Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 146 (15.6.1919)
- Date
- 1919-06-15
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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ftr. 146 Men, Sonnrag ' Wiener Morgenzeitung 16. IM im r0We~J Der Streik in Frankreich. BamtiGerrnadr, 14. Juni. Die Streikbewegung hat gestern zu ernsten Zwischenfällen geführt. Irr der Vorstadt Bo ulo gn e - sur - Seine kam ein Stveikercker, der mit seinen Kameraden einem von der Unternehmung zum Transport von Streikbrechern verwendeten Automobil den Weg versperrte, unter die Räder des in voller Fahrt dahinrasenden Wagens, der von einem Beamten der Ranaultwerke in Hanptmannsuniform geführt wurde. Der Ueberfahrene st a r b nach einigen Stunden. Am Nachmittag kanr es am Seine-Kai in derselben Vorstadt zu Reibungen zwischen Streikenden und Streikbrechern. Hierbei sprang ein von Streikenden verfolgter Werkftthrer in den Fluß und ertrank. Rach einer anderen Version soll er ins Wasser geworfen worden sein. Am Abend wurden einige tausend Demonstranten von Polizei und Militär auseinandergejagt. In der Metallindustrie haben die von: Arbeitsministeriiun betriebenen Vermittlungsversuche kein Ergebnis gebracht. Der Verbandsvorstand der Arbeiter fordert die Provinzgewerkschaften auf, die Pariser zu unterstützen und faßt eine allgemeine Bewegung ins Auge. Clemence au hat den bei ihm intervenierenden Verbandsvertretern die Zusicherung gegeben, daß das Militär nur Polizeidienste leisten soll. Die Bergarbeiter des Loirebeckens haben beschlossen, Montag in den Aus stand zu treten. Paris, 14. Juni. (Agence Havas.) Die Ausstandsbewegung im Pariser Gebiet nimmt ab. Die zwischen Llemenceau und den M ge sandten der Transportarbeiter begonnenen, vorn Allgemeinen Arbeitsverband geführten Verhandlungen haben eine merkliche Entspannung herbeigeführt. Heute werden der französische Allgemeine Arbeitsverb and sowie der italienische einerseits und die /französischen sowie die italienischen Sozialisten andererseits über die Frage eines nationalen und Internationa len politisch enAusstandes beraten. Die belgischen und englischen Organisationen scheinen diese nichtgewerkschaftliche Aktion a bzu lehnen. Es ist wahrscheinlich, daß, wenn eine Kundgebung beschlossen wirb, sie sich auf einen allgemeinen Aus stand in der Dauer von 24 Stunden beschränken wird, der mit den gegenwärtigen gewerkschaftlichen Ausständen in keinerlei Verbindung stehen wird. Kriegsrecht in indischen Provinzen. London, 10. Juni. Meuter.) Im Bezirke Gujrat und in den meisten ländlichen Bezirken von P e n d s ch a b ist am 28. Mai das Kriegsr e ch t erklärt worden. Eröffnung des ungarischen Rätekorrgreffes. Budapest, 14. Juni. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Heute begann die erste Tagung des Landeskongreßes der Arbeiter-, Soldatenlmd Bauernräte in Ungarn mrt einer feierlichen Eröffnungssitzung im Stadttheater. Mit lebhaftem Beifall begrüßt, hielt Alexander G a r b a i die Eröffnungsrede, worin er unter anderem ausführte: Das Proletariat ist zur Herrschaft gelangt und hat die Ausgabe, die Institutionen der alten Klassenherrschaft niederzureißen. Das Proletariat richtet mit seiner Diktatur gegenwärtig eine K l a s s e n h e r r s ch a f t auf, diese ist aber bloß eine Uebergangserscheinung und bezweckt die A bschaffung je glichen Klassenunterschiedes. Eine tausendjährige Verfassung wird heute zu Grabe getragen, die nur dazu gedient hat, dre Arbeitenden auszubeuten. Die neue Verfassung muß geschaffen werden, die den Willen der Arbeitenden zur Geltung bringt. Unter stürmischem Beifall gedachte Redner der an der Front kämpfenden Proletarierbrüder und forderte schließlich das ganze arbeitende Proletariat des Landes zn einträchtigem Zusammenwirken auf. (Lebhafter Beifall.) Hierauf folgten Begrüßungsansprachen der ausländischen Gäste, darunter des Wieners Forst. Die deutsche Autonomie in Sowietungarn. Budapest» 14. Juni. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Der deutsche LandeSrat verhandelte gestern und heute den VersaffungSentwmf. Er besagt im wesentlichen folgendes: Im Rahmen der auf föderativer Grundlage stehende» ungarländischen Räterepublik haben die Deutschen Ungarns als einheitliche und gleichberechtigte Nation volles Selbstbestimmungsrecht sowie eigene Gesetzgebung und Vollzugsgewalt. Angelegenheiten, die mehrere Nationen Ungarns gemeinsam betreffen, können von diesen nur auf Grund freier Entschließung durch föderative Grundgesetze geregelt werden. Die oberste Gesetzgebung und Vollzugsgewalt für die Gesamtheit dedeutschen Volkes in Ungarn wird durch den deutschen LandeSrat ausgeübt. Er ist vom Volksbeauftragten mindestens zweimal im Jahre einzubcrusen. Er wählt für die Zeit seiner Funktionsdauer einen leitenden Regierungsausschuß, dessen Präsident der deutsche Volksbeauftragte ist. Das oberste Vollzugsorgan des deutschen Landesrates ist das deutsche BolkSamt. Die lokale Verwaltung liegt in den Händen der Gemeinde-, Stadt- und Gauräten. Wo die Zusammenfassung deutscher Siedlungen in Bezirke undurchführbar ist, sollen aus Grund ne« anzulegender nationaler Katafter die Rechte der deutschen Minderheiten ebenso wie die Rechte der auf deutschem Siedlungsgebiet cmsäßigen Minderheiten anderer Nationen durch föderatives Grundgesetz gewährleistet werden. Die Vorlage wurde nach zweitägiger Debatte mit geringfiigigen Aenderungen angenommen. Die ungarischen Gegenrevolutionäre in Belgrad. Bukarest, 14. Jvni. (Tel.-Komp.), DaS rumänische Preßbureau meldet aus Arad: Heute ist eine Abordnung der Araoer ungarischen Geaenregiepung des Grafen Julius Karolvi mittels Auto über Temesvar nach Belgrad abgereist. Ministerpräsident P a s i c wird m o r g e n d i e A b o r d n n u g o e r S z e g e d i n e r R e- Gierung e m p f a n gen. Mackensen kämpft gegen die Tschechen? London, 14. Juni. (Tel.-Komp.) Der Wiener Korrespondent des „Daily Expreß" meldet seinem Blatter Generalfeldmarschall Mackensen und sein Stab sind nicht in Rumänien interniert. Nachrichten aus diplomatischer Quelle besagen, daß er angeblich den Feldzug der Angarn gegen die Tschecho-Slowaten leitet. Die turanische Aeoolution. Die Arrangeure der ungarischen Putsche. Budapest, 14. Juni. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") DaS Organ drr Räteregiernng, der ..Vörös Ujsag", veröffentlicht auf Grund von Dokumenten Einzelheiten über die in Wien geplante und gescheiterte Gegenrevolution, die bekanntlich einen innigen Zusammenhang zwischen den in Wien weilenden Aristokraten und den Wiener Franziskanern gezeigt hat. Nach den Mitteilungen des Budapester Blattes war bei dem Putsch aus das Gesandtschastspalais die Bildung einer nationalen Armee und einer „vereinigten christlichen Partei" geplant. Mitglied, der Partck ionnte jeder stimmberechtigte „anständige christliche ungarische Staatsbürger" werden. Die Zentrale sollte in Ofen sein. Zweck der Vereinigung sollte sein:Kampfgegen In d e n t u m undjüdischenGeist, gegen jede jüdische Institution wie Freimaurertum, Sozialdemokratie. Radikal i s m u s nsw., Schaffung einer judenfeindlichen Presse und Literatur, Vertreibung der Juden aus Europa nach Palästina, geistiges, wirtschaftliches und militärisches Bündnis sämtlicher A ngehörigen der turanischen Rasse, darunter Bulgaren, Türken, Tataren und Finnen. Die nationale Armee soll ein ausgesprochen politisches Programm haben, das unter anderm ein unabhängiges von den Karpathen begrenztes Ungarn , mit Fiume unter voller Freiheit für alle Nationalitäten fordert. Juden können weder aktive Offiziere noch Unteroffiziere