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Wiener Morgenzeitung · 1919-06-17 · Heft 148 (17.6.1919) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 148 (17.6.1919)
Date
1919-06-17
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Dienstag Wiener Morgenzeitung 17. Juni 1919 Nr. 148 Telegramme. Ankunft der deutfch'österreichifchen Finanzdelegierten in Saint-Germain. Saint-Germain» 16. Juni. Folgende Mitglieder der unter Führung des Präsidenten der Anglobank, Professors Landesberger, stehenden deutschösterrcichischen Finanzdelegation sind heute vormittags in Saint-Germain angekommen: Direktor H a m m e r s ch l a g (Kreditanstalt). Direktor Kraßny - (Eskomptcgesellschaft). Generalsekretär Rapp (Oesterreichisch-nnaarische Bank). Direktor Weiner (Bodenkreditanstalt) und Präsidialsekretär Z e r k o v i tz (Anglobank). Gleichzeitig mit den Fiuauzdelegierten sind angekommen: Sektionschef Müller-Martini vom Staatsamt für Verkehr. Hofrat Professor W a l k c r und Direktor Berliner vom „Phönix". Clemenceau tritt nicht zurück. Bern» 16. Juni. (Tel.-Komp.) Die „Nouvelle Correspondence" dementiert in offizieller Weise alle Gerüchte, die in der letzten Zeit über den bevorstehenden Rücktritt Clememeans im Umlauf sind. „Temps" gegen provisorische Zustande. Saint-Germain» 16. Juni. Der „Tcmps" sucht im Leitartikel nachzuweisen, daß fast alle Bestimmungen des Friedensvertrages mit Deutschland provisorischer Natur seien und durch Plebiszite, spatere Entscheidimgen usw. erst ihre endgültige Gestalt annehmen werden. Sollte Deutschland wirklich „in naher Zukunft" in d e n V ö l k e r b u n d a u f g en o m m e n werden, so wäre die Dauerhaftigkeit der jetzigen Fricdensbedinguugen e r st r e ch t i n F r a g e g c st e l l t. Das Blatt schließt aus all dem, daß cs besonders gefährlich wäre, auch noch in den anderen Staaten des ehemaligen Oesterreich-Ungarn, in den baltischen Ländern und an der Adria proviso.rische Zustände foritz a u e r n zu lassen. Die Besetzung Villachs und St. Veits durch die Italiener wird mit der Note des Staatskanzlers Dr. Renner in Verbindung gebracht, die vor der Gefahr einer Besetzung dieser beiden , Städte durch die Jugoslawen warnte. Es wird bei dieser Gelegenheit eine.Information des „New Hork Herald" zitiert, die dahin lautet, daß die Besetzung durch die Italiener von der Friedenskonferenz als Folge der Besetzung K l a g e n f u r t s durch die Jugoslawen angeordnet wurde, die ohne Z n st i m m n n g der Konferenz erfolgte. Die Donau-Dampfschiffahrt unter internationaler Kontrolle. Laibach, 16. Juni. (Laibacher Korr.-Bur.) Nach einer Meldung des „Slouene c" aus Belgrad hat die Friedenskonferenz in Paris beschlossen, die Donau-Schiffahrt einerinternationalen Kontrollkommission unter dem Vorsitz des englischen Admirals Troubidge zu unterst e l I c n. Englische und amerikanische Bankleute in Karlsbad. z Prag, 16. Juni. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") In Karlsbad weilen seit zwei Tagen der Londoner Banktzirektor G i b b s, der Vizedirektor der amerikanischen Notenbank vagley und der Prager amerikanische Konsul I o u g h. Das Alkoholverbot in England. London» 16. Juni. (Tel.-Komp.) Einer New-Uorker Meldung zufolge nahm der amerikanische Arbeiterbund mit großer Mehrheit eine Motion an, welche sich gegen die A u f r e ch te r h a l t u u g des A l k o h o l v e r b o t e s ausspricht. Der Bund beschloß, im Kongreß gegen den Punkt des Alkoholgesetzes, der d:e Fabrikation von Bier mit mehr als drei Mertel Prozent Alkoholgehalt verbietet, auszutreten. Der Streik in Frankreich. Paris» 15. Juni. (Tel.