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Wiener Morgenzeitung · 1919-06-03 · Heft 135 (3.6.1919) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 135 (3.6.1919)
Date
1919-06-03
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Sette 2 Wien. Dienstag Luftstveitkräste abzürüsten, den alliierten und assoziierten Mächten das Recht zur gerichtlichen Perfolgung derjenigen seiner Untertanen zuzugestehen, die sich der Ver letzung der Rechte und Gebräuche des Krieges schu ldig g e in a ch t h a b e n, und detaillierte Bestimmungen über die Beziehungen und die Freiheit des Tvansitverkehres, ähnlich denen M brutschen ArMtz. anzunehmen. Der erste Abschnitt enthält den VölMbuNdsvertrag. Der zwölfte Abschnitt enthält den A r b e i t s ö e r t k a g. Diese beiden Abschnitte sind mit den betreffenden Abschnitten im deutschen Vertrag identisch. Das gleiche gilt vom sechsten Abschnitt, der von den Kriegsgefangenen und den Gräbern, und vom zehnten §lbschnitt, der von der L n f t s ch i f f a h r t handelt. Desgleichen ist auch der Abschnitt des deutschen Vertrages, der die Grundlinien für die Durchführung enthält, in dem österreichischen Vertrag eingeschossen. Der zweite Abschnitt behandelt die Grenzen- Die Nordgrenze mit der Tschecho-Slöwakei folgt den alten administrativen Grenzen, ble die Provinzen Böhmen und Mähren von Ober- und Niederösterreich trennen, mit einigen kleineren Berichtigungen, vor allem in der Gegend von Gmünd und Feldsberg Und längs des Marchflusses. . , . Die Südgrenzen mit Italien Md dem kserbo - kroatisch - slowenischen Stände svllsü spater von den hauptsächlichsten alliierten Und assöziierten Mächten festgesetzt werden. Fm Osten geht die Grenzlinie knapp östlich von Bkeiburg und überschreitet die Dräu knapp oberhalb der Lavant. Bon dort wird sie nördlich der Drau weiter verlaufen, wo der serbv-ktoatisch-slowenische Staat Marburg und Radkersburg erhält, gerade nördlich von Radkersburg in die ungarische Grenze einmündend. Die westliche Und nordwestliche Grenze mit Böhmen, die westlichen Grenzen mit der Schweiz und die OWcenze bleiben unverändert. ’ 1 Jrn dritten Abschnitt anerkennen die Vertrags schließenden Keile die Grenzen Bulgariens, Griechenlands, Ungarns, Polen-, RüMäjniens, des serbö - krvatisch - slowenischen Staates und des tschecho - skvwalischen Staates, die jetzt öder schließlich festgeletzt werden. Oesterreich verzichtet zugunsten der hauptsächlich sM alliierten und assoziierten Mächte auf alte seine Rechte und Vorteile über die Gebiete, die zfrüher ihm angehörien und jetzt änderen Staaten zugewiesen sind. Oesterreich anerkennt die vollständige Nnabhängigkeit des tschechosslowakisrhen Staates mR Einschluß des autonomen Gebietes südlich der Karpathen. Die genaue Grenze zwischen Oesterreich Und dem neuen Staate soll von einet Kommission von fWm MitgAirdern bestimmt werden, von btnen fünf von den hauptsächlichsten alliierten Und assoziierten Mächten uüd je eines Besuch bei Moses MeUdelssyn. Bon Dr. Berta Badt, Durch bas Wsentaltzr Tvr^bas eiuzitzt Tor. das im 18. Jahrhundert den Juden den Eintritt in MrliN nicht verwehrte schritten an einem kalten Jännernachmittag des Kahres 1783 zwei Gestalten: M MUbättiger Jude, hochgewachsen, doch gebückter Haltung, den langen Kaftan eng um die stierenden Glieder gezogen; dicht im den Großvater gedrückt M Wabe, der mit blaugefrovenen Fingern bin wollenes Tuch Über der Brust zusammenzuhalten versuchte. ,,Müi» Mut-, mein Sohn!" mahnte der Alte, wenn der Knabe