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Wiener Morgenzeitung · 1919-06-01 · Heft 133 (1.6.1919) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 133 (1.6.1919)
Date
1919-06-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Wien.'Sonmag Gerichlssaal. Die HofrrchteraffLre. Dine amtlich« Darstellung. Bor cinigcn Tagen war gemeldet worden, das; die Fort" sctzung des Strafvollzuges gegen den Gistmörder Adolf Höflich 1 e r lmgcordnet sei rmd daß Hosrielttcr unter Berufung ans ein ihm angeblich erteilte? Gnadendetret deK dctttschöiterreichtschen Staats rate? dom November vorigen Jahres durch seinen Anwalt die Enthaftnug begehrt. Diese Angabe erweist sich als lutan* treffend. Bon maßgebender Stelle wird nns i'iber die Airselrgenheit folgende Darstellung gegeben: , Hofrichler, der. wie bekannt, als Oberleutnant wegen eines!an, dem Hanptmmm Richard M a d e r vollbrachten und im j weiteren elf Kameraden des damaligen Gnieralstabes versucht!« Giftnrordes Zum Berlrist der Osfi-ierschartie und zu 20 Jahr m «schweren Kerkers verurteilt worden war, büßte Liese Strafe 'seit dem 2b. Juni, 1910 in der Militärftrafanstalt Möllcrsdorf 'iah und l-attc somit am 8. November 1918 acht Jahre und vier iMonate und einige Tage verbüßt. Diese Strafzeit erhobt sich laut der im Gesetze bestimmten Voraussetzungen auf 11 Jahre. Gelegentlich des Umsturzes brachem der Militarstrafanstalt Mollerödorf eine Nevvlte aus, bei der ein Teil der Sträflinge entwich, wahrend der übrige Teil frcig(lassen werden mußte. Hofrichter blieb als einer der letzten in der Strafanstalt zurück, und verließ sie erst am 3. November '1918, kehrte aber bald freiwillig zurück und verrichtete in der Strafanstalt Schreiberdicnfle. Da Hosrichtcr durch die von der provisorischen Nationalversammlung am 14. November 19i8 erlassene Amnestie nicht betroffen war, brachte er Lurch seinen Rechtsanwalt ein Gesuch um gnaden* weise Nachsicht des Strasrestes ein. Dieses Gesuch ist vor kurzem n b g c w i e s e n worden, weil die zur Begutachtung berufenen Mililärjusiizbebörden übereinstimmend der Ueberzeuguug waren, daß die von Hofrichter bisnun tatsächlich verbüßte Strafe keine zureichende Strafe für sein Verbrechen bilde. Nach Abweisung des Gesuches ist nun die Fortsetzung des Strafvollzuges verfügt worden. Die Zeit seit dem 3. November 1918 dürfte dem Hofrichler,, in Anbetracht seines berücksichtigungswürdigen Verhaltens wahrend des Umsturzes und seiner freiwilligen Rückkehr in die Strafanstalt jedenfalls in die Strafdauer eingerechnet werden. Eine freigesprochene Kindesmörderin. Vor dem Schwurgerichte unter Vorsitz des Oberlandesgrrichtsrates Dr. Francnfeld hatte sich gestern die 81jÜhrrge Kochm Josefine M a p e r h o f c r wegen Kindesmord zu verantworten. Die Anklage, vertreten Lurch Staatsanwalt Dr. Meißner, legt rhr zur Last, ein irr der Nacht vom 11. auf den 12. Februar zur Welt gebrachtes lebensfähiges Kürd mittels Strangulierung ermordet zu haben. Die Angeklagte, verteidigt von Dr. R e ch e r t, stellt ihre Tat so dar. daß sie aus Verzweiflung, da ste schon zwei Kmder zu erhalten habe, zur Ausführung der Tat getrieben wurde. Sie habe 84 Kronen für die Pflege ihrer Kinder zu bezahlen gehabt, während sie bloß 70 Kronen verdiente. Die Grschwornttl (Obmann Körner) verneinten die an sie gestellten Fragen, worauf der Gerichtshof die Angeklagte fr eis p r a ch. Sport. Jüdischer Sport und Antisemitismus. .lieber den Sport als Mittel zur Völkerversöhnurig ist scho: sehr viel geschrieben worden. Gerade jetzt, nach dem furchtbaren Völkerringen sehen wir, tvie die Spcrtverbände aller Staaten