Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 139 (7.6.1919)
- Date
- 1919-06-07
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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5Tt7 139 Sütcn, (snnumig Tagesbericht. Der allgemeine Lebensüberdruß. Die Ursachen der Selbstmordepidemie. Von Dr. Sanel Beer. Melancholie und Traurigkeit, Gedrücktheit und Perztv-elstung sind die augenblicklichen epidemischen Krankheiten in den besiegten nntteleuropciischen Staaten. Loben 1 niv doch schon fünf Jahre unter einem sich immer mehr imb mehr verstärkenden Druck, der zur crplosittcn Entladung drängt. Jeder tut eS auf eigene Art. Der eine toirft dieses tvertlos gelvvrdene Lebert selbst tveg — hat uns doch der Krieg mit seinem Massenmord die Verachtung des menschlichen Daseins gelehrt — der aridere stürzt sich ins Vergessen. Sonst mar der Alkohol der Sorgenbrecher. Nun geht der Arbeitslose und Untätige in die politische Arena, läuft dem Kommunismus und Bolschewismus nach, die Bemittelten unter den Nichtstuern spielen Hasard mH schassen sich so ihrer: Nervenkitzel, während andere sich bei Tanz und Schaumwein in Nachtlokalen anstoben. Arlch war nie die Sucht nach Betäubungsmitteln so groß lnic jetzt. Die Leute versuchen, sich ans alle erdenkliche Weife Opium und Morphium zu verschaffen. Die Grundstimmimg bleibt aber die Traurigkeit. Man schaue nur in seine eigene Seele und man wird sich bei chronischer Uebellaune ertappen. Wir lesen sie auch fast allen Menschen am Gesichte ab, ja sic drückt ihren Stempel dem ganzen Aeußern auf. Den Auge:: fehlt der Glanz. Die Stirne ist in Falten gelegt, ein verächtlicher Zug spielt um die Lippen, die ganze Körperhaltung ist schlaff, c> fehlt bent Aken scheu das Ltuft rcchte. Gerade. Wir machen kan»', einen Schritt, ohne aus beschränkende Grenzen zu stoßen, nichts als Verbote und Verbote. So wird der eine aus Verzweiflung zun: Verbrecher, der andere durchschneidet jäh den Lebensfaden. Tag für Tag schwillt die Chronik der Lebensmüde:: an. Schon vor dem Kriege war die Zahl der Selbsteikiieibnngen in beständiger Zunahme begriffen, die nicht bloß dein Steigeil der Bevölkerung parallel ging, sondern auch in anderen Verhältnissen ihren Grund hat. Während im Jahre 1870 in Wien 09 Selbstmorde vorkamen, stieg ihre Zahl im Jahre 1013 bereits aus 731. Die Statistik fast aller Länder zeigte unter den Selbstmördern ein Ueberwiegen des männlichen Geschlechtes. Dies scheint sich jetzt geändert zn haben. In: letzten Jahre des Weltkrieges hat es in Wien 353 lebensmüde Männer und 480 lebcuSmiidc Frauen gegeben. Wir finden also ein Ueberwiegen das weibtichei: Geschlechtes, das cs satt hat — zu leben. Nach den: Umsturz der politischen Ereignisse im November 101S kann inan fast voll einer Selbstinordepidemie sprechen. Bemerkenswert ist, daß jetzt reise Männer und Frauen im Tode die Wonnen des Vcrgessens suchen, während früher die größere Zähl der Selbstmörder i ringe Leute betraf, wobei sexuelle Einflüsse und gesteigerte Genußsucht die Hauptrolle spielten. Diese häufig seit des Selbstmordes, dieses Wegwcrfeu des Lebens, ist nicht allein in der Verzweiflung über die äußere Lage, in der Anspannung der' geschädigten Nerven begründet, sondern: auch die Unterernährung und Schwächung des Körpers hat den Menschen weniger widerstandsfähig in: harter: Lebenskampf gemacht. Die nervösen Stnuvtoine sind eure direkte Folge dar chronischen Unterer,lährung. Da kvird nur eine regelrechte Mastkur der verhungerten Miltelenropäer und die