Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1919-06-14 · Heft 145 (14.6.1919) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 145 (14.6.1919)
Date
1919-06-14
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
86% known words query
IRI
…/2979076-2979077-2979222--01291-2986677
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Wiener Morgenzettung Nr. t45 Wien, Samstag 14. Juni 1919 Seite » Die Ernährung. Levensmittel für Sommergäste. Von: Staatsamte für' Aolksernä''n-u'fg wirf» hinsichtlich der Versorgung von Somme r g n st e n mit L 11» c u smittel u Nachstehendes bekänntgegeben: Personen. - welche auf die Ausfolgung von Lebensmittelkarten in ibreiu SonnneraufLnthaltsort. Anspruch erheben, müssen den Be.urg der LöosnKnrittitlkarten in ihrem ständigen Wohnsitze abmelden. Bor der Abmeldung wird eS sich empfehlen, sich zu, vergewissern, oh die SvmnreraruenthaltSoemeinde auch iat'ächlich dis' LebellsmittelkLrten anssoltzea wird. Wenn hi: Geruesude diese Äuswlgung äblehnt, wozu sie nach den erlassenen Dorschrifton berechtigt ist, muß den Sommergast in seinem ständig«!» Wohnsitze rayoniert bleiben und sich die Lebensmittel in . der« SomnceraUfenthältsort nachseuden lassen. Die Beförderung solcher Lebensmittelsendullgen kann durch die V Bürützung eines Gerrerckttrarrsportscheines erfolgen. Die Landesregierungen wurden ennächtigt, für ihre Geriete hierfür besondere Vorschriften zu erlasse-F ü r die wachse n'd u u g v o u Lebe n s Mitteln von Wien rus wurden folgende Bestimmungen getroffen: Düs Staatsamt fiiir Verkehrswesen wird in der Zeit vom 15. Juni bis 15. Sepwmbsr l. I. einen Lebensmittelnachfchnbdienst organisieren und zur Erleichterung der Aufgabe der Sendung in Wien einen besonderen Sammeldienft unter Heranziehung der Firma E. H. Hirsch u. Co. einrichten. Dem Sommergast bleibt es unbenommen, seine LebenSmittelvakere den Bahnämtcrn auch unmittelbar zur Beförderung ju übergeben. Diese Lcbcnsiinttlseiidiuigen werden in beiden Fällen als Expreßgut zn einem ermäßigten GepäStarife - befördert. Die bevorzugte.Beförderung wird gegen Vorweisung d^s Gencraltränsportscheines erfolgen, der,in Wien vom magistratischen Be.'.irksamte des Wohnbezirke? des Sommergastes 'gegen Vorweisung des, amtlichen ElNkaiifscheine.' ansgestellt wird. Diese Lebensmittelsendungen müssen äußer'-ich durch den Vermerk „Sommerverkehr" kenntlich gemächt werden. Der Generaltransportschcin berechtigt auch den' Sommergast dazu, seine ' Lebensmittel als Handgepäck mit sich z^ führen. Zur Erleichterung der Versorgnng deS Sommergastes ist ihm der Vorausbezug der für 1 4 T ckge Btftimmten Koch mehlmen ge gestat t'c t. Tie "Ausgabe erfolgt bei der Mehlabgabestclle gegen Vorweisung der Aufentbaltsbewilligttng der betreffenden Landesregierung (im Fälle des Sommeraufenthalte-k' in einer Gemeinde Niederösterreichs gegen Vorweisung einer Bestätigung dieser Gemeinde). ' ' Nähere Auskünfte über die Organisation des Sammeldienste-?, über die Gepäckstarife usw. erteilt der Landesverband für Fremdenverkehr in Mett, 1. Bez., Stock-im-Eisen- Platz Nr. 3. _ Herabsetzung der Mewüpreise in den Gasthäusern. Bekanntlich hat die Preisprüsungsstrlle Nichtvreise iür einzeine Speisen . sowie für die sogenannten Menüs in den Wiener Gastwirtschaften bestimmt. Von kompelcntcr Seite erfahren^ wir, daß die nicdcrösterrcichische Landesregierung die Richtpreise noch einer weitcrrnUebrrvrüsung zu unterziehen gedenkt und zu d csem Zwecke das G n t.a ch t e n. d c r L a u d e s w i rts