Fühlung miteinander suchrn, und wir sind überzeugt, bald wieder englische Fußballer, amerikanische Leichtathleten und italienische Fechter begrüßen zu können. Es ist nur zu selbstverständlich, baß diese Wirkung des Sportes vor den hochgehenden Wogen des Antisemitismus nicht Halt macht. So lange keine jüdischen Sportvereine existierten, trat den Ariern der Jude nur als Einzelwesen im sportlichen Wettstreit gegeirnbcr, wobet dieser noch dazu durch die gleiche Uniform unter seinen Vereinsangehörigen untertauchte. Dem .Gegner fam das Judentum der Herren Fleischer, .Tandler usw. gar nicht zum Bewußtsein, sondern er sah in ihm nur das Mitglied des M. A. C., des Lvhnsuhrtverkcr-Athletenklubs usw. Erst als die jüdischen Sportvereine vor die Oeffentlichkeit traten, wurde ein Novum geschaffen und mit Aufmerksamkeit verfolgten die Interessenten aller Parteischnttierungen das Verhalten der Ocssc» tlichkeit. Die erste Zeitung, die auf die Leistungen des Wiener indischen Sporlttubs Hakoah hiuwieS, war das 'Organ der Antisemiten. Ob ihm damals ein Schnitzer unterlief oder Absicht in ihrem Handeln lag, können wir 'heute nicht beurteilen. Die Halo ah pflegte damals nur das Fußballspiel und ihre Gegner waren Vorstadtvereine. An antisemitischen Aeußerungen fehlte es anfangs nicht, aber bald gewöhnte man sich, in den Juden stcainme Sportler zu sehen. Als der junge Verein so weit konsolidiert war, suchte er um seine Aufnahme in den Niederösterreichischen Fußballverband an. Nur ein einziges Mitglied äußerte Bedenken gegen die Aufnahme. Es begründete diese Anschauung damit, daß es befürchte, wenn die Hakoah sich sportlich derart entwickle, um sogar für die erstklassigen Vereine einen Gegner abgeben zu können, daß es dann bei jedem Wettspiel, mit Rücksicht auf die großen Zuschauermengen. zu antisemitischen Exzessen kommen werde. Daß dieser Herr ein Deutscher mosaischer Konfession >toat, ist nur zu selbstverständlich. Die Hakoah wurde aber irc-tzdem ausgenommen. Schon vor dein Kriege Hut unser ältester jüdischer Sportverein eine derartige Spielkraft erreicht, daß er für die stärksten Wiener Klubs ein gefährlicher Gegner M'.rde. Er hat vor Tausenden von Zuschauern in Wien nud in der Provinz Wettspiele ausgetragen, ohne daß zu antisemitischen Exzessen gekommen wäre." Daß die Mißgunst uns gegenüber nicht über Nacht verschwinden kann, ist klar. Man hört noch des öfteren -bei Wettkämpseil, wenn die Aufregung am höchsten ist, chtcußenn'gen, die der Polen würdig wären. Ist die Wiener Morgenzettimg Siedehitze der Abkühlung gewichen, so hört man anerkennende und achtunggebietende. Worte über unsere jüdischer Sportleute. Heut. betätigen sich unsere Jnngens mit großem Erfolg auf allen Gebieten des Sportes. Ihre allgemtiiw Wertschätzung ersieht man daraus, daß selbst die den Statrrten nach antisemitischesten Vereine die jüdischen Sportvereine gerne und gastlich ans dem Sportplatz begrüßen. Auf dem Boden der ehemaligen Monarch i, gibt es derzeit nach Dutzendep zählende jüdh'ck Sportvereine, ckwren Werdegang von den Ariern mit Anfinerksamkeit, Achtung und Verständnis verfolgt wird. . Die guten Eigenschaften, die der Sport in jedem an suchten Menschen weckt, bedingen ein einander Näherkommen, ein Verstehen. In vollkommener Verkennung der Tatsachen wettern gerade jetzt die deutschen Turnvereine Dentsthböhmens gegen den Völker zersetzenden Einfluß des Sportes, wobei sie allem Anschein nach unter Völlerzersetzung Entnationalisierung verstehen. DaS ist unrichtig; die sportliche Betätigung ist wohl inür national, doch jedes Volk drückt ihr seine nationale Eigenart ans Der Sport