Widereclanglmg des physischen Gleichgewichtes abhelfen, aber davon sind um' leider noch weit entfernt. Gewiß, spiel, die Veranlagung des Menschen mit eine bedeutende Aalte, gewöhnlich liegt erbliche Betastung vor, indem Geistesstörung, Selbstmord und Atkvboli'smns sich in der Fan,itie finden. Der Psychopathische Mensch vringt eben gegenüber den finanziellen Schwierigkeiten der Gegenwart, den allsreibenden Sorgen um die. Leäenoerhaltnng, dem Verluste seiner Ideale nicht die nötigen H"!n:mmgen ans, er verliert sich. Das Schicksal der drei lebensmüden Geschwister, die ihre Wohnung fein säuberlich aufgeräumt, wie zum Mahle sich zu Tisch gesetzt und Veronal genommen haben, hat uns alle lies ergriffen. Vielleicht wollten ne auch tute wie jene drei Schwestern in Prag seinerzeit dell unseligen Krieg verschlafe::. Diese füllten die Wohnung mit Lebensmitteln, schlossen sich ein und wollten von den Menschen und ihren: Treiben nichts misten, bis die Friedensglocken ertönten. Mer von uns hat nicht selbst während des Krieges diesen leicht begreiflichen Wunsch gehabt? Der größte Teil der Selbstmörder entfällt nun tatsächlich nicht auf Gesunde, sondern auf Geisteskranke. Mag sein, daß die Ursache ein dauerndes, schweres, körperliches Leiden oder sonst ein äußerer unerträglicher Zustand ist, die letzte Veranlassung zum Selbstmord bildet doch immer die Geistesstörung, die anfangs von der Umgebung, bislveilen auch vom Arzt« nur als Nervosität oder Hysterie -gedeutet wird, mährend sie iu Wahrheit der Beginn einer Geistesumncichtnng ist, wie der Ausgang in Selbstmord oder gar häufig in Mord beweist. Wiener Äiovgen;icunn$ (Singe fettbet. briwien. PftysiHalisclvdiätiscU fjeilanti.Ut Dr. Biumtnkran* ZUR VERLOBUNG -» des Fräulein IMrJam Goldberg mit Herrn Koppe’ Lipschülr, beide ans Mielec, gratulieren Iierzliclist Wilhelm Golflborg und Wilhelm Cfroldflschcr. Prügelei dettLschrmtiorraler tmb kommimMschev StnhettLen vsr der Attiversität. Die Deutschösterreichische Korrespondenz meldet: Gestern abends fand ans der Rampe und ans den: Platze vor der Wiener Universität eine Kundgebung der Wiener deutschen Studentenschaft gegen die Friedensbedingungen und für den Anschluß an das Deutsche Reich statt. Schon nach 4 Uhr nachmittags begann der Aufzug der sarbentragenden Korporationen und bald war die Rampe und der Platz vor der Universität dicht gefüllt. Gegen 5 Uhr erschienen der Rektor der Universität, Hvfrat Professor Dr. Becke, der Rektor der Technischen Hochschule, Professor Dr. Zsigmvndy, und der Rektor der Hochschule für Bodenkultur, Professor Dr. Winkler, auf der Rampe. Der Sprecher der Studentenschaft legte gegen den beabsichtigten Gewaltfrieden Verwahrung ein und forderte das Selbstbestimmungsrecht für die Deutschösterreicher und den Anschluß an das Deutsche Reich. Hofrat Becke wendete sich gleichfalls in scharfen Worten gegen den Frieden. Nrm trat ein k o m m nn : stische r Student vor und wollte dagegen Verwahrung c i:: le g en, daß der Sprecher im Rainen der gesamten deutschen Studentenschaft gesprochen hat. S t ü r n: i s ch e Pfuirufe ertönten, Stöcke lv n rd t n g e s ch w n n g e n, und nur dcrn Eingreifen des Nektars rvar es znzuschreiben, daß der kommunistische Student unbehindert die Rampe verlassen konnte. Ans der Rampe war aber noch eine Gruppe kommunistischer Studenten anwesend, die sich nun durch Ruse bemerkbar machte. Daraufhin b e g a n n e i ne Sch lä ge re i. Die Komm unisten wurden unter Hieben von allen Seiten von der Ramp e bis in die Fahrbahn