sein, weiters obligatorffchen Religionsunterricht. Juden können weder in christlichen Schulen unterrichten, noch christliche Schulen besuchen. Ferner wird die Zurückstellung des enteitzneten kirchlichen Vermögens, die Verdrängung der Juden aus iedem Zweig der Volkswirtschaft und des Erwerbslebens, Beseitigung der Börse und der Freimaurerlogen. Verbot der Mischehen mit Inden gefordert. Jedes Mitglied zahlt beim Emiritt hundert Kronen. Die polnische Leitung aehört in den Wirkungskreis des Generalstabes, dessen Mitglieder Sitze in der Negierung, in den Ministerien, in den Universitäten, in den Mittelschulen und wirtschaftlichen Korporationen erhalten, um überall christliches Leben fördern und die Politik der national« Armee mit voller Kraft vertrete» zu können. Tusar — tschechischer Ministerpräsident? Prag, 14. Juni (Tel.°Komp.) Die morgen in ganz Böhmen, Mähren und Schlesien stattfindenden Gemeindewahlen werden den sozialdemokratischen Parteien beider Richtungen den größten Mandatszuwachs bringen. Aus dieser Tatsache wird Präsident Massaryk, wie die „Bohemia" erklärt, die Konsequenzen ziehen und einen Sozialdemokraten, nämlich den derzeitigen Wiener Gesandten Tusar, zum Ministerpräsidenten ernennen. Auch Ressortminister werden die zwei sozialdemokratischen Parteien stellen können. Mitte nächster Woche soll Tusar dem Präsidenten die Kabinettsliste überreichen. Der Generalstreik in Böhmen ruhig verlaufen. Prag» 14. Jrmi. (Tel^Komv.) Der heutige Generalstreik in den deutschen Gegenden von Böhmen vollzog sich in aller Ruhe. Die Städte sind wie ausgestorben. Kein Mensch zeigt sich auf der Straße. Die Regierung hat überall das Militär konsigniert und die politische Polizei verstärkt. Der württembergische Landtag gegen das Rätesystem. München, 14. Juni. Wie die Blätter aus Würzburg melden, hat der württembergische Landtag mit den Stimmen der bürgerlichen Parteien gegen die Stimmen der Sozialdemokraten beschlossen, nach Verabschiedung der endgültigen Verfassung die Arbeiter-, Bauern-und Soldatenräte aufz u h e b e n. Ferner beschloß der württembergische Landtag einstimmig, bei der Neichsregiecung zu beantragen, daß sie an der Ablehnung des Artikels 383 der Friedensbedinaungen betreffend den künftigen Rhein-Do nau-Kanal festhalte, unter allen Umständen aber die Mitwirkung Württembergs an der Entscheidung über die Verbindung der beiden Flüffe sichere. Kranold enthaftet. München, 14. Juni. Schriftleiter Hermann Kra « old, der Stellvertreter Dr. Otto Neuraths im bayrischen Zen» tralwirtschaftsamt für Sozialisierung, ist heute aus sreien Fuß gesetzt worden. Dr. N e« r a t h bleibt noch i n H a f t Berlin ohne Zeitungen. Streik des technischen Personals. Berlin» 14. Juni. (Tel.-Komp.) Infolge des unerwarteten Ausstandes, m den das technische Personal sämtlicher Berliner Druckereien getreten ist, sind heute in Berlin mit Ausnahme der „Freiheit" und der „Republik" gar keine M o r g e n b l ä t t e r erschienen. Was zu dem vollständig überraschenden Ausstande führte, ohne daß vorher von irgend welchen Verhandlungen die Rede war, ist einstweilen noch ungeklärt. Es heißt, das Personal habe Lohnforderungen gestellt, doch herrscht dre Ansicht vor, daß für die Stellungnahme des Druckereipersonals politische Beweggründe mitbestimmend waren. Amerika gegen die Anarchisten und Bolschewiken. Amsterdam, 14. Juni. Dem „Telegraaf* zufolge meldet die „Times" aus Washington : Die amerikanischen Behörden haben energische Maßregeln gegen die Anarchisten getroffen. In New-Dork wurde die sogenannte Gesandtschaft der russischen Sowietrepublik durchsucht und eine große Menge aufrührerischer Literatur beschlagnahmt. Der boMewikische Vertreter in Amerika, Ludwig Martins, und sem Personal wurden verhaftet und vor dre Staatskonumssivn zur Unter'uchung der aufrührerischen Agitation gebracht. Pogrom in Zawiereie. j Warschau, 14. Juni (Tel. der „Wr. Mogenztg.