lehrt aber die Menschen, sich^ über Kleinliches erheben und alsps von einer höheren Warte betrachten. _ B. StafettenlaufFloridsdorf(Spitz)—Hohe Warte Bedauerlicher Weise sind zu diesem vom Sportklub Hakoah veranstalteten Propagandalaufen nicht allznviele Nennungen eingelansen. Da aber, bis auf die Vienna, sämtliche Leichtathlet^ betreibenden Vereine am Starte erscheinen, wird eS rinm sehr scharfen Kampf geben. Jede Stafette besteht ans 7 Läufern, von denen jeder zirka 800 Meter zurückzulegen hat. Der Start erfolg präzise 11 Uhr vormittags beim Rathaus in Floridsdorf, wo gleichzeitig die ersten Läufer der Stafetten abgelassen werden. Da man als Durchschnittszeit für jeden Läuter 2 Minuten 2p Sekunden annchmen kann, dürften die Schlußmänner ungefähr um V«12 Uh r an bet* Ecke der Barawitzkagasse und Friedlgasfe u die Stabe übernehmen. DaS Ziel befindet sich auf dem Sportplatz Hohe Warte, wo die Läufer noch eine Runde zurückzulegen, haben. Das Laufen wirL in zwei Klassen ausgctragrn. In der I. Klasse starten W. A. F. 1, W. A. F. 2, Rapid, W. A. <£., Hakoah 1 und Hakoah 2. In der H Klasse treten die Jungmannschaften der Hakoah und Hechawers an. Der AuSgang beider Konkurrenzen ist ungewiß. Die genauen Bestimmungen lauten: Teilstrecken: 1. Floridsdorf (Spitz)—Kaiser Franz Josefs-Brücke: Umkleidelokal: Hakoah-Sportplatz. 2. Kaiser Franz Josefs-Brücke. 3. vom Kaiser Franz Josefs-Brücke—Ecke Stromstraße nach Marchfcldstraße; Umklerdclokal: Restaurant Kandler, „nur Donaustadl", XX., Kasserplatz 14 (an der Brücke). 4. Ecke Stromstraße und Marchsrldstraße-Ecke Wexstraße-Klvsternruburgerstraße, b. Ecke Wexsirnßc—Klosterneubnrgerstraße-6o Meter vor der Jilbüäumsbnicke: Umkleidelokal: Gasthaus „zum wilden Mann" Tabon Groß, XX., Klosterneuburgerstraße 68. 6. 50 Meter vor der Jubiläunu'brücke-Ecke Barawitzkagasse—Friedlgasfe 7, Ecke Barawitzkagaste-FriedlsM—Bieuna-Sportplatz, I. Runde; Umkleibelokal: Vienna-Sportplatz. Zeiteinteilung: Die Teilnehmer versammeln sich um 10 Uhr in den zu den Teilstrecken gehörenden Umkleidelokaleu. Bon dort aus werden die einzelnen Gruppen von den Funktionären zu den Etappcnpunktcn geführt. Abmarsch 10 Uhr 20 Minuten. 10 Uhr 40 Minuten fährt ein Motorrad vom Spitz weg, um die Ausstellung der Stafetten zu überprüfen. Nach dessen Rückkehr beginnt das Stafettenlanfen präzise 11 Uhr. Jede Stafette wird von einem Radfahrer begleitet. Führung durch cvcnluell privat mitsahrende Radfahrer, bei sonstiger Disqualifikation, verboten. Die Teilnehmer werben dringendst ersucht, sich zur angegebenen Zeit in den Umllcidelokalen einzusinden, da die oben erwähnten Zeiten unbedingt eiugehalten werden. Die heutigen Futzballwettspiele. In der l. Klasse send alle zehn Vereine an Meisterschaftsspielen beteiligt. Da sämtliche Mannschaften bemüht fein werden, ihre Position zu verbessern, wird eS spannende Kämpfe geben. Rapid trägt önf seinem Sportplatz in HÜtteldorf sein vorletztes Spiel aus. DerIusgang ift, rein numerisch, genommen, vollkommen belanglos, weil der Sieg der „Grünen" in der Meisterschaft bereitsfestfleht. Der Simm e r i n g er Sportklub wird hart kämpfe« müssen, wenn er nicht ein ähnliches Schicksal wie Wacker erleiden will. Rudolfshügel spielt in Ober-St. Veit gegen die Amateure. Die Favoritner müssen das Treffen gewinnen, wenn sie ihre Chancen für den zweiten Platz erhalten wollen.. Der W. A. C. hat auf dem Prater-Sportplatz den S. C. H e r t h a zu Gaste. Auch der W. A. C. ist ein Anwärter für den zweiten Platz. Rach den flieht gezeigten Leistungen muß er das Spiel gewinnen. In Floridsdorf stehen der W. A. F. nnd der F. A. C., zwei