der Ringstraße getrieben, wo die S ch lä g er e : noch eine Weile syrtdaue r tc. Die Studenten zogen dann in geschlossenem Zuge zun: Rathaus, zur Teilnahme an der dort stattfindenden Versammlung der (türmst deutschen Vereinigung. (Die deutschen Studenten protestieren gegen die Gewalt, indem sie Prügel austeilen. Die Zeiten ändern sich, ihre Methoden bleiben die alten. Die Red.) Wien bei Nacht. Mo man sich noch amüsiert. Am 4. d. M. um VK Uhr nachts wurde die Wohnung des Privatbeamten Robert Schwa b, I., Dorotheergasse Nr. 6, im ersten Stock, emer Revision unterzogen. Die polizeilichen Organe stellten fest, daß zwei Zimmer der Wohnung zum Zwecke der Veranstaltung von Zechgelagen von: Stjährtgen Kaufnrann Siegmund N i,f c z e?>, IX., Türkenstraße Nr. 25 wohnhaft, gegen einen Monatszins vor, K 1000 gemietet worden sind. Es wurden 14 Personen überrascht; in einem Zimmer brannten sechs, im zweiten eine hundertkerzige, in der Küche und in: Borzinmnr je eine elektrische Flamme. Für die Gäste waren schwarzer Kaffee, Eier :md Butterbrot vorbereitet. In den Wohnung des Risczes, IX., Türkenstraße 25, ist, wie berichtet, e.st kürzlich eine Gesellschaft ausgehoben worden. — Um ‘42 Uhr nachts wurde die Wohnung der Schauspielerin Else sti n t t e r s b e i m, I., Kohlmarkt 1, neuerlich einer Revision unterzogen. Es wurden brr ihr etwa 40 P e r s o n e n angetrosten, die sich bei L,k8r unterhielten. Da Else Ruttersheim wegen Ucbertrctung der Sparmaßnahmen schon mit K 1000 Geldstrafe rechtskräftig, bestraft wnrde, verwendete sic zur Beleuchtung der Räume Karbid- und Kerzenlicht. — In beiden Fällen wurde die Strafamtshandlnng eingeleitet. — An: 5. d. M. wnrde die Private Rosa S k op a l i k, geborene Scdlacek, 14 Jahre alt, 1^ Elisabcthstraße 10, wohnhaft, wegen Ueberschreitrrng dev Sparmaßnahmen mit elektrischem Lichte mit X 1000.— Geldstrafe, eventuell fünf Wochen Arrest bestraft. Sie hat gegen das Erkenntnis berufen. Frau Skopalik hat in der Zeit vom 18. bis 23. April l. I. an einen ihr unbekannten Herrn zum Zwecke von Zechgelagen um den Breis von X 60.— per Abend ein Zimmer vermietet und für die Belcnchtrmg bis 3 Uhr früh allnächtlich elektrisches Licht verwendet. Die weitere Amtshandlung ist im Znge. Der Kampf um die 70 Millionen. Die „Ungarische Post" meldet: In Angelegenheit der durch die Wiener Polizei anfgcfundenen, ans der ungarischen Gesandtschaft entführten 70 Millionen, gegen deren Anssolgmig seitens der Ocsterreichisch-nngarischen Bank Schritte unternommen wurden, hat das Bezirksgericht Innere Stabt Wien für gestern eine mündliche Verhandlung anberaumt, die vom Landesgerichtsrat Dr. P o r r a s durchgeführt wurde. Die ungarische Gesandtschaft war durch Dr. Viktor Lefford, die Oesterreichisch-ungarischc Bank durch Dr. Rudolf P r o ksch vertreten. Der Vertreter der ungarischen Gesandtschaft bestritt die Verfügung als völkerrechtswidrig, da ein österreichisches Gericht keine Verfügungen gegen den ungarischen Staat erlassen kann. Ferner machte er geltend, daß sämtliche, nach österreichischem Gesetze geforderten allgemeinen Voraussetzungen für eine einstweilige Verfügung fehlen und daß der Ersatz dieser Voraussetzungen durch den Hinweis ans die angebliche Sicherheit der Bank nicht genügt. Der Vertreter der Notenbank vertrat den Standpunkt des Justin tnts in dem oben gekennzeichneten Sinne und machte Eigentun, sanspruch der Bank gegen den ungarischen Staat geltend. Nach dreistündiger Verhandlung erklärte der Richter das Verfahren als abgeschlossen und teilte mit, daß das Urteil den Parteien in schriftlichem Wege bekanntgegeben wird. Die Frage der Zugehörigkeit der cmfgesundenm 70 Milli" onen wird demnach in einigen Tagen entschieden. Der andere Teil des geraubten Geldes, ungefähr 85 Millionen, wurde bisher nicht aus ge fanden. 