müde wurde, ,,bald ist det Weg vollbracht; bald sind wir bei ihm, bei dem großen Weltweisen Moses Dessau, dem dritten Mose, den uns der Heilige, gelobt sei er, gesandt hat, als eine FeuersäUle auf unserem Wege durch die wüste Nacht des Golus. Er wird uns nicht verstoßen und nicht verwerfen; ist er doch selbst Vot Nunmehr zwanzig Fahren als ärmer Made durch dies Tor eingezogen. Lernens bäs. war ja der Zweck seiner Wanderschaft, wie es der Zweck der deinigett ist. Rabbi David Fränkel , deN gast et als Einziges Keifeziel an, und wir, wir fagtzn dem Torschreiber, wenn man uns fragt, Mos«, der Sohn des Mendel aus Dessau, ist unser Ziel; sein eigener LehM Fsrael den Moses Levi aus SäMMosy schickt Ms zu Hm." Sie hatten sich dem einfachen Hause in der Spanbauer-Straße genähert und waren in din schMUMVses Gemach eingelassen worden, dessen einzige Zwt Bücher bildeten. Kiesige TalwubfdlianteN, Seite an Geith Mit zierlich gebundenen Neueren Philosophen, mußten sich dort mit dem Kausmannspull und den Kontobüchern am Fenster Wöhr oder ilb'ei vertragen. Merrascht aber blieben die Gäste in der halbgeössnetsu Mr stehen. Da beugte sich der kleine Verwachsene mit dem Eulengesicht, dessen geistdutchMchlLW Häßlichkeit ihnen Kabbi Israel oft geschildert hatte, weit über den Tisch» düs DMKLMt beiseite schiebend, auL bm Mfc Fiüuren des Wiener Morgeirzekrmg von Oesterreich und der Tschecho-Slöwakei ernannt werden. > Die Tschecho-Slowakei stimmt zu, in dem Vertrage mit den hauptsächlichsten alliierten und assoziierten Mächten Bestimmungen, die WA Schutze religiöser» sprachlicher und Kassem miMvrhÄtüSi für Notwendig erachtet WMM- und M dis gerechte (equitable) Behandlung des Handels dtzt anderenMtiön festzusetzen. Dasselbe gilt für den ferbo-krtzätisch-slowe- Nischen Staat. Rumänien stimmt zu, einen ähnlichen Vertrag wie die Tschecho-Slowakei abzuschließen. Oesterreich anerkennt die volle Unabhängigkeit aller Gebiete; die zum früheren russischen Reichen gehörten. Os sttnttttt der definitiven Annullierung des Vertrages von Brest- Litowsk und aller Verträge öder Abmachungen $u,J>fe seit der Revolution voni November 1917 Mit allen Regierungen oder politischen Gruppen auf dem Gebiete des früheren russischen Reiches geschlossen worden sind. Die Alliierten! Machen einen Vorbehalt bezüglich alter Rechte seitens! Rußlands aus WiedrrgutMdchuntz oder Genug tüuiitz. destamitz stimmt m Äüfheßnntz der Hk tzistzrn Berträtze vom gäW 1839 utzb der M. fchaffung der luxe mb urgischen Neutralität zu» l ferner allen Abmachungen der alliierten und assoziierten Machte mit der TÜrkei und Bulgarien und ebenso allen Abmachungen der alliierten und assoziierten Mächte mit Deutschland bezüglich der Gebiete, die Dänemark im Vertrage vom Jahre 1864 aufgeben; mutzte. j Oesterreich nimmt eS auf sich, seine Einrichtungen A Einklang mit den Grundsätzen von Freiheit und Gtzrechtigkait zu brmKn und anzu» erkennen, büß die Verpflichtungen zuM Schutze der Minderheit« in den Bereich des rntemnttonälen Interesses sütm, worüber der Völkerbund die Jurisdiktion ausübt. Alle österreichischen StaatSangehSrigen ohne llntrrfchitzb der Raffe, Sprache «nd RMgion sirw -er Sem Gesetze gleich. Der freie Gebrauch ihrer Sprache im privaten! und öffentlichen Leben mutz Unbeschränkt! fein Und es müssen dafür billigt Erleichterungen gewährt werden. Oesterreich verzichtet auf alle Rechte, Am Md; Privllsgien außer halb Eurvpss. Düi militärischen Bedinguntzen werden Vorbehalten. Me österreichisch-ungarischen Kriegsschiff mit Einschluß dörDvNÄüflöttiltk wMiii als endgültig den hauptsächlichsten alliierten und assoziierten Mächten ausgeliefert -betrachtet« Die österreichische drahtlose Station kt ME darf drei Monate läng Nicht ohnö Zustimmung b*t te'g.HHBW. «'Lj, gJBBMHMS? I ■Bg.'