ch a sts k o m m i s s i o n empchofin beabsichtigt. Der Marktbericht., Lebhafte Nachfrage machte sich auch gestern nur auf den G r ü n w a r e n m ä r t t e n bemerkbardie auch außerordentlich gut beschickt waren. Gemüse aller Art, wie Gärtner- Gemüse diesiger Erzeugung, ungarischer Grundsalat sowie hiesiger Häuptelsalat und Kockstalal waren neben Spargel und Spinat in großen Mengen zu haben. Unter den angebotenen Gärtnergcmüsen befanden sich auffallend viel Kohlrüben, deren Preis aber noch immer so hoch ist» daß er um für den engen Kreis der Bestsituicrtcu in Betracht kommt. An S ü d f r ü ch t c n; gibt e§ auf allen Märkten Feigen m K 16.—, mindere Sorten schon z» X 14.—, ferner Maroni rn K 9.— und Zitronen zu 60 und 70 Heller das Stück. Alle tieie Artikel.finden auf den Märkten nur sehr wenige Käufer. In derG r o ß m a r k t h a l l e kam außer den rationierten Flei'chmengen gestern nur das Fleisch von c t itcnt (!) Kalb zurDetailierung. An Würsten stauden mir 30u Kilogramm zur Verfügung. E i e r waren auch gestern nirgends erhältlich. Arsenttnifches Aindfleisch im Anrollen. Die angekündigte Probesendung deS argentlmschen Rindfleisches in Wien hat bereits die Grenzstation Ei mb ach durchlaufen. ' Die Sendung besteht aus 20.000 bis S0.000 Kilogramm Fleisch. Das Fleisch, ist bererts teilweise in den Verteilnngsplan für rayoniertes Rindfleisch der nächsten Woche einbezogen. Ausgabe von Kalbfleisch. Für die dieSwochige Ansa,:be von Kalbfleisch sind im ganzen, wie mitgeteilt wird, bloß 0,) Kälber übrig, diebestenfalls ein Gelammtgewicht von 1800 Kilogramm haben dürften. Die Abgabe erfolgt auf den Abschnitt 27 deS Einkanfschernes in der bereits amtlich bekanntgegebenen Weise an die in Betracht kommenden rayonierten Kunden. Erster Wiener Konsumverein. Fortsetzung der Eierabgabe in dev Magazine« des U, bis einschließlich VII. Bezirkes, 1 Stück für die Person. Die Mitglieder werden ersucht, die Anschläge und Flugzcttel betreffend die in der nächsten, Zeit staÜfindendm Sprengelversammlrmgen in den Verschleißstellen genau zu beachten. Mitteilungen der „Rohö". S a Ni s t a g: Zentralmagazin. VUI. Bezirk, Piafisten-- - .sse 19: Abgabe von Lekwar, Sardinen in reinem Olivenöl, Itromn. Sardellen in Oel und Kartoffelwalzgrieß von 8. bis 12 Uhr und von 3 bis 5 Uhr. — Magazin. I. Bezirk. Nibelungcngasfe 7: K.-,V.-Seifc und Toiletteseife, Franckkaffee, Zitronen, jkrachmrndeln und Snppenmaffe von 9 bis 12 Uhr und von 2 bis 5 Uhr. — 'in., IV., V.. X., XII., XIII. Bezirk: .Abgabe von Lekwar und an die > avouierten Kunden auch von amerikanischem Schweinesteisch von 8 bis 12 Uhr. — IX. Bezirk: Salz, Franckkaffee, Kartoffelwalzgrieß, Kümmel und an die rayonierten Kunden Abgabe von omerikanil'chem Schweinefleisch von 8 bis 12 Uhr. — XVII. Bezirk: Labsal, Kartoffelwalzgrieß, Franckkaffee, Stärkt», Paprika, und an die rayonierten Kunden Abgabe von amerikanischem Schweinefleisch von 8 bis 12 Uhr. — XVIII. Bezirk: Seife, LiZaschPulver, Dörrgemstse, Stjirkin, Kartoffelwalzgrieß und an die rayonierten Kundkn Abgabe .von amerikanischem Schweinesteisch von 8 dis 12 Uyr. XiX Bezirk:. Paprika». Waschpulver, Kümmel, Kartoffelwalzgrieß, Franckkaffee, StärkiN and an die rahonierien Kunden Abgabe von ammkamschem Schweinefleisch von 8 bis 12 Uhr. - XXI. Bezirk: Bari, Zwirn, Salz, Suvffnrrmsie. Franckkaffee, Kartoffelwalzgrieß. „ ,, . » . i”.'