-Komp.) Der Streik der B e rkehrsar beiter kann als beendet angesehen werden, dagegen hat der Ausstand der Bergarbeiter zur G än z e eingesetzt. Die Arbeiterschaft beabsichtigt, das System der sogenannten K e t t e n st r c i k s anzuwenden, durch die die Regierung verhindert werden soll, ganze Betriebskategorien zu militarisieren. Daß den Ausständen ein p o l i t i s ch e r Charakter innewohnt, ergibt sich daraus, daß von französischen und italienischen Führern die Forderung erhoben wird, die Entente möge m i t R u ß l a n d u n d U n g a r n F r i e d e n schließen. Eine Kommission begibt sich heute vgn Paris nach London, um die englischen Genossen von ihrer Stellungnahme zu verständigen und die Grundlage für ein gemeinsames Vorgehen vorzubereiten. Der Hasen von Zeebrügge wieder eröffnet. Lyon, 16. Juni. (Funksp. des Tel.-Korr.-Bur.) Samstag mittags wurde der Hafen von Zeebrügge in Anwesenheit des Admirals Dampierre feierlich w i e d e r e r ö f f n e t. Bratianu will den Friedensvertpag nicht unterschreiben. Bukarest, 16. Juni. Das rumänische Prrßbtwean meldet« Aus Paris eingctroffme Meldungen besagen, der rumänische Ministerpräsident Bratianu habe erklärt, daß er den Friedensvertrag ohne Zuerkennung des ganzen Banates an Rumänien nicht unterfertigen wolle, 500 Millionen für tschechische Kriegszwecke. n Prag, 16. Juni. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Die tschechische Bank hat, wie „Narodni Listy" meldet, der Regierung für K r i e g s e r f o r d e r n i s s e 500 Millionen Kronen zur Verfügung gestellt. Verhaftung Dr. Tittas. Prag, 16. Juni. (Tel. der „Wr. Morgenztg.*) In L o b o s i tz wurde Samstag Dr. Titta verhaftet und nach einer Meldung des „Pondelnik" mit Major S ch ü ck e r, - Hauptmann L u d w i k und Feuerwerker Greßl dem Stationskommando in Theresienstadt eingeliefert. Ungarischer Kampfbericht. Die Tschechen greifen an. N Budapest» 16. Juni. (Nng. Tel.-Korr.-Bür.) Das Armeeoberkommcwdv berichtet vom 16* Inn:: An der N o r d f r ont griffen die T s ch c ch e n n n in c I) .r c r c n Stellen an. Die Angriffe - wurden von unseren bvaoai Truppen überall erfolgreich zurückgewiesc». An der übrigen Front herrscht Ruhe. Eine Denkschrift Dr. Renners über die territorialen Fragen. Samt-Gcrmain-eu-Layc, 16. Juni. Staatskanzkr Dr. Renner hat heute dem französischen Ministerpräsidenten Clemenceau folgende die territorialen Fragen betreffende Note überreichen lassen: Eure Exzellenz!. . In meiner am 10. Juni überreichten Note habe ich den Gcsamteindruck des uns bisnun vorliegenden Teiles der Friedensbedingungen dahin zusamyiengefaßt, daß sie im allgemeinen Deutschösterreich zu einem lebensunfähigen Gebilde machen. Die folgende ddote vom gestrigen hat gezeigt, daß vor allem die Trennung der Sudetendeutschen von den Alpendeutschen, welche seit dem Jahre 1526 politisch und wirtschaftlich vereinigt gewesen.sind, die Wirkung erzielen muß, sowohl die ersteren national zu vergewaltigen und politisch zu entrechten, als auch die letzteren wirtschaftlich ünd kulturell zu verkümmern. In der angeschlossenen Denkschrift erbringt nunmehr die deutschösterreichische Friedensdelegation der hohen Konferenz den Beweis, daß der vorliegende Friedensentwurf, fiir den Fall, daß Deutschösterreich auf die Alpengebiete beschränkt und geographisch als eine vstalpinischc Republik eingerichtet wird, dieses Staatsgebiet so abgrenzt, daß die Grenzen im einzelnen national durchaus Ungerecht, geographisch völlig unrichtig und wirtschaftlich ganz unhaltbar sind. Die uns vorgeschlagene Nord grenze, die Deutschösterreich von der tschecho-slowakischen Republik trennen soll, gibt vor, den historischen Grenzen zu folgen und auf den Rechtsgrundsatz der historischen Grenze beruft sich das tschechische Volk. Aber dieses selbe Volk verletzt zugleich den einzigen Rechtstitel, den es für die imperialistische Unterjochung von vielen Hunderttausend? n Deutschen im Siwen seiner Wohnsitze vvrschützt, indem es da und dort von dem geschichtlichen Gebiete Niederösterreichs wichtige