7. Inn: 11)10 (seile 5* j Eingeschränkter Straft crrbahnnerkehr zu den Psin g ft sc h: r i a g er;.; Wie uns aus dem Railnmse nütgeteilt wird, wird dir Straßenbahndirektion msolge der klebe, tastuug an den letzte» schönen Tagen und des gleichzeitigen Materialmangels leider n i ch t in der Lage sei u, ’im Falle schöner Witter,mg eine a u s r e i ch ende W a g e n z a h l für den A n sf l n g S v e r k c h r z u P fing ü e >c b e i z n st e l l e Die Bevölkerung muß daher mit einem eingeschränkten S t r a ß cb a l, n v c r II h r z n d e n P f i n ft f c re rlagen rechnen, weck es absolut u n m o a l r r(, ist unter diesm Verhältnissen den Bcdürinissen eines Biafienverkchres voll zu entsprechen. , 1 Es ist leider eine Tatsache, daß an den beiden letzten Soimmgen >ur den Ansgcnigssteitionen und bei der Rückfahrt sich so wüste Szenen abgespielt hoben, die aufs lientc zu bedauern und zu verurteilen und. Eine Ucbcrlastnng der Wagen würde zn estier groben Beschädigung sichren, die wieder eine außerordentliche Eiuschränimig des Bcilehrcs im Gefolge Halle. Sn nreigeustem Interesse der Bevölkerung Ucgt^es daher,^n dep Pfingnwicrtagen die Benützung der Straßenbahn für weitere Anoslüge tunlichst zn unterlassen. Soweit die ofnrielle 'Mitteilung ans dem Rathaus. Für die Ansslüglcr wird cs sich daher enivsehleii, im, cute Einren'cbewilltgnng nach Mauer, Mödling, St. Veit, Slcvering, Grinzing nur. anzninchen, wenn die Einschränklmgen nicht einmal vor den Toren Wiens Halt machen. Die Malariagefahr in Wien. Das städtische Gesundheitsamt teilt mit: Be: der grossen Verbreitung der M a I n t i a unter den vielen malariat'ranke» Heimkehrern aus dem Felde und der Kr;egsgefangenichaft besteht die Gefahr einer U e b : r t r a g u n g dies er Krankheit auf dieBevvtkerung W : e r, s. Mit Eintritt der wärmercn Jahreszeit ist die Entwicklung verschiedener Gelsenarten, welche die Uebertragung der Malaria bewirken, zu erwarten und tonnen besonders die Donauaum zu Malanaherdeiz werden, wobei die gleichzeitig,cinsetzende Bodesüisou eine vermehrte Gelegenheit zur Ausbreitung der Krankheit gibt. Um dies rechtzeitig zn verhüten, ist die rasche A n,z e:^g t der frischen McckariaMle durch die Aerzte die notwendige Voraussetzung. Die A c r z t e werden daher auf diese Notwendigkeit: aufmerksam gen;acht und gleichzeitig um Bekanntgabe des früheren Anfenthaltsortes des Kranken ersucht, bannt eine Urbersicht der lokalen Malariaherde gewonnen wird und entsprechende Schutzmaßregeln durchgesührt werden können. Die Selbstmörderin, die ihr Kind zuvor erschießen ließ. Wie v.'ir in unserer gestrigen Ausgabe gemeldet haben, furang vorgestern die Näherin Lneic N e k n t a mit ihrem zehn Monate alten Knaben nächst der Reichsbrückc in d,e Donau; ne wmde iedoch von Passanten gerettet. Das Kind war^tot. Zu diesem Vorfälle erfahren wir heute, daß das Kind nicht etwa ertrunken ist, sondern bereits am 4. d. M. vom Geliebten der Nekicka, dev: 25 Jahre alten Schneider Josef W a l e c k &, im Einverständnis mit der Nelma c r i ch^o s f e n m u r d e. Das Paar hatte nach Angabe desWalecka, der sich gestern früh beim Stadtkommiparrate selbst stellte, die Absicht Selbstmord .zu begehen und, fuhr mit den: Kinde