Noch ist das letzte Wort nicht gesprochen. Die Landeswirtschaftskonrmrssion beschäftigt sich gegenwärtg mit der Ueberprüsung der Vorschläge. Wahrend aber dre verschiedenen Stellen beraten, Vorschläge erstatten, lachen sich die Wirte ins Fäustchen, geht der geschundene Konsument zugrunde. Es ist endlich Zeit, daß man den Stier bei den Hörnern packt. Die meisten Gastwirte gehören zu den rücksichtslosesten Nutznießern deL Krreges, zu den brutalsten „Koujunktmalpolitikern." Die projektierte Preisregulierung in den Gastmiriebetrreben bedeutet nichts anderes als die n e u e r l i ch e Fixierung d e 3 R a u b b a u e s a m P n b l i k u m, sie rst ein häßliches Geschenk an die Satten! Wir erwarten, daß diese Preisregulrerung nicht in hie Tat iimgesetzt wird und daß zu den Beratungen über dieselbe auch der Konsument beigezogen wird. Ein EinheitZmmü für X 10.—, und pvar ein ganz annehmbares, wre wir oben ausgeführck haben, »elbst in einem großen Restaurant, ist möglich., Es muß deshalb auch möglich sein, ein solches weit unter diesem Preise in einem Gasthause nirt weniger Angestellten zu verabreichen. Mögen dieHerreu von derLandcswirtschastskommissiott sich das vor Augen halten. _ Der Marktbericht. Von allen Marktgebieten smd rmr die G r ü n wäre nmarkte ausreichend beschickt. Unbegreiflich ist es nur, daß die Preise für Gärtnergemüse, nachdem das Angebot täglich die Nachfrage übersteigt und dieser Artikel-seitens.Her Erzeug« unmöglich gehamstert oder zmrückbehalten werden lamr, nicht weiter herabgesetzt werden. Die breiten Schichten der Bevölkerung können für Gemüse nicht täglich 8 bis 12 X ausgeben und so dürste der Großteil der Wiener Bevölkerung noch keine heurigen Kohlrüben oder gar Karfiol ze gesjen haben. Täglich bleiben große Mengen Gärtnerware unverkauft und verderben bei, der herrschenden warmen Witterung «« yime ueimu nwt vcc i'uiftymuui »u | u; c u aus Ungarn erhalten. Für die heutige Sendung, die nur aus 100 Kilogramm bestand, wurde ein Kleinhandelspreis von K9.50 testgesetzt, die weiteren Sendungen müssen zu K 9.10 das Kilogramm detailliert, werden. .(Preis im Großhandel X 8.50). Für Ananaserdbeeren wurde ein Preis von X 16.—, beziehungsweise X 17.— für das Kilogramm festgesetzt. Die Beschickung des ZentralfleischmarkteZ in der Großmarkthalle versagt gänzlich, so daß an den meisten Tagen der Woche nur die rationierten Fleischmengen zu haben sind. Heute Donnerstag gibt es in der Großmarkthalle weder frisches Schweinefleisch noch Kalbfleisch. Die Fischmärkte erhielten gestern nur gesalzene Schellfische und getrocknete Klippfische. Die nächste Sendung slawouischer Karpfen dürfte erst im Laufe der nächsten Woche eintreffen, doch ist es fraglich, ob sie wieder lebend eintreffen werden. Eier waren heute nirgends erhältlich. Die Lebensmittelversorgung Dentschösterreichs gesichert. Zürich, 18. Juni. (Tel.-Komp.) Die Schweizerische Teleraphen-Jnsormation meldet auZ Paris: Die für die V e r- .orgung Dentschösterreichs mit Lebensmitteln eingesetzte Kommission der Alliierten hat ihre Arbeiten beinahe beendet. Die Versorgung Dentschösterreichs bis zur nächsten Ernte ist gegen entsprechende finanzielle Deckung nunmehr gesichert. Italien und England haben, dem von der Kommission ausgearbeiteten Plane bereits zugestimmt, es' wird nunmehr der definitive Bescheid Frankreichs erwartet. Der Getreide- und Mehleinlauf. Vom deutschösterreichischen Staatsamt für Volksernährung wird verlautbart: An Getreide- und Mehl smd mit Ententesendungen in Deutschösterreich eingclangt: Am 17. Juni. 657 Tonnen Getreide — 592 Tonnen Mehl ferner » » » » » . 