*) Freitag den 6. d. M. war Zawiereie der Schauplatz! eines Pogroms gegen die dortige jüdische Bevölkerung, der durch die »Posnanczyki" (Soldaten aus Posen) veranstaltet wurdet Den Ausgangspunkt dieses Pogroms bildete eine Versammlung der Arbeitslosen, in der die Forder un g nach Arbeit aufgestellt und von einer Deputation dem Magistrat unterbreitet wurde. Rach! längeren Unterhandlungen erhielten die Vertreter der Versammlungsteilnehmer eine unbefriedigende Antwort, was die draußen harrende Menge in Erregung versetzte, die schließlich zu Tätlichkeiten und gegenseitigen Schießereien führte, die den ganzen Tag Über dauerten. Abends wurlw Me Intervention einer auf ihrer Durchreise in Zawiereie eingetrosfenen Abteilungen „Posnanczyki" zwecks Herstellung der Ordnung erbeten. Die Soldaten überfielen hieraus die jüdischen Gassen, plünderten und schlugen deren Einwohner; Geschäfte und Wohnungen wurden erbrochen und ausgeraubt, zweiIuden wurden erschossen und 21 schwer v e rwund et, v on denen zwei bereits gestorben sind. ' Abg. Dr. Weinzieher begab sich nach Zawiereie, um an Ort und Stelle eine Untersuchung vorzunehmen. Polnische Kulturarbeit im befreiten Gebiet. s Krakau, 14. Juni. (Tel. der „Wr. Modenzeitung".) Aus den befteiten Städten und Orten Ostgaliziens kommen sehr traurige Berichte über die Lage der dortigen jüdischen Bevölkerung. Die aus öffentlichen Wahlen hervorgegangenen jüdischen Nationalräte wurden ausg elößt, jüdische Beamte suspendiert, jüdisches Hab und Gut geplündert. Ueberfalle auf Juden sind an der Tagesordnung. Biele Mitglieder des Nationalrates wurden interniert, unter anderen Professor Bienen st ock in Stryj. In Stanislau wurden sämtliche jüdische Schulen geschlossen und den jüdischen Schülem der Eintritt in polnische Schulen v erwehrt. Nichtanerkennung der Mischen Mittelschulen in Lemberg. Lemberg, 14. Juni. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Der „Gazeta Lwowska" zufolge, hat der galizische Landesschulrat in seiner letzten Sitzung beschlossen, die Existenz der im Jänner d.J. in Lemberg errichteten jüdischen Mittelschulen nichtzurKenntniszunehmen. Der Landesschulrat hat sich auch außerstande erllärt, dem Unterrichtsministerium den Antrag auf Erteilung des Oeffentlichkeitsrechtes an diese Schulen zu unterbreiten, da ihm diese Schulen und der Geist, der sie beherrscht, unbekannt seien. Der gewesene Chef des bulgarischen Generalstabes im Zuchthaus. Laibach, 14. Juni. (Korr.-Bur. Laibach.) Nach einer Meldung des „Slovenec" aus Sofia hat das bulgarische Kriegsgericht de» gewesenen Chef des bulgarischen Generalstabes, General Tautilow, Wege» Unterschlag» »ge» z« fünf Jahre» Zuchthaus, Degradierung und Verlust der bürgerliche» Ehrenrechte verurteilt. y Rumänischer Heeresbericht. Bukarest» 14. Juni. (Tel.-Komp.) DaS rumänische Preß' bureau meldet: Der Heeresbericht des rumänischen Großen Hauptquartiers vom 13. d. M. besagt: Ostfront: Entlang des DnjestrS heftige Artilleriekämpfe. Westfront: Bei Szolnok dachten hie Ungarn, daß sie infolge der von uns durchgesichrten Truppenverschiebungen nach der Slowakei unsere Front durchbrechen könnten, doch stießen sie auf mutige« Widerstand. Wir erbeuteten dabei einige Maschinengewehre und machten etwa 100 Gefangene. Eingesendet. Miriam Meid Dr. Humus Grossfeld geh. Meyersohn ■Wien iiMBfcerg Verm&htt«. Wien, im Juni 1919. Spezlalhehandliiiig Rhema, Gicht Ischias Dr. 8tetaer.5Ä®3S1^^teto>Ms«p» 1 Beste Erfolce! 77» Prospekte auf Wunscli Dr. Bernhard Weiner. Kurarzt, 1 .. >. .=3 SZarlenbad, Hans Bristol. ----- lf Tor dem Kriege k i!• cirl Ul ■. mm M»» »W» w »M, m M» » » » erstklassig-Oberall zu haben CHEM-FAQRIK GEZÄ HERCZEG WIEN SPiCH ER GAS5E3