|* . ,■ “:'M -.s,y Bühne und Kunst. Schönbrunner Schlotztheater. (Zum ersten Male: -.Der Fremde:uub der Bauer", eine Szene von Toi st o i; „V v w ihm alleTugcude u" Lustspiel in zwei Akten von Tolstoi; /.Die Spieler" Lustspiel von .Gogols , - Di: .pei-liche E.ö f''Mlas'n'emi.".'e-de? Schloßthea'e'-s ist durch di^eu b'deutende l ung sti'-olleu A-cud wettae:nach:. D r ,-ol st 'tz'ilde Th a'ers'-a' : e' 5 ö i e, Ho'schräiffen und 0'euerä'e. verdunkelt sich -- und Lev To.stoi hat das Wort. Die Szene „Der Fremde und der Bauer" ist dialogisierte Tolstoi-Lehre, unerhört streng und kühn. Das Teudeuzgedscht tvirlt, als hätte der greise Prophet von Iaßuaja Polsana alle 5kräfte gesammelt, um es so rein, so eindringlich, so schlicht mid so scharf zu sagen, was u.'ch .isr i.he Lebeussühruug und Meuscheuerlösuug ist, daß dieses Zwiegespräch au keinem Herzen vorübergehell kann, ivie sich die Worte des Fremden, (natürlich ist der Frenide Tolstoi selbst) die Brust des elufältigeu Bauern erschließen müssen, der bisnuu nur den Schnaps, die Furcht vor den Steuerherru und der Negierung, die seufzende Arbeit im Dienste der Herrschenden und deuHunger kannte. Die darstellenden Künstler — Herr Sieber t als der Fremde und Herr S t r a ß n y als der Bauer — leisten in dieser Szene Außerordentliches. Der große Wert einer intimen Bühne erweist sich bei diesem Stücke für die Zuhörer, die sich förmlich einzeln angesprochen fühlen, und für die Schauspieler, die nicht wie im kalten Riesenraum des Burgtheaters ihre Gefühle gleichsam unterstreichen und auf den Kothurn einherschreiteu müssen, sondern in aller Geruhsanlkeit gedämpft und schlicht, aus tiefster Seele sprechen, und agieren dürfen. Auch Tolstois zweiakrigcs Lustspiel „Von ihm alle Tugenden" ist, ein Zlveckgedicht, gegen den Dämon Alkohol gerichtet. Ein gutmütiger, verkoinmencr Hattdwerksbursche, - den Kopf vollgestopft mit unverdauten sozialistischen Phrasen, plapperhaft, aber grundanständig, wenn er nüchtern ist, wird zum diebischen Gauner, wenn er Schnaps getrunken , hat, und ein vierschrötiger herzensguter Bauer wird . roh und verprügelt seine Frau, wenn er der Flasche zuspricht. Aber das Wertvolle an diesem Spiel ist die unübertreffliche Lebensweise, Charakteristik einzelner Menscheic und die ausgezeichnete Szenenführung. Tolstoi, der „die Kunst an sich" verwirft und, sie einmal eine verderbliche Krankheit nannte, wie die Perle, schön und kostbar, doch nur ein krankhaftes Gewächs des Muscheltieres ist, der greife Prophet, der Shakespeare und Göthe nicht anerkannte, Auerbachs Volksgeschichten wegen ihres erzieherischen Werteshöher einschähte als die gesamten deutschen Klassiker und für den' „Onkel Toms Hütte" das bedeutendste Buch der Weltliteratur war, hat in diesem nachgelassenen Werke, das zu einer Zeit entstanden ist als er sein ganzes poetisches Lebenswerk schon verleugnet«, doch wieder unbewußt die Kunst geübt, die man „um ihrer selbst willen" genießt. Da ist ein Bauer, der, von seirrem keifenden Well» gereizt, im Rausche loshauen will und verdutzt innehält, als ihm der" spindeldünne Handwerksbursch in den Ainn fällt, und ihn mit freiem Blick auffordert, nur auf ihn loszudreschen, der polternd den Burschen später die gestohlenen Sachen zurückgibt, aber in köstlicher Herrenmoral dabei seinem Weibe immer wieder vorhält, daß er ans eigener Initiative handelt und nicht über ihre Veranlassung. Da ist ein Bauernweib, das den betrunkenen Gatten anfährt, trotzdem die nnansweichlichen Prügel komncen werden, das aber .alle Schmerzen sofort vergißt, weil er Geld mitgebracht hat und dann höchst angeregt beim Schnapstriilkcn