Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 145 (14.6.1919)
- Date
- 1919-06-14
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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- Ukraine 2× ep/1001131
- Niger 1× ep/1824046
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Rr. 14ß Wien, Samstag Wiener Morgenzeitung 14. Juni 1919 Telegramme. Griechenland soll sich auf Smyrna beschränken. Lugano, 12. Juni. (Tel. der „Wr. Morgerr-ta.*) Wie „Corriere della Sera" berichtet» hat die Entente Griechen!am d gewarnt, feinen Vormarsch in Kleinasien fortznfetzen. Die griechische Regierung wurde angewiesen, sich auf Smyrna zu beschranken. Die Grenzen der Tschecho- SlowaKei. Prag» 13. Juni. (Tel.-Konip.) „Rarodni Listy" meldet, daß die Festsetzung der Grenzen des ts ch echo-slowakischen Staates in den allernächsten Tagen beranntgegeben wird. Die Aktion der französischen Sozialisten Einigung aller Verbände.—Weitgehende Forderungen Versailles, 18. Juni. (Wolfffches Bureau.) Die „Confsderation Generale du Travail" und die Kartellverbände der Bergleute, Matrosen, Eisenbahner, Hafen-, Transport-, Metall- und Bauarbeiter haben prinzipiell zum Streik SteNun g genommen. Das Kartell veröffentlicht eine Mitteilung in der Presse, in der erklärt wird, daß die Berg- und Seeleute den Generalstreik auf den 16. Juni festgesetzt hätten, falls bis dahin ihre Forderungen nicht erfüllt seien. Das Kartell erklärt sich mit den beiden Gewerkschaften solidarisch. Die Streikenden und die Arbeiterschaft dürfen nicht nachgeben und sich nicht von der Regierung einschüchtern, noch auch herausfordern lassen. Das Kartell, heißt es in der Mitteilung, werde die Aktion der verschiedenen Verbände gegebenenfalls seinerseits durch seine Aktion unterstützen. Durch die übermäßige Verzögerung des Fried ens sch lusses, die wachsende Teuerung und die drohenden neuen Steuern, durch den Eingriff in bas Selbstbestimmungsrecht der Völker und den Versuch, die musische und die ungarische Revolution zu erdrosseln, schließlich durch die Verzögerung der Demobilisierung und der allgemeinen Amnestie sei eine Lage geschaffen, der man nur durch eine gemeinsame und gleichzeitige nativnaleundinternationale Aktion steuern könne.; { Krisenstrmmnng in Paris. Lyon» 13. Juni. (Funkfpr. des Korr.-Bur.) Aus amerts konischen Kreisen verlautet„daß dieZ u l a f j ungDeuts ch' lanos zum Völkerbund die Hauptfrage der Verhandlungen im Biererrat bildet. Man hofft, am Freitag zu einer Einigung zu kommen. Wilson ist gleich Clemenceau für bte Aufnahme zu einem späteren Zeitpunkt, wenn Deutschland nach der Unterzeichnung des Friedens bei der Durchführung der Bedingungen Proben seines gutenWillens gibt. Lloyd George ist nach wie vor für s o f o r 1 i g e Aufnah m e. Man meint, daß Wilson die Oberhand behalten werde. Am Freitag wird der große Kampf um den Völkerbund mit einer Versammlung in der Albert Hall in London eröffnet. Cecil, Greh und Sterd werden sprechen. Vermutlich dürste die Entschädiaungssunnne nicht bekanntgegeben werden. In der schlesischen Fra g e soll Deutschland der Bezug einer bestimmten Menge Kohlen zngkstchert und in einigen kleinen Teilen Schlesiens, wo sich die beiden Völker die Wagschale halten, ab gestimmt werden. Die Möglichkeit, daß die Deutsche den Frieden nicht unterzeichnen, wird nicht allzu ernst genommen. Aber die Lage und Stimmung in der französischen Arbeiterschaft ist außerordentlich ernst und wenn es schlimmer kommen sollte, kann die Lage Europas in n ä ch st e r Zukunft entsetzlich werden. Japan im Biererrat.; Berlin» 13. Juni. Das „Berliner Tageblatt* meldet aus Versailles: Der Rat der Vier ist