-'l'lil.üK ■Wg.'ff!’!!l..^l,ll-!g&".»gg letzten Spiels noch stünden» das schwatzsamten« Käppchen von der Stirne gerückt; ihm gegenüber suchte «in rascher junger Mann mit eindringlicher Gebärde und beschwörendem, leicht schweizerischem Törtfäll RendslsohN von irgend etwas zu ÄberMgen. Hinter ihnen aber, die Lehm des Stuhles in der Linken, stünd em DriMr stolz äufgerichter. bas schärfe Auge mit Überlegener Laune auf die Sprechern gerichtet- „Lessingl Iß das nicht Le i sing? Gelobt seist Dü, Ewiger, der Du VöN Deiner Misheit verliehen Last dem Sterblichen!" so flüsterte der Alte dem Enkel za. „Ger aber ist der Drittel fragte er die Mgd, die ihn den Weg gewissen hatte. „Das ist Herr Ksvvter aus Zürich, der junge Herr Pfarrer, der so oft bei dem Herrn zu Gast ist. Die Herren sind am Nusbrechen; tztzduDet Euch ein wenig, so könnt Ihr Hecvn Möses Euer Anliegen Vorträgen" „Immerhin," hörten sie Lävater sagen, jwn es Vicht auftzörrn, mich Wunder zu nehmen, daß Ihre scharfe Ansicht, ieirerster Herr MD. Ihre unbestechliche Unparteittchdeit sich mit dem Mall der Mischen Geburt begnügt hat. EntwÄ»rr mutzten Sie, was ich bis jetzt mch niemals in Ihren Dchristen fand, dvs Christentum öffentlich wlvtzrlegtztt; oder ab«, Sie mußten nnn rden tun, was GvkralrS an Ihrer Stelle getan hätte... den Irrtum der Geburt Msbessern ... Der Bucklige lächelte nachsichtig. »Auch mich, mein Bester, würde das verwundern, wüte ich in Ihrem Glauben eezoaen. Warum mim Wie mir nicht meinen jüdischen Unglauben lassen? Gehen Eie» ich habe Vas Glück, so manchen trefflichen Mann, der nicht meines Glaubens ist, zum Freunde zu haben.' Nbemüls Äat Mir mein Herz heimlich zugerufen: Schübe um die verlorene Seele! Denn Nach den Grundsätzen unseres Lehrers Möses ftll ich niemanden, der nicht «Ach wt* ierem Gesetze geboren ist, zu bekehren Versuchern MvseS jat Uns das Gesetz gegeben, es ist ein Erdteil der Gemeinde Jakob. Alls änderen Völker auf Erden, ftz glauben wir» feien von Gott angewiesen worden» sich fttt das Gesetz, der Nattw und an bin Religion « _3. Juni 1919 _ Nr. 135 alliierten und assoziierten Regierungen für maritim^ militärische oder politische Nachrichten,dis auf Oesterreich oder seine früheren Verbündeten Bezug haben, benützt werden, sondern nur für Handelszwecke und unter Aufsicht. Während derselben Zeit darf Oesterreich krim weiteren starken drahtlosen Stationen baE. ' Did Auf llt Lüftfchisfahrt bezüglichen Bedingungen dtzAn sich fast ganz mit denen im deutschen Vertrage» Oesterreich stimmt zu, keine militärischtzn, maritimen E oder auf die Luftschiffahrt bezüglichen Missionen ins Ausland zu schicken und österreichische Staatsangehörige dürfen nicht in die Armee, die Flotte oder in die Luftdienste ausländischer Mächte eintreten. Die Bedingungen für den Transitverkehr sind dieselben wie im dSUtschen Vertrage. Für den österreichischst Tväüsitverkehr über früher österreichisch-ungarisches Gebiet, um Oesterreich Metz ZtzWig zur Mriä zu sicherü» sind besondere Vorkehrungen getroffen. Der Vertrag tritt in Araft, sobald er von Ogsterr^tch und drei der hatp tsächtichsten arliiertätz und usssziierM MÄchte mmMnet ist. Politische^lundschau. Dir rheinische RepnbliL. Sv wie in Deutschösterreich hat