mithilft. Den Handwerksbnrschen gab Herr Nomberg sehr beweglich und unterhaltsam. Er war jedoch eher ein verlumpter Komödiant, glattrasiert, niit genialischer Frisur, denn ein russischer Handwerker. Köstlich Frau Kall ina als geschäftige, riegelsame Bälierin. Da war alles echt: wie sie den Teig knetet, sich breit hinsetzt, die Finger in die ranhcn Backen vergräbt und die wundersamen Reden des Handwerksburschen mit ausgesperrten Augen anhört, kreischt, wenn sie Prügel kriegt und beim Schnapsglas Bescheid weiß. Auch Herr Gimnig als russischer Bauer war ganz vortrefflich. Die Szene beim Ausstehen im Katzenjammer, Herunterkriechen von der Bettstatt zum Ofen und bäuerlichem Toilettemachen sehr erheiternd. Frau Senders sehr glaubwürdig als alte Bäuerm mit harten Mcumszügen. Erfreulich die giUeu Bühnenbilder beider Stücke nach Plänen von Gütersloh. Den Abend schloß eine ergötzliche Schnurre von Gogol. Ein noch nicht ganz geriebener Gauner wird von ausftudierteu Bauernfäugern tüchtig hineingelegt und muß gute Miene zu dem bösen Spiel machen. Der Spaß wurde von der Herren Lackner, Hertcrich, Zeska und Baumgartner frisch gespielt. .Ausgezeichnete Figur machte Herr Romberg in einer Doppelrolle. Nur Herr E. Reimers schien uns als betrogener Betrüger zu wenig frisch und aufgeräumt. _ O. A. Gustav Mahlers Achte Symphonie. Festanfführung im Operniheater. Man hat in diesen Tagen festlicher Erinnerung oft an Gustav Mahler gedacht, an die höhere Weihe, die auch ohne das Eintreffen kalendarischer Zufälligkeiten von seiner Tätigkeit im Oeprnhause ausging und an die vorbildliche Art seiner Amtserfüllung, der die Vermittlung höchster künstlerischer Erlebnisse als einziges Arbeitsziel vorschwebte. Es war moralische Pflicht, auch ihm, der als getreuester Diener der Oper doch nie ein Opernwerk schrieb, einen Abend des Gedenkens zu weihen. Seine Achte Symphonie, die Krönung seines symphonischen Schaffens, erfüllt durch die Entfaltung chorischer Massen und die Pracht ihres orchestralen Gewandt alle Forderungen, die an ein Werk von festlichem Charakter gestellt werden können. Der Hynmus an den schaffenden Geist und der mit diesem inbrünstigen Gebet motivisch unlösbar verknüpfte zweite Teil des ,Sauft^ sind Gegenstände, bei deren Bewältignng sich die Musik der Lösung höchster Daseinsfragen nähert. Solche Probleme konnte Mahlers Schaffensdrang befruchten, das menschliche Einzelschicksal als Substrat des musikalischen Drama hat ihn niemals so mächtig angezogen. Dennoch hat er gerade in der Achten den Forderungen deS Theaters in gewisser Hinsicht seinen Tribut gezollt. Das Opernmätzige in der Faustvertonnng ist stellentveise nicht zu. verkennen nnd man hat dies der Symphonie verschiedentlich zum Vorwurf gemacht. Aber es ist so wenig wirkliches Theater als es die textliche Grundlage ist. Die ideale Stilisierung der Mysterienbühne im zweiten Teil des „Faust" hat eben guch. in der Musik adäquaten Ausdruck gesunden. - Es liegen somit hinreichend Gründe bor, dieeiner Aufführung dieser Symphonie im Theaterr'aum -das Wärt zu. reden scheinen. Dennoch löst diese Abweichung^ vom Gewohnten nicht restlose Befriedigung aus. Der Anblick des riesenhaften Orchesters und der aus der Bühne zrcsammengedrängteu Sängermassen ist wohl von tiefer WirklMg. Insbesondere beim allmählichen Heben des Vorhanges scheincil M iüe aftf-cbLtenen Lchaven. ins. U-uLruuMLa. Als wäre es die ganze Menschheit, die hier zu ekstatischem Gesang versammelt würde. Doch die akustische Wirkung entspricht ...nicht