741 „ „ zusammen 1333 Tonnen Mehl Einlauf seit l.'Junk (in 17 Tagen) zusammen 27.386 Tonnen Mehl. Derzeitiger Tagesbedarf 1716 Tonnen Mehl. Fleischausgabe in Wien in der Woche vom 11. bis zum 25. Juni. Vom deutschösterreichischen Staatsamte für Volksernährung wird mitgeteilt: Die turnnsweise Ausgabe von Rindfleisch in Wien wird in der Woche vom 19. bis 25. d. M. fortgesetzt. Zum Kaufe gelangen jene Haushaltungen und Konsmnentenorganisationen sowie Kriegs- und Gemeinschaftsküchen, die brr Fleischhauern rayoniert sind, deren Familienname (Firma) mit beit Buchstaben S oder T beginnt. Die Quote für die vrivaten Haushaltungen ist mit 18 Dekagranmr pro Kopf festgesetzt. Beim Bezüge des Fleisches werden die mit Nr. 13 bezeichneten Abschnitte des grauen Einkaufscheines für Rindfleisch abgetrennt. Die Zuweisungen an die Spitäler und Versorgungsanstalten erfolgen allgemein, ohne Unterschied, mrt welchem Anfangsbuchstaben der Name (die Firma) ihres Flelschlieferanten beginnt. Eine Zuweisung von Rindfleisch an Gasigewcrbebc'riebe kann wegen der Unzulänglichkeit der zur Verfügung stehenden Menge nicht stattsinden. In der angegebenen Woche wird amerikanisches gesalzenes, fettes Schweinefleisch zur Ausgabe gelangen. Der Verkauf erfolgt durch die Rindfleischabgabcstellen an alle Haushaltungen und Konsumentenorganisationen, Spitäler und Versorgungsanstalten, Kriegs- und Gemeinschaftsküchen sowie Gastgewerbebetriebe, ohne Unterschied, mit welchen: Anfangsbuchstaben der Name (die Firma) des Fleischlieleranten beginnt. Die Quote für die privaten Haushaltungen ul mit *4 Kilogramm pro Kopf bemesien. Beim Bezüge des Fleisches werden die mit dem Buchstaben V bezeichneten Abschnitte des grauen Einkaufscheines für Rindfleisch abgetrenut. Der Preis wurde unverändert belasten., > Die Ausgabe von frischem Schweinefleisch und Kalbfleisch, deren Umfang von der Größe der Eingänge während der Woche abhängl, erfolgt nach den Bestimmungen der Kundmachung des Wiener Magistrates vom 31. Mai 1919 gegen Abtrennung des Abschnittes 27 des, anitlichen Eiükauffcheincs. Die Abgabcstellen werden bei den Polizeiwachstuben ersichtlich gemacht. Regelung der Erzeugung und des Verkaufes von Gebäck, Zuckerbäckerwarsn, Mehlspeisen und Brot. Das Staatsamt für Volksernährung hat eine Vollzngsanweisunq betreffend die Erzeugung und den Verkauf von Gebäck, Zuckerbäckerwaren, Mehlspeisen und Brot erlassen, wonach Wcißgebäck und Znckerbäckcrmaren aller Art, einschließlich Kuchen, Kakes und Honigbrot zum Zwecke des Absatzes ans inländischen oder ausländischen Mehlprodulten, die aus Getreide oder Kartoffeln hergestellt wurden, nicht erzeugt werden dürfen. Auch der Verkauf derartiger inländischer und ausländischer Erzeugnisse ist untersagt. In gewerblichen Bäckereien ist die Erzeugung und der Verkauf von Zuckerbäckcrwareu überhaupt verboten. Mehlspeisen ans inländischen oder ausländischen Mehlprodulten, die aus Getreide oder Kartoffeln hergestellt wurden, dürfen nur in gemein nützigen Speise- und Gasthausbetrieben zum Zwecke des Äbsatzcerzeugt mrd verabreicht werden. Arrsspersung Wiener Schulkinder in den Ferien. Wie verlautet, werden im Rathause Vorbereitungen für eine umfassende Ferialausspeiseaktion für Schulkinder getroffen. Die Einzelheiten werden noch beraten. Die amerikanische Ansspeiseaktion steht vor einer Erweiterung. Gegenwärtig werden 6500 Kinder iu eigenen Küchen der Arnerikaner auSgespeist. 