in den Prater. Dort erschoß W a l e c 1 a d a S KR d, zur Ausführung des werteren Planes schltc aber dem Paare der Vück. Sie versteckten die Leiche in einen, Gebüsch und gingen in die Wohncmg der Neluka, w» fte die Nacht verbrachten. Am nächsten Tage begaben ste sich wieder m den Prater, holten die Leiche des Kindes hervor, kleideten sie um und gingen zur Rcichsbrücke. Dort bat das Mädchen ihm; Geliebten sie allein zu lassen. Walecka entfernte sich und die N'eknla sprang später in die Donau. Walecka wnrde in Hast bchalten. Jüdische HanÄnrerker! Bis Dienstag den 10. Juni wallen alle jüdischen Handwerker und Gewerbetreibenden nachfolgender Kategorien ihre Adresse an die „Wiener Morgenzeitung", U., Tabvrstraße 1—3, bekannt geben: 1. Maler und Anstreicher; 2. Bauimb_ Möbeltischler; 3. Bau- und Portalglaser; 4. Baum:d Kunstschlosser z 5. Dekorateure und Tapezierer; 6. Dcichgräbcr: 7. Fuhrmecker; 8. Installateure (Gas und Elektrol; 9. Jalonsienerzeuger; 10. Pinsel- und Bnrstenerzeugec; 11. Schristemnaler; 12. Spängler; 13. Stc'mmeize (Zementwarn: und Kunststein); 14. Stnkkalurer; 15. Dachdecker; 16. Zimmer mann; 17. Bildhauer; 18. Hafner. * Dcrnsustrntion gcgcsr den Gewaltft'stdctt. Oiestern abendZ fand in der Votislialst dcS Wiener Rathauses eine von der Großdeutichett Vereinigung ciit&cntjeite Masienversammlung gegen dem Diktatfrieden Vvn Saint-Gcrmain statt. Dir Ansfühnttlgctt der Redner gipfelten in den Fordenmgen: Sckbstbestimmnngsrecht für Deutschösterrrich und Anschluß an Deutschland. Den Schluß der Kundgebung bildete ein Demonftrationszug über den Ring. Beim Schwarzenbc^gplatz zerstreute sich die Menge. * De« Streik bet liquidierenden rnilitiirtschen Stellen. Die „Korr. Wilhelin/' nieldet: Seit dem Eintrltt des Personals der liquidierenden Stellen in den Streik beziehungsweise in die passive Resistenz werden Tag für Tag zahllose Parteien, welche Geld aus Liefermrgsverträgen, Personalgebühren, Pensionen, Medaillenzulagen m'w. oder Dokrnnente, behördliche Bestätigungen nsw. zu erhalten haben, von diesen, Stellen an das Bureau der Internationalen Llguidicrungskomnrission oder auch immittelbar an den Vorstand dieses Bureaus Ministerialrat Dr. B o s ch c, u im Staatsamte für Aenßeres gewiesen. Um solchen Parteien zwecklose Zeiwersäumms und Fahrspesen zu ersparen, wird aufmerksam gemacht, daß, die Internationale Liguidicrungskomdnsstvn organisationsmäßig nicht berufen und auch gar nicht in der Lage ist, die Wünsche solcher Parteien zn erfüllen. Mmistrrialrat Dr. Bosch an ist daher außerstande, derlei Angelegenheiten zu ordnen oder Ratschläge zn erteilen, da hierfür ansschlicßliich die Vülitärbehördcn zuständig smd. * Für die Verlängerung der Sperrstunde irr Gast- und Sü,ankgewerhen. Gestern begab sich eine Abordnung der Borstchnngcn der Genossenschaft der Gastwirte, der Kaffeesieder und Hoteliers iu „ das Staatsamt für Inneres und wurde von, Unterstaatssekretär E l d e r s ch empfangen. Die Abordnung trug dem Uuterstaatssckretär ihre Wünsche bckreftend Verlängerung der Sperrstunden vor. Unter-- staatssekrctär Eldersch hat vorläustg eine Verlängerung der Sperrstunde für niiriiftc: Samstag, Pfingstsonntag und Pfingstmontag in Aussicht gestellt. Photogvaphengewerbe cm 8. uud 22. Jstni in Wien. Die mederösterreichische Landesregierrmg hat den Unter-- nehmem von Photographengewerben in Wien gestattet, am 8. und 22. Juni von 12 Uhr mittags ab ohne jede Inanspruchnahme von Angestellten und Hilfsarbeitern - ihr Gewerbe nneingeschränkt ansznüben.