Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1919-06-16 · Heft 147 (16.6.1919) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 147 (16.6.1919)
Date
1919-06-16
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2979076-2979077-2979224--01311-2986699
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 3 9lr. 147 Wien. Montag Telegramme. Südtirol fällt an Deutfchösterrelch? St. Germain - en - Laye, 15. Juni. Die »Stampa* macht in einem Telegramm ihres Berliner Korrespondenten Mitteilung von dem Angebot der deutschösterreichischen Regierung, Südtirol durch eine militärische Neutralisierung für Deutschösterreich zu erhalten. Die Wiener Regierung hätte ihr Angebot direkt in Rom unterbreitet uno vorgeschlagen, daß Italien das Recht haben solle, gewisse strategische Punkte dauernd zu besetzen und im Kriegsfall das ganze Land zu okkupieren, das aber trotzdem unter der politischen Souveränität Oesterreichs bleiben würde. Für den Fall der Annahme wären Italien bedeutsame wirtschaftliche Zugeständnisse gemacht worden. Italien haste geantwortet, daß die Verträge mit den Alliierten direkte Verhandlungen unmöglich machten. Der Berichterstatter fügt hinzu, er habe Grund zu vermuten, daß schließlich auf dieser Basis ein Abkommen zustande-kommen werde. Das Schicksal der Sudetendoutscherr. Eine Note Dr. Nenners an die Friedenskonferenz. Sairit-Germairr, 15. Juni. Staatskanzler Dr. R e n n e r hat im Namen der deutschösterreichischen Friedensdelegation in Saint-Germain der Friedenskonferenz eine Note gesendet, durch die die von den deutschböhmischen Delegierten cmsgearbeitete Denkschrift vorgelegt und eingeleitet wird. Die von den Vertretern der deutschen Gebiete in Böhmen, Mähren und Schlesien an den Kongreß gerichtete Denkschrift tut das Unrecht dar, das durch die vorgeschlagenen Friedensbedingungen 372 Millionen Deutschösterreichern droht. Deutschösterreich will leben. St. Gsrwüin, 15. Juni. „Vöritö* schreibt: Aus der Note Dr. Nenners können wir schließen, daß den Oesterreichern mehr au Erwägungen materieller Art als an sentimentalen Deklamationen gelegen ist. Deutschösierreich, so verstümmelt es auch ist, will leben, arbeiten, Handel treiben, seine Schulden und gemeinsam mit den anderen Erben die Nachfolge der Doppelmonarchie liquidieren können. Dr. Nenner setzt das alles ohne Deklamation, ohne Zorn, ohne Drohungen auseinander. Er weiß sehr wohl, daß er in den Händen der Sieger ist und daß er ihre Forderungen über sich ergehen lassen muß. Aber man fühlt, daß er das Vertrauen auf seine Argumente nicht verloren hat. Als letztes übrigens behält er das, was er wahrscheinlich für das beste hält. Wir zweifeln nicht daran, daß der Bolschewismus eine ernste Gefahr ist, aber wir fürchten denjenigen nicht, der aus Oesterreich kommen kann, wenn nur unsere Regierung aufhört, die Entwicklung jenes Bolschewismus zu begünstigen, der bei uns entstehen könnte. Die internationale Arbeiterkonferenz für den Generalstreik. St. Grrmain, 1b. Juni. Der Allgemeine Arbeitsverband hat entsprechend den Beschlüssen des Nationalrates vom 25. und 26.. Mai gestern eine interalliierte Arbeiterkonferenz einberufen. Es waren aber nur die Italiener erschienen, während die Engländer und die Belgier fernblieben. Es wurde über die Veranstaltung eines 24stündigen Protest-Generalstreiks beraten, dem die Italiener ftch anschließen zu wollen erklärten. Ein Redner wandte jedoch ein, daß eine solche Demonstration ohne Teilnahme der englischen Gewerkschaften