den durch das Auge gewouueuen Eindrücken, In Wölbung des Bühueuballes fängt sich der Schall, die Toumassen büßen auf diesem Wege Bedeutendes au Energie und Schlagkraft ein, so daß die Inhaber zahlreiche,- Sitzkategorien ein höchst unrichtiges und verzerrtes Klangbild cinpfangen mußten. Die „Symphonie der. Tausend" ist in. Wien durch zahlreiche Aufsührungeu, bekannt. Sie hat hier seit Bruno Walter? Interpretation die gleiche Bewunderung erweckt, wie damals, als sie Mahler in München zum ersten Male dirigierte. Es bat nicht air Stiinnren gefehlt, die in diesem Werte nlir -dns^ Prodilck eines mctzstlos gesteigerten Ehrgeizes sehen wollten, ei>r Streben nach Herrschaft über nlnstkatische Machtmittel in kaum zu überbretendrr Stärke, nur die Urteilskraft des betäi'bien .Hörers ujederzu^alten. Es zeigte sich aber, daß Zn der äußeren Wirkung durchaus uici)t' das Wesentliche dieses Werles zn suchen war. 'Die geistigen Grundlagen,- die bcftiiltmeub wurden für den sorinalelc. Ailfbau wie^ für die thematische Verkettung der einzelllen Teile heben diese Symphonie zur Höhe einer der großen Meilschheitsschöpfilngelt. Den Musiker zwingt vor. allem, di-e innige Logik dieser Architektur, die Konsequellz der Themenverarbeitung uyd die Kühnheit des Aufbaues zur Bewunderung. Die-v..Allfsührung unter Schalk zeigte mehr von gutem. Willen als von der Fähigkeit, ihn zur Tat werden zu lassen. Im ersten Teil gab es ein bedenkliches Wanken und Schwankerc, die Massen ließen sich nur noch mit-Mühe in rhythmischen Grenzen zusaminellhalten. Ja, selbst das Orchester verriet einen - in die'em Hause ungewohnten Mällget au Präzision und dynamischer Dicrchbildn.lg. Als sich der' wilde kontrapnliktische Sturm gelegt hatte, besserte sich auch das Nivcall der Ausführung. Dj'e durchsichtigere. Partitur des zweiten - Teiles wurde in ruhigerer Nervellstimmiiilg und mit voller Ans-. schöpsun.g der wundervollen Klairgr.'ize zic Gehör gebracht. Frau F.ö r st c l hatte ans 'ihren: wohlertvorbenen Pesitztun/ die Partie der una poenitentin-.u an Frau K i u r i n a ' abgegeben und verwaltete den Rest mit gewohnter musikalischer Sicherheit. Ihre Teilhaberin bewegte sich mit gleicher Frei eit in den ReZonen des hohen B. Erquickend wirkte wieder Frau K i.t t e l s Knnstlerschaft. Fräulein M i h a c s e k' assi- ' stierte in der höheren, Frau B a n e r-P ile c ka in' den tieferen * Stimmregionen, Herr Ai aikl erreichte im zweiten Teil schöne Innigkeit des Ausdrucks, so daß man sonstige Forciertheiten vergesset konnte. Die Herren Märkhofs und Krenn fügten sich mit ängemessenen Leistungen dem Ensemble ein. Der Kiirderchor war vortrefflich wie immer nnd bewahrheitete die Kom-, ponistenregel: Was gut geschrieben ist, kann schwer schlecht ansgefnhrt werden. Das Publikum zollte dem Meisterwerk seine Verehrung und dankte den: Veranstalter. Man war sich klar darüber, daß der Idealismus für wahrhaft festliche Veranstaltungen unter den gegebenen Verhältnissen kaum.zu finden ist und nahm ersatzgewohnt auch das Surrogat mit Vergnügen entgegen. " Dr. K.' M. Ludwig Wüllner: Goethe-Abend. Em schlanker, ergrauter Mann betritt das Podinm, üeht frei da,.schweigt lange, bis er mit genihsarnen Blicken alle drcse Menschen in dem riesigen, dicht gefüllten Saal an sich gezogen, gleichsam dtcht um sich geschart hat. Dann dient er seinem Dichter. Nur so darf man sich nusdrncken. Wüllner ist kein „Rhapsode", kein „Nachbildner", kein „Vortragskünstler". Gr rezitiert nicht, legt nicht aus, schasst nicht