auch in Deutschland das nationale Unglück zu einer Stärkung der zentrifugalen Tendenzen Anlaß gegeben» die sich schon im' dritten Kriegsjahre zeigten und zunächst die Herstellung der alten Marnlinie zum Ziele hatten. Der Gegensatz zwischen Nord- und Süddeutfchland sollte politisch verwertet werden. Nunmehr, unter dem Eindruck der schweren Friedensbedingungeu» nimmt die separatistische Strömung Formen an,, die für das Fortbestehen Deutsch^- lands von ähnlicher Wirkung sein müssen, wie der Abfall dev russischen Randstaaten für Rußland. Mit Unterstützung der französischen Okkupationsbehörden hat sich ein Ausschuß gebildet, der aus Anhängern des Zentrums besteht, die die Gründung einer unabhängigen rheinischen Republik cmstreben. An der Spitze der Bewegung stehen die Zentrums ab g«ord neten Kastert und Kuckhvff sowie der Redakteur der „Kölnischen Volkszeitung" P. Frvberger. Sie bestreiten nachdrücklich, daß eS sich um Vorbereitungen zum Abfall vom Mich handle, vielmehr sei die Errichtung eines rheinischen Freistaates im Rahmen der deutschen Republik geplant. An deck Aufruf, der vorgestern in allen Städten de- Rheinlandsveröffentlicht wurde, wird als Zweck der Neugründung dir Bildung einer „Friedensrepublik" antzegeben, dir das Rheinland, Rhemhessen, die Rheinpfalz und das Fürstentum Birkenfeld umfassen soll. Hauptstadt ist Koblänz. Die Führer der Sep-rrativnsbewetzung befinden sich im Anvernehmen mit dem frLnzöstschei General Mattgin, der sie auch militärisch NNMstützW will. Patriarchen zu Halden. Die eS tun, werden Fromme Unter den anderen Böllern genannt; und auch sie sind Kinder der ewigen Seligkeit." „Allzu sanft, teuerster Freund," unterbrach der Dritte halb Unwillig das Gespräch. »Antworten Sie unserem bekehrungsösrigen Gottesmann nur mit allem Nachdruck und aller Freiheit! Benützen Sie Ihre Freiheit — wen« Sie Ihnen auch manchmal als Vogelfreihett erschienen sein mag. Sie allein dürfen so sprechen» wie manch anderer ehrliche Mann es tun Möchte und nicht darf; kann man doch in unseren Zeiten den Umsturz eineverderblichen Gebäudes nicht anderfördern als unter dem Vorwände, es neu zu stützenI Doch ein andermal. Mich ruft eine Vereinbarung zu unserem Freund« Nicolai; Herr Lavater, begleitet mich wohl ein Stück?" Die Stimmen verklangen im Durcheinander des Abschiedrvehmens. Fetzt öffnete sich die Tür und Moses Äendetsvh« kam mit ausgestreckter Hand auf seine Gäste z«. ,Ach höre, daß Ahr mir Grüße von meinem Freunde und Lehrer, dem ehrwürdigen Rabbi Israel bringt. Se & mir willkommen und sagt»was Euer Begehr!"- so begann et düs freundliche Gespräch mit den Beiden, die ihm aus voller Seele ihre Bitten vvrtrugen; wollte doch der Alle den Enkel herb ringen, auf daß er zu den Fützrn tzvn Mosche Dessau säße als sein Schüler. Bald ruht« leine Hand liebkosend auf der Schulter des Knaben, der an seine eigene Leidenszeit in Berliir ihtz erinnern mvchde. »Möge sein Weg leichter sein vielleicht auch weittrfühven als der meine" sagte er ftufzerch vor sich hin. Nicht lange, so unterbrach schon ei« Neuer Gesuch das Gespräch, »Ein Herr von Stande" meldete die Dienstmagd, Herrn Moses im Geheimrn sprechen WM. Er will seinen Namen nicht sagen, er wäre rin guter Freund . . >" »Laß ihn eintreben", sagte Mendelsvhn; „sollte seür Gespräch keinen Zuhörer vertragen, so müßte ich Euch bitten, ins Nebenzimmer zu treten. Doch meine ich — — da ist er schon I" An der KKpwll*. jtzmd tim hohe G.«Mt, ganz

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