seit gestern ein R a t der Fünf geworden. In der letzten Minute wurde der erste Delegierte Japans, Baron M a k i n o, zu den Verhandlungen über die Antwort der Alliierten zugezogeu. Wahrscheinlich soll aiff diese We'.'e ein etwaiger späterer Protest Japans verhindert werden. Die ungarischen Grenzen. Saint-Gvrmai«, 18. Juni. Der Viererrat hat die Vorschläge der fünf Minister der Auswärtigen über die Feststellung der Grenzen Ungarns gegenüber derTfchecho-Slowakei und Rumänien g u t g e h e i ß e n. Ausbreitung der Streiks in Italien. Berlin, 18. Juni. (Korr.-Bur.) Die „Voffifche Zeitung* nu'ldet aus Lugano: Die Streikbewegung nimmt in allen Tellen Italiens immer noch an Ausdehmmg zu. In N o m, B e r g a m o, Palermo, Ravenna, V e re e l l i und anderen Orten sind neue Arbeiter- und Angestelltenkategorien in den A u S st a n d getreten. Der 8 e h r e r streik, hat von Mailand ans auch auf Genua, Bologna ynd die benachbarten Ortschaften ü b e r g e g r i f f e u und soll nach einem gestern gefaßten Beschlusie deS ZentralauSfchuffeS der nationalen Lrhrervereinigung in den nächsten Tagen auf daS ganzeLand ausgedehnt werden. In Savona haben sich dem Streik der Angestellten der i t alienrschen Telegraphenunion auch die höheren Beamten angeschloffen. Die Gärung unter der Arbeiterschaft nimmt allenthalben so rasch zu, daß man dem „Avanti* zufolge vom Generalstreik nicht mehr wert entfernt ist. In verschiedenen Orten ist c§ auch bereits zu Zusammenstößen gekommen, so in N e a v e l u it b V e ro u a, doch iiuterdrückt die Zensur jede Mitteilung über Einzelheiten. Jii Lucca sollte Genietrrrppen eingreifen, doch unterblieb, die Inter-, ^.culion wegen der drobenden Haltung der Arbeiterschaft. Die Kommunisten vor dem Rathause. Das tschechische Kriegsbudget. Prag, 13. Juni. (Tel.-Komp.) Der Budgetausschnß der tschecho-slowakischen NatronalversaMMlung verhandelte heute Über den Voranschlag des Ministeriums für nationale Verteidigung. Rach den Mitteilungen des Berichterstatters machen die Vsrhältniffe in der Slowakei neue Ausgaben erforderlich, wodurch sich dgs Gesamterfordernis des Voranschlages um öOO Millionen auf 1.281,700,000 Kronen erhöht. Selbstbestimmung und Galgen. Prag, 13.Junü(Tel.-Komp.) In einer von den Agrariern einbernfenen Versammlung» in der auch die Minister S t a n e & und A ah r a d n i k erschienen, ergriff Minister Zahradpik das Wort und führte, wie der „Veeer" meldet, unter anderem aus: Wenn wir jetzt das Standrecht haben, so werden auch die Lodgeman» Freißler und die anderen deutschen Attentäter auf unseren Staat vor dem Galgen keine Ausuahmsstc,'ürng haben. Profeffor G r d i u k o erklärte unter anderem: Wir müffen es einmal offen sagen, daß die Deutschen gar keine Verdienste um diesen Staat habe». Die Republik wird daher keine tschechoslowakisch-deutsche, sonder« nur eine tschecho-slowakische sein. Der Kampf gegen die Deutschen ist nicht ansgefochten. Der Minderheit in Prag werden wir die bürgerlichen Rechte geben, wir werden ihnen aber nnr soviel gewähren, wie die Deutschen der tschechischen Minderheit in Wien. Ende der ukrainischen Armee? Thorn, 13. Juni. (Tschecho-flow. Preßbur.) Die polnische Militärverwaltung teilt mit, daß die ukrainische Armee auf gehört hat, zu existieren. Bei den letzten polnischen Offensiven wurde sie gänzlich aufgerieben. In Stanislau fielen 2000 Elfenbahnwaggons in die Hände der Polen. Sonntag stellten sich bei dem polnischen Oberkommando in Lemberg die Vertreter der Ätraine ein, die einen Waffenstillstand vorgeschlagen haben. In dem Berichte wird weiters mitgeteilt, daß die polnische Armee in Wolhynien auf bebeutende bolschewikische Kräfte gestoßen ist, und daß dort grimmig-e Kämpfe toben. Die Armee Koltfchak geschlagen. Moskau» 13. Juni. (Fnnkipr. des Korr.