nach. Er ist ein Mittler. Tritt demütig hinter dem Dichter zurück, von dessen Geist er erfüllt ist und den er ans sich sprechen^ llißt, in solcher Reinheit,, in solcher: . Vollkommenheit, das; den Hörer förmlich der Odem des llustcrb- . lichcn anweht, der diese Werke schiff. Da wird keine daukbahe. Stelle unterstrichen, an keinem Vers die Redekunst geübt — aller auch nicht die kleinste Möglichkeit versäumt, die Seele des Dichtcriverkes zu offenbaren. Ein edler nnd weiser Mann steht dort am Podinni, von lautester Hmgabe an die Kunst. So wird iederWüllner- Abcnd zum Erlebnis, dtähcres über die Vortragsfolge zu sagen, ist müZtg. Ober nun „M.chom-ts Gelang" im Vollklang hinströmen läßt oder Wanderers „Nachtlied" betet, ob er nun'den „Fanst" erwachen laßt in der morgenfrischen Naknr oder uns den Gott weisll, der aus den Flammen mit der Bajadere in den Actber steigt, ob nun ans seinem Munde die unvergängliche Schönheit des Gedichtes^ „An den Mond" erblüht oder' der. Hmnor deS „Zauberlehrlmas", in dieser ganzen mit erlesenem Takt gewählten Reihe von Goctheschen Dichtungen gibt es keinen Mistton, keine Neberhebung, keine eitle Eigeuwilligkeit. Wüllner ist ein Erzieher zur Kunst. A, Aus den Theatern. Im Carl-Theater veranstaltet die F r e i r jüdische Volksbühne heute Samstag um Vz3 Uhr nachmittags-eme Vorstellung und wird das drciaktige Drama „D : c M « t .t c r“. von Davrd Pinski zur Aufführung gebracht. Karten sind an deu beiden Kassen des Carl-Theaters erhältlich. In der B o l k s o p e r gelangt heute SamStag als VIII. Wagner-Zyllusaufführung „T r i st a n und Isolde" zur Auffühmng. : / Im Joh annStrauß-TH eater gelangt mit Mizzi Z w e r e n z und Josef König Heute-Samstag und morgen Sonntag „D i e C s a r d a s f ü r st i n", ab Montag den 16. d. M. bis Donnerstag den 19. d. M. „Di e k e u s ch e Susanne" zur Aufführung. Hansi Niese gastiert nur noch viermal am Jose fstädter Theater nnd verabschiedet sich Montag i« dem Drania „R o s e B e r n d". Im Wiener Komödicnhaus gelangt Montag den 16. d. M. „Koni, Lear" mit Rudolf Schildkraut in der Titelrolle zum letzten Male zur Aufführung^ Dienstag den 17. d. M. um 7 Uhr abends geht „I u d S ü ß" mit Rudolf Schildkraul erstmalig in Szene. Für diese sowie für die Mittwoch den 18. d. M. stattfindende Vorstellung sind fast alle Plätze vergriffen. Neuerscheinungen des 2i. Lörvit-Verlages. Zur Diskussion des zionistischen Problems, das gegenwärtig nicht nur, das jüdische Volk, sondern auch die Politiker aller curoväischcnl Staaten zu eingehender Erörterung nötigt, erscheinen demnächst^ einige neue Schriften im Verlage R. L ö w i t und werden zweifellos durch ihren Inhalt und die, Persönlichkeit der' Autoren größtem Interesse begegnen. Heinrich M a r g n l i e S liefert eine „Kritik des Z i o n i S m u s", Raphael S ell i gm a n n behandelt dte „P r o b l t at e d e s Iudentu m.s", und, Ignaz Z o l l s ch a n wird in seiner langerwarteten ,,R evision d-e s 'N a l i o n g l r - m u ,.u hnLübetlicfeiteu.' Ideen des Nationalismus, zu den Buberschen Anschauungen,Iztü der Lage der Assimilatton nsw. in aufsehenerregender Weste Stellung nehmen. Ferner wird eine Reibe von Schriften von- Jizchok Leib P e r e z durch den Band „Geschichten ans dieser nlld jnier Welt" und eine Dramenreibe („Dre Nacht ans dem alten Markt", „Die goldene Kette", „Der Sünder") fortgesetzt. Vorbcstelluliacn auf diese in Kürze erscheinenden Bücher sind zu LMen-Ln^T-L- L glctf

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.