Vereine ans dem Mitteltressen, gegenüber. Der Ausgang des Spieles ist ungewiß. In Dörnbach wird Wacker alle Anstrengungen mache«, um dem Sportklub wenigstens einen Punkt zu entreißen. Wenn dies den Mcidlivgrrn nicht gelittgt, werden sie den letzten Platz in der Tabelle besetzen. II. ^-Klasse. In der II. ^-Klasse stehen vier Meisterschastsipiclc ans dem Programm, von beiten vor allein jenes zwischen Hakoah und Vienna, das ans der Hohen Warte stattfindet. Erwähnung verdient. Wohl hat sich die Vienna bereits einen solchen Vorsprung gesichert, daß ihr die Meisterschaft mid der Ausstieg in die I. Klasse nicht mehr zu nehmen ist, aber nach ihrer überraschendc,: Niederlage gegen den Nußdorfev A. C. ist man gespannt, ob rs nicht auch gelingen sollte, die Döblinger in einem MeisterschafkLfpirle iklederziiringen. Die Hakoah war bisher immer der gcfiihrlichste Gegner der Döblingcr, vor dem sie sich oft beugen mußte. Die letzten Leistungen der Hakonh-Elf sind zwar mcht dazu angetan, um z»l ilu* besonderes Vertrauen zu haben; morgen tritt sie in verstärkter Ausstellung au; leicht wird der Vienna der Sieg nicht werden. Vor dem Vicuna—Hakoah-Wettspiel süirlt R o t S l er n gegen Si ii.xjh und durste knapp gewinnen. 1. Juni 1919 Nr. 133 Ans dem Herthaplab treffen Slovan und N u ßd o r f e r A. E. znsammrn. Die Nnßdorfer dürften sicher gewinnen. Ad mira wird ans eigenem Platz Muhe haben, der- O'b e r - St. Beiter A. C. z» bcmn'ngen. Weitere Wettspiele. Der S. E. Kadi m a spielt in Schwechat gegen die. Ger m n lt i a. Nach den zuletzt gezeigten Leistungen darf man ein gutes Abschneiden der Kadima erwarten. Der S. E. U n i t a S spielt auf dem Hakoah-Platz gegen N o r d S t e r n nnd dürfte sicherer Sieger bleiben. Dte Hakoah dürfte mit folgender Mannschaft gegen Vienna spielen: Halvern (oder Reumann) — Trümmer, Lev Uns — Lumek. Scheuer, K. Jnhn — Horwitz, Sträutzler, E. Juhn, Rußbamn, Katz. Kadima—rldmiva 4 : 2 (Ö : 1). Admira, mit Ersatz für Skolant I, Schneider und Jarolim, Kadima mit einem Ersatzmann lieferten ein spannendes, faires Spick. Irr der ersten Halbzeit mit denk Winde im Rücken spielend, har Admira etwas mehr vom Spiele. Einige Prachtschüsse der Aduurastürmer wehrt Felix tadellos ab. In der 29. Minute erzielt Admira aus einem Freistoß durch Paganotta-Weigl die Führung. Nach Halbzeit erzielt die- Kadima nach einem von Mehler getretenen Freistoß durch Pollitzer den Ausgleich und in der 9. Miiinte durch „Grüll" die Führung. In der Folge verschuldet Admira „Hands" im Strafraum, den ( „Elfer" verwandelt Mehler vorbildlich. Admira legt nun mächtig los und vermag auch in der 22. Minute durch ihren Mittelstürmer Skolant N den 2. Treffer zu erzielen. Bei. einem Zusammenstoß Fiala—Hirschfeld, wobei ersterer ,zu Fall kommt, diktiert der Schiedsrichter „Elfer" gegen Kadina, doch wird derselbe ^vergeben. Drei Minuten vor Schluß erzielt „Grün" mit einem Bombenschuß den 4. Treffer. Bei Admira sind der linke Flügel Fiala-Weigl und Paganotta als Mittelhalf lobend zu erwähnen. Die Kadimnmannschaft verdient uneingeschränktes, volles Lob. Die Aufopfermm nnd Begeisterung der Kadima war nicht zu überbieten und tfiu Erfolg in über Hinsicht wohlverdient. Felix im Tor überbot sich selbst. Hirschseld und Reinkraut waren ein famoses Backpaar. Der linke Half „Hugo" war der beste Mann im Felde, aber auch seine Partner Mehler und Bärcuzweig ausgezeichnet. Im Angriff brillierte „Grün" durch seme Bombenschüsse: Bien war der richtige Dirigent seiner Mannschaft. Die Flügel Max und Sigi schnell und stets eure Gesahr für das feindliche Tor. Pollitzer zum erstenmal in die