-Bur.) Unsere Roten Trnpven haben die St.adt U f a, die wichtigste Etappe der Koltschatarmce, erobert. Die Kriegsbeute ist ungeheuer, die geschlagenen Reste der Arm.'e Koltschak klieb^n in der Richtung Iekaterinburg. Standrecht in Kolomea. M ä h r. - O st r a u, 13. Juni. (Tschecho-flow. Preßbur.) Die hiesige „Morgenzettung" teilt aus Kolomea mit, daß die rumänisches Aemter, nachdem sie die Verwaltung der Stadt Übernommen hatten, das Standrecht verhängt haben. Es wurde mit Ezernowitz eine regelmäßige Verbindung! durch Fuhrwerke hergestellt. In Ezernowitz befindet sich jetzt das Hauptqnartter des Generals Seljkovski. - U. Abbruch der diplomattschen Beziehungen zwischen der Ukraine und Rumänien. X Wien. 13. Juni. Der Ukrainische Pressedienst meldet: Wi^ uns mitgeteilt wird, ist infolge des rumänischen Ueberfalles in Ostgalizien der Führer der außerordentlichen ukrainischen Mission in Bukarest, Georg von Gassenk o, mit den Mitgliedern der Mission von Bukarest a b g e r e i st. Die Begehungen zwischen der Ukraine und Rumänien wurden am L d. M. abends amtlich unterbrochen. Der außerordentliche Gesandte Gaffmko ist mit seiner Begleitung über Triest und die Schweiz nach PariH abgereist. j Sozialdemokratischer Parteitag tzr Weimar. f Weimar» 18. Juni. (Aorr.-B«r.) Der Parteitag "da sozialdemokratischen Partei Deutschlands nahm in der h «Niger Sitzimg ein V e r t r a u e n s v o t n m für den Parteivorstani Md die sozialdemokratischen Mitglieder der Regierung an. Ferner wurde gegen wenige Stimmen eine Entschließung angenommen» welche die Einigung der beide» sozialistischer Parteien betrifft. Protest gegen den Gewaltfrreden. Berlin» 13. Juni. (Korr.-Bur.) In der gestrigen Sitzung deS sozialdemokratischen Parteitages in Weimar gelangte eim stimmig eine EntschließMg zur Annahme, in welcher die Enti rüstuua über die Zumutung der Entente, dem deutschen Bolkj einen Gewaltfrieden aufzuzwingen, der die wirtschaftlich^ Md kulturelle Entwicklung des deutschen Volkes Mterbindet tmq das politische Dasein DenffchlandS unmöglich, macht, aüs-i gesprochen wird. Diese Friedensbedingungen erklärt der Parteitag für unvereinbar mit den Grundlagen der Wilsonschen FriedensbedingMgen. Die deutsche Sozialdemokratie ruft die Internationale zum Protest gegen den une» härtesten Gewaltfriedm der modernen Geschichte auf. ■■■’•% Dom östlichen Kriegsschauplatz. . A Die geschlagenen Tschechen auf polnisches Gebiet übergetreten. — Bor wichtigen Ereignissen in Galizien. Kraka«, 13. Juni. (Poln.Preßagentur.) DasPreßbureander polnischen Ostarmee berichtet, daß tschechische i n A us-- l 8 s n u g befindliche A b t e i l u n g e n mit Train und Artillerie sich bei beu v o l n i s ch e u G r e nzko mmando 8, g e m 11 b c t und um die Erlaubnis zur Ueberschreitung des polnischen Gebietes ersucht haben. Diesem Ersuchen wurde bev gleichzeitiger Entwaffnung der tschechischen Abteilungen siatt^ gegeben. Der Sieg der ungarischen Sowietarmee fällt zeitlich mit der totalen Zertrümmerung de p ukrainischen Armee in Ostgalizien! zusammen. Es gibt keine ukrainischej Armee mehr und die polnischen Truppen haben bisher keine Fühlung mit dem Gegner erlangt. Die letzten Ereigmffe haben die polnische Armee vor wichtige Aufgaben gestellt. Die russische Sowietarmee rückt gegen Ostgalizien vor Md versucht, sich mit den siegreichen Ungarn z u v e r b i n d e n, um eine gemeinsame Aktion gegen Polen zu nntcrnehlnen. Jnrj Südosten Galiziens bereiten sich somit wichtige mit i-I lärischeEreig ncsse vor. ,