nicht ins Gewicht fallen würde. Es wurde daher beschlossen, daß sich eine französisch-italienische Delegation möglichst bald zu den englischen Arbeiterorganisationen begeben möge, um sie von den Beschlüssen in Kenntnis zu setzen. Erst nach ihrer Rückkehr wird der Termin für den Streik festgesetzt werden. Eine parallele Konferenz der Sozialisten, an der sich die Italiener ebenfalls beteiligten, faßte die gleichen Beschlüsse. Generalstreik der französischen Bergarbeiter. St. Germain, 15. Juni. Die Bergarbeiter werdm morgen allgemein mit dem Streik beginnen. Der Pariser Transportarbeiterstreik beendet. St. Germain, 15. Juni. Der Pariser Transportarbeiterstreik ist infolge des vermittelnden EingreifenS Clemenceaus, der die Unternehmer zur Annahme der wichtigsten Bedingungen der Arbeiter veranlaßt hat, beendet worden. Die Arbeit wird Montag wieder ausgenommen werden. Ungarischer Kampfstericht. Budapest, 15. Juni. (Meldung des Ungar. Tel.-Korr.-Bur.) Das Armeeoberkommando berichtet vom Heutigen: . Bei Magyarszölgen und westlich von Leva schlugen wir wiederholte Angriffe des Feindes zurück. Bei Leva gewannen wir durch Gegenangriff Raum. Westlich von Eperjes schlugen unsere schon mehrfach bewährten Bataillone den Feind mit großem Elan von seinen Höhenstcllungen zurück. Bei Kisköre vereitelten wir Versuche der Rumänen, über die Theiß zu setzen. Sonst ist die Lage unverändert. Wiener Morgenzeitunk t6. Juni 1919 Die Antwort der Entente an Deutschland heute überreicht. Deutschland mutz bis 21. Lyon, 15. JUni. (Funkspruch des Tel.-Kvrr.* Bureau.) Der Rat der Bier hat Samstag seine Beratungen beendet. Das Redaktionskomitee, bas den ganzen Tag unter dem Vorsitze Tardieus gearbeitet Hai, hat die Abfassung des Wortlautes nahezu vollendet; der größte Teil hievon befindet sich gegenwärtig tn der Staatsdruckerei. Die Antwort der Alliierten wird Montag mittags in Versailles dem Grafen Brockdvrff-Rantzau vom Generalsekretär der Konferenz D u t a st a und dem Botschaftsekretär Arnavon überreicht werden. Diese Antwort wird aus zwei Dokumenten bestehen, einem Begleitschreiben als allgemeiner Einführungsnote und einer Denkschrift, in der die verschiedenen deutschen Gegenvorschläge und die Auffassung der Alliierten als Antwort niedergelegt sind. Dem Begleitschreiben wird der vollständige Vertragsentwurf, in welchem auch die Juut mittags autworlen. <m bettt ursprünglichen Wortlaut vvrgenoinnienen rungen in Form von Artikeln enthalten sind, beiliegend Diesen Wortlaut werden die Deutschen zu unterzeichnen haben. ' | 1 1 ' ■ i Dütasta wird den Grafen Brv'ckdvrf ersuchen, ihm eine Empfangsbestätigung auszustellen, in der der Zeitpunkt der Ueberrei^ chung der Antwort angegeben ist. Der deutschen Abordnung wird eine Frist von fünf Tagen eingeräumk werden, um bekanntzugeben, ob sie die Bedingungen der Entente annimmt oder nicht. In diese Frist sind die drei Tage zur Aufkündigung des Waffenstillstandes einzurechnen. Folglich werden die Deutschen für ihre Entscheidung bis Samstag den 21. Juni mittags Zeit haben. Im Falle der Ablehnung könnten die Truppen der Alliierten unverzüglich den Bormarsch antreten. Rumänien und das Banat. Bukarest, 15. Juni. (Meldung der Tel.