linke Verbindung gestellt, sehr aut. Der Sieg der Kadima gegen Admira ist um so höher einznschätzen, als er auf dem heißen Admiraboden errungen wurde, wogegen die Hakoah erst vor drei Wochen auf neutralem Boden eine schwere Niederlage von der Admira hinnehmen mußte. (4:1). Der Sieg gegen Admira bleibt ein Markstein in der Geschichte der Kadima. Reserven 5:3 für Admira. l. Wiener jüdischer Turnverein. Heute Sonntag den 1. Juni findet um 9 Uhr vormittags im Turnlokale des l. Wiener jüdsschnr Turnvereines, IX., Lcechtensteinstraße 20, der Ul. westösterreichrsche Kreisturntag statt, welcher die Liquidierung der westösterreichischen Organisation vollziehen wird. Daran wird sich die konstituierende Tagung des Kreises Deutschösterreich der jüdischen Turn- und Sportvereine anschließen. Der Volkswirt. Wochenschau. Die. vorgestrige N«de Dr. Schumpeters klingt schon bedeutend weniger optimistisch als seine bisherigen geradezu unbegreiflichen Erklärungen. Der Staatssekretär für Finanzen malte bisher unsere wirtschaftliche Zukunft in den rosigsten Färbet — ein seltsames System zu einer Zeit ,wo man rückhaltlos über die wahre Lage aufgeklärt werdmr müßte. Er äußerte, wir könnten in kürzester Zeit Nohstofse, Kredite, Goldwährung oder zumindest Goldkernwährung und noch^ viele andere wünschenswerte gute Dinge erhalten. Unsere Finanzen würden sich in absehbarer Zeit sanieren lassen. Aber Dr. Schumpeter machte die Rechnung ohne den Mrt, das heißt, ohne die Entente. Nunmehr Heginnt er einzusehen, daß unsere ganze Zukunft von der Art der Friede ns bed irr gun gen abhängen wirb. Nichtsdestoweniger bedient er sich noch imuier der merkwürdigen Methode, bas Pirblikum für den Augenblick durch eine Fata morgana zu beruhigen. Aber kein Einsichtsvoller kann sich dadurch täuschen lassen. Auch wenn Dr. Schumpeter die gegenteilige Ansicht verkündet: Es ist für uns äußerst schädigend, daß unsere Industrie nnd unser Kapital in die Snkzessiousstaaten, besonders in die Tschecho-Slowakei abwandert. Ferner ist es keineswegs gleichgültig, ob wir im Kohlenbezug vom Ausland abhängig sind oder nicht. Der Staatssekretär behauptet, Wien müsse das Finanzzentrum aller Nationalstaaten werden. Ein frommer Wunsch — sehen wir nicht mit jedenr Tage mehr, wie ihre Regierungen mit aller Macht von Wieic sortstreben? Sagen sie nicht ganz unverblümt heraus, sie wollten mit einem „sinkenden Schiff" nichts zu schaffen haben? Wir geben zu: Kopfhängerischer Pessimismus wird uns kaum weiterbringen. Aber es wäre endlich an der Zeit, daß man an leitender Stelle den Tatsachen ins Gesicht sieht, den Staatsbürger nicht wie einen Kranken behandelt, den inan mit Illusionen füttern muß, und ihm die Lage schildert, wie sie ist. Seltsam berührt an den Erklärungen Schumpeters der krasse Widerspruch zwischen Theorie und Prarts. Er spricht immer wieder von -er Notwendigkeit des Wiederaufbaues, davon, daß dem Wirtschaftsleben keine Hindernisse bereitet werden dürfen. Darin muß ihm wohl jeder. beipflichten. Wie aber sieht es damit in Wirklichkeit ans? Der Staat greift -in das Wenige, das von unserem znsannnengeschrumpften Wirtschaftsleben noch geblieben ist, so hindernd wie nur irgendwie möglich ein. Ungeachtet aller gegenteiligen Gcrsprechungcn. des , Finanzsekrelcirs dauert die V e vM ögeuSsper re unverändert an. Vou einigen wohlfeilen Scherzen in seinen Reden hat die Allgemeinheit blutwenig; bageger. sieht sie sich andauernd den größten Unbequemlichkeiten, Zeitverlusten und Bchinderungen aus gesetzt und vorläufigist kein Ende abznsehen. Der ' - ..-.4

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