24.000 Kinder erhalten in anderen Küchen täglich Zubußen. Außerdem werden jetzt von amerikanischer Seite das Kinderheün und Lehrlingssürforgeanstalten in Gmünd versorgt. _;_ Amerikanische Kindevausspeisung in Wie«. An der amerikanischen Kiuderausspeisung nahmen unter anderem teil Die allgemeine israelitische Taubstummenanstalt mit 80, das israelitische Mädchenwaisrnhaus mit 70, Merorcs Waisenhausstiftung für Mädchen mit 60, Max Springersches Waisenhaus mit 60, Ansspeisung israelitischer Kinder XVI. Bezirk mit 80, Israelitische Kinderbcwahraustalt mit 300, Heimstätte für jüdische Kinder und Kriegswaiscnhaus niii.4£Ulmbcnt. Insgesamt bestehen iu Wien derzeit 144 Speisestationcn. Kartoffelabgabe. Donnerstag, Freitag und Samstag werden im lv. und XIII. Bezirk 1 Kilogramm Kartoffeln pro Person gegen Abtrennung des Abschnittes 8 der Kartoffelkarte abgegeben. Mitteilungen der „Nohö". Heute Donnerstag: Zentralmagazin und sämtliche Abgabestellen geschlossen. Morgen Freitag den 20. d. M. im Zentralmagazin, VIII. Bezirk. Piaristcngasse 19: Abgabe von Sardinen in reinen: Olivenöl (Viertler), Zrtrouen, Sardellen in Oel, Walzgrieß, Backpulver, Kütnmel und Frauckkassee von 8 bis 12 und vön 3. bis 5 Uhr. — X Bezirk, Nibelungengafse 7 - K.--V.-Sekfe, Toiletteseife, Zitronen, Franckkafsee und Krachmandeln von 9 bis 12 und von 8 bis v Uhr. - U„ III., 1V„ V., IX., X., XII., XIH., XVII., XVUI. und XIX. Bezirk: Abgabe von Lekwar, Sardinen in reinem Olivenöl (Viertlcr) und rationierter Ware von 8 bis 12 und von 3 bis 5 Uhr. — XXI. Bezirk:..Rayouierte Ware veu 2 bis 4 Uhr. -• __ r Bühne und Kunst. Wiener Komödienhaus.WWA/ (Zum ersten Male „Inff Süß", Schauspiel tu b‘re? .Akten von ^Lion Feuchtwanger,, Gastspiet , Rudolf -> 1 - i Achildkraut.)‘ ^/^Der altmächjtige Süß', HLuSjuLesdeA^Herzotz'K vow. . Württemberg, wie ihn Feuchtwanger gestalten wollte^, hat zwei Seelen in der Brust:. Die eine will an den?';■ Wirtsvölkern alles Leid vergelten, das sie den Juden angetan haben. „Ich Lin unser sehen, alt die Unbilden zu rächen, die meine Brüder.erduldeten, und alt ihr schmachvoll vergssneoes Blut.i- Heute lieg id$ « der Jud, über diesem Lande-wie. errkj'AlP und sauge>j sein Blut und werde fett von^seineur Mark." Erj legt die. schwersten Steuern auf das Land, führt' durchs infame Intrigen dem Herzog immer neue Maitressew zu und will nun auch das protestantische Land ausj > Gründen der Raison katholisch machen.! Die andere Seele versenkt sich in die Kabbalw > und' umschwebt in unendlicher Liebe seine Tochter. Tamar, die er in einem zauberhaften Waldschloß ver^. borgen hält. Zum Wesen der ersten Seele gehörst noch maßlose Genußsucht und der Grundsatz: Carpediem. „Die Genüsse meiner Tafel, meines Bettes spürl ich, saug ich' mit allen Sinnen. Seele! Ich spür/ siez nicht, seh' sie nicht. Ich liebe Klarheit, liebe dewi/ Tag." Sein Oheim Magus, der seine Seele retterT tvill, enthüllt ihm aus dem Munde seiner Mutter^ daß er nur Halbjude ist, daß sein Vater ein schwabi-, scher Baron war. Er sei also nicht zum Rächer desZ' Judentums berufen. Juff Süß wird, nicht Wankens das. Mutterblut steht ihm naher. ' f Da wird ihm sein 5kinff vernichtet'. Der Herzog findet das heimliche Schlößchen mit der wmrderschönen - Tamar und sie stirbt in seinen gierigen Armen. Juff Süß bricht für eineir Augenblick zusammen, richtet