-Komp.) Das Rumänische Pressebureau meldet: Gestern, SamStag, fand in Bukarest ein Kronrat statt, an dem außer den Ministern auch der Präsident der stebenbürgifchen Provinzialregierung Dr. Mani« und der Chef de» rumänischen GeneralstabeS General Pr es an teilnahmen. Wie verlautet, soll in diesem Kronrale die Stellungnahme Rumäniens zur Frage des BanateS besprochen worden sein. Landeskongreß der ungarischen Sozialisten. Budapest, 24. Juni. Meldung des Ungar. Telegraphen-KorrespondenzbureauS.) Der Lattdeskongreß der ungarländischen Sozialisten hat gestern abends seine Beratungen beendet. Nach längerer Debatte wurde ans Vorschlag des Vorsitzenden Garbei beschlossen, den Statutenentwnrf dem zu wählenden Parteiausschuß, in dem bereits die Nationalräte vertreten sein werden, zuzuweisen. Die Wahl der Parteileitung erfolgte mit Akklamation auf Grund der offiziellen Liste. Hierauf hielt der Vorsitzende G a r b a i die Schlußrede. Keine Zeitungen in Berlin. Berlin, 1b. Juni. Mit einer einzigen Ausnahme sind auch heute die Berliner Zeitungen wegen des HilfSarbeiterstreiks nicht erschienen. Rumänische Offensive gegen Ungarn. Bukarest, 15. Juni. (Meldung der Tel.-Comp.) Das rumänische Preßbureau meldet auS Hermannstadt: In Siebenbürgen werden große Vorbereitungen zur Wiederaufnahme der rumänischen Offensive gegen Ungarn getroffen. Seit einigen Tagen laufen hier täglich mehrere Militärzüge ein. Ueber Siebenbürgen wurde der Belagerungszustand verhängt und die ZeitungSzensur wieder eingeführt. Drei Zionisten bei den Gemeindewahlen in Tschechien gewählt. Prag, 15. Juni. (Tel. der *2Br. Morgenztg.") Ueber die heute erfolgten Gemeindewahlen liegen noch keine abschließenden Resultate vor. In Brüx, Prerau und Proßnitz sind die zionistischen Kandidaten d u r ch gedrungen. Die weiteren Meldungen stehen noch aus Pränumerations- Einladung. Bezugsbedlngimge«: FSr Wien: mit Zustellung Monatlich . . . Kronen 7.— Vierteljährig . . „ 20.— Halbjährig ... * 40.— Ganzjährig... „ 80.— Für Deutschösterreich: mit Postversand Monatlich . . . Kronen 7.80 Vierteljährig . . * 92.— talbjährig ... * 44.- anziähng... „ 88.— Für die Tschechoslowakei: mit Postverland in tschechischer Währung Monatlich . . . Kronen 7.50 Vierteljährig . . * 22.— Halbjährig ... * 44.— Ganzjährig ... * 88.— Für Polen «nd die übrige« Nationalstaaten: mit Postversand Monatlich . Vierteljährig Halbjährig . Ganzjährig. Kronen 8.50 „ 25.— I 50.— m 96.— Einzelexemplar 36 Heller. Für Deutschland monatlich 5 Marl, Schweiz 5 Frauken, für das Übrige Ausland vierteljährig 26 Kronen. Die Geldsendungen für die Tschechoslowakei stnd per Erlagschein an das Postsparkaffrnamt P. S. Nr. 150.698 in Prag, für Polen, Westgalizien imd Polnisch-Schlesien per Postanweisung an die Wiener Lombard und Eskomptebank, Filiale Krakau, für .Wiener Morgenzeitung*, Krakan, Nynek 12, zu richten. Administration der „Wiener Morgenzeitnng" Wien, «.»Taborstratze 1-3. Telephon 44.038u. 48.319. wauan Tagesbericht. Jüdische Palästina-Reise- «nd Transport-Gesellschaft m. b. H. Bekanntlich' hat Herr Jacques B rings seil Monaten den Plan propagiert, schon jetzt für den Transport der jüdischen Auswanderer und Hrer Sachgüter nach Palästina entsprechende Vorsorge zu treffen und in Graz ein provisorisches Komitee zur Ausführung seines Plattes gebildet. Dieser Tage hat nun das Projekt durch' die Gründung einer Gesellschaft mit obigem Namen bestimmte Gestalt angenommen. Die Gesellschaft hat ihren Sitz vorläufig in Wien. Das hiesige Palästina-Amt hat in Würdigung der Wichtigkeit des Unternehmens vom nationalen Standpunkt aus und um die Interessen der jüdischen Allgemeinheit gehörig zu wahren, sich nicht nur mit einem gewissen Betrag als Gesellschafter beteiligt, sondern es sind ihm auch im Gesellschaftsvertrage eine Reihe