Stücke beansprucht. Für diesen Anspruch gibt es starke Kanonenschußweite,'von-Wien, nur eine Flintenschußweite von Wiener-Neustadt, nur einen Tageön' v 'ch weit von Graz entfernt. Indem der Entwurf :;; Westtmgarrr / D' durch eine Staats-und Zollgrenze zum Ausland macht, schneidet er die drei, wichtigsten Jndustrieplätze. von ihrem Gemüsegarten,, von ihrer Milchwirtschaft und ihrem Ackerboden ab. Er rückt so die empfindlichsten Punkte unseres Staates gleichsam vor die G e s ch ü tz m ü n d n n g d e r N a ch b a r n, ein Zustand, der schon in diesen Tagen seine Bedenken offenbart. 1 . Geographie, Geschichte und wirtschaftliches Leben haben auch hier selbst, den Ausweg gewiesen. Trotzdem lehnt Deutsch österre ich jede willkürliche Annexion ab, weil es, wie im. Ganzen so hier im Einzelnen seine Sache ausschließlich auf das nationale Selbstbestimmungsrech t stellt. Und darum fordern wir, daß diese Gebiete das-Recht erhalten, durch freie Volksabstimmung sich selbst zu entscheiden, ob sie zum Staate Deutschösterreich kommen wollen. -; Im Sude n grenzt Dcntschösterreich an das f jugoslawische Königreich lntb an das Königreich Italien. ..Im italienischen Trentino, in Kram und im Küstenlande liegen zahlreiche Städte und Märkte mit überwiegend deutscher Bevölkerung. Wenn Deutschösterreich. diese nationalen Minderheiten dem italienischen und dem jugoslawischen Staate freiwillig unterstellt hat, so halten wir es. nicht für unbillig, wenn im Interesse einer natürlichen geographischen Abgrenzung und im Interesse der Aufrechterhaltung großer Verkehrslinien im Ganzen geringe Minderheiten der Nachbarvölker, darunter nicht eine einzige Stadt von mehr als 5000 Einwohnern, zu Deutschösterreich kommen, zunial diese ladinischen und jugoslawischen Minderheiten unzweideutig sich keinen Rechtstitel als die Gewalt. Ihr halten wir das lebendige Recht eines von unverschuldetem Unglück gebeugten Volles entgegen und fordern darum für den Fall, daß nicht alle Sudetendentschen ihren frei geäußerten Entschluß, unserem Staat anzugehören, durchsetzen können, wenigstens die Gebiete des deutschen Böhmerwaldes, Deutsch - Südböhmens und Deut schj - Südmährens. Im O st e it soll, Deutschösterreich' durch die March an die Tschechv-Slochaker und durch die Leitha an Ungarn grenzen. An der Marchs wählt der Entwurf in erstaunlicher Abweichung von allem, was nach dem Völkerrecht üblich ist, nicht die Mitte des Flußlaufes, sondern bas westliche User als..Grenze. Diese seltsame Willlür erklärt, sich, einzig und allein durch das Bestreben, Deutschösterreich von der Benützung dieser künftigen Wasserstraße auszuschließen. Hier soll ein Verkehrsweg gegen die geschichtliche Rechtslage, gegen die wirtschaftliche Vernunft, gegen das nationale Interesse, gegen alle völkerrechtliche .Praxis so gestaltet werden, daß er Staaten und Völker vom Verkehr absichtlich ausfchließt. .! Die Leitha verläuft nur [48 Kilometer, also eine zu Dcutschofterreich bekannt haben, . 'T: Dr. Renner erörtert nun das geographische und Vcrkehrsinteresfe im Siiden des Staates und fährt dann fort: ■ \ Ueberblicken wir nun" das Ganze der geplanten Regelung: Von Krumau im Norden über Znaim, Feldsberg, Wieselburg, Eisenburg, Oedenburg, St. Gotthard, Marburg und Klagenfurt bis nach Brixen. Bozen, Meran und Mals im äußersten Südwesten würde, wenn der Entwurf in Rechtskraft erwüchse, unser Land eingesäumt von a l t e n L e u L s che n S t ä die n, die von/ fremdsprachigen Eroberern beherrscht sind. Rings ttW die kaum 6 ' Millionen Einwohner im Lande würden' mehrere Millionen Menschen desselben Stammes, derselben Sprache und zum' Teile derselben Familien in Nachbarstaaten wohnen und feindseligen Völkern hörig werden: Welche i m m e r währende Reibung, welches nie zu vergessende Unrecht, wieviel unvermeidlicher Haß! Auch der Sieger trägt sein Maß von Verantwortung in der .Geschichte. Eilte solche Regelung, wie sie in diesem Friedensentwurse vorgesehen wird, kann vor der Geschichte niemand verantworten! Unh darum erwartet die deutschösterreichische Friedensdelegatio», daß der Friedenskongreß den in der. Denkschrift ausgeführten Anregung^! Folge gebe. . ...; . j1t Verhaftung des Kommunistenführers Muna. Prag, 16, Juni. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Der Kommunistenführer Muna wurde gestern in K l a d n o verhaftet und nach Prag gebracht. Bei den Münchner Gemerndewahlen haben die An abhängigen die Majorität erhalten. München, 16. Juni. Die Wahlen in die Gemeindevertretung und in die Kreistage vollzogen sich gestern in gan.r Bayern und insbesondere in München vollkommen ruhig. In München selbst waren insbesondere Sicherheitsmaßnahmen getroffen worden. Die Wahlbeteiligung war eine ziemlich' geringe. Von 335.000 Wählern haben nur 242.000 gewählt, so, daß sich also ein Drittel der Wählerschaft an. der Wahl gar nicht beteiligte. Das hervorstechendste Merkmal der G.'emeiiidewahl.in München ist der ungewöhnlich große Erfolg der unabhängigen sozialistischen Partei auf Kosten der M e h r h e i t s s o z i a l i st e n, die einen sehr bedeutenden Stimmenverlust zu verzeichnen haben. Während bei ben letzten Landtagswahlen im Jänner auf die Mehrh'eitssozialisten 147.000' Stimmen entfielen, erhielten sie gestern bloß 45.000, dagegen ist die Stimmenattzahl der unabhängigen Sozialisten von lo.OOQ im Jänner auf ^7 7.000 gestern gestiegen. Die unabhängigen Sozialisten sind somit die stärkste Partei in der Gemeindevertretung. Die bayrische Molkspartci (Zentrum) hat ihren Besitzstand gewahrt, hingegen ging die d e n t s ch d e m o k r a t i 's ch e Partei aus den Wahlen g e- / schwächt hervor, so daß die Bürgerlichen die Majorität im Stadlh.ause in München an die Soztalistenvekloren ha de n, die von 50. Mandaten 2ß innehckben.' In - die Stadtpertretüng pon Münchenwurden je zwei Frauen vonden unabhängigen Sozialisten und der bayrischen Poltc-pariei und eilte von der dent.schdeiitvkratischeii Partei gewählt. In den übrigen Städten Bayerns haben die Mehrheitssozialisten besser abgeschnitten, insbesondere Haben die Mehrheitssozialiften in Nürnberg einen Erfolg zu. verzeichne». Abgeordneter Grünbaum mitzhand ett. Warschau, 16. Juni. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Wie das „Jüdische .Volk" berichtet, wurde der Abgeordnete Grün bäum gelegentlich einer Intervention zugunsten der durch eine Gruppe Ulanen behelligten Juden von diesen Soldaten beschimpft und geschlagen. Einer von ihnen zog auch den Säbel. Etnc später dazugekommene zweite Gruppe Soldaten, in deren Mittr auch ein Unteroffizier sich befand, schloß sich der ersten Gruppe an und überhäufte den'Abgeordueteu..Grünbamu mit Beschimpfungen. daß er sich in „fremde Angelegenheiten" emmische. -Der anwesende Wachmiliziant weigerte sich, die Soldaten zu verhaften. Es blieb dem Abgeordneten Grünbauut nichts über, als beim Platzkomniando Beschwerde zn führen. Die Ehe des rumänischen Thronfolgers annuliert. Bukarest, 16. Juni. (Tel.-Komp.) Die Agentur Dacia meldet: Das Amtsblatt veröffentlicht eine. Entscheidung des. Obersten Gerichtshofes in'' Zivilsachen, derzufolge die vom rumänischen Thronfolger Carot ant 31. August 1010 in Odesfo mit Fräulein Johanna Lambrino geschlossene Ehe als rechtsungültig rrllärt wird.; Stamslau nicht in rumänischem Besitz. Leryberg» 16. Juni.", (Tel. der „Wr. Mortzenztg.") Dic ZeitmtgSmeldung, daß Stanirlav von den rnmänitchcn Trupper besetzt sei, wird von dem Preßburcau des Militärkommaudos für Ostgaltzien als unwahr bezeichnet. a f finden Sie amleichtesten durch tin Stellettgesuch im „Kleinen-Anzecger* derWr. MochenzeiNttic

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