sich aber sofort wieder auf. Ein neuer Weg ist ihm vorgezeichnet. Rachie an dem Herzog. Er zerstört alle Pläne seines Herrn, erhält dem Lande den evangelisches Glauben und läßt durch Vermittler eine wirksames Empörung anzetteln. Bei diesem Rachewerk findet er; aber seine Seele wieder. Cr verheimlicht, daß er der^ jenige war, der den Willen der Bevölkerung stütztej wird das Opfer der herzoglichen Pläne und liefert sich dem Galgen aus. Denn „alles ist getan, der! Kreis durchlaufen, ich habe Gott geschaut, und wer, Gotr schaut, stirbt nicht." Magdalens Sibylle, die' er zur Maitresse des Herzogs gemacht hat, und die' nach bekanntem Muster den Juden Süß furchtbar haßt, um dem kraftvollen Menschen später in glühendster Liebe gefügig zu sein, versucht ihn vergeblich aus dem Kerker zu retten. Er folgt ihr nicht. „Ich grüße!, den, der da kommt, seine Stinmve ist mir Festesjubet und wie Gedröhn der Hochzeitspaußen seine Trommelnd Fcuchtwangers Versuch', einen sülchen Juden Süß!' auf die Beirre zu stellen und zunr Helden eines Schauspieles zu machen, ist sehr mißglückt. Ein peinlicher Abend. Die Hauptfigur und die meisLen anderen Gestalten aus Pappe, geborgte Worte mrd ein^ mitunter fast alberne Szenenführung. Da ist ein jüdischer Mystiker,^ dessen hohle Redensarten wie eine Travestie' auf die echte seelenhaftr Versenkung ins lieberirdische klingen. Da ist diese herzogliche Favoritin, dl« btU nahe komödienhaft rasch, ohne jede innere Begründung! — der lieber gang ist von einigen höchst oberflächliche in Sätzen begleitet — von infernalischem Haß in rufende! Liebes zum Juden Süß verfällt. -Und da ist dieser^ Jud Süß selbst, der schemenhaft über die Bühne wandelt' und uns anmutet, wie ein lebendiggewordener eigen--. ' mächtiger Kommentar zu einer historischen Figur. Unglücklich wie das Stück war die Wahl dieser Noll«! durch Rudolf Schild kraut.- Dieser Jud Süß soll ein dämonischer faszinierender Weibermensch' sein, der/ jede Herzdame des Herzogs „vvrkostet", und de« die Sprödeste zu Füßen sinkt. Eine Rolle für Bassermaun^ Korff, Jarno, Walden, aber nicht für Schildkrant. Er ist ein echter Künstler, der sich nicht durch, alle möglichen Fächer oberflächlich DinSdiantenhast durchwursteln kann, so«derw einer von jenen Großen, die ja irnmer nur sich selbst! spielen. So mußte er versagen. Ein Mißgriff, dem er rasch vergessen machen möge. Nur an der. Seichedes Kindes sah und hörte mau erschüttert den echten Schildkrant. Der .Abend kroch! unsäglich schwersälW und bleiern dahin. Die anderen Mitwirkenden, tb'uj denen insbesondere Else Ost he im und ClaireWAlss^ sowie Egon Brecher, Arpad Kramer, Philipps Zeska uni Karl, Feld a hervorzuheben find, waren sehr bemüht, ■ 1 ‘ 1 ~ - -• AussteLurrg der Freien Bewegung. ’r] Es ist nur der Zufall des zeitlichen Zusammen-, trcffens, aber kein innerer Zusammenhang daran schuld^' daß man den Abbruch der Beziehungen zwischstw dev-' neuen Kunst zu sehen und zu malen in Verbindung mit gleichlaufenden politischen Ereignissen brachte. Aller-' dings wurden in gewissen RevolntionSzentren auch 'die- Maler von den Wellengängen des sozialen Sturmes! an die Oberfläche gehoben und ihre neuartigen Thesen'! ahs fortan bindende Kunstgesetze proklamiert. Aber die! Wutzelrl dieser Reformbewegung reichen in weiter! zurückliegende Perioden hinab und es ist wieder nur! ein Zufall, die Tatsache des Rückströmens zahlreicher^ j Künstler in die Gross stad t,. der den Anschein erweckt^