von Vorrechten gesichert. Insbesondere kann in der Generalversammlung ein gültiger Beschluß über Festsetzung der Transportkosten für solche Auswanderer, welche in geschlossenen Transporten dritter Klasse, beziehungsweise in Fortsetzung der Reise als Zwischendeckpassagiere reisen, nur mit Zustimmung des Palästina-Amtes zustandekommen. Zweck dieser Bestimmung ist, zu verhindern, daß diese minderbemittelten Auswanderer mehr zu zahlen haben als die diesbezüglichen Selbstkosten der Gesellschaft betragen. Bei der konstituierenden Generalversammlung, die am 6. Juni l. I. stattfand, wurden in den siebenköpfigen Aufsichtsrat gewählt die Herren Wilhelm Alp er, Josef Bänder (Graz), Adolf Böhm, Ignaz Hauser (Graz), Bäruch Löw, Jakob Nowak und Dr. Egon Zweig. In der ersten Sitzung des Aufsichtsrates wählte dieser zU seinem Vorsitzenden Herrn Dr. Zweig und' zu dessen Stellvertreter Herrn Nowak und bestimmte zu Geschäftsführern die 'Herren Jacques Bring s und Mols Stand. Zugleich wurde beschlossen, das Gesellschaftskapital im Hinblick auf die Größe des Erfordernisses einerseits und das Interesse, welches die Gründung schon jetzt in zionistischen Kreisen findet, ans vorläufig 1,000.000 Kronen zu erhöhen. Jüdische Palästina-Interessenten, welche sichan diesem Unternehmen beteiligen wollen, mögen sich mit ihren Anfragen, Wünschen und Anmeldungen an die Jüdische Palästina-Reise- und Transportgesellschaft wenden, die vorläufig ihren Sitz in Wien, 2. Bezirk, Praterstraße. 9t 1. Stock, hat. Regelung des hebräische« Sprachunterrichtes. Infolge der immer mehr unkontrollierbaren Weise, in der hebräische Sprachstunden von Privatlehrern ohne jede Lehrbefähigung erteilt, hebräische Sprachkurse zusammmgestellt werden und infolge der ungenügenden Regelung des Stundenhonorars haben daS Unterrichtsamt deSJüdischen Nationalrates, der Hebräische Sprachlehrerverein und der Arbeitsnachweis des Jüdischen Nationalrates folgendes Uebereinkommen getroffen: Die Anmeldung von hebräischen Sprachlehrern, die Lektionen erteilen wollen, erfolgt ausschließlich beim Arbeitsnachweis des Jüdischen Nationalrates. Die hebräischen Sprachlehrer, die dort angemeldet stnd, erhallen, soferne ihre Lehrbefähigung feststeht, eine Ausweiskarte, gezeichnet vom Unterrichtsamt des Jüdischen Nationalrates und vom hebräischen Sprachlehrervercm. Alle hebrälschen Sprachlehrer, auch diejenigen, deren Lehrbefähigung außer allem Zweifel steht, werdm daher ordnungshalber ersucht, stch mündlich oder schriftlich, II., Obere Dourmstraße 91, anzumelden. Bewerber, deren Lehrbefähigung nicht feststeht, haben stch einer Prüfung zu unterziehen. In die Prüfungskommission werden folgende Herren delegiert: Oberrabbiner Dr. Eb a,j e s, Profeffor Dr. A v t o v i tz e r, Moses Rath und Z. D i e s e n d r u ck. Die Vereine und Einzelpersonen, die hebräische Lektionen aufnehmen wollen, werden in ihrem eigenen Jntereste, aufgefordert, stch hierzu ausschließlich der Vermittlung des Arbeitsnachweises des. Jüdischen Nationalrates zu bedienen. , Äon den GetreidemLrKten. Von den transatlantischen Börsen liegen wieder festere Berichte vor, die die ungünstigen Wetterrmd ErMeberichte sowie die Vorgänge auf dem Schwcinemarkte zu Käufeii anrcgtcii. Die Witterung in Mitteleuropa hat sommerlich warmen Charakter angenommen. der Saatenstand erfährt eine entschieden günstige Beurteilung, weshalb auch die. Tendenz rin im allgemeinen ruhiges Gepräge angenommen hat/

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.